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1 Hechle und WW Kaiser Karls.

Der Einfluß des Thronwechsels auf unseren

j, Heeresbericht.

v ' Der Thronwechsel in Oesterreich-Ungarn hat, wie der KorrespondenzHeer Und Politik" geschrieben wird, naturgemäß auch auf unseren Heeresbericht eine wesent­liche Wirkung ausgeübt, da der neue Kaiser bekanntlich Oberbefehlshaber eines Frontabschnittes im Osten war. Die Rechte und Pflichten, welche der Kaiser von Oester­reich und König von Ungarn im k. u. k. Heere hat, ma­chen eine Aenderung in den bisherigen Oberbefehlsver­hältnissen notwendig. Als Thronfolger konnte der bis­herige Erzherzog Karl jede Stelle im Heere bekleiden, da für die Thronerben keinerlei Vorschriften bestehen. Sie sind, sobald sie dem Heere angehören, Soldaten mit allen Rechten und Pflichten der dem Heere angehörenden Personen. Wie in Herrscherhäusern üblich, hat der Erz­herzog-Thronfolger mit Rücksicht auf seine zukünftige Stellung als Herrscher meist ein beschleunigtes Avance­ment auszuweisen. Bei dem bisherigen Erzherzog war dies besonders nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand zu beobachten, da er erst jetzt eine ungewöhnlich schnelle Beförderung genoß. Bis zur Er- mordung des Erzherzogs Franz Ferdinand war der jetzige Kaiser Oberstleutnant, ein Rang, den er erst we­nige Wochen vor diesem schicksalsreichen Tage erlangt hatte, nämlich am 1. Mai 1914. Kurz vor Ausbruch des Krieges wurde er am 25. Juli 1914 Oberst und durcheilte während des Krieges schnell die ganze Offi­zierslaufbahn bis zum Generaloberst. Nur wenige Tage vor seinem Regierungsantritt wurde ihm dieser Rang von dem verstorbenen Kaiser verliehen.

So war seine Laufbahn und seine Stellung im gro­ßen und ganzen die eines gewöhnlichen Offiziers. Mit seiner Thronbesteigung bat sich aber das bisherige Ver­hältnis des jungen Kaisers zum Heere erheblich geän­dert. Er ist dadurch nach der Verfassung der oberste Kriegsherr der gesamten bewaffneten Macht der öster- . ' L s "--ungarischen Monarchie zu Lande und zu Was­ser geworden. Als solcher kann er nicht mehr Oberbe- .fehlshaber eines Teiles der Truppen sein und ein selbstständiges Kommando an der Front inne haben. Die Stellung des Monarchen im Heere wird durch den militärischen Rarm, den er bei seiner Thronbesteigung entnimmt, nicht berührt. Wenn auch andere Offiziere einen höheren Rang haben, so geht doch schon aus der Berechtigung des Obersten Kriegsherrn, diesen Rang nun selbst zu verleihen, hervor, daß er über allen mi­litärischen Würden steht. Die Verhältnisse liegen hier ähnlich, wie in unserem Heere, wo auch unser Kaiser als Oberster Kriegsherr über allen militärischen Wür­ben steht, wenn er auch bei Antritt seiner Regierung nicht den höchsten Rang eingenommen und erst später die Abzeichen eines Generalfeldmarschalls angelegt

retd

hatte.

So kam die Veränderung der Oberbefehlsverhält­nisse bereits in dem Mittwochsgeneralstabsbericht zum Ausdruck, wo dieFront des Generalobersten Erzher­zog Karl" nicht mehr erwähnt wurde. Größere Pflich­ten sind dem jungen Herrscher nun auferlegt, und eine Fülle neuer und schwerer Ausgaben stürmt in dieser doppelt schweren Zeit auf ihn ein, die einen Mann ganz erfordern. Der junge Monarch hat nun in dem Gene­ralobersten Erzherzog Josef einen bewährten Nachfol­ger erhalten. Der Erzherzog ist Chef des Kgl. Preu­ßischen 2. Hannoverschen Ulanenregiments Nr. 14 und im h n

Sturm in der stanMche» Kammer.

