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Leute hatte es so eilig, an den Feind yeranzukommen, Laß sie unter unser eigenes Sperrfeuer kam. Am näch­sten Morgen trieben wir dann die Deutschen vollends aus dem Walde, mußten aber finden, daß sich die meisten von ihnen bereits unter dem Schutze der Dunkelheit zu­rückgezogen hatten.

Ueberaus seltsam ist die Lage am Troneswald. Die Deutschen und wir halten ihn abwechselnd, und es geht die Rede, datz, wer ihn auch erobere, ihn nie lange be­halten könne. Aus diesem Grunde haben sich die Deut­schen dort auch wohl gar nicht befestigt. Einst war es ein dickbestandener Wald, aber der Feind und wir haben ihn so häufig beschossen, daß dort jetzt keine Deckung mehr zu finden ist und dasHöllenloch", wie unsere Leute den Wald nennen, unter ein Artilleriefeuer gebracht werden kann, das keine Truppe aushält. Darum haben wir nichts dagegen, daß ihn die Deutschen vorläufig behalten.

Marineluftschiffbomben auf einen

feindlichen UbootstützpunKt.

Eine amtliche WTB.-Meldung besagt: Eines un­serer Marineluftschiffe hat am 25. Juli einen Angriff auf den Hauptstützpunkt der russischen und eng­lischen U-Boote in Mariehamn ausgeführt und die dor­tigen Hafenanlagen mit 700 Klgr. Sprengbomben mit gutem Erfolgbeworfen. Trotz heftiger Beschie­ßung ist das Luftschiff unbeschädigt in seinen Flughafen zurückgekehrt.

Mariehamn liegt auf der finnischen Insel Aaland, gegenüber der schwedischen Küste.

Schritte der Neutralen gegen die t Aufhebung der Londoner Erklärung.

Aus Kopenhagen meldet der Draht: Das Mi­nisterium des Aeußeru teilt mit: Im Hinblick auf die englische Order in Counoit vom 7. Juli 1916, in der die Londoner Erklärung für endgiltig aufgehoben erklärt wird, und gewisse Seerechtsregeln festgesetzt werden, ha­ben die dänische, die norwegische nnd die schwedische Re- gierung, die diese Regeln in mehreren wesentlichen Be­ziehungen als mit den völkerrechtlichen Grundsätzen nicht übereinstimmend betrachte, durch ihre Vertreter in Lon­don bei der englischen Regierung sich vorbehalten, die Vorstellungen und Vorbehalte geltend zu machen, zu de­nen die Anwendung der erwähnten Regeln Anlaß geben könnte. Ein entsprechender Schritt wurde bei der frau- zösischen Regierung wegen ihres Erlasses vom 7. Juli 1916 betreffend die Aufhebung der Londoner Erklärung getan.

Das AmsterdamerHaudelsblad" spricht die Erwar­tung aus, daß die englische Regierung bald einsehen werde, daß sie eine völlig ungerechtfertigte Kriegsyano- lung gegen die niederländischen Fischersahrzenge be­gangen habe und daß sie nach Bezahlung einer ent­sprechender: Schadenvergütung die Fischer wieder frei- lasien werde.

Die Geduld der Neutralen, die von England auf eine harte Probe gestellt wurde, scheint sich doch endlich zu erschöpfen.

Die höfliche Protestnote Wilsons.

DieBoss. Ztg." meldet, Präsident Wilson werde, wie französische Blätter erführen, wegen der englischen fchwarzen Listen eine in höflichen Ausdrücken gehaltene Protestnote an England richten.

Die rumönische Wolle.

