Amtlicher Anzeiger
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ImWer
für den Kreis Hersfeld
Äreisilott
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Nr. 211
Freitag, den 7. September
1916
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 4. September 1916.
Durch Allerhöchste Verordnung vom 28. Mai 1915 (R. G. Bl. S. 319) sind sämtliche Angehörige des Landsturms I. Aufgebots soweit sie nicht schon durch die Verordnungen vom 1. und 15. August 1914 aufgeboten waren, aufgerufen worden.
Alle im Jahre 1899 geborenen männlichen Personen werden deshalb hiermit aufgefordert, sich in der Zeit vom 10. bis 15. September d.
I. bei dem Ortsvorstande ihres Wohnortes zur Aufnahme in die Landsturmrolle zu melden.
Wer die Anmeldung zur Landsturmrolle unterläßt, hat die schärfsten Strafen zu gewärtigen.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher haben auf Grund der erstatteten Anmeldungen alsbald die Landsturmrolle des Jahrgangs 1899 aufzustellen. Die Formulare hierzu werden in Kürze übersandt werden.
Sämtliche Landsturmrollen sind mir alsdann bis spätestens zum 20. ds. Mts. einzu- reichen.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher haben die Anmeldungs - Aufforderung alsbald auf ortsübliche Weise bekannt zu machen.
I. M. Nr. 7604. Der Laudrat.
Funke, Kreissekretär.
Anordnung
über das Schlachten von Ziegenmutterlämmern.
Auf Grund des § 4 der Bekanntmachung des in " ein Schlacht- Sesvor Mr MchÜge'KSye Mö"Saüen vom 26. August 1915 (Reichsgesetzblatt S. 515) wird hierdurch folgendes bestimmt:
§1.
Die durch die Anordnungen vom 13. April und 15. Mai d. I. für die Zeit bis zum 31. August d. J. erlassene Verbot der Schlachtung der in diesem Jahre geborenen Ziegenmutterlämmer wird bis zum 81. Dezember d. I. verlängert.
Das Verbot findet keine Anwendung auf Schlachtungen, die erfolgen, weil zu befürchten ist, daß das Tier an einer Erkrankung verenden werden, oder weil es infolge Unglücksfalles sofort getötet werden muß. Solche Schlachtungen sind innerhalb 24 Std nach der Schlachtung der für den Schlachtungsort zuständigen Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
§3.
Ausnahmen von diesem Verbot können aus dringenden wirtschaftlichen Gründen, für Lämmer, die zur Zucht nicht geeignet sind, auch in anderen Fällen, vom Landrat, in Stadtkreisen von der Ortspolizeibehörde zugelassen werden.
NWaüens Zweifrontenkrieg.
(Bon unserem Berliner Mitarbeiter.)
. Mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Mischen Rumänien und Bulgarien, der von rumäni- scher Seite vollzogen wurde, beginnt natürlich der Krieg Mischen beiden Ländern, und die Bulgaren werden sich nicht nur gegen rumänische Trttppen, sondern vornehur- lich auch gegen russische Heereskräfte zu schlagen haben. Mein Bulgare täuscht sich darüber, daß das rumänische Eingreifen in den Völkerkampf hauptsächlich auf die Eifersucht des nördlichen Nachbarstaates zurückzuftthren ist, dessen leitende Männer befürchteten, daß das Königreich Bulgarien die Vorherrschaft auf dem Balkan da- Wntragerr werde. Former wissen die Bulgaren, daß Rußland von Rachegedanken gegen das Bulgarenreich erfüllt ist, weil es sich dem Vordringen des Zaren auf Konstantinopel zu widersetzen wagte und sich Deutschland und Oesterreich-Ungarn anschloß. Ein furchtbares Ringen wird sich alsbald auf rumänischem und bulgarischem Gebiete entwickeln, denn deutsche, österreichisch- ungarische und türkische Truppen werden den Bulgaren zu Hilfe eilen.
Die Entscheidung im Orient wird nach der plötzlich neu entstandenen Lage der Dinge für den Gesamtkrieg ansschlaggebend werden. Bulgariens Kriegsmacht hat sich bereits geteilt, und sie ist gewiß nicht kleiner als die rumänische. Die zahlenmäßige Berechnung der militärischen Leistungsfähigkeit eines Landes kann heute, wo die Teilnahme jeden Staates aum Daseins- kanwfe wird, dem alle Kräfte bis aufs Aeutzerste dienst- bar gemacht werden müssen, nur noch einen mehr oder weniger zutreffenden Annäherungswert ^ergeben. Wenn die rumänische Kriegsumcht indes auf rund 600 000 Streiter an der Front und hinter der Front eingeschatzt wird, so ist die bulgarische reichlich so groß. Man hat berechnet, daß Bulgarien in den Balkankriegen unter Heranziehung von 10 Prozent ferner Bevölkerung — was man bisher als höchstmöglichen Satz der militärischen Leistungsfähigkeit eines Landes anzunehmen gegeigt war — zum Waffendienst eine Feldarmee von
§4.
Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnungwerden gemäß § 5 der eingangs erwähnten Bekanntmachung mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft.
