meinen Unzufriedenheit: Da ist das widerhaarige kleine .Griechenland, das immer noch nicht vollständig zu Kreuze gekrochen ist, da ist die schwere Niederlage in der Walachei, die den Funden neben den militärischen so. große wirtschaftliche Vorteile für ihre Versorgung wit .Getreide, Vieh, Oel bietet, da ist endlich das neue deutsche Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst, bet dessen Beratung wieder der verhaßteste aller Gegner ein Bild innerer Kraft und Entschlossenheit darbot. Nur mäßige Genugtuung kann die Dumarede des n*uen russischen Ministerpräsidenten Trepow erregen, der zwar jeden Gedanken an einen Separatfrieden abwies, aber zur Unzeit verriet, was die englische Regierung wem Parlament immer zu vertuschen suchte, näm- kich, daß in ernem Verträge unter den Ententemächten von 1915 Rußland die Erreichung seines Kriegsziels Konsiantmopel fest zugesagt wurde.
^Mit seiner alten Kunst des Lavierens suchte As- quith noch einmal die Krisis zu überwinden. Jetzt wird er die Regierung und die Macht an die Gruppe Lloyd George-Northcliffe abgeben. Das Gelingen der letzten Anstrngung Englands, den Frieden aufzuhalten, bleibt abhängig von den Ereignissen auf den Schlachtfeldern. Unsere Hoffnung wird gestärkt durch die Zeichen wankender Zuversicht, die jedermann in den inneren Kämpfen der englischen Regierung wahrnimmt.
len wan-
^ermann in den inneren Käm-
Die gegenwärtige Lage in Athen.
Die „Hüter der Kultur".
Das Athener Artilleriegefecht hat, wie die „Voss. Ztg." schreibt, zur Klärung der Lage beigetragen. Die Vierverbandsmächte wissen nun, woran sie sind! Die „Germania" meint, daß die Niederlage der Entente in 6er Schlacht von Athen ganz bedeutend größer zu sein scheine, als man uns habe wissen lassen. Im „B. L.-A." heißt es, die Venizelisten seien eingeschüchtert und erklärten jetzt, daß sie auf der Sette des Königs standen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schrewt u. a.: Die Entente Hat Griechenland mit der Beschießung Athens bedroht, um die Herausgabe einiger Batterien zu erzwingen. Sie war also bereit, die Akropolis und andere Denkmäler antiker Kultur zu vernichten, um einige Geschütze zu erhalten. Nur das Nachgeben der griechischen Regierung hat jene unersetzlichen Denkmäler der Welt erhalten. So handeln also die Beschützer der kleinen Nationen nnd der Kultur, wenn sie selbst unwichtige Vorteile erreichen wollen.
Neue Mobilisierung in Griechenland?
Aus Bern wird der „B. Z." gemeldet: Die griechische Regierung beschloß die allgemeine MobUisation des griechischen Heeres. Der Mobilisattonsbefehl wurde am Donnerstag ausgearbeitet, und liegt dem König zur Unterschrift vor. In Thessalien, namentlich in Volo und Larissa, kam es zu schweren Unruhen, die nach den Ententeblättern auf die dort herrschende Lebensmittelnot zurückzufWren sind.
Wilsons Menschheitsideale.
Einer Neuyorker Havas-Meldung zufolge erklärte laut „Frkf. Ztg." Wilson bei der Einrichtung der Beleuchtung in der Freiheitsstatue bei Neuyork in einer Ansprache: „Nach meiner Meinung kann die Freiheit der Welt allein den Frieden bringen. Bei aller Ach- fo^Iartge ^te^B^ der enschen von6 einer kleinen Gruppe von Personen Bestimmt werden, Sie ihnen ihren eigenen Willen aufzwingen können."
Ueber die Friedenspropaganda Wilsons
hat sich nach einer Wiener Drahtung der „Frkf. Ztg." der österreichische Ministerpräsident Dr. Koerber gegenüber dem Korrespondenten der „New York World" Herrn v. Wiegand geäußert. Er sagte: Da wir nur wenig Nachrichten aus Amerika bekommen und uns der Verkehr mit unserer Botschaft in Washington nicht gestattet ist, bin ich mir Wer die Bewegung zur Erzwingung des Friedens ni chtganz im klaren. Auf alle Falle muß nach diesen zwei Jahren der Zerstörung men,ch- lichen Lebens und materieller Gitter und der Schädigung der edelsten Gefühle jede Bewegung, diecrgend ein praktisches Mittel zur Verhmöernna der Wiederkehr einer solchen Katastrophe sucht, dre Sympathie und Unterstützung der gesamten zivilisierten Welt finden. Aber was heute ein viel größeres Lebensinteresie und uns viel näher ist, als das Problem der Erhaltung des Friedens für die Zeit nach der Beendigung des gegenwärtigen Krieges, ist das Problem, das gegenwärtige Schlachten zu beendigen. Kann Amerika eine Lösungfür dieses drängendste Problem finden, dann wird die Welt seiner Leitung auch in anderen Dingen ohne Zögern
:r
folgen.
krlegsakerlel.
