3um ValuWriblem
X LroV «Her guten Ratschläge, die von berufenen Mtv Wberufenen Kreisen tn reichlicher Fülle gemacht wor. lÄen sind, ist von einer Besserung unserer Valuta bisher nichts zu merken. Im Gegenteil — sie zeigt augen- Micklich einen Tiefstand, der nicht nur zu -eu tiefsten Dedenken Jlnlatz geben, sondern direkt katastrophal Wirken muß. Zum ersten Mal hat in diesen Tagen die Devise Holland den Stand Wn M. 1000 für hUltHent Dranken überffchritten, und verzweifelt schüttelt man Heu Kopf urcd fragt sich, wann eigentlich der Nullpunkt >drreicht sein wird. Umsonst ist die Feststellung, daß sich die Arbeitsfreude, besonders in den Kohlenrevieren ge- Mbeir hat,' umsonst die Hoffnung auf die Erzberger- Mcn Mnanzvperationen, die dem Ausland sei gen Muiitzten, daß wir eifrig bemitht sind, unser Finanzwesen Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu sa- Mieren. Selbst die Beschränkung der Einfuhr auf Hie
_____ ______ .............Einfuhr auf -jwichtigsten Arttkel und die Abschaffung der Goldzölle .haben feneu fürchterlichen Wertsturz nicht aufzuhalten
Was nun?! Wo soll man des RätMkLösung su
chen? Soll man über die neue Ordnung wettern oder
in Schutz nehmen? Wir stehen hier vor der Sphinx Hes internationalen Gel-problems! Sehen wir uns daher einmal die FinaMage der übrigen europäischen Maaten — „der Sieger" an. Auch hier dasselbe Bild. Mur der routinierteste Finanzier wird zu beurteilen lverurögen, welcher Staat in absehbarer Zeit zu einer Wirklichen Gesundung seines Finanzwesens gelangen !Hann. Für Deutschland liegen die Verhältnisse insofern am ungünstigsten, als nran schon vor und besonders während des Krieges im Ausland eine rege Markspe- Mlation getrieben hat. Hinzu kvnmrt, daß besonders M neutralen Ausland — veriviesen sei nur auf Hol- Hand — Hypothekengläubiqer sitzen, die jetzt mit aller Macht auf eine Begleichung der Schuld von feiten chrer deutschen Schuldner drängen, nicht etwa, weil sie fürch, itezr, mit ihrem 6X16 hängen zu bleiben, sondern weil Her Kapitalbedarf im eigenen Lande einen derartigen Mustang angenommen hat, daß sie flüssiger Mittel dringend benötigen.
Durch die Kündigung derartiger Kredite, die met- ,sienö bis nach Abschluß des^Friedensvertrages verlün- aert worden waren, entsteht ein Mehrangebot an deut-— Wr Markwährung an den ausländischen Börsenplät- '.zen. Da unser Export noch völlig im argen liegt.-sind wir nicht in der Lage, diesem Ueberangebot auch nur eine verhältnismäßig gleichrvertige Nachfrage entgegen- Meilen zu können. Die Erpressung der letzten deutschen Werte und die mit zynischer Berechnung auf die völlige Oühmlegung unseres Handels und Verkehrs eingestell- Nn Ententenoten tun ein übriges, um unsere Valuta
>. strotz der im Innen: allmählich wiederkehrenden Ruhe und Ordnung nicht in die Hände kommen zu lassen. Außer der Hebung unseres Exports, die allem durch einen engen Zusammenschluß unserer Exporteure, etwa nach dem Muster der „Federation of British Judu- Kries", zu erreichen ist. kommt nur eine internationale Hinanzaktion in Frage, mit deren Hilfe es gelingt, das -innere Geldöedürsnts sämtlicher europäischer Staaten zu befriedigen, um dadurch zu gleicher Zeit den internationalen Kreditverkehr zu rangieren.,
