Hen sollte, wird zwar das angestrebie Ziel nicht erreicht werden. Dagegen werden die Engländer erkennen lernen, daß große Worte allein zur Gewinnung eines Krieges nicht genügen, und daß ein so gewaltiger Krieg andererseits auch nicht mit schneller und Hastiger Vorbereitung gewonnen werden kann. Frankreich ist großen Teiles verblutet. Nun werden die Negerfranzosen in gewaltigen Massen ins Treffen geworfen. Auch dieses Mittel versagt aber. Derartige moralisch minderwertige Truppen können nie gegen eine deutsche Armee den Sieg davon tragen. Das sollten die maßgebenden Männer Frankreichs erkennen, wenn sie sich nicht absichtlich blind stellen wollen.
Las deutsche Handets-Abaol.
Die neue technische Ueberraschung.
Das Handels-U-Boot, das soeben in Baltimore gelandet ist, bildet, wie uns geschrieben wird, eine Fort- setzung der bisherigen Kriegsüberraschungen, welche deutscher Geist und deutsches Können der Welt seit Beginn des Krieges bereitet haben. Fast 4000 Seemeilen hat dieses Untersee-Frachtschiff zurückgelegt und damit eine vor Ausbruch des Kriges überhaupt für unmöglich gehaltene Meisterleistung vollbracht. Zuerst kam der 42 Ztm.-Mörser, dann wurde die Welt von der gewaltigen Leistung unserer U-Boote liberrascht, die plötzlich im Mittelländischen Meer auftauchten und die Reise bis nach Konstantinopel machten. Hier erschienen sie vor den Dardanellen und beförderten einige englische Kriegsschiffe auf den Meeresgrund. Es kam dann die Seefahrt des „U 35", das in Cartagena landete und außer einem Handschreiben des Kaisers an den König von Spanten noch Arzeneimittel mit sich führte. Diese Sendung war gleichsam der Uebergang zu der neuesten technischen Ueberraschung, nämlich dem U-Handelsboot.
Von vornherein lag durchaus die Möglichkeit vor, ebenso wie zu Kriegszwecken, das U-Boot zu friedlichen Handelzwecken zu verwenden. War bereits eine Reise bis nach Konstantinopel möglich, bamt sonnten größere Entfernungen dem kühnen Unternehmungsgeist unserer Marine keine ernsthaften Hindernisse sein. Die Taten, der „Emden", der „Ayesha", der „Möve", und alle die vielen großen U-Bootreisen zeigten, wessen unsere blauen Jungen fähig sind, wenn es heißt für die Ehre des Vaterlandes einzutreten. Alle diese Unternehmungen, die unseren Enkelkindern wie märchenhafte Abenteuer des erfindungsreichsten Dichters anmuten werden, haben bewiesen, daß bei unserer Marine das Wort „unmöglich" offenbar unbekannt ist. So kam es zu der neuesten Ueberraschung, dem U-Handelsboot. Ein friedliches Schiffchen fährt, von dem Können der Germaniawerft erbaut, unter der Meeresoberfläche dahin, bis es die Gestade Amerikas erreicht, eine Fahrt, die vielleicht die großartigste ist, die seit den Tagen des Kolumbus zu dem Strande von Amerika geführt hat. Den sinnbildlichen Namen „Deutschland" führt das kühne Schiff, das aufs neue zeigt, wie wenig England Herrin der Meere ist, wenn ein starkes Volk ihm den Titel
streitig machen will.
Unausgesetzt ersinnt England neue Maßnahmen, um Deutschland völlig abzuschneiden, bricht das Völkerrecht, schafft gesetzliche Bestimmungen ab, um diese lästigen Vorschriften nicht mehr über sich zu fühlen und den Makel des Rechtsbruches nach echter „Vogel-Strautz-Po- litik" von sich abwälzen zu können. Alle diese brutalen Eingriffe in alte Abkommen werden durch eine neue technische Meisterleistung ziemlich unwirksam gemacht. In der ganzen Welt wird mau aufs neue erkennen, zu wel- meit L-etziungeu das deutsche <wn Gvw m. n>tc uwm= lische Wirkung der Amerikasehrt der „Deutschland" wird den Engländern am unangenehmsten sein, da dadurch das Ansehen Englands als „meerbeherrschende" Macht großen Abbruch in der ganzen neutralen Welt erleiden dürfte. Die englische Presse, die sogar aus der schweren Niederlage beim Skagerrak einen Sieg zu machen ver- stalld, wird sicherlich auch Schleichwege finden, um der neuesten Glanzleistung unserer Marine eins auszu- wischeu. Dieses ohnmächtige Reden und Schreiben muß aber vor der Größe der Tatsachen verblassen.
