Italiens Demütigung.
Die Fiumefraga reicht in ihrer Bedeutung weit Wer den Siahnren-tttauS. den man ihr gemeinhin zu- i «richt. Die.Haltung der italienischen Regierung ge- MnUber d AnnunKo ist zumindest nicht als eindeutig Lnzusehett. Die Stimmung in der Presse Italiens steht. mit Ausnahme der sozialistischen Blätter geschlos- föt hinter ihrem Dichterlievling. Was nun die Gemli- ter des Volkes selbst anbelangt, so kann man ruhig sagen, daß auch sie trotz der ungeheuren Blutopfer, die der Krieg forderte, sich auch heute noch mehr für ein „vergrößertes Italien" begeistern, als für die Berechnurr- gen des Obersten Rates. Und was hat denn eigentlich S WW*« WÄWÄ 'standes fügte die Entente Italien eine Demütigung nach der anderen zu. Was die „Sicherung der Grenzen" stach Norden anbetrifft, so ließ man Rom zwar freie Hand. Aber die allseitige Vergewaltigung des Deutsch- MmS in den Ländern des ehemaligen Oesterreichs machte strategische Maßnahmen ziemlich überflüssig. Hie Verschiebung der Nordgrenze in der Richtung auf Hunsbruck bedeutete somit nicht den geringsten Vorteil. Die andere, viel wichtigere Frage, die sich nach Einstel- Hang der Feindseligkeiten plötzlich wie ein Gespenst er- -hotz, die Slawengefahr, wurde jedoch zu Ungun- sten Italiens entschieden.
Die Völker, die heute den jugoslawischen Staat bil- :6e«, sind namentlich infolge der langen blutigen Mmpse, die Serbien seit 1912 führte, aufs äußerste ge- sMvächt. Haben sich jedoch am Karst und in den Do- 'mmtten nicht auch Italiens Söhne verblutet? Mau chendet also mit Recht von Rom ein, daß es falsch ist, .gegenwärtig von einem miltt.rischen Uevergewicht Italiens über Südflawien zu sprechen. Und trotzdem hört man von Paris nichts anderes als immer wieder die erneuten Bezeugungen des Mitleids gegenüber den slawischen Brüdern und den Preis chres Heroismus, der gerade in der letzten Rede Clemenceaus deutlich betont wurde. Wie groß die Erbitterung darüber in Italien bereits angewachsen ist, davon zeugt die Stim- Mung der Zeitungen, die heute von den Westmächten ; geradezu radikal abgeschwenkt hat. Interessant dabei St, daß lieb die Italiener dabei genötigt sehen, die Behandlung Deutschlands einer schärferen Kritik zu unterziehen. Ja, ein italienisches Blatt brächte es sogar fer- ng, bei Besprechung der Fiumefraae das Straßburger Noblem anzuschneiden und zu behaupten, daß, während in dem Adriahafen die Ueberzahl ver Bevülke- rung italienisch wäre, die Anzahl der Deutschen in der 'Hauptstadt der ehemaligen Reichslande groß, wenn nicht M groß sei.
Man möge sich in Deutschland davor hüten, durch derartige Aeußerungen die Veranlassung zu übergro- !-ßem Optimismus zu geben. An dem Schmachfrieden Sirö vorläufig nichts geändert werden, auch wenn Jta- en unser Leidensgenosse wird. Heute stehen wir nun vor der Tatsache, daß besonders von England aus mit Äler Kraft an einer Niederdrückung Italiens gearbet- 'tet wird, was zum übergroßen Teile dadurch zum Ausdruck kounnt, daß die Londoner Staatsmänner an der sWieöeraufrichtung des alten Oesterreichs arbeiten. Die
Bzwörter „Donauföderation" und „österreichischer ireht" besagen unzweideutig, daß man von der se aus mit geradezu unheimlicher Sicherheit auf Territorium der ehemaligen habsburgischen Mo- Marchie ein zweites Staatengebilde, wahrscheinlich nn- ier monarchischer Herrschaft, mit antideutschen und ivnttitalieuischen Tendenzen ins Leben ruft. Die Poli- Mk Eduards VII. wird also weiter betrieben. Auch-dss -geschlagene Deutschland des Jahres 1919 soll eingekreist bleiben, und vor Italien erhebt sich gewaltig und groß .«in neuer Feind. Das sind die Grundlagen des kommenden Völkerbundes, der den Nationen der Erde den -lang ersehnten Frieden, bringen soll. Man wird bald cklar ersehen können, wohin das wn England dirigierte Diener der Entente treibt.