Wie eine solche Aktion inS Werk zu fetzen ist, unterliegt einer Einigung unter o -führenden Finanzman- nern Eurovas — auch der deutschen. Wir wollen Hof- fen, daß es den Bemühungen Max Marburgs und andrer leitenden Finanziers gelingt, hier die richtigen , Wege zu finden. __________________________ Nicht nur aus Italien, Spanien, Frankreich, Groß- Britannien, Dänemark, Schweden und Norwegen, son- Sern auch aus Amerika und Australien, wie aus Japan kommen Nachrichten von Streiks und Lohnbewegungen. Nach australischen Meldungen sind es. dort die Bergleute, die sich weigern, nach einmonatlcchem Streck das schiedsgerichtliche Urteil auf Bewilligung eines Lohnes von 1 Pfund Sterling anzuerkennen. Die „Times" berichten, daß zum ersten Male seit Bestehen der japanc- schen Presse im August und September die Zectungen nicht erschienen sind, weil die Forderungen der Setzer nicht bewilligt wurden. Auch so,stt werden rn Japan Allgemeine Forderungen nach erhöhtem Lohn kürzerer Arbeitszeit und häufigeren Feiertagen laut. Die Haupt- «rsache liegt (ganz wie bei uns) in dem Steigen der Preise und in dem Unvermögen der Regierung, den übertriebenen Preisaufschläaen entgegenzuwirken. Im August ist es in den größeren Städten Iaparcs sogar zu sogenannten „Reisausständeu" gekonmren. Die Preise des Reis, des Hauptnabrunasnnttels, hatten sich im Kriege um mehr als 10p Prozent erhöht. Auch in den Veremrgtcu Staaten ist noch kein Sin- . feit der Löhne eingetreten, im Gegenteil hat die starke Nachfrage nach Arbeitskräften die Löhne weiter gehoben. Ein Vergleich zeigt, daß die Industrielöhne in Nord
amerika um 169, in England um 100, in Frankreich um 162 Prozent gestiegen sind. In der gleichen Zeit hat die Erhöhung der Kosten des täglichen Lebens in den Vereinigten Staaten zwar nur 107 Proz., in England aber 145 Prozent und in Frankreich sogar 254 Prozent betragen. In Nmwegen sind die Löhne in der Zeit von 1914 bis 1918 in den Städten allgemein um 80- 100 Prozent gestiegen, während die Lebensunterhaltskosten sich um mehr als 140 Prozent erhöht haben. Nach andern Angaben soll sich die Steigerung sogar auf 260 Prozent belaufen. Für Nahrungsmittel beträgt dabei die Verteuerung 278, für Kleidung 357 Prozent des Friedenspreises. Auch in Schweden haben sich die Ausgaben aus 264 Prozent erhöht. In Dänemark ist die Verteuerung im Verhältnis etwas geringer. Nur in Nordamerika schein: die Verteuerung des Lebensaufwandes die Lohnsteigerung nicht überholt zu haben.
'We«A mitunter aus dem Vergleich zwischen Preis- «M Lohnsteigerung der Schluß gezogen wird, daß die Kosten des täglichen Lebens in keiner Weise von der Höhe der Löhne abhängen, sondern von andern Bedingungen, mit denen die Gehälter nichts zu tun haben, so ist dies eine Logik, die das Kind mit dem Bade aus- schuttet. Gewiß haben die hohen Kriegsgewimce Lohu- forderungerr der Arbeiter veranlaßt, in erster Linie aber hat die durch den Krieg verursachte Teuerung der Lebensmittel und Waren mit Notwendigkeit zu den Lohn- beweentnaen geführt. Kaum steigen die Preise, so steigen die Löhne, und wenn die Löhne gestiegen sind, so ist die prompte Antwort darauf eine weitere Preiserhöhung. Die Herstellung eines wirtschaftlichen Gleichgewichts ist aber mit Lohnerhöhungen, die in demselben Augenblick schon mit neuen Preissteigerungen beantwortet werden, nicht zu bewirken.
