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Nr. 99

Freitag, den 30. April

1920

Vilson gegen die SmsWMk ssrankcschs.

^ Haag, 29. April. (T. It.) DasEcho be Paris" meldet aus Washington: Mau erwartet, daß Wilson dagegen sein "wird, den Versailler Friedensvertrag mit Mewalt dnrchzuführcu, und daß er den Mächten mitiei- len wird, daß er den Termin für die Zurückziehung der Deutschen Truppen aus dem Ruhrgebiet verlängert se­hen möchte. Seine Haltung ist daher gegen Frankreich- Die Beziehstugen zwischen Wilson und den Premienui- nistern der Entente werden allmählich schlechter. Die demokratischen Führer im Abgeordnetenhause teilen mit, Daß sie wahrscheinlich eine ausreichende Stimmenzahl erreichen werden, um den FrieSensschlutz durchzufetzen, auch wenn Wilsou sein Veto aufrechterhält. Dadurch wird Wilsons Einfluß auf europäische Angelegenheiten verringert.

Die KriegseRtschKdrgung.

»X Brüssel, 29. April. Havas berichtet, der Oberste Slot Leabsichttgt, die von Deutschland zu zahlende Ent- Wädigung sestzusetzeu. Deutschland wird jährlich eine bestimmte Summe zu zahlen haben, die sich nach Maß­gabe der Berbesseruna der wirtschaftlichen Lage des Rei­ches erhöht. Nach Abschluß des Uebereiukommens der Alliierten werden die Alliierten unter srch die auf jeden^ entfallende Summe festsetzen. Die Belgien zugesagte bevorzugte Zahlung von 2% Milliarden bleibt bestehen.

Französisches Mitztraucu.

«x Haag, 29. April. DerTemps" schreibt, die Er­klärung der Ministerpräsidenten, daß die alliierten Re­gierungen geneigt sein werden, alle die die Ordnung und. wtrtschastliche Wohlfahrt betreffenden Fragen zu besprechen, wird lediglich den Erfolg haben, daß Deutsch­land alle Wirtschastlicheu und finanziellert Forderungen des Friedeusvertrages beanstanden wird, um so leich­ter die Klauseln bezüglich der Entwaffnung zu um- «ehen.

Um den Kaiser.

4X Haag, 29. April. Die Alliierten wollen von ei= ner Erklärung auf die letzte holländische Note wegen -der Auslieferung des Exkaisers Abstand nehmen. Sie betonen jedoch, daß dieser Verzicht sich nicht auf die Aus- lieserungSirage selbst bezieht. Sie überladen es viel­mehr dem Völkerbund, den deutschen Kaiser als den Urheber des Krieges der Strafe und Unschädlichmachung Zurücklmlt'mg von Kriegsgefangenen durch Frankreich.

«x" Berlin, 29. April. (S. C.) Nach einer Anzeige durch den deutfchen Geschäftsträger in Parns hat Frankreich eine Anzahl Kriegsgefangene, die auf der Liste der Schuldigen stehen, nicht freigelassen. Dagegen sind die wegen leichter zergehen in den Gefangenen­lagern zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen 1 am 27. April nach der deutschen Grenze abtransporttert worden^

Die Entwaffnung DentfÄlands

»X- Rotterdam, 29. April. (S. C.) Reuter meldet aus Paris, die Forderungen nach der Entwaffnung Deutschlands sind in San Nemo zum Beschluß erhoben worden. Die Deutschland zugestandene Zahl von 100 000 Mann wird nicht erhöht, lieber die Stärke der sicher- Heitswehr und über mildernde Uebergangsbestimmnngeu wird in Span mit den deutschen Vertretern verhandelt

Die Auspowerung Deutschlands.

^ Basel, 29. April. (B. T.) Der.frühere Minister­präsident Viviani erklärte anläßlich eines Banketts zur öeier des französisch-iialienischen Wirtschaftsvertrages, nach der Festsetzung des ersten Garantievertrages iber die deutsche Entschädigung dieEutwkÄuug Dentsch- ands von der Entente überwacht würde, um von Ventschland mehr zu verlangen, sobald sich wieder ein Wohlstand entwickeln würde. Diesen Beschluß würden ,ie Alliierten dem deutschen Reichskanzler in der Zu- ' ammenfunft von Span mitteilen.

Neue Pfävder für die Wiedcrgutmachuugösordsruugc«.

«X Rotterdam, 29. April. Nach einer Depesche aus Paris wird in den Beratungen in Spaa von Deutsch- laub Sicherheit und Pfand für die Stundung der Wie- vergutmachungsArdernugeu verfangt werden. Sag enorme Anziehen der deutschen Steuer habe die Alliier­ten daran gemahnt, daß sie durch zuviel Nachsicht leer ausgehen konnten, wenn sie sich nicht wirtschaftliche Si­cherungen in Deutschland verfchasfteu.

