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Nr. 124
Dienstag, den 1. Juni
1820
RussischNlauifches Bündnis.
Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Berhandlun- tzen zwischen der litauischen Regierung und den Kommissaren der Sowjetregierung ^n Kowno haben ein Bündnis zwischen Rußland und Litauen gezeitigt. Da der litauische Kriegsminister zugegen war, werden auch bereits die Pläne entworfen sein, die zur schnellen Niederwerfung Polens fuhren sollen. Bei dem bevorstehenden Angriff der Sowjettruppen auf Dwinsk haben die Litauer gegen Wilna und Grodno vorzugehen, und ein Blick auf die Karte zeigt, daß diese Operation sich gegen den Rücken der polnischen Armee wendet. Schwere Wolken ziehen für den deutschen Osten auf, und sie dürften sich schneller entladen, als man wohl im allgemeinen an- .nimmt. Wie schon aus Moskau berichtet wurde, suchen -die bolschewistischen Führer so rasch wie möglich mit O st p r e u ß e n in Fühlung zu kommen, um dieses Land ganz von dem Deutschen Reiche abzuschneiden. Die Sowjetregierung will ausführen, was der Zaremnacbt im Kriege nicht gelang, nämlich die Erwerbung der ost- preutztfchen Häfen. Den Litauern wird nach dem Bündnisverträge als Lohn für die Schwcrthülfe von den Russen die Abtretung von Wilna und Grodno in Aussicht gestellt. Doch Litauens Begehr ist auch auf den von Deutschland abgeschnittenen Memelkreis gerichtet, der vorläufig unter französischer militärischer Oberhoheit steht. Wie uns aus dem früheren Kreise Tilsit geschrieben wird, tritt der sranzösische General Odry, der Gouverneur des Memellandes, bis jetzt mit Nachsicht und . Zurückhaltung auf. Man läßt die dort wohnenden Deutschen in Ruhe. Doch steigt in ihnen die Sorge um eine trübe Zukunft auf, da sie immer noch nicht wissen, zu welchem Lande sie eigentlich geschlagen werden sollen. ’ Das Anrücken der Bolschewistenheere wirkt natürlich unheimlich, denn alle Gegenden rechts der Memel werden : schnell von den russischen und litauischen Massen übers : schwemmt sein, sobald die polnische Deckung verschwunden ist.
Der polnische Widerstand wird gar bald gebrochen werden. Bei der inneren Zerrüttung Polens, bei seiner starken Zermürbung durch die bolschewistische Agitation, die selbst bei den polnischen Bauern einen wuchernden Boden fand, bei den starken Gegensätzen zwischen Weißrussen, Litauern, Juden und Polen, bei den wettgehen- den politischen Befehdungen der gegenwärtigen polni- —$«?»--Ma.Ltbomr mit der Intimi..^ S -tL-LLmokra.- rie erscheint es als ganz ausgeschlossen, daß Äolen der russisch-litauischen Offensive lange zu widerstehen vermag. Unter Führung eines so energischen, rücksichtsloieu und geschickten Generals wie Brussilow ist das russische Heer durchaus schlagfertig. Zaristische Offiziere bis zu den früheren kaiserlichen Generalen hinauf befehlen unter Brussilows Oberleitung die Truppen, die hoch ge- löhut und gut ernährt sind. Ist Polen aufgerollt, dann stehen die bolschewistischen Heere an der deutschen Grenze, und dort werden sie sicher nicht Halt machen.
Aber was sollen wir machen, fragt man sich ratlos in Berlin. Durch den Frieden sind wir wehrlos gemacht, und es ist uns von der Entente verboten, das Volk zu den Waffen zu rufen. Vielfach wird geraten, ,trotz aller sonstigen Bedenken die Beziehungen zu Sowjetrußland aufzunehmen, doch da fragt es sich sehr, wie die Russen dies verstehen würden. Mit wirtschaftlichen Verstandr- gungen wäre es kaum getan, denn wenn Sowjetrutzland siegreich ist, so läßt es sich schwerlich Bedingungen vorschreiben. In London überblickt man den Lauf der Dinge sehr wohl, und da der Brite in Persien, am ®awt= sehen Meere und selbst Indien hart von den Bolschewl- sten bedrängt wird, so ist es nicht unmöglich, daß man sich an der Themse früherer deutscher Söldnerdienste erinnert. Daraus erklärt sich auch die mildere Stimmung Englands gegenüber Deutschland. Die verwickelte Lage Großbritanniens muß unter allen Umständen von der deutschen Diplomatie ausgenutzt werden. , Um Deutschland zum Widerstände gegen den Bolschewismus reif zu machen, ist die Beseitigungdes Friedens von Versailles die Vorbedingung, denn umsonst dürfen wir die Kastanien nicht für unsere westlichen Zwing- Herren aus dem Feuer holen. Der Kanonendonner in Litauen stellt Europa, und namentlich England und Deutschland vor ungeahnte Möglichkeiten, die kluge und weitsichtige Berechnungen erfordert!.