ßansstaueu und hsusangeffeNe.
Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns: Die „gute Mie Zeit", wo die Hausfrau und das Dienstmädchen «roch in einem familären Verhältnis standen, ist durch Herr Revolntionssturm völlig hinweggefegt worden. Genau so, wie einst die „gute alte Zeit", wo der Kom- mis mit seinem Herrn Chef in einem Vertrauensver- Fältnis stand, als ob er zur Familie selber gehörte. In Gustav FreytagS „Soll und Haben" samt man darüber Erb.ruliches und Beschauliches lesen. Schon lange vor sein Kriege aber haben die sozialen Zustände das Verhältnis zwischen Brotgeber und Brotnehmer, zwischen Chef und Angestellten verschärft, sodaß eine, wenn auch wtsrchtbare Gequerschäft zwischen beiden sich entwickelte. Nur das Verhältnis zwischen Hausfrau und Hausan- ßestelltev blieb trotz aller Wühlereien ein ungetrübtes, fc auch das ist seit dem November 1918 anders, ganz
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Stolze Herzen.
Roman von Fr. Lehn«.
" MJ (Nachdruck verboten.)'
Beleidigt rauschte Sie Gräfin dann aus den Wirt- Maftsräumen und bracht« ihr« Klage bei Klans vor, der ihr aber in einer an ihm ungewohnten rückfichts- losen Art erklärte, sie möge die lang erprobte Mamsell in Mche lassen und sich der Hausordnung fügen.
Bei Ellen machte sie dann ihrem tiefgekränkten Herden Luft, sie ließ dabei ganz außer Acht, daß sie die Toch- «er dadurch unnütz aufregte.
„Klaus st ein richtiger Bauer geworden!" grollte sie. «Aber so sind, die Männer alle: Barbaren, die keine Rücksichten kennen. Dein Vater war genau so."
Jb schweige, Mama! Bedcnke, wie ant Klaus ist. Ich bin ihm doch nur eine Last — mrd er hat so viel Geduld mit mir!"
Damit quälte sich Ellen in schlaflosen Nächten und in den langen Stundest des Tages, die sie untätig im Bett verbringen mußte. Ihre Augen folgten dem Gatten überall hin, wenn er im Zimmer weilte, die kleinste Liebkosung von ihm beglückte sie. Oft fragte sie ihn:
„Liebst du mich noch. Klaus?"
,^^ Ellen!"
Ab sie die zitternde, mrzweiselte Ungeduld, die sich allmählich in das „Ja, Ja!" schlich, nicht hörte?
Er atmete förmlich auf, als der Arzt Ellen im Mai eine Kur in Oeynhausen verordnete.
Alt einem warmen Tage reiste Klaus mit Ellen, die von neuer Hoffnung beseelt war, nnd der Schrvieger- mutier, sowie der Pflegerin ab.
Er blieb vier Tage, um zu sehen, daß Ellen nichts fehlte. Der Arzt, in dessen Behandlung sie sich gegeben hatte, konnte ihm nach eingehender Untersuchung auch nichts anderes sagen, als was er schon wußte: die Lähmung war nicht zu heilen, die junge Frau war dazu verurteilt, ihr Leben fortan im Rollstubl zu verbringen!
