SmWiMMe md VsHsgesuMM.
Der WohlfahrtSmintster Stegerwald läßt
> demnächst bei der Bereinigung rvisseiischaftlicher Verleger in Berlin W. W unter dem Titel
- „Wege der Volkswohlfahrt^ eine Broschüre er« ^scheinen, in der er sich zirr Wohlfahrtspflege überhaupt und insonderheit zu den Arberten . und Ziele»: seines Ministeriums äußert. Dem folgenden, dem Kapitel „Volksgesundheit" ent. nonnnerren Abschnitt soll hier Raum gegeben
, werden.
/ ' Letzten Endes hängt unser aller Gesundheit von den Mgemeine»: grundlegenden Lebensbeüingrmgrn ab, un- Ker denen in den letzten Jahren des Krieges und vol- Luds nach seinem unglücklichen Abschluß die ungünstr. -gen Ernährungsverhältnisse eine besondere Bedeutung erlangt haben. Und zwar fällt sowohl die Berrninde- rung der Gesarntmenge als auch das Fehlen besonders wichtiger Nährstoffe und die Notwendigkeit ihrer Ersatzmittel ills Gewicht. Im Zusanmrenhana m:t der Frage dieser unzureickfenden Ernährung laßt sich auch ein Bild vor: ihren Folgen, nämlich von dem gegen- ävartigen Gesundbeitszustand unserer Bevölkerung entwerfen. Auf Grund von eingeforderten Berichten der Regieruuasprttsideniei: wurde am 18. pult 1917 zum ersten Male die Angelegenheit in der der Met» zinalabteilung beinegebenen wissenschaftliche»: Reputation für das Medizinalwesen eingehend beraten. Ende des Jahres 1918 wurde erneut der Geiundhritszufianö der Bevölkerung mit Rücksicht auf die Wirkungen der Hungerblockade sestaestellt, und Erhebungen für die Folgezeit bis auf den heutigen Tag sind im Gange. I»n Dezember 1918 konnten die Ergebntzse der ^eststelluir- gen tn den folgenden Sätzen zusamuleugemüt werden, die in: großer: und ganzer: für die BerhaUmne heute noch gelten, da die Aufbesserung der Bvlksernanrnug seit Inkrafttreten des Waffenstillstandes sich in dein Gesundheitszustände der Bevölkerung ruckt tu nem:ens- wertem Maße fühlbar gemacht hat:
1. Es erscheint zweifelhaft, ob dre iyrMte im Mutterleib immer ohne Schaden geblieben sind.
2. Die Säuglingssterblichkeit ist in der letzten beiden Jahren an manchen Orten ungumtch be- eirrflußt worden: ebenso hat die Entwickelung der Lung- linge gelitten.
3. Die Entwickelung und dre Gesundheit »?t Kleinkinder hat Schaden genommen, indem sie magerer geworden sind und Skrophrzlose, Rachitis, Dr:»' ser-schwellungen und Hautansschläge. Blutannu.. Ma- derrkurmstörungerr und auch Tuberkulose in »tarkerew Maße als vor dem Kriege unter ihnen verbreitet sind Die Sterblichkeit nimmt erheblich zu.
4. Die Schulkinder verhallen sich im allgemeinen wie die Kleinkinder: die ungünstigen Momente sind jedoch etwas stärker ausgeprägt. ~ ,
5. Die gesunden Fünfzehn- bis Fnnfztg- jährigen sind magerer und in den letzten beiden Jahren werriger leisturigsfähig und weniger nuder- standsfähig gegen Angriffe auf die körperliche Gesund- heit geworden. ■
Die Kränklichen und die mit schlechter Konstitution erliegen Erkrankungen, wie namentlich Tuberkulose. Lungenentzündung, Erkrankungen der Kreislauforgane, Infektionskrankheiten weiter eher als sonst. Die Sterblichkeit »ramentlich auch die an Tuberkulose hat außerordentlich stark zugenommen. .
1 6. Die Sterblichkeit der Personen über fünfzig Jahre ist bedeutend erhöht. Sie «ist zim: Teil der alleinige Ausdruck der mtacnüaenbeu Ernährung.
