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verschärfte Maßnahmen der Knlenle gegenüber Griechenland

Die Lage an den Ironlen.

Die S o m m e s ch l a ch t dauerte mit kurzen Unter­brechungen an. Brennpunkte und Brennlinien waren wie vordem Thiepval und Le Sars, Morval-Boucha- vesnes, Lesboeufs-Raucourt, Biaches, Barleux-Ablain- court und Fresnes-Mazancourt. Jeder Tag war ein Tag schwerer Kämpfe, aber der 18. Oktober ein Groß­kampftag erster Ordnung. Wieder haben die Westmächte kleine Vorteile viel zu teuer mit unverhältnismäßigen Verlusten bezahlt. Meist haben sich ihre Sturmwellen im deutschen Sperrfeuer gebrochen. Sonst scheiterten sie -im Nahrampfe oder im Gegenstöße unserer braven Feld­grauen. Futz gefaßt haben die Angreifer nur in Sailln und in Ablaincourt, während die vielumstrittene Zucker­fabrik Genermont ständig ihren Herrn wechselte. Da­gegen haben die Unseren im Walde St. Pierre-Vaast (230 Gefangene), im Amboßwalde (nördlich Chanlnes) (40 Gefangenes und beiderseits Eancourt l'Abbaye ver­lorenes Gelände wieder eingebracht, Unerschütterlich und unzerreißbar halten die Teutschen getreue Abwehr. Die Hoffnungen der Feinde, endlich einmal unsere Front zu durchbrechen, wurden ebenso enttäuscht, wie ihre Hoffnungen auf die wandelnden Burgen ihrer Panzer- kraftwagen. Allein am 18. Oktober blieben drei dieser riesigenTanks" völlig zerschossen vor unseren Linien liegen. 5it den übrigen Abschnitten der Westfront stan­den Artillerietätigkeit, Aufklärungsgefechte und Hand- granatenkämpfe auf der Tagesordnung, am 16. Oktober wurde in der Champagne nördlich Le Mesnil ein fran-

Mischer Vorstoß abgewiesen.

Wieder aufgeslammt ist die Paralleloffen- s i v e d e r R u s l e n, nachdem sie wegen der Auffüllung der Bestände und der Erbolungsbedürftigkeit der Uever- .lebenden geraume Zeit hatte unter der Asche glimmen müssen. Hauptangrlffsgebiete waren wieder der Raum westlich Luck (Zubilno-Zaturcy), der Abschnitt Graberka- Zalocze (südlich Brody) sowie das Westuser der Nara- jowka (zur Gnila Lipa). Mitunter brachen an einem Tage zehn Angriffswellen vor, denen nachts noch drei weitere folgten. Alle diese Massenstürme endeten mit vollen Niederlagen des Feindes, den schließlich das Ge­setz des Handelns aus der Hand glitt, so daß er bei Ge­genangriffen noch beträchtlichen Raum darangeben mußte. So entrissen ihm Gardefüsiliere und pommer- sche Grenadiere von der Armee Bothmer Gräben von 2000 Meter Länge und 1000 Meter Breite (1900 Ge­fangene und bäuerische Truppen bet Herbutow (Nara- jowka) einen Stützpunkt (850 Gefangene). Andere Streit­kräfte stürmten eine russische Höhenstellung bei Swistel- niki febensalls an der Narajowka) nebst den Anschlutz- (2060 Gefangene). Auch am Stochod wurden _ tawka russische Gräben genommen, während in den Karpathen die Gipfel Smotrec (380 Gefangene), und Rumluc sowie Stellungen bei Kirlibaba (1100 Ge­fangene) und am Neagrabache von deutschen und öster­reichisch-ungarischen Truppen gestürmt und Rückerobe­rungsversuche abgewiesen wurden.

In günstiger Entwicklung begriffen sind unsere neuen Unternehmungen gegen Rumänien. Im Osten, Südosten und Süden Siebenbürgens nehmen die Angriffe der Armeen Ar z und Falkenhayn erfolg­reichen Verlauf, obwohl der Gegner, der seine Front zu verkürzen sucht, nicht mehr als Eindringling, son­dern als Verteidiger seines Landes erbitterten Wider-

lüttett i bei Sin

Eisenbahnen an sich genommen bar, mit einer Armee, ob ihm die 25 französischen Ratsoffiziere mit guten Plänen zu Erfolgen verhelfen können, wird die Zukunft lebrett. Deutscherseits wird, wie Hindenburg betonte, alles geschehen, um einen schnellen Sieg herbeizuführen. Auch in der D o b r u d s ch a wird es wieder lebhafter. Aber über allem, was hier wie dort vor sich geht, liegt der geheimnisvolle Schleier der deutschen Strategie.

