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Rr. 88

MontRg, den 12. April

1920

MtWichs^ÄWhrJ ^^

Der Versailler Friedensvertrag war von den Poli­ern, die sich ihren politischen Weitblick durch den Sieg

Entente nicht hatten trüben lassen, sofort als ein

zur dauernden Beunruhigung Europas ge­worden. Der Gang der Ereignisse hat dieser fassung nur allzu schnell Recht gegeben. 31 äusig Deutschland der leidtragende Teil, weil

►war ist

l es im

»Freundliche Vorstellungen^ Englands bei Frankreich.

** Genf, 10. April. (S. C.) Havas Mb Freitag vor­mittag eine Note über den englischen Schritt i« Paris aus. Danach fei kein Einspruch Englands gegen die Besetzung Frankfurts und Hanaus erfolgt, sondern le­diglich eine freundliche Borstelluvg Lloyd Georges bei Millerand. Die Besetzung Frankfurts und Darmstadts bleibe bestehen. DerTemps" meldet, auf Ersuchen

Wersailler Monstrum nicht als eine Macht anerkannt worden ist, die selbst seine innen- und außenpolitischen Angelegenheiten regeln darf, sondern weil es unter der ^entscheidenden Mitwirkung des grimmigen Deutschen- fressers Clemenceau zum Spiel HM des französischen Chauvinismus und Militarismus gemacht worden ist. Als Clemenceau sein Werk vollendet hatte, ist ergegan- -gen" worden, weil die Politiker an der Seine erkannt daß er nicht der richtige Mann war, der für ich das erhalten konnte, was es durch seine Al­erten und die paar Dutzend Assoziierten errungen tte. Es kamen andere Männer, die das Werk Cle- ceaus fortfetzen sollten. Wer auch sie haben sich dazu als zu schwach erwiesen. Es ist bereits das zweite Mal seit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages, daß Gte alliierten Hauptmächte in einer der wichtigsten Fra-

ferenz, die am 19. Juni in St. Remo stattfinöet, gesetzt.

-» Bern, 10. April. (S. C.) Ueber den Eindruck des- englischen Schrittes in Paris meldet der Pariser Berichterstatter derBasler Nationalzeitung": Die kon­servativen Minister des britischen Kabinetts mitzbilli- gen den Standpunkt Lloyd Georges, da sie das Vorge­hen Frankreichs für berechtigt ansehen.

Remo stattfinöet, gesetzt, s.) Ueber den Eindruck

Amerika u«S die Rheinlandkommission.

** Köln, 10. Avrit. Der Vertreter der Vereinigten aus Washington aus der

Staaten ist nach Anweisung aus Washingti alliierten Rheinlandkommission ausgetreten.

Frankreichs Unterstützung durch Belgie«.

gen des Friedensvertrages sich iten: das erste Mal, M es sich

. ____________...,j von Frankreich trenn-

. is erste Mal, als es sich um die Durchführung -chmachparagrüphen handelte, und jetzt, als Frank­in dem Einmarsch der Reichswehr-truppen in das

-.®L. _________.... , ... ,.,__...__________ a.

Ätnürrevier eine Verletzung des Friedensvertrages er- Mickte, weil angeblich die deuifche Truppenmacht das vertragsmäßig zugestandene Kontingent um ein Vrel- faches überträfe, was aber tatsächlich nicht der Fall ist. ^Frankreich hat hier mit Lug und Trug gearbeitet, um dem Vorrücken seiner Truppen den Schein des Rechts zu geben. In Wirklichkeit hat es nur einen Vorwand gesucht, um seinem Haß- und Rachefieber eine kleine - Kühlung zu verschaffen.