Minsk von den BtWeroiffen besetzt.
w Amsterdam, 31. Mai. (T. u.) Der Vertreter der „Morningpost" meldet aus Warschau, MiußS ist seit Freitag in den Händen der Bolschewist-n. Zwilchen Dünabnrg und Witebsk ist eitle neue russische Armee im Anmarsch in der Richtung auf Wilna. Die Offensive der gegenrevolutionären Armee soll rinnmchr begonnen haben General Slantzow hat mehrere Städte am Nord- «fer des Asowsche» Meeres erobert.
Warschau im Verteidigungszustand.
Die „Dailn Mail" meldet aus Warschau, daß die Stadt in Verteidiaungszustaud gesetzt wurde. Die polnische Regierung rief mehrere Neiervejahrgangezu den Waffen. In Warschau verkünden Anschläge, daß das iwlitiHbe Heimatland durch das bedrohliche Heranrücken der bolschewistischen Heere in Gefahr gebracht worden sei. Die „Times" melden, daß die Polen den strategi. schon (!) Rückzug fortsetzen. Die Elsenbahnlime von , Kiew nach Berditschew liegt seit zwei Tagen unter dcm Feuer bolschewistischer Artillerie. Der polnische Generalstab gibt einen Heeresbericht aus, der die allgemeine Zurücknahme der polnischen Front bis ^E-mtowsk ineldet, aber ein Nachlassen des russischen Druckes fest«
Ernste Gefahr für Ostpreußen.
»» Berlin, 31. Mai. Die Folge der Erklärung der Provinz Ostpreubeu als Gefahrzoue ist, daß die deutsche Regierung die Bereitschaft von Truppen in Ostpreutze» angeordnet hat. Die Lage wird infolge der feindseligen Haltung der Letten, deren Absichten offen gegen deutsches' Gebiet gerichtet sind, als äußerst ernst bezeichnet.
Unterstützung Polens durch die Entente.
»»Rotterdam, 31. Mai. (S. 6.) Die „Times" melde«, der militärische Beirat unter dem Vorsitz Fachs hat in seiner Freitagsitzung sich für die militärische UnV lerstützung Polens zur Berteidignng der nationalen Grenzen gegen Sowjetrutzland entschieden. Marschall Foch wird den Antrag persönlich im alliierte« Rat ver» treten.
Die Kriegsentschädigung»
Beginnende Einsicht in Frankreich?
»» Genf, 31. Mai. Die Pariser Blätter kritisieren weiter Clemeucean und den Friedensvertrag. Sie stellen z«m größten Teil fest, daß Clemeucean vollständig entgangen sei, daß Deutschland niemals eine so große Schuld abtragen könne, wie -er Frieden-vertrag verlangt. Lloyd George allein habe die Sachlage durchschaut.
** Genf, 31. Mai. Der „Lyoner Proares" faßt das Ergebnis der Kammerdebatte über die Festsetzung der endgültigen Entschädigungssumme zusammen, indem er feststellt, daß Clemenceau Frankreich selbst einen sehr schlechten Dienst erwiesen habe, als er sich während der Friedensverhandlungen hartnäckig bemühte, die 14 Punkte Wilsons zu Fäll zu bringen. Die französischen Ansprüche auf Entschädigung hätten mit den Wilson- schen Gunsten in Uebereinstimmung gebracht werden können, ohne mit der Leistungsfähigkeit Deutschlands zu kollidieren, wie es jetzt der Fall sei.
Die Haltung eines 2tt« üvv-Mann-Heeres abgelehnt.
** Rotterdam, 31. Mai. Einer französischen Meldung zufolqe haben sich Frankreich, Belgien und England gegen den deutschen Antrag, die'Heeresstärke auf 200 000 belassen zu dürfen, ausgesprochen.
Noch 90 008 Tonnen Schistsmaterial abzuliefer».
w RoLerd mM, Mai. «S. 6.) „Daily Mail" meldet, von deut'chen Schiffswerften sind noch 90 000 Tonnen Kriegs- und Handelsschiffsmaterial abzuliefern. Der Bericht der aus den deutschen Häfen nach Berlin zuriickgekeürten Ueberwachungskommission liegt seit Mittwoch den alliierten Regierungen vor.
