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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

fWott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- i holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, j

Nr. 203

Mittwoch, den 30. August

1916

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 22. August 1916.

Bekanntmachung.

Am 1. April ds. Js. sind ein erster Nachtrag zu den Unfallverhütungsvorschriften der Hess.-Nass. landw. Berufsgenossenschaft sowie die neuen Unfall­verhütungsvorschriften über die Verwendung des elektrischen Stromes in den landwirtschaftlichen Betrieben der Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Kraft getreten. Ich weise hierauf mit dem Bemerken hin, daß je ein Druckstück bet den Ortpolizeibehörden des Kreises zur Einsicht der Beteiligten aufbewahrt wird, und daß dorr die erforderliche Belehrung eingeholt werden kann.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, diese Bekanntmachung auch in ortsüblicher Weite

zu veröffentlichen. Die Druckstücke werden in nächsten Tagen übersandt.

den

J. S. No. 897.

Der Landrat.

J. V.:

Funke, Krcissekretär.

Wer über das gesetzlich zulässige Matz hinaus Hafer, Mengkorn, Mischfrucht, worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt sich am Vaterlande

Bus der Heimat

von _______________ , . deutschen Jnlandsätzen freigemacht und müssen infolgedessen zu Lasten der Empfänger nachtaxiert werden. Es wird daher erneut darauf hingewiesen, daß im Briefverkehr mit Belgien die Gebührensätze des Weltpostvereinsverkehrs gelten.

* Eine Folge der bevorstehenden Lebens- mittek-Bestandaufnahme ist die Erscheinung, daß in zahlreichen Familien bedauerlrcherwerse die aufgespeicherten Vorräte weit stärker als sonst ange­griffen werden. Diese überängstlichen Gemüter be­fürchten nämlich, daß ihnen ihre Lebensmittelvorräte, wenn auch nicht durch eine Beschlagnahme fortge­nommen, so doch späterhin auf ihre Lebensmittelkarten angerechnet werden könnten. Diese Annahme beruht auf einem Irrtum, denn man darf nach Er­kundigungen derVoff. Ztg." an maßgebender Stelle mit Bestimmtheit erwarten, daß die Bestandsauf­nahme, die unbedingt notwendig war, um festzustellen, ob und wo allzugroße Bestände an Lebensmitteln aufgespeichert worden sind, einer vernünftigen Vor­ratswirtschaft auch späterhin nichts in den Weg legen wird. Das Ergebnis dieser Aufnahme wird sich kaum vor dem 1. Januar genau ermitteln lassen. Bis da­hin dürfte aber ein beträchtlicher Teil des aufge­nommenen Bestandes bereits aufgebraucht sein, so daß seine Anrechnung sich von selbst verbietet. Darum raten wir allen denen, die in weiser Vorsicht Vorräte ausgespeichert haben, damit nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch in dem der anderen Volksge­nossen nach wie vor sparsam umzugehen.

* (Baut Spätgemüse.) Die gegenwärtig ver­doppelte Bedeutung unserer Gemüsekultur erfordert, daß der Boden nach Kräften ausgenutzt werde und auch nicht kurze Zeiträume hindurch brach liege. Nach­dem die Kriegswirtschaft durch den Bau des Frühge- müses wesentlich unterstützt wurde, sei darum letzt die Aufmerksamkeit auf den Anbau der Spatgemuse gelenkt. Wie die Deutsche Landwirtschaftliche Presse betont, ist hierbei besonders auf eine gute Wech,el- wirtschaft zu achten, d. h. es soll nach Möglrchkeit ver­mieden werden, dieselbe Kultur zwei- oder mehruncks hintereinander auf derselben Flache zu betreiben. So empfiehlt es sich z. B, wo Erbsen und Bohnen abge- erntet wurden, Grünkohl zu pflanzen oder auch Ober- kohlrabi, wobei eine besondere Düngung des Bodens sich erübrigt. Der Umstand, daß die Zeit für die Aussaat bereits vorüber ist, erscheint nicht Hinderlich, da die Pflanzen in den Gärtnereien gekauft werden können. Kleine und schwache Grunkohlpflanzen sollen dichter gepflanzt werden, da ihre Nicht )o üppige Ent­wicklung geringere Abstände erfordert. Auch Kohl­rüben können unter günstigen Bedingungengefetzt werden. Selbst jetzt noch liefern sie eine verhältnis­mäßig gute Ernte für den Hausgebrauch, wodurch vielfach die Marktware ersetzt werden kann. Auf allen geschützt liegenden Bodenarten ist die gegenwärtige Zeit zum Pflanzen von Schalotten günstig. Schieß- lich ist auch jetzt noch für die Aussaat verschiedener Gemüse Zeit. So wird vor allem Spinat noch im September für den Herbstbedarfausgesat. desgleichen auch Winterrettiche und Radieschen.

