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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

&*4UMaU Der Anzeigenpreis beträgt für die emspaltige Zeile 10 Pfermig, im

MluSüluU amtliche« Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Nr. 303.

Dienstag, den 39. August

1916

Bus der Heimat.

* (Neue Höchstpreisregelung für Wild.) Die auf Grund der Bundesratsverordnung vom 28. Oktober v. Js. über die Regelung der Fisch- und Wildpreise festgesetzten Höchstpreise für Wild haben die Zufuhr erschwert, zum Teil sogar völlig verhindert. Nunmehr ist auch hier eine Neuregelung erfolgt. Eine Bundesratsverordnung vom 17. August er­mächtigt den Reichskanzler, Großhandelspreise für Wild festzusetzen; zur Berücksichtigung der besonderen Marktverhältnisse können jedoch die Landeszentralbe­hörden für ihren Bezirk oder Teile ihres Bezirks Abweichungen von den Preisen anordnen, für die wiederum der Reichskanzler Höchstgrenzen vorschreiben kann. Um ferner die Zufuhr von- Wild im soge­nanntenKonsignationsverkehr" zu verstärken, wird in der Verordnung bestimmt, daß, wenn die Ware an einem anderen Ort als den der gewerblichen Nieder­lassung oder des Wohnorts des Verkäufers verbracht und dort für dessen Rechnung verkauft wird, die für diesen Ort geltenden Preise maßgebend sein sollen. Die Kleinhandelsgrenze von 10 kg ist fallengelassen worden und an ihre Stelle die Vorschrift gesetzt, daß als Kleinverkauf jede Abgabe an den Verbraucher gilt. Endlich ist von nun ab die Verpflichtung zi Einführung von Kleinhandelspreisen nicht mehr bc Gemeinden, sondern den Landeszentralbehörden auf­erlegt, so daß die Einführung solcher Kleinhandels­preise nunmehr für alle Orte, auch für die unter 10 000 Einwohnern gewährleistet ist. Dabei ist die Möglich­keit vorgesehen, den Kleinhandelshöchstpreis für den Verbrauch durch den Jagdberechtigten und durch den Händler verschieden hoch zu bemessen.

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* (Die Anmeldung von ausländischen Wertpapieren.) Eine soeben erlassene Bundes­ratsverordnung ordnet eine allgemeine Bestands­aufnahme ausländischer Wertpapiere an, und zwar sowohl der im Ausland befindlichen Wertpapiere

hat als Vergütung für vollständig getrocknete und

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durch die eine Beteiligung an einem im Auslande

befindlichen Unternehmen verbrieft wird, einschließlich der Zeugnisse über Beteiligungen an ausländischen Aktiengesellschaften sshares, certificates). Es soll da­mit die Uebersicht über den deutschen Besitz an aus­ländischen Wertpapieren ermöglicht werden, die im Interesse unserer Valutapolitik wie unserer Handels­politik überhaupt nodwendig erscheint. Zur Erreichung dieses Zieles wird eine gesetzliche, mit Strafzwang ausgestattete Anmeldepflicht eingeführt, der natürlich die gesetzliche Schweigepflicht der mit der Entgegen­nahme und Bearbeitung der Anmeldungen befaßten Personen gegenübersteht. Insbesondere kommt eine

Verwendung des angemeldeten Materials zu steuer­lichen Zwecken nicht in Frage. Der Reichskanzler hat zu dieser Verordnung Ausführungsbestimmungen erlassen, denen ein vorgeschriebenes Anmeldeformular beigefügt ist. Als Anmeldestellen sind die Reichs­bankstellen bestimmt worden, bei denen auch die An- meldebogen zu beziehen sind. Die Anmeldung hat nach dem Stande vom 30. September zu erfolgen. Die Anmeldefrist läuft bis 31. Oktober 1916.