Neben der „Deutschland" schwimmt bereits ein zweites U-Handelsboot, die „Bremen" auf dem Ozean. Schiffe von 2000 Tonnen Gehalt schlagen der englische« Seeherrschaft ein Schnippchen. Was noch vor wenigen Wochen im „New Nork Herald" für unmöglich erklärt wurde, ist nun bereits vollendete Tatsache. Die englische „Blockade" und der „Altshungerungskrieg" werden uns dank solcher technischer Leistungen nicht auf die Kniee zwingen können. (OKM.)
Die glückliche Fahrt der „Deutschland".
Der Washingtoner Berichterstatter der „Köln. Ztg." drahtet seinem Blatte unterm 9.: Die erwartete aber stark bezweifelte Ankunft des deutschen Tauchbootes „Deutschland" an diesem Morgen an der virginischen Küste erregte das größte Aufsehen, das man je beobaclp- tet hat. Nach Angabe des Bootes ist es am 22. Juni abgefahren und wurde um vier Tage anfgehalten, da es von feindlichen Kriegsschiffen entdeckt und verfolgt wurde. Es mürbe gezwungen, unterzutauchen und sich für 800 Seemeilen aus seinem Kurs zu entfernen, indem es um 200 Seemeilen zurückging. Es wurde zuerst wieder entdeckt, als es 600 Meilen von der Küste entfernt war, fobaun wieder, als es sich ant Freitag bemühte, das Baltimore Schleppboot „Timmens" einzu- holen, das über eine Woche gewartet hatte. Es tauchte wieder unter, änderte seinen KurS und kam in der Dunkelheit um die Vorgebirge herum. Die Vorbeifahrt ge- lana an diesem Morgen um 1,40 Uhr. Dort wurde es vom Lotsen des „Timmens" getroffen, der das Schiff nach Baltimore brächte. Volt den 4200 Seemeilen der Reise wurden 1800 unter Wasser gemacht. Das Tauchboot ist in ausgezeichnetem Zustand. Das Staatsdepartement steht vor einem sehr erlisten diplomatischen Problem, besonders deshalb, weil der britische Botschafter, wie gemeldet wird, darauf besteht, daß das Schiff als Kriegsschiff angesehen und infolge dessen nur 24 Stunden verweilen dürfe. Lansina dagegen hat e nige Tage zuvor erklärt, das Schiff mürbe als Handelsschiff angesehen werden, meint es den Charakter eines Handelsschiffes answeise. Der Torpedoerbauer Simon Lake zeigte gestern an, er würde das Unterseeboot wegen Pa- kentvenetzung gerichtlich belangen.
Eine Erklärung des Kapitäns König.
Der Kapitän des „is-Dentschland" erflarte nach einer Meldung aus Baltimore mit aller Bestimmtheit, daß die „Deutschland" das erste einer Reihe von gleichartigen Schiffen sei, die erbaut wurden, um einen regelmäßige» Handel mit überseeischen Ländern einzurichten. Das U-Boot habe Bremen mit ungefähr 750 Tonnen kostbarer Farbstoffe verlassen. Als .es am Sonnabend letzter Woche in der Nähe der Birgtnta-Vvrgebirge kam, habe er beschlossen, unter Wasser die Dunkelheit abz«° ivarten, eve er näher an die Küste heranfuhr. Als das Vollmondlicht kurz nach Mitternacht aufhorte, sei die „Deutschland" mit voller greift an dem Virginia-Vorgebirge vorveigefanren. Das U-Boot hat den Ozean von Helgoland aus in fast gerader Linie durchquert, 90
see sah es wiederholt Rauchwolken voll britischen Kreuzern und Zerstörern.
