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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im . amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werttag nachmittags.

Nr. 160

Dienstag, den 11. Juli

1916

Amtlicher Teil

Aekaimtmachmg

Der 4. Kriegslehrgang über die Herstellung der Obst- und Beerenweine sowie der alkoholfreien Weine und Obstsäste im Haushalte findet in der Zeit vom 13.15. Juli 1916 an der Kgl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim a Rh. statt.

Der Unterrichtsplan ist folgender:

Donnerstag, den 13. Juli: 910' s Uhr: Vortrag: Die Herstellung der Obst- und Beerenweine im Haushalte." Weinbaulehrer Biermann. IOV212 Uhr: Vortrag:Die Gärung der Obst und Beerenweine." Pros. Dr. Kroemer. Von 2. Uhr ab:Praktische An­leitung über die Herstellung der Obst- und Beeren­weine." Weinbaulehrer Biermann.

Freitag, den 14. Juli: Vortrag von 9IOV2 Uhr: ,/Die Herstellung der Obst- und Beerenweine im Haushalte." Weinbaulehrer Biermann. 10^12 Uhr: Vortrag:Die Krankheiten der Obst- und Beeren­weine." Professor Dr. Kroemer. Von 2 Uhr ab: Praktische Anleitung über die Herstellung der Obst- und Beerenweine." Weinbaulehrer Biermann.

Samstag, den 15. Juli: 910 Uhr: Vortrag: Die Herstellung der Obst- ßmd Beerenweine, sowie der Obstschaumweine im Haushalte." Weinbaulehrer Biermann. 1011 Uhr: Vortrag:Grundlagen für die Herstellung der alkoholfreien Weine." Prof. Dr. Kroemer. *1112 Uhr: Vortrag:Die praktische Herstellung der alkoholfreien Weine und Obst­säfte." Garteninspektor Junge.

An diesem Lehrgänge können Männer und Frauen unentgeltlich teilnehmen. Vereinen ist anzuraten, Vertreter zu ^entsenden, damit die Anregungen im Lande weitgehendste Verbreitung finden. Anmeldungen

Die bestellten

Ferkel

müssen Mittwoch dieser Woche, vormittags 8 Uhr, am Bahnhof Hersfeld abgeholt werden.

Hersfeld, den 10. Juli 1916.

Der Vorsitzende des Kreisansschusses.

........... Hersfeld, den 10. Juli 1916.

Nachdem das Preußische Landesgetreideamt zum Zwecke der Erhöhung der Brotration für die schwer arbeitende Bevölkerung eine gewisse Menge Mehl zur Verfügung gestellt hat, setze ich die Brotzulage für den Kreis Hersfeld bis zum 15. August 1916 wie folgt

fest:

1.

Alle körperlich schwer arbeitenden versorgungs- berechtigten Personen erhalten wöchentlich eine Brotkarte nnd monatlich zwei Zusatzkarten. Die­jenigen körperlich schwer arbeitenden Versorgungs- verechtigten, die an Stelle von Brotkarten die Getreideration von 7,5 kg. pro Kopf und Monat empfangen, erhalten ebenfalls monatlich zwei

Zusatzkarten.

2. Alle körperlich schwer arbeitenden Selbstversorger erhalten neben der Getreideration von 9 kg. pro Kopf und Monat monatlich eine Zusatzkarte.

Die Ausgabe der Zusatzkarten erfolgt durch die Ortsbehörden und wird von diesen näher bekannt gegeben.

Die bereits besser gestellten Bergarbeiter und Feuerarbeiter in der Munitionsindustrte bleiben von dieser Broterhöhung unberührt.

Tab. No. K. G. 1890. Der Landrat.

B.:

v. Hedemann, Reg.-Assesfor.

Hersfeld, den 4. Juli 1916.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvor­steher des Kreises, welche meine Verfügung vom 29 Juni 1880 I. 7680 Kreisblatt Nr. 52, betreffend Eilireichung der Verzeichnisse über die von Privat- hengsten abstammenden Füllen, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 15. d. M. erinnert. Tgb. No. i. 7161. l«rät.

v. Hede man n, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat.

):( Hersfeld, 10. Juli. Die Gestellung der be­deckten Wagen ist in letzter Zeit befriedigend gewesen. Nennenswerte Ausfälle sind nicht entstanden. Die GestellungSverhültnisse der offenen Wagen unterliegen zwar immer noch nicht unerheblichen Schwankungen, doch wird es vorraussichtlich gelingen, mich bei ihnen größere Schwierigkeiten in der Gestellung bis auf weiteres zu vermeiden. Es kann daher den Verkehr­treibenden nur dringend empfohlen werden, die jetzige ruhigere Verkehrszeit nach Möglichkeit zur Rege­lung ihrer Bezüge und zur Ergänzung und Ansamm­lung von Vorräten, insbesondere von Kohlen, Dünge­mittel, Baustoffen und dergl. auszunutzen. Hierdurch

wird der im Spätsommer wieder einsetzende erfah­rungsgemäß stärkere Verkehr entlastet. Auch können sich die Verkehrtreibenden, wenn sie jetzt Borräte sammeln, hierdurch gegen Verlegenheiten bei plötz­lichen Verkehrsbehinderungen, mit deren Eintreten nach wie vor gerechnet werden muß, sichern.

