England und Deutschland im Urteil eines Engländers.
Die „Vanguarbia" (Barcelona) vom 21. September berichtet, daß der englische Schriftsteller Frank Harris, 5er sozialistische Neigungen habe, (früher Herausgeber der „Fortnightly Review" und „Saturday Review") in den Bereinigten Staaten eine Reihe von Verträgen über den Krieg gehalten habe, in denen er eine von der allgemeinen Meinung feines Landes durchaus abweichende Ansicht zum Ausdruck gebracht hätte. Die „New York Sun" teilt hierüber folgendes mit:
Der Faktor, der die Amerikaner hindert — sagte der Redner — den Krieg so zu sehen, wie er ist, ist die Sprache, die sie sprechen und die Zeitungen, die sie lesen. Man vergleiche das Jdeat Deutschlands und Englands. Letzteres ist eine Insel, ersteres der Mittelpunkt eines Kontinents. Auf der Insel hat das Individuum die größte Bedeutung, so daß in England der Individualismus ausgeprägter ist als in irgendeinem anderen Lande. Das Ideal ist die Figur des all-roundman. Er muß geübt im Sport sein, firm in der eigenen Verteidigung und fähig zum Angriff auf die, welche ihm nicht gefallen. Dazu gehört noch eine gewisse Bildung. Oxford, Magdalene College, gute Familie, gute Erziehung, gute Kleidung, gewöhnliche wissenschaftliche Bildung und 3000 Dollar Rente.
Auf der anderen Seite dagegen das enge Zusammenleben, von dem Bismarck in einer wundervollen Rede sagte, die Deutschen feiert so zusammengepfercht, da sie nicht untätig bleiben und an Ausruhen denken könniten» Das deutsche Ideal ist der vollkommene Staats Der Engländer haßt diese Lebensauffassung und hält sie für barbarisch. Also: hier ist das absolute Individuum, dort der vollkommene Staat. Die Lehre des Individuums ist die Vergangenheit, die des Staates die Zukunft. Heute richten sich die Blicke alle derer, die Nachdenken, auf Deutschland.
Das englische Leben führt im allgemeinen zur Ungleichheit der Klassen. Die anglikanische Kirche ist das Bollwerk der Oligarchie,' sie ist die einzige Kirche der Welt, die keinen Heiligen hervorgebracht hat. 40 v. H. der englischen Arbeiter besitzen kein Stimmrecht: in Deutschland dagegen haben alle Männer das allgemeine Wahlrecht. In England lebt der achte Teil des Volkes in Reichtum, ein Drittel in der entsetzlichen Armut, und dazwischen gibt es einen unbedeutenden Mittelstand. England hat heute keinen Anspruch sich das Recht anzumaßen, das Ideal der Freiheit zu vertreten. Wer solches behauptet, ist ein Betrogener oder ein Lügner.
Deutschland ist zureit der wunderbarste Staat der Welt. Er steht an der Spitze der Zivilisation. In den letzten zwanzig Jahren hat es für die Menschheit mehr getan als irgendeine andere Nation.
Ich liebe Frankreich leidenschaftlich, weil ich Kunst und Literatur liebe, und ich bedauere, daß dieses Land nicht siegen kann. Aber selbst wenn es noch sechs Jahre dauerte, würde das Bild dasselbe sein. Man kritisiert den deutschen Militarisnms? Ach! Die Deutschen sind nicht militärischer als andere: was sie sind, das ist: geeignet zu allem.
Die Entschlossenheit der griechischen Regierung.
w Genf, 4. Oktober. (T. U.) Alle in den gestrigen Pariser Blättern vorliegenden Meldungen besagen laut «MUMM
verharren. Der König und die Regierung können sich vei ihrer neutralen Politik auf oe» Widerstand des Volkes gegen die Revolution stützen. Die griechische Regierung sucht sich der Ausdehnung der revolutionären Bewegung zu widersetzen. Der Marineminister hat die Verschlußstücke der Geschütze auf den bei Salamis liegenden griechischen Kriegsschiffen in Verwahrung nehmen lassen. Auf der Insel Zenthe seien die Fenster des Venizelistenklubs eingeschlagen und Demonstranten und Polizeibeamte verwundet.
»e* Stockholm, 4. Oktober. (T. U.) Die „Nvwoje Wremja" schreibt: So lange König Konstantin die Geschicke Griechenlands leitet, ist mit keinem Wechsel der griechischen Politik zugunsten des Vierverbandes zu rechnen.
General Dallagrammatica, dem vom König Konstantin der Oberbefehl über das erste Armeekorps übertragen wurde, hat einen Tagesbefehl erlassen, in dem er erklärt hat, daß sich von seinen 600 Offizieren nnr sieben Venizelos angeschlossen haben.
Bemerkenswerte russische Stimmen über Rumänien.
