heröselüer Tageblatt
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3|llOMlfii L—*M.? frei Sms Z^iStf1 Sonnabend, den 35. September
1920
Merand Präsidenl oon FranKrich.
w Genf, 24. September. lT. u.) Millerand ist mit >M von 892 abgegebenen Stimmen zum Präsi-ente« der Republik gewählt worden.
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Der 23. September 192t) wird als ein großer Tag •in der Geschichte der französischen Republik fortleben. Au ihm ist der elfte Präsident der Republik und der zweite Friedenspräsident im Elysee eingezogen, umju- bglt von einem Volke, das in seinem Siegerwahnsiun mw Nationalismus nur noch den einen Wunsch kennt, durch eine restlose Durchführung des Versailler Fric- densvertragcs ein ausgegliclienes, sorgenloses Dasein zu führen und durch feine politische und militärische Boc- macktstelluvtt auf dem europäischen Kontinent die Politik Europas von Paris aus zu diktieren. Millcraud ist dazu der geeignete Mgun, der die französische Politik in den letzten Monaten an mancher Szylla und CharyüdiS glücklich vorbeigesteuert hat. Er ist auch ein viel zu kluger und einsichtiger Polittker, als daß ihm dieses nicht gelingen wurde, weitimtcnS, soweit es sich um die Durchführung des Versailler Vertrages handelt, well er hierzu immer noch eine geschlossene Phalanx unter den Verbündeten findet, trotz aller Gerüchte von bett Gedanke» einer Revision, der hie und da in Ententekreiseu ausge- tauckt ist. Ueber das künftige Verhältnis FrankrelchS zu Deutschland kann deshalb kein Zweifel bestehen. ES sei nur erinnert an die Besetzung Frankfurts, den drohenden Einmarsch in das Ruhrgebiet, an -baa, Aix-les- Bains und die verschiedenen Affären mit Mitgliedern der EttteNtekounnissionen, vor der französischen Botschaft in Berlin und dem französichen Konsulat in Bres- lau. Fn der Politik Millerands widerspiegelt sich der Geist des französischen Chauvinismus, dessen Alpha unb Omega die ZertrümMrung Kestischlands und eine restlose Durchführung des Friedensvert^ääes von Versailles ist, gleichgültick ob dadurch eine Wiederherstellung Europas verhindert und das wirtschaftliche Chaos in 5er Welt noch vergrößert wird. Wenn auch die frmi- zösische Verfassung die Machtbefugnis des Präsidenten scharf begrenzt, so wird, falls überhaupt nicht die beabsichtigte Verfassungsänderung durchgefutzrt wird, Mll-
ftdif sicherlich nicht nächstes)ert. Seine «tüchtigen Freunde, an ihrer Spitze Briand. der künftige Ministerpräsident, werden ihn in feinem Wunsche unterstütze«, der darin gipfelt, die deutsche Einheit zu zerreißen. Mitteleuropa noch mehr zu balkanisieren und eine Atowiphäre der Spaunima zu erzeugen, die neue schwere Katastrophe.-' beraukbeschwören muß. Frankreich hat einen neuen Präsidenten, aber seine Politik wird die alte bleiben. Es wäre verhängnisvoll, wolcte man in Deutschland an den Personenwechsel im Elysee die geringsten Hoffnungen kLüpsen.
Zur Wahl MMerauds.
Eine Hetzrede Pot«carees zur Begrüßung
e--- Ge«f, 24. September. (S. C.) Der „Matm" meldet, Painearee hielt in Versailles an Millercmd eine Begrüßungsansprache, die in der Aufforderung an den neuen Präsidenten gipfelte, seine Aufgabe in der D«rch- führup» des Versailler Friedessoertrsges zu suchen, her die kulturelle Entwickelung Europas unter fcgnzösisckc Leitung für die jetzige und kommende Generattorr gesteLt habe.
DeKronftratroue« gege« Mtlleraud.