DerVoss. Ztg." wird über Genf gemeldet: Der französischen Regierung war bekannt geworden, daß eine Reihe von Abgeordneten beabsichtige, bet der Be­ratung über die Musterung des Jahrganges 1918 am Dienstag die Frage der Mannschaftsreserven abermals aufzurollen. Briand hatte darum am Dienstag vor­mittag die Führer der Mehrheitsparteien zu sich geru­fen und sie ersucht, die Diskussion .in eine Gehelm- sitzung zu verlegen, da es zu unangenehmen Ausem- anderfetzungen über die Beteiligung der englischen Re- ferven in den Kämpfen in Frankreich kommen könne. Die radikal-sozialistische Kammergruppe hatte auch einen entsprechenden Beschluß gefaßt. Trotzdem kam es im Palast Bourbon zu einer überaus stürmischen Aus­einandersetzung. Der sozialistische Abgeordnete Brunet erklärte,wir wollen nur die unerläßlichen Opfer brin­gen, wir haben das Stecht, an unsere Verbündeten zu appellieren und ihnen zu zeigen, an welchem Grade der Müdigkeit unser Land angeiangt ist. Von allen Ver­bündeten haben wir die schwierigsten Lasten zu tragen; daher sind wir berechtigt, an die Zukunft unserer Rasse zu deuten. Kaum hatte der Redner unter großem Bei­fall geschlossen, als Briand das Wort ergriff und die Kammer ersuchte, diese Erörterung doch nicht weiter in öffentlicher Sitzung fortzusetzen. Nun nahm der radi­kale Sozialist Albert Fame nach einem vergeblichen Versuch des Kammerpräsidenten sofort die Geheim- sitzung anzuberaumen, das Wort zur Verlesung einer langen Rede über die militärische Erschöpfung Frank­reichs. Er stellte fest, daß Frankreich ein Sechstel seiner Bevölkerung ausgehoben habe, England dagegen nur ein Zehntel, Italien ein Elstel, Rußland ein Zwanzig­stel.Unsere Verluste stur» dreimal so groß wie die Englands, und nun verlangt die Regierung von uns eine zweite Musterung der Kranken und Krüppel, das Festhalten der zwei ältesten Jahrgänge unter den Fah­nen und die Einberufung einer neuen Klasse unserer Jünglinge. Die Zukunft unserer Rasse, unseres Lan­des gebietet dringend die Verminderung der milttüri- chen Anstrengungen Frankreichs. Ueberall fragt man ich: Kann Frankreich noch jahrelang so fortfahren? So )ört doch die Klagerufe, die zu uns aus dem Hinterland, Die aus den Schützengräben aufsteigen!" Dieses Be- kcnntnP stürzte die Kammer in die größte Erregung. Viele Abgeordneten der Rechten riefen: Geheimsttzung! Geheimsitzung! Der Antrag auf Geheimsttzung wm'de sofort vorgelegt und angenommen. Um 7 Uhr wurde die öffentliche Sitzung ivieöcr ausgenommen. Der so­zialistische Abgeordnete Brizon ergriff das Wort zu einer leidenschaftlichen Anklage. Die Kammer täusche das Land und spiele eine traurige Komödie. Unter fnrchtbarem Tumult rief Brizon, daß auch die russische Regierung am Kriegsausbruch schuld sei. Briand hat nicht das Recht, auch den Jahrgang 1918 in den Tod zu schicken. Der Tod unserer Achtzehnjährigen würde nicht Frankreich dienen, sondern nur einem der Briand- schen .Kriegsziele. Während der Mißstimmung über sei­nen Ausschluß schrie Brizon fortgesetzt in den Saal: Nieder mit dem Krieg! Wir wollen den Sieg durch den Frieden!" Unter stetem gewaltigem Lärm beschloß die Kammer den Ausschluß Brizous, und die Sitzung schloß unter großer Erregung.

