Was ist ein „entscheiden»« Sieg"?
Auf diese Frage gibt der „B. L.-A." folgende Antwort: Wir wissen aus früherer Erfahrung, so beispielsweise aus der Zeit des Hindenburgschen Sieges in Ma- suren, wie die erste Siegesnachricht eine Fülle von Er- wägunqen zeitigt. Je nach Temperament wird der Optimist sich ohne jeden Anhalt in Schätzungen der gemachten Beute und der Gefangenen ergehen, während der Pessimist während des Wartens auf die Einzel- Keiten des Sieges natürlich immer wieder in die Nei- S zurückfüllt, seine Erwartungen möglichst herunterrauben. Natürlich gibt es verschiedene Arten von entscheidenden Siegen. Ein Sieg bei Sedan und ein Sieg bei Tannenberg kann natürlich nicht mit einem Sieg in der Dobrudscha verglichen werden, der niemals den Einfluß haben konnte, wie einer dieser genannten Erfolge. Aber entscheidend war deshalb der Sieg in der Dobrudscha doch in vollern Matze.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Feind die Absicht hatte, die Süddobrudicha als Basis für einen Einbruch nach Bulgarien zu benutzen. Diese geplante Offensive ist ihm vollständig mißlungen, und er ist durch den Sieg vor der befestigten Front Czungun—Mangalia zunächst fluchtartig nach Norden in die von uns mehrerwähnte Stellung Czernawoöa—Midzidie—Mangalia und darauf in die Defensive getrieben worden. Hatte er bisher die Absicht, die Offensive gegen Bulgarien zu eröffnen, so sieht er sich jetzt in die Defensive gedrängt, d. h., daß er dem deutsch-bulgarisch-türkischen Gegner das Diktieren des Willens, das er in seiner Hand zu haben glaubte, überlassen mußte. Infolge dieser Wirkung war der erfochtene Sieg tatsächlich ein entscheidender. Sollte aber der russisch-rumänische Feind durch Heranziehen weiterer russischer Truppen in seine letzte Verteidigungsstellung etwa 8 Kilometer südlich der Linie Ezernawoda—Meözidie—Konstanz« seinen Fuß- halt in der Süööobrudscha zu verstärken versuchen, so würde er damit lediglich die Tatsache bestätigen, daß er gezwungen ist, sich in seinen Maßnahmen nunmehr dem Willen des Gegners anzupassen, da er diese Truppen von benachbarten Kriegsschauplätzen heranschaffen, d. B. dort auf seine bisherigen Pläne verzichten müßte. In diesem Falle würde der entscheidende Sieg in der Dobrudscha nicht nur von Lokalwirkung, sondern sogar von Fernwirkung gewesen sein.
Uebrigens ist mit ziemlicher Bestimmtheit zu erwarten, daß auch diejenigen, die sich einen Sieg nicht ohne Gefangenen- und Bentezahlen denken können, später noch auf ihre Kosten kommen werden. Unmittelbar nach einer Schlacht hat auch der Sieger etwas anderes zu tun, als dem Neugierigen in der Heimat zuliebe Beute zu zählen. Dazu gehören Leute, die man vorläufig bei der Verfolgung besser gebrauchen kann, denn diese bleibt auch nach dem Siege die Hauptsache. Es müssen aber nach einer großen Schlacht auch Truppenteile wieder in Ordnung gebracht, die Munitionsund Lebensmittelnachschübe geregelt, Verwundeten- und Gefangenentransporte eingerichtet, vom kleinsten bis zum größten Truppenverbände Meldungen geschrieben und gesichtet werden, und, wir wiederholen das, dies muß alles geschehen, ohne den Feind aus dem Auge zu lasten und ohne ihm Zeit zu geben, sich von seinem Verfolger zu lösen. Ist dies alles geschehen und hat der Oberkommandierende nach Sichtung aller vorliegenden Meldungen die Möglichkeit, über die Einzelheiten des Erfolges zu berichten, der in diesem Falle ein „ent- 'cheidender Sieg" war, weil er, wie bereits bemerkt, die Grundbedingungen, unter denen in diesem Falle ge- kämpft wurde. ganz und gar zugunsten der verbün
deten deutsch-bulgarisch-türkischen Armeen änderte, so wird er dies tun. Bis dahin heißt es, sich in Geduld fassen._____________________________________________________________
Englische kullmMe.
