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vem Berliner Organ die Echtheit des VersammlnugSbe« richts gar nickt bestreitet. DerKampf" versucht jetzt, die revolutionäre« Vorbereitungen als Abwehrmaßnahme für den Fall eines Rechtsputsches hinzustelleu. Das Blatt schreibt:Selbstverständlich ist vorgesehen, daß die organisiersten Arbeiter, Slngestellten und Beamten die ver­fassungstreuen Einwohner-, SicherheitS- und ReichS« wehrtruppen im Kampfe gegen die aufrührerische Solda­teska unterstützen. Die Unabhängigen brauchen dies gar nicht Bit verheimlichen. Im Gegenteil, sie rufen das ganze deutsche Volk jur Organisation des Kampfes aus. Sie fühlen sich als wahre Vertreter der deutschen Nativm

Der neue kommunistische Putschplan.

** Berlin, 26. Juni. (L.-A.) DerL.-A." ver» »ffeutlicht weitere Einzelheiten Über »ie Vorbereitung eines nenen linksradikalen Putsches. Nach dem Be­schlusse der internationalen kommunistischen Konferenz in Konstanz sollten bis znm 15, J«ui alle Vorbereitun­gen Ant Errichtung der politischen Macht getroffen sein.

I» Dcntscklaud, Oesterreich, Polen und Italien sollt« dann der Generalstreik und schließlich »er bewaffnet« Aufstand losbrechen. Nach einer Zusammenstellung, die einem Kurier »er Noten Armee in Halle abgenourmeir m«r»e, verfügt die Rote Armee über 10 870 Maschinen­gewehre, 90 Flammenwerfer, 700 Minenwerfdr und 420 Geschütze.

Der Krieg im Orient.

DieAction franeaise" meldet, daß das Vorgehen Englands, das Griechenland die Erlaubnis gegeben habe, mit seinen Streitkräften die Türkei anzugreifen, daraus zu erklären sei, daß der griechische König Alexander in der nächsten Zeit auf den Thron verzichtet und der Her­zog von Connaught diesen besteigen werde. Deshalb sei anzunehmem baß die Türken nicht in Konstantiuopel bleiben werden, sondern dieses an das neue Griechenland nnter englischer Herrschaft fallen werde. Gegen diese Möglichkeit, die aber deswegen nicht ausgeschlossen er­scheint, weil König Alexander eben im Begriff steht, eine morganatische Ehe einzugehen, wendet sich dieJnforma- tton" mit größter Heftigkeit. Das Blatt erklärt, daß Frankreich gar kein Bedürfnis empfinde, England in guten Aspirationen auf Konstantinopel zu unterstützen, as heißt nichts anderes, als den Krieg im Orient fort- zusetzen. Frankreich sei gewiß der Freund Englands, wenn es friedliebend, liberal und zivilisatorisch sei, aber wenn England weiterhin den Weltkrieg fortsetzen wolle, würde Frankreich sich außerordentlich bedroht fühlen müssen und käme allmählich in die Lage, seine Unabhän­gigkeit zu verlieren, die es auf wirtschaftlichem Gebiet ohnehin bereits an England abtreten mußte.

Vorbringen der türkischen Nationalisten.

Nach einer Meldung derEvening News" aus Konstanrinopel ist eine Abteilung Truppen Kemal Pa­schas westlich von Konstantinopel auf dem europäischen Ufer des Marmarameeres gelandet. Eine weitere Truppenmacht wurde von den französischen Truppen bei Jsmid gesichtet. Britische Schlachtschiffe nahmen die Nationalisten unter Feuer und fügten ihnen schwere Verluste zu. In der Berggegend von Fregli wurde die Arbeit wieder ausgenommen.

Englischer Heeresbericht.

Das britische Hauptanartier veröffentlicht folgenden Tagesbericht aus Kleinasien: Die 13. Division griff Sa- likli und das Gebiet um das Marmara-Meer an. Salikli wurde erobert und das Gebiet am Marmarameer im Sturm genommen. Eine Kavallerieabteilung ging gegen fülln vor. Gefangene wurden gemacht und Kanonen er= eurer----------------------

sirolesl gegen die schwarze Schmach.

