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kjersselder Kreisblatt

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Hr. 811 3ÄÄÄ Freitag, den 10. September "Äf./^ 1980

Amerikanische Enthüllungen.

Die Neutralität Danzigs.

x Davzig, 9. September. Die amerikanische Presse äußert sich über den Zweck der amerikanischeu Kreuzer- entsendung nach Danzig. Die Regierung ist seinerzeit von den Berbündeteil ersucht wordeir. unverzüglich an einer Fiotten-emvustration in der Ostsee teilzunehmen. Der Sekretär des Niarineamtes. Daniels, ist dem Wunsche der Alliierteil auf Anweisuua des Präsidenten Wilson sofort nachqekoulnrcu, und hat Kriegsschiffe «ach der Ostsee beordert. Bei den Alliierten bestand die Ab­sicht, daß die Krieqsschiffe gemeiusam Trnppe« landen und mit ihueu den weiteren Vormarsch der Russe« i« Deutschland verhindern sollte«. Ferner solle« alle Trup­pentransporte für Polen sichergestellt werde«. Der ame­rikanische Befehlshaber hat aber den Auftrag erhalten unabhängig vorzugehen und sich nur von amerikanischen Interessen leiten zu lassen. Diese Auffassung der Re­gierung wird von einem Teil der amerikanischen Presse scharf bekämpft. Dem Präsidenten Wilson wird der Vorwurf gemacht, daß er wieder einmal eine unbedachte Politik getrieben habe, die leicht schwere Folgen nach sich ziehen könnte. Glücklicherweise seien die Russen ans Ostpreußen zurtickaeschlagen, sodaß ein Eingreifen der Alliierten nicht mehr notwendig wurde. Was die ame­rikanischen Schiffe noch jetzt in Danzig wollen, ist ber amerikanischen Presse nicht klar, zumal die Schiffe den Auftrag haben, unabhängig zu operieren. Wie das Blatt,Ipu" berichtet, würde es das amerikanische Volk lieber setzen, wenn es weiterhin aus dem russisch-polni­schen Konflikt fern gehalten würde.

Ksnirolle über den Kaiser-Wilhelm--Kanal.

x Kiel, 9. September. lL.-A.) Ein griechischer nnb ein schwedischer Dampfer wurde« im Kaiser Wil- Helms-Kaual vom Schleusen-Betriebsrat im Widerspruch gegen die Passier-Erlaubnis des Betriebsdirektors Ad­miral a. D. Petrussv angebalten. Die Dampfer kamen von Saloniki und führten Munition für Polen an Bord.

VürokrakenwLrkfchaft.

x Berlin, 9. September. (Eig. Drahtn.) Neue An­klagen erhebt dieBerliner Morgenpost* gegen das Er­nährungsministerium wegen großer Unterlaksuna«fün- den. M-Bratr m-*mr ErnährungS- Wminister erlust von 100 000 Milchkühen zuzuschreiben, sondern auch der Verlust einer großen Seudnng Mehl aus Amerika. Das Blatt schreibt hier­über u. a.: Man könnte darüber hinwegsehen und auf eine Besserung hoffen, wenn es sich nur um den verein­zelten Mißgriff einer ausgesprochenen Bürokratie han­deln würde. Aber wie wir schon gestern feststellten, ist das nicht der Fall, sondern es liegt System in der Sache. Das Ministerium hat das deutsche Volk nicht nur um das amerikanische Geschenk im Werte von sieben Mil­lionen gebracht, sondern es hat wiederum die völlige Unkenntnis unserer praktischen Bedürfnisse bewiesen, indem es die Einfuhr amerikanischen Mehles verbot, und so durch sein brüskes Verhalten wiederum deutsch­freundliche Amerikaner vor den Kopf gestoßen. Es han­delt sich um folgenden Fall. Bereits Mitte Juli hatte in Brooklnn der Präsident der dortigen Bäckerinnung, Keidel, der wie fast alle amerikanischen Bäcker ein Deur- fcher ist, nach seiner Rückkehr von einer Enropareise sei­nen Berufskollegen Bericht erstattet, wie schlimm es in Deutschland mit der Brotversorgung und dem Bäcker­gewerbe bestellt sei. In einer von warmen Mitgefühl getragerren Rede forderte Keidel zur Hilfeleistung anf und erreichte, daß die Brooklnner Bäckerorganisation sich an die Organisationen der Stadt und des Staates Neuyork wandte. Hier wurde vereinbart, daß man zur deutschen Mehlvcrsorguug monatlich je 800 Tonne« feinsten Weizenmehls liefern wollte. Zur Beschaffung sollte den deutschen Bäckern zweimonatiger Kredit ge­währt werden vom Tage der Ankunft in Hauiburg an. Die Preise für das amerikanische Mehl waren trotz des hohen Standes des amerikanischen Dollars so gehalten, daß dieses feinste Mebl für 3,20 Mark m Deutschlau- verkanft werden konnte, wo in Deutschland jeder ein­zelne für viel schlechteres Mehl hinter dem Rücken ei­nen gleich hohen oder noch höheren Preis bezahlt. Wie- derum durch Schuld des Ernähruugsmniistertunls ist Deutschland dieser Ernährungsbeihilfe verlustig gegau- gen. iudcni bet Antrag der deutschen Backereigenosieu- schaft auf Einfnhrbewillignng, ü-geschlage« wurde. Der Bescheid des Ministeriums lautet wörtlich JWMr gefällige Anfrage teilen wir Ihnen will - es zur 3ut nicht angängig ist, Mehl aus dem SwAanbe ein^ ren." Mit einer derartigen schroffen A-lchnn«g ihres menschenfreundlichen Werkes hotten die Amerikaner nicht gerechnet. Die deutsche Backerorganisatio« wutM mit Telegrammen bombardiert, wann denn nun end­lich mit dem Abtransport der Mehlmenge« begonnen werden könne. Man teilte ferner mit, daß man amc= rikanischerseitS bereit sei, auch größere Mengen zu lie­fern nnb sich mit der Bürgschaft der Bäckereiorganisa« tion i,.betreff der Kredite zu begnügen. Untoste^ ^ für das Reich entständen, können also nicht mitsprechc«. Das Ernähryngsminifterinm ließ sich nicht erweichen.

