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Niedergeschlagenheit bei den Alliierten.

Im LondonerObserver" vom letzten Sonntag be­findet sich laut einer Rotterdamer Drahtung desB. L.°A." ein Artikel, der Aufsehen erregen dürfte. Er führt u. a. aus. daß Niedergeschlagenheit bei den Alliierten dem früheren Optimismus Platz mache. Der erste Grund dafür sei die Lage, in Rumänien. Kein Kriegseretgnis war so voller Ironie als die Beteili­gung Rumäniens am Kriege.Wir alle begrüßten Rumäuiens Einschreiten," so heißt es in dem Artikel, als das Ereignis, welches den siegreichen Sommer krönte, und betrachteten es als eine Verheißung des baldigen Endsieges. Statt dessen sieht es a»s, «is ov es mit einer Katastrophe enden wird, nicht nur für Rumänien, sondern für die allgemeine Sache der Al­liierten: man soll aber keine Panik hervorrufen, son­dern verschiedene Tatsachen ins Auge fassen." Der Ver­fasser betrachtet dann die Arbeit der Flotte.Aus See ereignete sich aber nichts, wodurch man den Eindruck erhielt, daß ein Meister am Ruder stehe, ein Meister, bett man so nötig braucht, um volles Vertrauen in die Flotte zu legen, nicht nur als wirkungskrüftiges In­strument, sondern auch als ein Werkzeug, das mit je­ner glänzenden Kühnheit benutzt wird, die das Wesen des Erfolges im Kriege ist. Der zweite Grund für die Gedrücktheit der Stimmung liegt in größerer Nähe, nämlich: die Steigerung der Levensmittelpreise. Die neue Lebensmittel-Politik der Regierung und die An­zeichen der fortgesetzten Tätigkeit der U-Boote erregen zwar keinen Alarm, aber doch eine gewisse Unruhe, die nicht zu leugnen ist.

England will schnell siegen.

DieTimes" beschäftigt sich lautKöln. Ztg." wie- der in einem Leitaufsatz mit der Frage des Heereser­satzes. Nicht nur handle es sich darum, den Krieg zu gewinnen, was nicht fraglich sei, sondern ihn durch einen starken Vorstoß im Frühjahr bald zu gewinnen, damit der Krieg sich nicht endlos in die Länge ziehe. Es böten sich zwei Möglichkeiten für eine Vermehrung des Hee- resersatzes: Ausschaltung einer weiteren Anzahl der Betriebe, in denen Unabkömmlichkeit gilt, und zwei­tens Abhilfe gegenüber den verzweifelten Mißerfolgen des Werbegefchäfts in Irland.

Was geht in Rußland vor?

Erbitterte politische Kämpfe hinter den Kulissen werden, wie es in einer Kopeuhagener Drahtung der Köln. Ztg." heißt, gegenwärtig in Rußland ausge­fochten. Bestimmte Gerüchte, die teils aus Andeutun­gen und Bemerkungen in der russischen Presse, teils aus Mitteilungen aus Rußland eingetroffener Reisender zurückzuführen sind, betonen immer wieder nfit größter Hartnäckigkeit, daß Stürmer ein Gegner der weiteren Fortführung des Krieges war. Hierüber beunruhigt, habe der englische Botschafter von Stürmer vor einigen Tagen eine amtliche Erklärung erzwungen, die alle Friedensneigungen der russischen Regierung in Abrede stellte. Viele Anzeichen deuten mit großer Bestimmtheit darauf hin, daß die Friedensfrage bei den Verhandlun- gen der ersten Tage in der Reichsduma eine groye Rolle spielte.

Der neue Minister des Auswärtigen

Nerateiv galt als die rechte Hand Sasanows während dessen Glanzzeit: er gilt als besonders genauer Kenner des Orients.

