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Zur englische» Kabinettskrise.

T. U.-Drahtung aus Amsterdam.

Einem hiesigen Blatt wird aus London berichtet, Satz am Dienstag ein Gerücht dem anderen folgte. Gegen Abend wurde gemeldet, daß Lloyd George endgültig als Staatssekretär des Krieges zurückgetreten sei. Dies rief große Sensation hervor. In den Berichten wird gesagt, daß Asquith die Bildung ernes Kriegsrates, dem er selbst nicht angehöre, verweigerte. Lloyd George blieb jedoch auf feinem Standpunkt bestehen und reichte daher seinen Abschied ein. Asquith habe als guter Patriot eingesehen, daß das Land die guten Dienste Lloyd Georges, dessen Vorgehen durch die französische Presse sympathisch be­sprochen wurde, nicht entbehren könne, und habe deshalb selbst um seine Entlassung gebeten. Asquiths Rücktritt wird in vielen Kreisen bedauert, besonders unter den Liberalen.

Die Neubildung des Kabinetts, wozu sich Asquith am Sonntag entschloß, wird nun radikal durchgeführt. Wer jedoch der neue Ministerpräsident sein wird, bleibt noch dahingestellt. Obwohl alle Umstände auf Lloyd Ge­orge Hinwersen, wird er vielleicht verzichten, die Führung des neuen Kriegsrates zu übernehmen und die Füh­rung der Regierung einem anderen Mann überlassen um nicht den Eindruck zu erwecken, als habe er versucht, an Asquith's Stelle zu treten. Es ist möglich, daß der König auf Asquiths Rat hin Bonar Law mit der Vil- dnng des neuen Kabinetts betrauen wird. Eine Ent- fcheionng wird hierüber bald erwartet. Man hält es auch für möglich, daß Grey zugleich mit Asquith zurück­treten wird und daß Balfour aus der Amiralität aus- scheidet. Die Regierung wird ein ganz anderes Aus­sehen erhalten und aus neuen kräftigen Männern zu­sammengesetzt werden, welche eine energische Durchfüh­rung des Krieges verbürgen.

Bonar Law lehnt ab?

DieWestminster Gazette" schreibt laut einer Lon­doner T. U.-Drahtung, daß die politische Atmosphäre noch in keiner Weise geklärt sei. Die ganze politische Lage befände sich noch im Ungewissen, da Bonar Law der Aufforderung des Königs, ein neues Kabinett zu bilden, nicht entsprechen will. Er hält sich nicht für geeignet, als erster Minister auszutreten.

Englands Ubootsorgen.

Der wirkliche Lebenswittelkontrollenr das deutsche Uboot".

Wie aus London berichtet wird, hat dort am 2. De­zember eine Versammlung in der Londoner City eine Re-" solution angenommen, daß die Admiralität sofort Maß­nahmen treffe« müsse, um der Bedrohung des britische« Ueberseehandels durch Uboote und Minen entgegenzu- trete«. Lord Beresford erging sich in scharfen Angriffen auf die Regierung. Gibson Bowles habe die Lebens­mittelkontrolle übernommen, aber der wirkliche Lebens­mittelkontrolleur sei jetzt das deutsche Uboot.

Zu dem Ubootsangriff gegen Funchal schreibt der PariserTemps": In gewisser Hinsicht beginne jetzt für die Ubootschiffahrt eine neue Aera, denn zum ersten Male hätten Tauchboote einen regelrechten Kampf gegen die Küste unternommen. Man müsse heute mit Artille- rieangriffen von Tauchbooten rechnen ud Gegenmaß- regeln treffen.

Sie Enlenleschlappe in Athen.