Gewaltiger Eindruck in Amerika.
Aus allen Teilen der Bereinigten Staaten, aus St. Louis, Chicago, Cincinnati, Milwanlee usw., sind eine große Anzahl Kaufleute und Industrielle nach Baltimore abgefahren, um das neue Schiff zu besichtigen und um mit den Vertretern der Firma Schumacher & Co., den Agenten des Norddeutschen Lloyds, und mit der Firma Eastern Forwarding Co. zu verhandeln und mit ihnen Abschlüsse zu tätigen. Eines der Blätter in Baltimore schreibt: „Was die geschäftliche Seite des neuen Unterfeebootsdienstes anbelangt, so glauben wir mitteilen zu können, daß dieser Schiffahrtsdienst sich in glänzender Weise entwickeln wird. Bei einem Gehalt von etwa 2000 Tonnen können die neuen Handelsschiffe auf der Hinfahrt Anilinfarbstoffe und auf der Rückreise Kautschuk und Kupfer in außerordentlichen Mengen mit sich führen. Die Baukosten eines Schiffes würden daonrch bereits bei einer einzigen Reise sehr reichlich herausgeschlagen werden, wenn man bedeukt, daß Kautschuk zurzeit mit 2% bis 3 Schilling pro Pfund in den Bereimg- ten Staaten bezahlt wird, während Deutschland 15 Mk. und mehr notiert. Für gute deutsche Anilinfarben bezahlt Amerika zurzeit phantastisch hohe Preise, die mamv- mal 300 bis 400 Prozent höher sind als in Friedenszeiten. Obwohl wir über keinerlei Angaben von interessierter Seite verfügen, können wir angesichts der regen Nachfrage hüben und drüben wohl berechnen, daß jede Hin- und Rückfahrt etwa dreiviertel Millionen Dollar bringen würde, welche Summe die Baukosten des Schiffes mehr als einmal ausgleichen würde. Der Vorteil ist umso größer, als die Rechnungen durch gegenseitigen Austausch von Gütern beglichen werden können, was eine günstige Einwirkung auf die deutsche Valuta zur Folge haben dürfte. Wenn diese Boote mit wechselnder Besatzung je zwei Hin- und Rückfahrten monatlich machen, so kann Deutschland bequem seinen Bedarf an den für militärische Zwecke wichtigsten Rohmaterialien, wie Kupfer, Nickel, Chrom, Kautschuk usw. decken, gleichzeitig aber auch die deutsche Anilinfarbenindustrie mühelos ihren Platz auf dem amerikanischen Markte behaupten.
Französische Stimme» über die „Deutschland."
„Petit Journal" schreibt zur Ankunft der „Deutschland" in Amerika: Im Zusammenhang Mit dem Fall Carthagena werde dies einen Meinungsaustausch zwischen den Alliierten beschleunigen, ob nämlich für diese neue Kriegsmaschine nicht neue Regeln im Völkerrecht aufzustellen seien. — Das „Journal" sagt, den Deutschen komme es vor allem darauf an, zu erreichen, daß oaS Unterseeboot als neues Kriegswerkzeug nicht unter die bisherigen völkerrechtlichen Bestimmungen falle. — Der „Matin" gibt bezüglich des deutschen Handelsunteriee- bootes der Erwartung Ausdruck, daß Amerika das Unterseeboot in Begleitung eines neutralen Schiffes über den Ozean Heimschicke.
SriezsaSeriel.
Lord Derbys Meinung über DentschlauS.
Lord Derby, der neue englische Unterstaatssekretär des Krieges, äußerte sich dem „B. L.-A." zufolge, zu einem Berichterstatter eines Prooklyner Blattes dahin: Die Aufgabe die Deutschen zu besiegen, sei so groß und schwierig, daß das Ziel nicht durch militärische Kraftanstrengungen allein zu erreichen sei. Ein Zusammen- bruch der Deutschen ist nach Lord Derbys Meinung völ-
* HS qNSMWM,
Bon russischen Torpedobooten gekapert.