Die Friedensreden in der Dnma.

Ueber den Verlauf der ersten Dumasitzung meldet derB. L.-A" über Stockholm u. a.: Die im russischen

Volke herrschende Fnevensmmmuns wurde auch vom Kadetten Maklalow geschildert: Die drohende Gefahr sei nicht die Versorgungskrisis,- in Rußland sei etwas geschehen, der Geist des Volkes habe sich verändert, die Strömungen seien gänzlich anders geworden, überall werde von der Sehnsucht nach Frieden gesprochen, nir­gends bestehe mehr der feste Wille, durch den Krieg po­litische Ziele zu erreichen. Die verzweifelte Losung sei in aller Munde: Je schlechter es an der Front geht, desto besser denn dann kommt der Frieden!

Stimmungsumschlag in Italien?

Schweizerischen Blättern meldet man aus Mai­land: Aufsehen erregt ein Artikel in der kriegshetze­rischenSera" (nicht zu verwechseln mit demCorriere della Sera"), der ausführt, daß sich in den italienischen Abgeordnetenkreisen immer mehr die Tendenz bemerk­bar mache, den Krieg zu einem raschen Ende zu führen. Gleichzeitig wachse mit dieser Tendenz auch der Miß­mut in Italien gegen England. Einer weiteren rö­mischen Meldung desZüricher Tagesanzeigers" zu­folge sollen die sozialistischen Kammerabgeordneten mit allen gegen drei Stimmen die Einbringung einer Frie­densinterpellation in der Kammer beschlossen haben.

Weitere Ausweisungen aus Athen.

DieDaily News" melden aus Athen: Am Mitt­woch haben zwanzig Untertanen feindlicher Staaten den Befehl erhalten, gleichzeitig mit den feindlichen Ge­sandten Athen zu verlassen. Unter ihnen befindet sich der Leiter der deutschen Schule. Ueber die Angelegen­heit der Auslieferung von Kriegsmaterial an die Ver­bündeten erfährt der Berichterstatter, daß die Verbün­deten wahrscheinlich bald ein Ultimatum an das Kabinett richten werden, das dann wohl zurücktreten und von einem nationalen Ministerium ersetzt werden dürste.

Deutschland hat bei Griechenland und sänulichen anderen neutralen Staaten sowie Frankreich und Eng­land gegen die Ausweisung der Gesandten schärfste Ver­wahrung eingelegt.

Der Krieg zur See.

Der Untergang derBritannic".

Wie aus London gmeldet wird, hatte die angeblich als Lazarettschiff benutzteBritannic" 1100 verwundete Soldaten an Bord, die zum größten Teile gerettet wur­den. Der Bericht der englischen Admiralität sagt, es steht nicht fest, ob dieBritannic" durch eine Mine oder Torpedo vernichtet sei. Aber auch im Falle einer Minenexplosion trage Deutschlaird die Schuld (!) an dem Untergänge des Schiffes, weil die Minen von deut- schen Ubooten ausgestreut wurden.

Da es ausgeschlossen ist, daß ein deutsches Uboot die Britannic", sofern sie vorschriftsmäßige Abzeichen als Lazarettschiff führte, versenkt hat, muß die gekünstelte Konstruktion mit den Minen herhalten, um Deutschland die Schuld zuzuschieben.

Wer beherrscht die Nordsee?

Daily Mail" rät au, mit den bevorstehenden An: fragen im Parlament über das Erscheinen deutscher Kriegsschiffe im Kanal die Frage nach dem Schiffsver­kehr zwischen England und Holland zu verbinden. Kleine deutsche Torpedoboote ans Zeebrügge hätten seit dem 23. Juni zwölf Dampfer, davon mehrere der Blissinger Postlinie, angehalten. Daher sei die Frage, wer die Nordsee beherrsche, nicht unangebracht.

Kriegsallerlei.

