Herssel-er Tageblatt
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Nr. 218 ^ntonetlidi 2.—%L,8 frei Beus^^m“”9 Sonnabend, den 18. September ^^
1920
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Was Korfanty daz« fagt!
w Berlin, 17. September. (Gig. Drahtn.) Korfanty ist über die nettesten in der deutschen Note an General Lerond gemachten EntbüNnngen über die weitere« militärische« Pläne znr gewaltsamen Besetzung Ober- schlesiens in große Verlegenheit gesetzt. Man dürste daranf gespannt sein, was der rede- und schreibfrendige Polenführer von seinem neuerdings mit Stahlplatten ansgelcgtcn „Bnrghotel Lomnitz" in Bentheu über diese Enthüllunge« in seinem Hetzblatt, der „Oberschlesischcu Grenzzeitung", sagen wird. Wer aber hier beweiskräftige Argumente erwartete, sieht sich schwer enttäuscht. Aus jeder Zeile blickt die große Verlegenheit, in die Korfanty versetzt worden ist. Er bietet seinen Lesern nichts als Phrafe« und wird dabei in der ihm eigenen Weise unverschämt. So sagt er an einer Stelle in einem langen mit Redensarten gefüllten Leitartikel: „Wir finden es nneutschnldbar, daß man, anstatt sich an die ei= gene Brust zn schlagen, die polnische Bevölkerung verbrecherischer Machinationen bezichtet. Das Urteil über solches frevelhaftes Gebaren ist bereits gesprochen und keine Macht der Welt wird das Gegenteil beweisen könne«." Am Schluß des Artikels behauptet der Polenführer, der sich sogar in den letzte« Wochen Schießscharten an fast sämtlichen Türen seines Hotels „Lomnitz" hat Anlegen lassen, daß er nichts anderes wolle, als eine „gerechte Abstimmung in Oberschlesten" unter dem „gerechten Schutze" der interalliierten Kommission.
Daß die Behauptungen Korsantys über seine Absichten und Pläne nichts weiter sind als eitle Schaum- schlägerei, gebt aus folgender Drahtmeldung hervor:
Ei« polnischer Aktionsbefehl.
Berlin, 17. September. sT. 1L) In einer Mitteilung des Kommandanten des 27. Beutkcner Re- ferve-Schützeuregimeuts, Iankowitz, vom 2. September wirb gemeldet, das 1., 2. nnb 3. Bataillon des Regiments stehen an der Grenze in Bereitschaft. Avl 10. September werde der Rest der Soldaten kommen. Der Einmarsch erfelgte auf Wunsch des Kommissariats. Des weiteren ist ant 2. September Weisnng znr beschleuuig- ten Beschaffung vo« Waffen nnb anderem Kriegsmaterial ergangen. Am 14. September wurde dann noch einmal unter dem Hinweis, daß die Aktiov jeden Tag
«nd Kampfabteilungen ersucht.
Bewaffnete polnische Banden.
«■ Königsberg, 17. September. Meldungen aus Oberschlesien zufolge sind vorgestern in Mnslowitz und Pleß einige bewaffnete Polenbandeu ausgetaucht, -sie nahmen in verschiedenen deutschen Häusern Haussuchungen vor. Eine Beschwerde an die interalliierte Kommission ist abgegangen.
Ernste Lage in Oberschlesien.
Nach den letzten Meldungen aus Oberschleuen mehren sich dort die Anzeichen für die in der deutschen Note an General Lerond erwähnte »»mittelbar bevorstehende polnische Aktion. Die Polen erklären ganz offen, daß sie innerhalb zweier Wochen ganz Oberschlesien fest tn der Hand haben werden. Die polnischen Grubenarbeiter drängen zu einem neuen Streik, der wahrscheinlich mit den angekündigten polnischen Putschabsichten zumm- menhängt. Die Entfernung des den Polen unbequemen italienischen Militärs wird öffentlich gefordert.
Die Ausweisnugen aus Oberschlesten.
e-t Beuchen, 17. September. Nach den letzten Mitteilungen aus Oppeln waren bis zum 1. September 315 Deutsche durch die interalliierte Kommission ausgewiesen worden.
Weitere polnische Einbernfnngen.
Berlin, 17. September. (S. G.) Das polnische Generalkonsulat aibt seit gestern neue Emberufungs- befehle an alle bisher Zurückgestevten und Reklamierten aus Auch die 40- bis 42jährigen Wehrpflichtigen werden zurm Militärdienst einberufen.
, w Berlin, j<. ^^^»--^ x— - Morgenpost" setzt ibre Anariffe geg.