Seine Verbündeten haben von seinem eigenmächti­gen Vorgehen nichts gewußt, und wahrscheinlich hatte ^ankreich auch nach feiner Niederlage in der Ausliefe- rungsfrage Grund genug, auf eigene Faust zu handeln, um seine Verbündeten vor ein fast accompli zu stellen. Der französische Militarismus und Chauvinismus ver­langte ein gegen Treu und Glauben verstoßendes ge­waltsames Vorgehen gegen Deutschland. Und vor allem mußte Millerand versuchen, seine Stellung zu festigen, da die Leidenschaft der DerrtschsLiuSliLr. . \<*> »ranzoo- -kMn Volk noch sehr groß ist. Millerand stand vor der Alternative: entweder von seinem Ministersessel ge- stürzt zu werden oder aber den blutigen Sadismus ier- nes Volkes durch den Vormarsch der Truppen zu besrie- digen. Er hat in seiner ohnmächtigen Ergenmachngkeit den Militaristen das Wort gegeben. Die Hanütunas- weise Milleranös war aber ein Babanquewrel, das ihm nun doch wahrscheinlich seinen Ministerposten kosten Wird: denn er hat den Wbröckelungsprozen zwrichen Frankreich und seinen Alliierten in ein akutes Stadium 'geleitet. Zunächst hatte Amerika das Vorgshen Mille- rands abgelehnt und auch Italien abgewinkt,- jetzt ist auch von London aus ein energischer Protest nach Paris abgegangen. Man ist in London feinest^ geneigt, sich eine derartige Hanölungsweiie Frankreichs gefallen zu lasten. Welche Komplikationen das Vorgehen Frank­reichs noch zur Folge haben kann, wollen.wir heute nicht untersuchen. Das eine muß aber festgestellt wer­den, daß Frankreich wieder einmal von seinen Haupt- verbündeten verlassen dasteht. Es begibt ft^. durch seine chauvinistische Politik in eine splendidIsolation, wie e» um die Wende dieses Jahrhuiiöerts Deutschland, getan hat. Die Lage Frankreichs ist sa,t ebenw wie dw Deutschlands exvoniert, svday es sich solche Extratouren "%» R-^°-un° 6E5nx

an den Obersten Rat hat der Reichskanzler Hernmnn WUler diesmal eine glückliche Hand. @1;M6at eitbM ien Ton gefunden, den man einem so rmverscharmen 3 nnveAöhnlichen Gegner wie Frankreich gegenüber rtttvATnrtPit WH&. Wie die vorletzte, so wird auch die rcitTOw an die französische Regierung, in der Frank- x- ich Mr die Schäden durch den Einmarsch dattbar ge­malt wird die Zustimmung des ganzen derttickien Vol- k^K ttnden und mit großer Genugtuung anfgenommen -Ede u Das deutsch Volk hat die schnienten Znmu- tnnacn ertragen und den unglaiiblichiten Earka->uuls Mgcn erlraMn mu ergehen lasen, aber setzt ruft MÄS»^ W%«: «'- »w« «d nicht weiter! '

Die AMierten gegen Frankreich.

Keine Sonöerverhaudlmrgeu mehr mit Frankreich.

»»»Haag, 10. April. (T. U) Zögernd eckrn»e« ie vmAllen Blätter gestern «^ge« an, daß mich En^

« K »1S K!« IWÄ"« WÄS «jSÄJÄäW hatt"«

S-bc!,betten mit Frankreich dnrch ben Volkerbu«-. rstag abend sandte der Vorsitzende der deutschen ►sinn, Dr. Göpvert, die Abschrift deS dentschen tcs mit einem Begleitschreiben an den General- r deS Völkerbandes Sir Erik Drummont. Darm er im Namen Deutschlands offiziell des Völ- kerdnnb sich mit dem Fall a« veschAttge».

^ Basel, 10. April. fS. C.) Wie der Pariser Be­richterstatter erfährt, ist die Unterstützung Frankreichs durch Belgien bei der Ausdehnung der Besetzung die Folge eines geheimen belgisch-französischen Militärab- rommens, das vor einigen Wochen in Brüssel abge­schlossen wurde Ein Havastelegramm bestätigt ferner, daß dre belgische Regierung Frankreich die belgischen " : und Eisenbahnen zu Truppentransporten nach D eutschland zur Verfügung stellen wird, sofern sich eine F.otwenHigkeir dafür ergibt.

Straßen Deutsche

Notwend

lui fsanzösi- -

** Paris, 10. April. Der belgische Geschäftsträger teilte der französischen Regierung amtlich mit, daß sich die belgische Regierung den französischen Besetzungs- matznahmen in Deutschland anschließe.

SeulschlMS macht Imnlreich haftbar.

Eine neite Note der deutschen Regierung.

Wie aus Berlin gemeldet wird, ist der französischen Regierung folgende Noce Überreicht worden:

Die durch den Friedensvertrag nicht gerechtfertigte und vorher nicht anaekündiqte Besetzung deutschen Ge­bietes bat -n ^Mretöt« Lm»tt,c»,-«Leu geslchrt. Tube^ hm auch Uns Reihe Deutscher den Tod erlitten, eine größere Anzahl ist verwundet worden. Unter Wahrung aller weiteren Ansprüche, die der deutsche« Regierung aus dem französischen Borgeheu erwachse«, äußert sie fchov jetzt, daß sie die französische Regierung jedenfalls für alle Schäden haftbar macht, die Sentfdjen durch die jüngsten Vorkommnisse entstände« find oder «och ent­stehe« könne«.

Alle weiteren Mitteilungen behält sich die deutsche Ztegierung bis zur Prtifung der Einzelfälle vor.

