„Sesiihlsregimgen kennen sie nicht".
Als typische Ansichten eines gebildeten Durch- schnittSengläuders über den Krieg dürfen interessante Ausführungen gelten, die ein zurzeit verwundet in einem deutschen Offiziersgefangenenlager weilender Engländer einem deutschen Freunde machte, und die dieser jetzt im nächsten Heft der „Deutschen Politik" veröffentlicht. Es fei bemerkt, daß dieser Engländer nach einer Kaufmannslaufbahn in den diplomatischen Dienst eingetreten ist und kurz vor dem Kriege beim Stäbe des Generalgouverneurs von Kanada war, wo er als unabkömmlich nicht in MS Heer ein treten konnte. Als das dann dock gelang ’ 11 "nd später als Hauptmann und Regimentsadjutant in Frankreich. Dort hat er sechs Monate in vorderster Front gekämpft und fiel schwerverwundet in Gefangenschaft.
Es ist notwendig — so sagte er zu seinem deutschen Freund —, zunächst darüber klar zu sein, daß, gleichgültig wie dieser Krieg ausgehen wird, der Kampf zwischen England und Deutschland fortgesetzt werden wird, da England die Vorherrschaft, die es sich in jahrhuu- dertlangen Kämpfen erworben hat, bis zum letzten Atemzüge verteidigen wird: darüber ist miau sich in England vollkommen klar, und zwar nicht mir in den Regierungs- und Parlamentskreisen sondern auch in den breiten Schichten des Volkes. Daß man in England den Schein aufrecht erhält, als ob es sich um den Kampf gegen eine deutsche Clique handelt, ist nichts arideres als eine geschickte Aufmachung. In England hat man seit Jahren den Kampf mit Deutschland kommen sehen und Vorkehrungen getroffen.....Dentsch'and ist durch die englische Kriegserklärung überrascht worden: daraus leitet der Engländer ohne weiteres ab, daß er Deutschland überlegen ist .... . England hat seine Einkreisungs- und Schwächungspolitik gegen Deutschland zielbewußt verfolgt, während Deutschland noch in den letzten Monaten vor Ausbruch des Krieges eine Annäherung an England zu erreichen versuchte, was mau in England als Schwäche ansah. Wenn man nun heute in deutschen Zeitungen der Anschauung begegnet, man könne den englischen Wegen in Diplomatie und Kriegführung nicht folgen, weil man in Deutschland dafür nicht niederträchtig genug sei, so ist das für den Engländer nicht etwa eine kränkende Verurteilung seiner moralischen Qualitäten, sondern er ersieht daraus nur das Eingeständnis seiner Unterlegenheit.
Der Engländer ist von Natur härter und zäher als der Deutsche, und er wird sich durch nichts von seinem Ziel abbringen lassen. Der Deutsche kann heute noch nicht daran glauben, daß auch nach diesem schweren Kriege der Kampf weiter dauern wird, und deshalb spricht man ihm in England die Kraft ab, einen vielleicht hundert Jahre langen Kampf rücksichislos und mit unentwegter Beobachtung des Endzieles zu sümpfen. England hat durch seine nüchterne Auffassung der Dinge, durch feine Unerbittlichkeit dem Besiegten gegenüber und durch sein angeborenes Herrscherbewusttsein sich ein Weltreich erworben, wie es selbst die Römer nicht besessen haben, und England wird auch in diesem Kampfe mit Deutschland den Beweis dafür liefern, daß es mit den jahrhundertelangen Eroberungszügen, die es nicht immer mit dem Schwert in der Hand geführt hat, nicht
nur ein Reich, sondern auck Die Beharrlichkeit und Ausdauer erworben hat, sein Eigentum zu verteidigen."
Der Engländer begründete seine Auffassung, daß wir selbst nach den Erfahrungen des Krieges weniger nüchtern dächten als die Engländer, durch folgenden Vorfall: Auf die Nachricht vom Tode eines bekannten Fliegers (die sich übrigens nachher als falsch heraus- stellte), warf wenige Tage später ein deutscher Flieger einen Kranz mit einer Widmung in englischer Sprache au der Stelle des Absturzes nieder. Englische Zeitungen gaben das unter den Neberschristen „Weitere deutsche Beschimpfung" oder „Deutsche Unverschämtheit" oder „Widerliche Anbiederungsversuche" ihren Lesern bekannt! Als dann Jmmelmaüu von einem Engländer abgesckossen wurde, verbreitete eine deutsche Zeitung fälschlich die Nachricht, ein englischer Flieger hätte über den deutschen Reihen einen Kranz für Jmmelmann mit einer Widmung abgeworfen und zitierte diese Widmung. Dieser Fall wurde von fast der ganzen deutschen Tagespreise besprochen, aber mit den Ueberschriften „Englische Ritterlichkeit" oder „Anerkennung Jmmel- manns durch die Engländer" usw.
