Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezügsp?^i» vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hsrsfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

MÄr

für den Kreis Hersfeld

ÄttisWi

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfenchg, tm , amtlichen Teile 29 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Eber- ' halungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. '

Nr. »70. W* ^Ä-"»"1» Donnerstag, den 16. November

1616

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 13. November 1916.

Nachstehend veröffentliche ich die Tagesordnung für den auf

Sonnabend, den 2. Dezember 1916 vormittags 10 Uhr

in den Sitzungssaal des Landratsamts anberaumten Kreistag. ' I. A. Nr. 13212.

Der Vorsitzende des Kceisausschusses.

I. 53.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

1. Eingemeindung der Landgemeinde Kalkobes in den Gemeindebezirk der Stadt Hersfeld.

2. Prüfung und Feststellung der Kreiskommunalkassen- Rechnung für das Rechnungsjahr 1915, Erteilung der Entlastung für den Rendanten und Bestimmung über Verwendung der Ueberschüsse.

3. Abänderung des Kreistagsbeschlusses vom 31. März 1916, betr. Vorausbelastung der Gemeinden zu den Kosten der Kandelpflasterungen au den Landwegen, innerhalb der Ortschaften, gemäß § 10 des Kreis- und Provinzialabgaben-Gesetzes vom 23. April 1906.

4. Vorausbelastung der Gemeinden Schenklengsfeld, Conrode, Landershausen, Unterweisenborn und Wüstfeld zu den Kosten der Unterhaltung der Bahn­hofszufuhrstraße in Schenklengsfeld in Höhe von 8A des veranschlagten Betrages von 5 300 Mark.

5. Begutachtung des Landwegebauetats für das Rech­nungsjahr 1917.

6. Begutachtung des Projekts über Verbreiterung und Verbesserung der Gefällverhältnisse des Landweges Hersfeld-Nippe, in der Gemarkung Ransbach, und P^IMMMM

7. Uebernahme einer Bürgschaft bis zur Höhe von 3 000 Mark für die landw. An- und Verkaufsstelle Hessenland G. m. b. H. in Cassel gegenüber der Landesfuttermittelgesellschaft m. b. H. in Berlin.

8. Uebernahme einer Bürgschaft für die Rückzahlung und Verzinsung von Darlehen, die auf Grund der Anträge des Kreisausschusses aus der Hess. Kriegs- hilfskasse an Kriegsteilnehmer des Kreises gewährt werden.

9. Uebernahme einer Garantie für das Darlehn, wel­ches der Abdeckereibesitzer Wilhelm Berg in Fulda bei der Sparkasse in Hersfeld aufnimmt zur Er­richtung einer Tierkadaververnichtungsanstalt im Kreise Hersfeld, gemeinsam mit dem Kreise Roten- burg.

10. Erlaß einer Ordnung über die Erhebung von Ge- .bühren für die Benutzung der Kreiskadaverver­nichtungsanstalt.

11. Bewilligung einer Beihilfe von 1 000 Mark zu den Kosten der Erbauung der orthopädischen Anstalt für Kriegsbeschädigte für das Herz-Jesu-Heim in Fulda (bereits in der Sitzung am 31. März 1916 außer der Tagesordnung bewilligt.)

12. Beitritt des Kreises zu dem Kriegshilfsverein des Reg. Bezirks Cassel für den Landkreis Stallupönen und Bewilligung eines Beitrages von 8632 Mark.

13. Beschlußfassung über Verwendung von Wander- lagersteuer, die von der Gemeinde Heringen ver­einnahmt worden ist.

14. Neuwahl von Mitgliedern der Ersatz-Commission für die Jahre 191720.

15. Wahl von Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten zur Mitwirkung bei der im Herbst 1916 stattsindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1917.

16, Neuwahl der Commission für die Unterverteilung der Landlieferungen im Mobilmachungsfalle für die Jahre 19171922.

Bekanntmachung.