):( Hersfeld, 29. August. sVon der Gummi­sammlung.) Die Sammelstelle, Marktplatz 31, ge­öffnet jeden Freitag von 101 und von 56, macht darauf aufmerksam, daß die Fahrraddecken und Schläuche nicht zerschnitten angeliefert werden dürfen, da dieselben dadurch erheblich entwertet werden und nur als Altgummi betrachtet werden können. Ferner ist zu beachten, daß bei der Ablieferung der Fahrrad­schläuche auch die Ventile vollständig vorhanden sein' müssen, weil sonst ebenfalls der Ablieferer erheblichen Schaden erleidet. Alle bis zum 12. September nicht freiwillig abgelieferten beschlagnahmten Bereifungen müssen von da ab gemeldet werden und unterliegen trotzdem der Einziehung.

Rotenburg, 28. August. Als der Landwirt Wicke aus Tankerode die Mähmaschine besteigen wollte, gingen die Pferde durch. W. wurde herabgeschleudert, überfahren und von den Pferden getreten, daß er schwere Verletzungen davontrug. Der eiligst hinzu- gezogene Arzt veranlaßte die Ueberführung des Ver­letzten in das Rote Kreuz in Caffel.

Rotenburg a. d. F., 28. August. Die Kgl. Regie­rung zu Cassel hat die Wahl des Rentners Karl Friedrich Eisenach zum Beigeordneten der Stadt Roten­burg a. F. auf weitere sechs Jahre bestätigt.

Cassel, 28. August. Ein schwerer Verbrecher, Oswald Berkner, auch Bergmann genannt, der wegen verschiedener Betrügereien im hiesigen Landgerichts­gefängnis seiner Aburteilung entgegensah, von hier aber ausgebrochen war, wurde am Sonntag früh gegen 3 Uhr von einem Militärposten bei Jhringsyausen in dem Augenblick verhaftet, als er mit der Bitte um Verabreichung von Speisen an ihn herantrat. Da B. seine Flucht aus dem Gefängnis dadurch bewerkstelligt hatte, daß er mit der Feile einen Eisenstab durchsägte und so ins Freie gelangte, ist eine strenge Untersuchung darüber eingeleitet worden, auf welche Weise der Verbrecher zu dem

stiftung wurde ein 5*2 jähriger Lehrling von der Strafkammer zu der gesetzlichen Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Junge war bei dem Sattlermeister Lohmann in Cassel in der Lehre und hatte, um wieder nach Hause zu kommen, an einem Sonntage, während der Meister sich in der Kirche befand, ein Feuer angelegt, das einen Schaden von etwa 200 Mark verursacht hatte, ehe es gelöscht werden konnte.

