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Nr. 219 moniili* 2^?M.? frei Baus 2,25 Mk^ Montag, den 20. September

flizelgenprais für die einzollige Zeile :4C Plg., nsmeris 69 Pfg.

1920

M im MWWiett?

o^Berlin. 18. September. (T. U ) Wie demBer- Ihtcr Tageblatt" kurz vor Redaktionsschluß mitgereilt wird, scheint der Rücktritt des Reichsfinanzmtnisters Dr. Wirth bevorzustehen. Eine Reihe von Schwierigkeiten, die es ihm unmöglich machen, gewisse Finanzreformen in seinem Sinne dnrchznsühren, soll die Ursache in dem Entschluß des Ministers sein. Das ,B. T." gibt diese Nachricht, für die eine amtliche Bestätigung noch nicht zu erhalten war, mit Vorbehalt wieder.

Der Rücktritt des Reichsfinanzministers.

* * Berlin, 18. September. lS. C.) Der Rücktritt des Reichsfinanzministers wird heute mittag bestätigt. Sein Entschluß ist aus die allaemcinen Schwierigkeiten Mrückzuführen, mit denen der Minister zu kämpfen hat, um die bereits vorhandenen Fittanzpläne zur Durch- führuug zu bringen. Hieraus geht die Unlust des Mi- «isters hervor, Dentschland auf der bevorstehenden Brüsseler Konferenz zu vertreten.

Kriselt es auch in Preußen?

* * Berlin, 18. September. (T. II.) In der preußi­schen Landesversammlung wurde gestern behauptet, daß zwischen den Demokraten und den Mehrheitssozialisten sich eine unüberbrückbare Kluft aufgetan habe. Anlaß dazu sollen die Großberliner Gracie, das Kirchenaus- trittsgesetz, für dessen Fassung nur die bürgerlichen Par­teien eintraten, und Meinungsverschiedenheiten über die Aufgaben und die Lebensdauer der Landesversamm­lung gegeben haben. Ein Mitarbeiter desB. T", der hierüber Führer der Partei befragt hat, hörte, daß von einer Krise keine Rede ist. Die Mehrheitssozialdemo- kraten werden eine Aenderung des Kirchenaustrittsge- fetzes bei der am Dienstag stattfindenden dritten Lesung versuchen. Im übrigen wird über alle wichtigen Fra­gen zwischen den Koalitionsparteien verhandelt nnd über die Aufgaben der Landesversammlung, insbeson­dere über die Durchführung der Verfassungsberatung, zweifellos eine Einigung erzielt werden.

Sitzung des preußischen Kabinetts.

»» Berlin, 18. September. (L. A.) Das preußische Kabinett tritt honte nachmittag zn einer Sitzung mit einer langen nud wichtigen Tagesordnung zusammen. S« den Beratnngöakkcnftäude» gebäre« u. a., wie wir erfahren, die obersÄlesische Frage, die Umformung der SiSerheitspolizei, die bin; -sii ">. v,c Bcsoldnngs- frage und besonders aber auch die Stellungnahme zu dem Wunsche nach Auflösung der Landesversammlung, der von den Parteien der Rechten immer dringender er­hoben wird und bekanntlich neuerdings auch in anderen Lagern Widerhall gesunde« hat. Die Bersassuugsfrage steht hiermit in untrennbarem Zusammenhang.

Die Frage des Wiedereintritts der Sozialdemokraten.

w Magdeburg, 18. September. (T. II.) Die Mehr- Heitslozialdemokraten des Magdeburger Bezirks haben beschlossen, dem sozialdemokratischen Parteitag folgen­den Antrag vorzulegen: Der Parteitag möge erwägen, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion auf «fordern, alle parlamentarischen Machtmittel zur Erwerbung der politischen Macht zu benutzen und eine Regierungsbil­dung a«,,»streben, in der die Sozialdemokratie vertre­ten ist. Nur von dem Mitwirken der Sozialdemokratie in der Regierung erhoffen wir eine Gesundung unserer Verhältnisse.

Kritik desVorwärts" an der Regierung.

* * Berlin, 18. September. tVisü DerVorwärts" schreibt: Das Ministerium des Wiederaufbaues baut ab. Wirth geht. Hermes hat sich infolge seiner einseiti­gen Agrarpolitik bei allen Verbrauchern unmöglich ge­macht. Grüner provoziert die Arbeiterschaft, die Deutschlands Neutralität schützen will. Getzler, aber über den schweigen wir lieber. Alle anderen sind darin einig, daß es der Regierung nützen werde, wenn die So­zialdemokraten ein paar rote Ketten um sie schlingen würden. Wer wir danken.