Entspannung in der Eyenbahnerberoegnng.

x Berlin, 9. September. In der Lage des Eisenbad«erkonfli^tes ist eine Gutwonn^ »TÄÄ »Ä*HSä Ä » ÄUftÄS«

über die Frage der Kontrolle gegenüber MuniNonS- transporten verhandeln sollen.

Die Eisenbahner regieren weiter.

x Berlin, 9. September. (S. C.) Am Donnerstag sind wieder in Saugerhausen und Minden Munitions­transporte für die Reichswehr von den Eisenbahnern eigenmächtig angehalteu worden.

Der Er-nrter Eisenbahnerkrawall.

x Berlin, 9. September. <S. G.) Aus Erfurt wird gemeldet, baß auch die dortige Abstimmung in den Ei- senbalurwerkstätten und Betrieben keine Mehrheit für den allgemeinen Eisenbahnerstreik gebracht hat. der von den Betriebsräten des Eisenbahnerbundes gefordert worden war. Die Wiedereinftelluna der entlassenen Ei- seubaünarbeiter wurde durch eine Eutscklicßuna an den Retchsverkehrsminister gefordert. In Erfurt sind Mit­glieder der Berliner Ententekommission eingetroffen, um den Schadenersatz für die gesprengte Munition fest- znstellen.

Litauen mobilisiert.

x Mcmel, L. September. tS. G.) Wie das litauische Bureau meldet, hat Litauen das polnische Ultimatum abgelehvt. Litauen hat sich aber bereit erklärt, den Vormarsch in das ethnographische Polen einzustellen. Die litauische Regierung hat bereits die Gesamtmobili- sternng angeordnet.

Litauischer Bormarsch.

x Königsberg. 9. September. sS. G.) Die Li­tauer rücken an der ostpreußischen Grenze nach dem Süden vor. Auch die Grenzwachen bei Oleßko «nd ge­genüber von Lock sind von litauischen Truppe« besetzt worden.

Ein neuer diplomatischer Vertreter.

x Riga, 9. September. tL.-A.i Die Konferenz der baltischen Staaten hat in Riga die Errichtung eines dauernden Staatsbevollmächtigten beschlossen.

Ein diplomatischer Betrug.

x London, 9. September.Daily Herald* bringt eine Meldung, wonach sich das angeblich dentsch-russische Geheim-Bündnis als Schwindel herausgestellt hat, dem der ungarische Gesandte n Paris aurttJDnfe»*5»<*Äe»^e

gekauft.

des Dokume

höfische Regierung hat das Schriftstück bereits nach Prü­fung als Schwindel charakterisiert und sich geweigert, es zu veröffentlichen. Wenig skrupellos ist darin dieWie­ner Reichspost" verfahren, die den angeblichen Vertrag mit großem Geräusch veröffentlicht hat.

