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Der Krieg und die Ernährung'der

Zugend.

Die gegen den Friedensstand notwendig gewordene Einschränkung unserer Ernährung hat die Befürchtung wachgerufen, daß besonders unsere Fugend unter der jetzigenKoft iu ihrer Gesundheit und ihrem Ernährn,rgv- zustaude beeinträchtigt werden könnte. Die Fleischpor­tionen sind knapper geworden und ebenso die Brotration, die besonders bei den Kindern von jeher eine große Rolle spielte. Aerztliche Untersuchungen an verschiede­nen Orten des Reiches haben indessen den Beweis ge­liefert, daß unsere Kriegsnahrung nur eine Verschie­bung der zur Erhaltung und zum weiteren Aufbau des Körpers notwendigen Stoffe, nicht eine regelmäßige Minderung derselben herbeigeführt hat. Die geringere Quantität einzelner Ernährungsprodukte hat die bessere Ausnutzung dieser und anderer Stoffe gugennheinlich wettgemacht. Den Beweis hierfür liefern wir be­richten nach der Arbeiterzeitung Dortmund vom 5. Au­gust, deren Angaben sich auf die Berliner klinische Wo­chenschrift stützen Untersuchungen des 'Stadtschularz­tes Dr. Thieme in Cheumitz, dessen Schlußfolgerungen dadurch besonderen Wert erhalten, daß sie sich auf die Ergebnisse früherer Untersuchungen an gleichaltrigen Kindern stützen können.

Untersucht wurden in beiden Fällen über tausend 14jährige Knaben, die Ostern 1916 bezw. 1914 die Schule verließen. Das Verhältnis der gesunden zu den kranken Kindern war in beiden Beobachtungsfällen ungefähr dasselbe. Bei den gesunden Schülern zeigte sich 1916 durchschnittlich eine beachtenswerte Zunahme in Größe und Gewicht. Dr. Thieme ermittelte 1914 eine Durch- schnittsgrötze von 143 Ztm., in diesem Jahre eine solche von 145,4 Ztm, während das Gewicht in Klg. von 84,5 auf 36,8 gestiegen war. Wenn hierbei auch eine zufällige Verschiedenheit in der körperlichen Veranlagung der bei­den untersuchten Jahresklaffen mitsprechen sollte, so erscheint uns diese durch die Tatsache ausgewogen zu werden, daß der Prozentsatz der blutarmen Kinder 1916 geringer war, als 1914, er sank von 33,2 auf 32,4 Pro­zent.

Aehnliche Beobachtungen, wie der Chemnitzer Stadtschulrat, machte der württembergische Bezirksarzt Engelhorn, dessen Untersuchungen sich auf 2562 Schul­kinder im Alter von 6, 10 und 13 Jahren erstreckten, und der dabei seststellte, daß mit wenigen Ausnahmen der Ernährungszustand der Schüler dem der Friedens- zeit mindestens gleichkam. Ein Mannheimer Arzt be­richtet über gleiche Beobachtungen. In einer westdeut­schen Zeitung berichtete vor kurzem ein Bonner Arzt über ähnlich günstige Erfahrungen. Nur ein Charlot­tenburger Arzt hat bei den von ihm untersuchten Kin­dern Grötzenabnahmen von 1 Ztm. und eine Gewichts­verringerung von 1 Klg. festgestellt. Hier spricht neben dem Zufall möglicherweise, wenigstens soweit das Ge­wicht der Kinder in Frage kommt, der Einfluß der Großstadt mit, die an die körperliche Leistungskraft durch ihre örtliche Ausdehnung und durch die stärkere Aus­nutzung der Kinder bei dem Erwerb für den Unterhalt der einzelnen Familien größere Anforderungen stellt. Jedenfalls beweisen die mitgeteilten Untersüchungser- zebnisie, daß der Ernährungszustand unserer Kinder im Kriege allgemein noch nicht gelitten hat, sodaß wir in ^er Erwartung der guten Ernte auch einem dritten

Kriegsjahre m dieser Beziehung um Zuversicht begeg­nen können.

SIeinschwelnehMug und -Merung.

