"Latz sie von dem Wunsch nach Wahrung einer loyalen unparteiischen Neutralität geleitet werben.
Keine Verletzung der norwegischen Nentralität [ durch deutsche Uboote.
” ^ Stockholm, 11. Oktober. (T. U.) Die grundlose Beschuldigung der norwegischen Presse, die deutschen Uboote bedienten sich der norwegischen Küste als Operationsbasis für ihre Aktionen im Eismeer, widerlegte der norwegische Kriegsminister dem „Svenska Daa- bladet" zufolge. Ein Mißbrauch unserer Küste als Passage für feindliche Uboote oder als Basis für solche kommen nicht in Betracht, sagte der Minister.
Sie französische« Slräslingsbatailivne.
[ Krüppel und Idioten im französischen Heere.
" Die eigenartige Zusammensetzung des französischen Heeres zeigt, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, ein Bericht einiger neu eingetroffener französischen Gefangenen, die über das 1. und 3. Bataillon öWtque, das zur 90. Brigade und der 45. Division gehört, Folgendes zu Protokoll gaben: Diese Truppen bestehen aus Stäflingen aus den Kolonien, die zu 10 bis 20 Jahren Zuchthaus verurteilt waren, es sind ausschließlich Europäer, sie befinden sich seit dem Monat Juli an der Front. Die Soldaten dieser beiden Bataillone werden „Les Joyeux" (Die Lustigen) genannt, weil sie im Gegensatz zu den anderen Truppen eine zügellose Lustigkeit zur Schau tragen, den Galgenhumor jener, die nichts zu verlieren haben. Die beiden Sträflingsbataillone werden in Ruheguartieren von den übrigen Mannschaften getrennt gehalten, sie dürfen nie in einer Ortschaft wohnen, sondern müßen stets im Feldlager bleiben. Berbrechen sind unter ihnen an der Tagesordnung, und die Offiziere können.die Zucht nur mühevoll mit dem Revolver in der Hand aufrecht erhalten.
Die Tauglichkeitsarenze für das französische Heer hat gleichfalls eine höchst.bemerkenswerte Erweiterung erfahren, die für den Mannschaftsmangel in Frankreich ungewöhnlich bezeichnend ist. Kein Heer der Welt hat bisher schon derartig weitgehende Begriffe über Tauglichkeit, was die Größe, Gesundheit und Stärke der Mannschaften anbetrifft, wie das aerade das französische Heer. Nun bringt das „Spezial Offiziell", das amtliche Organ der französischen Regierung, einen neuen Erlaß über „Aenderungen der für die Eignung zum Militärdienst gültigen Vorschriften." In diesem Erlaß sind zwei Kapitel der französischen Heeresdienstordnung abgeändert worden, welche von den Idioten und Krüppeln handeln. Bisher waren geistesschwache oder verkrüppelte Personen selbstverständlich vom Heeresdienste ausgeschlossen, wie auch kein Heer der Welt Männer mit derartigen Fehlern des Geistes und des Körpers einreiht. Der französischen Heeresverwaltung blieb vorbehalten, mit diesem Brauch zu brechen und in Zukunft auch Idioten und Krüppel für felddienstfäbig zu erklären. Nach dem Kapitel 50 der französischen Heeresdienst- ordnung hat Idiotismus und Kretinismus zum Ausschluß aus dem Heeresdienst geführt. Nun ist das Kapitel 50 dergestalt umgeändert worden, daß ausgesprochene Geistesfchwäche nicht mit dem Heeresdienst un= vereinbar ist, sondern eine Resormierung erforderlich mache. Leichtere Fälle von Geistesschwäche sind unter allen Umständen von nun an mit dem Militärdienst vereinbar, wäßreud schwere Fälle erst in leichtere um- gewandelt werden müssen. In einem Wort gesagt bedeutet die Abänderung dieses Kapitels, daß von jetzt an werden, das Sokdatenma . , r„ erfährt durch diese Bestimmung eine höchst reizvolle Be- leuclstirng. w^:^. bemerkenswert ist die Abänderung der bisherigen ‘ Bestimmungen über die Krüppel, die bisher beeresdienstuntauglich waren. Der neue Erlaß besagt dagegen, daß die Verkürzung oder Verkruppe- luna der Glieder nickst geeignet tü, enteil Mann als dienstuntaualick erscheinen zu lassen. Die Aerzte werden ausdrücklich darauf fitnaewtejen, daß sie sich durch derartiae Gebrechen in der Beurteilung der Felddienstfähigkeit des betreffenden Mannes nicht veernflmsen lassen dürfen. Das sind die beiden hauptsächlichsten AV- änderiinasbestimmungen der Heeresdienstordnung. Jeder Mensch wird erkennen, daß nur die bitterste Not Frankreich zu solchen unglaublichen Maßnahmen verleiten konnte, die übrigens auch in einem.groyen Test der französischen Presse mit großer Entrüstung auf- genovimen sind. Wenn Frankreich jetzt wieder erklärt, daß es keinen Mangel an Menschen ßabe, tg werden wir aus diesen Bestimmuiigen erkennen, wie wenig wahr diese Behauptirng ist. (OKM.)