Die italienischen Arbetterunruhen.

x Lngano, 9. September. Eine Telegiertcnver- sammlung der iralienischen Großindustriellen in Mai­land faßte den Entschluß, die Verhandlungen mit den ausständischen Arbeitern erst dann wieder aufzunehmen, wenn die Arbeiter zur Disziplin zurückgekehrt sind und die besetzten Fabriken geräumt haben. Die Arbei­terführer haben erklärt, daß diese Forderungen unan­nehmbar seien. Gestern versammelten sich in Mailand der sozialistische Kammerausschuß. Die Leitung der englischen Gewerkschaften hat die italienische Gewerk­schaftsleitung ersucht, Mitteilung über den Ursprung und Charakter der Bewegung in Oberitalien zu machen. Ferner wird die Solidarität der englischen Gewerkschaf­ten mit der izalieniche« Arbeiterchaft bekundet. Nach einer Meldung desProgres Ze Lyon" nimmt die Ar­beiterbewegung in Italien einen immer ernsteren Cha­rakter an. Täglich kommt es in allen Teilen des Lan­des zn Kämvfen zwischen den aufständische« Arbeitern und der Polizei. Immer mehr tritt der revolutionäre Charakter der Bewegung zutage. Es wird berichtet, daß in den Großstädten russische bolschewistische Agen­ten ausgetaucht sind. die die Fäden der Bewegung in den Händen haben sollen Auch der Konflikt in der Me­tallindustrie hat sich verschärft. Die Arbeiter treffen keinerlei Anstalten, die von den Industriellen gefor­derte Räumung der Fabriken vorzunehmen.

Das Verfahre« gege« die Kappisten.

** Leipzig, 9. September. lS. G.) In dem Straf­verfahren gegen die Mitschuldigen an dem Kapputsch ist nunmehr vom Untersuchungsrichter des Reichsgerichts die Aufhebung des Haftbefehls gegen den früheren Prä­sidenten von Iagow beantragt worden. Der Beschluß des Reichsgerichts ist in den nächsten Tagen zu er-

warten.

Keine Broterhöhnng.

x Berlin, 9. September. lS. G.) Von Seiten der Rcichsgetrcidestclle wird der kürzUchen Verlautbarung widersprochen, wonach nach dem Beschluß der Ernav- rungskonferenz eine Erhöhung der Brotration für das kommende Erntejahr in Aussicht stände. Im Gegeit- tcil seien die Anssichten für das neue Ernteiahr noch sehr aussichtslos, sodaß nicht einmal die Erhöhnng, wie sie bisher geplant war, durchgeführt werden kann.

Keine Einschränknnge« des Bahnverkehrs.

x Berlin, 9. September. An zuständiger Stelle wird erklärt, daß die Koblenlleferimgen für die Reichs- eisenbabn in den letzten Monaten sehr befriedigend ge­wesen seien, sodaß größere Kohlenvorräte für den Win­ter bereit liegen. Es ist daher anzunehmen, daß ein­schneidende Masmahmeu des letzten Winters, so u. a. Einschränkung des Zugverkehrs und teilweise Einstel- lintrt des Personenverkehrs während der Sonn- und Feiertage in ddr kounnenden Winterzeit nicht notwen­dig sein werden.

Kohkenmangek. *

x Frankfurt a. M 9. September fL.-A.i Die Rheinpfalz ist seit gestern ohne elektrischen Strom und ohne Licht, nachdem bei der pfälzischen Ueberlandzentrale trotz dringender Vorstellungen beim Reichskehlenkom- missar keine Kohlen geliefert wurden. ?

Sächsische Landtagswahle«.

x Dresden, 9. September. (8.-9L) Die sächsischen Landtagswahlen werden am 14. November stattfinden.

Ein Dementi der Wittelsbacher.

x München, 9. September. «B. T.) Kronprinz nnpprecht von Bayern erklärte in einer Nnterrednng mit einem hohen österreichischen Staatsbeamten, daß er niemals die Krone eines süd-katholtscheu Reiches über­nehmen werde. Er werde niemals einen Schritt unter- nehmen, der die Einheit des Reiches gefährden werde.

Das oberschlefische Chaos.

x Beuthc», 9. September. Die Lage der Deutschen in Oberschlesien ist unter den herrschenden Zuständen wenig hoffnungsvoll. Die Bandenvntsche werden von ^ag zv Tag schlimmer. In Rybnik und Pleß wurden die Teutschen, die im Vertrauen aus das Benthener Ab- konimen zurückgekehrt sind, mißhandelt und vertrieben. Täglich treffen zahlreiche dieser Vertriebenen in Oppeln ein. Die Unsicherheit nimmt zv. Im Kreise Ratibor unternahmen die Polen den Versuch, Unterschriften für ein Gesuch zu sammeln, das die Abstinnnung hintertrei­ben soll. In dem Gesuch heißt es, man wolle dieselben Zustände schaffen, wie seinerzeit Polen. Die Polen sollen einfach einrücken und das besetzte Gebiet als polnisch er­klären.

