HersMer Lageblatt
Erschemt jeden Wochentag nachm. / Bezugspreis : für Hersfeld sowie durch die Post bezogen viertel- • führt. Mk, ^ - ohne Trägerlohn u. postbestellgeld, :
tzersselder KrdßMntt
Druck: e. funks Vuchüruckerej, f. d. öchrjf"eitung verantw. franZ funk, hersselü.
flnzeigenpreise: die einspaltige Petitzeile «der deren Raum U Pfennig, auswärts v> Pfennig, im Textteil Ulk. ■.- / Fernsprecher Nummer 8.
Nr. 198 ^L'^'L Donnerstag, den 26. August
Anzeigenpreis für die einspaltige Zelle 4C PIg., aasaarfs 60 Pfg.
1920
Der Krieg in Polen.
Der polnische Sieg. -
♦* Warschau, 25. August. (T. II.) Amtlicher polnischer Heeresbericht vom 24. August. Nordfront: Weitere Abteilung der 4. Sowjetarmee konnte nach schweren Kämpfen bei Rayon und Ehorzele in der Richtung aus Kolno zurückgeschlagen werden, das von weiteren Abteilungen der 4. Armee besetzt ist. Die Verfolgung des Feindes gebt weiter. Unsere 5. Armee kämpft gegen neu ausgetretene Abteilungen von Sowjettruppen, die westlich der Eisenbahn Modlin— Mlawa umgangen wurden. Zentrum: Die Rechte unseres Zentrums hat durch eine Schwenkung nach Norden Nnyszyn, Stawiski und Kolno eingeschlossen und den Ring um die 4. und 5. Sowjetarmee enger gezogen. Der Feind, der von allen Seiten bedrängt ist, versucht unter verzweifelten Kämpfen den Ring zu sprengen. Am 24. ging er bei Kolno neun Mal zu erbittertem Angriff über, wurde aber unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Nach einer von Bialystok am 22. früh eingelaufenen Meldung ist die Stadt genommen. In der Stadt fanden noch 20 Stunden lang erbitterte Stratzenkämpfe statt. Im Raume von Brest-Litowsk herrscht Ruhe. Südfront: Südwestlich Leuberg nahm eine unserer- Abteilungen das Städtchen Swirz. Hierbei wurden Teile des 565. Regimentes gefangen.
Englische Note an MoSkcu».
** Amsterdam, 25. August. (T. 1U Die von Bal- sonr nach Moskau gerichtete Note betont, daß die Fric- densbebingnngen, die nach dort eingezogenen Informationen die Sowjctregieruna Polen auserlesen will. int schärfsten Widerspruch zu den von KameNew im Ans- trage der Sowjetregierung der britischen Regierung mitgeteiltcn stehen. Im Auftrage des Premierministers frage er, Balfoür, an, ob die Sowjetregierung vorhabe, an diesen Bedingungen festznhalten. Von der Antwort auf diese Fmae, sährt Balsours Note fort, hänge die Zukunftsvolitik der britischen Regierung ab. Wegen 5er hohen Bedeutung dieser Frage wirb das Ersuchen an die Moskauer Reaieruna gerichtet. bis zum kommenden Freitag eine Antwort zuzustellen.
die UiirnBcn in Oberschlesien von deutscher Seite tm ^»uverstäuduis mit Rußland provoziert sehn Aus diciem Grunde hält man es für notwendig, die NoKL- abitimmuug in Oberschlesien weiter ansznschicbeu
Weitere Truppen für Schlesien.
Ae«f, August. Der alliierte Rat bat Militarbesehlöhaber sur Oberschlesien eine weitere »iiwn alliierter Truppen zur Wiederherstellung Ordnung zur Verfügung gestellt.
(?)
dem Dt- der
I
Nuhlar,d bricht mit England.
t-* London, 25. August. (V. A.) Kameuew Kralsin haben ihre Pässe verlangt und werben Freitag London verlassen.
Russische Flucht.
und am
** Paris, 25. August. (S. 6.) Havas meldet .... der polnischen Norbfront: Die Polen rücken von Bta-
von
Instok über Groduo nach Wilna vor. Am Montag abend standen sie
Polnische Offensive in Galizien.