Sie prüDentschastskrlse in Frankreich.

Jonuart aussichtsreichster Kandidat.

w Berlin, 18. September. (Eig. Drahtn.) Die Prästdentschaftskrise in Frankreich wird nicht von lan­ger Dauer sein. Entgegen der vorgestern noch vor- derrschenden Tendeyz wurde gestern in politischen Krei­sen betont, die Krise so schnell wie möglich ihrer Lösung entgegenzusübren. Unter den Kandidaten tritt der Senator Jonuart in den Bordergrimd, jedoch nur für den Fall, daß Millerand auf seiner Weigerung bestehen bleibt. Andernfalls würde Millerand nach Meinung der Blätter fast die SUmmenzahl des ganzen Kongresses auf sich vereinigen. Im übrigen wurden gestern als Kandidaten fast alle hervorragenden Führer genannt, nur ein Name wird vollständig tot geschwiegen: Cle- Die Zeitungen besprechen die Prästdentschaftskrise zunächst unter den verfassungsrechtlichen Gesichspunk- ten, und nurHumanitee" betont, daß der Ausgang der Wahl angesichts der reaktionären Kammermehrheit von der gleichen inner- und außenpolitischen Bedeutung . werden könnte. Bon den zahlreichen Kandidaten, wie Ribot, Castelnau, Foch, Peret usw., soll Jonuart am i ersten für die Nachfolge in Frage kommem über die sich die zum Nationalkongreß vereinigten Kammern am , kommenden Dienstag auSzusprechen haben werden. Jonnart hat sich als Gouverneur von Algerien zuerst einen Namen gemacht. Während des Krieges war er Kommissar in Saloniki und hat stark dazu beigetingen, daß Griechenland auf die Seite der Entente trat. Nach

Beendigung des Krieges war Jonnart eine Zeitlang Vorsitzender des Wiederautmachungsausschusies, aus dem er schied, weil seiner Ansicht nach die Verbündeten zu gelinde gegen Deutschland vorgingen. Jonnarts Kandidatur wird von Millerand energisch gefördert, der in ihm einen volitisch gleichgesinnten Mitarbeiter sieht, und Jonnart bat sich auch zur Uebernahme des Amtes eines Präsidenten bereit erklärt. Für die Rich­tung, die Frankreich bei den inner- und außenpoliti­schen Problemen einschlagen wird, würde die Wahl Jon­narts keine Neuerung bedeuten.

Ministerrat in Paris.

* * Berlin, 18. September. (Eig. Drahtn.) Aus Pa­ris wird gemeldet: Die Minister und Unterstaatssekre­täre traten gestern vormittag unter dem Vorsitz Mille­rands zu einem Ministerrat zusammen. Millerand be­richtete seinen Kollegen über seinen Besuch bei dem Präsidenten der Republik. Er teilte ihnen mit, daß auf Empfehlung seiner Aerzte, Deschanel beschlossen habe, seinen Rücktritt einzureichen. In Uebereinstimmung mit den Präsidenten der beiden Kammern beschloß der Ministerrat, das Parlament auf den 20. September zu einer außerordentlichen Tagung einzuberufen.

Millerand erstattete sodann den Bericht über die Zusammenkunft von Air-les-Bains nnd Lausanue.

Der Kongreß von Versailles wird wahrscheinlich am Donnerstag oder Freitag zusammentreten. Im Laufe der Sitzung drängten die Minister Millerand, die ihm angebotene Nachfolge anzunehmen. Millerand be- Harrte auf seiner Ablehnung und legte die Gründe dar. die ihn veranlaßten, das Werk, das er als Ministerprä­sident begonnen habe, fortzusetzen.

Die Unfälle Doschanels Selbstmordversuche.

* * Genf, 18. September. (T. U.) Präsident Descha­nel wird nach seinem letzten Unfall sorgfältig bewacht, da seine Familie für sein Leben ssirchten muß. Sowohl der Eisenbahnzwischenfall vom 13. Mai als auch der jetzige Vorfall sind Selbstmordversuche gewesen, die er in neurasthenischer Bewußtlosigkeit unternommen hat. Als man den Präsidenten aus dem Wasser des Kanals zog, wußte er selbst nicht anzugeben, wie er da hinein­gekommen war. Deschanel hat schon in der letzten Zeit seiner Präsidentschaft Anfälle von Gcdächtnisschwnnd gehabt.

Die Lage m Oberschlesien.

Forderungen an General Lerond.