* (Sammelt Brennessel st engel!) Die Brennessel ist zur Herstellung von Geweben besonders geeignet. Ein Jeder muß daher durch Sammeln der Brennesselstengel zur Linderung der Knappheit be­sonders in Baumwollstoffen beitragen. Die zu sam­melnden Stengel der Brennesseln müssen eine Länge von mindestens 50 Ztm. aufweisen. Kürzere Stengel sind nicht zu sammeln, da sie für die Fasergewinnung wertlos sind. Die Stengel sind unmittelbar über dem Erdboden abzuschneiden, keinesfalls dürfen sie ausgerissen werden. Unter allen Umständen ist ein Zerreißen oder Zerbrechen der Stengel zu vermeiden, besonders ist dies auch bei dem Packen in Bündel oder Garben zu beachten. Die Stengel müssen gut getrocknet werden, weil sie sonst in kurzer Zeit unter Wärmeentwicklung zu faulen beginnen. Nach den gemachten Erfahrungen genügt die Trocknung noch nicht, wenn sich eben die Blätter leicht abstreifen lassen. Die Stengel selbst müssen zum Brechen trocken sein. Dann sind die getrockneten Stengel aber auch luftig und trocken aufzubewahren, wenn eben möglich, unter öfterem Umlegen der Bündel. Weiterhin sollten keine Stengel gesammelt werden, die schon durch Pilz- wucherungen und Bakterientütigkeit angegriffen sind. Es zeigt sich dies an den krebsartigen Schorfen und Zer­störungen des Bastes, der dann für die Verarbeitung zu Spinnfasern unbrauchbar ist. Nach dem Trocknen sind die Blätter, etwaige Seitenäste und die Köpfe zu entfernen. Die Nesfelfaser-Berwertungs-Gesellschaft

):( Hersfeld, 28. August. Wir machen die Be­wohner hiesiger Stadt nochmals darauf aufmerksam, daß sämtliche Frucht vor dem Tage des Aus­dreschens auf der Polizei, Bismarksstraße, angemeldet werden muß.

Hann. Münden, 25. August. Die Frau des auf dem Felde der Ehre gefallenen Schlossermeisters O. war vor einigen Tagen nach Belgien gefahren, um dort das Grab ihres Mannes zu besuchen. Während dieser Zeit hat der vierjährige Sohn der Witwe hier Gelegenheit gefunden, Obst zu essen und Wasser dar­auf zu trinken. Der Kleine erkrankte alsbald schwer.

Die heimkehrende Mutter fand ihr Kind nur noch als Leiche vor.

Marburg, 25. August. Das Kriegswahrzeichen der Stadt Marburg, eine hölzerne Sonnenuhr, soll am Sonntag, 3. September, auf dem Marktplätze mit einem einfachen Festakt seiner Bestimmung, nämlich zur allgemeinen Nagelung, freigegeben werden. Die Sonnenuhr erhält später ihren Standort im Schüler­park.

Oberaula, 26. August. Beim Getreidemähen ge­riet die Witwe Kuhl dahier in das Getriebe der Mäh­maschine und erlitt schwere Verletzungen. Sie mußte ins Hersfelder Krankenhaus überführt werden. Man bringt ihr umso mehr Teilnahme entgegen, als ihr Mann erst vor mehreren Wochen den Heldentod starb.

Witzenhausen, 26. August. Der Königl. Rent- meister Arthur Kaiser von hier ist in einem Hannover- schen Nervensanatorium plötzlich gestorben.

Waldkappel, 25. August. Ein hier angestellter Knecht aus Harthmuthsachsen wurde durch einen wucht- tigen Pierdetritt gegen den Unterleib sehr schwer ver­letzt. Man führte ihn nach dem Eschweger Land­krankenhause. *

Duderstadt, 26. August. (Ein nobler Dieb.) Einer Butterfrau, die mit der Bahn hierher kam, um Butter auf den Markt zu bringen, nahm ein geheim­nisvoller Unbekannter fast die ganze Butter aus dem Korbe, legte ihr aber dafür den entsprechenden Geld­betrag hinein.

Fulda, 26. August. Eine herrliche Verdingungs- blüte zeigte sich bei der auf der Ei'enbahn-Bau- abteilung Fulda erfolgten Oeffnung der Angebote auf Erd-, Maurer- und Betonarbeiten des Umbaues einer Straßen-Unterführung auf Bahnhof Fulda. Der Peisunterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten Angebot, beträgt dieKleinigkeit" von nur 4960,10 Mark.

Hanau, 24. Av ruft. Ein gemeingefährlicher Kirckeuräuber. be»c t Spezialität die Beraubung

des 27 Jahre alten Hausdieners Johann Heim, zu­letzt wohnhaft in Frankfurt am Main, vor der hiesigen Ferienstrafkammer zu verantworten. Bor zwei Jahren hatte er die Gotteshäuser mehrerer bayerischer Orte heimgesucht. Kaum hatte er die dieserhalb über ihn verhängte längere Freiheitsstrafe verbüßt, traf er Vorbereitungen zu neuen Beutezügen. Diesmal waren es die katholischen Kirchen in Alzenau, Hör- stein und Grotzkrotzenburg, aus denen er Kirchen- leuchter, Weihwasserkessel, Altarschellen und Meß- kännchen entwendete. Unter Versagung mildernder Umstände erhielt er 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust.

