Der Kriegsberichterstatter der „Köln. Ztgr", Professor Wegener, teilt seinem Blatte über einen' Besuch bei deutschen VerwunSeten von der Sonunc u. a. folgendes mit:
Wir gingen von Bett zu Bett und von Zinuner zu Stürmer und plauderten mit den ßeuten, die in ihren Betten lagen: dieser den Kopf nimvunden. jener den Arm in einer Schiene, der dritte das Bein bandagiert' uff. Krankenschwestern gingen leise und tächelrid herum und bereiteten die nahe Mittagsmahlzeit,' eine große Ruhe lag über allem hier. Welch' ein GegeHatz, diese friedvolle Stille hier zu der grausigen Hölle, aus der Sie in den Betten liegenden Männer kamen: zu int Teil erst von gestern und vorgestern! Sie mußten ja eigentlich nod) wie in einem Traume sein.
Einigen von ihnen merkte man das auch an. Sogleich einem im ersten Zimmer. Der.Mann hatte den Kopf und zum Teil auch das Gesicht verbunden. Er war verschüttet gewesen. Eine schwere Schiffsgranate hatte die Decke des viele Meter tiefen Unterstanves durchschlagen und mit einem Male beide Ausgänge zugeschüttet. Ob von Sprengstücken des Geschosses oder von Steinsplittern der Wände, das wußte er nicht, verwunSet hatte er unter der Erde gelegen, im Dunkeln und hilflos, er wußte nicht wie lange, während das Weitertoben des ' KampteS dort oben, das Platzen der Granaten und Mi- nen, zu dumpfen fernen Stößen gedämpft,Zn die Grube, binabscholl, in der das Atmen immer peinlicher wurde. Dann aber war plötzlich ein Lichtschein und ein neuer. Juttsttom hereingedrüngen. Wackere Kameraden hatten, nachdem der Sturmangriff abgeschlagen, -den Zugang wieder freigelegt und ihn und wer von der Besatzung noch am Leben war, nach oben getragen. Er lag ganz still, sprach sehr wenig und nur langsame, kurze Sätze. Es nun in ihm, der wohl immer ein wortkarger Mann gewesen, die Feierlichkeit eines, den der Fittich des To- &S gestreift hatte: und doch zugleich ein stilles inneres Leuchten: man merkte, daß er fühlte, in einem großen und heiligen Werk seine Pflicht getan zu haben.
Neben ihm ein anderer, zierlicher, mit lebhaften schwarzen Augen und intelligenten Zügen, ein Großstadt- kind, augenscheinlich sonst rasch mtd gewandt, wenngleich hier zur Ruhe gezwungen, denn sein Fuß war burch- schossen von einer Schrapnellkngel. Er stammte schon vom Beginne der Offensive, aus der nnerschüttert gebliebenen Front in der Ancregegend. Er gab gern und mit präzisen, von klarer Auffassung der Situation zeugenden Worten Rede und Antwort. Ein dritter, behaglich, mit sächsischem Stimmklang, war Gefechtsorvon- nauz gewesen, von jenen Wackern einer, die, im tollsten Geschoßhagel ihre Deckungen verlassend, die Verbindung der Truppenteile aufrecht erhalten müssen, wenn das Telephon versagt. Er schien bei den übrigen Kranken des Zimmers sehr im Ansehen zu stehen, denn sie sagten mir: „Den müssen Sie fragen, der kann erzählen, der ist beredt". Er redete denn auch eisrig, mit vielen Späßen und starkem Gestikulieren: ich fand freilich doch, daß in den kurzen und einfachen Angaben der andern mehr Ertrag für mich lag, als in seinen „beredten", augenscheinlich schon öfter vorgetragenen Schilderungen.
Aehnlich verschieden waren die Insassen des nächsten und der folgenden Räume: einige auch unbeholfen und wenig fähig, zu sagen, was sie erlebt hatten:.andere schweigsam, weil anscheinend von Schmerz nicht frei; diese ließ man natürlich, nach freundlichem Besserungswunsch, in Frieden. In allen aber ohne Ausnahme war eine unverkennbare Freudigkeit. Man hätte diese auf das Gefühl zurücksichren können, daß sie, verhältnis- mäßiq gut weaaekommen, froh wären, aus dem Grausen heraus in diesen Frieden hier gerettet zu sein, wenn nicht die stille Glut und der Eifer, der gleichmäßig alle erfüllte, hätte erkennen lassen, daß es etwas anderes war, was sie froh machte. Es war das nachglühende Feuer des unaeheuren. mannbatt und eriolarerck bestandenen
Teile den furchtbaren Angriff des Gegners gebrächen: sie. fühlten sich atz Glied einer Macht, die auch diesmal , ihre UnttöerwinMchkeit bewiesen hatte. Dieser Stolz erfüllte sie ganz.
