' 87)
5m Sturm.
Novelle von S. Fabrow.
(Nachdruck verboten.)
-Serral mich um Gotteswillen nicht!*
Therese packte sie bei den Schultern.
„Du nennst mich Du? Du hast Dich natürlich nur versprochen — aber wehe Dir, wenn Du noch ein em- ziaes Mal anders samt! Du allerbestes Mädchen, Du- SMr sind also Schwestern, Seelenschwestern. Und sagen uns Du! — Und geben uns einen feierlichen Kuy — so und sind sehr glücklich. — Du auch! — Du siehst nämlich vollkommen — durchaus — bedingungslos glücklich aus! Weil er da ist. 9tn ja! Und ich gehe jetzt hinunter und nehme mich furchtbar zusammen, um nicht so kolossal vergnügt auszu?ehen wie ich bin. Sonst riecht er Lunte! Unterstehe dich und zweifle an mir — ich verrat dich nicht!"
Eilige Schritte ertönten draußen durcheinander.
„ftd) habe keine Sekunde mehr Zeit," dachte Erna, „ich muß mich fassen, — muß ein Gesicht aufsetzen — ach nein, bei Gott, ich kann kein Gesicht aufsetzen. Ich muß aussehen, wie ich aussehe. ^d) bin ja viel zu — verrückt, selig —"
Da sprang die Tür auf, und „dieser Herr", vor dem sie davmlgelaufen. trat über die Schwelle.
Er iab nicht nur glücklich aus — er strahlte.
Auch der Professor strahlte, der hinter ihm herkam, während Therese noch etwas Unbegreifliches vor der Haustür zu tun hatte.
„Niemand entgeht feinem Schicksal!" sagte der Professor, da die Beiden sich stumm und desto beredter die Hand driickren. Es stand in den Sternen geschrieben, R-rL Erna, daß Sie noch einmal mit uns zusammentref- fen sollten —"
„Guten Tag, Herr Professor," sagte Erna herzlich, doch mit einer etwas unsicheren, verschleierten Stimme, ,td) wünschte, alle Ueberraschungen im Leben wären so mgenehmer Art, wie diese." __ _ __________
„Ich auch, mein verehrtes Fräulein. Da siehst du's, Bill, habe ich dir nicht heute früh gesagt, daß mir etwas Freudiges begegnen würde?"
«Er hat näuttich von Fischen geträumt, dieser aufgeklärte Mann der Wissenschaft," sagte Bill, „und er behauptet, daß ihm dann jedesmal etwas Schönes begegne. Heilte hat er ja nun zufällig recht gehabt."
„Und wenn ich träume, daß mir Zähne ausfallen, so passiert mir an diesem Tage sicherlich etwas Unangenehmes," sagte der Professor ernsthaft. „Wissen Sie, weshalb wir hier sind?"
„Ohne Zweifel, weil das Schicksal es so wollte," erwiderte Erna halb scherzend. „Ich glaube ja selbst an Bestimmung, an die Unadweitdbarkett unseres Fa- tums."
„Ich auch!" sagte Bill. Aber er sagte es mit einem so leuchtenden, sprechenden Blick in Errms Augen, daß diese sich von neuem verwirrt abwarrdte.
Therese erschien jetzt wieder und es begann ein allgemeines Hin- und Herplaudern über die gegenseitigen Erlebnisse, seit man sich getrennt.
Ihre Briefe hatten die beiden Herren noch bekommen, auch gar nicht die Absicht gehabt, die Damen etwa in München aufzusuchen. Desto inniger erfreute man sich jetzt an dem unerwarteten Wiedersehen.
Bill und Erna sprachen wenig miteinander. Sie beteiligten sich nur so obenhin an der Unterhaltung, ohne das Wort direkt aneinander zu richten. Desto deutlicher sprachen ihre Augen, die sich immer häufiger fanden und immer länger ineinander verweilten.
Diese Weltsprache, die einzige, welche seit unzählbaren Jahrtausend in der ganzen Welt verstanden wird, versetzte Erna nach und nach in einen gelinden Rausch. Sie fühlte sich emporgehoben, ihr ward frei und leicht und hoch zu Mute. Sie atmete die Luft ein mit einem gesünderen, elastischen Gefühl, so rasch wie nach einem Gewitter.
Die elektrische Beleuchtung des Srtes warf ihre Strahlen auf ein immer bewegter werdendes Bild.
Eine Militärkapelle spielte für die Kurgäste an der
Promenade, währeitö ein kunstloses aber kreuzfiöelW Orchester für die Bauern aufsptelte.