* * Tresdrn, 18. September. (T. U.) Die deutschen Parteien und Gewerkschaften in Oberschlesieu haben an General Lerond eine Eingabe gerichtet, in der sofortige Beilegung des Aufstandes, Wiedereiusetzuuq der verjag­ten Behörden in ihre Aemter, strikte Durchführung der Entwaffnung nnd schärfste Absperrung der Grenze ge­gen Waffenschmuggel gefordert wird. Als Begründung wird angegeben, daß die Absicht der Polen erwiesen sei, sich nicht an das deutsch-polnische VerstLndigungsab- kommeu zu halten.

Die Sühne für den Breslaner Vorfall.

Die Sühneaktiou vor dem französischen Konsulate in Breslau ist am Freitag progratzrwäßig und in voller Ordnung verlaufen.

Hallersoldaten in Oberschlesien.

Im Gegensatz zu volnischeu Meldungen befindet sich, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, eine auf­fällig große Zahl beurlaubter Hallersoldaten in Ober­schlesien, die während ihres Urlaubs vollen Sold und Familieirnnterstützung erhalten. Die Zluszahlunq der Gebükruine erfolgt bemerkenswerter Weise durch die Organisation des polnischen Roten Kreuzes in Ober­schlesien.

Ein poluische- Grenzübergrisf.

Aus Allenstein melden die Blätter, daß der Grenz- voltzeiivachtmeister Albrecht in Buchnu'lde und der Landwirtssohn Sablotnn nach Aussage des Vaters des letzteren bei Eldenau (Kreis Osterode) von einer pol­nischen Patrouille auf deutschem Boden festgenommen und verschleppt wurden.

Neuer Einfall polnischer Jusnrgentcn.

* * Berlin, 18. September. (S. C.) Nach Meldun­gen aus Warschau sind gestern bei Myslowitz unter den Sinnen der französischen Besatzungsarmee 120 bewaff­nete polnische Insurgenten über die Grenze getreten. In Tichau haben bewaffnete Polen die Gemeindebe- Hörde ihres Amtes entsetzt und eine polnische Stadtver­waltung eingerichtet. Deutsche, die sich zur Wehr setz­ten, wurden nach Mvslonsitz und von dort über die Grenze geschafft. AuS Tichau sind 13 Deutsche, darun­ter zwei Frauen und mehrere Kinder, verschleppt worden.

Rücktritt der cuglischc» Kreiskoutrolleure.

» Berlin, 18. September. (L. A.) Der Rück­tritt der englischen Kreiskontrollenre in Oberschlesieu wird nunmehr von der Eutentepresie bestätigt. (Die englischen Kreiskontrolleure sind zurttckgetre- ten, weil sie mit der Haltung des Generals Lerond in der polnischen Anfstandöbeivegung nicht einverstanden waren und feine Stellungnahme zugunsten der Polen mißbilligten.)

Eitauifdjer Vormarsch auf Suwaltzi.

' ** Warschau, 18. September. Der polnisch-litauische Konflikt hat 6urdi den litauischen Vormarsch nach Su- walki eine neue Verschärfung erfahren. Die polnische Preffe fordert in großer Erregung, daß energische Schritte denen diesen Vormarsch unternommen werden.

Dte Verhaubkungea in Kalvarta.

* * Warschau. 18. September. Halbamtlich wird durch das Ministerium des Aeutzern mitgeicilt, daß die volnischeu Nnrerbändlcr in Kalvaria eingetroffen sind, i Die Verhandlungen mit den Litauern haben begonnem Sowohl auf liiauiswer als auch auf polntscher Seite be­steht die Absicht, die weiteren Verhandlungen über den Konflikt nach Riga zu verlegen. Inzwischen ist Lett­land die Vermittlung in dem Konflikt zwischen Litauen und Polen angeboten worden. Für den Fall der Zu­stimmung steht der Verlegung der Verhandlungen nach Riga nichts im Wege.

Wiuterfeldzug im Osten.

* * Geuf, 18. September. (S. C.) Havas meldet aus Warschau: Die Aussichten für einen baldigen Frieden sind nicht groß. Die Polen treffen alle Vorbereitungen für einen Wiuterfeldzug. Aus Frankreich sind zwei große Züge mit Heereslieferungen abgegangen.

Die toffleiöung überEupe» und Malmedy.

Keine Bestätigung des Abstimmnugsergcbnisies.