Nach den vorliegenden Athener Meldungen gilt als waltÄthens und der Waffendepots zu bemächtigen, durch das empörte Heer und Volk sich eine blutige Schlappe geholt und sich hat zurückziehen müssen. Die Wiener Blätter erkennen darin zugleich eine schwere politrsche Schlappe des Verbands, der bisher immer behauptet habe nur der König und einige schlechte Ratgeber wider­setzten sich den Forderungen des Verbands, nun aber das gesamte Volk auf feiten des Königs und zu blutigem Widerstand entschlossen finde. Die Ankündigung, des Verbands, für diesenAnschlag" genannten berechtigten Widerstand Genugtuung zu verlangen, geißeln bte Blat­ter kräftig. So schreibt die Reichspost unter der Ueber- schriftRachedurst der Hereingefallenen": Die Forde­rung des Vierverbands nachstrenger Genugtuung für den schweren Anschlag" ist eine würdige Fortsetzung der Komödie. Zuerst veranstaltet der Vierverband gegen das schwache neutrale Land einen Anschlag, stellt eine große Flotte, Landungstruppen, bezahlte _ Soldlmge hierfür bereit, bricht die Neutralität des überfallenen Landes durch Ausschiffung von Bewaffneten mit Ma­schinengewehren und Geschützen, und als ihm dann der beabsichtigte Waffenraub nicht gelingt und die gelandete Räuberbande schmählich davongejagt wrrd, sind nicht bte Räuber, sondern die Verteidiger ihres eigenen Bodens die Anstifter einesschweren Anschlags", und nicht die Räuber, sondern diejenigen, die sich nicht berauben lie­ßen, sollenernste Genugtuung" geben. Das Pharicher- tum des Vierverbandes ist schon ekelerregend.

T. U.-Drahtung ausRotterdam.

Lord Crewe erklärte im englischen Unterhause in Beantwortung einer Frage über die Lage in Griechen­land: Aus einer Depesche des englifchen Gemndten in Athen folge, daß dieReservistenbanden" welche bei den Angriffen auf die Ententetruppen und den an den Ve- nizelisten begangenen Grausamkeiten ihre Hand im Spiele gehabt hatten, aufgelöst worden seien und die Stadt jetzt von den regulürerr Truppen der griechischen Armee bewacht werde. Mittlerweile habe der englische Gesandte den englischen Untertanen .geraten, sich nach dem Piräus zu begeben, wo sie, in Sicherheit gebracht worden seien. Obgleich man seine direkte Gefahr für Leben und Eigentum der englischen Untertanen in Athen befürchtet, wünschen wir, schloß Lord Crewe, doch damit nicht zu sagen, daß die Regierung die Lage in Athen nicht als ernst ansieht.

Zurückhaltung der Griechen i« den Enteutelünder«.

DerMatin" meldet aus London: Die englische Regierung untersagte den in Großbritannien aufhält- lichen griechischen Staatsbürger« ausnahmslos die Ab­reise aus England. Gleiche Maßnahmen der arideren Ententestaaten werden vomMatin" als bevorstehend bezeichnet.

Skandalszenen in der italienischen Kammer.

T. U.-Drahtung aus Lugano.

Vosellis Rede bei der Eröffnung der italienischen Kammer, die eine Wiederholung der sattsam bekannten Rnhnrrcdereie« brächte, wurde zwar mit starkem Bei­fall begleitet, findet aber rveder bei der sozialneutrali­stischen noch interventioniftifeßen Presse ungeteilten Beifall. Das Verhalten der Sozialneutralen, die bei Vosellis hochtönenden Erklärungen und Barzilais An- klage» gegen Oesterreich ruhig sitzen blieben, rief den ersten großen Kammerskandal hervor. Die Abgeordne­ten lärmten, trampelten mit den Füßen und schrien: Oesterreicher! Schämt Euch! Hinaus!' Schließlich entstand eine allgemeine Prügelei. Ein Abgeordneter ruft:Reicht den Giolittianern die Hün^, fort mit Äl" Erst nach längerer Lest gelang es, die Ruhe

Wieder herzusteiien.Popow ^Maltet* nimmt gegen Abhaltung einer Geheimsitzung Stellung, da man von den 300 gtolittianischen und sozialistischen Abgeordneten Ueberraschungen befürchtet. Das Volk müsse daher die Kammer überwachen, denn die Kammer, welche die Debatte eines Friedensantrages gestatte, sei des Vol­kes Vertrauen nicht wert. Der Mailänder Gemeinderat hat den Beschluß gefaßt, den Friedensantrag der So­zialisten zu unterstützen.