In einem längerenFalsche Rechnung" betitelten Berliner Telegramm derKöln. Ztg." wird die große Widerstandskraft der Mittelmächte geschildert und die alle scheinbar gewissen feindlichen Berechnungen urplötz­lich über den Hänfen werfende Fähigkeit der Mittel­mächte zu gewaltigen Kraftanstrengungen, da wo man sie überhaupt nicht vermutete. Das sind Erfahrungen, über die zwar nicht die politischen, wohl aber die mili­tärischen Führer Italiens, wie bestimmte Anzeichen lehren, sehr aufmerksam Nachdenken. Sie sollten sich, vor allem die leitenden Männer Rumäniens, durch den Kopf gehen lassen, die jetzt mit Erwägungen über die endgül­tige Stellungnahme ihres Staates beschäftigt sind, Er­wägungen, die vermutlich in den nächsten Wochen äum Abschluß kommen werden.

Gegenüber allen lockenden Aussichten verhältnis­mäßig gefahrlos und billig scheinender Gewinne sollten ie diese unerschöpfliche Fähigkeit, unliebsame, aber ent- cheidende militärische Ueberraschungen ins Werk zu etzen und durchzuführen, wohl im Gedächtnis behalten. Denn diese Fähigkeit ist nicht auf die Westfront be­schränkt nud findet in der jetzt wieder bewiesenen öster­reichisch-ungarischen Fähigkeit neue Bekräftigung. Wer will, samt in zwei Jahren eine Menge lernen und voll dem, was die führenden Persönlichkeiten gelernt haben, hängt gemeiuiglich das Schicksal der ihrer Führung an­vertrauten Völker ab, vor allem von dem, was sie von der wahren Kräfteverteilung im Stil der großen Politik begriffe« haben. Wenn die zwei Kriegsjahre eins über Zweifel hinweg bewiesen haben, so ist es die Bedeu­tungslosigkeit der Zahl gegenüber der Führung, der Or- gauisatiou und dem inneren Wert der militärischen Kräfte

Die Rechnung auf ein Erlahmen der Mittelmächte ist falsch, ob sie sich auf die überlegene Menschenzahl der anderen oder auf Nahrungsmangel in Deutschland stützt. Was der Verband der vierfachen Erfolglosigkeit irgend noch vorbereitet, würde, auch wenn es ihm gelingen sollte, ein ueues Gefchüft zu machen, wobei ein neuer betörter Freund sich dem anderen Hereiugefallenen zu- aesellt, in einer Weise zunichte gemacht werden, die sehr deutlich an die üblen Erfahrnugen erinnern dürfte, von denen die englischen Gefangenen berichten. Die richtige Rechnung ist, wie die Engländer aus letdvoller Erfah­rung bestätigen können, daß die allein maßgebenden militärischen Entscheidungen vom Vierverband llicht her­beigeführt werden können, auch nichtmit neuen Helfern, und daß die beste politische Gemeinschaft der Gegenwart eine Verständigung mit den Mittelmächten ist, nicht der Kampf gegen sie, den auch keine englisch-französische Mu- nitionszufuvr aussichtsreich gestalten kann. Kein poli­tischer Glaube ist jetzt trügerischer als der an den retten­den UmsclnvllNg, den zn mehren sich die Herren in Lon­don, Paris und Petersburg neuerdings wieder so eifrig bemühen, während es für ihre Heere bei der andauern­den hoffnungslosen Erfolglosigkeit bleibt.

DerB. L.-A." veröffentlicht ein Gespräch des Ver­treters derUnited Preß" mit dem ungarischen Abgeord- ueleu Grasen Julius Audrassy, in der dieser sagte, wenn die Mittelmächte, wie er bestimmt hoffe, ihre augenblick­lichen Linien halten könnten, so sei darauf zu rechnen, daß Rumänien neutral bleibe.

Italiens Entscheidung abermals verschoben.

Mailttuder Zeitungsberichten aus Rom zufolge keh­ren die im Häuptguartier weilenden Minister vorläufig nicht stach Rom »W, N WM WW äst M

Front Levorständen. Es sei deshalb vorläufig keine Eni- scheidung in der Krise mit Deutschland zu erwarten. Der Avanti^ erfährt, daß im Falle einer Kriegserklärung mehrere Minister entschlossen feien, zurückzutreten. Uebrigens liege die Entscheidung nicht mehr in Rom, sondern bei den Verbündeten.