Niederaula, 7. Juli. Gestern feierte die hiesige Hebamme Frau Anna Dickert das Jubiläum ihrer 25jährigen Tätigkeit am hiesigen Orte. Bon vielen Seiten wurden ihr in Anbetracht ihrer allezeit ge­wissenhaften und treuen Pflichterfüllung mannigfache Ehrungen zuteil. Der Vaterländische Frauenverein überreichte ihr namens der ganzen Gemeinde schöne und wertvolle Geschenke.

Cassel, 9. Juli. Ein guter Fang ist am Sonn­abend der hiesigen Kriminalpolizei gelungen, sie hat einen lange gesuchten Schwindler hinter Schloß und Riegel gebracht. Es handelt sich um einen Mann in den dreißiger Jahren, der hier und in der Oberweser- gegend Quartier- und Geldschwindeleien verübt hat. Zeitweise war der Gauner in der Uniform eines Feld- webelleutnants aufgetreten. In Hann. Münden hatte man den Kerl fesseln können, doch nach kurzer Zeit gelang es ihm vorige Woche, aus seiner Zelle auszu- brechen und zu entkommen. In Cassel mietete er sich in der Maulbeerplantage ein, wo ihn jetzt die Polizei aufspürte und verhaftete.

Caßel, 10. Juli. Schwer verunglückt ist Freitag abend in der Altstadt ein achtjähriges Mädchen. Mehrere Kinder vergnügten sich mit Fahren in einem kleinen Wagen. Dabei stürzte eines der Mädchen und fiel so unglücklich in eine schräg aufrechtstehende Eisenstange, daß ihm diese ihn den Unterleib drang. Das schwerverletzte Kind wurde dem Landkranken­hause zugeführt.

^1^1^,^..^ V Q---------------- Km. 73,3 bei Neustadt (Kreis Kirchhain) auf dem Ge­leise CasselMarburg L. aufgefunden. Der -Getötete ist anscheinend durch D 78 infolge unbefugten Aufent­halts auf dem Bahnkörper überfahren worden. Er war noch im Besitz von 5,64 Mark. Die Person des Verunglückten ist noch nicht festgestellt.

Bettendorf, 8. Juli. An Armen und Beinen er­heblich verlebt wurde der hic^ wohnende siebzehn­jährige Rottenarbeiter Jacob Greis, als er bet den Geleisenumbauten zwischen Allendorf und Broms- kirchen absprang und unter die Räder eines Roll­wagens geriet.

Allendorf a. W., 8. Juli. Durch die hochherzige Stiftung eines hiesigen Bürgers ist es ermöglicht, daß bei sämtlichen Beerdigungen die Krrchenglocken unentgeltlich geläutet werden können. Die bisherige Gebühr von 15 Mark für das Glockenläuten kommt für solche Beerdigungen nicht in Fortfall, bei welchen die sogenannten Leichenmarschälle mitgehen.

Brakel, 10. Juli. Ein Händler aus Blomberg erschien hier mit einem Wagen voller Ferkel, etwa fünfzig Stück, die er billig losschlagen wollte. Er nahm für 6 Wochen alte Tiere 20 Mark, für die größeren bis zu 38 Mark. Das ist gewiß ein An­zeichen des nahenden Friedens!

Bückeburg, 8. Juli. Bei Ausfahrt eines Güter­zuges warf sich der Knecht F. des hiesigen Fuhrhalters Winter auf die Schienen an der Schleier Fußgänger- Brücke. Der Körper wurde glatt durchschnitten, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein kurz vorher einem Mädchen zur Weiterbeförderung übergebener «eitel, gibt, ohne sonstige weitere Ausschlüsse zu ent­halten, von der festen Absicht, sich überfahren zu laßen, Kunde.

Eisenach, 9. Juli. Der Kommunalverband ist in der Lage, eine einmalige Zuwendung von einem Pfund Mehl auf den Kopf der Bevölkerung zu machen, das hauptsächlich zur Herstellung von Mehl­speisen an den fleischlosen Tagen vewendet werden soll.

Miihlhansen, 8. Juli. Der 27 Jahre im Amte befindliche Briefbote Sickert wurde wegen umfang­reichen Postdiebstühle verhaftet. Er hat fett Kriegs- beginn Hunderte von Feldpostsendu«gen bestohlen. Durch Haussuchung wurden bisher an Dfebesgut . m ermittelt: Etwa 80 Pfund Wurst- und ^ischwaren, 4000 Stück Zigarren, Tabak, Zigaretten, Tabakpfeifen, Taschenlampen und Batterien dazu, Konserven, L ttoie, Wäsche, Schokolade und ähnliche Genußnnttcl. Auch Sickerts Frau mürbe wegen Hehlerei in Haft ge­nommen.

- Gotha, 8. Juli. Nach einer Anordnung des Staats- ministeriums dürfen in Gastwirtschaften, Fremden­heimen, Schank- und Speisewrrtschaften Erer und Eier­speisen vor l1 Uhr vormittags nicht verabfolgt werden. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Wk. bestraft.