Liebenswürdigkeiten in der D«ma.

Nach Petersburger Meldungen unterbrach der Prä­sident der Duma bei der Debatte über die Regierungs­erklärung verschiedene Male den Führer der äußersten Rechten Markow, welcher darauf den Präsidenten einen geschwätzigen Flegel" nannte. Markow behauptete, daß die Duma in früheren Sitzungen hohe Personen belei­digt hätte und daß er deshalb die Duma in der Person des Präsidenten vorsätzlich beleidigte. Rodzianko verließ hierauf den Präsidentenstuhl. Auf Antrag des Vizeprä­sidenten Grafen Bobrinski wurde Markow für die Dauer von 15 Sitzungen von den Beratungen ausgeschlossen. Als die Sitzung wieder ausgenommen wurde und kein Redner der äußersten Rechten mehr anwesend war, äußerten die Vertreter sämtlicher Parteien ihre Ent­rüstung und gaben ihrer Sympathie und Achtung für Rodzianko Ausdruck.

Das HandelsubootBremen".

Was die Deutsche Ozeanreederei sagt.

Der Präsident der Deutschen Ozeanreederei in Bre­men, Herr Dr. Alfred Lohmann, macht derKöln. Ztg." folgende Mitteilung, die zwar den mannigfachen Er­örterungen in der Bevölkerung über das mutmaßliche Schicksal des HandelstauchbootesBremen" keine genau bestimmten Tatsachen entgegenstellt, aber doch insofern zu begrüßen ist, als sie die Gründe der Reederei für ihre Zurückhaltung gegenüber der auch vom feind­lichen Ausland scharf überwachten Oeffentlichkeit an- führt. Herr Dr. Lohmann äußert sich wie folgt:Die zahllosen Anfragen, welche die Zeitungen und wir hin- sicbtlich derBremen" erhalten haben, beweisen- die warme Teilnahme weiter deutscher Kreise an dem Er­gehen unserer Handelsunterseeboote. Ein starkes, wenn auch ganz anders geartetes Interesse daran bezeugt ebensalls der Feind, indem er infolge Ausbleibens je­der Nachricht von unserer Seite über dieBremen" alle möglichen Enten der wildesten Art losläßt. "Ein­mal soll dieBremen" in Amerika torpediert sein, ein andermal soll sie ausgebracht sein und in Dover liegen. Alle diese Mitteilungen sind glatt erfunden und sollen nur dazu dienen, von uns eine Antwort herauszufor- dern. Dieser Versuch wird jedoch wie bisher vergeblich bleiben. Mir liegt daran, unseren deutschen Mitbür­gern mitzuteilen, daß die Deutsche Ozeanreederei an­gesichts unserer Feinde lediglich eine Meldung veröf- sentlicht, die jeweilige Ankunft der Boote hüben und drüben, alle sonstigen Nachrichten, wie sie in den Zei­tungen erscheinen, stammen nicht von uns.

ßtiegsnlletleL

Erneute Gerüchte über die Abdankung -es Königs von Rnmänie«.

Die italienische Presse verzeichnete das Gerücht, der König von Rumänien wolle nach schweren Konflikten mit Bratiauu, Berthelot und dem russischen Gesandten Massalow abdanken.