1 minister Dr. Hermes fort und erklo
Das amerikanische Liebeswerk.
Neue Berhandlnugen über weitere Einfuhr.
Berlin, 17. September. lT. 11.) Wie die „Berliner Morgenzeitnug" erfährt, sind die Verbanb- lungeu zwischen den dentschen «vd amerikanischen- «ak- kerorganisationen wegen der Einfuhr amcrikausschc» Mehls nicht abgebrochen: vielmehr besteht die Aussicht, daß ein Müblenkonzern in Minncapolts sich an der Lieferung von Mehl oder Getreide beteiligen wird. Sicichs- ernährungöminister Hermes hat auf der letzten ^"lfe» renz mit den Vertretern der deutschen Backer erklärt, daß er ein «enes Angebot der Amerikaner prüfen werde. Bezüglich weitererTransporte von Milchkühen sohen erst die Erfahrungen abgewartet werde«, die im Stalle «ab aus der Weide mit den bewilligten 2500 Kühen gemacht werben Inzwischen soll versncht werden, die amerika- Scn Kreise von der Notwendigkeit der dringende« Einfuhr guten Kraftfutters zu überzeugen.
Die Angriffe gegen Dr. Hermes.
X Berlin, 17. September. lT. 1t) Die „Berliner Morgenpost" setzt ihre Angriffe gegeil den Ernährunas- erklärt, daß das fragliche lu^^e^inisterauto'nicht das erste aus der Kaste der - »ut« gewesen sei, sondern daß bereits im Somuler vo. rtaeu Fabrcs Dr. Hermes, damals noch nicht Minister, sondern Leiter der Ernährungs-Abteilung des Wirt
schaftsministeriums, trotz wiederholter Warnungen sich aus diesem ein Auto habe beschaffen lassen.
Die amerikanische Milchausfuhr.
x Berlin, 17. September. Nachrichten aus Neuyork
. ______ . dcuischen Volkspartc: eine Verbreiterung dieser Grund
zufolge wurden im Satire 1919 fast eine Milliarde . läge nur lieb sein könne. Sie müsse aber ihr Zusa'w Psuud kondensierte Milch aus den Bereinigten Staaten Wertarbeiten mit anderen Parteien von der Ünnachgie im Werte von 125 Millionen Dollar ausgeführt. Ein ~ "
großer Teil davon ist nach Deutschland gegangen. Die Menge, die im letzten Jahre ausgekührt wurde, war ungefähr fünf Mal so groß, wie vor dem Kriege, im Werte aber 100 Mal größer.
Die Kartoffeloersorgung Sachsens.
»* Dresden, 17. September. Die Nachrichten aus dem Lande lauten gänzlich beunruhigend. Der Kartos- felpreis von 31,75 Mark je Zentner, den die Landwirte verlangen, ist die Ursache der Beunruhigung. Bei dem Darniederliegen der Industrie kamt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung diesen Preis nicht bezahlen, und man wendet sich daher gewalitätig gegen die Dörfer. In den nächsten Tagen wird aus diesem Grunde ein Aufruf der Regierung an die Landwirte ergehen, in dem es jedem Landwirt zur Pflicht gemacht wird, an die minderbemittelte Bevölkerung Kartoffeln zu einem weit niedrigeren Preise abzugeben.
Schlechtes Ernteergebnis.
w Berlin, 17. September. (S. G.) Die amtliche Feststellung der preußischen Ernte stellt einen 15= bis 2vpl0zentiqen Rückgang gegen die vorjährige Ernte fest. Aus München wird mitgetellt, daß die bayerische Ernte nm 8 bis 10 Prozent geringer als im Vorjahre einzuschätze« sei.
Eine bürgerliche Einheitsfront?
