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Amtlicher Anzeiger

für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im ; amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Psg. Bei Wieder- ! holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag». |

Rr. 182.

Sonnabend» den 5. August

1916

Amtlicher Teil.

Hersseld, am 1. August 1916.

Im Monat Juli ds. Js. sind von mir den nach­benannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

a. entgeltliche:

am 2. 7. dem Königlichen Hegemeister a. D. Küch in Eitra;

ant 17. 7. dem Hauptmann Lotze in Hersfeld;

am 17. 7. dem Bürgermeister Mathias Wolf in Lam- pertsfeld;

am 18. 7. dem Karl Kaiser in Obergeis;

am 21. 7. dem Wirt Hermann, Semler in Hagen;

am 22. 7. dem Karl Hoos in Niederaula;

am 23. 7. dem Gerichts-Assessor Wilhelm Stück in Hersfeld;

am 27. 7. dem Königlichen Oberlandmesser Dr. Over- beck in Hersfeld,-

am 81. 7. dem Königlichen Landrat von Grunelius in Hersfeld.

b. unentgeltliche:

Keine.

B. Tagesjagdscheine:

Keine.

Der Landrat.

J. V.: .

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 2. August 1916.

Der Verkauf von Kartoffeln aus der Ernte 1915 unterliegt keinerlei Beschränkungen mehr und bedarf insbesondere keiner Genehmiguug im einzelnen. Die festgesetzten Höchstpreise sind zu beachten. Tgb. No. I. 8246. Der Landrat.

I. V.

v. Hedemanu Reg.-Assessor.

v* ^f *- * v, * WM put r i jw.

Die Schafräube unter der Schafbestande des Guts­besitzers Pape in Hattenbach ist erloschen. Tgb. No. I. 8005. Der Lanörat.

J. V.:

v. Heöemann, Reg.-Assessor.

Bekanntmachung,

betreffend die Einfuhr von Fohlen.

Vom 24. Juli 1916.

Der Bundesrat hat anf Grund des § 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaft­lichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1916 (Reichs- Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen:

§ 1-

Fohlen im Silier bis zu zweieinhalb Jahren dürfen über die Grenzen des Deutschen Reichs nicht eingeführt werden.

§ 2.

Der Reichskanzler kann von der Vorschrift im § 1 Ausnahmen zulassen nnd die etwa erforderlichen Sicherungsmaßregeln treffen. Er kann diese Befug­nisse einer von ihm zu bezeichneten Stelle übertragen.

§ 3.

Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Ver- kündung in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.

Berlin, den 24. Juli 1916.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers. Dr. Helfferich * * *

Hersfeld, den 2. August 1916.

Wird veröffentlicht.

I 8243. Der Landrat.

B.:

Hedemann, Reg.-Assessor.

* (Selbstversorgung von Fleisch und Fett.) Aus dem Kriegsernährungsamt wird uns geschrieben: Durch Erlaß der zuständigen, preußischen Ministerien vom 28. Juni 1916 ist festgelegt worden, daß auf die für den eigenen Bedarf gemästeten Schweine bei Aufbringung des Bedarfs für Heer, Marine uud Zivilbevölkerung nicht znrückgegriffen werden soll. Dadurch ist vielen Haushaltungen die Möglichkeit gegeben, selbst für ihren Fleischbedarf zu sorgen, sich in der Fleischversorgung unabhängig zu machen und bezüglich ihres eigenen Bedarfs den großen Markt zu entlasten. Bet der großen Bedeutung der hauSwirtschaftlichen Selbstversorgung kann nicht dringend genug auf die Aufstallung von Ferkeln oder Läuferschweinen zur Selbstmast hingewiesen werden, zumal die Ferkelpreise augenblickig verhältnismäßig niedrig sind und durch die ausgiebige Verwendung von Gemüse im Haushalte nicht unbeträchtliche Ab­fälle gewonnen werden, die sich vorzüglich zu Schweine- futter eignen. Das zur Mast nötige Futter soll in der Hauptsache aus Küchenabfällen genommen

werden. Jede Familie hat einen größeren Bekannten­kreis, der die Haushaltabfälle nicht selbst verwerten wird. Gegen Inaussichtstellung einer Wurst oder eines Stückes Fleisch werden diese Familien gerne bereit sein, ihre Abfälle für den gedachten Zweck zur Verfügung zu stellen, auch könnten die Abfälle von Gasthäusern, Kantinenbetrieb usw. gepachtet werden. Das dann noch übrig bleibende wenige notwendige Kraftfutter, Schrot, Kleie, Futtermehl usw. können die Kommunen anweisen. Wo es angängig ist, könnten sich auch zwei oder mehrere Familien zur Mast eines Schweines zusammentun und nachher gemeinschaftlich schlachten. Wer also irgendwie die Möglichkeit hat, ein Magerschwein auszustallen, besinne sich nicht lange, er erweist sich selbst den besten Dienst und entlastet den allgemeinen Fleischmarkt.

