Sitzmis 6er Etsdwersrd»Mi.
):( HerSfel-, 9. Juni.
Anwesend war der Herr Stadtverordnctcnvorsteh'. , sowie 25 Mitglieder. Außerdem Herr Bürgermeister Wagner, Herr Stadtbaurat Wolff und die Herren. Magistratsmitglieder Löwcr, Sauer, Schüßler.
Der erste Punkt der Tagesordnung betraf ein
Ortsstatut für die kaufmännische Fortbildungsschule.
Diese wird von der hiesigen Kaufmannschaft selbst, und nicht von der Stadt betrieben. Die einzelnen Paragraphen -es Statuts werden zur Kenntnis der Versammlung gebrach^ und durchberaten. Ein Antrag des Herrn Möller auf Abänderung des § 4 betreffend Schulgeld wurde dahin angenommen, daß ein bestimmter Schulgeldsatz nicht festgelegt wird. Im übrigen wurde das Ortsstatut unverändert angenommen.
In der bereits in voriger Sitzung verhandelten Angelegenheit betreffend
Verlegung der städtischen Geschäftszimmer in das jetzige Gebäude des Bezirkskommandos
hatte eine Kommission mit dem Magistrat eine Ortsbesichtigung abgehalten und sich für Verlegung der Geschäftszimmer ausgesprochen. Der Magistrat hat sich diesem Beschluß angeschlossen. Die notwendigen Verhandlungen mit dem Lan-esfinanzamt in Cassel und die sonstigen Vorarbeiten sollen schnellstens in Angriff genommen werden. Herr Bürgermeister Wagner betont nochmals kurz die Vorteile der Verlegung. Im Rathaus verbleibt die Polizeiwache, die Polizeiverwaltung, das Meldeamt und die Sparkasse. Weiter soll das Kreiswirtschaftsamt neu dort untergebracht werden, wahrscheinlich auch noch das Milchbüro und die Kartenausgabestelle. Herr Wever spricht sich für die Berlegung aus, nachdem die ursprünglichen Bedenken fallen gelassen seien. Nur bittet er die Kosten auf das geringste Maß beschränken zu wollen, da diese Unterbringung schließlich doch nur vorüber, gehend sei. Ferner wäre eS angebracht, wenn die Kommission auch bei den weiteren Vorarbeiten mit hinzugezogen würde. Auch Herr List spricht sich nochmals für die Verlegung aus, nachdem seine Fraktion bereits in voriger Sitzung dafür eingetreten fei. Im übrigen könne er sich den Ausführungen des Herrn Wever ««schließen. Beide Herren treten dafür ein, -atz das Münstermannsche Haus vollständig für Wohnungen frei gemacht werden müsse, ebenso die vom Kreiswirtschaftsamt jetzt innegehabten Wohn- räume. Die Stadtverordnetenversammlung erklärte sich dann mit der Verlegung der städtischen Geschäftszimmer bei einer Stimmenthaltung einverstanden.
Aus Anlaß des am 1. und 2. Juli ö. JS. statt- findenden
358jährige« Jubiläums -es Hiesige« Gymnasiums sind die städtischen Körperschaften zur Teilnahme an der Feier eingeladen worden. Auf Anregung hin hatte der Magistrat beschlossen, das jährliche Stipendium der Stadt Hersfeld von 160.— Mk. auf 600.— Mk. zu erhöhen. Hiervon sollen jedes Jahr zwei hier geborene bedürftige und würdige Schüler unterstützt werden. Die Versammlung war hiermit einstimmig einverstanden.
Von der Museums-Kommission ist für nächsten Sonntäg vormittag ^10 Uhr eine Einladung zur
* Besichtigung -es Museums
an die städtischen Körperschaften ergangen. Herr Bürgermeister Wagner empfahl rege Beteiligung, da gerade an diesem Sonntag auch das kürzlich neugewählte Mitglied der Museumskommission, Herr Geheimrat Köhler aus Cassel, hier anwesend sein wird.
Es folgten sodann noch eine Reihe von Anfragen. Zunächt machte Herr Baumgardt auf das Ueberhand- nehmen der
Felddiebstähle
aufmerksam, und beantragte, die Täter nicht nur mit einer Geldstrafe zu bedenken, sondern ihre Namen auch in den hiesigen Zeitungen zu veröffentlichen. Herr List stimmte dem zu, bemerkt jedoch, daß diese Diebstähle meist nur aus der protzen herrschenden Lebensmittelnot verübt würden. Dieser Ansicht traten die Herren Schotte und Wolff entgegen und führten es oft auf groben Frevel zurück, denn nicht immer würden Lebensmittel gestohlen, sondern auch Gartenhäuser erbrochen und ihres Inhalts beraubt und dergl.