Der „Th. A. Z." wird aus Berlin gemeldet: „Aus Kreisen des bürgerlichen Regierungsblocks hören wir, daß die Frage der KabinettserWeiternng im Reiche nunmehr ihrer Entschcidnug zugeführt werden soll. Die jüngsten Aeußerungen Stresemanns lassen die Bereitwilligkeit der Deutschen Volkspartei, mit der Sozial- bemofratic in einem Kabinett zusammenzuarbeiten, unzweifelhaft erkennen. Damit wirb eine neue Brücke zwischen Volkspartei und Deuwkratischer Partei geschlagen. Aus dem Lager der Tozialdemokraiie hört man jedoch immer noch recht unfreundliche Stimmen. Wie wir hören, fiyb die Demokraten fest entfcbtoiieu^bätÄr*
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scheu Partei verfolgt man feit einiger Zeit mit gewisser Sorge die fortschreitende Radikalisierung der alten So- zialdemokratie. Die Ueberzeugung, daß bei bieier Entwicklung den Demokraten ein Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratischen Partei immer schwerer wird, gewinnt in maßgebenden demokratischen Kreisen zusehends an Boden. Gleichwohl werden die Demokraten daraus hinwirken, daß den Sozialdemokraten demnächst der Eintritt ins Neichskabinett in aller Form angeboten wird, natürlich unter dem Vorbehalt gewisser Sicherheiten für ein ersprießliches Zusammenarbeiten der erweiterten Koalition. Lehnen die Sozialdemokraten ab, so wird man die Versuche, den Regierungsblock zu stär« ken, nach der anderen Seite aufnehmen. Aus parlamentarischen Kreisen, die bei dieser Sache ein gewichtiges Wort mitzureden haben, erfahren wir, daß schon führende Persönlichkeiten der Demokratischen Partet geipillt 'sind, die Ergänzung der Regierungöbasis durch eine bedeutsame taktische Schwenkung zu ermöglichen. Um es kurz heraus zu sagen: Wenn es nicht mit den .Sozialdemokraten geht, dann muß es eben mit den Deutschuationale» gemacht werden. Aber eine Koalition, die die Mehrheit des Hauses darstellt, muß zu-
standckommcn."
Berhandlnugen über Erweiterung koalition.
darstellt, muß zu
der RegierungS-
*-^ Berlin, 17. September. (S. G.) Wie wir erfahren, finden seit einigen Tagen Besprechungen sozialistischer Hührer mit den öüracrlichen Parteivertretern, aber ausschließlich der Deutsch-Nationalen, statt. Nach Aussage» von mehrheitssozialistischen Hnvktionären lehnen die Mehrheitssozialdemokraten den Eiutritt in die Reicksregiernng nicht unbedingt ab, jedoch lehnen sie die Mitarbeit der Rechtsliberale« ab, für welche« Han sie auf die Auslösung des Reichstages und die Vornahme von Neuwahlen verzichten wurden.
Einbernsnng des AnswLrtigen Anssihnstes.
-. Berlin, 17. September. (S. E.i Der Ans-chuß für Auswärtiges tritt Ende der kommenden Woche wieder in Berlin zusammen. Auf der Tagesordnung steht die oberschlesiche Hrage.
Fehrenbach beim Reichspräsidenten.
»-® Berlin, 17. September. lT. II.) Reichskanzler Hehrcubach hat sich am Donnerstag zum Besuch des Neichspräsidenten Ebert nach dessen Fcrlenaufenibalts- ort Hrendenstadt in Württemberg begeben. Während Reichspräsident Ebert in den nächsten Tagen nach Berlin znrttclzukchrcn gedenkt, bleibt der Rerchskanzler noch einige Tage von Berlin fern, weil er als Präsident des Hreibvrger Dtünster-Bauvereins einer Feier aus Anlaß der Fertigstellung von RestaurationSarbeiren am Turm dcS Münsters beiwobnen wird. Der Besuch deS Reichskanzlers in Freudenstadt dient der Beivrechimg aller schwebenden politische« Fragen.
Besprechungen über die politische Lage.
w Berlin, 17. September. fL. A.) Die parteiaust- liche Mitteilung über die am Montag und Dienstag stattgehabten Berhandlungeu des geschäftsführenden Ausschusses der deutschen VolkSpartei erwähnt u. a., daß von allen Rednern alöbaldige Neuwahlen in Preußen
als dringend notwendig gefordert wurden. Ueber di< Krane einer Erweiterung der Regierungsgrunblaqe irr Reiche war das Ergebnis der Erörterungen, daß der
biakeit gegenüber extremen Forderungen von links und rechts unter allen Umständen abhängig machen.
Sie Präside«tschasiskrise in Frankreich.
Anch Hoch unter den Anwärter«.
** Berlin, 17. September. (Eig. Trahtn.s Die Pariser Presse fährt fort, sich mit der Präsidentschaftskrise zu beschäftigen. Heute findet ein Ministerrat statt, der über die zu unternehmenden Schritte beraten wirb. Die Kammer werde wahrscheinlich bereits Mitte nächster Woche einberufen werden. Der Zusammentritt des Kongresses, der die Nenwabl vorzunehmen hat, wäre dann in etwa 2 bis 3 Wochen zu erwarten. Inzwischen gehen alle Bemühungen der politischen Streife dahin, daß die Parteien des nationalen Blocks sich auf einen Kandidaten einigen, der, wenn er auch nicht einstimmig, so doch mit möglichst großer Mehrheit gewählt werden könnte. Ueberaus bezeichnend ist, daß unter den Anwärtern jetzt auch Marschall Hoch und General de Gesteinen« genannt werden. Die Weigerung Mille- rands, den Posten zu übernehmen, soll endgültig sein. Der Kandidat für den Posten Millerands sei Senator Ionnart. Schließlich werden unter den Bewerbern noch der Kammerpräsident Perret und Viviani genannt.