„Hieraus" — sagte der Engländer zum Schluß seines Gespräches — „kann und muß ich entnehmen, daß man in Deutschland auch heute noch bereit ist, den Engländer herzlich zu lieben, wenn er es nur zuläßt. Wir werden daraus unsere Vorteile ziehen, da wir Gefühlsregungen im Bölkerkampfe nicht kennen: das verbürgt uns aber den Sieg!"
sslieger-Kameradschaft und
Mezer-Spitznamen.
Ein Mitarbeitr schreibt uns: Man hört zu Hause von unseren Fliegern viel und iveist doch von ihnen herzlich wenig. Ich bin unter ihnen gewesen und habe sie und ihr Leben belauschen können und dabei sehr hübsche Beobachtungen gemacht. Selten findet man eine solche Kameradschaft, wie unter den Fliegeroffizieren. Sie treten sich sofort nahe und fragen nicht nach Name und Stand. Bei ihnen dreht sich alles um die Frage: „Setzt er sich immer und zu jedem in die „Kiste" oder nicht!" Die Flieger nennen nämlich ihre Flugzeuge nie anders als „Kiste". Die schlechteren Flugzeuge, die also, die sich schwerfällig vom Boden erheben, sich leicht bei Witterungseinflüssen an den Tragflächen und Ver- schraubungen verziehen, werden geringschätzend „Eier- Kisten" geheißen. Besonders schlechte Flugzeuge, vor allem solche, die schon mehrmals havarierten, sind für die Flieger „Klamotten". Die kleinen französischen Kampfflugzeuge vom „Typ Caudron", die mit grünlichem Stoff bespannt sind, nennt man durchweg „grüne Frösche", vereinzelt auch „grüne Hunde". Die schnell- steigenden und schnell dahinsausenden, mit Maschinengewehren bewaffneten englischen Kampffluazeuge werden „Bauernschreck" genauut, weil sie meistens durch ihr Geheul und Aussehen den Bauern mehr Schrecken einjagen, als den deutschen Fliegern und Soldaten.
Diese Bezeichnungen kann man zwischen den Fliegern immer wieder hin und her, ob im Scherz oder Ernst, rufen hören. Jeder weist sofort, um was es sich handelt. Folgende Schnurre, deren Wahrheit verbürgt ist, hat der Flieger-Kameraösckaftlickkeit ein besonderes Genüge gegeben: Der aus Cassel als tüchtiger Flieger-
Offizier und sicherer Flugzeugführer yervoraeganaenL Leutnant Blüthgen, ein kleiner, blonder tollkühner Fliegeroffizier, der schon im Frieden eine bedeutende Rolle als Beherrscher der Lüfte spielte, im September 1914 aber leider schon in Frankreich den Heldentod starb, wurde einmal im Herbst 1913 von dem Kommandierenden General des XL Armeekorps gefragt, wie denn sein Beobachtungsoffizier hieße. Blüthgen entsann sich nicht sofort des Namens, da der Offizier feinem Flugzeug erst am selben Tage beigegeben war, so antwortete er schnell: „Exzellenz, das weiß ich nicht. Ich nenne ihn Franz, und wir verstehen uns so ausgezeichnet!" Dieses Wort machte die Runde durch die damals noch nicht sehr große Schar der Fliegeroffiziere
zeichnet!" Dieses Wort machte die Runde durch die damals noch nicht sehr große Schar der Fliegeroffiziere und es gefiel so gut, daß es sich allgemein ein- bürgerte und jeder Begleit- oder Beobachtungs- Offizier einfach „Franz" war oder wurde. Hatte er sich bei seinem Flugzeugführer besonders bewährt', so ernannte ihn dieser aus eigener Machtvollkommenheit zum „Oberfranz" und alle Kameraden respektierten diese Beförderung. Fuhren sie beide, Flugzeugführer und Beobachter, dauernd zusammen, so wurde aus dem „Franz" oder „Oberfranz" ein „Dauerfranz". Und diese schon in Friedenszeiten eiugebttrgteu Ausdrücke sind mit in den Krieg gewandert und eifrig im Gebrauch. Es ist rührend, wie der „Dauerfranz" und der „Heinrich" zusammeuhalien, in einander aufgehen und sich zu ergänzen suchen. Beider Tüchtigkeit und beider Nevereinstimmung ist im Grunde fa auch der Schlüssel zu den großen Erfolgen unserer Flieger. Freilich kaun der „Franz" sich auch „verfranzen", d. h. den Flieger nicht auf geradem, sondern auf krummem Wege zum Ziel führen. Schlechte Orientierung wird ihm daher sehr übel genommen. Gute Beobächtunas-Offiziere müssen „geraden Strich frauzen" können sie müssen dem Führer so gut weisen, daß er ohne Umschweife sein Ziel erreicht. Dann können sie auch mit ihm die Ehren einheimsen, die ihm für seine Erfolge zuteil werden.