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Der Neuyorker WTB.-Vcrtreter meldet unterm 18. November durch Funkspruch: In Erwiderung auf ge- wisfe Meinungsäußerungen, als gehe aus den Nach­richten und Mitteilungen hervor, daß tueAlliierten überall siegreich seien, beschäftigt sichNew York Ame­rican" in einem zwei Spalten langen Leitartikel damit, die Meldungen und Nachrichten zu beleuchten und aus- einanderzusetzen, daß die Tatsachen die erwähnten Me»- »ungen nicht rechtfertigen. Es wird betont, daß alle Kabelmeldungen die Zensur in London passieren müssen und abgeändert oder unterdrückt werden, wobei Tat­sachen angeführt werden, um zu zeigen, in welchem Um­fange solche Nachrichten in England verstümmelt wer­den. Das Blatt bespricht die soverarzteten" Meldun­gen und sagt: Selbst wenn wir diese verarzteter» Nach­richten als durchaus wahr von London entgegennehmen, so ist in ihnen nichts enthalten, das jemanden, der in Europa Bescheid weiß, dazu bringen könnte, zu glau­ben, daß die Alliierten dabei sind, der Deutuhen Herr zu werden. Unter Hinweis auf die Meldungen und die Ueberschriften der Neuyorker Zestungen vom 15. No­vember heißt es dann: Diese Meldungen und Uever- schriften sehen nicht so aus, als ob England voll fröh- Ucheu Vertrauens wäre, sondern sie zeigen deutlich die sehr gefährliche Lage, in der die Tatsachen entweder zum große» Teile unterdrückt oder nnklar dargestellt oder so­gar in ihr Gegenteil verkehrt werden. Die Nachrichten lassen keinen überwältigenden Sieg erkennen, sie geben dem gelegentlichen Zeitungsleser den Eindruck, daß die Alliierten immer siegen, die deutschen, österreichttch-un- garischen und bulgarischen Streitkraste nur kleine ört­liche Erfolge erringen, aber ein wohlunterrichteter und kritischer Geist erkennt, daß die sorgfältig verkleideten Operationen in Rumänien von größter Bedeutung und weitreichend sind. Die Offiziere der neutralen Staaten sind hauptsächlich darüber geteilter Meinung, ob der Krieg unentschieden bleiben oder mit einem deutschen Siege enden wird, wenn er um ein oder zwei weitere Jahre verlängert wird. Wir kennen nicht einen, der glaubt, daß die Mittelmächte erdrückt werden können, und diese sachverständigen Beobachter ziehen ihre Schlüsse lediglich aus klaren Tatsache», die selbst in den zensu­rierte»! und verstümmelten Telegrammen nicht ganz verheimlicht werden können. Wenn das englische Volk die Wahrheit kennte, so würde es wenig Hoffnung haben, den Krieg fortzusetze». Das amerikanische Volk aber würde, selbst wenn es gezwungen wäre, sich auf die unglaubwürdigen Mitteilungen zu verlassen, die von der britischen Zensur durchgelassen werden, doch an der Ueberzeugung festhalten, daß der Krieg unent­schieden enden würde, wobei die Möglichkeit eines deut­schen Sieges offenbleibe.

Kriessallerlei.

Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern vollendet am 27. November eine 60jährige Militärdienst­zeit. Der König von Bayern hat aus diesem, Anlaß dem Prinzen für die großen Verdienste, die sich der Prinz im Kriege wie im Frieden um das Vaterland und die Armee erworben hat, den wärmsten Dank ausge­sprochen.

Leiden in französischer Gefaugenschaft.

DieKreuzzta." gibt einen Brief eines seit mehr als einem Jahr in französischer Kriegsgefangenschaft lebenden badischen Offiziers wieder, den dieser an seinen Vater schrieb und in dem er bittere Klage über die schmachvolle Behandlung der Deutschen in Frankreich führt. Das Blatt meist daraus Sirtz daß es M«LMs

sei, die Allgemeinheit über solche Demütigungen auf- zuklären. __________

Politische Rundschau.