, Die m'Weöeucft Erzählungen gaben mir einige le- bendige.Eindrücke des außerordentlichen Geschehens, Sas seit Beginn dieses Monats an der Summe im Gange ist. Was kaitnr noch möglich schien, eine Steigerung über das bisher Erlebte hinans, muß Soch das^englische sie- bentägticheiTrounnelfeuer vor dem ersten Sturm gerve- sen sein . Eigentlich schildern sönnen sie es freilich nicht. Dieses ChaoS, diese Hölle kann auch nicht geschildert werden, weil Sem, der selbst nicht derartiges mitgemacht, durch Vergleiche keine Vorstellung davon vermittelt werden kann. Denn es gibt auf der Erde nichts, was damit verglichen werden könnte, und die Erscheinung ist so neu, daß die menschliche Sprache noch keine Wortbilder dafür besitzt. Sie erkennen ’ nur alle an, daß die Kraft und Wirkung der englischen Artillerie ganz autzerordent- >lich groß waren. Die Masse der schweren Geschütze war ungeheuer, zweifellos in den ersten Tagen der unsri- gen überlegen: die Durchschlagskraft ihrer großen Ge- - schösse enorm. Brustwehren von vier Metern Stärke . wirr den glatt durchgeschlagen, geräumige Unterstände mit zwei Ausgängen zuweilen mit einem einzigen Schutz zerstört, die bstrommelten Gräben stellenweis völlig eingeebnet. Augenscheinlich ist ihre , schwere Artillerie das Mittel — die Engländer sagen es ja auch selbst —, auf das sie ihre Siegeshoffnung im Feldkampfe in erster Linie gebaut haben. Minder günstig ist das Urteil unse- m' Leute über, die englische Infanterie. Verschiedene bezeichneten den englischen Soldaten als ohne Schneid, ja sie gebrauchten sogar den Ausdruck feige. Ich bin überzeugt, daß es im allgemeinen nicht richtig ist: es wird aus eine mißverständliche Deutung der Tatsache zurückzuführen sein, daß der englische Feldsoldat nicht hinreichend ausgebildet ist und daß es der Führung an der erforderlichen praktischen Uebung fehlt Bei dem Mangel an Offiziersmaterial erfolgt die Beförderung in den unteren Graden ja außerordentlich rasch. Einigermaßen Gebildete rücken so schnell zu Offizieren auf, daß sie, wie mir jüngst die englischen Gefangenen schilderten, in schwierigen Lagen sich nicht mehr zu helfen wissen und sich an ihre eigenen älteren Leute wenden mit der Frage, was sie tun sollten. Natürlich könne es da keinen rechten Respekt und kein volles Vertrauen in der Truppe geben.
Beim Angriff selbst dann, so erzählen unsere Leute, sei charakteristisch die große Mannigfaltigkeit der ange- l wandten Mittel, Tricks und Listen aller Art. Bald ver- fwendeten sie Gas-, bald Rauchwolken, um unter deren r Deckung vorzukommen. Bald kämen sie in Einzelgrup- pen, bald in größeren Mengen, bald von ihren Sappen -aus, bald von den Gräben. Wenn sie einen Abschnitt angreifen wollen, so legten sie das Feuer immer wieder in anderer Art darauf. Z. B. auf den einen Flügel nur und ließ den anderen frei: oder nur auf die beiden Enden, nicht auf die Mitte, sodaß der in Ruhe bleibende Teil denkt, bei ihm werde nichts erfolgen. Plötzlich seye - aber der Angriff gerade hier ein. Ein nicht an alle Schliche des Feldkrieges gewöhnter Wachtposten lasse sich dadurch leicht überraschen: einem alten Soldaten freilich könnten sie mit solchen Mätzchen doch nichts vormachen.
M Geschten für die „TeMchrand".