Kriegsalieriei.

König Ludwig bei der Hochseeflotte.

Die Korrespondenz Hoffmann meldet amtlich: Auf Einladung des Kaisers hat der König von Bayern in diesen Tagen der deutschen Hochseeflotte einen Besuch abgestattet und zwei Tage an der Küste verbracht. Hier­bei nahm der König auch die Gelegenheit wahr, eine Reihe von Bayern zu begrüßen, die in der Marine Dienst tun.

Englands irische Sorgen.

Aeußerungen der Pariser Blätter lassen lautB. T." erkennen, daß die irischen Wirrnisse in französischen Re- gicrnngskreiscn sehr verstimmend gewirkt haben. Man befürchtet eine unangenehme Rückwirkung auf die Stim­mung in Amerika.

Fidschi-Insulaner alsKulturkämpfer".

Nach derDaily News" werde gegenwärtig auf den Fidschi-Inseln ein Eingeborenenkontingent gebildet, das als Expeditionskorps für Europa bestimmt sei.

Ein schwacher Trost.

II.

DieNordd. Allg. Ztg." bringt unter dieser Ueber- schrist den zweiten Artikel, der sich mit den Zustän­den in Rußland an der Hand russischer Preßstim- men beschäftigt. Daraus sei das folgende nuedergegeben:

AlsoKatzen- und Hundeflestch, Feldmäuie nud Krähen bilden unsere Nahrung". Eigentlich ist das nicht wunderbar, da wir ja nach russischen Nachrichten bereits im vorigen Jahre alle Tiere aus den Zoologischen Gär­ten geschlachtet und anfgegessen, das Bratfett dazu aus den städtischen Abwässern aufgefangen haben. Unwill- türlich fiel uns aber dabei HerrUnbekannter" (Nets- wjeftni") ein, der unter der UeberschriftMiniaturen" in denMostowskija Wjeöomosti" so niedliche Feuille­tons schreibt und die Not des russischen Alltags in le- bensfrischer Schilderung im Moskauer Bolksdialekt durch die Sowie des Humors verklärt. Am 16. Juni 1916 schreibt der HerrUnbekannte" folgendes:

Da habe ich einen Brief bekommen, der am Kopfe folgende Anrede trägt:Herrn Unbekannten von einem Unbekannten." Es ist nett, ein Briefchen von einem Kollegen zu erhalten. Um so mehr als ihn ein Freund der Tiere schreibt, nud ich selbst liebe die Freunde der Menschheit. Gleichwohl, ich will die Verantwortung für die Geschichte meinem Korrespondenten überlassen. Ich hatte schreibt er 2 Angorakatzen und einen Hund, SorteSpaniol", nicht mehr sehr jung, sehr ge- pstegt und gut ausgesiittert. Und, deuten Sie sich, eins nach dem anderen verschwinden diese Tiere. Zuerst kam der KaterMorton" weg, dann der HundDick" und schließlich die KatzeKrassawitza" (die Schöne"). Ich suche, laufe, publiziere in den .Bettungen keine Spur. Verstehen Sie, das hat mich so aufgeregt, daß ich mich sogar ins Bett gelegt habe. Da kommt zu mir meine Köchin und verkündet geheimnisvoll: Gnädiger Herr, Ihr Kätzchen und ihr fundet sind gewiß von den Wurst­machern gestohlen. Ich denke, was soll das heißen, nennt man etwa so eine Sorte Diebe? Nein, sagt sie, jetzt macht man bei den kleinen Wurstmachern billige Wurst. , , . Dreien o