«-^--^-Lil^Lc-6r^^a«keihe in Amerika.^

DieMorningpost" meldet aus Washington, 6»# Verhandlungen zur Zsusgabe einer neuen Kriegsanleihe auf Gutsage der britischen Regierung und ohne Sicher- stellung im Gange seien.

Poincarö und Joffre in den Vogesen.

DerNeuen Zürcher Zeitung" zufolge meldet die Agence Havas", Präsident Pomcars und General Joffre besuchten am Montag die Uebungslager und die Armeeschulen in Lothringen und in den Vogesen.

Politische Rundschau.

Als künftigen Lettischen Botschafter in Wien nennt dasB. T." den Gesandten Grafen Bodo Wedel, einen Neffen des früheren Staatssekretärs der Reichslande. Graf Bodo wurde im Dezember 1862 geboren, ist also jetzt 54 Jahre alt. Er wird wahrscheinlich zunächst in außerordentlicher Mission nach Wien gehen. Das ent­spräche dem während des Krieges gültigen Brauch, der auch bei der Ernennung des Frhr. von Kühlmann für Konstantinopel und bei der @rneimuug des Dr. Rosen für den Haag befolgt wurde.

Bei der Neickstagsersatzwahl im 11. sächsischen Wahl­kreise Oschatz-Grimma für den verstorbenen Abgeord­neten Dr. Giese wurde der Konservative Dr. Wildgrube mit 7978 Stimmen gewählt. Der Sozialdemokrat Li- pinski erhielt 6322 Stimmen, 63 waren ungiltig.

das -hilssdievstgeietz im Hmplausschutz.

Die Verhandlungen über den Gesetzentwurf be- treffeud den vaterländischen Hilfsdienst im Hauptaus- e des Reichstages leitete der Staatssekretär im samt des Innern Dr. H e l f s e r i ch mit längeren grundsätzlichen Ausführungen über Veranlassung und Absichten des Gesetzes ein. ..

Die Pflicht zum vaterländischen Hilfsdienst tritt der allgemeinen Wehrpflicht zur Seite. Der vaterländische Hilfsdienst ist die Folgerung aus der Tatsache, daß die­ser Krieg um unser nationales Dasein und die Zukunft von Reich und Volk gebt, in dem das deutsche Volk seine ganze Volkskraft bis zum Letzten einsetzen muß. Die Ausgabe des Gesetzes ist

die Mobilmachung der Arbeit, die nach Kriegsausbruch eingetretene Arbeitslosigkeit hat sich, wenigstens soweit männliche Arbeitskräfte in Frage kommen, in ihr Gegenteil verkehrt. Die Knappheit der Arbeitskräfte macht sich namentlich fühlbar für den zur­zeit allerwichtigsten Teil unserer industriellen Tätigkeit die Herstellung von Munition und Kriegsmaterieal al­ler Art. Auch die Erhaltung und Erweiterung der Volksversorgung ist in der Hauptsache eine Frage der Arbeitskräfte. Auch diese zu sichern, ist Zweck und Ab-c ficht des Gesetzes. Ohne Zwang gebt es dabei nicht, aber die freiwillige Pflichterfüllung muß die Hauptarbeit bleiben. Die Durchführung der Hilfsdienstpflicht ivird organisatorische Arbeit allergrößten Stiles erfordern. Die Zahl der Arbeitsfähigen, die ohne Beschäftigung sind, ist heute verlniltuiSmäßig gering. Der Schwerpunkt der Durchführung des Gesetzes ivird also nicht in der Her­anziehung bisher Unbeschäftigter, sondern in der

Verschiebung der Arbeitskräfte

ans ihrer bisherigen Tätigkeit in andere für Kriegs- führung und Volksversorgung wichtigere liegen. Da­bei ist davon abgesehen worden, die Arbeitspflicht and) für die Frauen zu begründen. Trotz des fehlenden Zwallaes wird ieövch auch hier planmäßiger als bisher

vorgeaangen werden müssen. Der SMüSsekretär wüS digte dann die außerordentlichen Leistungen, die Deutsch- lands Industrie und Landwirtschaft in den KriegSjaHren vollbracht haben. Diese Leistungen seien in höchstem Maße bewunderungswürdig. Die Einführung des vaterländischen HUssdienstes wird unseren Feinden und der ganzen Welt beweisen, daß das deutsche Volk ein­mütig

bis zum letzten Manne zum Durchhalten

und zum Sieg entschlossen ist.