Bekanntlich ist beim letzten großen Zeppelinangriff auf England eins von unseren Luftschiffen, der L 21, verloren gegangen, wie die Engländer behaupten, infolge der Geschicklichkeit ihres Fliegerleutnants Robin- fou, der dafür mit Ehren und, bei einem Engländer das wichtigste, mit klingendem Lohn in Form von Prämien, die für die Besiegung des ersten Zeppelin aus- gesetzt waren, überschüttet woröcn ist. Diesen billigen Triumph können wir den Engländern und ihrem jüngsten Nationalhelden gönnen. Leider ist jedoch dabei die gesamte Besatzung des Luftschiffs, 1 Offtzer und 15 Mann, gefallen. Am 7. September sind, nach einer Meldung der „N. G. E.", diese 16 deutschen Helden, die durcb den Sturz und die Flammen des brennenden Luftschiffs bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren mut den Engländern mit militärischen Ehren zu Grabe getragen worden. Man darf mit Genugtuung aner kennen, daß sich die britischen Militärbehörden dabc durchaus korrekt und würdig Benommen haben. ®e; Sarg des Offiziers wurde von sechs Offizieren de Kgl. Fliegerkorps, die anderen Särge von Mannschaften nach dem Grabe getragen, ein Massengrab vereinigt du Bemannung, zu deren Seite in einem Einzelgrab ih Führer ruht. Während der Bestattung, die von zwei Geistlichen vollzogen wurde und an der zahlreiche höhere Offiziere teilnahmen, kreuzte ein Flugzeug über dem Kirchhof und warf einen Kranz ab.
Anders aber verhielt sich das Publikum. Die feierliche Bestattung hatte Scharen von Neugierigen ungezogen, die den Weg einsäumten, auf dem sich der Trauerzug dem Kirchhof zubewegte. Wie die Loudoner „Times" und andere Blätter selbst mit schlecht verhehlter Beschämung zugestehen, war die Haltung des Publikums, bezeichnenderweise besonders die der Frauenwelt, höchst widerwärtig. Neuester und Schaulust hatte die Menschen herbeigelocktf einige bewahrten noch, wie sich der Berichterstatter der „Times" ausdrückt, ein gewisses Matz von Nüchternheit, die meisten jedoch benahmen sich in hohem Grade anstößig. In richtiger Erkenntnis dessen, was einem englischen Mob von Weibern zuzutrauen ist, war ein starkes Polizeiaufgebot zur Stelle, das imstande war, die ärgsten Ausschreitungen zu verhindern. Aber die Polizei konnte nicht verhindern, daß der traurige Zug toter Helden, die in treuer Pflichterfüllung für ihr Vaterland gefallen waren, mit Johlen, Pfeifen und einer Flut von Schimpfworten be- grützt wurde. Eine der lieblichen Huldinnen, die wahrscheinlich betrunken war, warf sogar mit Eiern nach den Särgen, bis sie von anständiger denkenden Umstehenden daran verhindert und dann von der Polizei festgenommen wurde.
Diese unsagbare Roheit ist ein würdiges Zeichen der Höhe, auf der sich die englische Kultur befindet. Auch sie soll in deutschen Herzen ebenso wenig vergessen werden, wie die Hallunken vom „Baralong" und „King Stephen"!Th.
wir Kadistmen!
„Wir^taötfrauen". Unter diesem Kennwort richtet Frau Schnndt, Berlin, in der „Deutchen Warte" — im Anschluß an den Aufruf des Präsidenten des K. E. A. an Deutschlands Landfrauen — nachstehenden warmherzigen Aufruf an ihre Schwester in der Stadt:
An Deutschlands Landfrauen richtete der Präsident des Kriegsernährungsamtes, von Batockt, die ernst« Bitte zur Mitsorge im dritten Kriegsjahre bei der Lebensmittelversorgung für unser Heer und für die großen Städte. Diese Mtte wird von Hunderttausenden von unseren Landfrauen gelesen, verstanden und beherzigt werden, denn es war kein Befehl, sondern eine ernste und warmherzige Bitte.