Hund und Kater. Das Fell verkaufen sie den Kürschnern, und das Fleisch in die Wurst, bei Gott, ich lüge nicht. Großartige Geschäfte urachen sie. Woher weißt Du denn das? Der alte Jewmemtsch hat's ausgeplaudert, der Kommis vom Wurstmacher nebenan. Er ist zu sich aufs Dorf weggefahren, hatChausha" (russischer Haus- schnaps aus denaturiertem Spiritus) getippelt, und wie er zubeitzen will, da sagt er: Nur keine Wurst, die soll dieser oder jener die ist ja mit Hundefleisch, und da hat er alles erzählt. Also sehen Sie, Herr Unbekann­ter, wie weit unsereErnährer" gekommen sind. Ich bitte Sie, das alles zn veröffentlichen. Zu veröffeut- lichen bin ich nicht abgeneigt: aber soll es denn wirklich wahr sein, daß wir jetzt Wurst mit Katzen- und Hnnde- fleisch essen? Es ist wirklich zum Verzweifeln!"

Ist der Herr Unbekannte vielleicht inzwischen Aus­landsberichterstatter vomAnzeiger des Gärdekorps" geworden und schreibt er aus Moskau über Deutschland wie Wippchen aus Bernau über Kriegsereignisse in den fernsten Ländern?

Dann werden noch weitere Schilderungen desselben Verfassers über die hohen Fleisch-, Fisch- und Gemüse- preise sowie über das Fleifch-Stehen" zitiert. Weiter heißt es:

In Petersburg sind die Leute humorloser, dort wird in den Zeitungen öfters verärgert geschimpft, oder wie z. B. in derNowoje Wremja" vorn 3. Juli, ein Berichterstatter stimmt elegisch seine Leier im Zwielicht der weißen Nächte:Nachts um eins, zwei, wenn der Lärm des Tages erstirbt, beginnt das.Leben derPolo­näsen". Bei den Fleischbude,i schläft im Stehen die lange Kette der Hoffenden, 3 Pfund Fleisch zn bekommen. Um 7 Uhr morgens gibt es Fleisch. Aber am Nikolai­bahnhof steht eine zweite lange Reihe: Studenten, Fräu­leins, Dienst Männer mit roten Mützen. Sie warten auf die Kaffeneröffnung, um Fahrkarten zu erhalten. Selten lächelt das Glück. Wenn niemand die Karten vorher er­wischt hat, wenn wenig Offiziere reifen wollen, dann gibt es direkte Fahrkarten. Meistens sind aber nur uüdjc für den Nahverkehr vorbandeu. Leute mit Telbst- beherrfchuna und Charakter stehen die nächste Stacht. Die Schwächeren verzichten auf die Reise und warten auf einen Zttsall, der selten kommt und viel Wirtschaft verursach. Der Tieustmaun bekommt 10 Rubel für die Nacht, ganz gleichgültig, ob er eine Fahrkarte bringt oder nicht. Dgs Ganze ist eine Art Hasardspiel. Bloß der Totalisator fehlt noch. Es gab Fülle, wo einer sechs Nächte Bintereinander stand, ohne eine Fahrkarte zu be­kommen."

Wer unsere Familien zu Pfingsten oder jetzt zu Beginn der großen Ferien auf den Berliner Bahnhöfen in ungeheuren Scharen frisch und fröhlich hat abreisen sehen, wird den Schmerz der Petersburger zu ermessen wissen! Ja, wenn wir unsere herrlichen Eisenbahnen, nwre wundervolle Ordnung nicht hätten.

DieNordd. Allg. Zig." bringt noch weitere ^ü^ teilungen derNowoje Wremm" über einen schweren Unglücksfall im Bahnhofsgedränge und über das fast völlige Versagen des Telegraphen in Rußland. Sie fährt dann fort:

Doch wir müssen zurück zu den russischen Fleuch- töpfen: DiePetersburger Börsenzeitung" bringt die Nachricht, daß in Simpberopol die Kamele geschlachtet und gegessen werden. Armes, nützliches Tragtier der weiten taurischen Steppen! Dort im Gouvernement Tannen werden jetzt die deutschen Kolonistenligni-

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übrigen Grundbesitzer vernMet. So wird das weil«, Land zu einer wirklichen Wüste. Die Kamele aber, die Schiffe der Wüste, sollen das Unglück Tauriens nicht überleben!