7. Die Gesunoheitsverhaltnisw find zwar auf dem Lande und in den kleineren Landstädten besser als in den großen Wohnbezirken, doch verschlechtern auch sie sich von Tag zu Tag infolge, der immer schärferen behördlichen ErranuM der ländliches Erzeugnisse.
8. Die in geschlossenen Anstalten Lebenden leiden sehr schwer. Die Sterblichkeit ist.dort — namentlich an Tuberkulose — eine ganz ungeheure.
9. Die Tube r k u l o s e st e r b l i ch k e i t ist, bei den Kleinkinder»: angesaugen, außerordentlich gestiegen. Die frischen Erkrankungen nehmen gleichfalls bedeutend zu.
Heryorzuheben ist noch, daß im Zusammenhang mit der mangelhafter: Ernährung der Bevölkerung eigenartige Ercranknngen am Knochenspstem. namentlich der .Kinder und Jugendlichen, aber auch der Erwachsenen, ausgetreten. sind. die um er dem Bilde einer hochgrM- gen Kuochenweickheit oder Knochenbrüchrgkeit verlanM. Diele Krankheitsbilder treeir in immer größerem Maßstabe erst seit Frü'iaßr 1919 auf und zeugen in ihrem ümfana und in ihrer Schwere von den schweren Verwüstungen unserer Volksgesundheit als Folge der Hungerblockade.
Die genannte TeputaiGn ha außerdem unter dem 10. März 1920 ein ausführliches Gutachten erstattet, nach dem die Bedentung der Mineralsalze, insonderheit 6e$ Kas?^ für hie me»"chs>che Errrähruna teils ver-
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Der latznee Isrs«
Roman uon H. Abt.
(Nachdruck verboten.)
Ganz still hatte der Jörg die Botschaft augehört: nur grau wie Asche war er geworden. Darm sitzt er in seiner Stube wieder allein. In der Stube, wo sie's ihm gesagt: „Ich bin dir gut" — und ihm die Arme um den Hals geschlrucgen. Und er —
Herrgott im Himmel! Aufgespielt hat er ihr zu dem Tanz ins Elend. Mitschuldig ist er — schuldig an ihr — er ganz allein! Er hätt' sie kennen müssen» hätt' ihr das nicht antun'dürfen, so nicht dürfen — er — barmherziger Herr und Heiland! Er ist ja schuld daran, wenn sie — sich ein Leid ungetan! Gestern abend ist sie fort — gestern abend — „
Im untern Dorf, da hatte ein Junge, der am Brunnen Wasser ein laufen ließ, eine ganz in einen Mantel eingemummte Frau norbeirenuen sehen, der Fahrstraße nach, die späterhin durch den Wald führt. Das war sie gewesen. Und feiner war ihr nachgeetlt. hatte sie zurlick- gehalten, sich ihrer Not erbarmt. Keiner war ihr nach, hatte nach ihr gesucht — keiner! Und auch er sitzt hier und sinnt und säumt. Ihr nach — ihre Spur 1 neben — sie finden! .
Zur Wanderschaft gerüstet, den Schneestock in der Hand, in der Tasche eine belebende Stärkimg, wie sie wohl Ohnmächtige»: oder Halberfrorener: frommen ntbg, so schreitet der Jörg der Waldstraße nach, wohin der Liesbet Spur deutet. Es ist noch immer bitter kalt. In den froststarren Tannen knarrt und ächzt es. Angstvoll späht er in den Wald hinein und nieder auf jeden von dem schmalen, schlechtgebahnten Wege abweichenden gußstapfen. War sie hier die Straße gegangen, mitten trift den Wald dahin in nächtlicher Dunkelheit und dem schneidende»: Frost? War vielleicht »nnhergeirrt bis zur Erschöpftmg und dann zusammengesunken abseits vom Wege, wo feiner ging, und die Kälte hatte sich über sie gelegt, immer starrer und zwingender: die Glieder waren ihr schwer und regungslos wie Stein geworden; vor
tannt, teils erheblich überschätzt wird. In dem ctmcn tigen Ei»,treten für eine erhöhte Mineralzunrhc zur Nahrung liegt insofern eine große Gefahr, als dadurch der Blick von den: .Kernpunkt der ganzen Eruahrungs- frage abgelenkt rotrb.