>t* Basel, 24. September. (S. C.) Der „Basler Anzeiger" ureldet aus Paris, die Sozialisten und die Syn- bifn litten berufen laut „Humanitee" für Sonntag Mas- ssNdexgsnstraiioueu des Proletariats in Paris ein, um geaei- die Wahl Millerauds zum Präsidenten der Republik zu demonstrieren. Es ist seit Bestehen der Republik der erste Fall. Saß die Massen gegen eine Präsidentenwahl auf die Straße gerufen werden.
Eine Botschaft Millerands.
i-t Genf, 24. September. sS. C.) „Echo de Paris" meldet, daß Präsident Millerand sich mit einer Sonder- botschaft an Senat und Summer wenden wird, um an die nationale Einigkeit der Senatoren unb Deputierten zu appellieren. Der Präsident hat die Füürer der sozialistischen Kammerfraktion zu einer Besprechung für Sonntag in das Elrllee gebeten.
Ein M-Ntsterfum Sviucaree?
®* Basel, 24. Zepiemner. sS. C.) Die „Basier Nachrichten melden aus Parts, nnmifte^ar nach seinem Einzug in das Elysee beriet Millercmd Poincaree und General Rollet zu sich. Die am späten Abend erschienenen Extrablätter spreche einem kom«e«Le»
Angaben des ReichsstnanzurlMsters auf etwa sa Milliarde« Mark beziffern. Die jährliche« AuS< gciben sind so groß, daß die Befürchtung eines weiteren Am'teigens der Schuldenlast nickt unberechtigt ist Schon die Entschädigungen an ReichSangeHürige aus Anlaß des Krieges belaufen sich auf 131 Milliarden Mark, Sie sich unter Umständen noch erhöhen können. Man muß sich wirklich fragen, woher das Reich das (Selb nehmen will. Bei diesen Rieserumforderungen müssen selbst die stärksten Sreuerauelleu bald ver'- siegen. Fm autzerordemlichen Etat des Reiches firt» in diesem Fähre noch 55,7 Milliarden ungedeckt, während der ordenrlicke Etat 39,4 Milliarden Mark anfor- dert. für die allerdings auf bem Papier eine Deckung vorhanden ist.
Die Finanzlage des Reiches ist so ernst, baß dringend Lne Sanierung der Finanzen notwendig ist. Für nächsten Mittwoch sind die bundesstaatlichen Finanzmiwster zu einer Besprechung nach Berlin gerufen worden, wo sie wahrscheinlich GelegenheU habe« werden, sich über die Ausführungen des ReichSstnanz- ministers zu beraten und die notwendigen Maßnahmen zu erwägem Die Beschlüsse des Reichskabtuetts zur Einschränkung der Ausgaben dürften allerdings einen wesentlichen Erfolg wrchl kaum zeitigen. Wenn ein Anfang zur fSemtittbentna der Reichsausgaben gemacht werden soll, dann muß energisch durchaegrtffen werde«. Man scheint sich aber, wie eine Meldung aus Berlin über die Frage der Erhöhung der Gllteriarife auf der Eisenbahn befaat, doch sehr schwer von der bisher üblichen Praris der Geldbeschaffung trennen zu können imd versucht, auch weiter die Ausgaben einfach durch Erhd- Hung der Einnahme« auszuqletchen, wodurch natürlich wieder eine Preissteigerna auf anderen Gebieten hervorgerufen wird. Es ist ein schwieriges Problem, das aber gelöst werden muß, wenn ein Ausweg aus her Finanzmisere geschaffen werden soll. wk.
Doch eine Zwaugsaulethe?
Nach einer Meldung der „T. R." wirb trotz 5er im Ministerrat beschossenen Beschleunigung in der Eiuzie- Huug des Notopfers die in der letzten Zeit viel diskutierte Zwangsanleihe nickt zu umgehen sein. Doch sei für den Fall, daß diese Zwangsanleihe zustande tönte, vorgesehen, daß das Reichsnotopfer dann auf sie angS.