Siegreich vorwärks auf Dem Saison.

Der Vic und Malareka-Kamm erstürmt.

Ueber die neue Kriegslage auf dem Balkan nach den jüngsten Erfolgen der Bulgar« wird der Kone- spondenzHeer und Politik" auf Grund unteres Ge- neralstabsberrchtes geschrieben:

Nach der Eroberung von Florina drangen unsere verbündeten Truppen weiter siegreich auf der ganzen Linie zum Zwecke der Sicherung des bulgarnchen Landes gegen Offensivanwandlungen des Generals «arrail gegen Süden vorwärts. Die Front BrcUstaBanica-^ Ostrovo-See wurde durch Eroberung von Brclrzta und Banica, sowie durch Vertreibung der «erben von den beherrschenden Höhen Tzemat Jeri und Sleterw Seyest nördlich des Ostrovo-Sees erreicht. Bccliüa liegt un- wett südlich des Pre'pa-S^s, der an der Südwestecke Serbiens an der serbtich-griechi'chcn Grenze gelegen ist. Die Stadt Banica. die auch unteren Bundesgeno"« in die Hände fiel. liegt südöstlich von Florina an der Bahn­linie nach Saloniki. Die Eroberung dieser Stobt ist ein Beweis banir. daß der Stoß gegen Florina von un­seren verbündeten Truppen mit großer Kraft geführt worden ist, da er schon die Krast zu einem verhältnis­mäßig tiefen Durchstoß gegen Süden harre.

Besonders bedeutsam erscheint aber der Erfolg der Bulgaren auf den Höhen nördlich des Ostrovo-^ees. Hier hatte die beste serbische Trupps nämlich die Arina-Division", die in Serbien einen hervorragenden Ruf besitzt, beseitigte Stellungen bezogen, die durch die Natur des Geländes zur Verteidigrmg und Anlage von Befestigungen gut geeignet sind. Sie Hohen Trennn Jeri und Meterio Tepesi dienen in einer Reihe der Verteidigung der großen Straße von Monastir über Flortna-Banica nach Salonsti. Diese Straße umfaßt den Qsttovo-See von zwei Serien^ Nachdem ne von Banica aus eine kurze YMcke nach Süden gegangen ist, siebt sie sich an das Wender des Ostrovo-«ees, bag sie ungefähr von der Mitte aus nach Norden begleitet, um sich dann eng an bas Nordufer anzuschmiegen, um nun amdewegs gegen Osten nach Wodena Alt gehen. Diese Strafte bat in dem gebirgigen Gelände Nordgriechen- länds darum eine erhöhte, Be.deutung, weil sie die einzige große VerkehrsMöglichkeit ist. Dw Eisenbahn, welche hier gebaut ist, ist fast die einzige Verkehrsader, die für die Bewegung größerer Trupvenmassen hier in Betracht kommt. Nun beherrschen die von unseren Bundesgenossen eroberten Höhen die ganze Umgegend, sind also auch für den Besitz und die Benutzrmgder Eisenbahnlinie von erheblichem Wert. So ist es erklär­

lich, daß eine hervorragende Truppe wie die serbische Drina-Division zur Verteidigung dieser Höhen herange­zogen wurde.

Die schnelle Vertreibung der Serben von ihren stark befestigten Stützpunkten zeigt aufs neue die her- vorragenben Eigenschaften derBulgaren, die sich schon in dem jüngsten Feldzuge gegen die Serben als überlegene Soldaten von größtem Werte erwiesen hatten. So steht die Schlacht auf dem Balkan schon in den ersten Tagen trotz der großen Vorschußlorbeeren unserer Feinde für uns günstig. Waren schon die Donau- und Drina- Division der Serben in den ersten Anstürmen schwer ge- schlaaen worden, so konnten die Bulgaren nach dem neuesten Generalstabsbericht auch bei der weiteren Fort­führung der Kämpfe in Metern Raume sehr erhebliche Vorteile gewinnen. Südlich und südöstlich von Florina | wurde der Berg Vic und der Malareka-Kamm ge- I rrommen. Ferner breiten nd> die Bulgaren auf den I östlich von Banica gelegenen serbischen Stellungen Malka-Ridze-Ptauina erfolgreich aus. Durch die Er- ßürmung des beherrschenden Höhenrückens wurde die Stellung des rechten Flügels unterer verbündeten Trup- | von bedeutend gekräftigt. Auch auf dem linken Flügel ; konnten unsere Bundesgenossen im Osten der langaus- i geitrerfien Schlacht front int Krume von Demir-Hwar berrächrliche Ertrüge erzielen. Hier spielt der V«ndi- Balkan bei der BeßnnMUua der Kricgslage eine große Soße, da er in gewissem Sinne den linken Flügelüütz- vunkr unserer verbündeten Front darstellt.