Unter allen Haustieren ist das Schwein der er­giebigste Lieferant für Fleisch und Fett, kein Wunder also, wenn alle maßgebenden Stellen darauf hinzuwir- kem suchen, daß die kleinen und kleinsten Haushaltungen sich! nach Möglichkeit ihr Schwein selbst aufziehen, zu- mal gerade diesen ganz andere Futtermittelhilfsstellen zur Verfügung stehen, wie den Großbetrieben.

Das Schwein ist als Allesfresser viel leichter zu ernähren, als jede anderLi»Vtehgattung, nimmt auch in seinem Wachstum bedeutend schneller zu, es bedarf aber naturgemäß auch verhältnismäßig größerer Futtermas­sen. Als gewöhnliche Futtermittel kommen besonders für kleinere städtische Haushaltungen in erster Linie die Küchenabfälle in Betracht. Kartoffelschalen, Spülicht, Gemüseabfälle usw. werden die Grundlage des Futters zu bilden haben, welche leicht und billig durch junge Disteln, Unkräuter aller Art, Queckeu, Eicheln, Kasta- nien, Grünfutterstoffe, geringes halbreifes Abfallobst, Obst und Biertreber und dergleichen zu ergänzen ist. Gründliche Zerkleinerung, eventuell nach vorausge- gangener Dämpfung befördert die Ausnutzung der Nährstoffe und ist dringend nötig, da sonst bei hastigem Fressen leicht größere Stücke im Schlund stecken bleiben können, was leicht ein Eingehen des Schweines zur Folge haben samt. Die im Haushalt gewonnenen Knochen geben gemahlen (eine Knochenmühle erhält man ja in jeder Eisenwarentzandlung für wenige Mark) ein sehr wertvolles Beifutter, ganz besonders für junge schwachknochige Tiere. Ausgekochte Knochen haben ge­ringen, rohe einen sehr hohen Futterwerk.

Bei der Fütterung selbst halte man vor allen Din­gen auf folgende Punkte: Pünktliche Einhaltung der Futterzeiten, größte Sauberkeit des Futtergeschirrs, mäßige, nicht zu wässerige Portionen, die glatt aufge- fressen werden müssen, nicht gefressenes Futter muß entfernt werden. Trockenfütterung neben Darreichung von Tränkwasser ist besser als Suppenfütterung. Alles Futter muß gut zerkleinert sein, gekochtes Futter darf nicht zu heiß gereicht werden. Kastanien, Eicheln, Obst, Kartoffeln usw. müssen getrocknet und geschrotet oder gekocht und zerquetscht gereicht werden. Man hüte sich, neu eingestellte Schweine zu stark und zu kräftig zu er­nähren, man legt zweckmäßig erst allmählich zu. Plötz­licher Futterwechsel ist immer schädlich, man muß un­bedingt für einen allmählichen Uebergang sorgen. Auch Fischabfälle (Gräten und Köpfe) sind in gründlich zer­kleinertem Zustande ein sehr wertvolles Kraftfutter­mittel, die Zerkleinerung kann ebenfalls durch die Knochenmühle geschehen.

Bei der Verwendung der genannten Futtermittel ist der Kleinmäster imstande, sein Schwein fast ohne direkte Ausgaben, d. h. ohne Zukauf von Kraftfutter­mitteln fett zu machen. Was das bei der heutigen Fleisch- und Fettmarktlage bedeutet, braucht hier wohl nicht weiter gesagt zu werden._______

Arbeilernol in der französischen Landwirtschaft

ImOeuvre" vom 2. August findet sich ein Artikel von Francois Lebon, der über die unzureichenden, or-