Die „Köln. Ztg." erhält Mitteilungen aus den in-' tellektuellen russischen Lagern, wo man der rumänischen Bundesgenossenschaft feindlich gegenübersteht. Mit den Stimmungen und Anschauungen dieser Kreise innig vertraute Persönlichkite» erklären, die schlechteste und verdorbeuste Nation Europas sei die rumänische. Rumäniens Beteiligung am Kriege sei eine Erpressung gegenüber Rußland und eine meuchlerische Feigheit gegenüber Oesterreich. Dieses schmähliche Bündnis bat uns England aufgezwungen. Während zweier Jahre haben wir gekämpst und unsagbare Opfer gebracht. Nun zwingt man uns im Falle eines Sieges, den so blutig erkämpften Preis an ein Volk abzutreten, das während aller dieser Zeit ungeheuer bereichert, nunmehr zu den Waffen greift, um uns die Früchte eines Sieges, den wir erwarten, zu entreißen. Wir Intellektuelle», von Begeisterung für das demokratische England erfüllt, vergaßen, daß es der unversöhnliche Feind des Heiligen Rußland ist. Die „Köln. Ztg." meint, derartige Mei- »umgen dürften gegenwärtig ohne Belang sein, könnten aber doch eines Tages Bedeutung gewinnen.
Ueber 100 000 Mann rumänische Verluste.
Die „Nationalztg." berichtet von der russischen Grenze: Die Verlustlisten des unter dem Protektorat der rumänischen Königin stehenden Bukarester Sanitätskomitees vom 26. September verzeichnen einen Verlust von 100 063 Mannschaften und 4541 Offizieren.
Der Unterkeebootskriea.
Deutsche U-Boot-Arbeit im Eismeer.
Die „Nationaltiden.de" erfährt aus Christiania: Die im Eismeere versenkten fünf norwegischen Dampfer hatten zusammen einen Tonnengehalt von 6262 To. und waren für über 5 Millionen Kronen gegen Kriegsgefahr versichert. Wahrscheinlich wird die Kriegsversicherung eine Erhöhung ihrer Prämien eintreten lasten. Der Verlust Norwegens an Schiffen während des Krieges beirägt bisher 216 000 To., was 8,14 Proz. des Tonnen- gehalts der norwegischen Handelsflotte bedeutet. Die russische Dampferverbindung zwischen Vardö und Archangelsk ist wegen der Tätigkeit der deutschen Unterseeboote vorläufig eingestellt worden.
Skiegsallerlei.
Eine englische Statistik über die Luftangriffe.
Schweizer Blättern zufolge meldet die „Times", daß bis zum 2. Oktober 37 Luftangriffe auf England stattfanden, die 1366 Opfer forderten, darnnter 415 Tote.
Russische Aufsicht in Rumänien.
Die Mailänder „Lombardia" meldet aus Bukarest: Die rumänischen Munitionsfabriken, Arsenale und Är- iilleriewerkstätten wurden am Mittwoch der russischen Oberkontrollkommission übergeben. Die Leitung des rumänischen Heeres verbleibt dem eigenen Oberkommando.
Unterbringung kranker Kriegsgefangener in Norwegen.
Aus Kopenhagen wird berichtet: „National Tidende" meldet aus Christiania: Das Ministerium des Aeußereu teilte den Regierungen der kriegführenden Staaten mit, Norwegen sei bereit, 2000 kranken Kriegsgefangenen Unterkunft zu gewähren. Von allen Seiten der Bevölkerung werde der Angelegenheit das größte Entgegenkommen und Interesse gezeigt.
Rußlands Heeresersatz.
Laut der „Köln. Ztg." berichtet die Petersburger Zeitung „Dien", die Regierung habe die Gouverneure aufgefordert, die Einberufung des Jahrganges 1919 vorzubereiten. Die Einberufung wird zu Nerffahr erwartet. Die Listen der Wehrpflichtigen sind bis zum 8. Oktober fertigzustellen.
Japans Kriegsfertigkeit.
Ueber Petersburg wird der „Köln. Ztg." zufolge aus Tokio gemeldet: Der japanische Kriegs- und der Marineminister erließen Befehle an Heer und Flotte, worin erklärt wird, da der gegenwärtige Krieg gezeigt habe, welche wichtige Rolle die Reservetruppen spielen, seien die Reservisten aller Waffengattungen aufzufor- dern, die Uebungen fleißig fortzusetzen.
Politische Rundschau.
Der Stellvertreter des preußischen Kriegsministers. Generalleutnant von Schüler, Kommandeur einer Division, ist durch Allerhöchste Kabinettsordre in das Kriegsministerium versetzt und soll den Kriegsminister nach dessen besonderer Anweisung vertreten.
