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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Witor

für den Kreis Hersfeld

Äreisfilatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig im 6 amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- ' gelungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag muhLuttLS». s

Nr. 224

Sonnabend, den 23. September

1916

Ammer Stil

Hersfeld, den 19. September 1916.

Am Sonntag, den 24. d. M. 8 Uhr vormittags, findet in Oberhaun in einem Nebengebäude des Per- sonenhaltepunktes und um 11 Uhr in Hersfeld in der katholischen Kirche Gottesdienst für die im Kreise be­schäftigten katholischen Kriegsgefangenen statt. Die Heeresverwaltung legt Wert darauf, daß die Kriegs­gefangenen an dem Gottesdienst teilnehmen, ohne daß jedoch ein Zwang zur Teilnahme auf sie ausge­übt werden soll.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, in deren Gemeinden fGutsbezirkj katholische Kriegsgefangene beschäftigt werden, ersuche ich, die Arbeitgeber entsprechend zu benachrichtigen und sie zu veranlassen, die Kriegsgefangenen über die Mög­lichkeit des Besuchs eines Gottesdienstes in Oberbann bezw. in Hersfeld zu verständigen. Diejenigen Kriegs­gefangenen, die an dem Gottesdienst teilzunehmen beabsichtigen, sind unter Führung, einer zuverlässigen Person rechtzeitig nach Oberhaun bezw. Hersfeld zu begleiten und nach beendigtem Gottesdienst in ihre Arbeitsstätte zurückzuführen.

In denjenigen Ortschaften, in denen ein Wacht- kommando vorhanden ist, hat der Wachtmann die Be­gleitung der Kriegsgefangenen zu übernehmen. Tgb. No. I. 9763. Der Landrat.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat.

* Die Verwendung von Kriegstinte, die sich zum Beschreibeu von leimschwachen Papier eignet, wird nach einer Mitteilung des Unterrichts­ministers in nächster Zeit zu empfehlen sein. Proben die fortgesetzt werden, weitere Erfolge zu erwarten sind'

):( Hersfeld, 22. September. fWie unsere Väter schwere Zeiten überwanden.) Wir leben sicher, was die Ernährungsverhältnisse anbe- trifft, in einer schwierigen Zeit, aber durch ein wenig mehr guten Willen, praktischen Sinn und Rückkehr zu den einfachen Lebensweisen unserer Väter ließe sich vieles leichter ertragen. Unser Vaterland hat schon schwerere Zeiten durchgemacht, Zeiten, in denen es wirkliche Hungersnot gab. Ein fesselnder Brief eines in Weimar im Ruhestande lebenden Geistlichen gibt uns hiervon ein anschauliches Bild. Er schreibt:

General Sarrails buntes Allerlei.

In Saloniki dürften in nächsten Tagen Herren im Zylinder mit strenger Amtsmiene erscheinen, um mit dem Finger nach Bulgarien zu zeigen. Die franzö­sische Deputiertenkammer ruft nach den Taten des Ge­nerals, der doch einen Plan haben müsse. Unter dem Mißmut der Franzosen beginnt das Intrigenspiel ge­gen den Parlamentsgeneral von neuem, denn Sar- rail ist der Mann der Radikalen und wird von der Rechten von jeher befehdet. Mit Genehmigung der

Sur schreiben die französischen Blätter von der be- ehenden Absetzung des Generals, denn er Eüm= mere sich zu viel um die Politik des Landes, das er besetzt halte, anstatt den Feldzug gegen den Feind zu betreiben. Wieder andere Bettungen meinen, daß Ge­neral Sarrail besser in Saloniki bleibe, um von dort aus die griechische Revolution, anstatt von Paris aus die französische vorzubereiten. General Castelnau, der Vertrauensnimm Jossres, gilt als Hauptgegner des Generals Sarrails, und deswegen ist dessen Ab- berufung nicht unwahrscheinlich, falls ihm nicht bald ein Sieg gelingt.