§5.
Die Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Bekanntmachung im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger in Kraft.
Berlin, den 25. August 1916.
Der Minister für Landwirtschaft,Domänen und Forsten. Freiherr von Schorlemer.
* * *
Hersfeld, den 4. September 1916.
Wird veröffenilicht.
Tgb. Nr. I. 9234. Der Landrat.
^ B.:
Funke, Kreissekretär.
Verordnung.
§ i.
Auf Grund der Ergänzung zur Ausführungsanweisung vom 6. Oktober 1914, vom 19. Juli 1916 zu der Bundesratsverordnung über die Errichtung von Pretsprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 25. September und 4. November 1915 (R. G. Bl. S. 607, 728) wird hiermit für den Bereich des Regierungsbezirks Gaffel das Abernten, der Transport, das Anbieten und der An- und Verkauf unreifen Obstes, auch unreifer Wal- und Haselnüsse und Brombeeren verboten. Ausgenommen von diesem Verbot ist das Fallobst.
§ 2.
Die Kommunalverbände können in besonders be- rücksichtigungswerten Fällen Ausnahmen zulassen.
§ 3.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft.
§ 4.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimm-
Cassel, den 2. September 1916.
Der Regierungspräsident, gez. Graf von Bernstorff.
* * *
Hersfelb, den 4. September 1916.
Wird veröffentlicht.
Tgb. No. I. 9233. Der Landrat.
Funke, Kreissekretär.
Bus der Heimat.
* (Ein Ehrenzeichen für deutsche Frauen.) Die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung" von Wilhelm Diebener, Leipzig, hat ein Preisausschreiben erlassen über ein Ehrenzeichen für die Frauen, die die Arbeit ihrer ins Feld ziehenden Männer übernommen und kraftvoll durchgeführt haben. Ein Ehrenzeichen, das sie mit gleichem Stolz tragen werden wie die Männer ihre eisernen Kreuze. Auch Kunst und Kunstgewerbe,
350 000 Mann und zu Besatzungszwecken weitere 50 000 Mann aus die Beine brächte. Loebells Jahrbücher geben den Gesamtverlust an Wehrfähigen in beiden Balkankriegen auf etwa ein Siebentel der zuerst genannten Ziffer oder rund 65 0M bis 70 000 Mann an. Dazu kommen noch Verluste im jüngsten Stampfe gegen Serbien.
Das bulgarische Heer hat nach den Balkankriegen eine durchgreifende Neuorganisation erfahren. Inwieweit die danach vorgesehene erhebliche Vermehrung des Friedeusstandes verwirklicht worden ist, entzieht sich zuverlässiger Kenntnis. Bulgarien ist ein Land, in dem der Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht bis zum äußersten durchgefiihrt ist. Der militärische Geist und die Disziplin von Offizieren und Mannschaften der dem Könige als obersten Kriegsherrn unterstehenden mit allen technischen Mitteln der Iteuzeit ausgerüsteten Armee ist aus den letzten Kriegen noch im besten Andenken. Die kriegerische Begeisterung läßt erwarten, Mb Bulgariens Kriegsheer heute wie vor drei J-rhren sci- nen Mann nach allen Seiten stehen wird.
Schwedische Sympathie.
Unter der Ueberschrift „Der Riesenkampf unserer Staunnesgenossen" schreibt „Aftonbladet" (Stockholm) vom 28. August: Als neunter Feind ist nun Rumänien nach zweijährigem Tonern in den ungleichen Stampf getreten, einen Kampf, in dem die Mittelmächte in besonders hohem Maße die Smupathien auf sich ziehen, die sich gern aeaen den auanhtativ Unterlegenen richten. Die Kriegserklärung kommt nicht überraschend, wird also den Gegner nicht unvorbereitet treffen. Seit etwt vier Wochen war es nur noch eine Frage der Zeit.
Der kommende stampf wird jedoch für Rumänien nicht von der Art sein wie die Militärpromenade 1913 gegen die Bulgaren, die dadurch zu unversöhnlichen Feinden wurden. Zu den Sorgen der Mittelmächte auf dem Balkan hat es nicht gehört, sich der kräftigen Mi - Wirkung der Bulgaren zu versichern, für den Fall ei
die in diesen ernsten, den Äußerlichkeiten des Lebens wenig zugeneigten Zeiten, schwer zu leiden haben, werden mit Freude die Gelegenheit zur Betätigung ergreifen. Es sind von diesem Wettbewerb schöne Ergebnisse zu erwarten, zumal das Preisgericht, das unter der Leitung der Hanauer Zeichenakademie steht, dafür bürgt,'daß nur künstlerisch wertvolle Arbeiten aus diesem Künstlerwettstreit hervorgehen.