Trotzdem ihn daS nicht überraschen konnte, traf es
ander» geworden. Die DieMmädchen haben sich e&ettfo gut organisiert, rote die Fabrikmädchen. Sie haben ebenso ihren Tarif und ihre festgelegten Forderungen, und namentlich kurz nach der Revolution konnte man eS in Großstädten erleben, daß die gnädige Frau bet der Vermittlerin in langer Reihe warten mußte, wie einst die Dienstmädchen, und daß das Dienstmädchen in nur ihm allein passender Zeit zur Vermittlerin sich bemühte, um mit den Hausfrauen, die auf der Suche faßen, Rücksprache zu nehmen und sich dann schtMich eine herauszusuchen. Jetzt nun aber macht, sich auch bet den Hausfrauen eine Bewegung bemerkbar, die auf eine Organisation htnausgeht. Im Hintergründe steht der „Verband der deutschen Hausfrauenvereine". ES finden jetzt zwischen den Hausfrauen und den Hausangestellten Tarifverhandlungen statt, die in das unerquickliche Verhältnis zwischen beiden Klärung und Festigkeit bringen sollen. Die Hausangestellten werden dabei durch ihre Berufsorganisationen vertreten, nämlich dem „ReichSverband für deutsche Hausangestellte", eine christliche Gewerkschaft, und dem sozialdemokratischen „Zentralverband der Hausangestellten". Hierr« führt die ^Sossische Zettuna" fehr treffend folgendes aus:
Solche Verhandlungen können doch aber praktische Wirkung nur dann haben, wenn hinter den Organisationen Massen sieben. Das ist aber bei keinem dieser Verbände der Fall. Der Verband der Hausfrauen- vereine ist in Berlin vertreten durch die „Zentrale der Hausfrauenvereine Grotz-BerlinS" mit ihren ange- schlossenen vierzehn Vereinen, die etwa 20000 Mitglieder umfassen. Grotz-Berlin hat jetzt etwa vier Millionen Einwohner und eine Millwn Haushaltungen. All diese Haushaltungsvorstände müßten, wollte man wirklich eine Organisation schaffen, die Verträge Surch- zusetzen in der Lage ist, in den Hausfrauenverbändeu vertreten seiu Die Hausfrauen, fo viel sie auch im Kriege gemahnt worden sind, auf die Gesamtheit Rück- ficht zu nehmen, stellen noch immer das Interesse ihrer eigenen Haushaltung in selbstsüchtigster Weise in den Vordergrund. Ganz kraß tritt daS in der Hausangestelltenfrage in Erscheinung. Immer wieder erlebt man es, daß Hausfrauen den Mädchen unsinnige Gehälter versprechen, daß sie die Vermieterinnen mit Geld ober Lebensmitteln bestechen, um daS Hausperlonal zu bekommen, Saß sie den Mädchen von vornherein satten daß ihnen Lebensrnittel und Geld in unbeschränktem Maße zur Bersttgunä stehen, ohne dabei zu bedenken, daß sie dadurch den anderen Hausfrauen die Mädchen gbspenstta machen, datz sie die Gehälter ganz allgemein m die Höhe schrauben und denen, die in normalen oder becheidenen Verhältnissen wirtschaften müssen, das Halten von Hausangestellten überhaupt unmöglich machen Natürlich wird eS immer Hausfrauen «eben, die mit solchen Mitteln kämpfen. Diese Hausfrauen können aber dadurch unschädlich gemacht werben, daß die andere» sich organisieren und in einheitlicher Front den Kampf gegen diese Schädlinge unter den Harrsfrauen auf« nehmen.
Auf der anderen Seite ist aber auch die Berufsorganisation der Hausangestellten noch höchst mangelhaft. In Berlin sind einige tausend Hausangestellte in ihren BerufSverbänden organisiert. In der Regel sind zu- Mchst nur die Unzufriedenen und daher Radikalen in diesen Verbänden, während die Vernünftigen, die den Sinn ihrer Arbeit bei der Ausstellung ihrer Forderungen mit berttcksichtigen, den Verbänden und dadurch den Verhandlungen fernstehen. Diesenigen, die mit ihren Stellungen zufrieden sind, glauben, die Organisationen nicht zu brauchen und bleiben ihr deshalb fern. Auch die Besonnenen unter den Hausangestellten müssen sich
klar macherr, datz-fs übertriebene F-örderuirgeit, wie die Radikalen sie ausstellen, das gesamte Familienleben zerstören und das Verhältnis der Hausfrau zur Hausangestellten unerträglich machen. Wenn ein Mädchen ein für allemal nach acht Uhr abends jede Arbett ablehnt, so wird die Folge davon sein, daß die Hausfrau jedes Interesse an dem Mädchen verliert, und daß eine eisige Fremdheit dort herrscht, wo die Zusammenarbeit gerade durch persönliche Anteilrkahme angenehm gestaltet werben könnte.