Die Dampfer „Lissabon" und „Worms" wurden Dienstag nacht in der Ostsee von einem russische« Torpedoboot gekapert und nach Finnland geführt. 24 Mann der Besatzung der „Worms", darunter der Kapitän und der schwedische Lotse, wurden mitgeführt, den übrigen 13 Mann und der ganzen Besatzung der „Lissabon" gelang es, zu entkommen.
Leutnant Parscha«, welcher sein achtes Flugzeug abschoß und deshalb den Orden Pour le merite erhielt, hat seine Dienstzeit beim Ermlündischeu Infanterie-Regiment 151 begonnen, wo er am 13. September 1911 Leutnant wurde. Schon vordem Kriege war er zur Dienstleistung beim Flieger- bataillon Nr. 3 kommandiert.
Sie sriegssteuer.
Die Veränderungen, die der Reichstag an dem Regierungsentwurf einer Kriegsgewinnsteuer vorge- nommen hat, haben erhebliche Verschärfungen gebracht und in die „Kriegssteuer" eine besondere Reichsabgabe von bem Vermögen eingefügt, die vom 1. Januar 1914 bis zum 31. Dezember 1916 nicht eine Verminderung um mindestens 10 v. Hundert erfahren haben. Der Ertrag dieser Erweiterung wird auf 120—150 Millionen Mark geschätzt, während man insgesamt 2000 bis 2500 Millionen Mark erhofft.
Im Einzelnen ist etwa folgendes zu sagen. Es haben alle Personen, deren Vermögen am 31. Dezember 1916 gegenüber dem 1. Januar 1914 einen Zuwachs über keine Verringerung um mindestens 10 v. H. erfahren hat, eine außerordentliche Kriegsabgabe zu entrichten. Der Vermögenszuwachs wird nach den Vorschriften des Besitzsteuergesetzes vom 3. Juni 1913 festgestellt. Abgabenfrei bleibt der Zuwachs durch Erbschaft ober aus Anlaß eines Todesfalles. Die Abgabe wird nur erhoben, wenn der Zuwachs den Betrag von 3000 Mark, daS Vermögen (am 31. Dezember 1916) den Betrag von 10 000 Mark übersteigt. Die Vermögen, die gleich geblieben finb oder nicht dem Besitzsteuergesetz unterliegen oder sich um mindestens 10 v. H. vermindert haben, unterliegen der Steuer erst von 20 000 Mark an. Von dem VermögenszuwachS beträgt die Abgabe für die ersten 10 000 Mark 5 v. H.: sodann für die nächsten ange- Scttcn ober vollen 1000 Mark 10 v. H., für die steil angefangenen ober vollen 20 000 Mark 20 v. H. und dann beziehungsweise von 50 000 Mark 25 v. H„ 100 000 Mark 30 v. H., 200 000 Mark 35 v. H., 300 000 Mark 40 v. H. und für die weiteren Betrage 50 v. H. Bon gleichgebliebenen oder bis zu 10 v. H. verminderten Vermögen beträgt die Abgabe nur 1 v H. Diese staffe- Imm ist erheblich schärfer, als die. Regierungsvorlage vorschlug. Namentlich merbcit die mittleren VermögenS- erhöhungen erheblich schärfer gcUrvfsen. Die Abgabe geht sogar über die verdoppelten Sätze des Regierltngs- entwuneS hinaus, die bei dem durch Mehre,nkommen erzielten VermögenszuwachS eintreten sollten.
