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in neuer „BaMtoug“-M

Noch hat sich die Empörung über die Scheußlichkeit des „Baralong"-Mordes nicht gelegt, und schon Wieder muß dem deutschen Volke Nachricht von entern ähnlichen Verbrechen gegeben werden, dessen sich England und feine Seestreitkräfte schuldig gemacht haben. Ein deut­scher, aus England in der Schweiz übergeführter Dffb zier hat folgendes berichtet:

Das deutsche Unterseeboot „U 41" hat am Ä Sep­tember 1915 in der Nähe der Scilly-Juseln einen Danrpfer unter amerikanischer Flagge angehalteu. Wah­rend der Dampfer stoppte und anscheineud Anstalten traf ein Boot zu Wasser zu lassen, lief das U-Boot bis auf eine Entfernung von etwa 300 Meter an den Dampfer heran. In diesem Augenblick klappte der Dampfer plötz­lich au zwei Stellen die Reeling herunter, eröffnete aus zwei Zchiffsgeschtttze« das Feuer auf das U-Boot und beschossen es außerdem aus zahlreichen Gewehre». Das alles geschah bei wehender amerikanischer Flagge! Das U-Boor, das schwer getroffen worden war, ging zunächst unter, jedoch gelang es ihm nach kurzer Zeit, wieder an die Oberfläche zu kommen. Durch ein jetzt geöffnetes Luk konnten gerade noch der Oberleutnant zur See. Crompton, und der Steuermann Godau aus dem Boot herauskommen, als es zum zweiten Male, und nun für immer, in der See versank. Trotz schwerer Verwundung des ersteren gelang es ihm, wie auch dem Steuermann, sich schwimmend zu erhalten, auch nach einiger Zeit ein leer in der Nähe treibendes Boot zu erreiche;! und zu besteigen. Der Dampfer, der dies bemerkt hatte, kehrte nun zurück und hielt mit voller Fahrt auf das Boot zu, aber nicht etwa, wie man hätte annehmen sollen, um die beiden hilflosen Süfbrüchigen zu retten, sondern um das Boot zu rammen. Zu diesem Zweck war sogar vorn auf der Back ein Mann aufgestellt, der die nötige» An­weisungen für das Steuer zur Kommandobrücke hinauf- rief. Kurz bevor das Boot getrosten wurde. sprangen die Schiffbrüchige» in die Bugwellen des rammenden Schiffes, und es gelang ihnen, sich später au den Trüm­mern des Bootes festzuhalten. Erst nachdem sie wieder über eine halbe Stunde im Wasser gelegen hatten, kehrte der Dampfer in ihre Nähe zurück und nahm sie nunmehr ruf. Am Deck ließ sich aber kein Offizier blicken. Anstatt dem verwundeten Oberleutnant, der einen doppelten Kteferbruch, einen Schuß an der linken Schläfe, eine fingerbreite Wunde mit drei Splittern in Nase und Backe,. sowie ein zerschossenes Auge bei der Beschießung des U-Bootes davongetragen hatte, Hilfe zu leisten, wurden die beide» Geretteten erbarmungslos in einen Teckverfchjag eingesperrt, der etwa einen Meter hoch und zwei Meter lang und vorn mit Eisenstäben abge­schlossen war. Hier mußten sie verbleiben bis zu ihrer Ankunft in Falmonth am 25. September 1915. Erst dort wurde den Verwundeten die erste ärztliche Hilfe zuteil.

Erst am 29. September 1915 wurden die beiden Geretteten, bekleidet nur mit Hemd und Unterhose, un­ter starker Bedeckung an Sand in ein Hospiz befördert, um am 6. Oktober nach Plymouth und am 10. Oktober dortselbst in ein Hospiz übergeführt zu werden. Von Plymouth wieder wurden sie am 6. November nach York Castle ins dortige Militärgefängnis zusammen in einen Raum gebracht. Am 15. Dezember 1915 wurde schließlich der verwundete Offizier mit noch offenen Wunden nach Dyffryn Alleö übergeführt. Der dortige

W

Gefahr) zur Auslieferung nach der Schweiz zu schicken. Von der ersten untersuchenden Schweizer Aerztekom- rnission wurde er auch angenommen, ebenso bei der Hauptuntersuchung von anderen Schweizer Aerzten. Trotzdem legte der englische Generalarzt ein Veto ein, und der Verumndete mußte in England Zurückbleiben. Hinzuzufügen ist noch, daß Oberleutnant zur See Crompton verschiedentlich versucht hat, über die ame­rikanische Botschaft in London an die deutsche Regie­rung zu berichten, daß seine Berichte aber bei der deut­schen Regierung nicht eingelaufen sind.