Eine offenbar auf guter Kenntnis der einschlägigen
schiff „Deutschland" auf feiner Rückreise von Nordamerika drohen, folgendermaßen aus:
Die Gefahren sind gewiß durchaus nicht gering und Seimkebr des U-Schiffes fein, als sie es nach der An-
Hindernisse, die dem U-Schiff von felitÄü^ M feitet werdest könnten, 'auch manches Phaittästische' ghWö Set und geschrieben wärSen. DaMFährwasser »ohw timore bis zur Ansiüttnönnti der Chesäpeake-Bai ist 'ziemlich schwierig. Die StäötMämmore lliegt etwa -neust Seemeilen oberhalb der Ses,Pätäpsco-Niveg öör Sorffötwä die Greike der Wöser beiWremerhaven und eine Fahrwassertiefc von durchgängig 8 Meter Tiefe bei Niedrrgwafser hat, so daß Sie grüßten Schiffe an die SmSt legen können. Draußen vor der Mündung des Patapsco beginnen die Schwierigkeiten des Fahrwassers mit wechselnden Strömungen und Untiefen, wie sie die' zahlreich in die Bucht einmünSenden Flüsse mit ihren Wasiermengen und Sandablägebungen Yervörrufen. Ein beständiger Baggerdienst'ist hier, genau wie bei uns aus der Weser, vonnöten, um das Fahrwasser überall passierbar zu halten. Große Fischerflottillen sind hier ständig im Betrieb, um die großen Reichtümer des Meeresteiles,! namentlich an Austern, auszubeuten. Die Ausfahrt au^ der Chesapeake-Bai ist eine Meerenge, die gebildet wirü durch die etwa 25 Kilometer entfernt einander gegettüver- liegenden Kaps Henry und Charles, beide durch starte’ Lichtfeuer bezeichnet. Etwa zehn Seemeilen außerhalb von Cap Charles ist, als Ansteuerungsmarke, ein Feuerschiff stationiert, denn die eigentliche Einfahrt zwischen den beiden Caps ist durch die dem Cap Charles weit vorgelagerten geringen Wassertiefen verengert. Die sicherstes Bs zu 20 Meter tiefe Durchfahrt befindet sich dicht unter Cap Henry auf der Ostseite der südöstlich ausmündenden Bai. Bis hierhin ist es von Baltimore ein Weg von über 155 Seemeilen.
Dem U-Boot kann nach menschlicher Voraussicht bis hierhin nichts geschehen. Es wird ausgetaucht unter Lotsenführung fahren, und für seinen geringen Tiefgang kommen die Fahrwasserschwierigkeiten gar nicht in Be- rracht. Der normale Zustand ist, daß der Lotse erst außerhalb des Kaps, in der Nähe des Feuerschiffes von Bord geht. Unser U-Schiff wird ihn aber nur bis Hampton-Roads in Anspruch nehmen und dort seinen Zeitpunkt für das Entschlüpfen aus der Bucht wählen und abwarten. Drei Seemeilen außerhalb des Kaps werden gewiß die feindlichen Häscher in großer Anzahl aufs heißeste bemüht sein, den kostbaren Fisch zu fangen oder zu töten. Aber von beiden Kaps bereitet sich das unendliche Meer, in das unser U-Schiff auf allen Linien eines Fächers hinaussteuern kann. Daß ihm der Weg mit Minen oder Netzen verlegt werden könnte, ist ein Unsinn, denn die aus- und eingehende Schiffahrt von Baltimore und den anderen Häfen der Chesepeake-Bai ist außerordentlich lebhaft: jedes dem U-Schiff zugc- dachte Hindernis bestände auch für die bei Tag und Nacht aus den verschiedensten Kursen der Meerenge zusteuernden oder aus ihr kommenden Seeschiffe vieler Nationen, die ja wohl England seiner U-Schiff-Jagd doch nicht ohne weiteres zum Opfer fallen lassen dürfte, ohne bei der Union ernstlich anzustoßen. Also außer einer ziemlich bedeutenden Jagdmeute an größeren und kleineren feindlicher: Schiffen, die mit Luchsaugen die Wasserfläche nach einem verräterischen Zeichen absuchen und ihre Kanonen stets geladen haben, wahrscheinlich auch einer nicht zu unterschätzenden drahtlosen Spionage, wird unsere „Deutschland" besondere Hindernisse nicht finden. Diese sind freilich ernst genug, denn sie werden das Schiff während seiner ganzen Reise über den Ozean und dann erst recht beim Wiedergewinn der Nordsee begleiten. Um für diese ganze Dauer von vielleicht 14 Tagen die schärfste beständige Anspannung ertragen zu können, öazu bedarf es, daß das Schiff und Mann sich ohne jedes Versagen aufs äußerste bewähren, daß an Tüchtigkeit
hat. Wir wissen Männer an Bord, die sich darüber klar sind, im Dienste des Vaterlandes auf besonders hohe, weithin sichtbare Posteil gestellt zu sein, die ihren Auf- aaben aber in ieder erdenklichen Weise aewachsen sind.'