Schon zu Beginn der letzten Woche hat die neueste (der Zahl nach achte) I s o n z o o f f e n s i v e ihr rühm­loses Ende erreicht. Schon am 11. Oktober war die Hauptarbeit der heldenmütigen Verteidiger getan, als sie trotz der heftigen Feuervorbereitung einer sehr mäch- Men Artillerie und sehr zahlreicher Batterien von Minenwerfern den dreitägigen Ansturm von sechzehn Infanteriedivisionen abgewehrt hatten. Was dann noch von feindlicher Seite vörgetrieben wurde, z. B. die An­griffe auf die Höhen östlich Sober, waren Nahgefechte, die dem Abbau galten. Von sonstigen Kampfeshand­lungen wären nur noch die vergeblichen Anstrengungen der Italiener im Raume des Pasubioberges, südlich Roveeit zu erwähnen und wirksame österreichisch-unga­rische Luftangriffe auf Monfalcone, San Canziano und Castagnavizza.

In Albanien lagen wiederum keine Ereignisse von Bedeutung vor. Dagegen sollen die Italiener ihre Streitkräste in Mazedonien durch die Landung star-

ker Hilfsabteilungen in Saloniki verstärkt haben. Aber diese Truppen werden ebenso wenig wie die revolutio­nären Hilfstruppen des Kreters Venizelos imstande (feilt, der Ententeoffensive zwischen dem Prespasee ititö der Strnmamündung eine Wendung zu geben. Die große Mehrheit des griechischen Volkes und Heeres auf dem Festlands hält zu König Konstantin. 8« ihm hal- t, nachdem sie ihre Schiffe haben

oem Festlande hält zu König Konstantin. Zu ihm hal- tten auch die Matrosen, nachdem sie ihre Schiffe haben ausliefern müssen. Kein Wunder also/ meint Sarrail für seine Operationsbasis und rückwärtigen Verbin­dungen fürchtet. Der überspannte Boden wird zer­brechen, und der Berit eines zum Aeußersten getriebenen Volkes kann ihm schließlich doch noch Ungeiegenheiten bereiten. Dazu kommt, daß seine buntscheckigen Scharen mit ihrer Angriffsbewegung anfs tote Gleis geraten sind. Die zweihundert Quadratkilometer serbischen Bo­dens, die ihr linker Flügel zu Beginn der Offensive unter ungeheuren Blutopfern znrückerobert hat, stellen einen höchst unsicheren Besitz dar, seitdem die bulgari­schen Gegenangriffe am Cernabache Raum zu gewinnen begonnen haben, während an der Bahn Monastir-Flo- rina, beiderseits des Wardar und am Struma die bul­garische Defensive unerschüttert bleibt.

Kaiserbesuch an der Sommesront.

Auszeichnungen an schwerverwundete Kämpfer.

Der Kaiser traf am 19. Oktober früh an der Sommefront ein. Er besuchte zunächst Verwundete aus den September- und Oktoberkämpfen in den Kriegs- lazaretten, indem er längere Zeit besonders bei den Schwervcrwnnöeten verweilte und ihnen Anszeich- nungen nverreichte. In Begleitung Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen Rupprecht und des Oberbe­fehlshabers der Armee Generals von Below fuhr er darauf an der Kampffront nördlich der Somme ent­lang und begrüßte unterwegs Truppenteile, die eücit aus dem Kampfe kamen, und Abordnungen noch einge­setzter Regimenter aller deutschen Stämme. Der Kai­ser begrüßte im besonderen Offiziere und Mannschaf­teil, die sich in den Kämpfen besonders ausgezeichnet hatten. Den Truppen überbrachte er die Grütze der Kameraden von der Ostfront und sprach ihnen seinen kaiserlichen Dank aus im Namen des ganzen deutschen Volkes für das, was an der Sommefront Unendliches geleistet werde und worin noch spätere Geschlechter die leuchtendsten Beispiele des deutschen Siegerwillens er­kennen würden.

Der Kaiser au seine Brandenburger.