Unfraglich möchte Sarrail den Rebellen Venizelos zum Präsidenten einer griechischen Republik einsetzen, doch die Bemühungen scheiterten bisher an der Königs- treue der meisten griechischen Offiziere, die auch im griechischen Volke die Hauptanhängerschaft besitzen. Als Nachfolger des Generals Sarrail auf dem Orientkriegsschauplatze hürb an der Seine ganz offen General Foche bezeichnet, der Joffre treu ergeben sei. Ob Foche oder ein anderer General noch imstande ist, mit Sarreils buntem Allerlei erfolgreiche Schläge zu führen, darf mau bezweifeln, weil es dem aufammem gewürfelten Haufen an Einheitlichkeit mangelt. Zu den jüngst eingetroffeuen Portugiesenist nun auch noch der berüchtigte Essad Pascha mit einem albanischen Heereshaufen gekommen. Er hat in dem Heeresgemisch gerade nod) gefehlt.

Nach unzuverlässigen Berichten mtg Saloniki wird General Sarrails Armee auf 450 000 Mauu geschätzt, doch in Wirklichkeit bürste sich die Starke nur auf 350 000 Mann belaufen. Aus der Fülle der vorliegen­den Nachrichten kann man sich kein genaues Bild über die wahre Zusammensetzung des Heeres machen. Oberst Jmmannel nimmt an, daß die Franzosen mit zwölf Divisionen den Hauptteil der Armee darstellen. Neben ihnen stehen wahrscheinlich sechs englische, sechs ser­bische, zwei Italienische und zwei russische Divisionen. An kleineren Verbänden werden außcrbcm genannt tiOOO Libanesen, 1000 Montenegriner, sowie 10 000 grie­chische Freiwillige und eine Anzahl Port,miesen. Es

Als im Jahre 1847 in Paderborn große Hungersnot war, fehlten uns Kaffee, Tee, Tabak, Pfeffer und dergl. außerdeutsche Genuß- bezw. Nahrungsmittel. Wie halfen sich meine Eltern und andere Leute? Es wurden Blätter von Nuß-, Apfel-, Kirsch- und anderen Bäumen und von Sträuchern, z. B. Rose, Johannis­beere, Stachelbeere und dergl. getrocknet und gekocht oder geraucht genommen. Das mit Sand gebackene Brot, die schlecht gereisten Kartoffeln, der zähe Stock­fisch schmeckten und besamen uns Kindern gut, und ich schreibe jenem Notstände mit andern noch lebenden Altersgenossen auf Rechnung, daß . ich einen guten Magen habe. Unvergeßlich bleibt es mir, wie 1848 meine selige Mutter mit den Worten in die Kinder­stube trat:Kinder, heute gibt es richtiges Brot, und zur Feier dieses Tages habe ich euch für drei Pfennige Sirup gekauft!" Wir sehen aus diesem Schreiben, daß die damaligen Zeiten viel schlimmer waren und auch von unseren Vätern überwunden wurden. Viel­leicht können wir auch aus diesen schlichten und ein­fachen Worten manchen Gesichtspunkt entnehmen, wie man der Not der Zeit praktisch begegnet.

):( Hersfeld, 21. September. Das Eifer neKreuz 1. Klasse wurde dem Leutnannt Wilhelm G r e b e im Landw.-Jnf-Regt. 110, verliehen.

Bebra, 20. September. Das 8jährige Söhnchen des Einwohners K. aus der Eisenacherstr. zog sich durch einen Sturz von der großen Eisenbahnbrücke schwere Verletzungen zu. Zum Glück war das Kind nicht auf, sondern zwischen die Schienen gefallen.

Caffel, 21. September. Würdelose Weiber hatten sich vor der hiesigen Strafsammer wegen Vergehens gegen die Verordnugen des Kommandierenden Generals des 11. Armeekorps vom 17. Juli 1915 und 1. April 1916 zu verantworten. Es handelt sich um die 38jährige Ehefrau Klara Völker, die 34jährige Schneiderin Gertrud Herwig und die 28jährige Witwe Katharina Wicke, sämtlich aus Harleshausen. kommandos Verkehr unterhalten und die beiden anderen Angeklagten mit diesen Franzosen auch bekannt gemacht. Die Völker ist sogar soweit gegangen, daß sie drei Franzosen mit den Zivil­kleidern ihres Mannes ausgestattet hatte und ihnen bei der Flucht nach Holland behilflich war, an der auch die Herwig teilnehmen wollte, aber noch rechtzeitig hier verhaftet werden konnte. Die Völker war mit den entwichenen Kriegsgefangenen bis nach Bentheim an die holländische Grenze gekommen, wo sie durch die Aufmerksamkeit der dortigen Grenzpolizei verhaftet werden konnte, worauf auch alsbald die