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für eine Politik des Rechts (Heidelberger Vereinigung) veröffentlichen eine Kundgebung, worin es heißt: Genug der Scharrde! Der Rheinische Frauenbund hat dieser Tage einen er­greifenden Protest gegen die zahlreichen Angriffe der französischen Besatzungstruppen auf die Ehre deutscher Frauen und Mädchen im Rheinland veröffentlicht. Der Bund konnte 29 Fälle mit genauen Belegen an­führen, darunter 17 mit farbigen Tätern. Uns sind weitere 9 Fälle mit genauen, zum Teil Grauen erre­genden Einzelheiten bekannt. Elfjährige Knaben und Mädchen in kaum heiratsfähigem Alter, hochbetagte Frauen befinden sich unter den Opfern, doch es besteht Grund zu der Befürchtung, daß auch damit die traurige Liste noch nicht erschöpft ist. Es bleibt nur ein Schluß übrig: daß die französischen Offiziere entweder nicht die Macht oder nicht den Willen haben, die unerhörten Zustände zu beseitigen. Die Versuche der französischen Regierung, die einwandfrei bezeugten Tatsachen abzu- leugnen, können wir nur dadurch erklären, daß sie von ihren Nachgeordneten Stellen nicht wahrheitsgemäß uu- kerrichtet ist. Wir bedauern aufs tiefste die aus ande­ren Erdteilen stammenden Männer, die im Dienste eines die Grenzen der eigenen Volkskraft weit über­spannenden Militarismus von einem fremden Gebiet ins andere gehetzt werden. Nicht sie tragen die Schuld, sondern die weißen Machthaber. Gegen sie appellieren wir an die aesamie Kulturwelt, an alle recht und ritter­lich denkenden Frauen und Männer, auf daß sie alle Macht aufbieten, damit der Besetzung europäischen Lan­des durch farbige Truppen und den damit verbundenen unvermeidlichen Folgen endlich ein Ende gemacht werde. Prinz Max von Baden, Staatsrat Dr. Ludwig Haas, Gräfin Pauline Montgelas, Graf Max Mont- gelas, Frau Lina Richter und Frau Marianne Weber.

Die Knechtschaft der Deutschen in Polen.

Davzls, 26. Juni. (T. U.) Wie aus zuver­lässiger Quelle mitgeteilt mir», bereitet die Warschauer Regierung einen Gesetzentwurf vor, wonach den deut­schen Grundbesitzer» die Veräußerung ihres Grundbe­sitzes au deutsche Hände verboten werden soll. Selbst auf erbrechtlichem Wege wollen die Polen verhindern, daß Grundbesitz eines Dentschen auf den eigene» Sohn über. Seht.

Auch Helfferich hat Berufung eingelegt.

** Berlin, 26. Juni. (T. U.) Gegen das Urteil im Prozeß Erzberger-Helffertch hat nicht nur der Neben­kläger, sondern auch der Angeklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt. Dr. Helfferich begründet das Mevisionsbegehren u. a. damit, daß in rechtstrrtümli- cher Weise seine, Verurteilung wegen formaler Beleidi­gung erfolgt und daß dem Angeklagten zu Unrecht der Schutz des 8 193 des St.G.B., die Wahrung berechtigter JGceressen, aberkannt worden sei.

Unabhängige Anträge im Reichstag.

Berlin, 26. Juni. Die Unabhängigen haben im Reichstag einen Antrag eingebracht, der Reichstag wolle die Reichsregierung ersuchen, die wirtschaftlichen Be­ziehungen mit Rußland unverzüglich aufzunehmen und sofort in Friedensverhandlungen mit der föderativen sozialistischen Sowjetregierung einzutreten. Ferner be­antragten die Unabhängigen, die Sätze der Erwerbs- lafenfürsorge aus das unter Mitwirkung der Gewerk«

schaften jeweils festzusetzende Minimum Alt erhöhen und ohne Rücksicht auf die Dauer der Erwerbslosigkeit rückwirkend ab 1. März 1920 zu saüleit.