UcNrgrUf der Bcsatzuugsbehvrde in Frankfurt.

w Berlin, 29. April. (S. L,) Nach Meldungen eng Frankfurt a. M. hat die rammnfehe ivillitaroerwal- titna die «mlss speuUm von sechs Polizeilwantten ge­fördert ivei diese Besibiver durch Zivilversonen ge­gen die französische Besatzung, deren. Unrichfigkeit die Milttärverwaliuna hätte fest stellen können, entgegen« genommen und weitergelertet hatten.

pslnische offensive in Minien.

w BreSlau, 29. April. Meldungen aus Warschau zufolge bat die bolschewistische Armee sechs Wochen lang mund erbrachen hartnäckige Angriffe siegen die polnische Front geführt. Nach dem polnischen Genettils absve- richt ist der Feind zuritüaeschlagen worden. Er hat sein Vorhaben jedoch nicht ansiwgeven mid zieht ohne. Un­terlaß bedeutende Streitkraste zusammen «lt de Ab- ficht, aus jeden Fall einen entschewenden militarisü» Erfolg herbeizuführen. Die v^luischc Armee hat, um dem Feind zuvorzukommem den Angriff von der rvol- hyuifchcn und podolisibe» Grenze unternommen. Der erste Tag des Angriffs brächte die Polen in den Besitz

von Krakno.'Wilsr Mk- Luzk. Unter den bolschewisti­schen Truppen setzte Mr Panik ein. Die Polen befin­den sich aus der Versorgung des Feindes. Schitomir ist besetzt. Beträchtliche Kriegsbeute fiel in die Hände der Panischen Truppen.

Die polnische Offensive gegen die Bolschewisteu.

x Berlin, 29.. April. (V. Z.) Von zuständiger pol- inscher Seite erhält dieV. Z." folgende Nachricht: Die bolschewistische Front in Podolien und Wolhynien ist durchbrochen. Die polnischen Truppen sind in Schito- mir und Winnitza eingezogett und stehen einige Tages­märsche vor Kiew. 10 000 Gefangene, mehrere 100 Ge­schütze, 160 Lokomotiven und 2000 Waggons sind erbeu­tet worden.

Die AhschuArung OZerfchlefieRs.

SX Oppel«, 29 April. (T. It) Die interalliierte ^ppeln hat die Hauptzollämter bcaui- attonslinie zwischen Oberschlesien und

Kommission in £).

tragt, die Demarkc___________ __________ _ dem übrigen Deutschland, die gegenwärtig von franzö­sischen Patrouillen bewacht wird, mit Zoll- und Grenz- anfsehern stark zu besetzen. Die deutschen Behörden in Oberschlesien werden also gezwungen, die Abschnürnng rom deutschen Reiche selbst zu vollziehe«.

Die VEssSfLiMMUNg ru Often.

« Berlin, 29. April. fS. C.) Nach Mitteilungen aus Kreisen. der hiesigen Eutentekommission findet die Abstimmung in Oberschlesien nicht vor August, die Ab- uimnutng in Ost- und Westpreutzen nicht vor Septem­ber statt. Die gegenteiligen, .aus Warschau ronmrenden Meldungen sind unbegründet und beruhen auf Ver­wechselung mit der im Juni stattfindenden Entscheidung '" staatsrechtliche Zugehörigkeit

der Alliierten über die Nordschleswigs.

Der

»X Berlin, 29. April.

1. Mai.

(T. II.) Aufgrund eines Ka- den Staatsbetrieben den Ar-

binettsbeschlusses soll in .... _________________

Bettern und Beamten am 1. Mai Urlaub gegen Weiter­zahlung des Lohnes gewährt werden. In den Verkehrs- anstalten soll aber die Arbeit mindestens als Sonntags­dienst aufrecht erhalten werden. Das Reichspostmini-

sterium bat deshalb verfügt, daß am 1. Mai der Post-, Telegraphen- und Fernsprechverkehr wie an den allge- meinen Feiertagen zu regeln ist. Die Verfügmig ent fpricht.der Rotw-rrdillkett. f.' Le ^8' -- ^-^l'Zr-L. verwaltung ?te Maisteter emheDrH M regeln. Ern ge­ordneter Betrieb ist nicht aufrecht zu erhallen, wenn bei dem zahlreichen Personal der Post- und Telegrapheuver- waltung Beurlaubungen von Fall zu Fall erfolgen müßten.

-X Leipzig, 29. April. Der Leipziger Arbeitgeber- verband hat befchloisen, am 1. Mai die Betriebe nicht zu schließen. Die Arbeiter, die trotz dieses Beschlusses feiern, tun dies auf ihre eigene Rechnung.