Der Antrag des Herrn Banmgardt fand dann einstimmige Annahme.
Herr Hahn bemängelte die
mangelhafte Aufstellung der Wählerliste«
bei den am Sonntag siattgesuudcneu Wahlen. Es fei vorgekommen, daß ganze Haushaltungen, die schon jahrelang hier wohnen und auch in vorigen Jahre eingetragen waren, nicht haben wähle» sönnen, weil sie nicht in der Liste standen. Herr Bürgermeister Wagner führte hierzu aus, daß diesmal die Aufstellung der Listen auf einer anderen Grundlage erfolgt ist. Während «rüher hierzu die im Herbst statt, gefundene Personenstandsaufnahme verwendet wurde, hat man diesmal die im Januar d. Js ausgesüllten Wohnungslisten benutzt. Wie sich nun herausgestellt habe, find diese Listen s. Zt. nicht alle abgeliefert worden. Im übrigen kann immer nur wieder darauf hingewiesen werden, daß sich jeder in der Zeit der Offenlegung davon überzeugt, ob sein Name eingetragen ist.
Herr Baumgardt regt sodann an, doch wieder die
Auszüge aus dem Standesamtsregister
der Stadt in den hiesigen Zeitungen zu veröffentlichen, da diese immer großes Interesse bei der Bürgerschaft gefunden haben. Infolge einer Kriegsverordnung sei dies damals verboten worden. Herr Bürgermeister Wagner sagt Erledigung zu, falls keine Bestimmungen mehr entgegen stehen.
Herr Engelhardt bedauert, daß die großen
Bäume am alten Friedhos
gefällt würden. Hierzu bemerkt Herr Stadtbaurat Wolff, daß die Stadt hiervon durch das Presbyterium keine Kenntnis gehabt habe, er habe dann sofort Einspruch erhoben, worauf auch weitere Bäume nicht mehr geschlagen worden seien.
Herr List weist auf die
Zerstörung in städtischen Anlagen
und die dort herrschende Unordnung hin. Ganz be. sonders sei dies auf dem Tageberg, Wegfahrtsruh und dergl. der Fall. Dieser Zustand sei nicht geeignet, bet den hiesigen Kurgästen einen guten Eindruck zu machen. Der Magistrat würde gut tun, hier für Abhilfe zu sorgen.
Herr Henniger fragt nach dem Stande der
Jahrholzverteilung, worauf erwidert wird, daß Dieselbe am nächsten Montag beginnen würde.
Hiermit war die Tagesordnung erledigt und die Sitzung wurde 5 15 Uhr geschlossen.
Bus der Heimat.
Schaden durch Schwarzwild.
Seit jeher hat es in unserer waldreichen Provinz Schwarzwild gegeben und ebenso lange richtet das Schwarzwild mehr oder weniger oft Schaden an, .indem es aus den Waldungen, seinen eigentlichen -velmstat- ten und Aesungsplätzen, in das Feld herausdrängt und besonders Kartoffeln, Rüben, aber auch andere ^eld- früchte, herauswüblt und anffritzt. In Meiern Jahre sind die Klagen über Wildschäden besonders zahlreich, weil sich die Schwarzkittel infolge des milden Winter» stark vermehrt haben und außerdem der Abschun wah- rend des Krieges wegen der Einberufung vielen Jäger stark LWückgegangen war.. Früher Mutre der Forstbeamte jede selbst erlegte Sau für ein ganz gerU^ ges Entgelt als eigen behalten, letzt werden statt dessen Prämien gezahlt,' aber es wäre dringend zu wünschen, wenn der frühere Zustand wieder hergeuellt würde, daß die selbstgeschossenen Sauen in das Eigentum de» Schützen übergeheu. Dann kommt zu der <^agdpasuon noch der mächtige Anreiz des GerotiuiS hinzu, der retzt ganz erheblich ist. Wie die S ta alssor ubea uite n ihr niog» liebstes für die Vertilgung des Tchwnrzwnde» tun, 10 verfahren auch die Besitzer arönerer W
Die eigenes Forstperwnal halten und .ilm wtmiciK Jäger sind. Wie steht es aber mit den Gemeindewnl- duugeff und mit den Gemeindetagden im allgemeinen.