Aus Kiew bringt dieNowoje Wremja" vom 4. Juli ein erbostes Telegramm: Die Kiewer städtische Verpflegungskommission hat beschlossen, das Karten­system für Fleisch, Zucker und Milch einzuführen und gleichzeitig einKartengeld" von 5 Kopeken das Stück zu erheben.

Früher saunte mau in Rußland nur die Spielkar­ten, die aber gründlich. Darum machte man im vorigen Jahre faule Witze über Deutschland und sagte, daß wir hier Brotkarten spielten. Die Witze sind verstummt, eine Stadt nach der anderen macht uns die Karten nach, so gut oder vielmehr so schlecht sie es sann; in Petersburg und Moskau hat man schon gebrummt, daß auch Karten nichts helfen, wenn es nichts zu verteilen gibt.

Der Artikel behandelt ferner die heillosen Zustände nr den russischen Kurorten, die furchtbaren sanitären Verhältnisse, besonders den Mangel an ärztlicher Für­sorge auf dem platten Lande und die ungeheure Woh- nungsnot, der ein Antrag der Kadettenpartei durch Festsetzung von Höchstpreisen abhelfen will. Hierzu wirr gesagt:

Es würde zu weit führen, diese für Rußland breit» nende -rrage, die täglich besonders in der Presse der Provinzstädte einen großen Raum einninnnt, des nä­heren zu beleuchten. Das platte Land ist von Arbeits. krästen entblößt, die Städte sind mit Bewohnern über- sullt, für die die Heranschaffung von Lebensmitteln und Herzmaterial bei dem Versagen der Eisenbahnen fast unüberwindliche Schwierigkeiten macht. Zur längst ge­planten zwangsweisenEvakuierung" Petersburgs, der Entlastung der Stadt von überflüssigen Mäulerrr, wird es wahrscheinlich demnächst kormrren. Ueber dieZer­rüttung des Transportwesens" hat die Zensur den Zei­tungen verboten zu schreiben.

Zum Schlüsse noch einige Worte über die russischen Beklerdungsschwierigkeiteu. Auf Baunrwolle und Wolle sind Höchstpreise gesetzt, die nach zahlreichen Mitteilungen der offiziellenHandels- und Jndustrieztg." fortgesetzt umgangen werden. Unberührt geblieben sind aber fertige Gewebe, und es geht ein Stöhnen durch ganz Rutzlank über die unerschwingliche Höhe, die Stoffe aller Art er­reicht haben. Die nationale Mannfakturwarenindustric nimmt die russischen Landleute ordentlich hoch, wenn sie auch vielleicht den Ast absägt, auf dem sie sitzt, wie Kalu- pin in derNowoje Wremja" vom 10. Juli ausfichrt Die nationalen Gewerbetreibenden haben nur an leich­tes Verdienen gedacht, an die äußerste Bedrückung bei Verbrauchers, nicht aber an eine Entwickelunq der In­dustrie." Man kann sagen, daß die armen Beamten uni alle auf festes Einkommen gestellten Kreise ihre letzten Kleider abtragen.

Da wir ja in Deutschland Stiefel aus Zeug tragen sollen, die nur 6 Wochen halten, wird es ganz zryeck- mäßig sein, zu hören, wie die Russen sich helfen. Nach bei Itowvje Wremja" vom 6. Juli haben die Beamten bei Katharinenbahn in JekaterinoSlaw als ersten Anfang 500 Paar Bastschuhea la moujigue" bestellt, woran sich auch die Herren Ingenieure und Abteilungschefs betei­ligt haben. Sie wollen wenigstens zu Hause in Bast­schuhen gehen und so die Hälfte Schuhioerk sparen. Wenn die sonst so eleganten Herren Eisenbahningenieure, die eine schöne Uniform mit blanken Knöpfen und grünen Ilufschlägen tragen zum Paradeanzug einen Galan- teriedegen sich nicht genieren, in Bastschuhen herum- zulaufen, brauchen wir uns auch nicht zu schämen, in Zeugschuhen zu gehen, wenn wir es wirklich nötig hät­ten. ___________