Hus der Heimat.
— Das Hochwasser der Werru, das mit Anfang des Jahres den höchsten Stand erreichte, ist Surch den darauf eingetretenen Frost im Fallen begriffen. Heute ist nun das Frostwetter wieder durch Regen abgelost worden, der bei stärkeren Niedergängen rvahrscheirtztch das weitere Fallen des Wassersta-rdes beeinflussen dürfte.
— Ein Reichsmilchgesetz. Der Erlaß des anaekün- digten Reichsmilchgesetzes steht bevor. Es regelt die Milchhygiene und enthält besondere Borschristen über die tierärztliche Kontrolle der Milchkühe, die Anforderung an die Einrichtung der Ställe, die Behandulng der gewonnenen Milch, ferner eingehender Vorschriften für die Molkereien. Das Gesetz bildet die Grurchlage aller behördlichen Mitarbeit bei der Milchversorgung, der Milcherzeugung, Milchverwertung und MilchverteilunS, insbesondere in den Großstädten. Alle Bedarfsbezirke größeren Umfanges werden angewiesen, für Pasteurisa- tion und Tiefkühlung Sorge zu tragen. Die Milchyo- lizei wird den Kommunen Übertragern Jede Bedarfs- gemetude ist berechtigt, die Kormnunalisierung der Milcheinfuhr und des Milchverkehrs durchzuführen mrd die ccwa erforderlichen Enteignungen vorzunehmen.
— Kriegsteilnehmer und Nicht - Kriegsteilnehmer bei der StenerveranlaMNg. Nach § 9 des Einkommensteuergesetzes erfolgt die Veranlagung nach dem Ergebnisse des dem Steuerjahre unmittelbar vorangegangene« Kalenderjahres und, insoweit für eine Einkomm^rrs- gnelle ein Jahresergebnis nicht vorliegt, nach oem mutmaßlichen Iahresertrage. Diese Gesetzbestim- mungerr bedeuten eine Härte für die Kriegsteilnehmer. Die Löhne und Gehälter haben seit dem Jahre 1918 eine wesentliche Steigerung erfahren. Die Nicht-Kriegs- teilnehNEr versteuern bei • den Heuttaen hohen Gehalts- und Lohnsätzen die bedeutend niedrigeren truitumurm, des Jahres 1918, währerrd die Kriegsteilnehmer tue hohen Einkommen aus dem Steuerjahr 1919 versteuern müssen Um diese Ungerechtigkeit zu besertrgen, will jetzt die Regierung eine Ergänzungsbestinnmmg zum Einkonnnensteuergefetz erlassen. Das erscheint um so notwendiger, da Paragraph 20 des Einkommen itWr-F gesetzes, nach dem es gestattet ist, besEders, Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen wesmMÄ beeinträchtigende wirtschaftliche Verhältnisse in der Mt zu berücksichtigen, daß bei Erukommenbis zu 12 500 Mk. eine Ermäßigung um höchstens drei Stufen gewährt werde, bei deci oben bezeichneten Verarrlagungen nicht immer zur Anwendung kommen kann. ... _ .
— Die Anförnckpreise der Zigarette« sind maßgebend. Zigaretten dürfen nicht teurer verkauft werden, als die aufgedruckten Kleinhandelspreise vorschret- ben, sonst macht sich der Verkäufer strafbar, auch wenn er einen höheren Preis für die Ware bezahlt hat. Diese Rechtslage ist in einer Sitzung der Preisvrüfungsstelle Erfurt ausdrücklich festgestellt worden, von der jetzt das Reichswirtschaftsministerium Mitteilung macht. Das Publikum müsse gegen eine derartige Uebervorteilung geschützt werden.
