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Nr. 187 SÄtES? Freitag, den 13. August'Tn^ 1930

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** Berlin, 12. August. (Eig. Drahtn.) DieTi­mes" melden: Ein Moskauer Frmksyrmch besagt, daß -ie rote Armee auf allen von Norden und Osten nach Warschau führenden Straßen die Verbindung aufae- «omme« und daß der beabsichtigte groß angelegte An­griff auf die Festungswerke in vollem Gange sei.

Polen vor der Kapitulation.

** Wie«, 12 August. Ein hiesiges Blatt meldet, -atz die Polen noch im Laufe dieser Woche den Kampf mit Sowjetrutzland aufgeben werden. Das Ausbleiben der Hilfe aus dem Westen macht die bedingungslose Waffen strockung der polnischen Armee zur unbedingten Notwendigkeit.

Verstärkung der russischen Truppen vor Warschau.

** Berlin, 12. August. (Eig. Drahtn.) Wie der Warschauer Kurier" meldet, sind die vor Warschau ste­henden Heere durch erhebliche bolschewistische Infan­terie- und Kavalleriemassen aus dem Petersburger und Moskauer Militärbezirk verstärkt worden. Die zum Angriff auf Warschau zur Verfügung stehenden roten Truppen sind gegenüber den polnischen Verteidigungs- streitkräften in fünffacher Uebermacht.

Russische Kavalleriepatronillen vor Praga.

** Berlin, 12. August. (Eig. Drahtn.)Corriere della Sera" erfährt von seinem Sonderberichterstatter aus Warschau, daß dort in der Montagnacht alarmiert wurde. Es hat eine fieberhafte Erregung in der Be­völkerung Platz gegriffen. Die bolschewistische Kaval­lerie streifte bereits bis in die Vorstädte von Praga. Eine bolschewistische Heeresmacht von etwa 65 000 Mann hat Dienstag früh die Linie Ciechanow-Pnltusk- Kal«schin überschritten.

Die polnische Nordfront durchbrochen.

v-* Köl«, 12. August. (S. C.) Nach einer Meldung desRotterdamschen Courant" aus Warschau von gestern abend habe« die Rüsten die polnische Nordfront zwischen Ciecharrorv und Wlvzlawek durchbrochen Russische Kavallerie streift vor Belsk.

$* Kopenhagen, 12. August. (S. C) DasExtra- blatt meldet von der polnischen Front, der westliche rus­sische FMgel ksk-Plozk an oer Weichsel «usi K ilo Meter näher gerückt. Die Polen haben Plozk und Nowo- Georgijewsk geräumt:

w Basel, 12. August. Rote Kavallerie befindet sich nur noch 20 Kilometer von Warschau entfernt. Es ha­ben sich bereits Vorpostengefechte entwickelt.

Kämpfe nördlich Warschau.

t=* Von der ostpreutzischen Grenze, 12. August. (L.-A.) Die Lage an der Nordfront hat sich seit gestern wenig geändert. Die Umgruppierung der russischen 3. und 4. Armee scheint noch nicht beendet zu sein. Bis an die alte deutsche Grenzgegend von Soldau hat gestern ein uirbedeutendes Gefecht stattgefunden. Einige Artille- rieschtisse fielen auf den Hauptbahnftof von Narzyn, der schon im Korridor liegt. An Soldau stehen noch pol­nische Postierungen. Es wird dort an der Aushebung von Schützengräben gearbeitet. Nördlich von Warschau rücken die Russen seit gestern wieder in Richtung Nowo- Georgifewsk vor. Bei Pultusk hat ein heftiger Kainpf begonnen.

Russischer Vorstoß auf Lemberg.

t* Wien, 12. August. (S. C.) DasGrazer Tage­blatt" meldet aus Lemberg, die Russen sind in die pol­nischen Stellungen zwischen Krasne und Sokol einge- drungen. Die Russen konzentrieren ihr Feuer auf Strumitowa, wo sie den Durchbruch auf Lemberg ar­tilleristisch vorbereiten. Die Polen sind zu Gegenan­griffen übergegangen und beschießen Brody.

Schwere Kämpfe a« der ostpreutzischen Grenze.

t* Berlin, 12. August. (Eig. Drahtn.) Von zuver­lässiger Seite erfährt der Königsberger Mitarbeiter der

A. Z.": Gestern fanden östlich von Mlawa harte Kämpfe statt. Die Stadt selbst ist in den Händen der Bolschewisten. Die Polen sind auf Soldau zurückge- worfen, wo sie Schützengräben ansheben. Von den üb­rigen Fronten werden Vorwärtsbewegungen der rus­sischen Truppen gemeldet. An der Grenze hat der Ver­kehr der Kommunisten und Unabhängigen stark z«ge­

nommen.