Einschräuknng -er Feinbäckerei in Frankreich.
Die Delegierten der französischeir Feinbäcker habelt laut „Petit Journal" damit einverstanden erklärt, ~ — ■ te an zwei Wochentagen geschlossen erner sind sie tibereingekommen, alle
daß ihre 'Geschäfte an tzwei WMentagen gescytogen bleiben sollen. Ferner sind sie übereingekommen, alle Arten der Verzuckerung und Glasterung iowte die Herstellung von Eis und stark gezuckertem Backwerk
cinzustellen. _
Norwegen will Fische liefern?
Einer Meldung aus Christiania zufolge verlautet in unterrichteten Kreisen, daß die norwegische Regierung eingewilligt habe, künftighin Deiltsechand 1o v. H. des norweaisthen Fifchfanges zu überlassen, während Deutschland mehr Kohle und Larn liefert als bisher.
des norwegischen Fischfanges zu überlassen, während DeutMand mehr Kohle und Garn liefert als bisher.
Erhöhung des Wehrpflichtalters in Rußland.
Mit Vorbehalt verzeichnen einige Blätter die Meldung, der russische «timsterrat hate e uen wurf ein gebracht, wonach das Wehrpflichtalter auf 51
Jahre hinaufgerückt werde.
Der römische Pöbel.
Nachträglich wird bekannt, daß in Rom beim^ Eintreffen der Nachricht vom Tode Kaiser Franz Josefs nistete StraßenknWaebungen ausbrachen und immer nÄr nsitNmPM'st" gebrüllt wurde. Die ganze Umgebung des Vatikans mußte durch Polizei, Infanterie und Kavallerie vesetzt uns geschlitzt weroen.
Die Suche «ach Schuldigen.
Der ..Mesiaaero" erneuert in einem scharfen Artikel seine Forderung, falls Bukarest falle, die Staats- männer ihrer Aemter zu entsetzen und einem^varlamentE , E^Sb^iluna ah üüeraeOen. Das Blatt schreibt, das ßvohl der Völker verlangt, daß der Unfähigkeit der Führung durch drakonische Maßnahmen begegnet werde, um den Sieg des Rechts zu sichern. o ,
Trepow verbietet Friedeuserörterungen.
Der r tW SÜKl
«Mtz eMffSii, 1 m der russischen ist das Verbot.
M W AÄ. WN WedLNSMeMM t Presse verbietet. Der „Rjetsch" zufolge n* ™» =ühwi, die Friedensprobleme zu besprechen, unter dem englisch-französischen Druck erlassen woroen, da die beiden Westmächte alle Diskussionen, die die
Kriegsmüdigkeit fördern können, verhindern wollen.
Abermals eine Petersburger Munitiousfavrik durch Explosion vernichtet.
Wie die Petersburger Zeitung „Rjetsch" meldet, fand in Petersburg eine neue Explosion einer Munitionsfabrik statt. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Im Augenblick der Katastrophe waren in der Fabrik etwa 1000 Personen tätig, die offenbar alle zugrundegegangen sind. Die Munitionsfabrik ist durch die Explosion vollständig vernichtet worden.
Keine neuen kanadischen Bataillone.
Der Korrespondent der „Daily Mail" berichtet laut „B. L.-A." aus Ottawa, daß dort amtlich mitgeteilt wurde, Kanada werde sich in Zukunft damit begnügen, die bereits gestellten Ueberseetruppen auf voller Höhe zu erhalten, aber keine neuen Bataillone mehr bilden.
Politische Rundschau.
Deutschlands Entschlossenheit betonte der württem- bergische Ministerpräsident von Weizsäder in einer Rede in der zweiten Kammer, in der er u. a. sagte: Der vollkommene blutige Niederbruch der feindlichen Offensiven in West und Ost, unser glänzender Angriff auf das verräterische Rumänien sind dre Antwort auf dre Pläne, die England uW seine nunmehr unter englische Oberhoheit geratenen Verbündeten geschmiedet hatten. Möchten unsere Gegner endlich einsehen, daß sie nur vermchrter, wuchtiger, verderbenbringender Kraft Deutschlands und seiner Verbündeten begegnen werden! Was aber auch kommen mag, in felsenfester Zuversicht sehen wir dem Ausgang des Weltkrieges und damit der endgültigen Bestrafung des Ferndes entgegen.