ganisalorischen Maßnahmen zur nwnre des bringenden Mangels an Arbeitskräften, unter dem die französische Landwirtschaft leidet, lebhafte Klage führt. Zunächst beschwert sich Lebon darüber, daß die versprochenen und dringend nötigen Beurlaubungen für die Erntezeit nur ganz spärlich und, soweit überhaupt, rein schematisch, ohne jede Rücksicht auf die wirkliche Größe und Dring­lichkeit der Bedürfnisse erfolgten.Während der kleinste Fabrikant von Konservenbüchsen oder von Schuhschnal­len, der für das Heer arbeitet, alle Zurückstellungen, die er für seine Arbeiter verlangt, durchsetzt, auch wenn sie zum Dienst mit der Waffe gehören, verweigert man Landwirten, deren Gut ein ganzes Regiment ernähren kann, jegliche Arbeitskräfte." Dann die Kriegsge- fangenenhilfe!Die 4050 000 Gefangene, die der Land­wirtschaft zur Verfügung stehen, entziehen dieser über 10 000 Mann, lauter Landwirte, vom Landsturm oder vom Hilfsdienst, als Bewachungsmannschaften. Man sollte endlich nach deutschem Beispiel (wieder einmal!) Sie Zahl der Wachmannschaften verringern, oder sie ganz abschaffen. Man sollte die Gefangenen in Gruppen von zwei, drei, vier oder fünf wie in Deutschland gegen Kaution zur Verfügung stellen.

Lebon scheint die Folgen der ungenügenden, öffent­lichen Hilfsmaßnahmen für sehr schwerwiegend zu hal­ten: er meint,daß die Frauen, denen man nicht ernst­lich hat helfen wollen, im Herbst nur noch für ihre eige­nen Bedürfnisse säen und pflanzen und dann mit ihrer Kriegsunterstützung die Dinge ihren Lauf gehen lassen werden. Das mag absichtlich stark aufgetragen sein, daß aber in Frankreich in der Tat schon bisher aus Mangel an Arbeitskräften mancher Acker unbestellt geblieben ist, wird ja durch den Rückgang der Anbauflächen be­wiesen, über den vor einiger Zeit Zahlen veröffentlicht wurden.

Aus dem Artikel geht übrigens die bemerkenswerte Tatfache hervor, daß die an sich wenig zahlreichen Kriegsgefangenen für die französische Bauernschaft als Arbeitshilfe nicht in Frage kommen, weil sie nur in größeren Trupps abgegeben werden. Selbst wenn die Klagen über die Beurlaubungen ein wenig übertrieben wären, muß schon dieser eine Umstand angesichts der im Verhältnisse zur erwachsenen, männlichen Gesamtbe- völkerung außerordentlich hohen Eingezogenenzahl den Betrieb des mittleren und kleinen landwirtschaftlichen Besitzes aufs schwerste gefährden.

Frankreich tröstet sich damit, daß es durch einen Rückgang seiner Eigenproduktion nicht ausgehungert werden kann, weil ihm die Zufuhr über See offen steht. Aber je mehr es auf diese Zufuhr augewiesen ist, umso mehr versinkt es in Abhäniqkeit vom englidh-n Fracht­raummonopol, umso stärker verschuldet es sich an das Ausland. Und außerdem bedroht es seine Zukunkt, wenn es jetzt blind und sorglos seine Landwirtschaft ver­kommen läßt. Bei uns geschieht alles, um Stamm und Bestand des großen landwirtschaftlichen Nattonalkapi- tals unversehrt zu erhalten: ist der Krreg vorbei, so wer­den wir Menschen genug haben, um nachzuholen, was notgedrungen versäumt werden mußte. In Frankreich aber wird das haben einsichtige Franzosen ja bereits ausgesprochen nach dem großen Bluten des seit Jah­ren nicht mehr wachsenden Volkskörpers die Not an Arbeitskräften ein Dauerzustand werden, wenn mau sich nicht entschließt, der Invasion fremder Völker und Rassen (und selbst da ist die Auswahl nicht groß und keineswegs verlockend) die Tore weit zu öffnen. Erst der Friede wird zeigen, wie viel, wie namenlos viel Frank- rerch dreser Krieg gekostet hat.

"V

In das Handelsregister, Abteilung A, ist bei der unter Nr. 175 eingetragenen Firma Carl Otto in Hers­feld heute folgendes ein­getragen worden:

Alleinige Inhaberin ist die Witwe des Kaufmanns Bernhard Karl Ludwig Friedrich Otto, Marie Helene geb. Dehnhard zu Hersfeld.

Hersfeld,

den 22. August 1916.

Sonigl. Amtsgericht.

Beim Hospital hier ist die Stelle eines

zum 1. Oktober d. Js. neu zu besetzen«. Bewerbungen sind innerhalb 2 Wochen an uns einzureichen.

Hersfeld,

|am 22. August 1916.

Die Armenverwattung

V. 1739. I. V.

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