ßüeisallerlel
„Fleijchpolo»Sscn" in Petersourg.
Nach „Sjemschtschina" vom 25. September ist vom 24. September ab in Petersburg das Fleischstehen vor den Geschäften die ganze Nacht hindurch polizeilich verboten worden, um der Spekulation zu steuern, die darin besteht, die vorderen Plätze gegen,Zahlung von 2 bis 3 Rubel abzutreten. Fortan dürfen sich die Käufer nur eine Stunde vor Beginn des Verkaufs eiufteilen.
Der Stab des versenkten Transportdampfers „Gallia" vermißt.
Die Liste der bei dem Schiffbruch des frattzösischen Transportdampfers „Gallia" geretteten Seeleute, die im Mariueministerium angeschlagen st, umfaßt 328 Namen, wodurch die Zahl.der Vermißten auf zwölf beschränkt wird. Unter diesen befindet sich fast der ganze Stab. Der zweite Offizier wurde gerettet.
Achtmillionenmert der „Deutschland"-Lavttng.
„Bergens Afteublad" behauptet laut B. L.-A.", es Habe von einer in deutschen Reederkreisen bekannten " - - - das deutsche Handels-Nboot
Persönlichkeit erfahren, b«v "^-r^-, —-—”- „Deutschland" habe auf der Rückfahrt von Amerika eine Ladung im Werte von 8 Millionen Mark mitge-
Feindlicher Flieger über Stuttgart,
Aus Stuttgart wird vom 10. Oktober gemeldet: Rechtzeitig gemeldet erschien gestern abend zweimal, 8,45 und 9,23 Mir, ein feindlicher Flieger über Stuttgart. Er warf einige Bomben ab, durch die aber weder Personen noch Gebäude getroffen wurden.
Eine neue Liste von Uvootopfer».
„Petit Parisien" weidet aus Lorient (an der Westküste Frankreichs): Der französische Dampfer „Blavel" (1010 To.) wurde torpediert. Die Ueberlebenoen trafen in Lorteiit ein. Außer der „Blavel" haben deutsche Uboote in den gleichen Gewässern den Dampfer „Irma" (844 To.) und drei andere Dampfer sowie den englischen bewaffneten Dampfer „Vermin" (4295 To.) versenkt. Die Besatzung dteses Dampfers ist größtenteils ums Leben gekommen. Aus La Rochelle meldet das lc Versenkung des Kohlendanwsers „Cap Ma- (760 TM. S>t$ Besatzung wurde gerettet.
Blatt die
ragan"
Politische Rundschau.
Der Hauptanöschuß des Reichstages hat einen Unterausschuß eingesetzt, um eine gemeinsame Erklärung aller Parteien (auch der Sozialdemokraten) zu versassen, die in der Bollsitzung des Reichstags am Mittwoch abgegeben werden ioü, wahrscheinlich durch den Abgeordneten Spähn. Die Erklärung wird also sehr allgemein gehalten sein müssen, wenn sie die Zustimmung aller Parteien vielleicht mit Ausnahme der sozialdemo- krattschen Arbeitsgemeinschaft finden soll. Am Montag nachmittag trat der Hauptausschuh wieder zusammen, um die Erklärung zu erörtern. Die Vollsitzung am Mittwoch dürfte sich unter Umständen ziemlich kurz gestalten. Wie unser Berliner Mitarbeiter hört, steht die große Mehrheit des Zentrums nach wie vor auf dem Standpunkt, daß es der verantwortlichen Reichsleitung und der obersten Heeresleitung überlassen bleiben muß, ob ein „rücksichtsloser U-Bootkrieg" geführt werden soll oder nicht. Die Minderheit des Zentrums unter Führung des Abgeordneten Gröber zählt rund ein Dutzend Mitglieder.
Die Fragen der auswärtigen Politik im Reichstag. In der Vollsitzung des Reichstages am Mittwoch werden nach zuverlässig anzusehenden Mitteilungen der Blätter alle Parteien im vaterländischen Interesse von einer ausführlichen Erörterung der im Ausschutz hauptsächlich behandelten Fragen Abstand nehmen. Die Verhandlungen im Plenum werden beschränkt sein auf die Fragen der allgemeinen auswärtigen Politik und insbesondere auf den vom Ausschuß angenommenen Zentrumsantrag betreffend die Einberufung des Haushaltsausschusses auch während der Vertagung des Reichstages.