§ Hersfeld, 9. Januar. Vorn h. April 1920 ab wird die S taat se in ko mm e n ste uer in der bisherigen Weise von der Preußischen Steuerverwaltung nicht mehr veranlagt, es ist also bis zum 20. Januar
Zs. die Steuererklärung nach dem bisherigen üb- i^n Bordruck nicht abzugeben An die Stelle der bisherigen Einkommensteuer, sowohl der Staats- als auch Gemeindeeinkomwensteuer, wird die Reichseinkommensteuer treten; das Gesetz hierüber ist aber not ) nicht verabschiedet. Es ist daher noch nicht bekannt, in welcher Weise den Steuerzahlern bei der Veranlagung dieser Steuer eine Mithilfe eingeräumt ist. Es ist aber anzunehmen, daß noch im Laufe d. Mts. die Bestimmungen des Gesetzes veröffentlicht werden. Wir werden dann die für die Steuerzahler wichtigen Vorschriften in unserer Zeitung besprechen. Auf Grund des Gesetzes über eine Kriegsabgabe vom Ver- mözenszuwachse vom 10. September 1919, und zwar des § 22, hat innerhalb einer von der obersten Landesfinanzbehörde zu bestimmenden Frist der Abgabepflichtige, dessen Endvermögen nach dem Stande am 30. Juni 1919 sein Anfangsvermögen nach dem Stande vom 31. Dezember 1913 um mindestens 6000 Mark übersteigt, eine Steuererklärung abzugeben. Die Erklärung hat nach einer Bestimmung des Reichsrats die für die Feststellung des der Kriegs- abgabe unterliegenden Vermögenszuwachses erforderlichen Angaben zu enthalten. Nach den Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetz sollen diese Erklärungen in der Zeit vom 15. Dezember 1919 bis 5. Januar 1920 abgegeben werden. Da aber infolge verspäteter Ausgabe die Bestimmungen der Bevölkerung noch nicht bekannt sind, auch die amtlichen Stellen noch nicht im Besitze der Vordrucke für Steuererklärungen sind, sind die Präsidenten der Landesfinanzämter (hier des Landesfinanzamtes Cafsel) berechtigt, die Abgabefrist entsprechend zu verlängern. Eine Bekanntmachung über diese Fristverlängerung ist in Kürze zu erwarten.
I Hersfeld, 9. Jan. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, konnte die Ausgabe des Rüböls noch nicht erfolgen, da die hier eingegangene Sendung gefroren war. Die Ausgabe erfolgt wahrscheinlich Montag oder Dienstag nächster Woche.
Frankfurt a. M. Die Werbungen für die Fremdenlegion werden von französischen Agenten im hiesigen Hauptbahnhof nach wie vor mit großer Kühnheit und Schamlosigkeit unter der deutschen Jugend betrieben, leider vielfach mit Erfolg. Die armen Opfer werden zunächst in französischen Abschnittskommando, Taunusanlage 9, gespeist, halb betrunken gemacht und dann unter blendenden Versprechungen ins französische Truppenlager Griesheim bei Darmstadt oder nach Mainz zum Abtransport nach Afrika geführt.
Eingesandt.
(Unter dieser Rubrik veiöffentlichen wir Zuschriften aus dem Leserkeise, die ein öffentliches Jntereffe haben. Für die in denselben ausgesprochenen Ansichten übernehmen wir außer der preß- gesetzlichen keinerlei Verantwortung. Die SchriftleiMng).
Heringen sWerra^.^'!
Am. 31 Dezember v. I. barit-i-, "ii..^- «Ecker kein Brot. Woran lag das nun-? Äu'^er Abschiebung von mehreren tausend Zentnern Getreide äAS der hiesigen Gemeinde durch den Kommunalverband. Wir haben in hiesiger Gegend doch genügend Brotgetreide geerntet, um unsere versorgungsberechtigte Bevölkerung befriedigen zu können, und eine Abschiebung kann doch erst erfolgen, nachdem die heimische Bevölkerung genügend Mehl und Brot erhalten hat.
