Amtlicher Anzeiger
für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im s amüichen Telle 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- ! Holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. '
«r. 189
Sonntag, den 13. August
1916
Amtlicher Teil
Hersfeld, am 12. August 1916.
Mit Einzahlung der am 1. ds. Bits, fällig gewesenen 2ten Kreisstenerrate sind noch mehrere Gemeinden und.Gutsbezirke des hiesigen Kreises im Rückstände; desgleichen auch der Betriebssteuer und An- erkennnngsgebühren usw. für das laufende Rechnungsjahr.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher der in Betracht kommenden Gemeinden und Gutsbezirke ersuche ich, gefälligst dafür Sorge tragen zu wollen, daß alle fällig gewesenen Beträge nunmehr noch alsbald, spätestens aber bis zum 16. d. Monats bei der Kreiskommunalkaffe hier (Zimmer Nr. 1 im Landratsamtsgebäude) eingezahlt werden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 6. August 1916.
Anordnung zu der Bekanntmachung des stellv. Kommandierenden Generals 11. A. K. zu Caffel vom 12. Juli 1916 betreffend Beschlagnahme und Bestauoserhebnng der Fahrradbereifungen (Einschränkung des Fahrradverkehrs).
Im Auschluß an die im Hersfelder Tageblatt Nr. 163 vom 14. Juli d. Js. veröffentlichte obengenannte Bekanntmachung"wird folgende Anordnung erlassen :
§1.
Nach dem 12. August d. Js. darf niemand ohne Erlaubnis (abgestempelte Radfahrkarte) ein Fahrrad benutzen.
müssen unter Verwendung des vorgeschriebenen Formulars beim Bürgermeister (Gutsvorsteher) des Wohnortes bezw. bet der Poltzetverwalttzng in Hersfeld gestellt werden.
Dem Antrag ist die Fahrradkarte beizufügen.
§3.
Die Erlaubnis wird in den int § 4 der obengenannten Bekanntmachung genannten Fällen für die Einwohner Hersfeldsj von der Polizeiverwaltung in Hersfeld und für die gesamten übrigen Bewohner des Kreises vom Landrat erteilt.
In Zwetfelfällen entscheidet das stellv. Generalkommando. Die Anträge sind in allen Fällen von den Bürgermeistern der Landgemeinden an den Landrat mit kurzer Aeußerung weiterzugeben. Die von der Polizeiverwaltung der Stadt Hersfeld in Zweifelsfällen dem Generalkommando zur Entscheidung vor- zulegenden Anträge sind durch die Hand des Land- rats zu leiten.
§4.
Für den Ankauf von Fahrraddecken und Fahrrad- schläuchen, die durch die obenerwähnte Bekanntmachung beschlagnahmt sind und nicht mehr weiter benutzt werden dürfen, wird eine Sammelstelle eingerichtet. Die Samelstelle befindet sich für den gesamten Kreis Hersfeld bei dem Kupferschmieürmeister J. Schüßler in Hersfeld, Marktplatz 31.
Die eingelieferten Fahrradbereifungen werden dort in Gegenwart der Abliefernöen oder ihrer Beauftragten entgegengenommen. Diese erhalten darauf einen von der Sammelstelle ausgestellten Ablieferungsschein. Auf die im § 6 der obengenannten Bekanntmachung festgesetzten Höchstpreise, die später zur Auszahlung gelangen, wird verwiesen.
§ ö-
Die Sammelstelle ist geöffnet an jedem Freitag vormittags von 10—1 Uhr und nachmittags von 5—6 Uhr.
§ 6.
Die Sammelstelle ist ermächtigt, gegen Empfangsbescheinigung auch Fahrradbereifungen anzunehmen, die unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden.
§7.
Alle bis zum 15. September d. JS. nicht freiwillig abgeneferten Fahrradbereifungen sind meldepflichtig. Die Meldungen haben auf den bei den Bürgermeisterämtern und der hiesigen Polizeiverwaltung erhältlichen Formularen bei der im § ^genannten Sammelstelle zu erfolgen. Diese Fahrradbereifungen unter- liegen der späteren Enteigung.
§ 8.
Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft.
Der KreiSansschnß deS Kreises Hersfeld.
Der Vorsitzende
. I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Asfessor.
Die Mitglieder Reinhard B a e t z.
*
*
Hersfeld, den 10. August 1916. Wird veröffentlicht.
Tgb. Nr. I. 7794. Der Landrat.
I. B.r v. Hedemann, Rrg.-Asfeffor.
Bei der von unseren Feinden planmäßig hervorgerufenen allgemeinen Knappheit an Lebensmitteln muß auch dem Gemüse und Obst eine viel größere Beachtung geschenkt werden, als dies bisher der Fall gewesen ist, und zwar muß nicht nur auf eine erhebliche Vergrößerung der Produktion durch Ausnutzung aller geeigneten Flächen zum Anbau von Gemüse hingewirkt werden, sondern es muß auch dafür gesorgt werden, daß alles angebaute Gemüse dem Verbrauch in zweckmäßiger Weise zugeführt wird, so daß es nicht was bisher häufig geschehen ist, vorkommt, daß an gewissen Stellen Mangel herrscht, während an anderen Stellen Ueberschüsse in unrationeller Weise verwendet werden oder gar ganz umkommen.