Eine glänzende Rechtfertigung der tüMchev Politik. Aus einer Unterredung mit dem türkischen Militärattache Schükri Bei teilt die „Voss. Ztg. mit: Schükri Bei erklärte, die Rede Trepows tei wohl die glänzendste Rechtfertigung der türkischen Politik^ dw ein Zusammengehen mit den Mittelmächten bis WM letzten Blutstropfen befürworte. Der sicherste Schutz gegen Rutzlaiids angebliches Recht auf die ^ewigen und Konstantinopel sei die Umbildung des türkischen Heeres nach deutschem Muster.
besprach kürzlich der Direktor der Reichsgetreidegesellschaft Unterstaatssekretär Michaels m einem Vortrage zugunsten der „Frauenhrlfe im ^estsaale der Berliner Universität. Er stellte dabei fest, daß die Getrechever- sorgung ausreichend gesichert sei, und gab einen Ueber- blick über die gewaltigen Leistungen der Reichsgetrerde- gesellschaft. Am Schluß seiner Ausführungen kam der Unterstaatssekretär auf die Zukunft zu stechen. Er unterschied die Zeiten des Ueberganges nach Friedensschluß und die weitere Zukunft. Für dre Ä e b e r - g a n g s z e i t, die er auf mehrere Jahre berechnete, erklärte er es für unerläßlich, daß dre Reichsgetreröestelle sowie die Beschlagnahme und Rationierung bestehen einströmen werde, was wir entbehrt hatten. -ten Nachbarländern, sowohl den feindlichen als den neutralen, gebt es schlechter als uns und sie werden sich ebenso langsam erholen. Selbst Amerika droht nnt Ausfuhrverbots. Unsere Landwirtschaft „.ist durchStrckstoff wanael ärmer geworden. Wir müssen also damit rechnen, daß wir für Jahre mit unseren eigenen destandeu nnrfi auskommen müssen. Erleichterungen werden em- treten schon wegen des verminderten Heeresbedarss und der eroberten Gebiete, die für die Getreideversorgung Deutschlands zur Versüaung stehen werden. Aber NeUrnng wird erst allmählich, eintreten und es n falsch zu rufen: Gebt uns Frieden, gebt unv Brot. Durch den. Friedensschluß werben die Nahrungchorgen
DetunuuCTf* ©6 tn öcr wetteren p ^
I f t unter Benutzung $er Erfahrungen Bei SrtcuSs unb Uebergangsjähre die Bewirtschaftung des iiffaicdi- schen oder aus dem Auslande eingefnhrten Getreue!? staatlich erfaßt und verwertet wird, sei eme noch völlig offene Frage. Sie werde nicht für das (^treibe allein zu lösen sein Man müsse sich an ben Gedanken gewöhnen, daß nach Friedensschluß die Neich sausgaben sich vervierfachen, wenn nicht gar verfnnnachen.werden. Unter dem ungeheuren Druck, bttt die Venchllch- teruna unserer öffentlichen und daneben der Einzelwirtschaften hervorrufen wird, würden wrr genötigt sein, zur Wiederherstellung eines geordnetem Wirtschaftslebens uns an Begriffe zu gewöhnen, die wir ohne diese Not und diesen Zwang weit von uns wetten würden. In diesem Sinne werde der Krieg erst nach seinem Schluß ein strenger Lehrmeister iein.
Vermischtes.
tz. Das to konnte
Die älteste Fürstin Europas ist mit GroUerzogitl- Witwe Auausta Karoline von Mecklenburg, ,der Großmutter des regierenden Großherzogs Wolf Friedrich von MeckleWurg-Strelitz, dahingegangen. Sie hat ein Aber von 94 Jahren erreicht. Der Vater der Großher- Nain w?r Adolf Friedrich, der als Generalstatthalter W später als Vizekönig an Stelle seiner Brüder, der Küniae Georg IV und Wilhelm IV. von England in Hannover residierte. Sie selbst vermählte sich im Jahre 4843 in London mit dem damaligen Erbgrotzherzog Friedrichs Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz. Das MMtenvaar führt eine sehr glückliche Ehe und konnte noch die diamantene Hochzeit feiern. Grotzherzog Friedrich Wilhelur starb im Jahre 1904 in hohem Alter. Noch im besten Mannesalter stehend, war der Gro«- he?zog völlig erblindet, so, daß die Großherzogin mancherlei Rcaeutenpslichten für ihn erfüllen mußte. «-ie unterzog sich ihnen mit großer Klugheit, mit feinem Takt und erwarb sich die Verehrung der Strelitzer.