Bus der Heimat.
5. Januar.
— Erhöhn«« Der Bierpreise. DaS ReichswirtschaftS- Mtnisterimn hat für das Gebiet der ehemaligen norddeutschen Brausteuergemeinschaft mit Rücksicht auf die Steiaeruna der Herstellungskosten den Herstellerhöchst- preis für Bier einschließlich Steuern auf 61 Mark, mr bierähnliche Getränke lErfatzbiert auf 58 Mark für den Hektoliter erhöht. Ausnahmen werden unter entipre- chender Anwendung der bisherigen Grundsätze derart bewilligt, daß erforderlichenfalls der Preis in zivet Staffeln auf 63 Dtark und 65 Mark für den Hektoliter erhöbt wird. Für HerstellunaSorte, für die bereits bisher höhere Herstellerböchstpreife bewilligt waren, tritt anstelle de§ Preises von 40,50 Mark der Preis von 66 Mark für den Hektoliter.
ihn von neuem wie ein schwerer Schlag. Voll dumpfer Trostlosigkeit fuhr er heim.
Konnte er sich auf fein Heim freuen, in dem Me fürsorglich waltende Frauenhand fehlte und die Etn- samkeit und VerlassenheU ihn aus allen Ecken an* grinsten?
Klaus von Wallbwni^fah^faSelle wieder: unvermutet traf er sie im „WeiherhauS". Sie hatte eine Einladunq der Gräfin angenoumren, da ihre Anwesenheit verschiedener Besprechungen wegen nötig war. Seit Monaten arbeitete man in Birkenfelde: es drängte Jsabelle. ihre Pläne so bald wie möglich ausgeführt zu sehen.
Beide waren durch die unerwartete Begegnnng tiberrascht und konnten kaum ihre Empfindungen ver- bergerr.
Ätit dursttgen Augen trank er das Bild der geliebten Frau, und seine Lippen bräunten heiß auf ihrer Hand.
Jsabelle zitterte sind wagte kaum, ihn anzusehen. Sie war schlank geworden: sie hatte an Fülle verloren. ES stand ihr aber gut und ließ sie fast mädchenhaft er» scheinen.
Gräfin Rechberg fpmch in begeisterten Worten von dem großen, wohltätigen Werk Jsabelles. Bescheiden wehrte sie ab: doch es beglückte sie, als Klaus ihr in bewegten Worten dankte. Sein Lob tat ihr wohl: sie wußte, er hatte sie verstanden!
Wenn sie auch seine Hoffnung mehr hege, ihm je anzugehören, so erfüllte doch eine gewisse Zufriedenheit und Ruhe ihr Herz. Sie wußte sich eins mit ihm.
Ach, Jsabelle war genügsamer geworden, jene kurzen WUnnten in seinen Armen hatten ihr bad Glück der Erde geschenkt! Und in ihren Augen lag ein weicher, träumerischer Schein, der das schöne Gesicht ver« klärte und ihm all' das Herbe, Hochmütige der früheren Tage nahm.
„Wann kommt die Baronin zurück?" fragte Gräfin Rechberg. „Wie geht es ihr?"
KlaMM Besicht VNKüsterte sich.