Der 6. Kriegslehrgang über Obstbau für Garten­besitzer findet in der Zeit vom 1318 November 1916 an der Kgl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Garten­bau zu Geisenheim a RH. statt.

Der Unterricht-plan ist folgender:

Montag, den 13. November: 910 Uhr Vortrag: Der Obstbau tm HauSgarten. Das Pflanzen der Obst- bäume. Garteninspektor Junge. 1011 Uhr: Bau und Leben der Obstbäume. Professor Dr. Kroemer. 1112 Uhr: Allgemeine Maßnahmen zur Gesunder­haltung der Obstbäume. Professor Dr. Lüstner.

Dienstag, den 14. November: 910 Uhr Vortrag: Die Wurzelpflege der Obstbäume. Garteninspektor Junge. 1011 Uhr: Das Wurzelleben der Obstbäume. Professor Dr. Kroemer. 1112 Uhr: Die Wurzel- schädiger der Obstbüume. Professor Dr. Lüstner.

Mittwoch, den 15. November: 910 Uhr Vortrag:

Die Stammpflege der Obstbäume. Garteninspektor Junge. 1011 Uhr: Die Lebensvorgänge tu den Stammorganen der Obstbäume. Professor Dr. Kroemer. 1112 Uhr: Die Stammschädiger der Obstbäume. Professor Dr. Lüstner.

Donnerstag, den 16. November: 910 Uhr Vortrag: Die Kronenpflege der Obstbüume. Garteninspektor Junge. 1011 Uhr: Die Leben-tätigkeit der Blätter. Professor Dr. Kroemer. 1112 Uhr: Vortrag: Die Blattschädiger der Obstbäume. Professor Dr. Lüstner.

Freitag, den 17. November: 910 Uhr: Vortrag: Die Kronenpflege der Obstbäume. Garteninspektor Junge. 10-11 Uhr: Die Lebenstätigkeit der Blätter. Professor Dr. Kroemer. 1112 Uhr: Die Blüten- schädiger der Obstbäume. Professor Dr. Lüstner.

Samstag, den 18. November: 910 Uhr Vortrag: Die Düngung der Obstbäume. Garteninspektor Junge. 1011 Uhr: Blüte und Frucht und ihre Beziehungen zu den übrigen Organen des Baumes. Professor. Dr. Kroemer. 1112 Uhr: Die Fruchschädiger der Obst­bäume. Professor Dr. Lüstner. An den Nachmittagen der ersten 5 Tage: Praktische Uebungen in den Obst­anlagen der Anstalt.

An diesem Lehrgänge können Männer und Frauen unentgeltlich teilnehmen. Anmeldungen sind bald­möglichst an die Direktion der Lehranstalt zu Geisen­heim a RH. einzureichen.

* * *

Hersfeld, den 10. November 1916. Wird veröffentlicht.

Nr. i. 14493. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 15. November 1916.

Im Interesse der Aufrechterhaltung eines ge­regelten Geschäftsbetriebes bei dem Königlichen Land­ratsamt muß ich die Kreiseingesessenen dringend er-

bestehenden Sprechstunden, vorm. von 11 bis 12 2 Uhr nnd nachm. von 45 Uhr zu halten

Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher er­suche ich, dies anf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Ortseingesessenen zu bringen.

1. 11106. Der Landrat.

J. B.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 7. November 1916.

Vom 1. November d. J. ab fallen die Züge4764 Hersfeld ab 7.47 Vorm., Alsfeld an 9.36 Vorm. und 4765 Alsfeld ab 10.12 Vorm., Hersfeld an 12.15 Nachm. aus.

Tgb. No. I. 11272. Der Landrat.

I. B.:

v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 13. November 1916.

Von den ab 1. November d. J. auSgegebenen Zuckerkarten ist ein großer Teil unbedruckt. Diese Karten haben selbstverständlich keine Gültigkeit. Sie sind sofort an die Ortspolizeibehörde zurückzuliefern. Tgb. No. K. G. 2701. Der Landrat.