sieht also ungefähr aus wie einst in Wallensteins La­ger. Die französischen zwölf Divisionen sollen vier Reservedivisionen des Mutterlandes enthalten, von denen zwei der Reserve der Kolonialheere angehören. Die übrigen französischen Divisionen stammen durch­weg aus den Kolonien. Auch wenn unter den far­bigen Truppen des französischen Heeres bei Saloniki stärke Bestandteile an weißen Offizieren und Unter- offiziereu vorhanden sein sollten, dürfte ihr Karupswert nicht allzu hoch anzuschlagen sein. Was die englischen Truppen anbetrifft, so sind sie zur Hälfte die sogenann­ten Kitchener-Divisionen, b. h. sie bestehen aus solchen Truppen, die auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht irr England neu ausgehoben worden sind. Die übrigen Divisionen kamen teils von den Dardanellen, teils aus Aegvpteu und bestehen aus Juderu, Australiern und Afrikaueru verschiedener Rassen.

Die Kerutruppen scheinen die Serben zu bilden oder doch gebildet zu haben, denn sie wurden bereits von ben Deutschen und Bulgaren zusammeugehauen, als sie Mitte August auf dem westliche» Flügel der Ar- mee des Generals Sarrail vorzurücken begannen. Im Ganzen soll es sich um 75 000 Serben handeln. Bon bett Russen sollen angeblich 8000 Mann auf dem ungeheuren Umweg über Ostasien und ben Suezkanal gekommen sein. Dagegen ist es wohl sehr gut möglich, daß es die gleichen achttausend Reuommier-Russe» sind, die in Frankreich vorgeführt wurden, um die mutlos gewor- deueu Franzosen zu begeistern. Die in Saloniki ange- kommenen Italiener werden auf füufuuözwanzigtausend Mann geschätzt. Die Hoffnung auf die Griechen scheint sich zu zerschlagen, obwohl man nicht weiß, was die nächsten Tage bringen können. Angesichts der Ereignisse in der Dobrudscha ist die entscheidende Stunde für Ge­neral Sarrail gekommen!

Die SobraLscha als Kriegsschauplatz.

Die Bedeutung derDo»an-Linie".

Für die Gestaltung der Dobrudscha als Kriegs­schauplatz ist der Lauf der Donau entscheidend, die auf zwei Seiten, nämlich im Westen und im Norden, die volle Grenze dieses Landes bildet, das die Südwect- ecke Rumäniens bar stellt. Die strategische Bedeutung großer Flußläuse bat sich in ben Kämpfen des vo­rigen Sommers in Rußland gezeigt, wo die Weichsel­linie, die Narew- und Njemeuliuie starke Hinderume für unseren Vormarsch bildeten, zumal starke Vrüekeu- köpfe den feindlichen Heeren Overationsstiltzpunkte bo­ten. DieDomur-Lime" der Dobrudscha hat für die Wekterentwickiunn der Kämpfe in Rumänien eine

Franzosen wieder dingfest gemacht werden konnten. Mit Rücksicht auf ihre an Landesverrat grenzende schamlose Handlungsweise wurde sie von der Straf­kammer zu 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis, die unverehlichte Schneiderin Gertrud Herwig zu 10 Monaten Gefängnis und die Witwe Wicke zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Verhalten der Angeklagten wurde in der Urteilsbegründung als würde- und schamlos bezeichnet.

Aus der Rhön, 20. September. Vor dem unter­fränkischen Schwurgericht hatte sich der 41 Jahre alte wiederholt vorbestrafte Tagelöhner Joseph Göpfert aus Retzbach wegen Mordes zu verantworten. Er hatte am 28. Januar d. J. abends spät daS 82jährige Fräulein Christine Weiß in Retzbach in ihrem Bette mit einem kleinen Holzbeil vorsätzlich erschlagen, verschiedene Schränke und Kommoden nach Geld durchwühlt, aber keins gefunden, und aus Zorn darüber verschiedene Gegenstände in Brand gefetzt,- sodann ging der Mörder ruhig nach seiner Wohnung und legte sich schlafen. Das Urteil lautete auf 15 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrenverlust.