Bei seinem kürzlichen Besuch bei der Kronprinzen- armee hielt der Kaiser, wie dieNoröö. Alla. Ztg." det, eine Ansprache an die Truppen, in der er

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f sagte

Kameraden! Ich bin hierher gekommen, um euch Grüße von den Kameraden an der Ostfront zn überbringen und einen vollen Dank für die Truppen auszusprechen, die sich im Westen in gleich tapferer Weise und in steter Treue schlagen. Ganz besonders freut es Mich, bei Meinen Brandenburgern zu sein. Ueberall, wo die Brandenburger eingesetzt worden sind, haben sie mit Auszeichnung gekämpft. Der Kaiser gedachte dann seiner früheren Besuche bei den Brandenburgern und fuhr fort: Seither ist mancher schwere Kampftag über Eure Division binweggegangen. Manche, die Mir da­mals in die Augen blickten, liegen ^ eute unter dem kühlen Rasen. " * rotzen

Armee, aber sie

ihr Lebcu für einen großen Zwe stugegeben uitö wer­den uns allen unvergeßlich bleiben. Wir Lebenden aber werden weiterkämvfen, bis keiner mehr wagt, die Frei­heit und Ehre unseres Vaterlandes anzutasten.

Rumänische Ernüchterung.

Generalstäbler im Gegensatz zu Bratianu.

Rumänische Generalstäbler sollen, wie dieVoss. Ztg." meldet, in feindseliger Stimmung gegen Braff- anu sein, weil dessen Politik das Land in seine jetzige Lage gebracht habe. Sie hätten dies Bratianu in einem Briefe selbst mitgeteilt und seien darauf ihrer Stellung enthoben und nach Rußland zu anderen Truppenver- bänden gesandt worden. Der rumänische Generalstab sei durch eine Anzahl höherer russischer, französischer und englischer Offiziere ergänzt worden. LautB. T." begebe sich French mit 18 englischen Stabsoffizie- " sie gesagt wird in wichtiger Mission, über Skan­dinavien nach Rumänien.

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Rumäniens schwierige Lage

gab im englischen Unterhause Bonar Law Anlaß zu der Erklärung, daß die Heeresleitung der Verbündeten vor einigen Tagen die Lage Rumäniens sorgfältig ge- priist habe. Es habe sich herausgestellt, daß sich die Rumänen an mehreren Stellen nur mit Mühe behaup­ten können. Auch sei zu erwarten, daß die Truppen der

Mittelmächte an der dortigen Front noch weitere Ver- stürkungen erhalten würden. In den nächsten Tagen werde wahrscheinlich der Kampf um die Passe entlchie- den werden. Russische Verstärkungen seien im An­marsch, doch wisse man noch nicht, an welchem Punkte sie einsetzen würden.

Bevorstehende Zusammenkunft zwischen Zar Nikolaus und König Ferdinand.

Aus Budapest wird derFrkf. Ztg." gemeldet: Nach einer Meldung der SofioterUtro" werden an­geblich scholl in den allernächsten Tagen Zar Nikolaus und König Ferdinand von Rumänien, der sich in Be­gleitung der Generäle Jliescu und Averescu beflnden wird, in Reni Zusammentreffen. Nach derselben Quelle hat die russische Armeeleitung infolge der Mißerfolge der rumänischen Armee in Siebenbürgen Verfügung getroffen, um Befestigungsarbeiten bei Odessa und Stiere vornehmen zn lassen. Solche Arbeiten seien schon zu Beginn des Weltkrieges in Angriff genommen worden, aber dann, als Rumänien die Garantie gab, auf keinen Fall sich den Zentralmächten anzuschließen, wieder eingestellt worden.

Noch schärfer gegen Griechenland.

Die bisherige Erdrosselungspolitik gegenüber Grie­chenland genügt der Entente noch nicht. Das griechische Heer ist dem Vierverband auf seinem Wege zur Unter­jochung des Königsreichs ein Hindernis, und zu seiner Unschädlichmgchung versucht er jetzt alle Mittel anzu- wenden. Darauf deutet folgende Drahtung desB. L.- A." aus Lugano hin:

Nach einer Meldung desPopolo d'Jtalia" ans Rom sind die Ententemächte entschlossen, ein für allemal gründliche Klarheit in die griechischen Angelegenheiten zn bringen und schärfere Maßregeln als die bisherigen zu ergreifen, um ihre Interessen in Mazedonien zu sichern. Die Ententemächte werden ohne weiteres die Herabsetzung der Effektivstärke des Hee­res sowie die Ablieferung der Artillerie, der Geschoßfabriken und der Militärmagazine erzwin­gen. Die Eisenbahn werde völlig von den Ententemäch­ten besetzt werden und in Athen werde der Belage­rungszustand erklärt werden.