Spaa.
w Paris, 31. Mai. (T. UJ „Havas" meldet: In amtlichen römischen Kreisen wirb mitgeteilt, daß Frankreich und Enalaird ihre Zustimmung dazu gegeben hätten, die Konferenz von. Spaa auf einen späteren Zeitpunkt zwischen bem 10. und 20. Juli zu verschieben. Demgegenüber erklärt man in Kreisen der Pariser Konferenz, daß die sranzösische und englische Regierung übereingekommen seien, gegenüber Nitti darauf zu beharren, daß an dem 21. Juni als dem Tage des Beginns der Konferenz festgehalten werde, um Unzuträg- lichkeiten einer weiteren Verschiebung der Konferenz aus dem Wege zu gehen.
** Berlin, 31. Mai. (S. C.) Eine Anzeige von der Vertagung der Konferenz in Spaa lag bis Sonnabend in Berlin noch nicht vor.
Die Friedensdebatte in Amerika.
** Rotterdam, 31. Mai. (S. C.j Die „Morning- post" meldet aus Neuyork, auch der Senat hat in seiner Sitzung am 25. Mai beschlossen, in eine nochmalige Prüfung des Versailler Vertrages einzutreten. Die „Titnes" melden, bet Lloyds wird gewettet, daß der Kriegszustand Deutschlands mit Amerika noch den * 31. Dezember d. Js. überdauern werde. Die Wetten standen in den letzten Tagen 3:1.
** ®onf, 81. Mai. (S. C.) „Echo de Paris" zufolge gab Colbn in der Sitzung des nordamerikanischen Se- natsauSschnsses bei Besprechung des Vetos des Präsidenten gegen die Herstellung des Friedensvertrages mit Deutschland die Erklärung ab, daß, solange der Friedensvertrag nicht angenourmen sei, die- Vereinigten Staaten an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas weder durch slnleihen rwch durch Kredite mithelfen könnte«.
Die Pariser Wirtschaftsverhan-l»«ge«.
Berlin, 31. Mai. (S. C.) Die deutsche Delega- Hon für die Pariser WirtschaftSkonferenz kehrt vor den Wahlen nicht nach Paris zurück. Die bisherigen Be- sprechuilgen in Paris trugen nur den Charakter von Vorbesprechungen.
Gegen SIrrtzlinlofigkeil InwehrverdSnden
A«ord«««g scharfer Maßnahme«.
»»Berlin, 31. Mai. (T. U.) Durch eine Verordnung des Reichspräsidenten vom 80. Mai wird die Aufforderung an frühere oder derzeitige Angehörige der Freikorps zu vereintem Ungehorsam oder gewaltsamem Widerstairde gegen Anordnungen über Auflösung, Verringerung und UmgliedcrNng der bestehenden Verbände rder der Widerstand gegen solche Ancvc-nungen mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren, beim Vorliegeu mil-erud«
Umstände mit GesängniS bestraft. Die tzleiche straft trifft denjenigen, der es unternimmt, ohne MnshmtaMV der zuständigen Stellen Personen zu Verbänden nm« tärtscher oder polizeilicher Art zusammenzuschließem oder der an solchen Verbänden teilnimmt. Der Reichst wehrminister ist ermächtigt, zur -lburteilung foübet Straftaten nach Bedarf außerordentliche Gerichte einzur setzen. ]
Treugelöbnis der Berliner Garnisonen.
»» B e r l i n, 31. Mai. (T. U.) Da- Reich-weh« Ministerium teilt mit, aus Anlaß »er zahlreiche« Putsch, gerüchte erschiene» gesterx die Kommandeure der Garnie tonen von Grotz-Berli« beim Reiche-:ehr«inisier und legte» ihm folgc»»e Erklärung vor: „Wir versammelte« Kommandenre der Garnisonen von Groß-Berlin neben hiermit dem Herrn Reichswehrminister die feierliche Er, klärnvg, -atz wir und die uns Unterstellten Trnppcnteiky bedingungslos hinter »er verfastungSmatzigen Regie« rung stehen vn» daß wir mit unseren Truppen bereit sind, die Verfassung gegen jeden gewaltsamen Umsturz, mag er von rechts oder liuks kommen, wenn es fein nt% anch mit der Waffe z« schützen. Wir bitten, diese @rttiU rnng auch dem Herrn Reichspräsidenten zu unterbreite#.* Der Reichswehrminister dankte den Kommandeuren nn» sprach ihnen sein Vertrane« ans. Er machte dem ReichS« Präsidenten MitteUnng, der »ie Erklärn«« mit Dank an« nahm.
Nachprüfung der Urteile im Ruhrgebiet.