Dänische Leberwurst. Mit welchen Delikatessen uns die dänischen „Gulaschbarone" versorgen, ging wieder einmal aus einer Gerichtsverhandlung hervor, die das Aö fermericht Barmen beschäftigte. Zwei Kaufleute bMen in Ewerfeld einen schwungvollen Handel mit dänischer Leberwurst betrieben. Bei der UntermHung Ä es sich heraus, daß die Wurst nicht weniger als 78 Prozent Wasser und 8 Prozent Mehlkleister enthielt. Das Pfund Wurst kostete 2,50 Mk. Das Gericht berück- Mtigte daß die beiden Angeklagten wahrscheinlich selbst von ihrem Lieferanten in Dänemark betrogen worden seien und erkannte nur auf eine Geldstrafe von ie 30
, M« iwst au 8» mm Was srr KE alles zuftandebringt, zeigt der Aufruf der oberbadifchM Brauereien, die in der Presse das Publikum ersuHu, den Biergenuß auf das Alleräußerste einzuschränken, um dem völligen Erschöpfen der deutschen Biervorräta vorzubeugen.
Aus frauzüstscher Gefangen schaft befreit. Dr, Görcke, der bekannte frühere nationalliberale Reichstagsabgeordnete, der am 5. Oktober 1914 als Haupt- man« auf einem Patrouillenritt von fünf Kugeln schwer verwundet in französische Kriegsgefangenschaft geriet, ist nunmehr an die Schweiz ausgeliefert und in Genf eingetroffen.
Die Beschlagnahme von mehr als 60 Schock Eier« wird aus Lissa in Posen gemeldet, wo bei einer Durchsuchung auf Lebensmittel im Cafe Kaiserkrone nicht weniger als 3700 Eier aufgefunden wurden, die seinerzeit bei der Bestandsaufnahme nicht angegeben worden waren.
~ Heiteres vom Tage. Die fürsorgliche Hausfrau. Frau Oberhamster hatte bet dem Drogisten erhebliche Einkäufe gemacht. Was er an Kakao, Tee und Schokolade besessen hatte, war in Frau Oberhamsters Besitz übergegangen. Sie wollte sich eben verabschieden, da schaute der Drogist nach ihrer Frisur und sagte: „Gnädige Frau, Haarnetze führe ich auch." „So?" erwiderte Frarr Lberhamster eifrig, „dann schicken Sie mir davon auch zwei Zentner!" — Zweierlei Maß. Der Pariser Arzt: „Was? Gestern sollt' ich Ihnen ein Zeugnis ausschreiben, daß Sie krank sind — und Beute wollen Sie eins haben, darin wollen Sie gesund sein? Der französische Drückeberger: „Das gestern war für die Einberufungskommission, und heute will ich mich tu die Lebensversicherung aufnehmen lassen. (Lust. ÖL)
Deutsche Heldentaten.