Neberwachung des deutschen Greuzschntzcs,

»» Zürich, 12. August. (S. C.) Wie die römische Tribuna" meldet, hat die Konferenz in Hvihe dre ver­mehrte Ueberwachung der deutschen Truppenbewegung durch die Berliner Ententekommission angeorönei. Dw Konferenz habe die Möglichkeit mitttarttcher Ueberra- schungen Deutschlands zu Gunsten Sowjetrutzland ekn- stimulig bejaht. m

Königsberg, 12. August. An der ganzen ostpreu- tzischen Grenze sind die russischen Wachen auf die dop­pelte Stärke gebracht. Alle Grenzirbergarige sind mit Maschinengewehren abgesperrt worden. Die Ursache zu diesen Maßnahmen ist nicht bekannt.

Der polnische Heeresbericht.

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** Warschau, 12. August. (T. U.) An der Nord- front wiesen unsere Abteilungen starke Angriffe des Feindes, der um jeden Preis Pultusk nehmen will, ab. Besonders zeichnete sich hier unser 266: Freiwillige" Regiment aus. welches mehrere Male zu Bajonett-A

"nt überging. Schwere Kämpfe sind auf dem Ab- tt des Generals Celigowski im Gange, wclcher den starken feindlichen Druck abzubalten Hai. In den Zwischenräumen unserer Front kleine ernsthaften Kämpfe. Auf der Südfront hat die Armee des Gene­

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rals Bodciennu nach der letzten Niederlage ihre Abtei­lungen verstärkt und ist wieder in Tätigkeit getreten. Ihre vorderen Abteilungen streifen die Gegend von Nadeizschow und Cholosow ab. Unsere Gegenangriffe find im Gange. Feindliche Abteilungen in der Gegend von Horodnsche und Chodazchow wurden blutig abge­schlagen. Ukrainische Abteilungen, die bis an die Strypa urückgegangen waren, haben durch Gegenan­griffe ihre alten Stellungen.wiedergenommen.

Ungarische Truppenhilfe für Polen.

** Bafel, 12. August. (T. U.) Wie polnische Blät­ter berichten, sind mehrere ungarische Truppenforma- tionen, insgesamt etwa 15 000 Mann, auf dem Wege nach Polen, um Unmittelbar gegen die rote Armee ein­gesetzt zn werden.

Die Verhandlungen in Minsk.

** Genf, 12. August. (S. C.) Der Temps meldet am Mittwoch aus Warschau, die polnische Delegation telegraphierte nach Warschau, daß dse Russen ihre zuletzt mitgeteilten Bedingungen für die Einstellung der Feindseligkeiten nicht geändert hätten. Sie erwartete« die Zustimmung der polnischen Delegation bis Freitag mittag 12 Uhr.

Mobilisierung der russischen Flotte.

** Berlin, 12. August. Die MoskauerPrawda" meldet, infolge des Auftretens englischer maritimer Streitkräfte in der Ostsee ist die gesamte russische Flotte mobilisier worden. Der Hafen von Petersburg und die Bucht von Kronstadt wurden als Kriegsgebiet erklärt.

Die Waffenstillstandsverhandlungen.

** Genf, 12. August. DieHumanitee" meldet: Der Moskauer Regierung ist angeraten worden, die Ver­handlungen mit Polen zu beschleunigen und die Waf­fenruhe an den Fronten unverzüglich eintreten zu las­sen. Bis letzt liegt noch keine Entscheidung des großen Sowjets vor.

t-' Körligsberg, 12. August. Ueber Helsingfors wird gemeldet: Die russischen Verneier haben am 9. August vergeblich die polnischen Delegierten erwartet. Die rus­sische Regierung hat deswegen bei der polnischen Re­gierung angefragt, wann die polnischen Vertreter ein­treffen würden.

General Dowbor-Muscnicki Verteidiger Warschaus.

»--- Paris, 12. August. (T. tU In maßgebenden politischen Kreisen Warschaus wird der Rücktrttt des Präsidenten Pilsndski für die nächsten Tage erwartet. General Dowbor-Muscnicki, welcher vor vier Wochen aus politischen Gründen seinen Abschied genommen hatte, soll anstelle des Generals Haller mit der Vertei­digung Warschaus betraut werden.

