Amtlicher Anzeiger
für den Kreis Hersfeld
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Rsdäktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, fm amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- ‘ holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. '
Nr. 364. w,« b™,^ Donnerstag, den 9. November
1916
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 23. Oktober 1916.
Alle noch nicht zum Heeresdienst einzezogeneu aber noch heeresdieustpflichtigen Kreiseivgeseffenen werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß alle Anträge auf Zurückstellung
nach erhaltenem Gestellungsbefehl nach den bestehenden Bestimmungen unberücksichtigt bleiben müssen.
Ich rate daher Jedem, der sich aus irgend einem Grunde für unabkömmlich hält,
Rechtzeitig
Antrag auf Zurückstellung bei mir einzureichen.
Das gleiche gilt auch für die Leiter von landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben bezüglich ihrer Angestellten und Arbeiter.
In den Anträgen ist stets das Geburtsdatum und das Miltitärverhältnis anzugeben.
Der Zivilvorsitzende der Ersatz-Kommission.
J. B.:
v. Hedemann, Reg.-Assossor.
Mitteilungen der Rohmaterialstelle des Landwirschafts-
Berwendung von Heu zur Echweinefütterang nnd Schweinemast.
In den Mitteilungen der Nohmaterialstelle vom 27. September d. J. ist darauf hingewiesen worden, daß im kommenden Winter die Futterrüben (Runkeln, Wruken, Möhren usw.) an Stelle der Kartoffeln bei der Fütterung und Mast von Schweinen herangezogen werden müssen, daselbst sind auch die von Professor Franz Lehmann erprobten Normen für die Rüben- fütterung an Schweinen angegeben worden.
Die Schweinemast ist bekanntlich nur erfolgreich, wenn neben den in den Rüben vorwiegend enthaltenen zucker- und stärkemehlähnlichen Stoffen die nötigen Mengen von eiweißhaltigem Futter verabreicht werden können. Die an solchen eiweißhaltigen Futterstoffen (Oelkuchen, Fischmehl, Kadavermehl, Trockenhefe usw.) vorhandenen Borräte reichen aber zur Deckung des Bedarfes bei weitem nicht aus, es muß also auf andere Weise geholfen werden.
Dies ist möglich durch Verwendung der Heues zur Schweinemast. Nicht nur in Versuchsstationen, sondern auch in zahlreichen Großbetrieben ist festge- stellt worden, daß das Heu zur Schweinefütterung mit bestem Erfolg verwendbar ist. Der ganze Eiweißbedarf der Ration kann durch Heugaben nicht gedeckt werden, wohl aber ein großer Teil desselben.
Es ist selbstverständlich, daß man zur Schweinemast nur die gehaltreichsten und besten Heuvorräte verwendet. .
Die besten Qualitäten von Wiesenheu und Grummet enthalten 7—8% verdauliches Protein, während der Gehalt der guten Qualitäten von Kleeheu (Rotklee, Luzerne, Esparsette, Serradella) auf 10—12% steigt. Blau wird deshalb in erster Linie die gut gewonnenen Kleeheubestände hierzu heranzuziehen.
Das Schwein hat nicht die Fähigkeit, Rohfaser in nennenswertem Umfange zu verdauen, man muß daher ein Produkt erzielen, dar möglichst arm an Roh- saser ist. Deshalb eignet sich von den Wiesenheuarten das Grummet besser als das Heu vom ersten Schnitt. Besonders gute Erfolge sind erzielt worden, wenn die Blätter von Klee- und Luzerneheu durch Dreschen und Absieben die Stengelteile für sich gewonnen wurden, sie haben bet der Schweinemast denselben Futterwert, wie Kleie. Dar Vermahlen der Kleeblätter zu feinem Mehl ist nach den in der Praxis gemachten Erfahrungen zwecklor. Da»Heu von Kleearten, die nur wenig verholzte Stengelteile enthalten, wie Rotklee, Esparsette- und Serradellaheu im Gegensatz zu Luzerneheu kann iu geeigneten Mühlen auch ganz zu Schrot vermahlen werden. DaS Vermahlen zu ganz feinem Mehl hat sich in der Praxis nicht als lohnend erwiesen. Zum Vermahlen von Heu geeignet« Mühlen werden u. a. von K. nnd Th. Möller in Brackwede i. W., C. F. W. Griesbach in Leipzig geliefert.