Amerika will, wie ein Neuyorker Funkspruch Dtsch. Tgztg." besagt, Frieden, da es nichts mehr am Krieg verdienen kann, wegen der starke« Abnahme a« Munitions-Beftellungen. Zudem sind die Anleihen aller Länder riskant. Man warnt Banken und Privat­leute vor Anlagskapitalien ausländischer Schatzscheine und ungesicherter Anleihen.

Wie England seineHospitalschiffe" gegen die Barbaren" schütze« will.

Der pensionierte Admiral Freemarrtle macht in der Morning Post" vom 28. 11. den Vorschlag, zum Schutze der Hospitalschiffe an Bord eines jeden ent­sprechend seinem Fassungsvermögen 25 oder 50 deutsche Gefangene, darunter etwa 5 Offiziere, unterzu­bringen und dies der deutschen Regierung bekanntzu­geben.

Politische Rundschau.

Der preußische Haushaltsplan für das kommende Wirtschaftsjahr 1917 wird dem preußischen Landtag vor Weihnachten nicht mehr zugehen. Die Vorarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Der Haushalt wird daher frühestens Mitte Januar dem preußischen Landtage vorgetegt werden. Gegenüber dem Vorjahre sind ein­schneidende Aenderungen vermieden worden. Der Reichshaushalt für = 1917 wird erst im Februar im Reichstage zur Beratung kommen. .

Gegen die Erhöhung der Kohlcuprerse hat außer den umfangreichen Beratungen über NahrungÄnittelsragen der Vorstand des Deutschen Städtetages Stellung ge­nommen. Eingehend wurde auch die Finanzlage der Städte besprochen: es soll erneut und nachdrücklich darum gebeten werden, die städtischen Kriegslasten aus Reichs- mitteln zu erstatten. Zur Stärkung, unierer smanz- krast überhaupt will der Stadtetag seiner,efts den bar­geldlosen Verkehr nach Möglichkeit fordern.

Der sozialdemokratische Abgeordnete W Hat die Reichstagskandidmur für den, Wahlkreis Bochum-Gel- senkirchen-Hattingeu-Witten meöergelegt. Er begrün­det diesen Entschluß mit den kürzlich tu Hcrne gefaßten Beschlüssen, die im Sinne der sozialdemokratischen Mm- beM gehalten waren: wenn auch diese Beschlüsse nur mit geringer Mehrheit gefaßt worden seien, so befür- worteten sie doch eine Politik, die den Jutereyen Deutschlands und dämm auch der deutschen Arbeiter zuwioerlaufe.

Einstige IDithingen unserer Stiege* etniifjrung.

Allen Flaumachern zum Trotz und bett Feinden ringsum zum Verdrusse hat die uns aufgezwungene Kriegsernübnmgsweise auch manche gute Nebenwir­kung gezeitigt. So bat Santtatsrat Dr. Stille, ein um die Berichtigung unserer ursprünglichen Anschauungen über Ernährung hochverdienter Gelehrter, der in Siade als Armenarzt tätig ist und auch sonst eine ausgebrer- tete ärztliche Tätigkeit ausübt, lehrreiche Beobachtungen geinacht, die er vor kurzem in der Fachpresse veröffent­licht hat. Seine Ausführungen verdienen bte sorg­samste Beachtung im deutschen Volke. Einiges davon sei hier festgehalten. ,

Da nach allgemeiner Ansicht zu dürftige Ernährung eine erhöhte Veranlagung für Erkrankungen bewirken soll, hätte man erwarten müssen, daß die Gesundheits- verhältutLe zurzeit bet uns (ehr schlecht wären. Das