müssen wir, so schreibt der sorst.echn.iche eetsei der Abteilung für Forsten pp: der Rem^ nun leider feststellen, daß m den tasten ^ iebr wenig oder gar nichts aeichieht. Warum. Weib die. Gemeindejagden fast ausnahmslos
Den verpachtet werden ohne bin nacht darauf, ov om Pächter wirklich Jäger ist.^ w> nb er im QM oder wenigsten» in iai nawvart-am wohnt oder in Berlin oder im ivesrUchen ^hduuw biet Die meisten Jagt rechter lammen nur -an» und
jagen, wenn e» sich lohnt. So 5arf eb aber nicht ivei= tergehen. Es muß unbedingt verlangt werten, daß bei jel^r Reuverpach.una überall da, wo SchwarzwIld- säwden vorgekommeu oder zu besorgen ist, der weit ab- ivobiteube Jagdpächier verpflich er wird, wenn er Wald nn acvacMet rat, im Winter ei .Neuschnee auf Sauen zu tagen, befouöcrb aber feilten Fagdauneber zu ermächtigen, jede:-eil Tauen zu schießen und für sich zu behalten. Und wo Jagdvertröge bestehen und Schwarzwildsüsaden.vurfonum, muß bet Jagdpächier veranlaßt werden, nachträglich solche Bestinnuungen anzuerlennen und zu erlassen. Zeigt er sich abgeneigt, baun muß den Gemeinde- und Staatsforstbeämren das Stecht gegeben werden, Sauen auch auf der verpachteten Feldjagd zu schießen und zu behalten. Ein weireres Mittel, dem zu Schaden gehenden Schwarzrvild wirklich energisch zu Leibe zu rüden, ist das Faugeu. Besouderg gerne frißt das Schwarzwild Kartoffel., und auch Fleisch, zumal wenn es schon recht anrilchig' g^vordeu ist. Darauf grünbet sich Anlage, Einrichtung und llu- terhaltuna der Saufänge. Es sind aus 'lladelholzstan- gen 'est und dauerl-rst hergestellte „Buchten" mit selbsttätig schließenden Türen, zu deneu man das Trhwarz- wild mit Kartoffeln hcrankirrt unb in benot Kartoffeln zum Eintritt einfcbeit. Noch sicherer wirkt aber irgend ein verludertes Wild oder Tier, dessen (9euid) die Sauen auf weite Entfernungen wittern. In manchen Staats- und wenigen Privatwaldungen sind solche Saufänge bereits vorhanden, hoben früher auogezeiäi- net gewirkt und müßten unbedingt erheblich vermehrt werden, wenn Kartoffeln mtb Luder zu habe» wä'. w Trotz wiederholter Anträge der Forswerwaltung ea» ben die Vertcilunasstellen Abgabe von Kartoffeln für Saufänge agelehnt, und gefallenes Vieh muß an den Abdecker abgeliefert werben. Hier ist Abhülfe drinLend geboten. Der Kreis.mntz für weitere 9lulage von Sau- sängen in den Gemeinde-, Jwerestenten- und PAvat- waibungen sorgen und die Kartoffeln zum 9(nfirren freigeben, er muß auch einmal ein verendetes Stück Vieh oder Teile eines solchen für den Saufang zur Ver- fügung stellen.
Fulda, st Zuur. Zur Bekämpj-.'irg der Preistlcü bereic» auf dem Lebensmitteiularc.e würbe vom Zcr- baudStage des christlichen Bauarbe'tecverbau-rs in Fülln eine Entschließung angenomnnu, die die sts s glieder aus den Weg der Selbsthilfe verweist. Durch Gründung von Konfumvereüreu auf der ganzen r u . im Anschluß au den Reichsverband Demsch-.r .voitfuin= vereine iSiß Tüsseldorf-Reisholzj soll der Ausbeutung der minderbemittelten Bevölkerung durch den unreellen Handel begegnet werden.
— In der FiUüaer Jubustric macht sich zum Teil der derzeitige Druck im rZirtschaftsleben nachhaltig bemerkbar. Einzelne Fabriken hab' 'eretls starke Ar- beitseinschrünkungen vor niommen. 'Auch sind Kündigungen ungesagt
Hanau, y. Juni. Die amerikanischen Menschenfreunde der Quäker werden »..w in Hanau für 1000 untere, nährte xtiitber im Alter von 6—14 Jahren ein großes Liebeswerk durchsithren, indem diesen täglich fosteiu los ein gutes Mittagessen verabreicht werden soll. *
Frankfurt a. M., 9. Juni. Im Mieteinignnasami ging ein angesehener Hausbesitzer mit einem Stuhl auf den Rechtsanwalt der Gegenpartei lob. Er wurde ba« für mit 200 Mark bestraft. Dem Berurteilieu wurde zugute gehalten, daß er durch das agressive Verhalten und die unwahren Aeußerungen de» Anwalts gereizt worden sei.