Caffel, 28.August. (Reichstagsabgeordneter Scheide­mann überVolk, Krieg und Frieden".) Im ge­räumigen Garten des Großen Stadtparksaales sprach heute abend vor einer nach Tausenden zählenden Menschenmengen Reichstagsabgeordneter Phil. Scheide­mann über das Thema: Volk, Krieg und Frieden. Er schilderte die Kriegslage und forderte die Freigal der Erörterung der Kriegsziele. Im feindlichen Aus­lande werde die Kriegswut immer von neuem ange- facht durch den Hinweis auf die angeblichen Erobe­rungsabsichten Deutschlands. Dieses führe aber keinen

be

Eroberungskrieg, sondern kämpfe um seine Selb­ständigkeit und die Möglichkeit seiner wirtschaftlichen Entwickelung. Weder Graf Reventlow noch Herr Bassermann können im Namen Deutschlands reden, wenn sie ihre Kriegsziele erörtern. Deutschland will den Frieden den es für seine Kulturaufgaben braucht, nicht* aber wünscht es den Krieg auch nur um einen Tag fortzusetzen, um Eroberungsabsichten zu verwirklichen, die den Keim zu neuen Kriegen in sich tragen. Frei­lich wollen wir auch Deutschland nicht gedemütigt oder in einen Trümmerhaufen verwandelt sehen. Wenn die Gegner etwa die Absicht haben, uns zum Bettel­volk Europas zu machen, so zwingen sie uns, bis zum äußersten zu kämpfen. Der deutsche Arbeiter weiß, was besonders für ihn in diesem Kriege auf dem Spiele steht. Er ist bereit zum Frieden, der keinen Staat demütigt, aber nicht zu einem Frieden um jeden Preis. Wir haben den dringenden Wunsch, daß unsere Truppen so bald als möglich heimkehren. Dann wollen wir sie mit Dankbarkeit und freudigen Herzens begrüßen, weil sie unser Land einer großen Ueber- macht gegenüber erfolgreich verteidigt haben, nicht als Eroberer, die den Samen zu neuen Kriegen ausge­streut haben, ebenso nicht als geschlagenes Heer. Größeres hat nie ein Heer vollbracht, als das unfrige. Noch mehr braucht es nicht zu erreichen. Morgen könnte Frieden sein, wenn unsere Gegner wollten; wir sind zum Frieden bereit. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die die bekannte Friedens- petition enthält und den Reichskanzler auffordert, der Regelung der Lebensmittelversorgung erhöhte Auf­merksamkeit zu schenken.

Klein Wanzenleben, 25. August. Durch Explosion eines Zünders sind hier drei Kinder schwer zu Schaden gekommen. Ein auf Urlaub weilender Krieger hatte strengem Verbot zuwieder aus dem-Felde einen Zün­der mitgebracht, mit dem nun sein kleiner Sohn spielte. Plötzlich explodierte der Zünder und riß dem Jungen drei Finger von einer Hand ab. Zwei andere Kinder die ihm zugesehen hatten, wurden gleichfalls verletzt.

Ziegenhain, 27. August. Der etwa 54jährige Land­wirt Paul Schlemmer im benachbarten Obergrenzebach

verunglückte am Freitag nachmittag dadurch, daß er vom Scheunenboden in die Tenne stürzte, wobei er einen Schädelbruch und andere schwere Verletzungen erlitt.

Marburg, 28. August. Im Dorfe Kernbach ver. brühte sich bei dem bei der Dreschmaschine befindlichen Wasserbehälter ein acht Jahre alter Junge derartig, daß er starb. In Zennern wurde ein kleiner Knabe von dem abspringenden Riemen einer Dreschmaschine getötet.

Göttiugen, 28. August. In der hiesigen Klinik ver­starb der Heilkundige Spieß aus Birkenfelde, der vor einigen Jähren mit seinen Kuren auf dem Eichsielde viel von sich reden machte, an den Folgen einer Blind­darmentzündung. Göttingens älteste Einwohnerin, die Witwe Johanna Ahlborn ist plötzlich im 97. Lebens­jahre verstorben.

Mühlhausen, 28. August. Die Volksküche wird z. Zt. von 800 bis 1000 Personen besucht. Dieser starke Andrang macht es erforderlich, daß sich künftig jeder Gast der Küche mit einem eigenen Löffel versieht. Die Küche verabreicht Löffel künftig nur noch gegen 10 Pfennige Leihgebühr.