Ueberhanpt können wir Mkb W W ekE rnP geheuren Stoffülle vorgebrachten sViatcriat über die Lage in Rußland neidlos auf unseren östlichen Nachbar sehen dessen ungeheure Bodenschätze dem Lande mit seiner nüchtern gewordenen Bevölkerung eine glänzende Zu­kunft verheißen", wie Zar 'Nikolaus sagt dessen Ge­genwart aber reichlich triibe ist. W. T. B.

Vermischtes.

Lebenszeichen von einem Läugftbeweinte». Eine freudige Ueberraschung wurde der Familie Makitzki in Bönen bei Ha nun zuteil. Frau Makitzki, die ihren Mann längst als tot beweint hatte, erhielt jetzt, nach zwanzig Monaten ein erstes Lebenszeichen von ihm, uns zwar aus Kanks in Sibirien, wo er sich in russischer Ge­fangenschaft befindet.

Frau Hamster a«f Reisen. Ein weiblicher Berliner Ferienhamster wurde, wie dieNatl. Ztg." berichtet, in Bad Kissingen kurz vor der Abreise entdeckt. Aus dem Gepäck wurden hervorgeholt und beschlagnahmt: 37 Pfö. Butter, 180 Eier, 9,5 Pfund Gries, 2,5 Pfund Reis, 6 Pfund Mehl und an 20 Pfund Wurst.

Aus dem Leben des Kapitäns König, des Führers des Handels-UnterseeschiffesDeutschland", teilt dem Rens. Stadtbl." eine Leserin, welche der Familie König nahesteht, einige Einzelheiten mit. Sein Vater, der Pastor war, starb sehr früh und ließ die Witwe mit einer geringen Pension und drei Töchtern sowie einem Sohne zurück. Es mag ihr oft genug schwer geworden sein, sich mit den Kindern durchzuschlagen. Deshalb billigte sie den Rat des Vormundes, den Knaben ebenfalls wieder dem geistlichen Stande zuzuführen, weil ihm deshalb Sti­pendien zustatten gekommen wären. 5u§ alle Bitten, ihn Seemann werden zu lassen, nicht» halfen, ging der junge Paul König auf eigene Faust nach Hamburg: und da er nicht sogleich eine Stelle als Schiffsjunge bekom­men konnte, verdiente er sich den ersten Winter sein Brot mit Kohlenschaufeln. Von der Mutter konnte er nichts be­kommen. des Onkels Haus und Hand blieb ihm utr Jahre verschlossen. So hat er sich mit Fleiß und Energie in die Höhe gearbeitet.

Zwei alte Wetterpropheten, K. und R., umerhalten sich, so lesen wir imVerö. Krbl.", über die zeitige un­günstige Witterung. Plötzlich meint K.:Jetzt warb t aber bald anners?Wofo?" fragt R. ganz erstaunt. Ja, heft Du denn nich inr Zeitung lesen, bat se in Amerika jetzt sonc grasige Hidd hebln, un d. kriegt wt wi hier ok röber".Glof doch so was nick", meint da­rauf R. ganz trocken, de las de Engländers gor nich dörch!"

Weitere Drahtnachrichten«

Wiederholter Kaiserbesuch im Kölner Dom.

Köln, 27. Juli. (L.-A.) Der Kaiser bat bereits etwa vor vier Wochen gelegentlich seiner Durchreise vom Osten nach dem Westen den kurzen Sugaufembait in Köln zu einem kurzen Besuch des Domes beiuitzt. Auch damals hatte niemand zunächst eine Ahnung von der An- Wesenheit des Kaisers gehabt.

Von derDeutschland."

Genf, -27. Juli. (V. Z.) Dem PariserJournal" wird aus Baltimore berichtet, die amerikanische Behörde habe die Funksprnchapparate derDeutschland" nUter Kiesel gelegt.