Dies läßt sich doch leicht dadurch ermitteln, daß vom Büraermeisteramt eine Liste geführt wird, in welcher die Namen der Versorgungsberechtigte« mit den Angaben der zuständigen Menge enthalten ist. Dieses Getreide wird dann bei der Darlehnskasse aufbewahrt und wöchentlich die nötige Menge an die Mühlen ausgegeben, von denen die Bäcker das wöchentlich zum Backen nötige Mehl erhalten. Der Transport von einem Kommunalverband zum anderen verursacht doch Kosten und trägt dazu bei, daß die Brot- und Mehlpreise die jetzige Höhe erreicht haben. Diese Unkosten für Bahn und Fuhrlohn könnten erspart werden und dazu dienen, daß Korn, Brot und Mehl wesentlich billiger würde.
Ein Versorgungsberechtigter für Alle.
Stolze Herze«.
Roman von Fr. Seihte.
8yy (Nachdruck verboten.)
Und im Anblick des strahlenden Glückes der beiden erwachte in ihm leise der Wunsch nach einem gleichen Glück,- sehnsüchtig flogen seine Gedanken zu der ge- liebten Frau. — Jetzt war auch er frei.-----
Er hatte Jsabelle von Ellens Tode nicht benachrichtigt,- sie hatte ihm auch nicht geschrieben, obwohl sie Surch Gräfin Rechberg davon wußte. Ruth sprach offen Alt dein Bruder. Es tat chr so leid, ihr: so apathisch zu leiten; kaum, daß er sich einmal zu einem Wcheln Swang.
„Klaus, da kannst dein HauS nicht ahne Frau sein lassen! Du darfst ruhig an dein Glück denken, ohne daß du ein Unrecht gegen Ellen begehst! Mein armer Bruder, du hast ein bißchen Sonnenschein in deinem Leben so nötig, damit die Wolken von deiner Stirn verscheucht werden. Ich kenne eine Frau, die in Sehnsucht unö Schmerzen auf dich wartet. Schreib' ihr!"
Und Klaus schrieb ihr zum Jahreswechsel — wenige Zeilen nur — und zum Schlutz: „Jsabelle, darf ich hoffeu, daß mir dieses neue Jahr zum Christfest das »efebert wird, was ich so heitz ersehne,"
Und kurz schrieb sie zurück: „Ich ivarte auf dich, Klaus, bis im mich rufst. Dann bin ich dein!"
Aber er bezwäng sich, jetzt schon zu ihr zu eilen, sie zu scheu. Dieses Opfer war er dem Andenken Ellens schuldig, die mit dem festen Glauben an seine Liebe von binnen gegangen wart
* * *
Pfingsten sah er Jsabelle wieder bei der Einwei- limia des neu errichteten BIrkenfelde, das seiner Be- stiömmng überlebeu wurde. Es war eine große Feier, trotzdem Jsabelle das nicht gewollt hatte.
So schlicht und unauffällig wie möglich hatte alles geschehen sollen; am liebsten wäre sie gar nicht getont- wen. Doch der Gedanle, bei dieser Gelegenheit Miau® wiederzusehen, hatte sie veranlaßt, ihren Widerspruch auljuaeveu.
Der Landrat hatte es sich nicht nehmen lassen, alles in großem Stile zu arrangieren; auch der Präsident war erschienen.
Der Pfarrer von Birkenfelde hatte schlicht und zu Herzen gehend gesprochen. Als er in bewegten Worten der gütigen Spenderin dankte, da neigte sie tief den Kopf, weil sie fühlte, wie Tränen ihre Äugen feuchteten.
Alle blickten auf die schöne Frau. Ein weißes Kleid über das sie einen Spitzenmailtel geworfen, floß in weichen Falten an ihrer vollendeten Gestalt hernieder. Das goldschimmernde Haar bedeckte ein großer, weißer, mit Rosen geschmückter Hut — alles an ihr war hell und licht, wie der wonnige Frühlingstag!