* Zehn Gebote für diehäuslicheObstver- Wertung zur K r i e g s z e i t werden in der Zeit­schrift fürObst- nnd Gemüseverwertung" der dring­lichen Beachtung empfohlen: 1. Das Leichtverderbliche nutze zuerst. 2. Meide alle unsicheren Verwendungs­arten. 3. Bevorzuge jene Benutzungsarten, bei welchen die Nährwerte am vollkommensten erhalten bleiben. 4. Spare an Zucker. 5. Nutze den in den Früchten selbst sich bildenden Zucker. 6. Verwende alle brauchbaren Gefäße zum Etndünsten. 7. Nutze jede Fruchtart in der für sie passendsten Weise aus und gebe dabei der einfachen Herstellung den Vorzug. 8. Verschmähe zur Kriegszeit auch die Anwendung außergewöhnlicher Hilfsmittel nicht. 9. Nutze die ent­stehenden Abfälle und Kerne. 10. Laß überhaupt nichts unbenutzt.

):( Hersseld, 4. Augnst. Keine Aehre darf verloren gehen! Kürzlich ging durch die Zeitungen die erfreu­liche Mitteilung, daß nach zahlenmäßigen Fest­stellungen die Aehrenlese durch die Schulkinder im vorigen Jahre einen Geldwert von mehr als 230 000 Mark ergeben hat. Angesichts dieser volkswirtschaft­liche n und erziehlickenBekwntm-- verdient die Aebren- WMWWWMWWMWWWWWWWWWWVW! nungen auf eine gute Ernte steigen, desto mehr festigt sich die Gewißheit, daß wir unbesiegt bleiben. Der alte deutsche Gott, der Lenker unserer Geschicke, segnete die von unseren Bauern mit Fleiß bestellten Aecker. Auf Deutschlands Fluren lohnt Gottes Gnade des Landmannes Fleiß mit reichlicherer Frucht, als wir zu hoffen wagten," sagte der Kaiser. Aber auch bei reich­lichem Ertrage ist es nötig, die Gaben unserer Fluren sorgsam zu sammeln und darauf zu achten, daß nichts verloren geht.

§ Hersfeld, 4. August. (Zur B utterver- s o r g u n g.) Nach § 3 der Anordnung der Versorgungs­stelle müssen alle Personen, die Speisefette (Butter, Butterschmalz, Margarine, Kunspeisefette, Schweine­schmalz, Speisetalg und Speiseöle) von auswärts, d. h. nicht von Lieferanten, die in der Stadt Hersfeld wohnen, bezogen haben, sich die bezogene Menge auf die an­rechnen lassen, die aus die Fettkarte entfällt. Es muß also jedermann bei Vermeidung entsprechender Be-, strafung seine Bezüge von außerhalb seiner Brot- kartenstelle anzeigen. Nach § 8 der vorerwähnten Anordnung haben alle Personen, welche Speisefette unmittelbar an Verbraucher liefern namentlich also Händler mit Speisefetten und Landwirte die Abschnitte von der Fettkarte abzunehmen und sorg­fältig aufzubewahren. Es können also Butterfrauen zwar Butter an ihre bisherige Kundschaft absetzen, aber für jede Fettkarte soviel (diese Woche 60 Gramm) als seitens der Bersorgungsstelle für die betreffende Woche festgesetzt worden ist. Die Butterfrauen muffen, wenn sie sich nicht strafbar machen wollen, von der Fettkarte die betreffende Wochenabschnitte abnehmen und sorgfältig aufbewahren. Auch die Hausfrauen machen sich strafbar, wenn sie die Butter annehmen, bevor die Butterfrauen die Abschnitte abgenommen und an sich genommen haben. An die Kaufleute kann Butter für den Weiterverkauf ohne Entfernung der Abschnitte von den Butterfrauen geliefert werden.

):( Hersfeld, 4. August. Eine hiesige Hausfrau, die entgegen der Verordnung des Kreisausschusses hier in Friedewald einen größeren Posten Eier zusammen gekauft hat, wurde zur Anzeige gebracht. Die Eier sind ihr weggenommen und der Verteilungs­stelle überwiesen worden. Außer diesem Verlust hat sie sowohl wie auch die fragl. Verkäufer ihre Be­strafung zu gewärtigen.

*):( Hersfeld, 4. August. Auf Grund eingelaufener Klagen wird darauf hingewiesen, daß der Platz vor der alten Schule in der Hainstraße nicht von jeder­mann a l s S p i e l p l a tz benutzt werden darf. Dieser Platz dient nur den in der alten Schule unterge­brachten Kindern zum Spielen unter Aufsicht ihrer Lehrer.

Rotendnrg, 3. August. Die Stadt bewilligte für das Rote Kreuz 300, zur Volks spende für die deutschen Gefangenen im Auslande 150 Mark.

Ehlen (Bez. Cassel), 3. August. (Erdstöße wurden hier verspürt!) Sonntag nacht vernahmen hiesige Einwohner gegen 2 Uhr drei aufeinanderfolgende stoßartige Geräusche. Türen bebten in den Angeln

und Spiegel und Bilde^wackelten. Man ist hier ver­stört und ratlos und harrt großer Dinge.