^ «Wm» der Reichs stelle für Gemüse und Obst, AIS erst« der großen Reichsstellen für Lebensrnittel ist dir Reichsstelle für Genttise und Obst in schleunigem Abbau begriffen. Am 1 Januar ist ihre (veschastSabteL^ tung in Liquidation getreten. Die laufenven Geumse«- abliefernnasverträge werden hierdurch nicht oerüH«^ - müssen vielmehr auch fernerhin von Anbauern und Er»' Werbern vollinhaltlich erfüllt werden.
— Kleiehewirtschaftuns. Seit Stifte Oktober stuft Böte geringere Ausmahlung des Brotgetretdes rE ch größere Mengen Kleie als früher angefalleM weitere öffentliche Bewirtschaftung in -er Ver« ordnung über Kleie aus Getreide vom 19. DezernbeB 1919 geregelt ist Mit der gleichmäßigen KleieauSaabH an die Landwirte zu angemeisenen Preisen soll ein doW pelter Zweck erreicht werden. Sie diem zunächst alM wertvolles Mittel zur Förderung der Mtreideabltefe»: runa und wird zweitens helfen, die Milchverforgnnch der Großstädte und Industriezentren zu bessern. Hafer»! Heie, die bei der Verarbeitung des im freien Verkehre befindlichen Hafers anfällt, ist absatzfrei. Der PreiM zu dem die Geschäftsabteilung der ReichSfuttermittel-1 stelle die Kleie abzunehmen hat, ist gegenüber dem bis-l. herigen um 12 Mark für 100 Klg. gestiegen. Die Erhöhung des Preises war notwendig, um den gesteigerten Verarbeitungskosten der Mühlen usw. wenigstens teilweise Rechnung zu tragen.
— Bauernregel für Januar. Der Bauer wünsch! sich den Januar kalt und frostig, wenn die Aussichr für' die Ernte des neuen Jahres verheißungsvoll sein fall.' Darauf deuten Sie Bauernregeln: „Junuar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte soll gut sacken", dagegen «Januar warm, daß Gott erbarm" und ^fst der Januar warm und naß, bleiben leer Scheuer und Faß". Aus der Witterung des Januar werden auch Schlüsse- auf diejenige des kommenden Herbstes gezogen: „Wie das Wetter im Januar, wird's im Septemcher trüb und! klar." Auch die ersten Frühjahrsregungen der Natur will der Bauer bereits in den Januar verlegt wissen, denn: „Fabian und Sebasttan läßt den Saft in die , Bäunr^ mfht"
8 versfetd, •. Januar. «Auflösung der Prüfungs- kammission für Einjährig-Freiwilliges Mit Sem durch den Frieden bedingten Fortfall der allgemeinen Wehrpflicht und der Neugestaltung des Ersatzwesens , ist u. a. die Auflösung der im § 92 der Wehrordnung . vergefeforiebenen Prüfungskommissionen für Ein- / jährtg-Freiwillige erforderlich geworden. Von den Prüfungskommissionen für Einjahrig-Freiwillige ■ werden fortan Prüfungen gemäß §§ 89, 6 und 91 der - Wehrordnung nicht mehr abgehalten. Die von ihnen zur Zeit noch zu erledigenden Geschäfte werden von dem Zivil»orsitzenden ohne Mitwirkung der milt« ^arischen Mitglieder zu Ende geführt werden.
Göttingen, 5. Januar. In dem Anwesen SeL Schlächters Jordan im benachbarten Weende brach auf bisher unaufgeklärte Weise ein Grotzfener aus, das im- kurzer ZeU alle Nebengebäude, wie Scheuire, Ställe usw. niederlegte. Das Vieh wurde rechtzeitig in Sicherheit gebracht, Menschenleben sind nicht zu beklagen.
Gaffel, 5. Januar. Gestern verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit der Manosortefabrikant und Stadtrat Frttz Scheel im 64. Lebensjahre.
— Infolge eines Schlaganfalles ist der Hanptschrift» leiter der „Kasseler Allgemeinen Zeitung" Star Müller, im 57. Lebensjahre gestorben. Müller gehörte des Schristleitung feit dem Bestehen der „K. Allg. Zta." am Er war Borfttzenoer oes Vereins' Casseler Presse, rotes auch stellvertretender ? weiter Vorsitzender des Verein» Niedersächsischer Presse.