Die Bestimittungen über die ^teuerpflicht der Gesellschaften sind vereinfacht und klarer gefaßt worden. Bei den Gesellschaften gilt als SWehracmhnt der Unterschied zwischen beut früheren GeschafiSdurchschnsttSge- wittn intb dem in einem KriegSjahr erstellen Ge- schästSgewinn. Bei eingetragenen Genoflenfchaften. tritt an die Stelle des Grundkapitals die Summe der emae- zahlten Geschäftsanteile. Auch die Abgabe für die Ge-
gewinn im Jahresdurchschnitt 2 v. H. des Grund- oöel L-tammkapitals nicht übersteigt, 10. o. H. des Mehrgewinnes-, wenn er 2 v. H. aber nicht 5 v. H. übersteigt, 15 v. H. des Mehrgewinnes, wenn er 5 v. H. aber nicht 10 v. H. übersteigt, 20 v. H., wenn er 10 v. H. aber rricht 15 v. H. übersteigt, 25 v. H., und wenn er 15 v. H. übersteigt, 30 v. H. des Mehrgewinnes. Diese Abgabe erhöht sich noch, wenn der Geschäftsdurchschnittsgewinn in den Kriegsgeschäftsjahren 8 v. H. aber nicht 10 v. H. des Grund- ober Stammkapitals übersteigt, um 10 v. H. des Betrages, wenn er 10 v. H. aber nicht 15 v. H. übersteigt, um 20 v. H., wenn er 15 v. H. aber nicht 20 v. H. übersteigt, um 30 v. H., wenn er 20 v. H. aber nicht 25 v. H. übersteigt, um 40 v. H., und wenn er 25 v. H. übersteigt, um 50 v. H. des Betrages. Die inländischen Gesellschaften haben flicht mehr zu zahlen als die ausländischen, die nach beioiideren Sätzen besteuert werden. Die inländischen Gesellschaften haben sogar das Recht, falls es für sie günstiger ist, die Steuer auch nach den Sätzen für ausländische zu entrichten.
Zur Steuererklärung sind alle Einzelpersonen verpflichtet, deren Vermögen sich (vom 1. Jaimar 1914 bis 31. Dezemeber 1916) um mehr als 3000 Mark auf mindestens 11 000 Mark erhöht hat. Die Veranlagung erfolgt gleichzeitig mit der Veranlagung zur Besitzsteuer. Wissentlich unrichtige Angaben werden mit Geldstrafe bis zum fünffachen Betrage der gefährdeten Abgabe und mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Für landwirtschaftliche Betriebe ist noch zu beachten, daß bei der Feststellung des Wertes der Gebäude nicht nur die durch Abnützung, sondern auch die durch Verschlechterung entstandene Werivernsinderung zu berücksichtrgen ist.
Vermischtes-
Der Bankdiebstahl bei der Berliner Diskonto-Gesellschaft ist doch erheblich größer, als sich zunächst übersetzen ließ. Es sind bereits Diebstähle von Wertpapieren in Höhe von etwa 300 000 Mark festgestellt, die zürn großen Teil in russischen Eisenbahnobligationen bestanden und die Stephan hauptsächlich bei Berliner kleinen Banken abzusetzen verstand. An barem Gelde hat Stephan mindestens 100 000 Mark mit auf die Flucht genommen. Wie sich ergeben hat, hat Stephan nicht alt ein mit Berliner kleinen Bankgefchäften, sondern auch mit auswärtigen Barrkhättsern in Verbindung gestanden. Dazu benutzte er die freie Zeit von Sonnabend bis Montag. Während er daheim Vergnüguffgsreisen vorspiegelte, fuhr er hinaus, um Bankgeschäfte, die er schon schriftlich eingeleitet hatte, persönlich abzuwickeln. Er wohnte dabei als Bankier aus Berlin unter verschiedenen Namen in den ersten Hotels.
Schreckenstat einer Mutter. Die Arbeiterfrau Elisabeth Kiß in Budapest, deren Btann seit längerer Zeit seiner Militärpflicht genügt, tötete ihre 13jährige Tochter und ihren neunjährigen Sohn, dann erhängte sie sich an der Türklinke. Die Rettnngsgesellschaft fand die Mutter noch lebend und brächte sie ins Spital, doch konnte sie bisher nicht verhört werden. Die Untersuchung ergab, daß Frau Kitz ihre Kinder vergiftete, die Ursache znr Tat ist noch unbekannt. Die Frau wollte schon vor drei Jahren ihre Kinder erschießen: sie feuerte auch einen Revolverschuß ab, doch ohne zu treffen.
ErkuMng im Nicken der feindlichen Stellung.