Wahl Millcrands sKreibt das „Bcrl. Tagebl/': Was er in dem jetzt laufenden Jahre nach dem Weggänge Clemenceaus als Ministerpräsident und Minister des Aeutzern getan hat, ist noch in unserer Erinnerung: es knüpft sich an die Städtenamen Fraukfurt-Spaa-Genf. Seine Politik läuft hinaus auf die genaueste Ausführung des Versailler Vertrages, ohne daß den Besiegten das in der ganzen Welt, selbst bet den Paduanegeru - ' " cht des Wortes eingerümnt werde. Um diese chzuführen. ließ, er die Stadt Goethes von
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Politik buru,.,-,..--...........^------ -
feinen Senegalnegern besetzen. Darum verzögerte er Svaa und suckt jetzt mit allen Mitteln Genf zu hintertreiben. Ob sein Rufnicken in das höhere Amt, sein Ausscheiden aus der aktiven Politik diesen Kurs an- . Lern wird, das werben wir in den nächsten Wochen spüren. Erwähnt wurde bereits der Seufzer Leon Dau- dets, es sei schade, daß Millerand den Quai d'Orsay verlasse. denn er sei der einzige und der richtige Mann gewesen, der im Notfälle das Ruhrgebiet besetzt hätte.
Der „Lokal-Anzeiger" schreibt: Der Einzug Mil- Terands ins Elysee und fein anfängliches Sträuben hat seine Wirkung getan. Mit Ausnahme der radikalen Linken steht der größte Teil der Pariser Presse hinter ihm und feiert in tönenden Worten den neuen Präsidenten des „Frankreichs der Marne". Die Wahl des französischen Ministerpräsidenten kann nicht überra- üBen. Was bedeuten denn neben ihm Männer wie Leon Bourgeois, Fonnart, Peret oder Pams? Sie 'konnten sckwerlick damit rechnen, an das Staatsruder zu gelangen. Man brauchte einen starken Mann, der vor allem die Garantie dafür erbringen konnte, daß die bisherige Politik der Diktatur und Repressalien gegenüber DeutMand in derselben Weise fortgesetzt würde. Diese Garantie konnte Millerand erbringen. Seine Politik war von Svaa bis Aix-les-Bains eine Kette von Erfolgen des französischen Imperialismus gewesen. Was Clemenceau, der Tiger, durch seine Unüberlegt- Heit, durch sein Draufgängertum verdorben hatte, das war von Millerand in geschicktester Weise wieder gut- gemacht worden, gut im Sinne der Pariser Angstpolrtck. Das alles ist ihm gelungen: Die Beilcguna des englisch-französischen Konfliktes, die Schaffung des franzö-
sllch-bclgischen Bündnisses, die Stethma Polens unendlich die restlose Kaltstellinia des Völkerbundes, der in feinen Todeskämpfen noch versucht hatte, gegen das brutale Verhalten der Männer am Quai d'Orsan schüchtern Einspruch zu erheben. Der eiaeitilübc Mitzklana in dieser Kette von Erfolgen ist die Bildung der kleinen Entente mrd. damit das NiOzustandekonnnen der sehnlichst berbeigewünschten Donaukonföderation. die den Anschluß Deutsch-Oesterreichs an Deutschland bauernb verhindern sollte. Dafür ist jedoch die Annahe- rima an Ftalien geglückt, das.man mit der Zeit eben- rA»^
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Das Amanze
.Unsere Finanzwirtschaft ist eine Spbinx, ein Unae^ tilttt, das sein Schrecken erregendes Medusenhaupt immer höher erhebt und droht, unser ganzes Wirtschaftsleben und unser Volk mit in bett Abgrund hineinzurei- ßen. Noch nie ist die Trostlosigkeit unserer Finanzlage so offen dargelegt woröen, wie in der letzten Sitzung des Reichskabinetts von Dr. Wirth, und noch nie ist dem deutschen Volke an Hand bet Riesenziffern seiner Schulden so klar und nachdrttcklich gesagt worden, daß es sich in seinem Materialismus auf Wege begeben hat, die zum nationalen Unglück führen müssen, wenn es nicht noch in zwölfter Stunde seine sittlichen Kräfte zu- sammenrafft und den ernsten Willen zeigt, diese Wege zu verlassen und mit allen physischen und geistigen Kräften gemeinsam a« dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes mitzuarbeitm. An den Zentral- puykten einstige«, glänzenden Reichtums und früherer geordneter, blühender Wirtschaft finden wir heute nur noch Ruinen, die nicht einmal einen leisen Schiurmer einer großen Vergangenheit hinterlassen haben. Und noch sind wir nicht über den Berg hinweg, noch haben wir eine große Wüstenwanderung vor uns, auf der wirf die Lasten und Entbehrungen, die uns der Versailler Friedeusvertrag mrferlegt, erdulden müssen. Eine Probe dieser drückenden Lasten hat Dr. Wirth in seiner Rede über die Finanzlage des Reiches gegeben.