ist aber vuMcms nicht ser Fast: es gibt eptdemtfchr Krankheiten (außer den bis letzt unausrottbaren, wie Diphterie, Scharlach, Masern, Keuchhusten u. bergt.) im Mnde nicht. Ueberhaupt gibt es, wie auch bte Er­fahrungen der Krankenkassen lehren, nicht mehr, son­dern eher weniger Erkrankungen als in Friedenszei­ten, wobei auch die Abnahme der Trunksucht günstig mitwirkt. Unter diesen Umständen ist auch die Sterb- lichkeü nicht höher als vor dem Kriege. Man kann nicht anders sagen, als daß die jetzige knappe, ab- wechslui.gslose Ernährung dem Volke gesundheitlich ganz gut bekommt. Dr. Sülle weist darauf hin, daß die herrschende Ernährungslehre, die etwa die doppelte Eiweitzmenge von der verschreibt, die heute verfügbar ist, nunmehr durch die Kriegsernährungserfahrung glatt widerlegt ist. Man erlebe in dieser Zeit eine Maf- senerfahrung, die eine weit größere Beweiskraft habe als die Versuche, die von unseren Physiologen an Ein­zelpersonen angewandt worden sind. Nach genauer Be- rechnung des Nährwertes, seiner eignen Nahrung hat Dr. Stille in der Hauptsache täglich verzehrt: % Pfund Brot, 1 Pmnö Kartviieln, % Liter Milch, 25 Gramm Rindfleisch, etwa 20 Gramm Butter und 25 Gramm 3mEer, iinb bei dieser Nahrung erhält er seine ärztliche Arbertskraft in vollem Maße aufrecht. Er bekennt selbst, darüber nunmehr belehrt zu sein, daß man mit so ge- nngen Fetten auskommen könne, nachdem er es frü­her für unmöglich gehalten habe, Kartoffeln ohne jedes Fett zu genießen. Von der Wirkung seiner eigenen fast fetttreien Nahrung, bte nur 55 Gramm Giweiß enthält, wogegen sonst 120 Gramm Eiweiß und 30 Gramm Fett ostczrell" für nötig gehalten werden, sagt Dr. Stille, daß er sich nie erschöpft fühle, obwohl seine Tätigkeit so groß fast roce nur je in feinen jüngeren Jahren fei; §uter Appetit und Schlaf lasse ihn alles mit Leichtig- fett überwunden.

Gleich günstig wirkt das Fehlen vieler Reiz- unb Betäubungsmittel, von denen manche zur Friedens- seit wohl stark gebraucht worden sind, allenthalben auf das WohlbetlNöen ecn. Die meisten solcher Mütel, die schon von den ältesten Zeiten her im Gebrauch gewesen sind, liefert das Pflanzenreich, neuerdinas viele die Chemie. Auch die verhältnismäßig harmlosen unter ih- üe«, wie Kaffee, Tee, Kakao, sind jetzt im Kriege im Gebrauche bet uns äußerst eingeschränkt, und daß dem w tft, ist garnicht ohne allgemeinen Nutzen, zumal für Korund Nerven Vorläufig hat uns der Krieg die mei­sten Reiz- und Betäubungsmittel genommen und bannt öwerselvohne gute Nebenwirkung getan. Der Alkoholge- nutz ist unter der Kriegswirkung sehr erheblich zurück- gehrangt worden. Daß auch der Tabak spärlicher und im­mer teurer geworden, ist den leidenschaftlichen Rau­chern schmerzlich, aber manch einem von ihnen als Zwang zur Selbstenthaltung immerhin auch von Nut- &6Xt*

X ^V^y wir, daß das harte Muß auf allen Fron- ten des Kriegsernährungswesens über Erwarten den Stnselnen wie der Gesamtheft frommende Wirkungen und Nebenwirkungen ausgelöst hat: In der Beschrän- kung zeigt sich der Meister auch im Weltkriege!

Vermischtes.

Die neue Polizeistunde. Die erste Verordnung über die angeordneten Maßnahmen zur Einschränkung des Verkehrs tit in Dresden erlassen worden. Die Polizei- 1 tunde ist im ganzen 12. Korpsbezirk aus 11 Uhr fest­gesetzt worden. Die Lichtreklame ut verboten.^'

Riesensotdat steht gegenwärtig in der nieder- ichlemchen Festung Gloga», wo ein nicht weniger als 2 Meter 4 Zentimeter messender Vizefeldwebel in einem Armierungsbataillon Dienst tut.