Um die Kraft und Gesundheit der Bevölkerung nne- ber auf den alten Stand der Vorkriegszeit z»: Heberr, ist neben der wesentliche»: Erhöhung der Nahrungsmenge überhaupt vor allen Dingen eine reichlichere Belre- ferring der Städte mir Nahrungsmitteln tierischer Herkunft (Fleisch, Fett, Milch, Butter, Käse, Eier, Fische) unbedingtes Erfordernis.
Aus der Heimat.
§ Hersfeld, 29. Juni. (Volkslieder-Abend in der Stiftsruine.) Anläßlich der 350jährtgen Jubelfeier des hiesigen Gymnasiums findet am Freitag den 2. Juli nachmittags ^ Uhr in der StiftSruine ein Volkslieder-Abend statt. Durch den Chorverein kommen gemischte Chöre und Männerchöre zum Vor- krag, auch der Knabenchor des Gymnasiums wird mit* wirken. Die Veranstaltungen in der Stiftsrutne erfreuen sich von jeher größter Beliebtheit, da sich wohl weit und breit kein Konzertraum findet, den man in akustischer Beziehung unserer Stiftsruine an die Seite stellen dürfte. Wir möchten auch auswärtigen Freunden unseres schönen deutschen Volksliedes den Besuch der Veranstaltung wärmstens empfehlen. Die Vorträge sind um 6 Uhr zu Ende, sodaß man die Abenbzüge noch bequem erreichen kann. Eintritt 1 Mark.
— BenvcrMng der Feldpostkarten. Es steht nicht3 entgegen, die aus bem Feldpostverkehr übrig gebliebene»: Feldpostkarte»: und Feldpostkartenbriefe im gewöhnlichen inneren deutschen Postverkehr zu verwenden, jedoch müssen der Ausdruck „Feldpost" und die sonstigen nicht mehr zutreffenden, vorgedruckter: Angabe»: für Jeldan- schrift vor der Einlieferung gestrichen werden. Die bet den Postanstalten vorhandenen Restbestände an einfachen und öoppelter: Feldpostkarten werden nur noch kurze Seit zum Verkauf bereirgehalten. Diese Vordrucke sind we» fentlid) billiger als die sonstigen amtliche»: Postkarten- formulare und außer zu Nkitteilungen auch 511 Büro« und ähnlichen Zwecke»: geeignet.
— Die Zwangspenftoniernug der älteren Lehrkräfte an höheren Schule«, die das 65. Lebensjahr erreicht oder überschritte»: habe»:, betrifft ein kürzlich erhangener Erlaß des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Bolto^ bildung. Die Schulleiter werden angewiesen, bis zuin 1. Juli eine genaue Zusammenstellung aller Lehrkräfte eirrznreichen, die das 65. Lebensjahr bereits erreicht haben aber im Lause des Jahres erreichen werden.
— Wichtig für ÄbstiMnruugsderechtigte der Ostmark. Der Deutsche Schutzbund teilt mit: Die Freifahrscheine des Deutschen Schutzbundes berechtige»: zur Fahrt burd) den polnischen Korridor (nur in Sonderzügen Lauen- burg'-Danzig, gegebenenfalls Konitz-Ezersk-Marienlver- ber). Der Deutsche Schutzbund ist im ganze»: Reiche durch Zweigstellen, Arbeitsgetneinschaftei: foiute durch die Vereine Heimattreue Ost- und Westpreußens ver« treten. Die Schutzbnnd-Fahrscheine gelange»: durch diese Stellen zur Slusgabe. Wer uoch im Besiy eines Fahrscheines ist, tut gut, bei einer der genannten Stellen an- znftagen, sofern er etwa nicht bereits verständigt ist, daß er wegen cer immerhin beschränkten Transportmöglich» feiten nicht befördert werden kann. Bei Benutznita der Abstimnningssondcrzüge genügt auch für die Fahrt dnrctz ben polnischen Korridor der Absttmmungsauswe:s »:nd ein amtlicher, von bet Ortspolizei oder einer anderen Be- _ hürbe beglanotgier Personalausweis mit Lichtbild. Für die Bemitzung von Zügen des öffentliche»: Verkehrs, die durch ben Korridor fahren, muß ein Paß mit polnischem Visum besorgt werden. Sollte der Zugverkehr Kvilitz- Czersk-Marienwerder so rechlzettig eingerichtet werden, daß er für die Avfiinunung in Frage toinmt, so sann diese Strecke ohne Paß benutzt werden. Für die Fahrt über See ist weder Paß noch Personalausweis erforderlich. Die Rückreise muß gleichfalls auf dem Seewege erfolgen. Die Aösti»umni>gsn^s»cetfe werben von b?< deutsch-polnischen AbsiimnmngSkommission im Abstimmungsgebiet selbst ausgestellt. Der Versand erfolgt teils unmittelbar durch die HeimatSverbäude. Das Eiulresfe» der-ÄnSweise bei Stimmtercrhtiateu ist nicht vor Anfang Just zu erwarten.