):j Hersfeld, 6. September. (Fällungsverbot für Edelkastanien.) Bekanntlich sind Gerbstoffe bei uns recht knapp. Man greift daher zu den verschiedensten im Frieden kaum beachteten Gerbmitteln, so auch zu dem Holz der Ess- oder Edelkastanie, dar einen wirksamen Auszug gibt. Dadurch droht unserem, ohnehin nicht allzugroßen, Bestand an diesen, meist landschaftlich hervorragend schön wirkenden Bäumen eine ernste Gefahr. Dem Bedarf an Gewehrschaftholz find schon viele schöne Nutzbäume geopfert worden) manche sind ohne Not geschlagen worden, weil vielfach irrtümlich angenommen wurde, es bestehe ein gesetzlicher Zwang zur Ablieferung. Um gleiche Schädigung unseres Besitzes an Edelkastanien zu verhindern, hat der Stellvertretende Kommandierende General des 11. Armeekorps — in gleicher Weise wie am 28. 2. 1916 für Nußbäume — ein Verbot erlassen, wonach Edelkastanien nicht ohne seine Genehmigung gefällt und auch Verträge, die auf den Erwerb stehender Bäume gerichtet sind, nicht ohne seine Genehmigung abgeschlossen werden dürfen. Bedingung dieser Genehmigung ist die Zustimmung der zuständigen bürgerlichen Verwaltungsbehörde sowie weiter, daß sich der Autragssteller verpflichtet, das Holz der Kriegsleder Aktiengesellschaft in Berlin W. 9. zum Kauf anzubieten.
):( HersfelS, 7. August. (Berichtigung.) Die kürzlich gebrachte Verurteilung einer Gutsbesitzers F. und dessen Stieftochter in Niederaula, beruht auf einem Irrtum, da es in Niederaula überhaupt ein Gutsbesitzer dieses Namens nicht gibt.
Hau». Münden, 5. September. Das fünfjährige Töchterchen des Oberförsters Hildebrandt,^der als Ur- liche Brandwunden davongetragen. Da das Kind allein schlief, wurden die Hilferufe und das Jammern erst vernommen, als das Kind schon über und über mit Brandwunden bedeckt war. Das bedauernswerte Kind ist bald nach seiner Ankunft im Krankenhause gestorben.
Hann. Münden, 5. September. 150 Mk. für drei Gänse bot ein Hamburger Großkaufmann einem Einwohner von Dahlenburg (Hann.) unter der Bedingung, daß die Tiere noch eine Zeitlang mit Wurzeln nachgemästet würden. Der Dahlenburger aber lehnte das Angebot ab, da er nicht für Feinschmecker, sondern für die Kriegsernährung sorge.
Marburg a. L., 6. September. Ein Dienstmädchen zeigte hier der Polizei an, daß ihm 40 Mark entwendet seien. Das stimmte. Zugleich aber stellte sich heraus, daß die Anzeigende dieses Geld und mehr dazu ihren eigenen Herrschaften früher entwendet hatte.
ner Berwicklunq mit Rumänien. Eber war es schwer, sie zurückzichalten bis Klarheit geschaffen war. Das nächste, was zu erwarten ist, dürfte daher Bulgariens Kriegserklärung sein, ebenso wie Deutschland sofort in Kriegszustand treten wird. Die Führung wird wohl Mackensen zufallen, der die Zeit scheinbarer Untätigkeit auf dem Balkan benußt hat, Studien und Borberer- tungen zu treffen. Das nächste Kriegsziel der Rumänen wird Siebenbürgen sein, während es den Russen überlassen bleiben wird, gegen die Bulgaren den Stoß auS- zuführen. Ueber den Ausgang etwas zu prophezeien kommt nicht in Frage. Wer aber glaubt, daß Rumäniens Anschluß an die Feinde der Mittelmächte, für diese eine neue gewaltige Gefahr bedeutet, der sei daran erinnert, daß Rumänien Durch seine Haltung schon lange mächtige Heeresmassen gebunden hat, die jetzt unter Mackensen frei werden.
Schließlich: Schwedens Interesse an dem neuen Krieg. Die in Schweden schon jetzt warmen und starken Smmmthien für die Drittel möchte in ihrem unter schweren Druck heldenmütig und ehrenvoll gesührien Kamps, vor allem gegen die drohende russische Barbaren- Herrschaft können nur an Tiefe und Stärke gewinnen, je ungleicher der Kampf wird. Die Eint: eimngepoluck, diplouratisch seit einem JavrMwt geführt und nach Kriegsausbruch politisch und militärisch ins Werks gesetzt gegen Mächte, die mit unserem launigen Wohlergehen und unseren nationalen Interessen unauflöslich verknüpft sind, hat einen neuen Erfolg gehabt. Die Kette ist geschlossen bis auf ein Glied. Diews Glied sind wir. Gegen uns wird sich der Druck mit härterer Hand als bisher richten. Was mir diplomatischer Ak- fum begonnen, mit immer rücksichtsloseren Bontöpen fortgesetzt wurde, kann so weit getrieben werden, daß wir von außen zu der Wahl gezwungen werden, die wir von innen heraus uns weigerten zu treffen, als der Beschluß noch in unserem freien Ermessen lag. EK- schieht das, dann hat Schwedens Schicksgissiande geschlagen. Diese Einsicht in das Bene, was ein aufrichtiger Vaterlands freund feinem Volk in dieser Stunde wünschen kaum