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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 174.

Donnerstag, den 27. Juli

1916

Mht Teil.

Hersfeld, den 24. Juli 1916.

Es bietet sich möglicherweise Gelegenheit eine größere Anzahl junger russischer Gänse im Alter von ea. 45 Monaten in den Kreis Hersfeld einzuführen. Interessenten wollen Bestellungen bis zum 80. ds. Mts. hierher einreichen. Der Preis beträgt ein­schließlich aller Unkosten voraussichtlich 56 Mark. Eine Verpflichtung für die Lieferung kann vom Kreise nicht übernommen werden.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. A. No. 8990. I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 13. Juni 1916.

Durch Retchsgesetz vom 12. Juni 1916 sind mit Wirkung vom 1. Jannar 1916 ab folgende Aenderungen in den Bestimmungen über die Invaliden- und Hinter­bliebenenversicherung eingetreten.

1) Die Altersrente wird bei Vollendung des 65. (seit­her des 70.) Lebensjahres fällig.

2) Die Waisenrenten sind für alle Waisen eines ver­storbenen Versicherten gleich hoch; sie betragen je drei Zwanzigstel des Grundbetrags und der Stetgerungssätze der Invalidenrente, die der Er­nährer zur Zeit seines Todes bezog oder bei In­validität bezogen hätte (bisher nur für eine Waise 3/ao und für die übrigen nur st«). Dazu kommt, wie bisher, für jede Waise der Reichszuschuß von jährlich 25 Mk.

3) Die in den §§ 1294 und 1295 bezeichneten Höchst­grenzen (Witwen- und Waisenrenten zusammen höchstens M» so hoch als die Invalidenrente des Verstorbenen; Waisenrenten zusammen höchstens so hoch als diese Invalidenrente) sind weggefallen.

4) Die Kinderzuschüsse für Jnvalidenrenten-Em- pfänger (je ein Zehntel der Rente) werden auch unter 15 Jahren für jedes Kind (bisher nur höchstens 5 Zehntel für höchstens 5 Kinder) ge­währt.

In allen Fällen, in denen Renten seit dem 1. Januar 1916 festgesetzt sind, die sich nach den vor­stehenden neuen Bestimmungen höher stellen würden, erfolgt von Amtswegen eine anderweite Be­rechnung und entsprechende Nachzahlung an die Be­rechtigten. In diesen Fällen bedarf es einer Autrag- stellung nicht. Dagegen sind wegen der auf gründ der neuen Bestimmungen früher als bisher fällig werdenden Altersrentenansprüche die Anträge auf den üblichen Vordrucken entgegenzunehmen.

In Verbindung mit den Rentenausbess^rungen hat das neue Gesetz eine Beitragserhöhung vorge­schrieben. Sie wird am 1. Januar 1917 eintreten und beträgt für jede Lohnstufe 2 Pfg. wöchentlich. Unsere Bekanntmachung über die Höhe der im dortigen Kreis zu entrichtenden Jnvalidenversicherungsbeiträge er­fährt daher vom 1. Januar 1917 ab die Aenderung, daß für die Beiträge der Lohnklasse l, ll, in, iv und v statt der bisherigen Wochenbeiträge von 16, 24, 32, 40 und 48 die neuen Sätze von 18, 26, 34, 42 und 50 treten. Beitragsmarken alten Wertes dürfen für Zeiten nach dem 1. Januar 1917 nicht mehr verwendet werden. Wer dann noch Marken alten Werts hat, kann sie bei den Postanstalten Umtauschen. Dieser Umtausch muß aber spätestens innerhalb zweier Jahre nach dem 1. Januar 1917 erfolgen.

Ich ersuche die Ortspolizeibehörden, Vorstehendes auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.

Königliches Versicherungsamt.

J. B. No. 1326. Der Vorsitzende:

I, :

v. Heöemann, Reg.-Assessor.

Hus der Heimat«

* (Das Kriegsportol) Der Staatssekretär des Reichspostamtes hat bestimmt, daß die in der Nacht zum 1. August um 12 Uhr 1 Minute und später eingelieserten Postsendungen usw. der Reichsabgabe unterliegen. Alle Hansküsten der Postanstalten und der Bahnposten werden, soweit Unterbeamte vorhanden sind, zur Mitternachtsstunde außergewöhnlich geleert. Sendungen, die in gewöhnliche Brieskästen gelegt sind, gelten bis zur ersten Leerung am Morgen des 1. August noch als nach der alten Ordnung frankiert. Die neuen Marken werden am 28. Juli ausgegeben.