Die Familiennnterstvtznngen. Zu dem einmütigen Beschluß des Reichstags, die Erhöhung der Unter­stützung für Kriegerfmmtien aus SO für jede Frau und 10 für jede sonst unteritützungsberechtigte Per­son zu setzen, und für den Dezember die doppelte Rate zu zahlen, hat der Bundesrat noch nicht endgültig Stel­lung genommen. Bei den Verhandlungenzwischen Ver­tretern der Regierung und den Parteien hat die Regie­rung sich bereit erklärt, vorn 1. Januar an die Unter­stützung zu erhöhen, imb zwar für Frauen auf 20 X für Kinder voraussichtlich auf 8,50 JL Ablehnend ver­hält sie sich gegenüber der doppelten Auszahlung der Rate im Dezember. Sie ist aber bereit, aus ReichS- Mitteln für den Monat Dezember eine Sonderunter- stützung zu gewähren in Höhe des Unterschiedes zwischen dem heutigen Satz und dem Satz, der sich ergäbe, wenn die erhöhten Unterstützungen bereits am 1. November in Kraft getreten wären. Das würde rund 100 Mil- ltonen ausmachen, die Forderung des Reichstags aber 146 Millionen. Diese einmalige Zahlung soll den Ge­meinden sofort erstattet werden, die sonst gesetzlich ver­pflichtet sind, sie so lange vorzuschießen, bis ein beson­deres Reichsgesetz die Rückzahlung regelt.

Lebensmittelfragen im Haushaltsausschutz des Ab­geordnetenhauses. Der verstärkte Haushaltsausschutz des preußischen Abgeordnetenhauses hat in den Tagen vom 20, bis zum 24. November über die Maßnahmen zur Lebensmittelversorgung beraten. Aus den Bera­tungen der Kommission, insbesondere aus den Erklä­rungen der Regierungsvertreter ergab sich, wie der über die Verhandlungen veröffentlichte amtliche Bericht fest­stellt, als Bild der Lage, daß es der sorgsamsten Be­handlung und Verteilung der Lebensmittel bedarf, um der Bevölkerung den notwendigen Unterhalt zu ge­währen, daß aber bei gutem Willen von allen Seiten nicht daran gezweifelt zu werden braucht, daß wir durch­halten können. Die Opfer, die allen dabei zugemutet werden müssen, müßten und könnten ertragen werden.

Der Hilfsdienst im -LPimufchch.

Bei der weiteren Beratung über den vaterländischen Hilfsdienst im Reichshaushallansschuß erklärte am Sonnabend abend der Staatssekretär des Innern, er müsse wiederholt hervorheben, daß der Zwang lediglich als äußerste Maßnahme im Hintergrund stehen und die Durchführung der Hilfsdienftpflicht in weitestem Maße auf dem Boden organisierter Freiwilligkeit auf­gebaut werden solle. Auch das Arbeitsverhältnis derje­nigen Hilfsdienstpflichtigen, die zwangsweise zu einer Beschäftigung überwiesen werden, sei genau so anzuse- hen, als wäre es in freier Vereinbarung zustande ge­kommen. Hieraus ergebe sich dann von selbst, daß die Militärgesetze auf die im Hilfsdienst tätigen Personen, die nicht zum Heeresgefolge gehören, keine Anwendung

fänden. Wo

länger laufende private Arbeitsverträge beständen, würden sie durch die Aufforderung, sich eine Tätigkeit im Hilfsdienste zu suchen, und durch die Ueber- weisung zu einer Hilfsdienstbeschäftigung aufgelöst. Eine Entschädigung für den aus der Vertragsauflösung ent­standenen wirtschaftlichen Nachteil könne hier natürlich ebensowenig in Frage kommen, wie bei militärischer awiii^^

ternehmungen ausgeübt werde, und daß aus dieser Tat­sache sich gewisse Folgerungen ergeben würden. Er per­sönlich sei der Ansicht, daß es das Richtige sein werde, diese Folgerung auf dem Gebiete der Besteuerung der Kriegsgewinne zu suchen. Der Staatssekretär

der er- als der

klärt es für einen Irrtum, daß er den Reichstag lästig empfände. Die Reichsregierung wolle nach ganzen Vorgeschichte des Gesetzes

die engste Fühlung mit dem Reichstag.