Dr. von Liuöequist Reichstagskandidat? Nach der überraschenden Kunde von der dem Großadmiral von Tirpitz seitens der Konservativen angetragenen, aber ausgeschlagenen Reichstagskandidatur kommt die weitere Ueberraschung, daß das durch den Tod des Dr. Oer- tel im Wahlkreise Namslau-Brieg verwaiste Mandat mit dem früheren Staatssekretär des Reichskolonial- aintes Dr. von Lindequist besetzt werden soll. Wie die „Nationalztg." erfährt, find gute Aussichten für das Zustandekommen dieser Kandidatur vorhanden, doch ist das letzte entscheidende Wort noch nicht gesprochen.
Vermischtes.
Die amtlichen Feststellungen über die Ursache des schweren Eisenbahuunfalles bei Landsberg (Wartbe) haben bisher nach dem „Berl. Lokalanz." ergeben: Die von Warschau kommenden Züge D 24 und Vorzug 24 folgten zwischen Schneidemühl und Landsberg in einem Abstand von etwa zehn Minuten. Der Vorzug kam hinter dem Bahnhof Zantoch wegen Maschinenschadens zum Halten. Das Ausfahrtssignal in Zantoch war nach der Durchfahrt des Borzuges in der Haltestellung verschlossen. Als sich der Dzug 24 Zantoch näherte, hätten bei ordnungsmäßig verlaufener Fahrt des Zuges das Ausfahrtssignal frei sein müssen. Da das nicht der Fall war, fragte der Beamte in Zantoch bei Jahnsfelde an, warum die Strecke nicht freigegeben werde. Der Blockwärter in Jahnsfelde hat dann ohne weiteres durch einen unerlaubten Eingriff die Sperre, die ihn an der vorzeitigen Blockbedienung hinderte, beseitigt und dann die Strecke freigegeben. Der D-Zug fuhr in die besetzte Blockstrecke und stieß auf den m chr haltenden Vorzug auf.
euer Gaunertrick. Bei einem Mandanten eines
Er legte die Abschrift eines Gert Beschlusses sowie einen mit der Unterschrift und dem Firmenstempel des Rechtsanwalts versehenen Brief vor, in dem unter Bezugnahme auf den Gerichtsbeschluß um sofortige Einzahlung eines Betrages von 150 Mark ersucht wurde. Der Betreffende zahlte den verlangten Betrag, stellte aber durch Nachfrage bei dem Rechtsanwalt fest, daß er einem Schwindler zum Opfer gefallen war, denn die sämtlichen vorgelegten Schriftstücke waren gefälscht.
Zu den Posener Getreideschiebungeu wird weiter gemeldet: Der verhaftete Posener Getreidegrotzhändler Leopold Katzenellenbogen hat in einem Monat bei seinen Getreideschiebunaen nach Leipzig eine Million Mark verdient. Die für seine Haftentlassung augebotene Bürgschaft in Höhe von 100 000 Mark ist abgelehnt worden. Ein Leipziger Kaufmann Geist ist in die Angelegenheit ebenfalls verwickelt und verhaftet worden, ebenso noch ein aus Posen stammender Kaufmann in Leipzig.
Seine letzte Bitte. Im Nachlaß eines vor etlichen Fahren verstorbenen Schlüchterner Bürgers fand man 17 gleichlautend beschriebene und mit Adressen sorgfältig versehene Postkarten, die aber von den Angehörigen aus gewissen Gründen nicht, wie es der Verstorbene gewünscht, sofort nach seinem Ableben abgesandt wurden. Der Inhalt der Karten wurde jetzt aber doch bekannt. Er lautet u. a.- „Wenn Sie diese Karte erreichen wird, bin ich gestorben, und Sie werden die Absicht haben, mich auf meiner letzten Fahrt zum Friedhof zu begleiten. Ich bitte Sie herzlich: Tun Sie das nicht! Ich müßte mich wahrscheinlich im Sarge um- drehen, wenn Sie auch hinter ihm mit Ihren Weggenossen so schamlos laut sich unterhalten würden, wie ich das an Ihnen schon über 20 Jahre bei Beerdigungen beobachtet habe. Ich möchte meine Angehörigen davor bewahren, solches Tun als eine Rücksichtslosigkeit zu empfinden und vermieden wissen, daß Sie meinen letzten Weg zu einem Schwatz benutzen. Auch haben Sie wirklich Betrübte durch Ihr Geschwätz immer wieder geärgert. Also bleiben Sie, bitte, freundlichst daheim. Und nichts für ungut. Ihr N. N."