Eine italienische Stimme zur Kanzlerrede. Der „Secolo" gibt indirekt zu, daß die Reichskanzlerrede in Italien großen Eindruck gemacht bar. Der Kanzler habe die Sache so dargestellt, als ob die lange Dauer des Krieges allein durch England verschuldet werde und als ob dies für seine Alliiertem jetzt und in Zukunft eine Gefahr sei. Es sei vorauszusetzen, daß die italienischen Neutralisten, die stets England abgeneigt waren, die Rede für ihre Zwecke ausnutzen würden. „Secolo" versucht zu beweisen, daß England seine Hegemonie gegenüber seinen Alliierten riicht ausnutzen werde.
Lloyd George ist Anhänger der Dienstpflicht geworden. Die „Times" schreibt, daß Lloyd George jetzt seine ganze Aufmerksamkeit der Frage des Manuschafts- ersatzes widme und Anhänger der Dienstpflicht geworden sei. Die Ergebnisse der Werbung in Irland genügten nicht, die Verluste der irischen Regimenter zu ersetzen. Man habe jetzt die Wahl zwischen Einführung des Dienstzwanges und der allmählichen Ausscheidung Irlands als Kampfeinheit des britischen Reiches.
Vermischtes.
Abenteuerlustige Berliner Jungen. Zwei sechzehn- bezw. siebzehnjährige Schüler hatten sich in Berlin aus der elterlichen Kasse mit 2000 Mark Bargeld und 14 000 Mark in Sparkassenbüchern und Kriegsanleihe versehen, um nach "Amerika zu gehen. Zuletzt aber beschlossen sie doch in Berlin zu bleiben, packten die Wertpapiere in eine Aktenmappe und versenkten diese, mit Steinen beschwert, in die Spree. Die Abenteurer wurden von der Polizei wieder zu den Eltern gebracht. Fischern gelang es, die Mappe mit dem wertvollen Inhalt wieder ans Ufer zu bringen.
Opfer von Pilzvergiftungen. Nach dem Genuß eines Pilzgerichts, in dem sich einige Exemplare des giftigen Knollenblätterschwammes befanden, sind in Lahr (Baden) 3 Kinder des Bierbrauereibesitzers Max Klausmann im Alter von 7, 11 und 13 Jahren, ein Knabe und zwei Mädchen, gestorben. Das vierte der Kinder, das ebenfalls schwer erkrankt war, konnte gerettet werden. In Offenbach (Baden) sind drei Mit- glieder der Familie Ehrhardt an Pilzvergiftung gestorben.
„Mer haben keine Eier mehr!« Durchwanderte ich neulich ein armseliges Heidedorf. Am Ententeich stand ein kleiner Knirps, an seiner Marmeladenstulle kauend.
„Na, Kleiner, schmecki's?" war mein freundlicher Zu- ruf im Vorübergehen. Der Dorfprinz war ob dieses liebenswürdigen Feuerüberfalles überrascht, faßte sich aber schnell und antwortete, einem jeden Annäherungsversuch höflich, aber bestimmt ausweichend: „Mer haben keine Eier mehr!" („Simpl.")
Heiteres vom Tage. Einige Tage vor Beginn der neuen Somme-Offenswe zog sich Lord Grey auf seinen Landsitz zurück, um seiner Leidenschaft, dem Angelsport, Genüge zu tun. Dabei seufzte er, als er die Angel aus- warf, „wenn doch der Durchbruch an der Somme so schnell gelange, wie ich einen Fisch fangen kann!" Nach einigen Minuten fühlte er etwas Schweres an der Angel Freudig zog er diese aus dem Wasser und sah zu seinem größten Erstaunen einen alten Stiefel an dem Haken hängen. „Goddam," rief er, „das ist eine böse Vorbedeutung,' mir scheint, uns wird an der Somme wieder einmal das Leder versohlt . . .1" — Der Lehrer tadelt einen kleinen Mann, weil er recht schmierig zur Schule gekommen ist. Der Junge schaut beschämt zu Hoden. Da ersteht ihm in seinem Nachbar ein Verteidiger. Der erhebt sich und sagt: „Herr Lehrer, in einer so großen Zeit darf man nicht so penibel sein? — Eine Frau Vorpommerns erkundigt sich bei ihrer Nachbarin, wie es ihrem Manne, der mit ins Feld gezogen ist ginge. „Ach," sagt diese, „üm den sorg ick mt nich, üm den bün ick nich bang: ick bedur äwer de armen Minschen, de hei unner de Finger kriegt, het fielt allenS dod un dal." (Jugend.)
wackere Kanoniere.