Durch die Lupe. '

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Jetzt schon dämmert's dem Rumänen was die Zukunft bringen soll, unser Steg in der Drbrudscha macht sie ihm verhängnisvoll, kaum vermag man abzusehen, was sich noch ereignen kann, fängt der Krieg in jener Gegend gegenwärtig doch erst an! Deutsche und Bulgaren werfen mit dem Türkenheer vereint dort mit beispiellosen Kräften sich auf den verhaßten Feind, Rußlands und Rumäniens Truppen werden nie imstande sein, sich von dem gewaltigen Drucke dieses Angriffs zu befrei'n. Sollte es uns gar gelingen, was noch nicht unmöglich scheint, dort den Donauflutz zu zwingen, der uns trennt von unsrem Feind, sollten dessen Unkes User uns're Truppen noch er­reichen, dann erst wcro oe» te^rc nvrpang von Rumäniens Unheil weichen. Darum heißt's, mit off'nen Augen nach dem Balkan heut' zu blicken, denn dort unten, darf man hoffen, wird ein Haupterfolg uns glücken, dort vielleicht wird sich entscheiden dieses Krieges letzter Akt, ganz Europa hat die Spannung plötzlich fieberhaft er= packt, in dem Krtegsrat der Entente sträubt sich heute jedes Haar, ihre Hoffnung, die noch gestern prahlerisch wie immer war, wird von diesen letzten Schlägen niemals wieder zu sich kommen, das Verhängnis der Entente hat den Anlauf dort genommen! Walter-Walter.

ähnliche Bedeutung, wie sie ovengenaumen Linien für Rußland hatten. Es kommt dazu, daß der letzte Teil des Donau-Laufes, der von Westen nach Osten in bem sogenanntenDonau-Delta" in das Schwarze Meer fließt, zugleich die Grenze Rumäniens gegen Rußland bildet, also eine starke Sperre gegen dieses Land darstellt.

Die Donau fließt von der rumänischen Grenze nach Nordosten tu einem gegen Osten stark ausladen­den Bogen, wfr tz die Dobrudscha hier nur eine Breite von 40 Kilometer aufwetst, während die rumänisch­bulgarische Grenze von der Donau bis zum Schwarzen Meer, also die offene Südgrenze der Dobrudscha, wo die deutschen und bulgarischen Truppen den Einmarsch nach Rumänien vollzogen, eine Breite von rund 150 Kilometer aufweist. Zur Verstärkung der Donau- Sperre sind sowohl von den Russen als auch von den Rumänen mehrere Festungen und Brückenköpfe er­richtet worden, unter denen die Festung S i l i st r i a einen hervorragenden Platz einnimmt. Weiter nach Nordosten befindet sich der starke Brückenkopf Cerua- voda au der Bahnlinie nach Konstanza, dem rumä­nischen Schwarzen-Meer-Hafen. Die Festuugslinie setzt sich bis Braila fort. Der Brückenkopf Tutrakan ist von unseren verbündeten Truppen erstürmt. An der rus­sischen Seite der Donau sind drei wichtige Plätze, denen eine große Bedeutung in militärischer Beziehung zu- komnst, nämlich die drei Donau-Häfen Reni, 9 3 * Mail und KiIia. In diesen drei Häfen wurden schon vor Monaten sehr starke Truppen mästen zusam- mengezogen. Ein Zweck dieser Maßnahmen ist nicht besannt geworden. Noch heute ist es zweifelhaft, ums die Russen mit diesen Kräften bezweckten, und wo sich diese heute befinden. Vielleicht waren schon damals Aussichten auf ben Eintritt Rumäniens in den Krieg vorhanden. Vielleicht aber sollten diese auch Rumä­nien zum Eintritt in den Krieg bewegen..

Rent liegt am weitesten nach Westen gegen die russisch-rumänische Grenze vorgeschoben. Kilm ist der östlichste Stützpunkt und Ismail liegt in der Mitte. Diese beiden befestigten Hafenplätze liegen an dem nordöstlichsten Arm des Donau-Deltas. Alle drei- fett haben für Rußland eine sehr große Bedeutung als AuSsubrbäseu zum -Säwarmen Meer. Sie sind darum gut geschützt. Wenn man sich aber erinnert, in welcher Weise unsere Truppen den bresten Donau­laus bei bem Angriff gegen Serbien trotz des heftigen Widerstandes der Serben überschritten haben, dann wird man auch jetzt der Weiterentwicklung der Kämpfe vertrauensvoll entgegenseben dürfen. Die Ostgrenze der Dobrudscha wird von dem Schwarzen Meer ge­bildet, voll dem aus ein Eingreifen feiudliärer Kräfte nicht von Bedeutung wäre. . jOKM.)