Hünfeld, 26. August. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den Metzger Rich. Weber u. den Hüfner Ludw. Krümpel aus Schwarzbach wegen Ueber- schrettung der Schweinehöchstpreise zu 50 bezw. 30 Mark Geldstrafe.

Frankfurt a. M., 28. August. Da im Monat September die Tage auch in frühen Morgenstunden an Helligkeit bedeutend abnehmen, hat die Schulver- waltung bei der Regierung den Antrag gestellt, daß der Schulanfang für den Monat September auf 8 Uhr festgesetzt wird.

Wiesbaden, 26. August. Bei einem Viehtransport von Hasselbach nach Weilburg wurde der Metzger­meister Stroh aus Odersbach von einem Stier ange­griffen und mit den Hörnern und Füßen derart

Bad Homburg v. d. H., 27. August. Der kürzlich verstorbene Rentner Maurer, welcher letztwillig als Haupterbin seines aus 180200 000 Mark geschätzten Vermögens die Stadt Bad Homburg, v d. H. eingesetzt hat, hat auch dem deutschen Kriegerbunde für den Waisenhausfonds 5000 Mark vermacht.

Die fünfte deutsche Kriegranleihe.

Nur wenige Tage trennen uns noch von der Auf­lage der fünften deutschen Kriegsanleihe. Wir, die ausgehungert werden sollten, erfreuen uns der Ein­nahme von Milliarden, die der Erntesegen unserer Landwirtschaft, die ein mächtiges Schaffen Gewerbe und Industrie gebracht, die Milliarden sind flüssig und harren nur der Anlage im Dienste des Vaterlandes. Um den Erfolg braucht uns wahrlich nicht zu bangen wenn ein jeder im Reich, ob er Großbesitzer, ob er weniges nur besitzt, seine Schuldigkeit tut und keine Stunde zögert, dem Baterlande darzuleihen, was er irgend entbehren kann. Der Milliardensegen, der über Landwirtschaft und Industrie niedergegangen und mit der Erntevollendung noch weiter niedergehen wird, und der im Jnlande bleibt, weil unsere Wirt­schaft sich zum größten Teil aus Eigenem zu behelfen weiß, zum größten Teile jetzt von und mit dem inneren Markte lebt und wir darum nicht not haben, an fremden Türen unter harten Bedingungen betteln zu gehen, wie gewisse andere die das übermütige Wort vom Siege der letzten siegreichen Silberkugeln für sich gesprochen, die Milliarde», die aus Verdienen bereit liegen, dürfen aber keinen abhalten, auch wenn er nicht unmittelbar an diesem Segen teilnahm, fürs Vaterland zu tun, was er immer aufzubringen und zu leisten vermag. Es ist ja in der Tat nicht einmal ein Opfer; denn die Anleihen des ReichS bieten sebst dem, der nur als kühler Rechner der Fordung des Vaterlandes gegen übertreten sollte wir glauben, es werden solcher Zahlenmenschen in deutschen Gauen nur wenige sein, Vorteile, wie wenig andere Kapitalsaulagen und zudem von einer Sicherheit, die sonst ertrag­reichen Anstellungen von Geldmitteln selten zur Seite stehen. Ans Werk darum, wenn die Stunde der Zeichnung gekommen ist, keinen Tag gezögert' es gilt denn fürs Vaterland, gilt dem feindlichen Arrslanöe, das uns aushungern und erdrosseln will, mit der Macht der Zahlen zu beweisen, daß wir in deutscher Zähigkeit nicht umzubringen sind, weil ein jeder, der sich der Ehre deutscher Staatsangehörigkeit rühmen darf, bereit ist, für unser Dasein und unsere Zukunft alles einzusetzen, die Deutschen an der Front Gesund­heit, Blut und Leben, die Deutschen hinter der Front, was sie sonst ihr eigen nennen. Ans Werk, wenn die Stunde der Zeichnung verkündet ist!

[Sammelt Brennesseln! |