* (Treue um Treue.) In einem Appel an die Daheimgebliebenen zum Durchhalten schreibt man demKöln. Lok.-Anz." aus dem Felde: Ohne das Be­wußtsein des Sieges in der Heimat läßt sich draußen nicht siegen. Nicht kämpfen und sterben können sie im Felde, wenn die Heimat verzagen wollte. Das muß der Krieger wissen, er muß es sehen, daß die daheim eine schwere Zeit zu überwinden die Kraft besitzen. Er weiß, daß im Land der Kampf nicht leicht ist aber daß er bis zum Ende durchgekämpft wird' ist ihm, der nur die Pflicht kennt nnd sie in jedem

Augenblick mit dem Tode zu besiegeln bereit ist, eine Selbstverständlichkeit. Wer es je im Felde er­lebt hat, welcher Widerwille den von einem bewußt oder unbewußt geschriebenen Jammerbrief Be­troffenen erfaßt, wird es verstehen, wenn man immer wieder Frauen und Mütter so eindringlich ermähnen muß, doch nicht mit kleinlichen Sorgen ihren Männern nnd Söhnen den Glauben an die Heimat aus dem Herzen zu reißen. Fühlt ihr denn nicht, daß ihr den Tapferen das teuerste Kleinod raubt: den Stolz auf die Heimat, auf ihre Unüberwindlichkeit? Sollen die deutschen Krieger ihr Heldentum begraben oder würdet ihr nicht besser eure kleinen Kümmernisse begraben? Sprecht nicht in eueren Briefen von Ent­behrungen, wenn euere Männer im Trommelfeuer tagelang von trockenem Brot leben! Klagt nicht über teuere Preise, wenn sie draußen ihre Treue zum Vaterlande mit dem Leben bezahlen! Sie wissen alle, daß ihr kämpft, sie wollen aber auch wissen, daß ihr kämpft wie sie: ohne Klage, freudigen Mutes, furcht­los und treu. Treue um Treue! Das schreibt ihnen ins Feld, dann wird das Kämpfen froher, das Sterben leichter.

):( Hersfeld, 26. Juli. (Tierschau Hagenbeck.) Eine Wander-Tierschau großen Stils befindet sich trotz der schweren kriegerischen Zeiten auf Reisen und hat ihre Zeltbauten gegenwärtig auf dem Marktplatz zwecks kurzen Aufenthaltes und Gastspieles errichtet.

Mit dem NamenHagenbeck" verknüpft sich der Begriff der überseeischen Tierwelt aller Gattungen und Erdteile. In der Tat dürfteHagenbecks Tierschau" kaum ein zweites Unternehmen ähn­licher Art an die Seite gestellt werden können, so daß es nicht verwunderlich erscheint, wenn die Eröffnungs­vorstellung gestern abend vor einem brechend vollen Hause" stattfand. Ein außerordentlich reichhaltiges Programm, das flott hintereinander abgewickelt wird, läßt den Zuschauer aus dem Staunen und Bewundern nicht herauskommen; vom Anfang bis zum Schluß dem Bändiger mit etwa zwei Dutzend der weiß- felligen Bewohner des nördlichen Eismeers ansge- führt, zu erwähnen. Die ungeschlachten riesigen Vier­füßler gehorchen ihren unerschrockenen Herrn ebenso auf jeden Wink, wie die prachtvollen Tiger ihrem Dresseur Feldmann. Das furchtbarste und am schwierigsten zu bändigende Raubtier ist bekanntlich der Tiger; umso bewundernswerter ist der mit 8 dieser Riesenkatzen gezeigte Bändigungsakt, in dem Herr Feldmann ohne jede Waffe die Tiger nach seinem Willen dirigiert. Der sprichwörtlichen Intelligenz und riesenhaften Kraft des Elefanten gibt eine Gruppe dieser Dickhäuter unter Herrn H. Bauer' s Kommando schlagende Beweiskraft. Diese größten allerFeldgrauen" wurden von Hagenheck der Mili­tärverwaltung zur Verfügung gestellt und leisteten an verschiedenen Kampffronten, hauptsächlich im Fort­bewegen schwerster Lasten, eine, ganz außerordentliche vaterländische Arbeit. Heitere Szenen bewirkt Herr Elskamp mit einer gemischten Bürenkruppe, bei der noch ein Pony und zwei Tigerdoggenmitarbeiten." In drei weiteren, pompös ausgestatteten Dressur- Nummern :Sechs Zwergpferdchen in Freiheit dressiert" und einer ebenso eigenartigen wie fesselnden Zirkus-Nummer:Kamele und Maulesel" betätigt sich Herr Bauer als ein Universal-Dresseur von be­sonderer Begabung; ohne Anwendung von Gewalt­mitteln beherrscht er die von ihm vorgeführten Tiere . und besonders reizvoll wirkt die Kameldressur, die Herr Bauer in der Tropenuniform eines Offiziers der Schutztruppe auf einem isabellfarbigen Pferde reitend auch äußerlich elegant anszustatten versteht.

