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TAllMMve Kenntnis in Italien.

^ Statt kann Nicht eben behaupten, daß unsere Feinde W jenes Augenmaß bewahrt haben. das dazu befähigt, die Tragweite politischer und militärischer Aktionen rich­tig einzuschätzen und ihre nröglichen Folgen im voraus Bit berechnen. England wäre dazu vielleicht noch eher vnstande, weil es der kühlste Rechner ist, aber auch dort hat die Kriegspsychose den klaren Blick getrübt,- wie viel mehr erst unter den romanischen Völkern mit den so leicht aus dem Gleichgewicht gebrachten Geistern! Nur selten findet man in der Presse einen Beweis aus­dämmernder Erkenntnis über die Wirklichkeit von Vor- gängen und des Eingeständnisses von Täuschungen und Enttäuschungen. Eine solche Erkenntnis taucht plötzlich in derStampa" von Turin über den Eintritt Rumä­niens in den Krieg auf; wenn der sehr lange Artikel, der die Ueberschrift trägt:Macht sich der Vierverband ein richtiges Bild der Wirklichkeit?" von der Zensur auch stark beschnitten ist, so läßt sich doch daraus der Ver­druß entnehmen, den man über die Erfolge der verbün­deten Truppen in Rumänien spürt. Das Blatt schreibt

u. a.:

Der Fall von Rumänien ist nur ein schmerzliches Nachspiel einer Lage, in der jede logische Leitung ge­fehlt hat. Nichts hat man vorausgeschen, erst hat die Diplomatie versagt und dann die Strategie. Die wohl­wollende Neutralität wäre für den Vierverband nütz­licher gewesen, als dessen Eintritt in den Krieg. Sie hätte genügt, um Bulgarien und die Türkei in Schach zu halten, das Interesse dieser beiden am Bündnis mit den Zentralmächten wäre verringert, und durch den Eintritt Rumäniens ist ihre Abhängigkeit von Deutsch­land nur erhöht worden. Der Vierverband hätte sich darüber klar werden müssen, daß die Offenhaltung der Verbindung nach Konstantinopel für die Zentralmächte eine Lebensfrage fei und daß sie die größten Anstren­gungen machen würden, sich in den Besitz des rumäni­schen Getreides und Oels zu setzen, welche beide ihre Widerstandskraft außerordentlich erhöhen würden. Die Vierverbandsmächte haben es versäumt, Rumänien so zu unterstützen, wie es der Wichtigkeit letner geogra­phischen Lage und seiner wirtschaftlichen Stellung ent­sprochen hätte. Es würde ungerecht sein, den rumä­nischen Generalstab für die Fehlschläge verantwortlich zu machen, der Irrtum lag von vornherein im ganzen Plan des Kriegs. Die Rumänen wären in der Minder­heit gewesen, selbst ohne deutsche und österreichische Hilfe hätten die türkischen und bulgarischen Heeres­gruppen den Rumänen schon allein das Gleichgewicht gehalten. Die Vorbedingung für einen glücklichen Aus­gang wäre ein Vorstoß von Saloniki aus gewesen, aber um das zu ermöglichen, hätte man Sarrarl mindesten» 800 000 Mann zur Verfügung stellen müssen. Aehnliche Fehler und Mitzrechnungen scheinen auch anderswo vor­gekommen zu fein." ,

Es dämmert in Italien: man scheint sogar den ei­genen Eintritt in den Weltkrieg nicht mehr für besonders klug und glücklich zu halten.

SkiegsMerlei.

Trepows Stellung bereits erschüttert?