3. az.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat«

* Eine beherzigenswerte Mahnung zur Anpassung an die Kriegsverhältnisse richtet der Land­rat des Kreises Münden an die Kreiseinwohner die auch in anderen Orten beachtet werden sollte. Es heißt darin: Noch immer treten Erscheinungen auf, als ob die Bevölkerung ein Recht auf eine bestimmte, soweit als möglich den Friedensverhältnissen ange- paßte Lebenshaltung besitzt. Dieser Rechtsanspruch besteht nicht. Gewiß so« jedem, besonders den Schwer- arbeitenden und den Kindern im Rahmen des nur irgend Möglichen ausreichende Nahrung zugeführt werden, aber Jedermann sollte sich doch klar machen, daß wenn es sehr knapp «erden wird, dieses nicht Schuld der Behörden oder der Produzenten, sondern die Schuld der Engländer ist, welche uns fast jede Zufuhr absperren und dadurch zu einem schmählichen Frieden zu zwingen suchen. Entweder durchhalten bei knapper Nahrung und mit eisernem Willen sich den unverschuldeten Notwendigkeiten der schweren Zeit unterwerfen oder einen Frieden schließen, der alle die Opfer an Gut und Blut preisgibt, und damit un- meßbare neue, jede Vorstellung weit hinter sich lassende Lasten auf sich nehmen, das ist die Wahl: ein drittes gibt es nicht. Wer dagegen gegen die Be­hörden lärmt und heftig sein Recht fordert und sich nicht beugen will unter die schwere Zeit und durch­halten, wo bei gutem Willen wohl durchzuhalten ist, und nicht ertragen will, waS in früheren weit hinter uns liegenden Zeiten ohne Murren ertragen wurde, wer Vorräte zurückhükt, zu deren Hergabe er ver­pflichtet ist, der handelt schmählich und versündigt sich am Vaterlands.

):( Hersfeld, 15. Nov. Von dem Gefangenen- Kommando der Gewerkschaft Wtntershall in Heringen ist der Kriegsgefangene Russe David Symönik N». 116 9 5. Komp. am 7. November abends zwischen 79 Uhr entwichen: Kleidung: Gefangenanzug, Russischen Mantel und Mütze. Größe: Klein, geistig beschränkt.

):( Hersfeld, 15. November. Die Her-felder Kriegsjugendwehr hat bisher Uebungen bevor­zugt, die in der freien Natur abgehalten werden konnten. So sind im Lause deS Sommers eine größere Anzahl Krieg-spiele, bei denen als Gegner öfters auswärtige Juzendwehren mitwirkten, an-geführt worden. Marsch- und Ordnungsübungen wurden außerdem keineswegs vernachlässigt. Die von dem Krieg-ministerium angeordneten und für den Bezirk des 11. Armeekorps in Cassel zum Austrag gebrachten Wettkämpfe im Wehrturnen erforderten gründliche Vorbereitung. Um in diesen Wettkämpfen mit Ehren zu bestehen, bedurfte es fleißiger Turnarbeit der für dieselben auSersehenen Jungmannen. Der Erfolg ihrer unermüdlichen körperlichen Betätigung war denn auch ein über Erwarten guter, da von den 14 Staatsmedaillen allein 3 auf die Hersfelder und von den 3 Ehrenurkunden des KriegSminifterium- für die besten Gruppenwettkämpfe eine auf die HerSselder Barlaufmannschaft entfielen, wodurch die HerSfelder Jugendwehr die erste Stelle unter sämtlichen mit- kämpfenden Jugendwehren erlangte. Die Herbst- und insbesondere die Winterzeit aber erfordert es, daß die Jungmannen ihre körperliche Kräftigung auch in ge­schlossenen Räumen suchen müssen. Der Turnverein Hersfeld hat zu diesem Zwecke die Turnhalle der Jugendwehr zur Verfügung gestellt. Es sollen für die Folgezeit, an jedem Freitag Abend pünktlich um 8 Uhr beginnend, im großen und kleinen Saal Turn- und Ordnungsübungen gepflegt werden. Dabei feS die streng militärisch« Ausbildung der jungen Leute insbesondere Sie der Jahrgänge 1898 und 1899 nicht tnJ^tTjStnlei^^