— Preise für Seife. Die «eifen-HerstcllnngS- und BertrtebSgesellschaft gibt besannt: Die mit Genehmigung des Reichswnt'chastSminfitcriums feftgcfehten Preise für fetthaltige Wasamnttel betragen bis auf weiteres: 1 Stück reine Kernseife 5 Mk., 1 Doppelstück reine Kernseife 10 Mk., 1 Stück reine Feinseife 5 Mk., 1 Stück Rasterseife 2,50 Mk., 1 Stück Ä.-A.-Seife 3,50 Mk., 14 Pfd.-Paket geifemmlver 3,50 Ntk„ 1 Pfd.-Paket Seifenpulver 7 Ntk,
den Augen tanzte»: ihr feurige Lichter, und im Gehirn I hämmerte und dröhnte es. Ein Hilferuf zitterte ihr noch einmal von den Lippe»: und verwehte ungehört. I Und schwarzer Nebel senkte sich ihr vor die Augen: das Hämmern und Dröhne»: ward zum dumpfen Rauschen und Sausen, das ferner klang und immer ferner. Und sie ward stille — stille —
Laut auf stöhnte der Jörg, als hätte sich wirklich zu- getragen, was eine grausige Vision ihm vorgegaukelt hatte. Schneller noch strebte er vorwärts. Die Straße roar wieder aus dem Wald hervorgetreten, ging an der Berglehne, woran die Felder »ich htnaittzogen, dahin, und plötzlich hielt der Jörg den Schritt ein. Was war das hier? Eine einzelne Fußspur, deutlich abgedrückt in dem harten Schnee, bog von: Weg ab, atabaud über das Feld, der Richiung zu, wo weiter drunten das Babnqeleise sich hinzog. Er beugte sich hinab zu der einsamen Spur: es war kein Mä:merfutz.
Der Atem versagte ihm; dann ging er weiter, der einsamen Fußspur nach, mehrere Male in tiefe Schneewehen einbreebend. So erreichte er das Bahngeleise. Hier waren die Tritte, wie keines weiteren Weges sich bewußt, ein paarmal hin und her gekreuzt, und dann war nichts mehr von ihnen wahrzunehmen.. Und grauenhafter noch als zuvor trat vor den Jörg ein Bild hin, wie die Liesbet mit verzweiflnngsvoller Gebärde auf den Schienen in die Knie stürzte und dann sich vorboq. weit, ganz tief hinab, bis ihre Stirn die elierue»: Schienen berührte, auf denen es durch die Nacht daheraebraust kam, ein dunkler riesenhafter Dämm: mit wildglühenden Anaen, der näher und näher kam — ganz nahe —
Der Jörq sprang empor vor: der Stelle, wo auch er auf die Knie gesunken war. War es geschehen? Satten die Räder sie gepackt und zerrissen? Schaitdernd starrte er umher- Rett: und glänzend lag ringsum die weiße Schneefläche.
Langsam begann er am Rande des Babugeleises wieder vorwärtszuschrette»:: aber er kam nur noch mühsam von der Stelle. Doch gewaltsam raffte er sich
Die Preise sind f-m "Greise. Die Seifen und Ecifeiv» pulverpakcte werben mit Genehmigung des Reichst»»»:t- schastsnlinisteriiiins ohne P.eisaufdruck hergestellt.
Falken. sS. JU"i. Die Manl- und Kleuenleuche ist hier und in SchnAchwende unter der Schafherde avsge- brochen.