Nachdem es also der englischen Regierung nicht ge­lungen ist, den verwundeten Oberleutnant an seinen Wunden sterben zu lassen, um so den Hauptzeugen zu beseitigen, suchte sie ihn wenigstens für die Dauer des Krieges für die Öffentlichkeit ohne Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand unschädlich zu machen. In diesen Tatsachen ist nicht nur das Eingeständnis der Wahrheit des Berichteten zu finden, sondern auch das schlechte Gewissen der angeblich für Kultur und Menschlichkeit kämpfenden englischen Regierung.

Der Kommandant des Unterseebootes „U 41" war Kapitänleutnant Hansen, einer der tapfersten und be­währtesten Unterfeebootskommandanten der deutschen Marine.

Unser Sieg am Stochod.

Nach den schweren Niederlagen, welche die Russen an der Narajowka erlitten haben, und in denen sie ge- znmngen wurden, sich auf das östliche Ufer der Nara­jowka zurückzuziehcn, ist nun wieder ein sehr erfolg­reicher Vorstoß unserer Truppen zu verzeichnen. Das alte Kampfgebiet bei Witoniez ist es, wo weftfalW und ostfriesische Truppen neue Lorbeeren errungen ha­ben. Es handelt sich um die wichtigen Stellungen süd­lich der Bahn Kowel-Rowno, die im unwiderstehlichen Ansturm unserer Truppen zusammenbrachen. Unser jüngster Sieg am Stochod wird durch die Lage von Wr- toniez zu Kowel ganz besonders wertvoll. Witoniez liegt nämlicö rund 30 Klm. südöstlich von Kowel an dem gro­ßen Bogen, welchen der Stochod in seinem südlichen Laufe gegen Nordwesten zu bildet. Der Stochod macht in seinem Verlaufe mehrfach sehr starke Biegungen, die bald nach Westen bald nach Osten führen. Bei Witoniez hat er ungefähr den westlichsten Punkt seines Laufes erreicht. Da nun die Russen bet allen ihren Angriffen das eine Ziel im Auge hatten, Kowel zu erreichen, und da ihre Front bei Witauiez diesem Endpunkte ihres An- griffes sehr nahe gelegen ist, so ist es erklärlich, daß sie hier in früheren Tagen unausgesetzt starke Angriffe machten, und zugleich starke Reserven hier anhäuften. Die Stützpunkte, die den Russen nach der Ueberschret- tung des Stochod in die Hände fielen, wurden von ihnen noch nach allen Regeln der Festungskunst ausgebaut, um ein weiteres Vorwärtsschieben der Front in Rich­tung auf Kowel zu erreichen. Besonders die russischen Stützpunkte auf dem westlichen Ufer des Stochod waren für die russische Heeresleitung ungemein wichtig, da die Ueberschreitung des Stochod selbst angesichts unserer Verteidiger sehr schwierig war, und die Brückenköpfe, welche die Russen auf dem Westufer errichten konnten, den Nachschub starker Reserven begünstigtem Aus allen diesen Gründen ist die Erstürmung des russischen Brückenkopfes und die Vertreibung der Russen auf das östliche Stochod-Ufer von ungewöhnlichem Werte, da die­ser neueste Sieg unserer Truppen die allmählich stei­gende Überlegenheit unseres Heeres deutlich erweist. Die Gefangennahme von mehr als 1500 Mann ist ein weiteres Anzeichen für die Größe unseres Sieges. Die Säuberung des östlichen Stochod-Ufers hat auch mit dem neuesten Siege unserer Waffen wieder einen recht er- freulichen Fortschritt gemacht (OKM.)