Es lassen sich also bezüglich der Vorbereitung des HeueS zur Schweinefütteruug folgende Anweisungen geben. Grummet wird einfach gehäckfelt, von Kleeheu werden entweder durch Dreschen die Blätter für sich gewonnen und die Stengel anderweit verwertet, dies ist besonders für Luzerneheu empfehlenswert, oder
man häckselt das ganze Kleeheu und verarbeitet den Häcksel auf einer geeigneten Mühöe zu Schrot, dies empfiehlt sich namentlich bei Rotklee, Esparsette- und Serradellaheu. Wenn man den Säcksel künstlich vortrocknen kann, läßt er sich besser vermahlen.
Der Grummethäcksel, die Klceheublätter oder das Kleeschrot werden dann am besten mit den zerkleinerten Rüben gemischt und gemeinsam gedämpft, wobei das Dämpfwasser sorgsam gesammelt und mit verfüttert wird, weil es den (beim Kochen der Rüben gelösten Zucker und andere wertvolle Nährstoffe enthält. Das Dämpfwasser von Kartoffeln muß man bekanntlich abfließen lassen. Wenn man also Kartoffeln mit ver- süttert, so müssen diese für sich gedämpft werden.
Der Zuchtdirektor Mommsen in Halle a. S. berichtet in Nr. 75 der Jllustierten landwirtschaftlichen Zeitung vom 16. September über die Mästung von Schweinen, die unter Verwendung von Kleemehl von zur Horst in GroßfeldhuS, Oldenburg, ausgeführt wurden. Hierbei wurden in einem Fall neben dem Rüben- und Kartoffelfutter 4,3 Pfund Kleemehl, 12 Pfund Fischmehl und 2 Pfund Eicheln und in einer späteren Periode 5,6 Pfund Kleemehl, 1 -• Pfund Fischmehl und 2 Pfund Eicheln verabreicht. Es handelte sich um Sauen über 1 Jahr alt, die 3 Monate vorher abgeferkelt hatten und 270—300 Pfund schwer waren. Der Zuwachs war ein durchaus zufriedenstellender.
In zahlreichen Wirtschaften einer Güterdirektion wurden an 80 Pfund schwere-Läufer neben dem Rübeu- bezw. Kartoffelfutter 12 Pfund Luzerneblätter 1 Pfund Gerstenschrot, an Läufer bis 120 Pfund Gewicht l3 ± Pfund Gerste und 1% Pfund Luzerneblätter, an Mastschweine bis 200 Pfund Gewicht 1 Pfund Luzerneblätter, 2 Pfund Gerste, % Pfund Fischmehl mit gutem Erfolg verabreicht. Hierbei wird besonders bemerkt, daß es zweckmäßig ist, die Tiere von Jugend auf an die Aufnahme von Luzerneblättern zu gewöhnen. Die letzteren werden daher zweckmäßig schon den
* * * Hersfeld, den 25. Oktober 1916.
Wird veröffentlicht.
Der Landrat.
J. B.:
v. Hedemann, Reg.-Affofsor.
Mitteilungen der Rohmaterialstelle des Landwirtschaftsministeriums.
Die Beschaffenheit deS Fntters, das durch Ausschließung mit Aetznatron an» Stroh gewonnen wird.