— Die Wahl des trüberen Ministerpräsidenten Scheidemann zum Oberbürgermeister von Kassel hat die ministerielle Bestätigung erhalten.
Fnlda, 5. Januar. Die Zufuhr auf dem letzter» Schweinemarkt betrug 101 Ferkel und 20 Läufer. Für! Ferkel wurden 240, 180 und 120 Mark, für Läufer 40Q,, 360 und 280 Mark bezahlt. Der Handel war fchleppenö, es blieb ein kleiner Ueberstarrd.
— Einen TobsvchtsanfM besam ein Dienstmädchen während der Frühmesse im Dome. Das Eingreifen mehrerer Männer war erforderlich, um die Bedauernswürdige vor Ausschreitungen gegen die Kirchenbesucher abzuhalten.
Frankenderg, 5. Januar. Beim Glücksspiel mit 3h genuem, die in letzter Zeit so stark wie nocht nie in hiesiger Gegend vertreten sind, verlor ein Eisenbahner 1509 Mark.
Schlächtern, ä Januar. In Hütten feuerte der 11= jähriae Sohn eines Jagdaustehers mit einem Gewehrt' auf Schulknaben, die zur Kirche gingen. Drei wurder^i durch Schrotkugeln verletzt, zwei liegen schwerverwmldeki darrrieder. In Hände, Arme, Leib, Lunge, Hinterkopf »iyd Gesicht sind die Schrotkugeln eingedrunaen.
„ES ist immer das gleiche, Gräfin — und es wiAl wie anders werden. In acht Tagen hole ich sie."
^-Die Aermste! So jung noch, ein solch' entsagllvaM volles Leben vor sich zu haben!" meinte die Gräfin be» dauernd. ^och Sie sind das Muster eines Ehemannes.-*
Klaus machte eine müde, abwehrende Bewegung,- ee wußte besser, wie fein Leben sich an Kämpfen aufrieb!
Voll tiefen Mitleids sah Jsabelle auf ihn, viel® ge Fäden durchzogen schon sein dunkles Haar, eins 'e Falte, von täglicher Sorge rmö gebermen Leids >enö, stand zwischen seinen Augen. Wie gern hätt« m die Falten geglättet und den ernsten, strenge» d geküßt, bis er wieder lächelte!
„Wie es Ruth gebt, braucht man wohl nicht zu fragen! Selbstverständlich gut?"
„Allerdings, Gräfin, meine Schwester schreibt sehr glücklich. Ende August, wenn Neudegg im Nianöveif ist, wird sie kommen."
Gräfin Rechberg wurde aus einen Augenblick anS Telephon gewünscht, und Klaus war mit Jsabelle allein. Ungestüm trat er auf sie zu und faßte nach ihrer Hand.
Jsabelle, ich sehe dich wieder!" flüsterte er mit zurrenden Lippen. „Wie hab' ich mich nach dir gesehnt!"
„ES ist keine Stunde vergangen, Klarrs, in der ich nicht an dich gedacht!" sagte sie einfach und ihre Augen strahlten ihm ihre Liebe entgegen. „Mir war es wie ein Traum, daß du mich liebst?"
„Hast du es nie gefühlt? Bis znm Wahnsinn, Jsa- velle, sehne ich mich nach dir!" sagte er leidenschaftlich. „Und deshalb schrieb ich dir. du solltest fort gehen — sonst hätte ich nicht gewußt, wie das enden sollte. Ach, Jsabelle. und nun bist du frei!"
„Ja, nun bin ich frei," wiederholte sie mit schwerem Atemzug und sah an ihm vorbei. Er betrachtete sie mit verzehrenden Blicken.
„Was wirst dir tun?" fragte er leise.
Sie zuckte die Achsel«.
„Weiß ich's! Ich bin so ruhelos, Klaus, mich leidet eS nirgends lange. Borlänfig fahre ich zu Adele Wohp- Mann nach Dolizdorf."
. _ LübLtietztML ÜMH