Französische Kriegsziele. *

Wie der „Temps" vom 31. Oktober hervorhebt, äußern sich zu dem von Maurice Alfassa in einer Studie vertretenen Kriegsziel der vollständigen Zurückgewin­nung des ganzen lothringischen Eisen- und Kohlen­beckens angesehene Schriftsteller und Politiker zustim­mend. Danach schreibt General Malleterre: Drei Arten von Bürgschaften sind beim künftigen Friedensschluß nötig: politische, wirtschaftliche, militärische. Das loth­ringische Becken gehört zu den unumgänglich notwendi­gen wirtschaftlichen Bürgschaften. Nach Engerand und Launay weist Alfassa unwiderleglich nach: daß es in Zu­kunft zwischen Saar und Mosel kein industrielles Mono­pol Deutschlands geben darf. Wir Soldaten fordern weitere Garantien. Die Stunde ist noch nicht gekom­men, um sie näher zu bezeichnen,- doch lassen sie sich all­gemein kurz zusammenfassen in der Formel, die den politischen Bürgschaften nicht vorgreift: in Zukunft darf es, leinen deutschen Soldaten mehr auf dem linken wirtschatslich dringend notwendig, das Saarkohlengebiet und die lothringischen Erzminen zu beherrschemund sich, falls die so zurückgewonnene Kohle nach Quantität und Qualität nicht zur Ausbeutung der Mmette ausreichen sollte, anderwärts die Lieferung einiger Millionen Tonnen zu sichern. Es handelt sich dabei nicht um Be­setzung neuer Gebiete aus Eroberungslust oder Unter­werfung widerstrebender Bevölkerungen, sondern ein­zig um wirklich wirksame Bürgschaften gegen eine Wie­derkehr wirtschaftlicher oder militärischer Angriffslust der Deutschen. Je weniger man sich dabei in die inne­ren Angelgenheiten derselben einmischt, um so eher wird es gelingen, von neuem ihre atavistische Neigung zur Anarchie zu erwecken, die sie vor dem Auftreten der Hohenzollern für alle ihre Nachbarn als wenia gesähr- lich erscheinen ließ. In der Form politischer Selbstän­digkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit, welche Deutsch­land zwischen Königgrätz und Sedan dem Großherzog- tum Luxemburg gab, haben wir einen überaus wich­tigen Präzedenzfall, den die Verbandsmächte als Bei- spiel setzen müssen, wenn ihr Werk Bestand haben soll.

Dermfsdhfes.

Die höchste Geschützstellung der Welt. Der als Kriegsberichterstatter der „Daily Mail" in Rom wei­lende Mr. Irwin Will, der vor dem Kriege in seinem

Blatte über römische Bälle und andere gesellschaftliche Ereignisse in der Ewigen Stadt berrchtete, hat kürzlich einen Stimmungsbericht von der italienischen Front verfaßt, in dem er seinen staunenden Lesern erzählt, daß er in einer Höhe von 4000 Metern ein italienisches Geschütz nebst Lafette erblickt habe. Die Feststellung dieser Rekordhöhenleistnug einer Geschützstellung be­gleitete ein überschwenglicher Lobeshymnus auf die ar­tilleristische Leistungsfähigkeit der italienischen Verbün­deten, für die es keine Schwierigkeiten technischer Sta­tur gebe. Staunenswerter noch als die Leistungsfähig­keit der italienischen Artilleristen ist aber jedenfalls die des englischen Berichterstatters in Rom, der in der schwindelnden Höhe von 4000 Metern ein schweres ita­lienisches Geschütz gesehen haben will. Dieser Fall von Weitsichtigkeit muß umso höher bewertet werden bet einem Vertreter der englischen Journalistik, deren Zu­verlässigkeit und Wahrheitsliebe anerkanntermaßen viele tausend Meter unter jeder Kanone stehen.