Einer weiteren Meldung desB. L.-A." zufolge habe der griechische Ministerpräsident Lambros die Ab­sicht zuriickzntreten geäußert, da es ihm nicht gelungen sei, Venizelos und dessen Parteifreunde mit der vom ieiligen Ministerium vertreteuen Richtung zu versöhnen. In diplomatischen Kreisen in Athen verlautet, daß das griechische Heer aufgelöst und auf der sicheren Basis i^r veuizelistischen Organisation nengeordnet werden soll

Man fieht, der Vierverband verschmäht keine Mit­tel, um mit dem Griechenland des Königs Konstantiu endgültig aufzurttumen, und man darf noch anf mancher­lei Ueberraschungen gefaßt sein.

König Konstantin beabsichtigt Athen zu verlassen?

DerB. L.-A." meldet aus Mailand: Hiesige Blät­ter verbreiten eine aus Athen stannnende Nachricht, der- tzufolge König Konstantin beabsichtigt, die griechische Hauptstadt zu verlassen und sich nach Monastir (?) zn

Der französische Heeresbericht vom 13. Oktober ' nachmittags meldete:Luftkrieg: Eine französisch­englische Gruppe von 40 Flugzeugen beschoß die Mau­ser-Werkstätten in Oberndorf am Neckar, 4340 Kilo gramm Geschosse wurden abgeworfen und ihr Einschla- gen in die Ziele beobachtet. Sechs deutsche Flugzeuge wurden im Laufe der von ihnen zur Verteidigung der Werkstätten eingeleiteten Unternehmungen abgeschossen."

Amtliche deutsche Feststellung: Von den 40 eug- lisch-französischen Flugzeugen haben 15 Oberndorf er­reicht und etwa 60 Bomben dort abgeworfen. Die üb­rigen feindlichen Flugzeuge wurden durch die Angriffe unserer Flieger zerstreut und warfen ihre Bomveil wahllos auf Wald, Wiesen und zahlreiche kleinere Ort­schaften ab. Militärischer Sachschaden ist weder in Oberndorf noch anderswo entstanden, sonstiger Sach­schaden war gering. Der Betrieb der Fabrik wurde nicht gestört. 3 Personen wurden getötet, 7 verletzt: sie hielten sich im Freien auf und wurden durch Bom­bensplitter getroffen. Von den 40 Flugzeugen wurden, durch unsere Flieger und Erdabwehr 9 abgeschvssen. Bon unseren an den Lnftkümpfen beteiligten Flugzeu­gen ging eins verloren. Kein Insasse unserer Flug­zeuge wurde getötet oder auch nur verletzt. Die Nie­derlage des Feindes im-Lnftkampf war vollkommen.

Durch Sturm und Wetternacht.

Roman von Ludwig Blümcke.

6) (Nachdruck verboteuff

Mag sein," erwiderte Heinrich, kam zurück und schritt wieder neben ihr her, sie bis zum Ende des Wal­des begleitend. Da reichte sie ihm hastig die Hand, dankte ihm herzlich für das freundliche Geleit, wünschte ihm noch einmal eine gute Nacht und huschte davon wie ein Schatten.

Die ersten Häuser der Vorstadt waren in einigen Minuten erreicht und bis zu ihrer Wohnung brauchte sie nicht mehr als fünf Minuten zu laufen.---

Auf dem Rückwege sollte Heinrich den Mann, der vor ihnen gelaufen war, in nächster Nähe sehen. Er trug hohe Sporenstiefel und schien ein Gutsinspektor zu sein. Was ihn zu so später Stunde noch hierhertrieb, das ließ sich schwer erraten. Er schlug den Weg nach Schloß Heinersdorf ein. Aber schon nach wenigen Schritten blieb er wieder stehen und schaute Heinrich Rode nach, der sich nun ganz und gar nicht mehr um ihn kümmerte, sondern allerlei wichtigen Gedanken nachhing.

Das muß der junge Rode sein, der Abenteurer. Scheint ja verdammt galant geworden zu sein. Sollte der Bursche dir den Rang ablaufen? Na, das Mädel wird sich nicht wegwerfen. Sie ist doch so unnahbar. Ein schmucker, strammer Kett war der Heinrich ja allerdings schon damals vor zehn Jahren als I7jähriger. Aber er ist ein Schnurrer. Was will er hier?" Solche und ähstliche Gedanken erfüllten den Heinersdorfer Inspek­tor Otto Götzmann, der sich von dieser Nacht ein gar interessantes Menteuer versprochen und nun bitter ent­täuscht und voller Eifersucht heimkehren mußte. Er kannte die schöne Buchhalterin von Hirschfeld und Mül­ler schon lange und hatte bereits zu widerholtenmalen, wenn er bei der Firma zu tun gehabt, versucht, mit ihr -siön zu tun, ihr Artigkeiten zu sagen. Ohne den min°