Ein A r b e i t e r v e r tr e t e r aus den: Zentrum

se.

dauert, daß Dr. Helfferich nicht ein solches Entgegen­kommen gezeigt habe, wie General ©inner. Der Wider­stand dagegen liege nicht im Reichsamt des Innern, son­dern an anderen Stellen, die man sehr genau kenne. Die Regierung und die Militärbehörden halten die Einrich­tung von Arbeiterausschüssen und Schiedsgerichten für nötig, die Großindustrie in Rheinland-Westfalen hat aber nicht einen einzigen Arbeiterausschutz eingerichtet. Der Reichstag kann doch nicht vor der Großindustrie zu- rückweichen. Ein weiterer Redner der sozialdemokrati­schen Fraktion forderte

Ancrkennnng der Arveiterorgaulsation,

wovon aber das Gesetz nichts inerten lasse. Die Soztal- demokratie würde für sofortige Verstaatlichung der 9Mi= stungsindustrie eintreten, wenn sie überzeugt wäre, daß unsere Bürokratie dazu geeignet ist. Die sozialdemokra- tische Fraktion wünsche eine einmütige Kundgebung des Reichstages für den unerschütterlichen Willen unseres Volkes, daß es sich durch eine riesige Uebermacht von Feinden nicht kleinkriegen lassen will: aber die gefor­derten Garantien sind dazu eine unerläßliche Voraus­setzung. Ein bayerischer Zentrumsabgeordneter ver­langt, daß schon jetzt die Richtlinien für .

Beschneid»,ng der UMernehmergeminue gegeben wären. Ei» Zentrumsredner erklärte, daß un­angemessene Gewinne jetzt garnicht zulässig fein kön­nen. Die Einführung der Arbeitspflicht für die Gesamt­heit und die Belassung des unbeschränkten Prosits für Einzelne sei ein unvereinbarer Widerspruch. Staats­sekretär Dr. Helfferich entgegnete: Die Eutschüöi- gungsfrage muß genau überlegt werden. Man darf die verschiedene Wirkung der Wehrpflicht und der Tiensi- pfltcht nicht übersehen, wenn überhaupt Entschädigun­gen gezahlt werden sollen. Wir müssen uns klar darüber sein, daß hier ein System in unsere Wirtschaft hinein- getragen wird, dcis mit dem bisherigen garnicht mehr zusammenpatzt und seine Wirkungen nach allen Seiten hin ausbreitet. Viele Textilfabriken arbeiten nur noch unter Verhältnissen, die keinen Verdienst mehr amver= seit. Diese Fabriken würden vielfach ihre Betriebe um- wandeln, ohne daß ihnen eine Entschädigung auch nur angeboten zu werden brauchte. Auf anderen Gebieten liegt es viel schwerer und besonders bei kleinen Leuten. Nicht der Geldplinkt steht da in erster Linie, sondern andere Schwierigkeiten.

Damit war die allgemeine Besprechung beendet und der Ausschutz vertagte sich auf Montag vormittag.

Vermischtes-

Ostpreutzischer Speck für die Schwerarbeiter. Dem B. T. zufolge hat sich der ostpreußische Kreis Dar- kehmen bereit erklärt, freiwillig in den Monaten De­zember und Januar je 50 Zentner Speck, gegebenenfalls noch mehr au eine vom Kriegsernährungsamt zu be­zeichnende Bedarfsstelle zu liefern, und zwar zum Preise von 2,80 .L für das Pfund.