Für drei Milliarde» Musik. Wenn man die mu­sikalische Begabung der Amerikaner in ein Verhältnis zu den Summen bringen wollte, die sie — auf Grund einer Berechnuig, die der Neuyorker Dtusikverleger John Freund angestellt hat — ansgeben, um Musik zu hören und zu erlernen, so müßten die Yankees zweifel­los eine der musikbegabtesten Nationen sein. Nach Freund gibt der Amerikaner jährlich weit über drei Milliarden Mark aus, um sein Musikbedürfnis zu stillen,- von diesem Betrag entfallen über anderthalb Millionen auf den Einkauf von Grammophonen und ähnlichen Apparaten, während etwa 970 Millionen für Instrumental- und Gesangstunden bezahlt werden. Was für ein Paradies der Musiklehrer müssen danach die Bereinigten Staaten sein! Weiter stellte der ge­nannte Verleger fest, daß etwa 300 Millionen an Kirchenmusik, 175 Millionen an weltlicher Musik aller Art verdient werden: dabei sind die Einnahmen, die Opern- und Operettenaufführungen bringen, bei diesen Beträgen noch nicht einmal mit veranschlagt. Auch da­rüber, wieviel die Amerikaner jährlich ausgeben, um Kaffeehausnmstk und dergleichen zu genießen, macht Herr Freund keine Angaben.

Wo der Weithin Strömen floß. Wenn wahre Kul­tur sich im Maßhalten zeigt, so stand die Kultur der al­ten Römer auf wackligen Beinen, denn ihre Verschwen­dungssucht steht in vieler Hinsicht wohl einzig da. Namentlich in der Weinverschwendung konnten sich die reichen Römer nicht genug tun, so daß es schließlich so weit kam, daß nach großen Gastmählern die Gäste ihre Hände in Wein wuschen, ja, daß selbst der Boden mit Wein bespritzt wurde. Daß der Weingenuß bei solchen Gelegenheiten stets bis zur mrmätzigen Trunkenheit fortgesetzt wurde, ist eine der Nachwelt nur allzu be­kannte Ueberlieferung, aber auch für die Körperpflege und zwar für Bäder wurde der Wein von den Römern verwendet, was späterhin König Jerome, Napoleons Bruder, nachzuahmen pflegte, allerdings mit dem Unterschied, daß er den Wein nach dem Bade wieder in Flaschen füllen und — verkaufen ließ. Besonders gute Weinjahre verführten auch bei uns das Volk biswei­len zu allerhand Weinverschwendung, was nicht Wun­der nimmt, wenn man ließt, daß man z. B. im Jahre 1484 eine Maß Wein für ein Ei bekommen und gegen ein leeres Faß ein volles eintauschen konnte. Manch­mal waren die Ernten so gut, daß man, nur um Platz für den neuen Wein zu erhalten, den alten einfach weg- schüttete, wie eine aus dem 17. Jahrhundert stammende

Kalk mit Wein aurührie, nur um Verwendung für ihn zu finden. Freilich gab es zu jenen Zeiten in manchen Weingegenden noch so gut wie gar keine richtige Ver­sandmöglichkeit, weshalb der Wein dort in der Regel möglichst an Ort und Stelle verbraucht werden mußte. Da das in schlecht besiedelten Landstrichen aber natür­lich nicht durchzuführen war, so kam es eben ab und zu einmal zu jenem WeinmißbrauH, der Manchen auf den ersten Blick gewiß entsetzt, in Wirklichkeit aber wohl nur durch die Verhältnisse bedingt und, wenigstens bet uns, nur eine Ausnahme war. Weniger harmlos war dagegen die geschmacklose Sitte, die sich in der Mitte des vorigen Jahrhunderts bei einigen reichen Besitzern Mecklenburgs eingenistet hatte, und die darin bestand, daß man nach ausgiebigen Trinkgelagen den Boden des Zimmers mit Wein beschüttete, bis die Gäste förmlich darin waten konnten. Aber jene Sitten besaßen glück­licherweise nur ein kurzes Leben und sind heute längst vergessen. Sehr beliebt war es in früheren Zeiten, bei Volksfesten auf öffentlichen Plätzen Brunnen zu er­richten, denen roter und weißer Wein entströmte. So z. B. bei der Krönung Friedrich I. in Königsberg, wo auf dem Festplatze aus zwei Springbrunnen meistere Stunden lang Wein für das zahlreich versammelte Volk floß. Nebrigens scheinen auch die Frauen der trinken konnte, ohne daß es ihr auch nur im mindesten anzumerken war.

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