Vor einem neuen Verkehrsstreik in Berlin.

* * Berlin, 26. Juni. Bon den Arbeitern der Groß- Berliner Straßenbahn wird die Gleichstellung mit den städtischen Arbeitern gefordert. Die Direktion der Grotz-Berliner Straßenbahnen hat sich bereit erklärt, den Straßenbahnern die Löhne der städtischen Arbeiter ohne Teuernngszuschlag zu gewähren. Das würde eine Mehrausgabe von jährlich 10 Millionen Mark bedeu­ten. Eine Versammlung der Funktionäre der Straßen­bahner hat nun aber beschlossen, au der Forderung der vollständigen Gleichstellung mit den städtischen Arbet- teru festzuhalten und durch eine Abstimmung bis zum nächsten Montag festzustellen, ob die Mehrheit der Stra­ßenbahner bereit ist, in den Streik einzutreten. Bei den Hochbahnanaestellten und den im Verkehrsgewerbe tä­tigen Handwerkern ist eine gleiche Bewegung eingeleitet worden.

Die Bayerische Königspartei.

M' München, 26. Juni. (S. C.) Die Bayerische- Nigspartei hat bis 15. d. Mts. 200 000 Mitglieder ge- wontien. Die Partei wirb vom 1. Oktober ab eine ei­gene Tageszeitung zur Ausgabe bringen. Für die par­lamentarische Vertretung wurden Berharrdlnngcn mit der Bayerischen VolkspaAei am Freitag ausgenommen.

Noske Oberpräsident von Hannover?

* * 8 c 11 i n , 26. Juni. (B. T.) Nach dem8. T." soll für den seit längerer Zeit verwaisten Posten des Oberpräsidenten der Provinz Hannover jetzt der frühere Reichswehrminister Noske ausersehen sein.

Die Gewerkschaften znm Steuerabzug.

Berlin, 26. Juni. (S. C.) Die Gewerkschaften haben heute der Reichsregiernng eine dringliche Vor­stellung unterbreitet nach vorläufiger Sistiernug des ivprozentigcu Lohnabzuges zu Steuerzwecken. Die Ein­gabe der Gewerkschaften weist auf die Wahrscheinlich­keit neuer großer wirtschaftlicher Sümpfe hin, falls der 10prozentige Abzug am 1. Juli durchgeführt werden sollte.

Die deutschen Denkmäler in Elsaß-Lothringen.

w Karlsruhe, 26. Juni. (S. C.) DerStraßburger Neuen Zeitung" wird aus Paris gemeldet, daß zwischen Frankreich und Deutschland Verhandlungen eingeleitet sind, die die Aushändigung der deutschen Denkmäler in Elsaß-Lothringen an Deutschland betreffen, um eine freihändige Versteigerung zu verhindern.

Verschlechterung der Lage an der polnischen Front.

Rotterdam, 26. Juni. (S. C.) DieTimes" mel­den aus Warschau, die Lage an der Front hat sich über­raschend verschlechtert.

Das Boykott gegen Ungarn.

w Köln, 26. Juni. (S. C.) Nach einer Meldung aus Brüssel hat die gestrige Sitzung der belgischen Ge­werkschaften die Unterstützung des internationalen Ge- werkschastsboykotts gegen Ungarn abgelehnt. In der gleichen Sitzung wurde eine Kundgebung der belgischen Gewerkschaften zur Revision des Versailler Vertrages mit allen gegen drei Stinrmen abgelehnt.

Griechische Erfolge in Syrien.

* * Berlin, 26. Juni. (L.-A.) Die Griechen melden einen Sieg über türkische Streitkräfte bei Philadelphia in Syrien.

Ein irischer Versöhnnngsansschutz.

* * Berlin, 26. Juni. (L.-A.) In Irland hat sich aus allen Kreisen der Bevölkerung ein Versöhnungs- ausschnß gebildet, der bestrebt sein will, den Feindselig­keiten ein Ende zu bereiten.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom Freitag, 25. Juni.