Es war im November 1915. Vom Bataillon wurde gemeldet, daß die Franzosen ein elektrisches Hindernis angelegt hätten. Die Kompagnie sollte durch Patrouillen feftfteilen, ob das Drahthindernis wirklich elektrisch geladen sei. Am Abend des 4. November wurden von der 4. Kompagnie bayertchen Reserve-Jnfanterie-Regi- ments 22 zu dieser schwierigen und gefährliche» Patromlle Unteroffizier Stürmer aus Rannungen B. A. Kissingen (Unterfranken), Gefreiter ,jetzt Unter- offfzier) Colling aus Rheinzabern B. A. Germersheim lPfalz) und Wehrmann Schüßler aus Sulzbach bei Aschaffellbnrg B. A. Odernburg (Unterfranken) ausge. sandt. Diese drei wirklich beherzten Leute, die sich schon von jeher bei jeder Patrouille, die gemacht werden i0^!, meldeten, wagten es diesmal wieder, die Pa- troutHe auszuführen. Die nötigen Vorbereitungen waren bald getroffen. Ein langer Stock wurde mit Lappen gut mmvrckelt und an einem Ende ein Nagel eingeschlage». Am 5. November früh um 6 Uhr gingen die drei gegen die französische Stellung vor. Jeder von ihnen hatte sei« Gewehr und einige Handgranaten dabei. Wehrman» Lchutzler kroch vor fit;; tig vor. während die übrigen scharf beobachteten. Schübler berührte mit dem Nagel die Drähte des feindlichen Hindernisses und stellte durch seinen Versuch fest, daß kein Strom im Draht ist; damit wäre der Auftrag erledigt gewesen. Aber mit djen«! einen Versuch waren die Wackeren nicht zufrieden. Nicht weit von ihnen, ungefähr 50 Meter im Walde, stand ein f^iffdUcher Unser offUtery offen. Da Me drei. Leute bT
feindlichen Posten Herarrzi_______ auszuheben. Schüßler schnitt eine 20 Meter lange Gasse in das Drahthindernis, während die übrigen dauernd in Lanerstellnng lagen. Sie mochten vielleicht noch 10 Meter vom Posten entfernt gewesen sein, als plötzlich ein starkes Jnfanteriefeuer sie in ihrer Absicht störte. Vorsichtig zogen sie sich glücklicherweise ohne Verluste, zurück und brachten 10 bis 15 Meter Draht mit
Wir hatten den ganzen Tag über an einem kleinen Hang in heftigem Artilleriefeuer gelegen. Unterstände mußten wir uns denken und die Kuhlen, in denen wir unter freiem Himmel lagen, boten uns so gut wie keinen Schutz. Gegen Abend steigerte sich das Feuer zum Trommelfeuer. Wir hatten dauernd Verluste und Ge- freiter Willy Nestler von der 8. Koinpagnie Reserve- Jnfarfferie-Regiments dir. 102 half eifrig den Sanitäts- mannschasten bei ihrer schweren Arbeit.
Plötzlich kam eine Meldung aus vorderster Linie: „Den Franzosen ist es gelungen, in einem Grabenstück Fuß zu fassen." In kurzer Zeu war die Kompagnie alarmbereit und lag am Hang, fertig zum Gegenstoß. Von Granattrichter zu Granattrichter arbeiteten sich die Braven bis auf 50 Meter an den Feind heran. Jetzt bemerkte er uns. Dtit einem wahren Hölle-neuer überschüttete er uns und Gewehrkugeln und Handgranaten rissen klaffende Lücken in die Reiben der braven Kameraden. „Auf! Marsch, Marsch!" kommandierte der Leutnant. Wie ein Lauffeuer ging das Kommando von Mund zu Mund und mit unwiderstehlicher Wucht stürzte sich die Kompagnie auf den Feind, nicht achtend des Ge- schotzhagels und der fallenden Kameraden.
Da — gerade vor Nestler ist ein feindliches Maschinengewehr zu sehen! Er biegt rechts aus und auS der Flanke wirft er sich mit lautem Hurra auf die Bedienungsmannschaft. Fünf Mann entfliehen; ein Einziger hält auf seinem Posten aus. Ehe er zum Schutz kommt, hat ihm Nestler den Revolver aus der Hand geschlagen und mit unsanftem Stoß schleudert er ihn in den Graben. Seine ganze Aufmerksamkeit richtet sich anf das Maschinengewehr. Nestler untersucht es. Es ist noch geladen! Mit Aufbietung aller seiner Kräfte gelingt es ihm es umzudrehen und mit dem Rest der
Patronen feuert er auf die zurückflutenvcn Franzose».
Jetzt erst gewinnt er Zeit, Umschau zu halten.
Rechts und links stehen seine Kameraden — der Sturm ist gelungen. Seinen Gefangeneii. der noch immer wimmernd am Boden liegt, übergibt Nestler einem Leichtverwundeten, der ihn zurückbringt. Das Maschinengewehr aber hat Nestler als gute Beute bei der Ablösung mitgenommen.
Weitere Drahtnachrichten.
Die polnischen Legionen.
Pose», 6. Dezember. Den Krakauer Blatterti wird laut „V. L.-?l." aus Warschau berichtet, daß am 1. Januar 1917 die polnischen Legionen als wesentlicher Teil der polnischen Armee in den Etat der deutschen
Armee» übergchen.
Haldaue, -er „Deutschenfreund".
Haag, 6. Dezember. Lord Haldane hielt laut „B. L--A." am Mittwoch in London ine Rede über da» Völkerrecht, die sofort von mehreren Frauen unter« Brachen wurde. Sie beschimpften ihn als Verräter und fragten, was ein Deutschenfreund wie er wohl über das VötkLrrccht sagen B^c,