Heiligenstadt, »'S. Juni. Die Stadtverordneten beschlossen die Vornahme eines Ausbaues am Rathaus,
Duterftabt, 28. Juni. Ein schwerer Auta-Nufall er^l eignete sich zwischen Jlatlenburg und Hcmunenstedt. Nuß einer Geschäftsreise aus Hannover fommatd, befände« sich in dem Automobil der Fabrikant Wille- mit Frcm^ Molkereibesitzer Friedrich-Westerode und Hermanm Wolfs jr. Das Auw überschlug sich plötzlich und begruH die Insassen unter sich. Wolfs und Friedrich erlitten! schwere Schädel- und RippenbrÜche und wurden in da« Krankeuhaus in Lindau überführt, wo Wolff geswrbeiij ist. Wilkes und Frau trugen Arm- und Skinbrüftei davon.
Gerstungen (Werra), 28. Juni. Als ein hiesige-s junges Mädchen aus der Werra Wasser schöpfen wollte,] um ein Grab zu begießen, stürzte sie in den Fluß ttndi ertrank.
• Eisenach, 28. Juli. Die Ersenacher Zimmerer fht3> in den Streik eingetreten. In den BeztNsverhandlun-; gen war ihnen ein Lohnankschlag von 20 Pfg. die Stunde, von M. 4,30 auf 4^0 Mark angeboten worden. Die Ar» Lestnehmer verlangten einen Stundenlohn von 5,00 M.i
Erftirt, 28. Juni. Eine unerlaubte Entziehung elet-1 frischer Straft bildete vor der Erfurter Straffannner den, Gegeustand einer mehrstündigen Verhandlung. Die An- geklagten, Gastwirt Friedrich Lehmann und Optiker Paul Lcßman»: aus Diedernissa, hatten von der elektrischen Hauptleitung nach dem »Mmannschen Gasthause eine Zweigleitung derartig legen lassen, daß der Zähler nicht berühr/ wurde. Jeder der Angeklagten ist zu 1000 Mark Gelditrafe verurteilt worden.
Eschwege, 26. Juni. Mit einer Nachreoisto« der vor» Handerlen Getreibebestände im Kreise Eschwege sind zur Zeit etwa 40 Beamte der Retchsgetreideoersorgurlgs«. stelle in Berlin beschäftigt.
X Eschweger Schwarzschlächter wurden in der Nacht vom 24. zum 25. Juni von dem Lbcrw.rchnneistcr Bleuer und den Hilfsgendarmen König und Lieber- fneclit aus Allendorf auf der Landstraße Albuugcn— Allendorf in der Nähe von Kleinvach mit ihrem Fuhrwerk ungehalten. In diesem befanden sich ein ausge- fchlachtetes Schwein von 340 Pfund, ein ausgeschlachte» tes Kalb von 62 Pfund und ein halber Haumiel von 2» Pfund sowie 15 Pfund Eingeweide mit Leber. Die Sachen waren für einen Gwtwirt in Soocen bestimmt Sie verfielen der Beschlagicahme.
Ha«n. Mtinden, 28. Juni. Dem Professor der Chemie an der hiesigen Forstakademie Dr. E. Wedekind wurde auf Antrag der Göttinger pbtlorn‘ibifd)en Fakultät vom Ntinister für Wissenschast, huhu und Volksbildung ein Lehrauftrag für Chemie und Technologie der seltenen Erden sowie für Stereochemie, Speztalfächer, die noch nicht an der Göttinger Universität vertreten sind, erteilt, Prof. Wedekind wird neben seiner neuen Lehrtätigkeit tu Göttingen seine hiesige auch weiterhin auöübeit
— Die Arbeitslose« waren auf dem Marktplätze am! ßmmengekommen, um über Hebung ihrer wirtschaft«! chen Notlage zu beraten. ES wurden folgende Förde-i Dingen in Form einer Resolution angenommen: 1. Ein--» führung des Arbeitsnachweiszwanges für stünden; 2.; sofortige Entlassung der Arbeiter, weifte vom Unternehmer der Stauanlage ohne Arbcits-Ätachweis eingestellt wurden und 3. Unterbringung sämtlicher Arbeitsloser: tx Rotstandsarbeiten.