Haus und Tribünen weisen eine ähnliche Fülle wie am gestrigen Tage auf. Die Ministerbänke sind auf der rechten Seite ganz leer, auf der linken Seite weisen sie große Lücken aus.

Alterspräsident Ricke eröffnet die Sitzung und liest die dem Hause zugegangenen Eingänge vor, darunter be­reits einige Interpellationen. Zum Reichstagspräsiden- ten wird Abg. Lobe (Soz.) mit "394 von insgesamt 420 Stimmen gewählt.

Präsident Lobe dankt dem Hause für die große Ehre, die ihm durch Uebertragung dieses Amtes geworden sei. Die Rechte, die der neue Reichstag durch die neue Ver- fassung erhalten habe, zu wahren, werde seine Hauptauf­gabe sein.

Das Haus schreitet sodann zur Wahl des ersten Vize­präsidenten. Der Parteistärke gemäß hat hierauf die un­abhängige sozialdemokratische Partei Ztnspruch. Sie hat den Abg. Dittmann ausgestellt. Insgesamt waren 397 Stimmen abgegeben, davon entfielen auf den Abg. Ditt­mann 235. Er ist somit gewählt mid nimmt die Wahl an. 156 Stimmzettel bleiben weiß, 5 waren zersplittert.

Das Haus schreitet zur Wahl des zweiten Vizeprä­sidenten, für den der Abg. Bell (Ztr.) in Vorschlag ge­bracht ist.

Die Abstimmung ergibt, daß 367 Abgeordnete an der Wahl teilgenommen haben: 8 Stimmzettel sind weiß, 356 lauten auf den Abg. Dr. Bell, der somit gewählt wurde und die Wahl annimmt. Für den dritten Vizepräsidenten ist der Abg. Dietrich (d.-n.) in Vorschlag gebracht An der Abstimmung nehmen 348 Abgeordnete teil. 83 Stimmzettel sind weiß. Slbg. Dietrich wird mit 260 Stim­men gewählt.

Abg. Dr. Kahl (D. Vpt.) schlägt vor, die noch aus- stehenden Schriftführerwahlen durch Zuruf zu erledigen.

Zlbg. Ledebour (U. Soz.) widerspricht.

Die Wahl der 8 Sckrtftführer erfolgt nach der bis­herigen Art, aber in einem einzigen Wahlgang. Als Schriftführer werden gewählt die Abgeordneten Fischer (Soz.), Frau Schuch (Soz.), Frau Agnes (U. Soz.), Pfeif­fer (Ztr.), Malkewitz (d.-n.),'Kempkes (D. Vpt.), Veuer- mann (D. Vpt.) und Hekle (Dem.).

Zur Geschäftsordnung begründet Abg. Ledebour (U. Soz.) einen Antrag feiner Partei, die gegen den Abg. Mittwoch verhängte Festungsstrafe aufzuheben. Er wolle nicht auf den sachlichen Inhalt eingehen. Der Präsideüt erklärt das für möglich, wenn sich kein Widerspruch er­hebe

Abg. Müller-Franken (Soz.) beantragt Neberwei- sung des Antrages Ledebour an die schleunigst zu bil­dende Geschäftsordnungskommission. Der Antrag wird

angenommen. ,

Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr vormittags: Ent­gegennahme einer Regierungserklärung: außerdem meh-

gegennahme einer Regierungserklärung: außerdem meh­rere Interpellationen. Schluß 6,45 Uhr.

Antrag auf Einstellung des Lohnabzuges.

* Berlin, 26. Juni. (Eig. Drahtn.) Im Reichstage ist ein interfraktioneller Initiativantrag eingegangen, der die Regierung ausfordert, eine Sistierung des 10prozeu- tigen Lohnabzuges anzuordnen.

Interpellation über die Arbeitslosigkeit.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschäf­tigte sich mit der Arbeitsfrage und stimmte lautVor­wärts" der Einbringung folgender Anft-ggc zu:Was gedenkt die Regierung gegen die zunehmende Arbeits­losigkeit zu tun? Wie gedenkt sie insbesondere in der

jetzigen Krise, die Stillegung von Betrieben zu verhirS deru und Arbeitsgelegenheit zu beschaffen?"