Wie lautKöln. Ztg." aus den russischen Zeitungen hervorgeht, hat die innerpolitische Lage Rußlands den höchsten Grad der Unsicherheit und Verwirrung erreicht. Die Wandelgänge der Reichsduma sind mit zahlreichen Gerückten über neue Ministerveränderungen erfüllt. WleUmL.RutzLÄe, Slmna" amWet, i*,^

Stellung Trepows erschüttert. Das jetzt auffällige Lieb- äugeln russischer Kreise mit England habe bei entern Teile der Bevölkerung so tiefe Beunruhigung hervorge­rufen, daß diese Strömung innerhalb einer gewissen Zeitspanne einen gewaltsamen Rückschlag zur Folge ha­ben müsse. Das anmaßende Auftreten der Engländer in Petersburg, ihre Sucht, sich überall hineinzudrängen, verschärfe den Haß gegen England von Tag zu Tag.

Der Verwnndetenanstausch.

Aus Konstanza wird gemeldet: Am Mittwoch ist ein Sonderzug mit erholungsbedürftigen Kriegsge- faugenen nach der Schweiz abgegangen. Ein Schwei­zer Zug mit deutschen Schwerverwundeten trifft am Sonnabend aus Lyon ein.

Ungeheizte Wohnungen in Paris.

DasEcho de Paris" schreibt: Zur Stunde, da wir dies schreiben, sind Tausende von Haushaltungen ohne Heizung, denn in den reichen Kreisen ist in Hunderten von Gebäuden die Zentralheizung abgestellt. Die Zahl der Gebäude, deren Mieter keinen Vorrat angelegt haben, da die Heizung gewöhnlich von dem Hauseigen­tümer besorgt wurde, steigt von Tag zu Tag.

Botschafter Buchenan vor der Abberufung?

DieKöln. Ztg." meldet aus Kopenhagen:No- woje Wremja" berichtet, daß im Zusammenhänge mit dem Regierungswechsel in London bald auch wichtige Veränderungen in den britischen Diplomatie zu erwar­ten seien. In Petersburger diplomatischen Kreisen rech­net man auch mit der baldigen Abberufung Buchenans aus Petersburg.____________________________________

Politische Rundschau.

Die Einführung einer Zwangsmassenspeisung ist nicht beabsichtigt. So teilt das Kriegsernährungsamt auf Anfrage mit. In gleichem Sinne hat sich auch der württembergische Minister des Innern im Ausschutz der Württembergischen Kammer ausgesprochen. ,seiner wiG berichtet, daß die Verhnndlungeu über die Regelung des Handels mit Ersatzstoffen für menschliche und tierische Ernährungsmittel dem Abschluß nahe seien, und daß voraussichtlich bald entsprechende Anordnungen ergehen

Das neue österreichische Kabinett. Wie verlautet, wird das neue Kabinett wie folgt zusammengesetzt sein: Präsidium und Ackerbau: Graf Clam-Martinitz: Inne­res: Freiherr v. Handel: Handel: Dr. Durban: Ar­beiten: Frhr. v. Truka: Kultus und Unterricht: Frei­herr v. Hussarek: Ministerium für Galizien: Dr. Bobr- zinsky: Landesverteidigung: Freiherr v. Georgi, Finan­zen: Dr. v. Spitzmüller: Justiz: Fre,Herr v. Schenk: Eisenbahtlen: Frhr. v. Froster: Minister ohne Porte­feuille: Dr. Bürnreither.

Ein amerikanischer Warner. Wie dieFrkf. Ztg." aus Neuyork meldet, unterbreitete General Scott dem Kvngrößgnsschutz Belege zum Beweis, daß die Ber­einigten Staaten für einen internationalen Konflikt voll­ständig unvorbereitet seien. Er sieht eine schwere Ge­fahr in dem englisch-japanischen Bündnis und verlangt ein Heer von drei Millionen Mann auf der Grundlage allgemeiner militärischer Ausbildung.

Eine Aussprache über das Hilssdieustgesetz.