Und wir Stadtfrauen? War diese Bitte nicht auch für uns geschrieben, und ist sie nicht zugleich eine Mahnung für uns gewesen? Schwer ist es auch für uns gewesen? Schwer ist es auch für uns Stadtfrauen, unseren Dienst im dritten Kriegsjahr zu tun. Die Sorgen um Mann und Sohn im Felde teilen wir mit Landschwestern,' es fehlt in vielen Fällen der Ernährer. Die Aufrechterhaltung des Geschäftes oder (leinen Betriebes geht oft über unsere Kraft, die Erziehung und Ernährung unserer Kinder sind unsere größte Sorge. Und diese Sorge macht uns ungerecht und oft sogar bitter, wenn wir auf unsere Lebensmit- ielkarten nicht immer das erhalten können, was wir glauben, erhalten zu müssen. Wir glauben nicht seien, daß den Landfrauen Gemüse und Obst zuwachsen nn6 Milch, Fett, Fleisch, Eier und Butter genug für sie vorhanden sind. Ja, unser Milchtopf könnte voller ein, Fettnapf, Butterteller, Eierbrett sind meistens cer, Obst und Gemüse können wir nicht in der Menge kaufen, wie wir möchten. Aber, daran denken wir nicht — Brot und Kartoffeln haben wir alle Tage gehabt und richtigen Hunger lernten wir noch gar nicht kennen.
Wie kam das?
Wollen wir das nicht einmal bedenken? Ist es nicht bei allen unseren Sorgen notwendig, einmal in- zwischen recht sehr zu danken? Und bet diesem Danken '.vollen wir nicht zuletzt der Frauen gedenken, die fleißig und unermüdlich im dritten Kriegsjahre für uns gearbeitet haben. Sie bestellen den Acker, sie pflanzten die Kartoffeln, sie ernteten die Saat, sie hüteten und mehrten das Vieh, sie sorgten für Obst und Gemüse für uns Stadtfrauen mit.
Aber nicht leeres Gerede darf unser Dank bleiben. Er muß sich in Tat umsetzen. Freilich, unseren Landschwestern bei ihrer Arbeit auf dem Felde und im Stall helfen können wir nicht, wohl aber ihre Arbeit würdigen und ihr Verständnis zeigen. Und die Ver- ständms dafür haben, sind verpflichtet, aridere Stadt- frauen aufzuklären über die Summe von Arbeit, die für uns von unseren Schwestern auf dem Lande alle Jahre hindurch geleistet wurde. Auch wir müssen, genau wie unser- Schwestern auf dem Lande, zu unseren Kindern uvs enn wir Dienstboten haben, mit diesen über den ' ’ t der Arbeit, über die Wichtigkeit des Sparens ' über die Notwendigkeit einer auf das Kleinste . chten Sparsamkeit reden. Auch wir müssen all mce Unterschied, ein Beispiel sein, daß Deutschland^ lladtfrauen fähig sind, kleine und große Entheb gen zu tragen. Niemals dürfen wir vergessen, da»' _ tr immer vor Hunger geschützt sind.
Es kommt darauf an, daß wir Stadtfrauen unseren Landfrauen int Verständnis ihrer treuen Arbeit für unser Heer und unsere Städte in bezug auf die Versorgung mit Lebensmitteln in Dankbarkeit die Hand reichen.
Die ernste und warmherzige Bitte an Deutschlands Landfrauen war eine Bitte und eine Mahnung an Deutschlands Stadtfrauen. Wir Stadtfrauen haben sie gehört und verstanden! Wir Stadtfrauen wollen sie beherzcgenl
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Fünfte Kriegsanleihe.
4VI<> Reichsschatzanweisnu gen,
eingeteilt in 10 Serien, Tilgung erfolgt durch Auslosung von je einer Serie in den Jahren 1923 bis 1932.
5°lo Deutsche Reichsauleihe, unkündbar bis 1934,
(vor diesem Zeitpunkt kann also der Zinsfuss nicht herabgesetzt werden.)
Ruf vorstehende Kriegsanleihen nehmen wir Zeichnungen
von Montag, den 4. September bis Donnerstag, den 5. Oktober
entgegen.
Der Zeichnungspreis beträgt für
mittags 1 Uhr
4'|2o|o Reichschatzanweisungen Mark 95.—
5o|o Reichsanleihe
Mark 98 —
für je Mk. 100— Kennwert unter Verrechnung der üblichen 5tückzinsen. Bei Eintrag der 5°|0 Reichsanleihe in das Reichsschuldbuch mit Sperre bis 15. Oktober 1917 ermässigt sich der Preis auf Mk. 97.80.
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Filiale Hersleid.
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OMMasse ihm.