Am Abend des 7. September 1915 stand das 2. Ba- entwickelten sich und gittgeit im heftigen Feuer gegen die feindlichen Stellungen vor. In dem unübersichtlichen Gelände und bei zunehmender Dirnkeltzeit verlor die 5. Kompagnie den Anschluß an die Nachbarabtei- lungeu. Der Gefreite WesielS (aus Greven, Kr. Münster i. W.) erhielt den Befehl, zusammen mit den Grenadieren Aistemann (aus Bert, Kr. Wiebchibrück) und Thüns (aus Hagen i. W.) die Verbindrrng mit der Nachbar-Kompagnie wieder herzustellen. Im Dunkel der dftrcht gelangte die Patrouille, nachdem sie das Gelände kreuz und quer abgesucht hatte, an einen stark besetzten Schützengraben. Die Nachbarkonwagnie schien gefunden. Um sicher zu gehen, rief Weisels in die Dunkelheit hinein: „Zweites Bataillon da?" Ein rasendes Gewehrfeuer war die Annvort. Wessels, der bis auf wenige Meter an den Graben herangekrochen war, bemerkte plötzlich, wie einige dunkle Gestalten, die er als Russen erkannte, aus dem Graben stiegen und auf ihn los stürzten. Schnell eilte er mit den Gefährten zurück. Doch nun hatte die Patrouille gänzlich die Richtung verloren. Während der Führer mit seinen Leuten über den einzuschlagendeir Weg beriet, kam ein Wagen gefahren, dessen Fahrer auf Wessels Anruf mit „Stoi!" antwortete. Jäh wurde Wessels klar, daß er im Dunkel der Stacht hinter die russische Front geraten war. Doch keinen Augenblick verlor er seine Geistesgegenwart. Ein kurzer Sprung — ein Schlag — und der russische Fahrer war unschädlich gemacht. Jetzt entschloß sich der tapfere Gefreite, soviel wie möglich von der feindlichen Stellung zu erkunden, und spähenden Auges schlichen sie nun eine lange Strecke hinter den russischen Gräben entlang. Unter geschicketr Ausnutzung des Geländes ging es dann durch eine Lücke int Äusfengraben zurück. Schon waren die drei etwa 30 Meter vom feindlichen Graben entfernt, als sie plötzlich auf einen starken russischen Vorposten stießen. Bei beut Versuch, ihn in weitem Bogen zu umgehen, gerieten sie an einen anderen vor* geschobenen Posten. In diesem Augenblick stieg mit grellem Schein eine Leuchtkugel aus, die Patrouille war entdeckt, und ein rasendes Feuer began» von allen Seiten. Fest an den Boden gedrückt, blieben Wessels und seine Leute reglos liegen. Allmählich wurde das Feuer ruhiger, leise stieß Wessels seine Kameraden an, und vorsichtig friedienb ging es weiter. Nach stundenlanger Abwesenheit gelangte die Patrouille znr Kompagnie zurück, und Wessels erstattete seine wichtige Mel« bring, die am nächsten Tage das Vorgehen des Bataillons rvesentlich erleichterte. Für seine schneidige Führung der Patrouille wurde der Gefreite Wessels mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
Weitere Drahtnachrichten.
Die Ladung der „Deutschland".
Berlin, 12. Juli. (Privattelegr.) Die „Voss. Zig." gibt eine Unterredung eines Vertreters der „Wiener Zeit" mit dem Syndikus der Deutschen Ozeanreederei Dr Welti über das neue Handelst!merseehoo: wieder, in der dieser n. a. sagte, das Schiff könne auch einen Bionat auf hoher See bleiben. Es habe außer den curo« ftoffen im Werte von 60 Millionen Mark vor allem die seit langem ausgestapelte diplomaftsche und Bankpost von Deutschland nach Amerika an Bord gehabt.
Ein Getreidespeicher des Bierverbandes zerstört.
Ber», 12. Juli. (WTB.) Nach bem StonvellW wurde in Baltimore ein Getreidespeicher, der 300 00t Hektoliter dem Vierverbaud gehöriges Korn enthielt, dnrch Feuer völlig vernichtet. Mehrere Personen kamen dabei 8W MSW