Eine gemeingefährliche Wahrsagerin wurde in der Person der Buchbinderswitwe Auguste Hertel in Dres- den-Cotta dem Schöffengericht vorgeführt. Sie kündete die Zukunft aus den Bewegungen eines in ein Glas Wasser geschlagenen Eies und sagte besonders Krieger- frauen wahr. Die Frau ließ sich stets 50 Pfg. geben und gab zu, selbst nicht an ihren Hokuspokus zu glau­ben. Nur infolge ihrer UnbescholtenSeit kam sie mst vierzehn Tages Gefängnis davon.

Von einem falschen Gepäckträger «m 6000 Mark gebracht würde in Berlin eine Dame, die sich auf der Reise von Bromberg nach München befand. Bei der Ankunft in Berlin bot sich ein junger Mann an, ihr den Koffer von einem Bahnhof zum näheren zu tragen. Mit bett Verhältnissen nicht vertraut, übergab sie ihm vertrauensselig den Koffer, mit dem der Träger unter­wegs verschwand. Er enthielt Kleidungsstücke, Hüte, Schuhe, Schmucksacheu und dergleichen und ein Spar­kassenbuch der städiischen Kasse zu Bromberg, alles in allem für 6000 Mark.

Die hohe« Fischpreise, deren Abbau jetzt endlich durch behördliche Maßnahmen erfolgen soll, werden durch folgende Meldung treffend illustriert. Am letzten Sonnabend wurden in Kiel 700 bis 800 Kisten heimischer Heringe an den Bormittagsmarkt gebracht, von denen die kleinere Ware mit 100 Mark für die Kiste bezahlt wurde, während größere Heringe den Preis von 40 bis 45 Mark für das Wall von 80 Stück erzielten. Der He­ringsfang eines einzigen Boots würbe mit 30 000 Mark bezahlt.

Schwindel mithaltbaren Schuhsohle«". Der Kauf­mann Dukallki in Berlin hatte im März d. J. in zahl­reichen AnzeigenWasserdichte und haltbare Schuhsoh­len, das Paar nur 1,25 Mark" angeboten. Die Bestel­ler merkten bald, daß die Sohlen aus Korklinoleum be­standen. Die Zahl der Geschädigten war so groß, daß binnen kurzem 3600 Anzeige» bei den Polizeibehörden einliefen. Daraufhin griff die Polizei ein und schloß den Betrieb. Da der Gewinn sich im ganzen etwa auf 5500 Mark in wenigen Monaten belaufen hatte, bean­tragte der Staatsanwalt 10 000 Mark Geldstrafe und ein Jahr Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf 10 Monate Gefängnis und 10 000 Mark Geldstrafe.

Weitere Drahtnachrichten.

Die russischen Barbaren.

6^ Berlin, 7. Dezember. (T. U.) Vom Chef deS Stabes der 3. bulgarftchen Armee Oberst Popoff wirb telegraphisch mitgeteilt: Die vor einigen Tagen aus ver. schiedenen Dörfern geflohenen Bulgaren berichten, daß die russischen Kavalleristen Häuser zerstören, nieder- brennen und ausplündern. Sie sind meist in betrau» fettem Zustand und behandeln die Zivilbevölkerung äußerst roh, weil sie bei dem russischen Rückzug nicht nach Benarabien auswandern wollte. Alle Männer von 16 bis 60 Jahren wurden zusammengetrieben und nach Bessarabien zur Ergänzung russischer Regimenter ge- schickt.

Scharfe Kontrolle im schwedische« Auslandsoerkehr.

^ Stockholm. 7. Dezember. (WTB.) LautStockh. Tidn." wird die schwedische Regierung demnächst eine verschärfte Kontrolle über den Schiffabrtsverkehr von und nach dem Auslande einsühren.