Wiesbaden, 9. Juni. Die Kreisbauernschaft des Regterunaskezirks Wiesbaden beschlou den Milchsireik, da sie mit dem von der Regierung festgesetzten Preis von 1.50 Mark für den Liter nicht znfneüen ist. Sie Arbeit 2 MarK _ .
Weimar, 9. Juni. Die Volksschütlebrer und -lehre- rinnen Thüringens haben gegen die Neuregelung der Besoldung auss energischste protestiert, da sie ihnen bü Möglichleit eines 2lufstiege und der Familieugründuno nehme. Seitens der anwesenden Vertrete, des Staatb* rat» und Voltsrars wurden die Argunreme vollauf ge* würdigt.
Pötzneck, 9. Juni. Die Bürgerschaft protestiert arger die vom Magistrat verlangte Aibprozentige Erhöhunc der Gebäudesteuer und 400-prozentige Erhöhung bei Wassergeldes.
Göttingen, 9. Juni. Als Scßleimwarc wurden be- schlaguabmt 55 Pfund Zucker, 44 Mund Weizenmehl, 29 Pfund Wurst und 9 Pfund Bnt.er.
— Ein auf der Prinzenstraße ausgestelltes n ihrrab nnrbe geswywu. Der Eigen timer feyt für die Wieder- erlangn:.g des Rades 100 Mark Belohnung aus.
— Einen Lctbstmordversnch unternahm ein etwa 20 Jahre altes Mädchen auf dem vicui.vf. Es trank eine ätzende Flüssigkeit. Die Lebensmüde wurde in bewußtlosem Zu u ude der chiiurgische» Klinik zu e- führt.
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Dev latziire AZrg.
Roman von H. Abü
28) ~ . tNachdruck verboten.)
Aus dem offenen Fenster des kleinen Häuschens am obersten Ende des Dorfes fuhr ein juMMchE kraushaariger blonder Männerkopf heraus, sah das vor- beisauseude Gefährt, sah die Peitsche schUWSld eine helle Gestalt, fah unter wehenden schwarzen Federn Hin SEMI, rächendes Gefickt, sah in ein paar wubläcSenöe, gerade in die seuten mneiiAretfenoe Äugen, uno als Pferd und Wagen unb diejenige, die ihn gelenkt hatte, -längst vorüber waren, als auch der nachfolgende Landauer mit dem blasenden Postillon längst vorüber war, stand der IM Mm immer kEgungslos am Fenster und stürrte vor sich yiliäM. ' _
MI Dar die Liesbet Wve,eü. ' S
Und so sah heute ihr Leben aus! Ein stolzer Feder- hut und ein Lachen, daß ihm das z-erz weher davon tat, als hätte er sie in Tränen gesehem
Ohne Unterlaß klang Liesbets Lachen, so lang sie in der überall war. Als sie auf der Schwelle des s^fulzen- Hauses ben Vater erblickte, der zunächst vor Staunen die Hände über dem Kopf zusammeuichlug, dann SMN Zeichen das Willkomms beide Flügel der Haustür weit aufriß, in der guten Stube den unverhoftten Garsten auf- tragen ließ, was nur der Schulzeuhof nu Eßbarem und der Weinschrailk des Gastwirts an Trinkbarem bemß, als sie dann für sich allein durch alle Raunre ihres Vaterhauses lief, hineintrat in ihre ehemalige Stube, in der sich nichts verändert hatte, den Schränk amschloß, barimten noch ihre Mädchentleider hingen, immer lachte
sie
‘ und lachend ließt sie sich von Rudolf Steinert auf seinen Wagen heben, alb um die Dämmerung die Heim- sabn angetreten wurde. Jetzt faß sie mit ihm im Wagen drinnen unb vor ihnen auf oem Bock hielt der Kutscher die Zügel. Und ießt fuhr auch bab Kabriolets nicht wieder voran, der Landauer hatte die Vorhand, und als es zur überall hiuausgiug, am letzten kleirien vaubcben vorbei, blieb der Postillon schmelzend:
am zum etabile bleibst hier -"
„Muß t denn, muß i denn zum Stäötke hinaus, Und du, mehr Schatz, bleibst Mr —"a;
Noch immer lachte Nesbett in dem letztest Häuschen am Tonende sah seiner wieder zum Fenster heraus. Aber als sie ein Stück die Straße hinabgefah. reu waren, stand auf einmal kerzengerde die Lies
im
mgenden
Äenn sich aur der ein Liebespaar zuiaurmeütut, die Holt der Teufel alle beide — so hieß es im Bolksurund. Unb wie ihr das durch den Sinn ging, sah sie wieder vor sich in dem jähverfärbten Gesicht die Augen de» Jörg, genau wie er sie damals arrgeschaut auf ihrer Mutter Grab und ihr gesagt hatte: »Gott steh Mr bei, Liesbet."