Am Vormittage des 9. Mai 1915 wurde das II. Bataillon Infanterie-Regiments 165 alarmiert, war um 12 Uhr marschbereit und langte um 5 Uhr nachmittags in Farbus an. Hier wird uns die Lage mitgetellt, woraus hervorgeht, daß die Franzosen bei Neuville durchgebrochen sind. Das Bataillon rückte weiter nach Neuville, um die schon besetzten Häuser dieses Dorfes im Sturm zurückzuerobern, während Unteroffizier Weiden aus Beuel a. RH. als Befehlsempfänger bei einem bayerischen Regimentskommandeur, dem das Bataillon unterstellt war, zurückbleiben mußte. Am 10. Mai bekommt er Befehl, eine Meldung an seinen Bataillons- konnnandeur, zu überbringen. Auf dem Wege dorthin sah Weiden in einem Vorweg ein verlassenes deutsches 7,5 Zentimeter-Feldgeschütz. Nachdem er glücklich den Stab seines Bataillons erreicht und seine Meldung abgegeben, fragte Weiden seinen Bataillons-Adjutanten, der von der Feldartillerie zum Bataillon kommandiert war, ob man das Geschütz nicht in Sicherheit bringen könnte. Unteroffizier Weiden führte den Leutnant zum Geschütz, hier wurde einer Gefechtsordonnanz und Weiden schnell das Laden und Abziehen erklärt, denn da noch genügend Munition vorhanden war, wollte der Adjutant das Geschütz zur Abwehr gegen die Angriffe der Franzosen selbst gebrauchen, die sich oft am Tage wiederholten.
Schnell war das Geschütz aus der Deckung gebracht, denn man mußte aus nächster Entfernung schießen, da der Zielaufsatz fehlte. Leider hinderte eine eigene Barrikade, die zu hoch war, um über diese hinweg schießend die gegenüberliegende feindliche Barrikade einzu- schießen. Kurz entschlossen wurde unsere Barrikade ein= gestoßen und das Geschütz in Stellung gebracht. Trotz des heftigen Jufanteriefeuers luden die Genannten ruhig das Geschütz und schon mit dem ersten Schusse war die feindliche Barrikade beseitigt. Jetzt wurden die besetzten Häuier nach der Reche unter Feuer genommen und bald sah man, wie sich die Franzosen aus diesen Häufexn enffeimen, die, ruuürlüh von unseren Kameraden aufs Korn genommen wurden. Ganz so schnell ging die Bedienung nld#, da die Auswerszange am Geschütz fehlte und Weiden daher die abgeschoffene Kartusche erst mit Hilfe des Seitengewehrs herausziehen mußte. Bald jedoch mußte er mit den Kameraden seine Stellung vorn an der Barrikade aufgeben, denn starkes feindliches Artillerie- und Minenfeuer zwang, einen Stellungswechsel vorzunehmen. Nunmehr fiel Weiden die Aufgabe zu, einige von den Franzosen in Neuville besetzte Häuser von einer günstigen Stellung unter Feuer zu halten, was auch 2 Tage lang fortgesetzt wurde, bis die letzte Granate verschosien war. Das Geschütz, welches ohne Munition unbrauchbar geworden war, wurde an die Artillerie abgeben und in Sicherheit gebracht. Am 19. Mai wurde das Bataillon abgelöst.
Als Belohnung für die artilleristische Tätigkeit erhielten alle drei das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Weiden wurde außerdem noch zum Unteroffizier ernannt.
Weitere Drahtnachrichten.
Stockung des Schiffsverkehrs zwischen Holland und England.
»-s- Zürich, 4. Oktober. (T. lt.) Mit Ausnahme der Zeeland-Linie haben laut „Hoff. Ztg." alle holländisch-englischen Schiffahrtslinien infolge fortgesetzter Wegnahme der Fahrzeuge durch deutsche Kriegsschiffe den Verkehr eingestellt.
Hughes und die Deutsch-Amerikaner.
»v Cöln, 4. Oktober. (T. U.) Die „Köln. Ztg." meldet aus Washington: Die Deutsch-Amerikaner werden allmählich ungeduldig über die SHuZeigfamkeih welche Hughes in der Frage seines Verhaltens gegenüber England zeigt. Er erhält aus dem ganzen Land« Anfragen, wie den» lern seine Stellung sei. Eine Zuschrift aus St. Louis besagt, man könne nicht erwar- ten, daß die deutschen Stimmen für einen Mann abgegeben werden, der nicht den Mut habe, der Wahrbet die Ehre zu geben. Die Parole der Deutsch-Amerika; »er müsse daher sein: Enthaltet Euch der Wahl.
Steigerung der Schiffsfrachten bei dem Feinde.
London, 4. Oktober. (T. U.) Die Möglichke) der Wiederaufnahme eines verschärften Ubootkriege, i hat, wie ein Mailänder Handelsblatt schreibt, eur > neuerliche Steigerung der Schiffsfrachten verursacht.
Morgen (Donners.'ag) nimagö 1 Uhr
Zeichnungsschluß der Kriegsanleihe,