Keine Maifeier in Frautrerch.

-X Laus. 29. April. (S. C.) Wie dieSmnanitee" meldet, lehnten die französischen Gewerkschaften die all­gemeine Arbeitsruhe am 1. Mai ab, um das Wirt­schaftsleben Frankreichs für den Wiederaufbau Hiebt zu gefährden. Nur der svudikallstische Arbeiterrat fordert dagegen zur Feier des 1. Mai auf.

Die ErhöhARg der Postgebützren.

^> Berlin, 29. April. (T. 1t.) Mit dem von der Rationalverfammlung belchlosienen Gesetz über die Er­höhung der Postgebühren befaßte sich, da der Rerchsrat, wie mitgeteilt, gegen das Gesetz Einspruch erhoben hat, der HansSaltßausschutz der Nationalversammlung-ge- ftcHt abend aufs neue. Nach längeren Erörterungen wurde ein Antrag Dr. Pachnicke (Derml angenommen, wonach der Nationalversammlung vorgeichlaaeu wird, im Paramaph 1 des Gesetzes über dre Pougebühren die Regirrnngsvorlage wieder b-rzustellev. Da das Gesetz unter den obwaltenden Umständen nidn mehr rechizuttg in Kraft gesetzt werden kann, wurde,das Jntrasitreten des Gesetzes vom 1. Mai auf den b. Mai verscooben. Sodann wurde eine Resolution Dr. Pachnicke angeuom- men, wonach die stieichsregierung er nicht wird, baldigst eine Denkschrift über den Umfang und dre nnablle Bedeutung des Verkehrs in vortoviudmgen Drenstt,rie­fen und Dienstposikarten vorzulegen, sowie Borschläge über die Neuregelung dieser Einnchtnng zu uuter- breiteu.

Neue Fordsrnngen der ELfsKbahner.

«X Berlin, 29. April. tT. u.) Die gestrigen Ber- Handlungen zwischen den Regierungsvertretern und den Beauftragten der Organisationen über einen Reichseife«, bahner-Tarif erstreckten sich auf die Borberatungen über die allgemeine» Fragen, die Arbeitslöhne und vor allem die.Abschaffung des Akordsysiems. Die finanziellen For- derttimen der Eisenbahner sind sehr erheblich. Die un­teren und ein Teil der mittleren Beamten verlangen eine starke Aufbesserung. Die Arbeiter wollen ihre Löhne denen der Industrie augepaßt sehen Es werden also im Durchschnitt Shtnbcnlöbne von 5^,8 bis 6 Mark ver­langt werden. Als Grundlage für den RetchSlarif soll der bisherige preußische Tarif dienen.

Die Negierungsumvilduug in Sachse«.

e* Dresden, 29. April. (£. IU Die Frage der Rc- gierüngsumbildung iu Sachsen ist m ein neues Stadku«

^ - ' !ß der Deunck-demokratischen

aetreteri. Der Hauptausschu

Partei in Zwickau beschloß» -...^ -~-------- -,. - gen tagenden LandeSaussLutz der Demvkr;Nl,Äm Par­tei dahin zu instruieren, daß sie einen Wiedereintritt

seine Vertreter in dem mor-

6er Demokraten in die sächsische Regierung vor »es Wahlen ablehue« und für sofortige Neu w ählen ei» treten.

General Maercker verabschiedet.

»X Dresden, 29. April. lT. U.) Dem Genera Dwercker, dem bisherigen Befehlshaber des Wehrkret ses 4, ist der erbetene Abschied bewilligt worden

Lahmlegung des Biunenschisfsverkehrs.

Ein Streik der Schiffsmannschaften auf dem Strom­gebiete der Elbe, Oder und den märkischen Wasser stra- ßen ist am Mittwoch ausgebrochen und kommt, so mel­den dieHamb. Nachr.", wenngleich gn einzelnen Stel­len gearbeitet wird, einer völligen Lahmlegung deS Betriebes gleich.

Der Maingatt als Pfand.

Im Pariser Kammerausschuß erklärte ein R^ate- rungsvertreter zur Frage der Räumung des Beseht« Maingaus, die Räumung würde nach der deutsche» Räumung des Ruhrreviers noch nicht erfolgen, den» die Besetzung diene als Pfand gegen neue Bertragsser- lesturrgerr Deutschlands.