Heiteres vom Tage. Macht der Gewohnheit. Ju- fanterist Schulze hat während seines kurzen Erholungs- urlaubes beschlossen, sich „kricgstrauen" zu lassen. Die Mutter der Braut hat diesen Plan eifrig gefördert und begleitet das Brautpaar auf das Standesamt. MS der Beamte an den Bräutigam die vorgeschriebene Frage richtete, gibt der Bräutigam anfänglich gar keine Antwort und ruft dann, indes ihn seine Schwiegermutter mit funkelnden Augen ansiebt, laut: „Zu Bekohl!" — LiebeSbeweis. Freundin: „Du scheinst Dich noch darüber Alt freuen, daß Dein Bräutigam von dem Bauern Prügel bekommen hat?" Braut (innig): „O, er läßt sich prügeln, weil er eine Blume aus dem Kornfeld fielen wollte, die ich mir gewünscht hatte . . . jetzt sehe Ich doch, daß er mich wirklich liebt!" (Fliegende Blätter.)
Aus der Karyathenschlacht.
(Nach einem Feldpostbrief der „Köln. Ztg."j
Schluß.
Wir hatten bis jetzt unter dem Feuer und dem Geschoßhagel noch nicht gelitten, denn das Wohnhaus, un- ter dem und in dessen nächster Nähe die Keller warerb
hatte, weil nur aus dicken Quadersteinen erbaut, nicht Feuer fassen können, doch war das Dach und oberes Stockwerk von den Granaten schwer mit genommen wor« den. Und dann plötzlich schwiegen die feindlichen Geschütze vor uns. Es war 7 Uhr morgens. Wiederum wälzten sich aus dem Walde die grauen Menschenwogen heran, so weit das Auge reichte, eine unübersehrbare gewaltige Flut. Der Angriff war diesmal ein allgemeiner. Zwar donnerten noch rechts und links von uns die Geschütze in ungeschwächter Kraft weiter, doch hinter den krepierenden Granaten gingen die Russen zum Sturm vor. Wir waren in wenigen kurzen Sätzen in dem nur wenig mitgenommenen Graben, ein Teil von uns faßte hinter der nur noch zum Teil stehenden Mauer Posio, die Maschinengewehre kamen im Marsch-Marsch in Stellung, und nun ratterte und knallte es dem Feind tau- entgegen. Doch hatte derselbe wohl jetzt Befehl, die Mühle, „koste es was es wolle", zu nehmen: denn Welle auf Welle brach vor, wurde durch unsern Geschoßhagel meöergerissen, neue Wellen kamen, brandeten über die LeichenhÜgel, sanken gleichfalls zusammen, neue Leichenhugel bAdend, immer neue, und wieder neue stürzten laut heulend heran, rissen den starken Drahtverhau zusammen, stopften mit chren Leichen die gab ' Löcher, die unsere Flatterminen gerissen, überschwemmten den Graben und waren trotz rasenden Feuers, trotz Hunderter berstender Handgranaten nicht aufzuhalten. Wir mußten aus dem Graben zurück hinter die Mauerreste, um dort den letzten verzweifelten Widerstand zu leisten. Die glühend gewordenen Knarren in den schmer- senden Fäusten, wilde, rasende Wut in den Augen, so erwarteten wir den letzten Sturm, erwarteten wir unser Ende. Von drei Seiten hatten die Russen die Mühle gepackt unöm hielten dieselbe in Todesklammern. Und schon stürzten die brüllenden Feinde gegen die Mauern vor und suchten durch die Bresche einzudringen. Zehn, zwanzig Mann drängten sich durch eine breite Lücke, die von mir und ein paar Leuten meines Zuges verteidigt wurde. Ein riesiger schwarzbärtiger Kerl wollte mir gerade das Bajonett durch den Leib stoßen, ich gab mich schon verloren, da ich den Stoß nicht parieren konnte, da krachte neben mir ein Schutz, der Russe stürzte schwer zu Boden, zwei, drei, fünf, zehn Schüsse fielen in rasender Reihenfolge, einer nach dem andern der Feinde stürzte zu Boden, wir waren die Feinde los.