Die Versuche von Franz Lehmann-Göttingen haben ergeben, daß der Grad der Ausschließung, d. h. die Verdaulichkeit deS gewonnenen Futters abhängig ist von der Menge der verwendeten Lauge, der Menge deS beim Kochen zugesetzten Wassers und dem Druck, der während des Kochens in den Kochgefäßen gehalten wurde. Der Einfluß der beiden ersteren Faktoren ist aber größer, als der des letzteren. Da Druckgefäße während deS Krieges schwer zu beschaffen sind, außerdem der Aufwand von Brennstoffen für die Erzeugung deS Druckes ein höherer ist, als wenn ohne Druck gearbeitet wird, so müssen im allgemeinen Kochgefäße ohne Druck verwendet werden. Die Verwendung von Druckgefüßen bietet allerdings den Vorteil, daß bei richtiger Leitung der Kochung säuerlich schmeckendes Futter gewonnen wird, das von den Tieren williger ausgenommen wird, alS da» in Gefäßen ohne Druck gewonnene, das eine geringe alkalische Reaktion zeigt. Dieser Nachteil ist aber nicht von großer Bedeutung, da er sich durch Herstellung geeigneter Futtermtschungen und andere Maßregeln beseitigen läßt.
Die Ergebnisse der umfangreichen und mühsamen, von Lehmann mit Druckgefäßen auSgeführten Versuche lassen sich wie folgt zusammcnfaffen:
Ausbtut« Verdaulichkeit
6° 0 Aetznatron . . 80° 0 60° 0 ,
8° ° Aetznatron . . 80% 66% 10° 0 Aetznatron . . 70% 73' 0
Bergleichswert deS Futters mittlere» Wiesenheu bestes Heu, geringe Kleie Kraftfutter im Wert bester Kleie.
Beim 6—8 stündigen Kochen ohne Druck und unter Verwendung von 10% Lauge wurde ebenfalls eine Verdaulichkeit der organischen Substanz von 74,19 > erzielt. Bei Verwendung von 20% Lauge stieg der VerdauungScoeffizient der organischen Substanz sogar bi» auf 81,88%. Bei allen Kvchnngen war da» 2- brö Rache Gewicht des Strohes an Wasser erforderlich. Die Ausbeute, d. h. die Menge Futter, die man «u» der Gewichtseinheit Stroh gewinnt, wird natürlich um so geringer, je mehr Lauge man verwendet, je vollkommener der Grad der Aufschließung ist. Bei der Verwendung verschiedener Stroharten machten üch nickt unerhebliche Unterschiede geltend, die im wesentlichen davon abhängig zu sein schienen, unter welchen Boden- und Witterungsverhältniffen da» bezüglich«
Stroh gewachsen ist. Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Sommer- und Winterstroh besteht aber nicht, das letztere ist mindestens ebenso brauchbar wie das erstere. Da aber das Sommerstroh in unveränderter Form einen höheren Futterwert hat als das Winter- stroh, empfiehlt es sich, zur Ausschließung in erster Linie das letztere zu verwenden.
Im Jahre 1904 hat bereits der Amtsrat Küster in Coldingen bei Hannover längere Zeit aufgeschlossenes Stroh nach dem Lehmannschen Verfahren an die Viehbestände seiner Wirtschast verfüttert. Die Ergebnisse sind in der Hannoverschen Land- und Forstwirtschaftlichen Zeitung von 1904 Nr. 38 und in der Deutschen Landwirtschaftlichen Presse, Paul Parey, Berlin, von 1904 Nr. 24 veröffentlicht. Auch in der Zuckerfabrik Steinitz in Mähren hat von Seidl längere Zeit hindurch aufgeschlossenes Stroh mit gutem Erfolg zur Ochsenmast verwendet, ein ausführlicher Bericht findet sich in der Chemiker-Zeitung Cöthe» 1907 Nr. 40 S.' 517.