Da hatte mit nmjeftümem Ruck Rudolf Steinert sie auf den Sitz zurückgezmunaen, bog chr den Kops empor und suchte sich auf ihren Lippen den ^.rank, nach dem's ihn dürstete.
Sie leistete keinen Widerstand: sie lachte nur, als jetzt, da der Wald sich auftar und die Tammeruna um sie her zum Dunkel würbe, dort vorn der Landauer rascher zu fabreit begann unb der Postillon schmetternd in sein Horn blieb: „Dein ist mein Herz und toll es ewig bleiben —"
Dann wurde auch ihr Lachen stumm. Die Lippe», die nicht genug trinken konnten, drückten es ihr tot. Und das Dunkel des Waldes hing über ihnen wie ein schwarzer Schleier.
Doch plötzlich riß der Schleier entzivei. Die dicht zu- sammengedrängten Eocltannen wichen auseinander,' die weite Lichtung tat sich auf, und hinter der Bergku- lisie hervor trat, fast Tagesheu iglest herniedergießend, der Vollmond. Und Rudolf Steinert suchte mit seinem Blick der Liesbet Gesicht, und ein Grausen strich auf einmal an ihm hin. Hatte er denn eine Tote geküßt'? Genau rote eine solche sah mit dem schneeweißen, verzerrten Gesicht und den stieren, verglasten 91 ugen die Lies- bet aub. Auch ebenso reglos wie eine Toie saß sie da. Und jetzt famb ihm zum Bewußtseill: so starr mtb reg-
los war sie ia all die Seit über gewesen, die sie im Dum fei des Waldes dahingefahren. Sein Arvt, der sie noch fest umschlungen hielt, rüttelte sie, als wolle er sie er* weckM-^s / —: - "
- »tziesbet, was ist mit Ihnen?"
Die Lippen zogen sich ihr von den Zähnen zurück, ihr Lächeln war eine höhnische Grimasse. „Ein jedes Ding will erst gelernt sein, uno aller Anfang ist schwer."
Da gab sein Arm sie jählings frei. »Ich versteh« Sie nicht ganz. Aber wenn der Anfang setzt ^«en W schwer geworden ist, wie es den Anschein hat, dann —1 warum —"
„Warum hab' ich bann so schön stille gehalten?" fiel sie ein und begann zu lachcu, ein nicht e»öeuwolle»de8, lautes, gellendes Gelächter, und plöulich fuhr ihre Hand nach der Kelfle,' die Finger krallten sich ihr em, als wollten sie den Ton erwürgen, der mitten in das Lachen hineinstieß — das gurgelnde wilde AutschluckM» eine3 Menscherr, der sich nicht yt finden, nicht zu helfen weiß.
„Liesbet — Frau Werlitz" — ganz anders als zu- vor hielt Steinert sie wieder umfaßt — ,wa» in denn nur mit Ihnen? Wär denn baß möglich — ein paarmal hat'S mir fast io scheinen wollen, - waren sie denn wirklich eine w ttnglücflitfic Frau?" -x _
„lluglücklich?" Aller tränende Hochmut ihres Weieus brach wieder hervor, wollte sich wehren gegen das Mitleid, baß aus seinem Tone klana. schämte sich des Be- gi-cisens, das sie bet ihm fonnnen fühlte. Sie stieß ihn von sich, riß den Federbltt, der unter teilten Zärtlichkeiten sich verschoben hatte, auf dein Kopse gerade und rief: „Betrunken bin üb. Betrunken! Da kommt auf das
Lachen immer das graue Elend daher."
Er antwortete nichts unb sah sie nur unverwandt an. Es fiel ihm auf einmal wie Schuppen von den Augen und mit den Schuppen fiel zugleich seine Verliebtheit von ihm ab. Er wahre ploultch, welch innerer Zerfahrenheit der Liesbet Koketterie unb cbeinvareS Entgegenkommen entsprungen war, und noch klarer wußte er, was er von ihrem Manne, den er nie sonber» lich hoch eingeschLitzt hatte, zu halten habe.
(Fortsetzuna folgt)