Herzberg a. H., 8. Juli. Ein Kriegerdenkmal, von verwundeten Feldgranen entworfen und ausgeführt, wurde hier im Garten des Kreis kraute «Hauses er­richtet und eingeweiht. Das Denkmal besteht aus

einer auf einem Sockel stehenden Pyramide, auf der ein Adler thront, dessen Fänge eine Kugel umkrallen. Auf den beiden Jnschrifiplatten liest man:Zur^Er- innerung errichtet von den Verwundeten," undWir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt." Das Ganze ist aus Zement hergestellt.

Nenkirchen, 5. Juli. Leutnant d. R. Fritz Reinicke zu Hof Heisenstein erhielt die Bayerische silberne Tapserkeitsmedaille am Bande des Josephsorden.

Vorschläge zur Seisenersparnis, bei Körper reinigung, Heil- und ähnlichen Zwecken.

2) Wenn man Talk, Bolus oder ähnliche Silikate durch Bindemittel zrisammenschweißt, so läßt sich die Masse in Stücke' preyen, die sich nach dem Aussehen und in der Form von der gewöhnlichen Waschseife nicht unterscheiden, so daß also die Suggestion vor­handen ist, daß man gewöhnliche Seife vor sich habe. Ein solches Präparat stellt die Frankfurter Hirsch- Apotheke her, wobei die Silikate durch einen Pflanzen- schleim zusammengehalten werden und wobei die reinigende Wirkung durch Zusatz von Saponinen er­höht ist. Wenn man mit einem derartigen Seifener- satz, dessen Bestandteile in Deutschland jederzeit reich­lich vorhanden sind, und der absolut fettfrei ist, sich z. B. die Hände wäscht, so bekommt man auf den Händen scheinbar einen schau markigen Ueberzug, der nach einiger Reibung mit Wasser abgespült wird, die Hände werden dann ebenso rein wie nach Gebrauch der rich­tigen Seife. Dieser Ueberzug ist aber kein richtiger Schaum, sondern ein weißlicher Brei, der zahlreiche Kristalle enthält.

Der Seifenersatz hat den Vorzug, nicht abzu

bröckeln wenn it.^^^.^,^^

100 g nach Htägigem Gebrauch kaum abnahmen; ein weiterer Vorzug ist die Billigkeit, da sich ein stück wie das genannte auf etwa 20 Pfennig stellt. Aller­dings macht bei fortgesetztem Gebrauch der Seifener- satz die Haut etwas trocken, jedoch ist er bisher wochen­lang auch von empfindlicher Haut ohne jeden Nachteil ertragen worden. Selbstverständlich ist er auf be­haarter Haut, insbesondere der Kopfhaut, nicht anzu- wenden, ebenso wenig eignet er sich zum Rasieren. Ein kleiner Nachteil ist ferner das Schmutzigwerden des Waschwassers und Flecke, die der Brei auf Stoßen, z. B. Kleidern macht; diese können jedoch ohne weiteres vollkommen durch Bürsten entfernt werden. Der Anwendungskreis des Seifenersatzes ist bisher nicht auf die Wäsche ausgedehnt worden, durch die mechanischen, in dem Ersatz enthaltenen Mittel wird vielleicht die Wüsche auf die Dauer beschädigt. Der Seifenersatz hat ferner die Fähigkeit, Medikamente, sogar in Lösungen, aufzunehmen. Es können bis zu einem gewissen Prozentsatz Schwefel, Salicylsäure und

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gewissen Prozentsatz Schwefel, Laucyliaure und deren Salze, Naphthol, Teer, Sublimat usw. inkor­poriert werden. Aber auch ohne die Medikamente eignet sich die Seife in hervorragender Weise zur Entfernung von Schuppen auf unbehaarter Haut, eine Eigenschaft, die namentlich für die Behandlung der Psoriasis wichtig ist. Es ist hiernach kaum nötig her- vorzuheben, daß bei solcher Haut, best der mechanische Alterationen vermieden werden müßen, der seisen- ersatz keine Anwendung 'finden darf, z. B. bei

^InTeiner Universitätsklinik für Hautkrankheiten.)

3) Seit mehr als 10 Jahren benutze ich im Ope- rationszimmer und in meinem Hameyalt das wge- nannte Blitz-Blank-Pulver «das sonst zum Putzen und Scheuern bestimmt ist) zur gründlichen Reinigung der Hände; es reinigt durch seine mechanische Wirkung besser als Seife und kostet sehr wenig.

(Direktor einer chirurgischen Klinrt.)

die

amtlichen Belauntmachunge«.

Nicht nur an den Tagen, an denen man etwas wichtiges unter ihnen vermutet, sondern

Unter den amtlichen Bekanntmachungen werden fast Tag für Tag Bestimmungen wirtschaftlichen Inhalts verzeichnet, die man in dieser ernsten Zeit wissen und befolgen muß. Einmal im Interesse des allge,»einen 'Wohles und dann auch um sich vor Strafe zu schützen.