In der neuesten Zeit hat der Ritttmeister ColSman, einer Anregung des LandwirtschaftSministeriumS folgend, auf seinen Gütern in Lindenberg und Tauche in größerem Umfange und lange Zeit hindurch aufgeschlossenes Stroh gefüttert. Er hat dabei als erster im landwirtschaftlichen Großbetrieb Stroh in Apparaten ohne Druck aufgeschlossen, an die Viehbestände verfüttert und für diesen Zweck neue, zur Herstellung des Futters geeignete, den Verhältnissen der Land- wirtschaftkbetriebe möglichst angepaßte Koch- und Waschapparate konstruiert. Er berechnet, daß bei seinem 84 Pserde, 40 Kühe, 26 Zugochsen, einige Schweine und Schafe umfassenden Viehbestand täglich Kraftfutter tm Werte von rund 200 Mk. durch die Verwertung von aufgeschlossenem Stroh ersetzt wurde.
Wie bereit» in dem Rundschreiben vom 18. Oktober 1916 ausgeführt, versendet der Kriegsausschuß für Ersatzfutter, Berlin W. 10, Matthäikirchstraße 10, auf ErsWM BeWreibungen des rtrohsuf-
CR^^chen^ Vorschlägen. Desgle^en ^h? Be- schreibung einer an die Einrichtung der Papierindustrie sich anschließenden Anlage zur Strohauf- schließung. Die bezüglichen Drucksachen enthalten auch Zeichnungen der ganzen Anlagen, Angaben über die Kosten und die Lieferanten der verschiedenen Apparate usw. Der Kriegsausschuß bewirtschaftet auch die zur Aufschließung erforderlichen Laugen, so daß Landwirte, die die Strohaufschließung einzuführen beabsichtigen, alle näheren Auskünfte von diesem Aus- schuß erhalten. Der Bedarf an Lauge muß dem Kriegsausschuß rechtzeitig angemeldet werden.
Berlin, den 24. Oktober 1916.
* * * HerSfelS, den 1. November 1916. Wird veröffentlicht.
No. I. 11083. Der Landrat.
B.r
v. Hedemann, Reg.-Asseffor.
Bus der Heimat
§ HerSfeld,8. November. (Verkauf von Schweizer- Ziege n.) Die LandwirtschaitSkammer für den Regierungsbezirk Cassel wird am Sonnabend den 11. November d. JS., vormittags 10 Uhr in Cassel auf dem Quellhofe (Nähe der Holländischen Straße) 100 Schweizer-Ziegen, darunter Böcke, Ziegen und weibliche Lämmer gegen Barzahlung versteigern. Näheres ist aus dem Anzeigenteil zu entnehmen.
);( Hersfeld, 8. November. In einer gemeinschaftlichen Sitzung des Magistrat» und der Stadt» er- ordetenversammlung wurde die Neuwahl eines Bürgermeisters für unsere Stadt vorgenommen. Der besoldete Beigeordnete Herr Friedrich Wagner au» Neunkirchen wurde mit 15 von 21 abgegebenen Stimmen gewählt. Gemeldet hatten sich im ganzen 108 Bewerber, »pn denen 3 zur engeren Wahl kamen.
):( Sorg«, 8. November. Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurde ausgezeichnet: Unteroffizier A. F e r r e r i im Res.-Jnf.-Regt. 71.
Cassel, 7. November. Ein fünfzehnjähriger Dieb von Feldpostpaketen wurde vor kurzem hier festge- nommen. In den letzten Tagen fand der Buchhalter einer Diesigen Fabrik zufällig am Lntherplatz eine zerrissene Paketadresse, die an den im Felde stehenden Sohn seines Chef» gerichtet war. Da die meisten Liebesgaben nicht an tarnen, wurde Anzeige erstattet. Der Kriminalpolizei gelang e», den Dieb in der Person eines 15jährigen Laufjungen festzunehmen.
Hünfeld, 6. November. RegierungSrat a. D. Lücke ist von der Verwaltung des Landralsamte» Hünkeld vorläufig entbunden worden. Die Verwaltung übernahm RegierungSreferendar von Möller-Heiligenthal.
Fulda, 5. November. Der Landrat hat die AuS- fuhr von Wasser-, Stoppel- und Herbstrüben, Runkel- und Kohlrüben (Kohlrüben) sowie von Möhren aller Art aus d»m Kreis« Fulda bei hohen Strafen verboten.