•* Königsberg, 25. August. Ueber die Lage an der Front wird gemeldet: Der polnische Nordflügel stellt dem zurückweichenden Rest der bolschewistischen 4. Armee in Richtung Kolno nach. Das Zentrum hat nach Vernichtung starker Teile der bolschewistischen 15. Armee Sambrow erreicht und befindet sich im Vormarsch auf Bialystok in nördlicher Richtung. In der Gegend von Brest-Litowsk und Cholm unternahmen die Bol- schewisten vergeblich Gegenstöße. Auch in Galizien haben die polnischen Truppen die Offensive ausgenommen. Sie haben den Bug östlich und nordöstlich von Lemberg überschritten. Der Uebertrttt bolschewistischer Truppen über die deutsche Grenze hält an. Bis jetzt sind rund 20 000 Russen in den Kreisen Neidenburg und Lrtels- burg interniert worden. Bei Ehorzele war die 3. russische Kavallertedivision -«“ ^ww «je,
*sv ♦wainae x?inte zu durchbrechen und entlang der deutschen Grenze nach Kolno abzurücken. Bei Biala sind weitere 10000 Russen auf deutschen Boden über- getreten.
^. Der polnische Bormarsch.
6* Genf, 25. August. (S. C.) Der „Temps" mel- Set: Die Polen stehen vor Pinsk. Janowo, 25 Kilometer vor Pinsk, ist von den Polen besetzt worden. Der Zusammenbruch der russischen Front greift bereits auf den Raum von Wilna und Pinsk über. Die polnische Armee ist jetzt 650 000 Mann stark. Die alliierten Mi- litärsachverständigen in Warschau rechnen mit der Ber- «tchtnug der russischen Heere und ihrer Zurückziehung auf die Berestna-Linie.
Neue Waffenstiststaudsverhandlungen.
** Genf, 25. August. Die letzten offiziellen Versicherungen der französischen Presse bekunden, baß sich der Einfluß der Pariser Regierung auf die polnische Regierung im Sinne eines neuen Friedensschlusses geltend macht. Man unterstützt von Paris aus die Polen in dem Widerstand gegen gewisse Forderungen der Moskauer Regierung, soweit es sich um die einseitige Abrüstung PolenS und den Eingriff in die innere Unabhängigkeit des Landes gegenüber Rußland handelt, gißt aber gleichzeitig der polnischen Regierung den Rat, auf jede Gebietsforderung zu verzichten.
Kein Ergebnis in Minsk.
** Zürich, 25. August. (S. C.) Der „Secolo" veröffentlicht ein Telegramm aus Luzern: An ein Ergebnis der Friedensverhandlungen in Minsk glaube keiner der Ententestaatsmänner mehr.
Französische Truppen gegen Rnsien.
** Berlin, 25. August. (Etg. Drahtn.) Von der russischen Front wird dem „L.-A." gemeldet: Die Polen sind von Modlin vorgestoßen und haben Ehorzele besetzt. Ein paar Stunden später versuchten zwei Regimenter der 12. russijchen Brigade durchzubrechen, da aber die russische Artillerie nicht über genügend Mimt- tion verfügte, ist der Vorstoß abgeschlagen worden. Vielleicht sind einige Teile der Brigade in schweren Kämpfen durchgebrochen, doch hat es den Anschein, alö ob die hier stehenden russischen Abteilungen nicht mehr zu retten sind. Bei Frtedrichsfelde weiter südwestlich der Linie Kolno-Lomsha stießen die Polen vor. ES samt mit dem Uebertrttt von 10000 Russen über die deutsche Reichsgrenze gerechnet werden. Daher ist Reichswehr in das Grenzgebiet in Marsch gesetzt. Ein «tssischer Brigadegeneral teilte dem Bertchterstattcü mit, daß, wenn sich die Einnahme von Bialystok bestätige, dies das Ende der 4. Armee bedeute. Nur noch wenige Bruchteile können sich aus der Umklammerung retten. Die Sowjetarmee habe den Befehl, sich auf der Knaen Front vom Feinde loSzulösen und zurückzuge-
«. Die nächste Anfnahmcstellnng dürfte ant Rjeme« fein. Es winde zum weiteren Male bestätigt, daß bet Mlawa aktive französische Truppen in ihre« overfchle- Asche» Uniformen angegriffen hätte«.
Damenew bietet sich an.
Ein Moskauer Funkspruch meldet, daß General -Damenew in der Roten Armee unter der Bedingnng in dienen wünsche, daß er wegen seiner früheren Taten Wcht bestraft wird.
sische Norbarmee zuge noch Wilna.
Aufruf
*< Berlin, 25.
Buna fordert die dungskampfc atti.
bei Sokolka vor Groduo. Die ruk- befindet sich auf fluchtartigem Rück-
zum Entscheibnugskamof.
August. (L. A.) In einer Kundge- russische Regierung zum Entschei-
Rußland verzweifelt nicht.