Wie derNeuyorker Herald" erfährt, bat der Völ- kerbundsrat das Ergebnis der Volksabstimmung in Enpen und Malmedn nicht bestätigt. Es wurde beschlos­sen. eine Kommlssiou einzusetzen, welche das Gemmt- material noch einmal prüfen und festsetzen soll, ob die Volksabstimnmng in richtiger Form vor sich gegangen ist. Da die ganze französische Presse sich über die letzte Sitzung des Völkerbundsrates ausschweigt, ist wohl anzunehmen, daß diese Meldung desNeuyorker He­rald" zutreffend ist

Die Genfer Konferenz.

Uneinigkeit im Verbände.

* * Rom, 18. September. (T. U.) Die römische Zei- htnnTempo" veröffentlicht eine hochoffiziöse Note ge­gen die dentiche Shtelcmmn der Zusammenkunft von Aix-les-Bains. Darin wird gefragt, wo denn im Kom- munrguee stehe, daß Deutschland von der Genser Kon­ferenz ausgeschlossen sei, und worin das Abschivenken Giolittis von der bisherigen Linie bestehen soll. Es sei nur ein Aufschub der besser Konferenz mir Rücksicht auf die MchzMM. Lr^-cc ^^.i*, Ärf««^- wor.cn während der oiemmtverbanb üBer den franzö­sischen Wunsch, Deutschland auszuschliesten, noch zu be­finden habe, wobei auch England keine Neigung zeige, dem französischen Vorschläge nachzukmnmen.

Die deutschen Kohlenlieferungen.

Nach einer Havasmeldung betragen die deutschen Kohlenlieferungen im August insgesamt 1975 000 Ton­nen. Das Programm, nach Lein im September zwei Milliotien Tonnen geliefert werden sollen sei in allen Einzelheiten festgelegt nnd seine Dnrchführuag voll­ziehe sich unter befriedigenden Bedingungen.

Der Völkerbund.

»* Genf, 18. September. Verschiedene Mitglieder des Ausschusses für den Völkerbund haben geäußert, daß ihre Regierungen, vor allem Schweden, nicht län­ger Behn Völkerbund bleiben würden, wenn Deutsch­land noch weiter von diesem ausgeschlossen werde. Ei­ner Meldung aus Zürich zufolge bestätigtCarriere della Sera", daß Jtalieu einen offiziellen Airtrag an den Völkerbund gestellt habe, die Bedingungen für den Ein­tritt Deutschlands nnd Oesterreichs in den Völkerbund festzusetzen.

Neue kommuuIWche Nulschpläne.

w Esieu, 18. Septevrber. In einer kommunistischen Versammlung in Essen wurde gestern mitgeteilt, daß in diesen Tagen die energische Tätigkeit der Kommunisten im rhcini:ch-westmlischen Industriegebiet darauf gerich­tet sei, in der gesamten Jndnstrie das J«stit«t der po­litische« Arbeiterräte zu errichten. In den nächsten Ta­gen werden besondere Ausrufe erscheinen. Wenn Biese Aufrufe die erhoffte Wirkung haben, dann brauche man um die straffe Zusammenfassung aller revolutionären Arbeiter nnd um den Erfolg des Hauptschlages nicht zu bangeit. Das Organ für die Durchführung der kom- nrenden Ereigilisse witrde die Gesamtheit der politischen Wbeiierräte fein, Don welcher Seite der erste Schlag geführt wird, läßt sich zurzeit noch nicht sagen.

Ci» Ausruf der Sommnniften.

* * Berlin, 18. September. Die Zentrale der Kom­munistischen Partei veröffentlicht einen Aufruf, in dem die Arbeiterschaft aufgefordert wird. Solidarität mit den roten Soldaten zu üben, die in Deutschland interniert worden sind. In dem Aufruf heißt es: Arbeiter, Ge- «offen, erhebt einen Massenprotest gegen die Entwaff­nung der Rotgardfften auf deutschem Gebiet. Die deutsche Regierung bat sich durch eine lauge Kette von NeutralitätSbrüchen gegenüber Rußland das Recht ver­wirkt, gegenüber den Soldaten der roten Armee sich auf das Recht der Neutralität zu berufen. Fordert, daß die Dc'ldateu der Weltrevolusion auf dem Boden der werk­tätigen Deutschlartt» ihre Waffen behalten.

Die U. S. P. D. uud Moskau.

«-»Berlin, 18. September. (S. C.) Nach einer Mit­teilung in der gestrigen U. S. P. D.-Berfammlung in Berlin-Friedenau haben sich bis zum 15. September etwa 51 Ortsgruppen und Bezirksorganisationen der IL S. P. D. zugunsten des Anschlusses an die dritte In- ternationale erklärt Auf dem bevorstehenden Partei­tag in Halle rechnet man mit zwei Fünftel für den Au- schloß und drei Fünftel gegen den Anschluß an Moskaus