Die neugegründete Reichsstelle für Gemüse und Obst hat die Aufgabe, hier einzugreifen. Zu diesem Zwecke wird sie
1. für alle Sorten Gemüse und Obst durch Schaffung einer großzügigen Verkanfsorganisation, die dem Vertriebe besondere Erleichterungen gewährt, auf Preise hinwirken, die für den Produzenten ein angemessenes Endgelt darstellen,
2. für gewisse Sorten von Gemüse (die sogenannten Dauergemüse) nämlich: Weißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Grünkohl, Rosenkohl, Kohlrüben (Steck- rübeu, Wrucken) und Mohrrüben (rote und gelbe Speisemöhren, auch gelbe Rüben genannt), Stoppelrüben, Zwiebeln, Kürbisie und Kohlrabi
selbst in ausgedehntestem Maße als Einkäufer auftreten. Sie wird zu diesem Zwecke in allen Landkreisen usw. mit nennenswerter Produktion Abnahmestellen einrichteu. Die Abnahmestellen werden das Gemüse abnehmen unter allgemeinen Abnahme- bedingnngen, die in der nächsten Zeit aufgestellt werden sollen von einer Komission, die aus dem Vorsitzenden der Reichsstelle und der gleichen Anzahl Interessenten einerseits der Produktion, andererseits der Fabrikation und des Handels besteht; zur Be-
Caffel, 10. August. Der Tagelöhner G. aus Groß
Die Festsetzung der Preise wird durch andere, rein örtliche Komissionen erfolgen, die aus je zwei Produzenten, die von der unterer Verwaltungsbehörde aus den Insassen des entsprechenden Produktionsbezirks ernannt werden, aus zwei weiteren Mitgliedern, die von der Reichsstelle berufen werden, und einem Vorsitzenden, der von der höheren Verwaltungsbehörde ernannt wird, bestehen. Sie ermitteln kurz vor Beginn der Ernte die Preise für den besonderen örtlich begrenzten Bezirk, da die Verhältnisse in den einzelnen Produktionsbezirken allzu verschieden sind so daß eine allgemeine Preisfestsetzung nicht möglich ist. Sie sollen dabei den voraussichtlichen Ertrag der Ernte, die Poduktionskosten, den Wert der eigenen Arbeit und die besonderen Erschwerungen infolge des Krieges berücksichtigen; weiter sollen sie dabei erwägen, daß dem Poduzenten auch ein angemessener Gewinn verbleibt. Zu dem so ermittelten Preise muß die Abnahmestelle dann die aufgeführten Sorten abnehmen, soweit sie den vorgenannten allgemeinen Bedingungen entsprechen. Sie wird sie dann durch Einrichtungen weiterer Organisationen schnellstens denjenigen Märkten zuführen, wo eine Knappheit herrscht.
Wir wenden uns jetzt an den bewährten Sinn unserer Landwirte mit dem Aufrufe, unsere Bestrebungen tatkräftig und nachdrücklich zu unterstützen, und der Aufforderung, zu diesem Zwecke zunächst den Anbau von Dauergemüsen, Kürbissen und Stoppelfrüchten in möglichst großem Maßstabe vorzunehmen. Wir werden dafür sorgen, daß der Mühe auch ihr Lohn wird, und das Vaterland wird seinen Söhnen Dank wissen.
Weitere Flugblätter werden folgen.
Berlin, W. 50, Rankestraße 36 im Juni 1916.
Die Geschäftsabteilung der Reichsstelle für Gemüse und Obst.
| Sammelt Brennesseln! |
Bus der Heimat«
* Den Hessischen Volkskalender erwarten unsere lieben Feldgrauen immer mit Begier. Das kann man verstehen. Drin schauen sie der hessischen Heimat ins Herz, und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft klingen ihnen zusammen. Unter dem hessischen Haus, das die Kopfleisten in ihrer Mannigfaltigkeit so prächtig wiedergeben, steht diesmal viel Besinnliches von Familie und Kinderglück, zur Be- herztgung für die Väter da draußen und die Mütter daheim. Rosegger redet da zu ihnen manch eindringlich Wort. Und wer dann weiter blättert, dem wird das Herz warm. Diese herzerquickenden Bilder aus dem deutschen Familienleben von Steinhaufen, Schüz u. a. sagen es jedem, wofür unsere Brüder leiden und streiten. In einer zeitgemäßen Betrachtung leuchtet der Kalendermann „mit der Laterne in die
dunkeln und unsaubern Ecken des deutschen Hauses" und möchte gern, daß die Worte Vater und Mutter wieder ihren vollen Klang und Inhalt erhielten und der eigene Herd wieder Mittelpunkt der Familie würde. Zu dem Thema vom eigenen Herd schrieb Valentin Traudt eine sonnige Geschichte. Daß in diesem Jahre Luther nicht fehlt, der Gottesmann, versteht sich von selbst, ist doch durch ihn die deutsche Familie tausendfach gesegnet. Für Sang und Klang am Familientisch sorgte der Kantor Heinrich Rohde mit zwei wohlgelungenen Liedern, und die Kriegspostkarten von Hauptmann Schellmann lassen den Humor zu seinem Recht kommen. Es ist diesmal der deutsche Gedanke, der hervorklingt, „hessische Höhenluft" gibt den Heimatgeruch. So hat der Hessische Bolkskalender beinahe das Ideal erreicht: durch die Vielseitigkeit führt doch ein einheitlicher Gedanke, und das ist für einen Kalendermacher keine leichte Sache. Man fühlt sich auf jedem Blatt daheim und das ist wohl 50 Pfg. wert. Wir wünschen dem lieben Weggenossen, daß er wie sein Vorgänger begrüßt wird, der 4 Wochen vor Weihnachten vergriffen war.