Die Regierung Wrangel.

w Berlin, 12. August. Die Pariser Abendblätter melden, die französische Regierung beschloß, in Anbe­tracht der militärischen Erfolge des Generals Wrangel dessen Regierung für Südrußland anzuerkennen. Ein diplomatischer Vertreter Frankreichs wird in den nächsten Tagen in Sebastopol eintreffen. Er erhält den Titel eines Oberkommissars.

^ Paris, 12. August. (D. T. Z.) Es wird gemeldet, daß die französische Regierung Lloyd George Kenntnis von dem Beschluß der Anerkennung Wrangels gegeben hat. Die Anerkennung des Generals Wrangel bedeu­tet, daß ihm jede mögliche materielle Hilfe gewährt wer­den müsse.

Die Räteregieruug i« dem besetzten Poleu.

^ Stockholw, 12. August. (T. IL) Nach russischen Telegrammen besteht die vorläufige Räteregierung in dem von den Bolschewisten besetzten Gebiet aus folgen­den fünf polnischen Sozialdemokraten: Julian Masch- lewski als Vorsitzender, Felix Dperczinski, Joseph Cohn, Joseph UnschliÄt und Eduard Pruschtomk.

Die Not der Warschaner Bevölkerung.

w- Berlin, 12. August. Die Not der Warschauer Bevölkerung ist ungeheuer. Die Leberrsmittelvorräte sind restlos beschlagnahmt worden. Alle Eisenbahnfahr­karten befinden sich in den Händen von Schiebern, die sich für eine Fahrkarte von Warschau nach Danzig bis 1000 polnische Mark bezahlen lassen.

Eruüchteruug in Frankreich.

haben.

w Berlin, 12. August. (Eig. Drahtn.s Verschie­dene Anzeichen lassen erkennen, daß auch in Frankreich die Begeisterung für die polnische Angelegenheit nachzu- lassen beginnt. Marschall Foch soll sich in Hytbe sehr scharf über die polnische Kriegführung auSgew.rochen ' - i. Daß die Polen sich ganz miserabel verteidigen, ist auch die Ansicht des Warschauer Korrespondenteil des Echo de Paris". Die Leitung der militarnchen Overa- tu nen liege in den Händen vollständig uusahrgcr Offi­ziere, die den guten Rat der Eutentegenerale höflichst unhören und niemals befolgen. Angesichts des über- raschcndcn Zusammenbruchs der polnischen Front, regt sich der Verdacht, ob die Warschauer Regierung nch über­haupt verteidigen wolle und ob nicht irgendwelche ae- bei«ic Verabredungen zwischen Warschau und Moskau bestellen. Einen solchen Verdacht hegt besonders der Matin", der seit einigen Tagen polevfeindlsche Poltt.ik treibt. Diesem Blatt zufolge lagen der.Konferenz m Lothe Berichte vor, nach denen die poluffche Verteidi- gnng «rerkwürdia ««blutig sei. Mall sehe in Warschau keinen einzigen Verwundeten, woraus zu schließen sei, daß das polnische Heer sich freiwillig znrückzlehe. Mar- scliaU Pilsndski, der Sozialdemokrat Daszmrski und der W««n>6 Mai 6e.»lalln- dam. weites Sie Wir. kung dieses AuSgangeS auf das seuttche Problem sein

würde. Man dürfe erwarten, daß die fiegresthe« Smo» jets Dentschlaud Danzig, Hosen und Schlesien aubieten und daß die Dentschen dieses Geschenk behalte« würden. Marschall Foch hat am Montag abend ausqestrhrt, daß dann das europäische Gleichgewicht von neuem vernich­tet (!) und daß für Frankreich aus der Wiederherstel­lung Deutschlands und aus seinem Anschluß an das menschenwimmelnde Rußland die größte Gefahr er­wachsen müßte.

Havas ist immer noch optimistisch.

Genf, 12. August. (S. C.) Die Havas-Agentur gibt am Mittwoch einen längeren Situationsbericht aus Warschau bekannt, der ein Einrücken der roten Armee in das Vorgelände von Warschau auf 50 Kilometer sest- stellt, die Lage für Warschau aber immer noch ungefähr­det hält und die Erwarttma ausspricht, daß die Polen durch die im Gange befindlichen Operationen an der Südfront die militärische Lage und damit Warschau ret­ten könnren. Havas zufolge ist die polnische Armee jetzt 25 Divisionen stark.

Wilsons Zusttmmuug zu Hyche.

*^ Amsterdam, 12. August. (S. C.) Die Londoner Morningpost" meldet, daß die Zustimmung Wilsons zu den Beschlüssen in Svthe bereits Dienstag in Lon­don eingegangen sei. Eine zweite Erklärung Lloyd Georges tm Unterhause stehe bevor.