Der aus 15 Mitgliedern bestehende Ausschuß des Reichstages zur Mitwirkung an dein Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst trat am Mittwoch unter dem

Vorsitz der Mg. Gokhem zu ferner ersten Myung an* i sammen. Vom Kriegsamt war General Gröner mit Kommissaren vertreten. Auch Vertreter der Preußischen Eisenbahnverwaltung waren anwesend. Im Ausschutz fand eine allgemeine Aussprache statt, aus der folgendes Mitgeteilt fei:

An die Stillegung von Betrieben wird vorläufig nicht gedacht. Es ist ein Ausschutz gebildet worden, der die in den einzelnen Industrien notwendigen Maßnah­men vorbereiten soll. Zwangsmaßnahmen sollen vor­läufig durchaus vermieden werden. Die notwendigen Eingriffe sollen vielmehr durch Vereinbarungen getrof­fen werden. Dagegen wird eine weitere nicht unwesent­liche Einschränkung des Personen-Eisenbahnverkehrs erfolgen, und zwar sollen die Personenzüge nach Mög­lichkeit vermindert werden, während die Schnellzüge, besonders die der großen Verkehrslinien, aufrecht er­halten bleiben sollen. Um die Eisenbahnen zu entlasten, soll die Binnenschiffahrt mehr als bisher ausgenutzt und entsprechend auf jede Weise gesördert werden. Güter, die in jetziger Zeit nicht unbedingt notwendig sind, sol­len zurückgestellt werden. Man nannte als Beispiel hierfür u. a. die Beförderung von Klavieren,- überhaupt bezieht sich diese Maßnahme auf die Luxuswaren. Da­gegen soll der Kohlentransport als besonders dringlich bevorzugt werden. Man will dabei aber die Vorräte, die die einzelnen Kohlenhändler haben, prüfen und zu­erst sollen diejenigen berücksichtigt werden, deren Vor­räte aufgebraucht sind oder zu Ende gehen. Alle Sorg­falt soll der Beförderung von landwirtschaftlichen Pro­dukten gewidmet werden. Um die landwirtschaftliche Produktion möglichst zu fördern, ist ein Achtmänner- Ausschutz, der aus hervorragenden landwirtschaftlichen Sachverständign bestellt, gebildet worden. Weiter soll für ausreichende Beköstigung der Munitionsarbeiter, möglichst auch an der Arbeitsstelle, gesorgt werden. Es sind bereits umfassende Vorkehrungen getroffen wor­den. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Zivildienst- pflichtigen nicht dem Militär-Gesetzbuch unterstehen, auch dann nicht, wenn sie Bahnen bewachen.

Zu den Händen derBatisten.

Aus Heimatberichte« feindlicher Soldaten.

Wir Deutschen sind und bleiben die Barbaren. Der Belgier Maeterlink hat kürzlich wieder eine neue Barva- renode über den großen Teich hinweg erklingen lassen. Jeder, der unsere Soldaten bei ihrer Not-Blutaroeit im Dienste des Hart angegriffenen Vaterlandes fah, fchämt sich solcher Verleumdungen, auch wenn er uns als seinen Feind haßt. Den besten Eindruck des Tuns und Treibens unserer Soldaten dem Gegner gegenüber bekommt man aber wohl aus den Hermatberiwten ein­facher feindlicher Soldaten, die von ihrem Zusammen­treffen mit dem deutschen Gegner ihren Lieoen dayeim erzählen.