Dir Zahlerr, die er genannt hat, klingen gegenüber
den großen finanziellen Anforderungen des Krieges phantastisch. Der Finanzminister hält es für unbedingt notwendig, zu einem Wtrtschafts- und Ftnanz- vrogramm zu kommen, auf dem sich eine geordnete Finanzwirtschast aufbauen läßt. Hierin wird ihm jeder zustiurmen. Wie schwer das aber sein wird, ist aus den Riesenzahlen zu ersehen. Wenn ein geordneter Etat wieder aufgestellt werden soll, in dem die Einnahmen und Ausgaben balanzieren und in dem mit der Defizit-Wirtschaft endgültig gebrochen wird, dann muß vor allem eine S t e t t g k e i t in den Ausgaben angestrebt werden, wofür wieder Voraussetzung ist, daß die ungeheuer angewachsene schwebende Schuld in eine langfristige umgewandelt, das Wirtschaftsleben in ru- higeBahnen gelenkt wird und die Preis- und Lohnpolitik sich nicht in progressiv steigender Linie weiter auswärts bewegt. Solange dieser Wirrwarr besteht, wird es niemals gelingen, eine feste Grm ' "
Finanzen zu schaffen. Hinzu kommt nod entschädigung an unsere ehenmligen Feind wir überhaupt noch nicht kennen. Die s also so verworren und undurchsichtig, daß mal wieder zu der so sehr verpönten alten samkeit zurttckkehren und jeden
"^r ~ . Nöüö Srenervorlagetk. - .
•* Berlin, 24. September. sS. C.) Die ZusammÄi- kunft der bundesstaatlichen Finanzminister am 29. September in Berlin dient zur Erledigung der neuen Steuervorlagen der Reichsregierung, die jährliche Mehv- emnahmen vmr 2 bis 3% Milliarden Mark vorsehen.
Kontrolle der deutschen Arbeitsloseunnterstiitz««».
** Rotterdam, 24. September. (S. C.i Die „ti* mes" melden aus Paris, die Ueberwachu»asko«mtsslo« in BerL« ist angewiesen, die Unterlagen für die deutsche Arvertsloscnuvterstükung dem Alliierteu-Rat zp unterbreite«. Die Tatsache, daß die Deutschen töi 5 bis 6 Milliarden Mark für Arveitslosenunt übrig hätte«, wichreir» die Alliierte« bei gleich Arbeitslosigkeit das nicht leiste« könnten, sei von deutung für die Leistungsfähigkeit Deutschlands.
Die Frage einer ArbeilsdtrnMichl.
** Berlin, 24. September. (T. IL) Wie das „8. T." erfährt, beschäftigt sich das Reichswirtschaftsministe. rium gegenwärtig im Zasammenbange mit der F»age der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auch mit dem Ge- dankeu der Einführung einer allgemeine« Arbeitsdienst- pflicht. Man hält eine solche ArbeitsdienstvMchi «ickt ««r aus erzieherischen Gründe« für notwendig, sondern «an glaubt auch, daß man aus diesem Wege den er»;
lDie Forderung nach Einführung eines Arbeit?- bienstpflicht-Jahres ist schon mehrfach erhoben worden, auch im Parlament. Man hofft, daditrch ein Aeauiva- lent für den Wegfall der allgemeinen Wehrpflicht zu schaffen. Bei zweckentsprechender Organisation würde die ArbeitSdienstpflicht auch einen wesentlichen Einfluß auf die Sanierung unserer Finanzen ausüben.)
Die Wahlen zum Grotzberlkuer Magistrat.
•* Berli«, 24. Sep
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tT. U.) Die Fortseyun»
muß überall der Grundsatz oJn matt sich nach bex Decke strecke.
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