Ein bezauberttdes Lächeln lag auf ihrem wundervollen Gesicht,- aus ihren Augen glänzte ein warmer Schein, und grüßend flog ihr Blick zu Klaus hinüber, der unter den Misten weilte. Das Herz wurde--ihm weit vor Sehnsucht und Hoffnung, als er die geliebte Frau endlich wieöersah! Wie brüutliche Erwartung umschwebte sie.
An der Seite des Präsidenten begann sie den Rund- gang,- die übrigen folgten. Alles war hell und freundlich, praktisch und behaglich eingerichtet und fand die Bcwllndrung der Anwesenden. Ein eigenes Gefühl beschlich Klaus. Wenn sein Vater hätte voraussehen können, was dereinst aus seinem lustigen Herrensitz werden würde c
yiatb dr Feier hatte der Landrat die Gäste zu einem Frühstück nach „WeiherhauS" gebeten.
Wieder sag man in beut feierlichen Prunksaal — und doch, wie anders war es gegen damals, als Jsabelle hom „die schöne Frau Löbbecke" war! Jetzt feierte und pries man sie als Wohltäterin der Notleidenden und Bedrückten. Aber das alles rührte sie nicht so, wie die Dankbarkeit der durch ihre Güte Beglückten, als -lese ihr die Hand geküßt und tränenden Auges ihren Dank baratbraeßt hatten.
Da war es ihr zum erstenmale so recht zürn Bewußtsein gckomncen, welchen Segen das Wohltun in sich schließt - den größten für den Wohltäter selbst. Sie empfaub eine so innige Befriedigung, aller Eitel
keit und Selbstgefälligkeit bar, wie noch nie in ihrem Leben.
Die Festlichkest war vorüber, die Gäste hatten sich entfernt.
Jsabelle wollte bis zum Mend bleiben, um mit dem Nawtschuellzug nach Dresden zu reifen, doch Sie Gräfin bat sie, noch einen Tag zu verweilen und sie gab gern nach, in der Hoffnung, Klaus sprechen zu können.
Wie lange hatten sie sich nicht gesehen -- ein gant seS Jahr lang! Und doch hatten sie in unverminderter Liebe aneinander gedacht! Beinahe zehn Monats ruhte die arme Ellen im Grabe — öa durste sie doch auf bad Glück hoffen.--
Klaus war nicht mit den übrigen Gästen gegangen. Die Aufforderung des LandratS, noch zu bleiben, war ihm sehr gelegen gekommen,- er sehnte sich ja nach einer Minute Zusammenseins mit der Geliebten. Slbcr «och hatte er keine Gelegenheit gehabt, sie ungestört zu sprechen. Die Laudrätin nahm sie völlig in Beschlag: sie hatte so viel zu fragen und zu erzählen,- sie sah die iehusüchttaen Blicke nicht, die ihre beiden Gäste miteinander tauschten. Jsabelle mußte ihr sogar in ihr Wohnzimmer folgen, weil sie ihr dort etwas Inter- efsautes zeigen wollte — eine Ueberraschung, die sie fitr den Gatten zum zwanzigsten Hochzeitc-rnge geplant hatte.
Diese Wirnuten des ZllleinseinS benutzte Klaits kurz entschlösse« dazu, den Landrat zu bitten, daß er ihm Gelegenheit zu einer kurzen Aussprache mit Frau Löbbecke geben möge. Er wurde ganz rot unter beut forschenden Blick des Grafen — aber war es nicht besser, ReckbergS etnzuwZhcn, als -atz die Verlobung für alle überraschend kam?
„Sich, sieh," sagte der Graf mit verständnisinnigem Schnniiizcln, „ich werde es gern einrichten."
„Alle haben mir zugeredet, wieder zu betraten,* meinte Klaus etwas verlegen, „und ich sehe ein, baß man recht hat, ich vermisse schmerzlich Ordnung mrd Behaglichkeit."
tFvrtsetzuna folgte