So fanden sich bei einem bei Verdun gefangenen französischen Soldaten folgende Aufzeichnungen, die recht deutlich erkennen lassen, wiebarbarisch" unsere Soldaten den gefangenen und verwundeten Gegner be­handeln. Der französische Infanterist schreibt:Die Deutschen waren 50 Nieter von uns entfernt und schre- tzen uns von hinten auf den Pelz. Mehrere meiner Ka­meraden fallen an meiner Seite. Ich nehme mein Ge­wehr in die -Hand und werfe meinen Tornister zur Erde. Ich kriege eine Kugel in die rechte Hand, oben am Dau­men. Ich gehe etwas weiter, da kommt eine zweite M«d--rrifft^nmst-ti m '-recht err^Brim^SM-siMMMWMWS und bleibe bet meinemAdjutant", meinemSergeant". Wir mußten mit dem ersten Zug der Nnverwmideten fort und ich habe dort mit meinemAdjutant" und meinemSergeant" bleiben müssen, die beide ein durch­schossenes Bein hatten und ungeheuer viel Blut verlo­ren hatten. Marechal, der eine Büchse Sardinen mit einem Stück Brot aus seinem Brotbeutel, reichte mir beim Fortgehen davon. Ich nahm mit Vergnügen an, aber ich hatte kein Brot. Doch der deutsche Soldat, der uns bewachte, bot mir ein Stück aus seinem Brotbeutel an, das ich mit Vergnügen annahm. Ich esse mit gutem Appetit. Seit einigen Tagen hatten wir beinahe nichts mehr gegessen. Dann wurden wir durch die deutschen Sanitäter, die sich mit großer Sorgfalt unser annay- men, und sehr gut gegen ihre Verwundeten waren, ver­bunden. Als der Verband fertig war, bedankten wir uns, und sie verließen uns und folgten ihren Kanre- raden, die immer noch int Walde vorrückten. Schließ­lich wurde der Wald genommen und wir lagen in einem GranatloH zu dreien, überall umgeben von Lei­chen unserer lieben Kameraden, die sich einige Stun­den vorher noch hartnäckig verteidigten. .... Wie in Sergeant, der sehr gut deutsch konnte, sagte zu mir: Ich will Dir ein paar Zeilen aufschrethen und damit kannst Du einen Verbandplatz aufsuchen. Dann schrieb er mir im Walde eine Karte auf deutsch, und dann ging ich fort. Ich gerate auf eine deutsche Batterie und gehe auf sie zu. Ich weiß nicht, ob es ein Oberleutnant oder ein Leutnant war. Ich reichte ihm die Karte hin,- er las die Karte. Er fragte mich:Verwundeter deutscher Offizier?"Nein, Herr Oberleutnant," antwortete ich, zwei verwundete französische Offiziere, feit gestern nachmittag 2% Uhr, die ganze Nacht haben sie im Walde Angebracht." Der Offizier fragte mich:Seid ihr weit im Walde?" Er sprach geläufig französisch.Nein," antwortete ich ihm,20 Mieter vom Waldrand an der Straße." Dann ruft der Offizier sofort einen Mann vom Sanitätsdienst und spricht mit ihm. Ich verstand nichts von dem, was er dem Soldaten sagte. Dann wendete er sich zu mir um und sagte:Ich habe Leute bestimmt und werde selber mitgehen." Ich antwortete ihm höflich:Danke sehr" und grüßte ilm militärisch. Meine Kameraden erwarteten mich ungeduldig. Dann ging ich nach dem Walde zurück. Der Offizier und ich kamen bei ihnen an. Er fragte den Sergeanten und meinenAdjutant". Sie hoben sie auf und brachten sie sofort hinter ihre Linien: ich konnte zu Fuß geben, aber nur schlecht. Es waren jedoch nur zwei Kranken­träger da, die ich meinen Kameraden ließ, weil sie gar nickt gehen konnten mit ihren durchschossenen Beinen und dem ungeheuren Blutverlust. So kamen wir an einen Verbandplatz weit hinter den Linien, dort waren französische Aerzte und Krankenträger. . .

Der Tagebuckschreiber schildert dann, wie sie noch weiter rückwärts geschafft wurden und fährt fort: Dann wurden wir noch 2 oder 3 Klm. weiter rückwärts trans­portiert in eine verlassene Scheune, wo deutsche Trup­pen lagen. Bei unserem Eintritt waren wir etwa 15 französische Soldaten. Sie drückten uns die Hand und reichten uns gern ihren Kaffee, Zigaretten, Tabak und Zigarren. Die Sanitäter nahmen sich unser an, um uns einen sauberen Verband zu machen. Dort blieben wir bis abends 5 Uhr.

So behandeln die Derftschen ihre Feinde nach dem Bericht von Leuten, die es am eigenen Leibe erfahren. Sollte das Ausland nicht wirklich allmählich für die Stimme der Wahrheit wieder ein Ohr bekommen? Man sollte es haften!

Vermischtes.