Mit beinahe weltmännischen Manieren behaftet erscheint der von Herrn Fischer vorgeführte Affe Charlie": die Nummer ist nicht neu, aber trotzdem äußerst spasitg. Wie Charlie speist, Zigaretten raucht, Rad fährt, sich auskleidet etc. stempelt ihn direkt zum Salon-Affen ! Die Heimat desTürken" B r a h i m Hamid scheint uns in Indien zu liegen; seine verflixten Zauberkünste, seine, gegen scharfe Messer, spitze Nägel.und Glasscherben unempfindliche braune Haut sehen zu sehr nach einem Fakir aus, als daß wir an seine türkische Herkunft glauben können. Der Kautschukmann Duvenek nennt seine schlangen- artigen Knochen- und Muskel-Verrenkungen Glceder- spiele; jedenfalls ist seine schwierige Kunst kein Kinderspiel, so wenig wie die samose Arbeit der Springer- und Hand-auf-Hand-Akrobaten. An den Zähnen läßt sich eine junge Dame etwa 15 Meter hoch­ziehen, um hier in der Schwebe sich ihres eleganten Sommerkvstüms zu entledigen und im Trikot am hängenden Seil einige sehr elegante und spielend leicht sich gebende aber viel Muskelkraft erfordernde kunst- turnerische Triks anszuführe«. Zve? nennt sie stch und darf wohl als eine sogen. Zugnummer des Pro­gramms angesprochen werden. Der komische -teil der Unterhaltung liegt beinahe ausschließlich dem Faugkünstler Dietrich Klaus ob; aber er besorgt dies in der ausgiebigsten und erfolgreichsten Weise: zum totlachen! Herr Dietrich Klaus scheint Besitzer einer Porzellanfabrik zu sein; andernfalls esuns.un- erklärlich erscheint, woher der Herr das Geld nimmt

für die schönen Teller, die er jeden Abend dutzendweis bei seiner Fangkunst in Trümmer gehen läßt. Ohne Einschränkung sei es gesagt: HagenbecksRaubtier- Dressur-Schau" ist sehenswert!

):( Hersfeld, 26. Juli. In letzter Zeit ist wieder­holt beobachtet worden, daß jugendlichen Personen und Kinder auf öffentlichen Straßen und Plätzen Feuer­werkskörper abgebrannt haben. Es wird hier­mit darauf hingewiesen, daß die Abgabe von Feuer- werkskörpern und Pulver an Personen von welchen ein Mißbrauch solcher Artikel zu befürchten ist, insbe­sondere an Personen unter 16 Jahren verboten und strafbar ist. Von der Polizei wurde auf dem hiesigen Bahnhöfe ein aus der Erziehungsanstalt Rengshausen entwichener Zögling H. Uhl aus Frankfurt fest ge­nommen und der Anstalt wieder zugeführt. -- An der Hombergerstraße wurde in letzter Nacht ein Wäschedieb st ahl ausgeführt. Zur Ausübung des Feldschutzes sind vom Magistrat noch 2 weitere Hilfsfeldhüter und zwar der Gärtner Seiler und der Tuchmacher Klug angestellt worden.

Ransbach, 24. Juli. Durch einen vorzeitig los­gegangenen Sprengschuß getötet wurde vorgestern nachmittag auf dem benachbarten Kalibergwerk Nippa der 40jährige verheiratete Bergarbeiter Bein von hier. Er hinterläßt eine Witwe und sechs unmündige Kinder.