Befanntmedjimg.
Das Betreten und Befahren der 'zum Mtlergut Meisebach gehörigen
Ländereien und Wiesen ist
polizeilich verboten.
Uebertretungen werden unnachsichtlich bestraft.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Stadt Hersfeld belegene im Grundbuche von da Band 47 Blatt 2042 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kürschners Emil Groß und seiner Frau Terese geb. Hahn in Hersfeld je zur ideellen Hälfte eingetragene
Rittergut Mersebach, den 31. Juli 1916. Die Po lizeiverwattung Krantz, Gutsvorsteher.
Ordentliches, fleißiges manchen vom Lande auf sogleich gesucht.
Reichsbankstr. 7 II.
Grundstück:
Ktbl. A. Nr. 1243/285 Clausstraße Haus Nr. 390. a. Wohnhaus mit Hofraum, ff. Anbau an das Wohnhaus 1 ar 45 qm
773 Mk. Gebäudesteuernutzungswert
am 30. Oktober 1916
vormittags 9 Uhr
durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Hersfeld, den 28. Juli 1916.
Bekanntmachung.
Mittwoch, den 2. August,
nachmittags Ä% Uhr
wird die zu dem Carl Freund'schen Gut auf H o f Wehneberg gehörige Ernte nämlich:
17 Acker Korn, 8 Acker Hafer, 1 Acker
Weizen, Va Acker Grummet Gras
öffentlich an den Meistbietenden versteigert.
Der Zuschlag erfolgt sofort. Der Kaufpreis' kann auf Verlangen bis zum 1. Oktober ds. Js. gestundet werden.
Hersfeld, den 29. Juli 1916.
Schandua,
vereidigter Auktionator.
Skiftnkack nicht M^
Bestellen Sie sofort, da Rohmaterialien fortwährend im Steigen und nur schwer zu bekommen sind.
ersatz
Zentner Mk 44.—
Königlicher Amtsgericht.
in grosser Auswahl und bester Qualität.
werden schnell und billig ausgeführt. F. Sauer
Bad Mein
Prima Düngekalk
Heidekraut z. Streuen.
Kahn & Steinert, Cafleh
Monteure ii. Arbeiter für Freileitung und Ortsnetzbau sofort gesucht.
Baubüro der
Siemens-SchucKert-Werlfe.
Cassel, Karthäuserstr. 16.
Auguste Bittoria Haus.
Am Dienstag den 1. August, nachmittags 3 Uhr, wird die vom Vaterländischen Frauenverein eingerichtete Aß- mi> GemilseverivkrtiiUSßklle wieder eröffnet. Wir bitten herzlich um gütige Zuwendung von Obst und Gemüse und forderen auch die freundlichen Helferinnen auf, uns wieder zu unterstützen.
Der Vorstand.
Wir suchen zum sofortigen Eintritt mehrere
ittr
Benno Schilde,
Maschinenfabrik u. Apparatebau G. in. b. H.
Rechnuugsformulare
liefert billigst
Ludwig Furios Buchdr uckerei,
10-Pfd Probe-Post- eimer Mk. 5.65 frei jeder Poststation
______ 20 Pfd.-Probe- ■ Bahn-Eimer Mk.
10.50 frei jeder Bahnstation.
in 1 Pfd. Stücke gepreßt Zentner
Mk. 70.00. 10 Pfd.° ProbePostPaket frei Mk. 8.50. Versand unter Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages.
Deutliche Namen, Post- und Güter Empfangs- statiou erforbcritd).
Seifen Versand Ab teihniß 5
B. Fromouillsch
Eschwege a./Werm.
Arbeitsbücher — sind vorrätig in — MitiiksBiiDriilkerki.