Die DrangsaNerung Frankfurts.

^ Berlin, 10. April. (L. A.) Der Stadt Frankfurt a. M. wurden wegen der Belsftig««g eines frauzöst- schen Jägers eine Buße von 13 000 Goldmark, 10 Ka­rabiner« und 10 Fahrräder« auferleat. (Dem franzö­sischen Soldaten war kurz nach dem Ettrrücken Fahrrad und Karabiner gestohlen rvorden.)

Die Opfer t« Frankfurt.

«-* Frankfurt, 10. April. (T. 1L) Nach FeMtellnng der deutfchen und der französischen Behörde in Frank­furt betragen die Opfer vorn Schillerplatz vier Tote ««d 18 Schwerverwundete, was in einer Beivrechnng der Redakteure der hiesigen Zetttrngen beim Oberverwalter Degoutte mitgeteilt worden ist Alle anderen Meldun­gen über eine größere Anzahl von Opfern Hallen die französischen Behörden für falsch.

Protest der Frankfurter Parteien.

Die demokratische, die sozialdemokratische und die Zentrumspartei in Frankfurt a. Ät. haben in Ueberem- stimmung mit öeul Magistrat beim General Degoutte Einspruch gegen die unberechtigte Besetzung der Stadt durch französische Truppen erhoben.

Der deutsche Protest beim Völkerbund eingegaugeu.

* Lugano, io. April. Beim Generalsekretär des Völkerbundes in London ist der deutsche Protest einge­gangen, der in der Frage der Besetzung deutscher Ge­biete den Vvlkerbrmd anruft. Der Generalsekretär reiste sofort nach Paris, wo eine Sitzung des Völkerbnnds- ausschufses stattfindcn wird.

Französischer Keil zwischen Nord und Süd.

** Mainz, 10. April. lT. U.) Die Ansdehvung der französische« Besetzung des Maingaues ist bereits in Vorbereitung. Das Ziel ist AsKaffeuburg, wofür Truppen von Höchst bestiunnt sind. Nachschübe aus dem - --- - - ~ - ----- - Trennung

linksrheinischen Gebiet sind vorgesehen zur Nvrddeutschlauds von Süddentichtand.

Ministerrat in Paris.

vormittag Minister-

** Paris, io. April. (T. Utt erstem fand ein Mrnifterrat unter dem Vorsitz des . Präsidenten Millerand statt. Der Ministerpräsident un­terrichtete seine Kollegen über die Lage in Deutschland und über die formelle Note der englische« Regiernsg Über die Befetzrmg der rechtsrheinischen Städte. Da die offizielle Note der englischen Regierung noch mcki in Paris etngetrosfcn war, hat sich der Ministerrat anf den späten Nachusittag vextagt. Der Botschasterrot bat ge­stern vormittag unter dem Vorsitz von Jules Camvon getagt und sich mit den laufenden Geschähen, namentlich mit dem ungarischen FriedensvertraL aber nicht mit den

deutschen Angelegenhetten, beschäftigt. DieLiberiee^ - hebt hervor, daß Lord Derby der Sitzung beiwohnte. j

Erklärnngen Millerands im Kammeramsschutz. 1

** Genf, 10. April. (S. C.) Im KammeransschSh gab Millerand Erklämmge« Mr Befetzuua Frankfurts und Hanaus ab. Er erklärte sich autzerstaude, einen Termin für die Aushebnug der Befetzuua anz«gebe«, " da dies «icht mehr von der Z«röLnah«w der deutschen Truppe« aus dem Ruhrrevier allein abhängig sein könne. Gegen die Besetzung habe kein alliierter Staat Ei«spr«ch erhoben, auch nicht Amerika.

Die Antwort an Derttschllmd.

»» Rotterdam, 10. April. (S. C.) Reuter meldSb aus Paris, die Antwortnote an Deutschland wird erst konrmenöe Woche abgehen. Die dentschen Einwäuds werden voraussichtlich für nicht fttchhaltig gefunden. -^

Konferenz der alliierten Großmächte.

haben die Ententemächte auf das dringende Ersuchen 6« F

Deutschland geschaffene Lage zu erörtern und beschließen, um den durch Frankreichs Bork vorgerufenen Konflikt aus der Welt zu fchaf

Kabinettskrise in Frankreich?

w Basel, 10. Avril. Im gestrigen französischen Mk» nisterrat gab es eine große Ueberraschung, als die Ver- - balnote Englands bekannt wurde. Man war darauf gefaßt, daß EnglariS eine nichiMsttuunerrde Erklärung- abgeben würde, daß sie aber so nnzweidenttg ausfallen würde, hatte niemand angenommen. Millerand hatte- erklärt, durch sein Vorgehen das Preittge Frankreichs zu heben. Der Stoß, der dem französischen Prestige jetzt versetzt wurde, ist ein derarttg empfindlicher, Satz mit einem Rücktritt Millerands zu rechne« ist.

einem Rücktritt

zu rechnen ist.