besten Erfolg allerdings. Das reizte ihn, da er sich für unwiderstehlich hielt. Derstolze Otto", wie er wohl hieß, war nämlich mit seinem flotten, schwarzen Schnurr- bart, den blitzenden, brauen Augen, dem hübschen Ge­bart, den blitzendert, braunen Augen, öem hübschen Ge- licher junger Herr. Besaß er auch vorderhand itvch kein Vermögen, so mit fite doch jeder, daß er einmal einziger Erbe von seines Onkels, des Prozeßgötzmanns.ganzer Habe sein wiirde. Kein Wunder also, daß manches junge Mädchen sich gern Schmeicheleien von ihm sagen liest und seinen inneren Wert dem äußeren gleich bemaß. Nur wer ihn genauer kannte, wußte, welch ein Unter­schied da bestand.

Nein zufällig hatte derstolze Otto" gestern er­fahren, daß die schöne Blichhalterin allabetidlich häu­fig zu recht vorgerückter Stunde vom Buchenhof, wo ihre Mutter wirtschaftete, zur Stadt zurückmarschierte, und zwar ohne Begleitung. Da war ihm der Gedanke durch den Kopf geschossen:Du wirst sie im Raben- forst erwarten und begleiten. Da draußen dürfte sie ihre bekannte Sprödigkeit schon ablegen. Potzblitz, das kann ein Abenteuer werden! Das schönste, süßeste Mädel von Stadt und Land ist und bleibt die Anna ja doch."

Und nun mußte es so kommen. Aur liebsten hätte er den Seemann, diesen Menschen, mit dem er einmal gemeinsam die Schulbank gcdriickt und der ihm schon damals nicht recht grün gewesen, geohrfeigt.

In übelster Laune erreichte er das freiherrliche Schloß, in dem sich seine Wohnung befand, und tröstete sich nur schwach mit dem Gebarlken, baß er ein ander­mal mehr Glück haben würde.

Auch in seinem Schlafzimmer sah Heinrich einen herrlichen Strauß von Blumen aus Wald und Flur, und schwanden für ein paar Mckliche Minuten alle seine Sorgen.Du liebes, liebes Mädchen!" kam es

tiber seine Lippen, während er das Bukett in seine Hand nahm und wie ein Wunder betrachtete.Ach, wenn Du immer um mich wärest, dann müßte der schwere Kampf um den Besitz meiner Scholle ja freudig und siegreich sein!"

Nur wenige Stunden schlief er, trotz seiner großen Müdigkeit. Hatte er ja doch, da die Todesanzeige ver­spätet in seinen Besitz gelangt war, die ganze Nacht reifen müssen, um wenigstens zum Begräbnis daheim zu sein.

Ein frischer, kühler Morgenhauch wehte, als er er­wachte,' zum offenen Fenster herein. Eine frühe Lerche trillerte bereits ihr Lied hoch oben in der blauen Lnft, und in den alten Bachen vor dem Hause wars auch schon lebeüdig von gefiederten Sängern, trotzdem Lenz und Maienlust längst hinter ihnen lagen und der Herbst schon seine Vorboten sandte. Vielleicht jubelten sie heute alle so laut, um dem Fremdling einen Willkommen- gruß in der Heimat zu bringen.

Frau Reuter hantierte auch schon in Stuben und Küche herum, begrüßte den jungen Herrn mit freund­licher Miene und fragte, ob sie ihm Milchsuppe, tute man sie hier zum Frlihstück zu essen pflegte, oder Kaffee vorsetzen dürfte, an den er ja wohl geivöhnt sei.

Liebe Frau Reuter, es soll alles bleiben, wie es hier bisher Sitte und Brallch war. Ich esse Milch- suppe," erwiderte er darauf, und die Buchweizengrütze, die wenige Minuieit später auf dem Tisch dampfte, mundete ihm vorzüglich. Nachdem er dann mit dem alten Wert eine kurze Unterredung gehabt, machte er sich gleich auf den Weg nach dem alten Nachvargut Tannengrund, um Prozeßgötzruanns Absichten aus bes­sert eigenem Mund zu erfahren. Taitperleu glitzertert überall an Busch und Halm, volle Garben standen hier und da auf den Stoppelfeldern, und der große Weizen- schlag mit seinen goldenen Halnieu und den ferneren Aebren wogte wie ein Meer im Morgenwind. (F. f.),