. ** Basel, 25. August. „Populaire" veröffentlicht einen Moskauer Funtssruch, dcmznwlge starke russische Strestkräfte aus dem Innern des Landes nach der Krim, Wolhyilieu und Galizien abgegauge« sind. Infolge der augenblickirch starken Gefährdung des linken russischen Flügels steht eine Zurücknahme der russischen Armee aus Galizien unmittelbar bevor. Alle russischen Bürger bis zum Alter von 18 Jahren sind zvm Heeresdienst eiubernseu morden Die allgemeine Kriegst läge wird von ;v " 55 t^refih^-ftfiii *^
.»ll. ^»e. man a-o verzu 'st arigesehe». Tropfs ist in Moskaa cinaeiroffen. Das Hanptqnartter befindet sich noch in Minsk. Trotzki erklärte im Rate der Sowjets, er glaube versichern z« können, daß dem polnischen Vorstoß an der Njemen-Linie endgültig Einhalt geboten werde.
Die Grenze wieder polnisch.
w Berlin, 25. August. (S. C.) Nach einer Meldung aus Memel stießen am Montag abend polnische Truppen aus Augustowo unb Suwalki vor und haben diese Orte besetzt. Damit ist der letzte deutsche Grenz- abschnitt wieder polnisch.
Der oberschlefische Aufstand.
Die zweifelhafte Haltung der Kommission.
*4 Berlin, 25. August. (Eig. Trahtn.j Die Lage in Oberschlesten hat sich wenig geäudert. Teilweise ist in den Großstädten die Ruhe wieder gekehrt. Der Anf- stand der polnischen Insurgenten in den Landkreisen breitet sich aus. Der Ansstand ist auf den Landkreis Gleiwitz übergesprnngen. Die Unruhen brachen in kleineren Orten, die an der Grenze des Rnbniker Landkreises liegen, aus und breiten sich gegen Gleiwitz aus. Die Stadt Tost steht unter der Herrschaft der Aufrührer. Ebenso Sohrau und Rybnik. Hier haben die aufrührerischen Polen unerhörte Greueltaten sich zuschulden komme» lassen, dte auch die heinratstreuen Oberschlesier polnischer Zunge empört haben. Aus dem Kreise Lublinitz und aus auderen Orteu eingetroffene Meldungen besagen, daß die interalliierte Komncission dem Vertreter der Reichsregierung in Oppeln erklärte, daß sie unter allen Umständen gewillt sei, den Aufstand niederMwcrfe«, weil sie in ihm eine Auflehnung gegen ihre Befehlsqewalt erblicke. Diese Erklärung steht jedoch mit den Tatsachen tn Widerspruch. Die französischen Besatzungstrnppen, die in das Aufstandsgebiet eingerückt find und die Entwaffnung der Bevölkerung vornehmen sollten, führen die Eutwaffturng sehr lässig durch, vielfach auch fmnpattneren sie mit den polnischen Aufrührern. Demgegenüber wird festgestellt, daß sich die einaeriidten italienische« Truppen überall korrekt benommen haben. Sie sind aber zahlenmäßig sehr schwach und nur an wenig Stellen eingesetzt worden. Wo sie aber eingesetzt wurden, haben sie die Entwaffnung mit Umsicht durchgeführt. Unter diesen Umständen ist die Unruhe unter der Bevölkerung außerordentlich groß. Die deutsche Rcgierrma muß die interalliierte Kommission unter allen Umständen für erneute Unruhen verantwortlich machen, denn sie hat die interalliierte Kommission verschiedentlich auf dte Gefahr von Unruhen hingewiesen, falls polnische SokolS weiterhin auf deutschem Gebiete ihr Unwesen treiben.
URinifferteiren nach Oberschlesien.
t Der preußische Minister des Innern Severtng und der Staatssekretär im Rcichsministerinm des Innern Dr. Lewalb begaben sich heute aus Beraulaflnnq bc3 ReichskabincttS in Begleitung des LegattonSsckretärs Dr. Meyer nach Breslan, vm sich mit Vertreter» Ober- schlesienS über die dortige Lage yt besprechen.
Internationaler Konflikt?
t* Loudon, 26. August. Aus Parts wirb gemeldet, hab die oberschlesische Frage an einem Internationalen Sanflikt auswächsl FmuLet» ist der Auffassung, daß
Vorrücken der Insurgenten.
^^^.Kbuigsderg, 25. August. Außer der Anionkcn- Hutre ist auch die Lriseiest Morgenroth von den Polen Bliebt worden. Im südlichen Teil des Kre'/es Raiibor rücken tamenbe bewaffnete Polen gegen Ratibor. Weitere Meldungen aus Koien berichten, daß die Polen auch diese Stadt besetzt haben. Es sind polnische Pläne bekannt geworden, daß in der Stadt für heute ein Ausruhr geplant ist.
Berhandluugeu tu Schlesien.