Wehrdienst erfolgen.^'"Durch Instruktion-stunden werden die Jungmannen theoretisch vorgebildet werden. Eine Anzahl geeigneter Herrn haben sich zur Verfügung gestellt, um die Ausbildung der jungen Leute fördern zu helfen. Den Jugendlichen entstehen durch ihre Teilnahme keinerlei Unkosten. Es ist nicht nötig, sich mit Turnkleidung zu versehen, wohl aber ist leichtes Schuhwerk (Turnschuhe oder Hausschuhe) erforderlich. Die Marsch und Geländeübungen sollen aber an den Sonntagen nicht gänzlich ausfallen. Bi- zum Frühjahr wird monatlich eine größere Uebung im Gelände stattfinden. Die Winterabende sollen außerdem durch gute Vorträge eine angenehme Ab­wechslung erfahren. Alle Jugendliche aus Hersfeld und seiner nächsten Umgebung «erden zum Eintritt in die Jugendwehr und zur Teilnahme an den Uebung-stunden nochmals aufgefordert.

);( Niederthalhause«, 15.November. Da» Eiserne Kreuz wurde dem Musketier Karl Allendorf im Res.-Juf.-Regt. Nr. 251 verliehen.

Fulda, 12. Nvvember. Der Zigeuner Wilhelm Ebender, einer der Mittäter an der Bluttat, der im Jahre 1911 der Förster RomanuS bei Fulda zum Opfer fiel, wurde am Freitag von Holland an Deutschland zur Aburteilung au-geliesert. Er war bisher im Haag in Haft und wurde dort von zwei Fuldaer Gendarmen in Empfang genommen, die ihn über Frankfurt nach Fulda verbrachten. Bei Ebenders Ankunft in Frankfurt hatte üch am Bahn­steig der HauptbahnhofS eine große Menschenmenge eingefunden. Ebender war nur an den Händen ge­fesselt und trug ein sehr zuversichtliches Wesen zur Schau. Bis zum Ausbruch der Krieges hielt er sich in Deutschland aus. Er hat nach der Bluttat nur den Anzug gewechselt und ist dann von Ort zu Ort gefahren, ohne daß man sich um ihn kümmerte. Manchmal habe man ihn, so erzählte er auf der Polizeiwache, zwar mißtrauisch angesehen, doch sei es nie zu einer näheren Betrachtung gekommen. Bor- wiegeud hielt er sich in Westdeutschland auf. Erst bei KriegSauSbruch begab er sich nach Holland, wo er sich als Makler und Viehhändler durchs Leben schlug, biS man ihn im Frühjahr verhaftete. An der Blur- tat im Fuldaer Walde will er unmittelbar nicht beteiligt gewesen sein, vor allem nicht den löblichen Schuß abgegeben haben. Er kenne den Mörder zwar, aber den Verräter wolle er nicht spielen, erklärte er. Den Schuß habe ein junger Hkammessenofse abge- feuert, der sich der Tragweite feiner Handlung noch nicht bewußt gewesen sei. Er, Ebeuder, wine alS 29jähriger Mann schon, was er tue, um nicht den Kopf zu verlieren. Die paar Jahre Zuchthaus, die er erhielte, risse er mit seinen jungen Jahrcu noch leicht ab. Ueber den gegenwärtigen Aufenthalt seiner Familie ist er seit Krieg-begrun nicht mehr unterrichtet, bis dahin hat er in ständiger Fühlung mit ihr gestanden. Seinen Begleitern gegenüber trug Ebender ein sehr höfliches, ruhiges Verhalten z«r Schau, hat auch während des Transportes nicht den leisesten Versuch des Widerstandes oder gar eines Fluchtversuches gemacht.