Zahlreiche Haftentlassungen «u» Begnahigungeu.
»» Berlin, 81. Mai. (T. lt) Nach den von den Konmlissaren der Reichsregierung im Ruhrgebiet vor einigen Tagen getroffenen Feststellungen ist die Zahl der wegen Beteiligung an den Märzunruhen verhafte« ten Personen beträchtlich zurückgegangen. So hat sich in Wesel die Gesamtzahl bet U utersuchMgsgefangenett von etwa 700 auf 240, in der Gefangenen^amMclstelle Dortmund von 200 auf 50 verringert. Die Nachprüfungen, soweit sie auf Ernnttelnngssachen weiterer Hafteut- laüunaen gerichtet sind, schreiten fort. Danach ist mit einer weiteren Verringerung der Zahl der in Hase befindlichen Personen zu rechnen. Soweit Venrrteil»rn- gen vorliegen, hat der Reichspräsident in einer beträchtlichen Zahl ton Fällen von seinem Begxa»ig«ngSrecht Gebrauch gemacht.
AlamMe.^^.chen im Orient
Die Lage im Orient ist zurzeit äußerst kritisch. Wenn auch die AusruhnraHrichten aus dem Jslamge- biet nicht alle amtlich erhäriet sind, so ist doch unverkennbar, daß der der Türkei aufgezivungene «tzewalt- vertrag anfängt, seine Folgen zu zeigeu. Wenn nur ein Teil der kriegerischen Meldungeir der Wichckiett ent. spricht, so liegen die Dinge im Orient schlinmi genug. Ein allgemeiner kriegerischer Aufrnbr der Muselmanen gegen die englische Herrschaft kann eine neue allgemeine Völkerverwicklung bringen. Die Vorgänge im Orient werden, wenn Sie Dinge sich so weiter enrmickeln, sehr bald die völlige Stufmerffamfeit der eurovätschen Mächte in Anspruch nehmen. Auch die militärische Bewegung Sowjetrublands gehört in diesen Fragenkomplex. ES wird gemeldet:
Aus Konstanttrwpel wird englischen Blättern berichtet, daß Galiläa von arabischen Kriegsbaube» überflutet ist. Die Bevölkerung in der französischen Zone zieht nach der enalifcfien Zone, die ebenfalls bedroht ist. In Mesopotamien rücken die Araber weiter vor. Da« maskus und Bagdad Rnb eingeschloste«. Auch Jerusalem ist von den Arabern bedroht.
Der Korrespondent des „Daily Expreß" in Konstantinopel telegraphiert, daß alles daraus hiuweist, daß die Bolfchewisteu bic Eroberung von ganz Persien mit Kauiftan mid selbst Ju»ie« vor Augen habe«. In Bakn allein stehen GOOOO Mann roter Truppen angeiaminelt, und Tag für Tag treffen neue Verstärkungen ein. Die Bolschewisten sind fieberhaft tätig, um die kakpische Flotte wieder instand zu setzen, die sie zu Truppclckrans- porten benutzen wollen. Der KorrespondelU des englischen Blattes gibt ehrlich zu, daß die Fricbensbedtn- guugen für die Türkei die indischen Mohemmedaner derart beunruhigt haben, daß England nur noch boisen könne, sie durch die stets rege Rivalität her Hiu»«s in Schmach halten zu können.
Die Lage in Mecklenburg.
** Berlin, 31. Mai. («.=?(.) Die Be»r»h«ng von Leib und geben und Eigentum ber mecklenburgische» Gutsbesitzer hat «ach verschiedenen zuverlässige» Nachrichten, die in Berlin eingclavfcn fia», einen so ernsten Umfang angenommen, daß bereits viele Gutsbesiver mit ihre« Familien ernsthaft auf eine Flacht bebaut si«- ober sogar ihre Güter verlasse» habe«.
Zur Reichstagswahl.
»» Berli«, 31. Mai. (S. C > Nach einet Mitteiüma des Grotz-Berlinev Bürgerrates sind in Berlin, soweit durch eine Nachfrage der 2Sahlbercchtigten feftneücSi werden sonnte, 9800 bürgerliche Stählet in den Wählerlisten nicht eingetragen.
Der deutsche Geschäftsträger in Rom +.
Rom, 31. Mai. (B. T.) Der deutsche GeschästS- töäaer von Herff ist gestern abend verschieden. Der aus der Konsulatskarriere hervoraeaauaene Mann war vor dem Kriege GeneralkonslU ht Mailand und Genua un- stand bann an der Spitze ber deutschen Mission in Rom. wo er kürzlich bea Rang eine* offiziellen Geschäftsrrä-