Nach Staatssekretär Dr. Helfferich gab der Chef des Krregsamtes Generalleutnant Grüner einen Ueber- blick über die militärisch-technischen Anforderungen, denen mit Hilfe des Gesetzes Genüge geleistet werden soll. Die Zwecke des Gesetzes sind einmal, Arbeiter für die Munitionsindustrie bereitzustellen, dann Wehr­pflichtige, die bMer in Heimatbetrieben unentbehrlich waren, für den Heeresdienst freizumachen, endlich den neuen Kriegsamte eine feste staatsrechtliche Grundlage für seine Tätigkeit zu geben. Das Gesetz ist von dem Gebot der Stunde diktiert, für die Kriegszeit bestimmt und trägt deshalb einen gänzlich unpolitischen Charak­ter. Alle Motive, die nicht auf eine siegreiche Durchfüh­rung des Krieges hinzielen, müssen bm seiner Behand-

unpolitischen Charak- 9 eine siegreiche Durchfüh- ________ , _ ________müssen bet seiner Behand­lung ausscheiden. Der Schwerpunkt liegt nicht im Ge- setz selbst, sondern in seiner Ausführung. Es ist

kein gewaltsames Zugreifen beabsichtigt, sondern eine organische Entwickelung auf der Grund- läge weitestgehender Freiwilligkeit. Von sozialen Un­terschieden kann bei der Durchführung natürlich keine Rede fein. Die umfassendste freiwillige Mitarbeit aller Kreise, der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer, ist un­bedingt erforderlich. Der Redner bat dann, die künftige Arbeit des Kriegsamtes nicht zu erschweren, und ver­sprach, daß kein berechtigtes Interesse ohne Not geschä­digt werden solle. Die notwendige Einschränkung und Stillegung von Betrieben soll mit besonderer Vorsicht und ohne Gewaltsamkeit vorgenommen werden. Die Heranziehung der Hilfsdienstpfftchtigen aus ihrer alten Beschäftigung soll nur allmählich nach Bedarf erfolgen. Dem Zwange steht ein geregeltes Rechtsverfahren ge­genüber, an dem auch die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer beteiligt sind. Die Leistung muß aber in militärischen Händen bleiben, da die Raichheit und Voll­ständigkeit der Ausführung nicht beeinträchtigt werden dürfen. Schließlich unterstrich der Chef des Kriegs- amtes den ethischen Charakter des Gesetzes. Neben den rein materiellen Hilfsmitteln sei der Wille des Volkes entscheidend für den Krieg und für den Sieg.

In der Erörterung

betonte ein Redner des Zentrums, es müsse ver­langt werden, daß der Reichstag sowohl bei Erlaß der Vorschriften wie bei ihrer Durchführung mitwirke und eine Kontrolle darüber erlange. Ein sozialdemo­kratischer Abgeordneter meinte, wenn dem Volk die Zwangspflicht auferlegt werde, dürften die Gewinne der Unternehmer nicht freigelassen werden. Ein Redner der Nationalliberalen erklärte sich mit dem Grundgedanken des Entwurfs einverstanden. Auch wünsche er dessen rasche Erledigung. Ob nicht später eine Ausdehnung der Dienstpflicht der Frauen nötig werde, sei dahingestellt. Ein fort schritt! ich er Ab­geordneter sprach seine Ueberraschung über den vorlie­genden Gesetzentwurf und feine Begründung aus. Auch auf andere Weise könnte noch Kräfte- und Mannschafts­ersatz geschaffen werden. Nachdem Staatssekretär Dr. Helfferich und Exzellenz Grüner sich weiter vertraulich geäußert hatten, besprach ein konservativer Red­ner den Entwurf. Die Organisationskrast der Englän­der habe überrascht, und wir müßten ihr durch die Bolks- -lULLuMlLL-LüjLeüenjreten und zwar rasch und rück-

Vermischtes.