Eine Kundgebung der bayerischen Landwirte. Sämt­liche bayerischen landwirtschaftlichen Vereine und Kör­

perschaften erlassen laut ^gl. Rdsch." im Anschluß ar den Hindenburg-Brief eine Kundgebung, in der an sämtliche bayerischen Landwirte die dringende Auffor­derung gerichtet wird, jedes Fleckchen Erde gewissenhaft zu bebauen und alle entbehrlichen Erzeugnisse an die Verbraucher abzuliesern. Die Kundgebung enthält weiter eine Kritik der bestehenden Ernährungsorgani- fation. Es wird verlangt, daß die Organisation von unten beginne, d. h. mit einer planmäßigen Ansamm­lung von kleinsten und entbehrlichsten Stengen in den entlegensten Törsern und Höfen. Von der Regierung wird energisches Vorgehen gegen die unsinnige Ham­sterei verlangt. Die Kundgebung schließt mit dem Satz: Gegenseitiges Verstehen und treues Zusammenarbeiten aller Schichten der Bevölkerung ist heute notwendiger denn je, denn in dieser schweren Zeit entscheiden sich nicht bloß die Schicksale einzelner, sondern der ganzen Nation.

DieEiserne" Schinkenration. Eine unangenehme Neberraschung erlebte kürzlich eine Frau aus Königs- steelc bei Essen a. R. Sie war zur holländischen Grenze gereist, um von einem Schmuggler Fleischwaren, unter anderem anch einen schönen Rollschinten zu kausen. Als die Frau mit den erstandenen Wareu nach Hause kam und den Schinketi durchschneiden wollte, machte sie die .nnaugenehlne Entdeckung, daß der Schinken mit einem dicken Stück Eisen gefüllt war. DieUmhüllung" des Eisens, also der rmrkliche Schinken, wog kaum vier Pfund, wäßrenb der eiserne Inhalt fünfzehn Pfund schwer war.

Sir Hiram Marim, der bekannte Erfinder des Maxim-Gewehres, ist in London im Alter von 76 Jah­ren gestorben. Lange bevor Maxim durch feine Erfin­dungen auf militärischem Gebiet sich einen Namen machte, war er bereits durch feine Leistungen in der Entwicklung der elektrischen Beleucsitung bekannt gewor­den. Im Jahre 1883 baute er, mittlerweile aus Amerika nach London übergesiedelt, seine bekannten automatischen Mitraillcusen. Aber erst nachdem sich die Sache in dem Kriege gegen die unzivitisierten Völker in Afrika und Asien bewährt hatte, fand Maxi»» seine Anerkennung. Maxim war auch Konstrukteur eines Gasgeschützes und einer pneumatischen Dynamitkanone. Sein Knalldämp­fer für Gewehre und Geschütze wurde in der englischen Presse überschwenglich gepriesen, scheint aber keine Aus­nahme gefunden zu haben. Versnche, auch Flugmaicht- neu zu bauen, halten ebenfalls keinen durchschlagenden Erfolg. Ohne Zweifel aber war Maxim ein Ingenieur von hervorragendem Unteruedmuugsgeist.

Wen» die Znuge gelöst ist. In einem bayerischen Gasthaus kam ein Mann in angetrunkenem Zustand mit dem Wirt in Streit, wobei er den Wirt bezichtigte, eine größere Menge Rauchfleisch widerrechtlich verbor­gen zu halten. Ein Wort gab das andere und das Ende des tragikomischen Vorfalls war, daß der anwesende Gendarm bei dem Anzeigenden, beim Wirt und einem Nachbarn eine sehr stattliche Menge verborgenenGe­selchtes" zutage förderte und beschlaguahmte.

Sie Kaiser Franz Joses lebte.

Mau schreibt uns: Trotz seines Alters von 86 Jahren war der so plötzlich verstorbene Kaiser Franz Josef von Oesterreich ein Frühaufsteher bis in die letz­ten Tage seines LeRus gewesen. Socii bevor die Sonne sich zeigte, im Sommer um 4 Uhr, im Winter um 5 Uhr, erhob sich der Kaiser von feinem schmalen Feld- bleuer wecken. Eine faire Abwaschung machte den Kai­ser sofort frisch, dann frei bete er sich an, wobei dem Diener nur die Aufgabe oblag, seinem Herrn die Klei­dungsstücke zuzureichen. Der Friseur war überflüssig, da sich der Kaiser selbst rasierte. Bald saß der Kaiser denn auch in Uniform am Frühstückstiscy. Tee, ein weiches Ei, ein wenig Schinken hat sein Leibarzt ißm nach langem Kampf zum Frühstück bestimmen dürfen, oblvohl der Kaiser nicht von seinem Lieblingsfrithstück, das in Kaffee und Wiener Gebäck bestand, lassen wollte. Nach dem Frühstück machte der Kaiser regelmäßig einen kurzen Spaziergang, der erst seit einiger Zeit bot auf­gegeben werden müssen. Dann fand er sich in seinem Arbeitszimmer eilt, wo er zuerst die vorliegenden Akten studierte. Da die Augen nicht mehr recht mittlren woll­ten, mußte der Kaiser hierzu eine Brille benutzen.