Ein hübscher Bursch mit einem unternehmend auf* gezwirbelten Schnurrbärtchen in dem lachenden Gesicht machte seinen Kratzfuß und eine einladende Armbewe- anna vor Therese.
„Servus! Beliebens a Länder!?" / '
Therese beliebte. — Sie ließ sich von ihrem vergnügten Tänzer manierlich herumdrehen, indem sie nach lättd- licher Art ihre beiden Hände auf seine Schultern legt«,
Auch Bill war jetzt lebhafter. Er forderte Erna zum Tanz aus, allein diese dankte zunächst.
„Ländler ist kein flotter Tanz, Herr von Detsen. Wir wollen lieber zuschauen " , „ r ,
Aber er ließ sich nicht abschrecken. Ganz leise bat er. sich dichter über sie beugend.
„Ich bitt' Sie, Fräulein ©mal Nur diesen einen Tanz! Wir nehmen Walzerschritt auf die Musik, das geht. Nicht wahr, Sie sagen nicht nein, Erna, liebe
Sie schloß eine Sekunde die Augen. Sein Ton überrieselte sie warm und wohlig, und sie konnte der Bitte nicht widerstehen, mit der er „Erna" gesagt.
Ein ungewisses, zaghaftes Lächeln umspielte ihren Mund, während sie sich jetzt willig von Bills Arm UM- schlingen ließ. .
Fortschwebten sie in wiegendem Rhytmus.
Der Professor fand, daß die elektrische Spannung in der Luft zunehme, und entfernte sich vom Tanz- ' 'Bill hielt sonst aufs Strengste die Regeln der Etikette ein. Er wußte, es war nicht guter Ton, während des Tanzes zu sprechen, aber heute mußte er es tun, die Versuchung war zu groß.
„Mein Lieb!" flüsterte er, die Lippen ihrem lockigen Haar nähernd. , . ,
Er fühlte, wie sie erbebte, wie die ganze, schlanke Gestalt in seinen Armen matter ward, weicher. , , „Mein Lieb!" wiederholte er, „mein süßes Lieb!" Erna hörte die liebe, zärtliche Stimme über sich raunen, wie im Traum. ............... ,........
Milche WmtmchMUs.
Bekanntmachungen des Kreiswirtschastsamts.
Fleischverkauf.
Verkauf am Sonnabend dieser Woche 200 gr. Fleisch 50 gr Wurst.
Abgabe und Entgegennahme von Fleisch ist nur auf den Fleischkarlenabschnitt dieser Woche gestattet.
Vorlage der Fleischkarten und der Abrechnung bis spätestens Montag den 30. August vormittags 11 Uhr.
In den ländlichen Schlachtbezirken setzen die Gen.- Wachtmeister den Verkauf fest.
Hersfeld, den 26. August 1920.
Fleischhöchstpreise.
In Abänderung meiner Bekanntmachung vom 7. August 1920 - A. u. Nr. 2553 - Kreisblutt Nr. 184, werden für den Kreis Hersfeld nach Anhörung der Greisprüfungsstelle hier die Verkaufshöchstpreise für Kalbfleisch vom 23. August 1920 ab wie folgt festgesetzt:
Kalbfleisch 5,75 Mark
Schnitzel 7,65 „
Kotelett 5,75 „
Gehacktes 6,90 „
Haxen 3,— „
Für Hammelfleisch ist der Verkaufspreis 7 Mark pro Pfund.
Diese Preise sind Höchstpreise nach dem Höchstpreisgesetz in der Fassung vom 17. Dezember 1914. Ihre Ueberschreitung wird mit Geldstrafe bis su 16 000 Mk. oder mit Gefängnis bis zu 1 Jahr bestraft. Die Höchstpreise sind in allen Metzgereien und Verkaufsstellen des Kreises öffentlich auszuhänzen.
I. A. II. Nr. 2701. Der Landrat.
___________________I. A.: Heinem a n n.
Hersfeld, den 25. August 1920.
Die Lebensmittelkarten für die Ausgabeperiode vorn 30. August bis zum 26 September 1920 können alsbald bei der Kartenausgabestelle für die Landgemeinden des Kreises Hersfeld (Johannesstraße 6/8 2. Stock, Zimmer Nr. 1) in Empfang genommen werden.
Ich ersuche die Herren Ortsvorstände bezw. Leiter der örtlichen Kartenausgabestellen das Erforderliche zu veranlaffen.
Der Empfangsberechtigte muß mit einem schriftlichen Ausweis versehen sein. (I. L. Nr. 2451).
Kartenausgabestelle für die Landgemeinden Kreis Hersfeld von Gruuelius.
Cassel, den 4. August 1920.
Abdruck zur Kenntnisnahme.