Cassel, 28. Juni. Die seinerzeit nach Dänemarl zu ihrer Kräftigung geschickten Kinder sind wieder zurück- öcfctjrt. _ ——^—— "^—
— Der Sonnabend-Wochenmarkt zeigte einen Rückgang der Preise. Sftotencrbfen wurden zu in Preise von 70 Pfg. das Pfund abgefeht. Karotte»: waren für 40 Pfg., Rote Rüben für 50 Pfg, das Bund zu haben. Kohlraör kostete 20—40 Pfg», Blumenkohl je nach Größe 2—4 M. Johannisbeeren wurden fiir 1,20 M., Stachelbeeren für 1,40 M das Pfund versauft, Himbeeren waren auch schon für 2 M. zu haben, Kirsche»: kostete»: dasselbe. Die Kauflust war sehr rege.
Rotenburg, 28. Juni. Der diesjährige städtische Kirschenvcrkanf brächte einen Gesamterlös von 1166 M., das ist das zehnfache gegen frühere Jahre.
— Mit dem Bau des Stromzuleitungsiieycs der Edertalsperre ab Heiucbach nach Rotenburg ist bereiter begonnen. Mit dem Herbst wird dann das hiesige Elek- tNzttätswerk ftillgelcgt. Das Projekt kostet die Stadt zirka eine halbe Million Ntark.
Hanau, 28. Jnnr. Drei Monate nach feiner Verheiratung ermordete der 30 Fahre alte Daniel Hübner auS Offenbach seine Ehefrau, indem er sie in bk Kiozig warf,' in der sie ertrank. DaS Sctmnirgenftt in Hanan, wo er. sich weaen des Mordes ut verantworten hatte, verwies Wn in eine Heilanstalt zur Beobachruiig seines GeisleS- Lustaudes.
zu iteiter Kraft auf. So erreichte er den Bahnhof, bei die Endstation der kurzen Sekundärbahn bildete, weifte an die große Hauptltme sich aufftloB. Einer der fiel/ neu Züge wurde eben zur Abfahrt znrechtgefchobcn, »um auf dem Perron ging ein Schaffner, die kalten Füße sich warm stapfend, hin und her. An ihn trat der Jörg heran und tat eine Frage, auf die eine Antwort kam, vor der das Herz ihm beinahe stille stand.
Ja, ein Frauenzimmer, Kopf und Gesicht gam in den »Olaiitelfragen eingewickelt, groß, und wie'8 den An- wietn hatte, noft jung, die war gestern mit dem letztere Abendzug davoncrefabren. Sie war wie toll baberge» rannt gekommen, gerade als der Zug sich in Bewegung setzte, und der Schaffner, im Glauben, daß sie noch mir wolle, hatte sie ohne weitere Frage gepackt und in den offenen Bierterklassewagen hineingesawbew
»Und — wohin wollte sie?" fragte leise der Jörg.
„Ja, nun kommt das Verrückte," gab der SftaffiKr zur Antwort. „Ich glaub". He bat gar nirgends hingewollt. Wie ich sie um ihr Bittet trage, bar sie fern?, und qls ich weiter frage, wohin sie eigentlich wolle, starrt sie mich an, daß ich schon glaube, ich' habe m t eine aus dem Tollhaus eingefacft. Dann frugt He auf einmal ganz ruhig: „Wohin geht der Zug?" Der geb* mit ein paarmal umsteigen direk: bis nach Berlin, '<»s& ich rhr. Sie starrt erst eine Weile vor sich hin nnd murmelt dann: „Berlin ist eine große Stadt — dq kann sich einer drin verlieren' — und auf einmal re t sie einen Beutel ans der Tasche. »nacht ihn aus -ab ichant hinein. Ich schau' mit hinein, febe drei ode* vier Goldstücke drin und mache einen Witz — das ist fa dis reine Ojoldgrube und ein Reichtum. Sie laft-, so /nf — „Ja, ein Reichtum, inctu ganzer R ichriun" : tb gibt mir ein Behnmarfftürf — „da, wollen Sie mir da- für ein Billet besorgen, soweit es für das ^ZL ge ck." Nach Berlin zu? frage ich noch, und sie nicht: ..j^r, dorthin zu" — Ich habe ihr das Ntllet auf der nächstes Station besorgt; das Geld hat gerade biß ;mft Berlin gereiftt, und sie hat's genommen und ilorfHe'f d iaesesteN und weiter kein Wort gesagt." Q^tf. üügt r -^