Das französisch-englisch-serbische Heer hat demge­mäß bisher in Macedonien noch nicht das Geringste er­reichen können. Auch int Zemrum am Toiran-See haben sie keinerlei Fortschritte gemacht, sodaß die getarnte Kriegslage an der Nord-grenze Griechenlands für unsere verbündeten Truppen in jeder Beziehung günstig ge­nannt werden nutg. Die großen Fortschritte auf den FUrgMi der Schlachtfront geben den Gefarurkürnpfen i das Gepräge Da« Voracbkn unsere verbündeten Trup­pen au diesen beiden wichtigen Punkten der Front zeigt, mit welcher Umsicht. C chlossenheit und «chlagkran der Stoß gegen die Armee des Generals Sarrail ae- Mvrt wird. In diesen Punkten hegt die Gewahr für den weiteren günstige« Fortschritt der Kainpsbandlung an dieser Stelle. WKMZ

Der Zweck der Sruschpcömie.

Man schreibt uns: Gegen die Druschprämie von 20 Mark für die Tonne Brotgetreide, die von der Rerchs-

geireidestelle bis zum 15. Dezember d. I. bewilligt wer­den kann, ist mancherlei eingewendet worden, so z. B., daß das möglichst schnelle Ausdreschen nicht im Inter­esse der Erbaltuug unserer Brotgetreidevorräte liege, da sich das Korn am besten im Stroh erhalte, ferner, daß bei der zeitlichen Begrenzung der Prämie die klei­neren Landwirte gegenüber den größeren und leistirngs- fästigeren benachteiligt würden, endlich, daß sie ein un­liebsamer, durch die Ernteergebnisse keinesfalls berech- iigier Preisumschlag sei.

Diese Einwendungen verkennen den eigenUichen Zweck der Maßnahme, der in der notwenötgerweise von der Reichsgerreidestelle zu ergreifenden Lorrats- vorsorge gegründet ist. Die Reichsgerreidestelle muß für Monate hinaus den kommenden Bedürfnissen ge­rüstet gegenüberstehen und »u diesem Zwecke Vorräte ansammeln. Da die bisherigen Vorräte durch die An­forderungen der letzten Zett lehr stark beanspruchi wor­den finb. muß die ReichsgerreidLsteile alles daran seyen, möglichst viel Getreide möglichst 'chuell wieder in die Aant zu bekomm«. Hierbei ist vor allen Dingen zu bebei;fen, daß in den Herbstmouaie« bis tu den Dezem­ber hinein die Landwirte mit der Kartoffel- und RL- brnernis und der Bestellung ihrer Felder so ausgiebig beschäftigt und, daß m bierer Zeit das Dreschen in Sem Arbeit-betrieb des Landwirts zutticktreren muß. Um »r nürfuiger in es. biete Arbeit durch den Anreiz Mr Treirborämie je« zu beschleunig«. Dazu kommt. Saß erführungsgemeß im Oktober wegen bei Kartoffel!ve- ferungen Wagaonmangel bei best Eisenbahnen droht, sodaß auch deshalb die fetzkge Zeit für die Getreideab­lieferungen genutzt werden muß.

Alls aßen Meten Gründen bat die Reichsgetreide- sielle schon amtlich daraus bingcwies«. daß sie einer sofortigen Ablieferung von Roggen nnb Weizen der neuen Ernte dringend bebür- f e. Die Re ichsgerre ide stelle mit vom Beginn ihrer Tä­tigkeit an der Frage der Erhaltung des Getreides ihre besondere AusMerkiainkeit gewidmet: dieser Gcüchrs- punkt hat auch diesmal eingehendste Berückuchkiaung erfahren. Daß dieser ober jener Landwirt von der Maß- nahnie Vorteil ziehen mag läßt sich, so bedauerlich es sein man, bei KricgSmaßnaLmen nicht vermeiden. Ge­genüber diesem obersten Mfickrspunkt der dauernden Bereitbalttma der notwendigen Bestände müssen unter­geordnete Gesichtspunkte unbedingt zurückgestellt werden.