Punkt 8 Uhr früh begannen die Audienzen. Zur Friedeuszeit war der Mittwoch für den Besuch des Chefs des Generalstabs, für die Minister, Räte und Sekretäre festgelegt, während des Krieges sah man fast nur diese Herren beim Kaiser, zu jeder Stunde und an jedem Tage. Die Pausen, die dem Kaiser während der Au­dienzzeit blieben, verbrachte er am Schreibtisch. Um 12 Uhr wurde dem Kaiser auf einem Tablett das zweite Frühstück ins Arbeitszirnmer gebracht. Es bestand aus Suppe, Fleisch, etwas Gemüse und einem Krug Bier. In zeb» Minuten ratte der Kaiser mit gutem Appetit das Frühstück verzehrt, wäßrend er aus dem kleinen Krug gewvbltlich nicht mehr als einen Schluck uahnr. Schleunigst mußte das Tablett wieder verschwinden, da sich der alte Fürst durch seine Gegenwart bei der Arbeit behindert glaubte. Und bis so Uhr taub man dann den Kaiser ununterbrochen lesend und schreibend. Er hatte ein gutes Gedächtnis und wußte über alle Möglichen Dinge Bescheid, fobaß er sich über einzelne Fragen nicht erst lange Verträge halten zu lassen brauchte.

Während der Zeit von 7 Uhr früh bis so Itßr nach­mittags bat der Kaiser sein Arbeitszimmer nur bei wich­tigen Anlagen verlassen. Jahrzemne hindurch bat er diese Arbeitszeit eingebaiteit und sich erst nach 5 Uhr Zeit zur Erholung gegönnt. Entweder fuhr er dann aus, oder machte fort in Gesellschaft- einen Spaziergang im Schloßgarren. Um 7 Uhr war Diner. Früher einmal fanden' sich zn diesem die eingeladenen Angehörigen der Hofgesellschaft ein, dann speiste der Kaiser entweder al­lein oder sah nur Familienmitglieder um sich. Das Stenü war immer bescheiden: Es gab Suppe, ein ober zwei Fleischgerichte, eine Mehlspeise und ein Glas österreich­ischen Land wein oder ein Glas Bier. Ss? dem Abend­essen ließ sich der Kaiser bequem in eine stille Ecke nieder und las die Zeitung und fand er dann noch Zeit, so stöberte er noch in den A: eu. Punkt 8 Nur ging er ins Bett und nichts formte ihn davon alhalten. Nur wenn der greife Kaiser in Bad Jschl weilte, änderte sich diese Lebensweise. Aber an* dort war er ein Frühaufsteher und ging auch dort mit den Hühnern ins Bett.

Weitere Drahtnachrichten.

Spaniens Vertreter bei den Beisetzungsfeierlichkeitea in Wie».

x- Madrid, 27. November. iWTB.) Infam Fer­dinand von Bauern in na* Wien abgereift, nur König AlfonS bei den LelchensseierUchkeiteu zu vertrete».

Polentraver «m Kaiser Franz Josef.

o-#. Wie», 27. November. lW LBJ Unter den zahl­reichen Kranzspende» befindet ich eine des polnischen Kaiser-Jubiläumsbaufes in Wien mit der Inschrift: Deui erhabensten Wohltäter der Pole»!