Eine oMzielle englische Protestnote.

Der Korespondent desMatin" in London meldet?, Man wird gewiß in Frankreich sehr überrascht darüber sein, erfahren zu müssen, daß die brttische Regierung jeder Erwartung zuwider nunmehr nach AbhüttULH vM, zwei LabiuettstztzM-Zev b^Mcüies-OgipVSSL'A^'Mistz«» nzchs 'Mtiön in TenrfchWtö zu protefitere«. Diese Neuigkett wird unsere britischen Freunde, die in chrer Mehrzahl seit zwei Tagen dauernd uns ihre Unter» stützung versichert haben, ebenso überraschen, wie uns selbst. Eine Note offiziösen Charakters, die durch eins Agenttrr veröffentlicht wird, besagt, cher Eindruck, der hier verbreitet war und durch die in Frankreich abgegebenen Erklärungen bestätigt wurde, daß Sie allnerten und as­soziierten Regierungen, nämlich Großbrttannien, die Vereinigten Staaten, Italien und Belgien mit der fran­zösischen Regierrmg vollständig einig waren, ist gänzlich irrig. Die Wahrheit ist, daß die alliierten und assoziier­ten Regierungen der Polüik eines Einrückens in die neutrale Zone immer entgegen gewesen sind. Es macht den Eindruck, Saß Sie französische Regierung aus Grün- Sen, Sie ihr gut schienen, dieses Einrücken aus eigener Initiative vorgenommen hat, ohne die Zustimmung der Verbündeten abzuwarten. Die Stellung der englischen Regierung zum Problem der sozialen Unruhen ist die, daß es allein eine Angelegenheit derjenigen Regierung ist, die jetzt nach Wiederherstellung des Frieöens das dcuttche Volk vertritt und daß es sie Alliierte« «ichtS ««geht, wie sich Sie Ercigvifle außerhalb Serjelrigeu Zose vollziehen, für die sie verantwortlich stuv. Der Korre­spondent meldet Sann Sazu, die offizielle Protestnote werde am 9. April durch Lloyd Derby Herrn MilleranS übergeben werden. Lloyd George, der nach Lonösn zu- rückgekehrt ist, hat in Towningstreet den französischen Boftchaster empfangen und mit ihm eine lange Unter­redung gehabt. Lloyd George wird am 9. Avril nach Paris in Beglettung verschiedener Persönlichkeiten rei­sen. Die brittsche Regierung habe Cambon benachrich­tigt, daß sie Sie Frage der französischen Interessen in Deutschland nicht in derselben Weise wie die französische Regierung ansieht.

Die Stimmung der italienifcheu Presse.

* Bafel, 10. April. Die iialieni'che Presse ist äu­ßern empört Wer das eiaenmächtiqe Borgern Frank­reichs. DerCorriere della Sera bemerkt fo®ir in es» nem Leitartikel, daß Deutschland jetzr das Recht gege­ben ivorden sei, eine Nachprüfung des Friedensvertra- ges von Versailles zu verlangen.

Der Aufstand im Ruhrrevier.

D ie säubern na SeS Ruhrgebrets.

Die SäWernng des rheinisch-meüfälischen Indu­striegebiets von den aufrührerischen Banden vollzieht sich prvgranmräßig und ohne ernstliche SchwierigketteL ebenso die Wcrffenavgabe. Atttttärbehörde und Zivib- kommissar arbeiten in allen Städten in befried wirbst Weise zusammen. Die Standgerichte sind aufgeyrchen. Die Reichswedrtrupven haben befevtsaemätz den Gas- marsch nörSkich der Ruhr eruaesteLt. Bei Hagen Ice-gM sie 7 Klul. vor der Stadt. Es st «den BerLandttrnMk wegen der Rückkehr der Fwchtlinge statt. Man borst, » sie atun Ziele führen werben. Der ÄrrszM, em^ großen Teiles der gelernten Sir6eher aus Jnsnür« unS Bergbau, der im Zusammenhang mit der Flur» der roten Armee vor fieb gegangen ist, bebauet rar das Wirtschaftsleben des JüSuüriegebiets eine ern« Ge­fahr. Es soll deshalb alles versucht werden. Sie Flucht- ltnge Mit Rückkehr zu bewegen, zumal Itacdrichten, w> liegen, denen Msolge die Frauzosen mit allen Sattem