Ei« Beispiel für Amerikas Kriegsgewinne. Ein bezeichnetes Beispiel für die ständig steigenden Ge­winne der amerikanischen Rüstungsindustrie bietet der (sleschäftsbericht der Herkules Powder Company über die verflossenen neun Monate dieses Jahres. Der Bruttogewinn des Unternehmend, das eines der Haupt- pulerlieferanten der Entente ist, betrug in diesem Zeit­raum 43, 88 Millionen Dollar gegen 8,68 bzw. 5,97 Millionen Dollar im gleichen Zeitraume der beiden Vorjahre. Trotz großer Abschreibungen blieb der Net­togewinn mit 13,11 Millionen Dollar gegen 2,36 und 0,99 Millionen Dollar außergewöhnlich hoch Im Zu­sammenhang damit stieg auch die Dividende der Ge­sellschaft auf 40 Prozent gegen 10 bzw. 4S Proz. in den beiden Vorjahren.

Eine aufregende Szene spielte sich im Tiergarten zu Landau (Pfalz) ab. Dem BärMikosch" gelang es, von dem Baumstumpf des Zwingers auf die Mittel­wand zu gelangen. Der 18 Jahre alte Gymnasiast Karl Emmer, der ihm zusah ergriff nun die Flucht, das Tier aber spang über das Gitter ihm nach und warf ihn nie­der. Ein Soldat, der von der Anhöhe aus aufmerksam wurde, alarmierte die Wachmannschaft der Kaserne, die nun auf den Bären schoß, während dieser auf dem Gym­nasiasten stand. Nach dem dritten Tckuß legte sich das Tier um. Der Gymnasiast hatte durch die Tatzen des Barenschwere Kopfwunden und wurde ins Spital ge­bracht.

Die Bleistifte werden teurer. Die allgemeine Teue­rung erstreckt sich nun auch auf die Bleistifte. Der Ver­band deutscher Bleistiftfabriken, der im Anfang des Krie­ges bereits einen Teuerungszuschlag von 25 Prozent vorgeschrieben hatte, erhöhte diesen Zuschlag auf 60 Pro­zent für die besseren Sorten. Kopier- und Tintenstifte, die bereits einem Aufschlag von 10 Prozent unterlagen, erhalten nunmehr einen solchen von 25 Prozent.

Butterlose Tage zugunsten Schwerarbeiter. Im Kreise Görlitz kamen die Landwirte überein, zum Besten der Hindenburg-Spende im Monat drei butterlose Tage einzurichten.

Vorweihnachlen im Felde.

Aus dem Felde wird derDtsch. Tgsztg." geschrie­ben: In die wittere Alltügckcyreft unteres Kriegsda- seins stiehlt sich ganz heimlicy ein Schimmer von Poesie von sagenhaft fernem Friedensglück. Da und dort hebt ein Wispern und Raunen und Pläneschmieoen an; in Wäldern und Gärten werden schon immergrüne Bäume mit prüfenden Blicken gemessen, und der und jener überlegt, wie er gerade das Bäumchen wohl in seinen Unterstand oder in sein Ruhemger verpflanzen könne: in den Schreibstuben hacken kreischende Federn einen Augenblick inne, denn aus dem dürren Wald von Ver­ordnungen, Befehlen und Listen steigt ein unerwartet lieblicher Duft auf; zwischen der Anforderung von Handgranaten und irgendeinem Verbot steht der Befehl, daß bis zu dem und dem auf dem Dienstwege zu mel­den sei, wieviel Tannenbäume die Kompagnie, die Ko­lonne, der Stab gebraucht. Wie jeglicher Nachschub ge­ordnet und geregeck, wie fast jedes einzelnen Mannes Wunsch nach Möglichkeit erfüllt wird, so wird auch da­für gesorgt, daß am Heiligabend überall, in West und Ost, an der Küste, auf dem Meere ein Bäumlein oder sei's nur ein grünes Zweigleiu fesllichen Glanz ver­breite.