Aus dem „5Vrnns" ist für den Flugzeugführer die Bezeicknuug „Heinrich" entstanden. Häufen sich seine Erfolge, so rückt der Flieger sur „Kanone" auf. Dieser Ehrenname sagt jedem Eingeweihten, daß sein Träger schon vielen Gegnern den Gmmus gemacht hat. Und ic nach der Zahl und der Stärke des Gegners hat man für die Ehrenbezeichnung „Kanone" noch eine Sieige- rung geschaffen. Je mehr Gegner und je gefährlicher die.Gegner waren, desto klangvoller wird der Titel des Flugzeugführers. Er kann eine „groste Kanone" und schließlich noch „die ganz aroste Kanone" werden. Diese Bezeichnung gehört sowohl dem Flugzeugführer, wie seinem Flugzeug und die letzte Steigerung hat erst unlängst der unbezwinaliche Fliegerhauvtmann Boelcke und sein tüchtiger Apparat hervorgerufen. Eine Vorstellung zwischen Fliegeroffizieren entbehrt nicht der Komik, sie beweist aber auch, wie einfach und schlicht diese Helden denken. „Heinrich" und „Franz" hört man nennen, wenns hoch kommt, vielleicht auch noch den Standort des einzelnen. Weiter f-gat man nicht, denn aus der folgenden fachmännischen Unterhaltung ergibt sich das übrige. Es ist eine eigene Fliegersvräche, die auch den Vorzug hat, kurz und knapp zu fein. und' die dem der kein Berufsflieger ist, böhmische Wälder ist. Die Erfolge der einzelnen Flieger sind allen Fliegern genau bekannt und daher können sie auch während der Unterhaltung leicht feststellen, mit welchem „Franz" oder „Heinrich" sie es zu tun haben.
Das dem Kreise Hersfeld seitens der Landwirtschafts-
Gingtgnngene Liebesgaben zur Versend
des Landratsamls über- wiesene
Mmiifriol
zum Beizen von Getreide ist mir zum Verkauf überwiesen worden.
Adler-Drogorle
Eduard Cohn.
für den Schanktisch im Wartesaal III. Klasse gesucht. Kenntnis in dieser Tätigkeit wird nicht gefordert. Angebot mit Angabe des Alters an
BamHiulsuiirl Krau, Fulda.
(Einige Fuhren
futter-
Rüben
Krieger im Felde:
Firma W. Engelhardt 20 Mk. Lehrer Lohrmann 2 Mutzpfeifen, 2 Pak. Tabak, Briefbogen, Feldpostkarten und Bleistifte. Frau Dr. Wittig 3 Mk. Fabrikbesitzer Alex Rehn 20 Mk. Bankdirektor Hettler 2 Mk. Kaufmann E. Hirschberger 500 Zigaretten. Kaufmann Abr. Möller 1 Mk. Buchb. Fr. Heukeroth 400 Feldpostkarten. Gerichtsaffesfor Becker, Langfuhr 5 Mk. Amtsgerichtsrat Roßbach 5 Mk. Verschönerungsverein 25 Mk. -Rentner H. Gesing 2 Mk. Schreinermeister C. Bolz 1 fertiges Paket. Frau Paula Krebs 10 sert. Pakete. Kaufm. Georg Waldeck sen. 12 Taschenmesser. Frau Kaufmann Heß 100 Zigarren, 10 g. u. 8 h. Pakete Tabak. Kaufm. Hch. Sauer 1000 Zigaretten. Ingenieur Boleg 2 Mk. Schlachthosdirektor Friederich 5 Mk. Kaufm. Wilh. Zickendraht 6 Pakete Zigarettentabak, 50 Zigarren, 10 Pak. Würfeltee mit Zucker, 2 Pakete Kaffeetabletten, 6 Bleistifte. Karl Zickendraht jn. 5 h. Pak. Tabak, 2 Päkchen Tee, 9 Suppenwürfel, 10 Ansichtskarten. Bürgermeister Strauß 10 Mk.
Wir bescheinigen den Empfang mit herzlichem Dank und bitten um weitere Zuwendungen.
Hersfeld, am 10. Oktober 1916.
Der AusIchuk ihr Liebesgaben.
Strauss.
willig vom i. Oktober ab 3n der Richtung nach Bebra
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3n der Richtung nach Riederaula:
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11
230
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3n -er Richtung nach Heimboldshausen
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