menden
schon nach dem ersten Schutz hatte ich mich Herumae- öreht, meinem Lebensretter zu danken, doch als die Feinde von demselben erledigt waren, stand ich noch immer und starrte ihn an. Der Müller war's, kaum traute ich meinen Augen. In die Uniform eines unserer gefallenen Kameraden gezwengt, den Waffenrock offen, ,o daß die gebräunte Brust zu sehen war, den Leibriemen mit der Patronentasche lose umhängend, unbedeckten Hauptes, so datz die weißen Haare im Wind spielten, in der rechten Hand den Armeerevolver, in der linken die umgedrehte Büchse, so stand er da, ein furchtbarer Rächer seiner gefallenen Söhne, seines zerstörten Heim- wesenS. Und als die Rusien aufs neue vorstürmten, als ne, inneres erbitterten Widerstandes ungeachtet, den Hof überschwemmten und wir uns in das Wohnhaus zurück- zieheu mußten, um nicht abgeschnitten zu werden, da blieb der „Alte" wie selbstverständlich an meiner Seite, schoß, lud, hieb und stach. Er schien auch jetzt gegen jede Gefahr gefeit, denn die Russen schössen wie rasend auf ihn, der ihnen fürchterlich geworden war. Er aber blieb unverletzt!
Unsere Maschinengewehre, die uns noch geblieben waren, ratterten jetzt aus den Fensteröffnungen den Russen entgegen, und brachten die Flut zum Halten, zum Zuruckweichen. Und diesen Augenblick benutzten wir
gegen den Feind ansprang, der seinerseits voll abergläubischem Schreckens vor ihm zurückwich. Wiederum entbrannte der wild verzweifelte Kampf um die Mauer, wiederum verrichtete der Alte an meiner Seite wahre Wunder, Und wiederum mußten wir Schritt für Schritt zurück. Da klangen in unserem Rücken jauchzende Hurrarufe, krachten donnernde Salven in die Reihen der zurückweichenden Rusien, und mit keuchender Brust sprangen graue Gestalteu an uns vorüber auf den Feind. ~ Das waren die Kameraden, die Hilfe in höchster Not Jetzt trieben wir vereint die Rusien in den Wald zurück, überrannten ihre 'Stellungen im Walde, und machten Gefangene und Beute. In Unordnung zog sich der Feind zurück, von Teilen unserer Diviston verfolgt. Am Nachmittag ging ich zur Stätte des wilden Kanwfes zurück, in deren Nähe die Verbandsstelle aufgeschlagen war. Hier begegnete mir der Müller, schwer auf den Arm der Schwiegertochter gestützt, neben sich seine leise weinende Frau. Sie verließen ihre Heimstätte, um im Dorf vorerst Unterkunft zu suchen. Trotzdem er unver- wundet geblieben war, war des alten Recken Kraft gebrochen, der Schmerz hatte, nachdem die Wut, der wahnsinnige Grimm im Blut der Feinde ertrunken war. Ein alter, hinfälliger Greis, wankte er zwischen den beiden grauen dahin, er, der vor Stunden noch ein Baum an Kraft und Stärke gewesen war. Meinen Dank schien er nicht zu verstehen, meine ausgestreckte Hand blieb unberührt. Das glänzende Auge war erloschen, und um den von wehem Schmerz zerrissenen Mund irrten Worte, sinnlose Worte des Schmerzes.
en
in»
Ich wagte nicht, weiter zu stören und schaute, selten bewegt, den drei Gestalten nach, die langsam dem Dorf zuichritten.
Weitere Drahtnachrichten.
Neue Luftangriffe auf Bukarest.
w Karlsruhe, 11. Oktober. (T. II.) Schweizerisch«
Blätter melden auS Petersburg: Dortige Blätter bringen neue Meldungen über verheerende feindliche Flie- gcranariffe auf Bukarest und der nächsten Umgebung Feindliche Fliegergeschwader haben in kurzem Oftant die Eisenbahnkreuzung und strategische Linie Bukarest- Ploesti angegriffen und eine Anzahl Bomben abgewor. fett. Daß der Schaden sehr erheblich sein müsse, ergibt sich daraus, daß von den Pionieren Tag und Nacht azi der Wiederherstellung der zerstörten Eisenbahnstrecken. Telephon- und Telegraphenleitungen gearbeitet wird.
Eiu großes Munitionslager iu Loudou beim letzte«
Luftangriff zerstört.
Aus Amsterdam wird gemeldet: Der aus England zurückgekebrte neutrale Gewährsmann der „Expreß- Korrespondenz" berichtet, daß bei dem letzten Zeppelin» Angriff auf London eiu großes Munitionslager in 5« Nähe von EnfielS» wo sich die königlichen Gewehrfabriken befinden, durch Zeppelinvombeu getroffen wurde Die gesamte aufgespeicherte Munition ist in die Lust geflogen, wobei eine große Anzahl Personen getötet Würde, . - - .......