Den Landgemeinden des Kreises ersuche ich von dem Inhalt des Erlasses Mitteilung zu machen.
A. IV. Nr. 2597/20. Der Regierungspräsident.
Im Auftrage: gez. Unterschrift.
An die Herren Landräte des Bezirks und die Herren Bürgermeister der Städte ohne Magistrat
* * *
Hersfeld, den 20. August 1920.
An die Herren Bürgermeister des Kreises.
Abschrift teile ich zur Kenntnis mit.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. A. Nr. 10660. von Grüne lins.
Bekanntmachungen der Stadtbehörden.
At Mi«k der LtdeMiltfikarltt findet am Freitag den 27. 8. 20 von 3 bis 4 Uhr nachmittags wie folgt statt:
a) in der Bürgerschule
für die Bezirke 1,2 a, 2 b, 3, 7.8a, 8 b (Wallengaffe), 9,10a, 1L )2s 12 b, 13 a; 13 b, 16, 18, 22, 24, 25/26, 28, 30 a, 31, 33, 34, 35, 37 und 38,
b) im Cyzeum
für die Bezirke 4, 5, 6, 10b, 14, 15, 19, 29, 21, 23, 30b und 40.
t) in der Kartenausgabestelle
für die Bezirke 29, 32 und 36,
d) in der Curnhalle an der August-Gottliebstraße für die Bezirke 17 und 39,
e) in Kalhobes wie seither.
Es kommen zur Verteilung: Brot-, Vollmilch- und Butterkarten.
Die Karten sind nur durch Erwachsene in der vorgeschriebenen Zeit abzuholen. Eine spätere Abholung, auch bei der Kartenausgabestelle, ist unstatthaft.
Sewerbeverein.
Morgen Freitag, 27. 8.
abends 8V2 Uhr
Mllieder-
VtrstmIm«
im Burscheuheim am Neumarkt.
Da wichtige Steuer- und Organisationsfragen zur Verhandlung kommen, ist allseitiges Erscheinen der Mitglieder erwünscht.
Der Vorstand.
Frisch a. t Rauch soeben eingetroffen
DMMII schellltt
Berlin, den 22. Juli 1920. NW. 7 Unter den Linden 72/73.
Von verschiedenen Regierungspräsidenten werden in der letzten Zeit Anträge einzelner Kommunalverbände auf Gewährung von Vorschüsien auf die aus der Einkommensteuer zu erwartenden Ueberweisungen in größerer Zahl vorgelegt. Wir vermögen diesen Anträgen keine Folge zu geben, da Staatsmittel für diesen Zweck nicht zur Verfügung stehen.
Wegen der vorläufigen Ueberweisung von Beträgen aus der Reichseinkommensteuer, schon bevor die Ante'le der verschiedenen daran beteiligten öffentlichen Körperschaften feststehen, schweben zwischen den beteiligten Ressorts Verhandlungen. Eine Regelung iteses Gegenstandes ist in kurzer Zeit zu erwarten. Hierbei kann es sich aber nur um einen für alle Gemeinden nach einheitlichen Grundsätzen bestimmten Antsi l, nicht aber um die Gewährung einzelner Vor- fchüffe nach dem gegenwärtigen Bedarf der einen oder anderen Gemeinde handeln.
Wir ersuchen daher, die Vorlegung von Anträgen einzelner Gemeinden auf Gewährung von Zuschüssen in Zukunft zu unterlassen. (Fin. Min. u. 7761 )
Zugleich im Namen des Finanzministers.
IV. St 386. Der Minister des Innern.
In Vertretung: gez. Freund.
An die Herren Regierungspräsidenten.
Winterbrand!
Die Kohlenhandlung T h. M ö l l e r, G. m. b. H., hier Klausst«., liefert Naffpreßfteine, welche von Privat- Haushallungen in beliebiger Weise bezugsscheinfrei bezogen werden können. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen lassen sich dieselben sehr gut für Küchen- und Zimmerbrand verwerten. Da auch im kommenden Winter infolge des Spaaabkommens mit einer größeren Brennstoffknappheit zu rechnen ist, raten wir dringend, von der Verwertung von Naßpreßsteinen ausgiebigen Gebrauch zu machen.
Die in den Geschäften Fr. Weber, Epple, Heß, Lorch- heim, Fehling zum Verkauf stehenden Frühkartoffeln werden von heute ab zum Preise von 30 Pfg. das Pfund abgegeben.
Den Herren BSrgermeifter«
zur gefl. Beachtung, daß die Formulare zu den am 1. eches jeden Monats erforderlichen
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von jetzt ab bei uns zu erhalten sind. Die Lieferung durch das Landratramterfolgt nicht mehr.
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