Die Teuerungs-Auruhen.

Aus Bremen wird gemeldet: Nachdem die Nacht einigermaßen ruhig verlaufen war, begann Freitag mor­gen das Heulen der Sirenen und das Läuten der Sturm­glocken, Zeichen für die höchste Alarmbereitschaft. Starke Aufgebote der Sicherheitspolizei, der Schutzmannschaft, sowie ganze Kompagnien der Stadtwehr durchzogen die Straßen und begaben sich an die Stadtgrenze. Von den Arbeitern waren Demonstrationen gegen die Teuerung geplant. Das Innere der Stadt ist streng abgesperrt. Die Vorfälle am Donnerstag beweisen zur Genüge, daß aus der kleinen Ursache der Erhebung gegen die Obst- und Gemüfepreise ein allgemeines Rauben und Plündern ge­worden ist. Besonders wurde in dem Vorort Hemelingen geraubt. Hier ist in der Hauptstraße auch kein Schau­fenster ganz geblieben. Sämtliche Läden waren ausge­plündert. Den schwersten Stand bet diesen Plünderungen hatten die Sicherheitsbeamten. Nur der kühlen Selbst­beherrschung der Beamten ist es zu verdanken, daß dre Ausschreitungen ohne Blutvergießen abgelaufen sind.

In Oldenburg zog eine nach Tausenden zählende Menge vom Pferdemarkt aus truppweise durch die Ge­schäfte und stellte an die Geschäftsinhaber die Forde­rung, die Preise für Lebensrnittel, Schuhwaren und Konfeklionswaren um ein Drittel herabzusetzen. Wenn die Geschästsinhaber der Forderung nicht in kürzester Zeit nachgekorumen sein sollten, würden Zwangsmaß- rrahmen ergriffen werden. Man verhandelt mit dem Magistrat und dem Ministerium zwecks Festsetzung der Preise. Sollte bis Somtaßen dkeine Herabsetzung er­folgt sein. so soll in den Betrieben die Arbeit niederge- leat werden.

^ Mainz, 26. Juni. Die Teuerung für Obst und Gemiise hat auf dem Wochenmarkt zu stürmischen Auf­tritten geführt. In aller Frühe kamen die Verbraucher, darunter viele Arbeiter in großen Scharen auf den Markt und setzten die Preise selbständig herab. Wo die Händler sich zur Wehr fetzten, wurden die Korbe mit Gewalt entleert und verkauft. Teilweise wurden leider auch erhebliche Borräte auf den Boden geschüttet und zertreten. Aufrührerische Elemente ließen sich auch zu Ausschreitungen und Plünderungen der Warenbestände binreitzen. Die Polizei war machtlos. Einige Verhaf­tungen wurden vorgenommen.

^ Dortmund, 26. Juni. Der Magistrat sandte an alle Regierungsstellen ein dringendes Telegramm mit der Mitteilung, daß in der Bevölkerung arge Erbitte­rung über die hohen Obst- und Gemüsepreise herrsche. Sofortige Abhilfe sei dringend erforderlich. Es wird mit allem Nachdruck um größte Beschleunigung und wirksame Einwirkung auf die zuständigen deutschen Stellen zur energischen Bekämpfung der wucherischen Ausbeutung in Gemüse und Obst.

Vermintes.

180 000 Mark sind bei dem Berliner Postscheckamt durch Fälschungen miterschlagen worden. Die Krimi- nalpolizei hat zwei Postaushelfer und zwei Berliner Schwerverbrecher als Täter verhaftet.

Hiusichtlich des Todesurteils aegen den Mörder Eduard Sckreppel, der Ostern vorigen Jahres in Ro- dach das elfjährige Schulmädchen Rosa Völker in bestia­lischer Weise ermordete, hat die Koburger Landesre­gierung von ihrem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, so daß das Todesurteil in nächster Zeit voll­streckt werden wird.

Einem Brand in Mitterhöll bei Weiden (Oberpfalz) sindmner Wohnhäuser mit allen Nebengebäuden zum Opfer gefallen. Der Schaden wird auf efroaSBDTiüu fütarr geschätzt.