Präsident Deschanel zurückgetreten.
t-= Basel, 17. September. (S. G.) Der „Basier Anzeiger" meldet aus Paris, Präsident Desckauel habe Donnerstag mittag sein Amt in die Hände des Mir-i- sterpräsideüteu zurückgelegt. Das Befinden des Ermä- sidente« war Mittwoch abend sehr ernst. Deschauel hatte 40,2 Grad Fieber. Im Laufe des Donnerstags ist eine Besserung eingetreten. Die Parteivorstände der Kammerfraktionen sind für Sonnabend 10 Uhr eine berufen zur Vorbereitung der Präsidentenwahl.
Ein neuer Unfall Dcschancls.
w Paris, 17. September. (T. U.) Dem „TempS"
vergangenen Frettag im Park des Schlosses von Ram- bouilnet zustteß. Der Präsident wurde auf feinem Spa- zieraana von einem ploptichen Unwohlsein ergriffen und fiel in den Kanal, der glücklicherweise an dieser Stelle nicht tief ist, sodaß der Unfall keine weiteren Folgen hatte.
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Der französische Widerstand gegen Geuf.
w Paris, 17. September. Die letzten Nachrichten aus Elltentekreisen lassen erkennen, daß die Konferenz von Genf überhaupt nicht stattfinden werde. Die Pariser Diplomaten, die außerhalb der Entente stehen, be- zweifeln keinen Augenblick, daß es Frankreichs Wunsch ist, die Konferenz zu verhindern. Auf der Konferenz selten endgültig die Forderungen beschlossen werden, die die Alliierten an Teuttchland stellen wollen. Deutschland soll selbst die Entschädigungssumme angeben. Die Aussicht war nicht ungünsttg. daß sich eine Mehrheit der Alliierten für die Amiahme der deutschen Vorschläge in einigen Verhandlungslagen gefunden hätte. Damit wäre die Tätigkeit der Pariser Friedenskonferenz abgeschlossen worden. Frankreich hätte an der Sache nichts ändern können. Diese Aussicht sei Frankreich höchst unangenehm, und daher plant es, die 5konserenz in Genf zu vereiteln.
Mit der Kohle«abliefern«a zusriede«.
»-< Luxemburg, 17. September. Die französichen und belgischen Blätter stellen fest, daß die deutschen Kohlen- lieferungen im Monat September vollam vefriedigend sind. In Le Hanre unb Antwerpen sind so große Kob» lenmengen efnnetroffen, daß von einer übergroßen Belieferung gesprochen wird.
Neuer elsaß-lothri»gerifLer Rat.
** Berlin, 17. September. (2. 3.) „Journal offi- ziel" veröffentlicht ein Dekret, durch das ein neuer eifern* lothringischer Rat eingesetzt wird. Der Rat hat provisorischen Charakter und besteht aus 29 vom Ministerpräsidenten ernannten Mitgliedern.
Zusammenkunft Milleraubs «nt Lloyd George.
** Basel, 17. September. Die „Humamtee" bestätigt, daß im September eine Begegnung zwischen Dtillerand und Lloyd George erfolgen wird. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund wird dabei besprochen werden.
Keine Estnigung in Air-les-Bains.
** Rom, 17. September. B. T. Der osjizielle „Temps" schreibt, das Kommunique von Atx-leS-BainS enthalte kein einziges Wort, daß Gtoltttt der AuS- fchließuna Deutschlands von der Gienfer Konstrenz zu. gestimmt habe. Die Genfer Konferenz werde überhaupt nur vertagt, weil sie mit der Brüsseler Konst'renz zufam- menkalle. llebrigcus sei Giolitti in Air-les-BainS für die Aufnahme Deutschlands in bett Völkerbund eingetreten unb habe gegenüber Deutschland wohlwollende Mäßigung empfohlen.
Zur Frkedensbonfereuz in Riga.
Warschau, 17. September. Auf einen Funkspnrch des Fürsten Saphicha nach Moskau trat Zulassung von Vertretern der ukrainischen Reaientng Petliuras Mtr Rigaer Konferenz traf ein russischer Funkspruch ein. der nkkärie, daß die genannte ukrainische Republik gar nw existiere, weil die Ukraine eine unabNingiae Sowjet«-