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sich, ein bißchen geseufzt wird auch dabei:Nun schon das dritte Christfest im Felde! Mein Junge kann sich nun schon am Tannenbaum freuen, und ick kann mich nicht mit ihm freuen", aber alle Herbheften, die in man­cher Brust da aufsteigen, werden männlich überwunden, und jeder trägt in sich einen heimlichen kleinen Lichter­baum. Das sind die freundlichen Sorgen: wie machst du den Deinen daheim das Fest leicht und schön, aber auch die fröhlichen Aufregungen: wie wollen wir hier drau­ßen in Feindeslarrd unser Fest begehen? Da fehlt es nicht an Ueberraschungen, allerlei Scherzen und Anfpie- lungen, ein Gesangverein wird zusammengetrommelt und übt, wie er meint: ganz unbernerkt, Weihnachts­lieder ein, die Handwerker, die alles können müssen, werden angestellt, der Kompagnieschreiber verrät, was von einer Liebesgabenkiste aus der unermüdlich spen­denden. ja opfernden (denn jetzt ist das Geben im wahr­sten Sinne ein Verzichten) Heimat.

Ganz unbewußt wird die grausame Wirkftchkeft übersponnen von einem Heimsich stillen FreudegefüSl, das neue Brücken schlägt zwischen Feld und Heimat und von der vordersten Sappe bis tief hinein ins Etappen­gebiet geht diese Vorweibnacktssftmmung, ohne alle Sentimentasität. echt deutsch. Eben trägt eine vorbei- fabrende Muuitionskolonne so ein grünes, friedliches Bäumchen mit sich fort, als Zeichen des nahenden Fe­stes. Und einer bsinch mir die frobe Mär, wir bekämen dieses Fahr grobe Laöunaen mit den allerichch-sten Christbüirmen aus der Walachei Weihnachtsbäume SiegesMume!

Weitere Drahtnachrichten.

Auch Asguitb will Gen«gt»««g «vd Bürgschaften.

** Rotterdam, 21. Dezencker. (T. U.) Aus Lon­don wird lautB. T." gemeldet: Asquith sagte im Un­terhause: Wir alle sehnen uns nach Frieden, aber er darf mckt unbeständig sein, sondern es muß ein Friede sein, der das Ziel erreicht, wofür wir in den Krieg ge­gangen sind. Ick sage nachdrücklich, es ist in der deut­schen Note nichts zu sehen, was mir die geringste Hoff­nung zu der Annahme gibt, daß Deutschland gewillt ist, den Alliierten Genugtuung und Bürgschaften zu geben.

DerNianckester Guardian" sagt: Lloyd George hat nicht, wie einige seiner Anhänger wünschten, die Tür mit dröhnendem Schlag geschlossen. Der Reichskanzler muß sich aber bescheidener und ausführlicher ausdrücken, ehe er eine günstige Antwort erwarten kann.

Die Reuporker Presse über das deutsche Friedens­angebot.

»-#- Haag, 21. Dezember. (T. U.) Ein Telegramm derTinces" aus Neuvork behandelt lautB. T." die dort vorherrschende Nicinung über das Friedensange. bot. DieEveningpost" sagt, Wilson glaube nicht, daß Llond George das ganze Geschäft ablehnen und die Friedensbewegungen in der Entstehung töten wolle. Ebenso verhält sich die öffentliche Meinung. Sozusagen alle vernünftigen Lenke glauben, daß England zum min­desten schlecht beraten wäre, wenn es die Vorschläge des Kanzlers beiseite lege. DieTimes" siebt eine erhebliche Besserung in der Stimmung für Deutschland in Ame­rika voraus.

Die Lage in Griechenland bleibt ungewiß.

w> Bcr«, 20. Dezember. (WTB.)Echo de PariS" meldet aus Athen, Sie Lage bleibe ungewiß. Die königs- treue Presse fordere die Regierung auf, eucrgisch von zugeben. Der Berner Fuulsprnch über das Friedeusi angebot habe tu Athen ungeheuren Eindruck gemacht.