Torpediert. ImDaily Chrönicle" wird erzählt, auf welch originelle Art an der Grenze der Vereinigten Staaten, die seit einiger Zeittrocken" sind, der Schmug­gel geistiger Getränke betrieben wird. Kürzlich kamen die Zollbeamten von Detroit im Staate Michigan dahin­ter, daß täglich große Quantitäten des verbotenen Feuer- wassers durch den gleichnamigen Grenzfluß Detroit ver­mittels submariner Torpedos > mit elektrischem Antrieb vori Kanada herübergebrackt wurden. Jede dieser Ma­schinen enthielt etwa 100 Liter Alkohol und nachdem man sie ihres kostbaren Inhalts entledigt hatte, wurden sie jedesmal mit Wasserballast auf demselben Wege wieder zurückgeschickt. Wenn man seither in den Straßen der amerikanischen Stadt einen Betrunkenen zu sehen be­kommt, pflegt man von ihm zu sagen, er seitorpediert" worden.

Ein Hochstapler und Zechpreller ist nach einer auf­regenden Verfolgung in der Person des 29jährigen Kauf­manns Gustav Werning aus Schildesche bei Bielefeld in Detmold verhaftet worden. Der Festgenormnene war als Oberleutnant a. D. in der Sommerfrische Holzhausen bei den Externstetnen anfgetreten, hatte das Herz und den Kredit einer Sommerfrischlerin gewonnen und war dennoch mit einer Zeche von rund 500 M. durchgegangen. In Detmold, wo er in einem Hotel abgestiegen'war, gab es eine wilde Verfolgungsjagd, doch konnte W. festge­nommen werden. Wegen der Hochstapelet und Zechprel­lerei in Holzhansen wurde er zu drei Monaten Gefäng­nis verurteilt. Jetzt schwebt gegen ihn ein Rattenkönig von Strafprozessen wegen Heiratschwindeleien, so daß er auf absehbare Zeit unschädlich gemacht werden dürfte.

Kapitän König, der bekannte Führer des N-BooteS Deutschland", ist wieder nach Bremen zum Norddeut­schen Lloyd berufen worden, und zwar als Leiter der nautischen Abteilung an Stelle des gestorbenen Jnkpek- tors Krebs. Kapitän König war bis jetzt Sachverstän­diger bei der nautischen Abteilung der Dienststelle der Admiraltät Geestemünde.

Eine Falschmünzerei wurde im Keller des Hauses eines Kölner Kaufmanns von der Kriminalpolizei aus- gehoben. Da die Falschmünzer die gefälschten Bankrioten in Schieberaut anlegten, wurden bei dieser Gelegenheit große Schiebungen und Bahndiebstähle aufgedeckt. So wurden u. a. 5 Millionen englische Zigaretten und 4000 Meter Kupferdraht beschlagnahmt, Um alle Mitglieder der Fälscherbands kennen zu lernen, war die Kriminal- polizei als Käufer der Werkstätte ausgetreten und hatte diese für 40 000 M.angekauft". Von den Falschmünzern konnten ein Kupferschmied, ein Zigarrenhändler, ein Buchdrucker und ein Chemigraph verhaftet werden.

Eine Geheimdrnckerei für falsche M-Markscheine wurde in Braunschweig aufgedeckt. Der Musterzeichner Wilhelm Meyer, der diese Druckerei leitete, wurde ver­haftet. Er behauptet, für 3 Millionen Mark Steine in Verkehr gebracht zu haben.

Einen Wahnsinnigen fanden Frauen in Heidelberg an einem offenen Grabe., Es war ein junger Mann, der den Sarg erbrochen hatte und die Gebeine des Verstor­benen am Grabrand sortierte. Er erklärte den Frauen, daß er keine Fleisckmarken habe und sich daher seht Fleisch selbst beschaffen müsse. Der FriedbofSinärter veranlaßte -die Verhaftung des Irrsinnigen, der, aus Stuttgart ae- bür^a, das Grab seines vor zehn Jahren verstorbenen Mr-ioaterS geöffnet hatte.