):( Hersfeld, 12. August. Auf die im heutigen Inseratenteil abgedruckte Bekanntmachung der Schneiderzwangsinnung machen wir nochmals besonders aufmerksam.
):( Hersfeld, 12. August. Kein Verkauf von Stoffen bis zu 2 m. Länge mehr zulässig. Nach Verordnung des Reichskanzlers vom 7. August 1916 ist die Nummer 34 der Webwaren-Freiliste zu streichen. Demnach ist der Verkauf von Woll- und Baumwollstoffen (Nr. 12, 13, 14, 15, 18 und 25) bis zu Längen von 2 m. an Verbraucher von jetzt ab nur noch gegen Bezugsschein zulässig. Siehe auch Bekanntmachung auf der 4. Seite der heutigen Nummer.
Kriegsgefangenen erbrochen und daraus 40 Mark geraubt hatte. Der Angeklagte leugnete; ein belgischer Kriegsgefangener, der als Kranker in der Baracke gelegen hatte will ihn aber beim sDiebstahl beobachtet und wiedererkannt haben. Die Aussage des Belgiers, der nicht deutsch sprach, wurde durch Frau Sprach- lehrerin Zahn-Dumont verdolmetscht. Das Gericht bestrafte den schon mehrfach vorbestraften Angeklagten mit zwei Jahren Gefängnis.
Gerbergshansen, 9. August. AlS die Gattin des Landwirts Kaspar Riethmüller gestern nachmittag ihrem Sohn, der mit einem Tesching Spatzen schoß, das gefährliche Spielzeug abverlangte, zielte der Junge int Scherz auf die Mutter. Im gleichen Augenblick entlud sich die Waffe und die Mutter sank tödlich getroffen zu Boden.
Schmalkalden, 10. Äugust. Ein Vielfraß in des Wortes schlimmster Bedeutung war das Schwein eines hiesigen Bewohners. Dasselbe verschlang nicht nur die eigene Mahlzeit, sondern brach in den Enten- stall ein und verzehrte mit kannibalischer Wollust 21 Stück junge und alte Enten, worauf sich das Schicksal des Schweines vorzeitig erfüllte. Es verendete an der allzu üppigen Mahlzeit.
Durch die Lupe.
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.
Ungehindert hat die „Deutschland" — sich zur Rückfahrt angeschickt — und dem englischen Geschwader — ist bisher es nicht geglückt — ihre Abfahrt zu vereiteln, — so daß jeder hoffen kann, — in drei Wochen kommt die „Deutschland" — wieder in der Heimat an. — In Amerika benahm man — diesesmal sich sehr korrekt, — ja, es scheint, als ob man drüben — ganz allmählich doch entdeckt, — was es mit der Britenfreundschaft — auf die Dauer auf sich hat, — denn des Briten Ucbergriffe — kriegt Amerika selbst satt. — Seit sich England jüngst erdreistet, — drüben sogar vorzuschreiben, — daß Amerikas Geschäfte — keinen andren Handel treiben — als nur den, den es gestattet — und beständig kontrolliert, — seit es gegen Missetäter — seine „schwarzen Listen" führt, — seit sich alles dies ereignet, — ward man endlich drüben klug — und von Englands Freundschaftsdiensten hat man vorderhand genug. — Wie so oft an andren Stellen — hat auch in Herrn Wilsons Land — England wieder mal den Bogen — ganz erheblich überspannt, — hat in altgewohntem Dünkel — seine Stellung überschätzt — und die Folgen solchen Mißgriffs — zeigen sich allmählich jetzt. — Voll Vertrauen in die Zukunft — kann man deshalb doppelt sehn, — denn es scheint, daß Englands Aktien — drüben nicht mehr glänzend stehn, — lange hat es zwar gedauert, — bis man drüben sich besann, — dafür aber scheint es wichtig, — was sich jetzt entwickeln kann, — denn man weiß auch drüben wohl, — was man tun und lassen soff.__________Walter-Walter.
SöeiietüttiMÜätejn^
Wechselnde Bewölkung; meist trocken, Temperatur wenig geändert.