Maßnahmen des Arbeitsministeriums.

x Berlin, 9. September. lT. 1L) Wie der deutsche Reicksarbeitsminister Dr. Braun am Mittwoch im Volkswirtschaftlichen Ausschutz des Reichstages mit« teilte, wird dem Reichstag bald nach seinem Zusammen­tritt eine Verordnung vorgcleat werben, die für Still-' legung von Betrieben eine Meldepflicht vorschreibt ««d in besonderen Fällen die Beschlagnahme von Rohsiof- sen und Maschinen der stillgelegten Betriebe verlangt. Ebenso wird dem Reichstag das neue Gesetz über die Arbeitslosen-Verlicherung zugehen. Die Zahl der Ar-

. x Berlin, 9. September. lT. U.) Das Zeutralko- nntee der II. S. P. D. bat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen den Parteitag bis Sonntag, 24. Oktober nach Halle einzuberufen. Als Tagesordnung ist fest- aesetzt worden: Berichterstattung des Zentralkomitees, Berichterstatters» Luise Stein. Bericht der Kontroll­kommission. Berichterstatter Wilhelm Bock. Die dritte Internationale und die Aufnahmebedingungen, Refe­renten Crispien, Däumig, Dittmaun und Stöcker.

Bor einem nene« polnischen Putsch.

x Kattowitz, 9. September. lT. U.) Ein Mitglied der Belegschaft der Giese-Grube hat mit angehört, wie einige unter Tage arbeitende polnische Bergleute dar­über sprachen, deß irr der Nacht vom 15. auf de« 16. September ein bewaffneter Aufstand stattfinden solle, um die deutsche Bevölkerung und die italienische Be­satzung aus Oberschlesien zu vertreiben und das Land durch polnische Insurgenten zu besetzen.

Deutsche Note zum Spaaer Abkommen. ,

x Berlin, 9. September. (T. U.) Die Regierung veröffentlicht eine vom 1. 9. datierte, der Friedenskon­ferenz überreichte Note, in der darauf hfngewiesen wird, daß die Erfüllung des Svaaer Abkomurens aou der aus­reichenden Belicfernng Deutschlands mit oberschlesischer Koble abhängig ist und für die Zukunst unmöglich ge­macht wird, da augenblicklich nur verschwindend wenig Kohle von Oberschlesien nach Deutschland gelangt. Die Note erinnert an die Durchführung der in den früheren Noten zum Einhalten der oberschlesischen Kohlenliefe- rungen geforderten Maßnahmen.

Unverschämte frauzüfische Forderungen.

x Berlin, 9. September. lT. U.) Wie das ReichS- postministerium mitteilt, erbebt eine französische Fun­kengesellschaft unter Berufung auf ein Pateutrechi An­spruch auf die Herausgabe der im deutschen Telegraphen- dienst stehenden Funkenstation Eilvese. Sie begri'mdet diese Forderung dadurch, daß im Mai 1918 die Hochfrequenz-Mäschinengesellschaft in Berlin einen französischen Auftrag erhielt, mit bessert Verkauf das Auslandspateutrecht' verknüpft war. Die Uebergabe der Station, die bis zum 31. Dezember 14 vereinbart war, konnte jedoch infolge deS Krieges nicht ausgeführt werden.

Der Miltellandkaual.

x Berlin, 9. September. lT. Im Mittelland- kanal-Ausschuß wurde die Vorlage der Regierung, die sich für die Mittellinie entschieden hat, mit großer Stim­menmehrheit angenommen.

Der irische Freiheitskrieg.

x London, 9. SeptemberDaily Mail* berichtet, daß die englische Regierung bestrebt sei, den Fall des Blirgermeisters von Cork aus der Welt zu schaffen, um dem Druck der Preise des In- und Auslandes zu ent- gehen. Die Regierung ist angeblich bemüht, die Dubli- ner Erekutivregierung ihrer Pflicht zu entheben, den Bürgermeister von Cork in Haft zu halten. Ob dieses 93erinnert der englischen Regierung nt«A zu spät kommt, um den Bitraeruicister am Leben zu erhalten, könne zweifelhaft sein. Die Erbitterung des irischen Volkes ist infolge der hartnäckigen Haltung der englischen Re­gierung anf das höchste gestiege«. Die Sinnfeiner be­reiten für den 25. September einen großen A«fstall->'