Bebra, 24. Juli. In den Ketten aufgehängt haben sich in der vergangenen Nacht zwei Stück Rind­vieh des Landwirts Müll in Rockensüß. Die Tiere konnten zwar noch notgeschlachtet werden, doch soll der entstandene Schaden sich auf 3000 Mark belaufen.

Cassel, 24. Juli. Mit dem Abmähen der Gersten- felder ist in der vergangenen Woche in der Umgebung Cassels begonnen worden. So konnte man am gest­rigen Sonntag z. B. auf den Feldern des Gutsbe­zirks Bruchhof, in der Gemarkung Benterode belegen, Tausende von Garben liegen sehen, die des Ein­fahrens harrten. Die gut entwickelten, ausgereiften Wochen was die Halmfrüchte anbelangt, durch­aus nicht geschadet, den Hackfrüchten, besonders den jetzt blühenden Kartoffeln, zum Vorteil gewesen ist.

Cassel, 25. Juli. (Strafkammer.) Fünf Fürsorge­zöglinge, die am 4. März aus der Zwangserziehungs­anstalt Rengshausen ausgebrochen waren, hatten die Umgegend von Bebra und Hersfeld heimgesucht und zahlreiche Diebstähle verübt; so brachen sie beispiels­weise in Hersfeld in verschiedenen Kellern ein, um sich Lebensrnittel und Kleidungsstücke zu beschaffen. Die Burschen wurden dabei abgefaßt und nach Cassel in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Heute hatten sie sich vor der Strafkammer zu verantworten. Die Angeklagten waren geständig. Karl Lohrmann, der eigentliche Führer der Gesellschaft, sowie der an allen Diebstählen beteiligte Heinrich Hohman wurden zu je 3 Monaten Gefängnis, die übrigen drei: Hermann Stöber, Heinrich Rohrbach und Georg Warenfuhr wegen Diebstahls bezw. Beihilfe dazu zu je 1 Monat Gefängnis verurteilt; wegen Bettelns erhielten alle Angeklagten je eine Woche Haft.

Treysa, 25. Juli. Im benachbarten Dorfe Wesen­berg ereignete sich ein tödlicher Unglückfall. Die Kin­der des Landwirts Knauf waren damit beschäftigt, das Jauchenfaß den Eltern nachzusahren. Dabei fiel der neunjährige Knabe vom Wagen und wurde überfahren Aerztliche Hilfe kam zu spät.

Homberg, 23. Juli. Die Verwaltung der Pfarr- stelle in dem benachbarten Hesserode (Klasse Felsbcrg) wurde dem Pfarrer Alfred Münch, der lange Zeit in Indien als Missionar tätig war und erst vor kurzemaus englischer Juternierung znrückkehrte. vom 1. August ab übertragen. Zu demselben Zeitpunkt wurde der Pastor ertraordinarius Franz Münch, zurzeit Pfar- gehilfe an der Uuterueustädter Kirche in Caffel, zum Psarrverweser in Remsfeld (Klaffe Homberg) bestellt.

Worbis, 25. Juli. Ein in Silberhausen beschäf­tigter elsässischer Arbeiter benutzte gestern einen Be­such bet seinen hiesigen Landsleuten zu einer privaten Wurstbestandsaufnahme bei seinen Quartierleuten. Mit dem Arm der ausgleichenden Gerechtigkeit be­schlagnahmte er mehrere große Garwürste und setzte sich in Bewegung. Die Hausfrau brächte jedoch nach Entdeckung des Verlustes alt und jung auf die Beine und nahm mit Erfolg die Spur auf. Bei der Stadt- kirche sah sich der UeOeltätcr entdeckt. Kurz entsthlonen erleichterte er seinen beschwingten Laus und warf die lieblich duftende Last über Bord, d. h. über das Kirch­hofgitter, nicht weit von einer Schar spielender Kinder. Die Kleinen waren tödlich erschrocken, eilten heim und vermochten nur noch zu stammeln, Vater hilf, da schmeißt ein Mann Bomben !" Die friedlichen Bomben vergaßen jedoch das Explodieren und derArbeiter wurde von den Verfolgern ergriffen. Im Gerichts­gefängnis ist ihm jetzt Zeit gegeben zum Bedenken darüber' daß manBlindgänger" selbst mit Wurst gestalt stehts unangetastet lassen muß, sofern man daran kein Eigentumsrecht hat.