Im Sinne Hinbenburgs. Auf den Brief Hinden- burgs über die Versorgung der Munirionsarbester mit Fett hin beschlossen die Landwirte in Kaltenkirchen in dem holsteinischen Kreise Segeberg in einer großen Ver­sammlung einstimmig, von jedem im Haushalt geschlach­teten Schweine ein Viertel des gewonnenen Schmalzes freiwillig gegen ein Entgelt von 2,50 JL das Pfund, ferner von der dem Selbstversorger zustehenden Butter 50 Gramm für Kopf und Woche zum Tagespreise abzu- geben. Dieser Beschluß wurde dem Kriegsernährungs­amt mitgeteilt mit der Bitte, der Gemeinde einen ve- stimnUeil Wirkungskreis zuzuweisen, damit die Fett- mengen den Verbrauchern direkt übersandt werden können.

Riescuschwinsel mit Seife. Der dieser Tage in Stuttgart verhaftete Seifensieder Michael Spitznadel hat vor etwa einem halben Jahre auch von Hanau aus unter dem Namen Johann Wierz aus Düsseldorf einen großen Seifenschwindel ausgeführt. Er hatte mit einer Firma in Halberstadt einen Abschluß über mehrere hun­dert Zentner Kernseife gemacht. Als er das Geld in Besitz hatte, gab er an die betreffende Firma Kisten auf, die angeblich Kernseife enthalten sollten, in Wirklich­keit aber mit Tonerde angefüllt waren. Auch in Frank­furt a. 93t., Darmstadt und Hannover bat Spitznadel jedesmal unter anderem Namen gleichartige Schwin­deleien verübt. Es handelt sich, alle Sdnnhtdeleien zu- sammengenommen, um eine Summe von wett über 300 000 Mark.

Einen bösen Hereinfall erlebte dieser Tage in Gotha ein auswärtiger Geschäftsmann. Er hatte eine Sendung von 24 Kisten und Fässern als Frachtgut auf= gegeben und den Inhalt als Wein bezeichnet. Um die­ses noch wahrscheinlicher erscheinen zu lassen, waren Fässer und Kisten auch mit den entsprechenden Zetteln beklebt. Leider rann aber unterwegs eine Flüisigkett aus der Verpackung, welche mit Wein wenig Aehnlich- keit besaß, die desto kräftiger aber nach Fleisch duftete. Die Sendung wurde daher beschlagnahmt und bei der Oeffllunq stellte es sich heraus, daß sich der Wein in rosige Schinken und Pökelfleisch verwandelt hatte, wel­ches in dieser Verpackung die Reife zu verschiedenen Händlern in einigen' Großstädten antreten sollte. Die Sendung wurde nun nach Gotha geschafft und in meh- reren Großbetrieben mit Heereslieferungen an die Ar- beiier für einen billigen Preis verkauft.

Weitere Drahtnachrichten«

Ein russischer DrUckebergerprozetz.

o* Stockholm, 24. November. (T. U.) Wegen Ent­ziehung von der Kriegspflicht fand lautRußkoje Slo- wir in Tula ein sensationeller Manenprozeß statt. ,<äauDtangeUagle waren der frühere Chef der Tulaer Militärverwaltung. Smitriew, und sein Unterchef riofv- mirow, welche in Tula ein regelrechtes Bureau eröff­neten, das vom Kriegsdienste befreite. Ueber 2000 Män­ner wurden ermittelt, die mit Hilfe des Bureaus tret* kamen, doch war die wirkliche Zahl der Klienten natür­lich wesentlich größer. Dmitriew und Tiomrkorow wur den zu 2- Jabren Zwangsarbeit in Sibirien, die be­freiten Heerespflichtigen zum Eintritt in die Arnree ver. urteilt. ' ~