Amerika «nd Rußland.

$* Paris, 12. August. (V. Z ) DemMatin" zu­folge heißt es in der Antwort der amerikanischen Re­gierung auf eine Anfrage Italiens wegen der volnifchen Frage noch: Die amerikanische Regierung wünscht nicht an einem Projekt teilzunehmen das aus den bestehen­den Teilverhandlungen eine europäische Konferenz ma­chen will: denn aller Wahrscheinlichkeit nach hätte eine solche als Ergebnis die Anerkennimg des bolschewisti­schen Regimes und die fast unvermeidliche Regelung des russischen Problems auf der Basis einer neuen Zer­stückelung Rußlands. Am Schluß der amerikanischen Note wird gesagt, es sei unbestreitbar, daß die gegen­wärtigen Beherrscher Rußlands nicht nach dem Willen des russischen Volkes regieren und daß es unmöglich sei, die gegenwärtigen Machthaber anzuerkennen. Die Re­gierung der Vereinigten Staaten würde es begrüßen, wenn die Alliierten eine Erklärung abgeben würden, daß das Grundgebiet Rolands unverletzt bleibe.

Genf, 12. August. Nach einem Funkspruch aus Moskau zu schließen, hat Moskau jetzt auch England auf die Knie gebeugt. England ist bereit, die Sowjet- regierung anzuerkennen. Tschiticherin hat bekanntgeae- ben, daß den Bedingungen Englands zufolge an einen Frieden zwischen Sowjetrutzland und England zu glau­ben ist. Die einzigen Bedingungen, die England gestellt hat, sind die Einstellung aller feindlichen Aktionen und die Heimveförderung der beiderseitigen Kriegs- lind Zi­vilgefangenen.

Geheimnisvolles Verschwinden von Mnuitionswaggons.

w Berlin, 12. August. (Eig. Drahtn.) Aus Elbittg wird gemeldet: Sechs Waggons mit Munitton, davon vier mit Artillerie- und zwei mit Infanterie-Munition, wahrscheinlich für Polen bestimmt, trafen auf dem Al- lensteiner Bahnhof ein. Die Waggons konnten nicht weiter fahren, da die Eisenbahner das Einrangieren verweigerten. Inzwischen sind fünf Waggons der Mu­nition geraubt worden und im sechsten befindet sich nur noch etwa die Hälfte. Keiner der Eisenbahner weiß, wo die Munitton geblieben ist.

DieOstpreutzische Zeitung" bemerkt luerzü: Man frage den Feldzeugmeister der roten Armee Ostpreu­ßens.

Wahr««8 der Leul'chen Reatrelifäl.

Kaltblütigkeit und Besonnenheit.

Von der Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Gewerk­schaftsbundes, dem die Gesamtverbände der christlichen Gewerkschaften, der deutschen Angestellten-Gewerkschaf- ten und der Beamten- und Staatsangestelltengewerk­schaften angeschlossen sind, wird geschrieben:

Mit dem Zusammenbruch des für die Zwecke der Entente enttachten polnischen Imperialismus treten die Auseinandersetzungen zwischen den Westmächten und der russischen Sowjetrepublik in das Stadium folgen­schwerer Entscheidungen.

Die deutsche Regierung hat mit ihrem Standpunkt strikter Rentralität gegenüber diesen Ausenmnder- setzungen die uneingeschränkte Zusttmmuug des gemm- ten Volkes gefunden. Feste Neutralität nach allen wei­ten, sowohl dem Westen wie dem Osten gegenüber, ent­spricht allein unserm Lebensinteresie. Jede andere Haltung würde unser Vaterland unrettbar and der ängenblickliche« Gefahr in die Kataftrophe führen, würde den deutschen Boden zum kneaerrschen Opcra- ttonsgebiet machen und den Zusammenhalt der einzel­nen Reichsteile aufs schwerste gefährden. Unsere Zu- kuuftshossnung liegt nicht bei irgendeinem außenstehen­den Machtfaktor, sie beruht allein in unserer inneren Geschlossenheit und ht dem festen Willen, uns durch ernste Arbeit und sittliche Kraft Mieder auszurickten

Die Regierung muß tatkräfttg in ikwer nenrraleu Haltung unterstützt werden. Dieter Pflrcht können^sich die organisierten Voltskräfte umsoweniger entziehen, als die sonstigen der Regierungsgewalt zu Gebote ste­henden Rtachtmitte! dinchaus nuzulönglich sind. Von SUÄÄ.W

Ä»» & M«L«