Die Lage in Remscheid

w Rem scheid, 29. April. Zur Zeit befinden sich hier noch vier Konkpaquien der Aufrührer in Stärke von insgesamt 800 Mann. Diese sind auf die öffentliche« Gebäude verteilt. Die Leute haben zwar ihre Waffe» abgegeben, aber die-e befinden sich im Besitz der radi­kalen Fübrer, zum Teil versteckt imtergebracht. Durch die ganze Stadt sind Telephonkabel gelegt, und die ein­zelnen Zentralstellen der Unabhängigen und Kommm«- sten sind untereinander verbunden. In aller Oesient« lichkeit findet die Ausbildung junger Leute im Legen von Telephonleitungen statt. Äuck finden täglich M«- schinengewehrübungen statt. Im Stadtpark ist das Ge­bäude des Samtzenvereins beschlagnahmt worden. Hier werden täglich Uebungen der militärischen Kompagnie» abgehalten.

Steigende Kohlenförderung.

Wie derB. Z. am Mittag" aus dem Reichsarbe»s- Ministerium mitgeteilt wird, hat im Ruhrrevier die Koh­lenförderung und das Fahren von Ueberschichten wieder merklich zugenommen. In den letzten Tagen betrug die Tagesförderung annähernd 300 000 Tonnen. Sie bat fo- mit die Ziffer wieder erreicht, die nach den: erweitert« Ueberschichtabkommen unmittelbar vor dem Kapp-PntfH erreicht »orö'n -r

^^ Er» rriglisches Ostfeegeschwad-r.

^ Rotterdam, 29. April. (S. C.) Die.TimeS^ melden, daß für das in Bildung begriffene Osffeege- fchwaöer sechs Linienschiffe und 11 Kreuzer im Nach- tragsetat gefordert werden.

Uebertritt zur deutsche« Bolkspartei

** Berlin, 29. April. (L. A.) Zwischen Mitglie­dern der alten Fortschrittspartei finden Verhandlung« statt, die den Uebertritt dieser Mitglieder zur deutschen Volkspartei ginn Ziele haben. Es handelt sich teilweise um bekannte Führer tWiemer, Mugdau n. a.) der allen Fortschrittspartei. Wie derL-A." aus parlamentari­schen Kreisen hört, sind die Verhandlungen soweit ge­diehen, daß man den Uebertritt als vollzogen bezeich­nen könne.

Die Frage einer Anleihe für Deutschland

w Rotterdam, 29. April. (S. C.)Daily News^ meldet aus Paris, daß im Finanzausschuß der Kam­mer am Montag der Fiuanzmirnster auf Anfrage er­klärte, Frankreich beabsichtige nicht, sich an einer allge­meinen Anleihe an Derrffchland zu beteiligen.

, Revolutionäre Strömuugeu iu Frankreichs

e* Hamburg, 29. SlpriL Einer Meldung derHam­burger Nachrichten" aus Paris zufolge haben Senatoren und Abgeordnete an die Regierung das Ersuchen ge­richtet, militärische Maßnahmen gegen die zunehmende revolutionäre Propaganda zu ergreifen. Der Justiz- minister teilt mit, daß ein sozialistischer Mgeordneter vor Gericht gestellt worden ist, weil er in den Zcinmgeu die Soldaten zu Meutereien anfgefordert hat. Die so­zialistische Presse droht, eine allgemeine Erhebung her­vorrufen zu wolle», wenn die Kammer d:e Zustim- mung zur gerichtlickren Vei'folgung der Abgeordneten erteilen sollte.

Vordringen Fapaus in der Maudschurei.

^ Tokio, 29. April. Die Umgebung von T'Äita ist von den Botschewisten geräumt worden. Das Kriegs- amt meldet, daß die Lage günstig zu beurteilen sei. Die Japaner befestigen überall ihre Stellungem Sie und im Begriff, Wladunostok auf der Grmrölage der trüber so« Japan an Rußland gestellten Beöingnngcn zu belegen.

Omnibuskraftwageuverkehr der Reichspost.

»- Berlin, 29. April. Die Reichspost beabsichtigt ein Oun nibnskrasmw.enn. p von etwa 100 Linien nut 3000 Kilometern Länge über das ganze Reich miszu- dehnen. Auf verschiedenen Strecken im Harz ist dieser Postkraftwagenbetrieb beretts eröffnet worden.

Der Magdeburger Stratzenbahnerstreik beigelegt.

»-- Berlin, 29. April. (L. Ast Der Tiratzenbahner- streik in Alagbebura ist nach I8tagiger Dauer beigeleai worden. Den SlrbeOnebment wurde vom Schlichtungs­ausschutz eine Lohnerhöhung zugebilligt. Die Bezah- lmkg der St reittage wurde abaeiehnt

Die Erbitterung in Elsast-Lotbrmgeu.

»X Straßbnrq. 29. April. In den Straßen wurden gestern Flugblätter verteilt worin die Verwendung der schwarzen Truppen zur Ausrechterbattung der Ordnung aufs schärfste kritisiern und als ein Schandmal der fron. Lüsischeu Regierung bezeichnet wird. Die elsatz-lothrin» Mchs Arbeiterschaft hat ihre Del^erten d-rrarff auf-