** Berlin, 25. August. sL. A.j In einer erneuten Besprechung mit General Lcrond haben die deutschen Partei- und Gewerkschaftsführer sofortige Taten der alliierten Kommissionen gefordert, durch die der Streif vermieden wird.
Französische Znsicheuuugeu.
•* Berlin, 25. August. lV. Z.) Nach einer hier vorliegenden Meldung hat General Lerond von den deutschen Beschwerden Kenntnis genommerr und in verbindlicher Form Znstcherungen gegeben, die den dent- schen Forderungen hnrchaus gerecht werden. Es ist demnach zu erwarten, daß die Streikandrohung nicht zur Ausführung gelangt.
Abbruch des Polenstreiks.
. Nf Berlin, 25. August. lV. 30 Die polnischen Ar» Better haben beschlossen, den Generalstreik abzubrechen.
Abflamen des Aufstandes.
»* Kattowitz, 25. August. Auf der Eiseubahnstrecke Kattvwitz-Myslowitz kehrt allmählich die Ordnung wie- der. Die Bahnhöfe-siM vo ' ■ a^ ,^,^ ^.^- “•
äffen untersilcht. ahnhofe in MySlowitz sind Bekanntmachungen der Eisenbahndirektion und der interalliierten Commission angeschlagen, wonach jeder Terror gegen Eisenbahnbedienstete verboten ist. Obwohl rote Plakate die Zivilisten zur Wnsicnabgabe aufforbern, sieht man noch überall Bewaffnete.
r** Berlin, 25 August. Aus Oberschlesien wird gemeldet: Die Nachricht von der Einnahme von Rybnik durch die Polen entspricht nicht den Tatsachen. Lediglich der Landkreis Rnbnik ist besetzt.
Poluische Gewaltakte.
•* Berlin, 25. August. (S. C.) Nach her ReichS- regierung zugegangenen Meldungen aus Ostpreußen waren bis Dienstag auf reichsbentsches Gebiet 26 000 Russen nnb Flüchtlinge übergetreten. Nach znverläsit- gen Meldungen haben die Polen in dem wtederbesctz- ten Solda« das Standrecht verhängt nub mit der Boll- strecknng kriegsgerichtlicher Urteile gegen die Bevölkerung begonnen. Am Montag sind 13 Hinrichtungen erfolgt.
Represialie« gegen die Pole«.
•* Bochum, 25. August. lT. u.) In einer von mehreren tmtsenö Personen besuchten Versammlung, meldet der ^Vorwärts*, wurde eine Resolution angenoni- men, in der die Ausweisung der radikal-polnischen Agi- tatoren, Sokollisten, sowie aller nach der Revolution eingewanderten Polen, Beschlagnahme der polnischen Bank- und Sparkasiengitthaben zum Zwecke des ^lt3^ tausches gegen die deutschen Guthaben in Polen, scharfe polizeiliche Kontrolle 5er polnischen Versammlungen und das Verbot polnischer Umzüge und Provokationen verlang wurde.
Die Konferenz in Luzern.
Der gestrige Tag brächte eine völlige Neuorientierung in der internationalen Politik. Lloyd George er- v«elt ein Telegramm, worin die abaeäuöerten Frie- beusbedingungen der bolschewistischen Regierung mir- geteilt wurden. Diese sehen eine große Aenderung vor, indem jetzt bestimmt wird, daß Polen neben der reduzierten Armee von 50 000 Mann eine sogenannte rate Armee zu bilden habe. Diese fundamentale Aenderung erzeugte eine völlig neue Situation. Lloyd George äußerte sich Pressevertretern gegenüber in sehr starken Ausdrücken über die Unebrlichkeit der Moskauer Gewalthaber, die ihn zum Besten gehalten und zu einer Politik verleitet hätten, die sich.heute als undurchführbar hermlsstellte.
Simons über die politische Lage.
»* Parts, 25. August. Der Berichterstatter der ^Stampa" meldet aus Zürich über eine Unterredung, die er mit dem deutschen Außenminister Dr. Simons
gehabt bat. Dr. Simons, so erklärte er. fei über die Ereignisse in Oberichlsssien sehr beunruhigt, da er .richt sicher sei, ob die Truppen des Generals Lervnd in der Lage sein werden, den polnischen Einfall abzuhalten. Wenn die polnischen Truppen dieses Gebiet, das zur Seit noch deutsch ist besetzen sollten, so würde das eine
erleöitna unserer Rentralitä
. - Ean die Entente
die polnische Regienum Der Minister
weiter mitgetetlt haben, da nnen kurzem Me * matische« Beziehungen mit Rußland wieder men werben. Die deutsche Regterxua wird eine» sandten entsende«.