Münden, 3. August. Nachstehende kriegsgefangene Offiziere sind gestern (2. August) aus dem Offizierge­fangenenlager Hann. Münden entwichen: 1. Englischer Fliegerleutnant Medlicott, 23 Jahre alt, etwa 1.70 Mtr. groß, schlank, Gesicht oval, Nase spitz, kleiner Schnurr- bart, Anzug vermutlich Zivil. Spricht gebrochen deutsch. 2. Englischer Leutnant Poole, 21 Jahre alt, etwa 1,68 Mtr. groß, Haar blond, Gestalt kräftig, Gesicht voll, kein Schnurrbart, Nase gewöhnlich, Anzug vermutlich Zivil. Spricht nicht deutsch. Die Flüchtigen sind fest­zunehmen und die Kommandantur des Lagers ist sofort drahtlich zu verständigen.

Northeim (Hann.j, 3. August. In Catlenburg fiel das zweijährige Töchterchen des Landwirts Groß- kopf in die am Hausgarten vorüberfließende Ruhme und ertrank. Die Kleine hatte von einem dicht am Flusse stehenden Strauch Himbeeren pflücken wollen.

Hamel«, 3. August. Den Tod in der Weser fand der 18jährige Tischlergeselle Heinrich König, der mit anderen jungen Leuten auf einer Bootsfahrt in den Wellenschlag des DampfersGermania" hineinfuhr, wobei das Boot unter die Schaufelräder des Dampfers geriet und von diesen zertrümmert wurde.

Allendorf a. W.,3. August. Am Montag nachmittag hatten zwei Personen einen zum Schlachten bestimmten Ochsen von Weidenbach geholt. Im Zimmersweg ent­riß sich das Tier seinen Führern und rannte über die mit Frucht bestandenen Aecker. In der Nähe befind­liche Personen brachten sich dadurch in Sicherheit, daß sie aus die Bäume kletterten. Gärtner Hupfeld brächte das wildgewordene Tier zur Strecke.

Fnlda, 4. August. Der Polizei gelang es, den Schwindler zu ermitteln, der sich am Samstag auf der Stationskasse auf Grund einer gefälschte» Quittung in deu Besitz, von 197 Mark setzte. Es ist der seit vonr. Um den Trtcksrcherer aÄführen zu können, hatte er sich von einem Bartpfleger einen schönen schwarzen Spitzbart anlegen lassen. Ein großer Teil des erhobenen Geldes war noch in seinem Besitze.

Hanau, 3. August. Gestern abend ist der 10 Jahre alte Schüler Alfred Bonifer aus Dörnigheim beim Baden im Main ertrunken. Der Junge war in er­hitztem Zustand im Wasser von einem Herzschlag be­troffen worden.

Langenselbold (Kr. Hanau), 31. Juli. Der Bürger­meister unseres Amtsortes gibt bekannt, daß in den letzten Wochen sich öfters bei Schlachtungen von Tieren eine sehr starke Ueberfütterung gezeigt habe. Das Füttern sei gestattet, ein Ueberfüttern jedoch straf­fällig.

Frankfurt a. M., 3. August. Der 10jährige Sohn des Weißbinders Sauer in Kalbach kletterte trotz vor­heriger Warnung an einem Mast der elektrischen Leitung hinauf. Oben kam er der Hochspannung zu nahe und im Nu standen seine Kleider in Flammen. Er fiel zirka fünf Meter tief in den Bach, wo er schwer verbrannt herausgeholt wurde. Er wurde in das All­gemeine Krankenhaus nach Homburg v. d. H. über- führt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Preisend mit viel schönen Reden, doch mit keinerlei Erfolg zückt John Bull nun seit zwei Jahren gegen Deutschland schon den Dolch, hat in allen Weltenteilen sich inzwischen schon blamiert, ohne daß er das Verfproch'ne irgendwo auch ausgeführt. Englands jüngste Offensive ward seit einem halben Jahr schon der ganzen Welt ver­kündet und besprochen bis aufs Haar, sollte uns mit einem Schlage rückwärts drängen bis zum Rhein, ja, es träumte sich der Brite gar nach Deutschland schon hinein.---Wie es wirklich dann gekommen, hat die Mitwelt jetzt gesehn, sieht noch immer unsre Truppen eisenfest wie früher stehn, einige zerschosf'ne Dörfer hat der Brite überrannt, alles andere befindet fest sich noch in unsrer Hand. Mit den Pferdezähnen knirschend sieht derBetter" drüben ein, wie sein Heer sich langsam abnutzt gegen Deutschlands Heeresreih'n, wie er nichts von dem errungen, ob er noch so sehr sich quält, was er mit gewohntem Prahlen schon ein Jahr vorher erzählt. Deutsch­land fraß sich unterdessen ohne viele Redereien tiefer noch in Frankreichs Stellung drunten bei Verdun hinein, und der Franzmann sieht mit Bangen, daß der Tag sich langsam naht, wo er von Verdun verkündet, daß esfaum Bedeutung" hat. Eins dem Volke zugestchen wird er nie Courage haben, daß sich Frankreichs halbes Heer schon bei Verdun sein Grad gegraben.

Walter-Walter.