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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- ' holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ;

Nr. 159.

Sonntag, den 9. Juli

1916

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 6. Juli 1916.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises ersuche ich nochmals um Einsendung der Nachwcisnng über die vorhandenen deckfähigen Kühe und Rinder mit Frist bis zum 15. ds. Mts.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J. A. No. 7949. J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 6. Juli 1916.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher er­innere ich an die Vorlage der Hundesteuerzugangsliste pro I. Quartal des Rechnungsjahres 1916 mit Frist bis zum 15. ds. Mts.

Der Vorsitzende des Kreisausschusies.

I. A. No. 8039. J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bekanntmachung

über die Aufhebung der Höchstpreise für Heu.

Vorn 1. Juli 1916.

Auf Grund des § 1 der Verordnung über Kriegs­maßnahmen zur Sicherung der Bolksernährung vom 22. Mai 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 401) wird verordnet:

Die Bekanntmachung über Höchstpreise für Heu vom 3. Februar 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 79) wird auf­gehoben.

Für Heu aus der Ernte des Jahres 1915, das auf Grund der Verordnung über Lieferung von Heu und Stroh für das Heer vom 11. Mai 1916 fReichs-Gesetzbl. S. 367) zu liefern ist, bleiben die Vorschriften der Be­kanntmachung vom 3. Februar 1916 in Geltung.

Berlin, den 1. Juli 1916.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers.

^. |M. A9MW

Hersfeld, am 5. Juli 1916.

Wird veröffentlicht.

I. 7274. Der Landrat.

J. B.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat.

»(DieBesörderungderFrühkartoffel n.) Ein Erlaß des Eisenbahnministers ordnet die schnellste Beförderung der Frühkartoffeln auf der Eisenbahn an, mit deren großer Empfindlichkeit und Verderblichkeit gerechnet werden müsse.

* D i e neuen deutschen P o st m a r k e n, die grauen 2'2, dieorangegelben7V-Pfg. Marken mitden ent­sprechenden Postkarten und Antwortkarten, sowie die braunen 15 Pfg. Marken gelangen lautB. T." vom 28. d. Mts. an allen Postschaltern zur Ausgabe. Das Gesetz über die Einführung der Postgebühren tritt bekanntlich am 1. August in Kraft.

* D i e R e i s e b r o t h e f t e f ü r P r e u ß e n sind bereits den Kommunalverbänden zur Verteilung zu­gegangen. Es sind kleine Heftchen, etwa in der Größe eines Straßenbahnfahrscheines, die sich bequem in der Westen- oder Geldtasche unterbringen lassen.

* fJrrige Befürchtungen der kleinen Schweinezüchter.) Für unseren Bestand an Schweinen und damit für eine wesentliche Grundlage unserer Fleisch- und FettversEgung kommt die Auf­zucht in kleineren landwirtschaftlichen Betrieben wie auch seitens der Industriearbeiter sehr wesentlich in Frage. Für diese kleinen Züchter liegt der Anreiz zur Zucht darin, daß sie ihre Fleischversorgung besser beschaffen können, weil sie für gewöhnlich die Abfälle ihres eigenen Haushaltes und benachbarter Haus­haltungen, auch wildwachsende Futtermittel verwenden können. Es war zn befürchten, daß ein Hausschlacht- nngsverbot die Neigung dieser Leute zur Schweine­haltung stark einschränken würde. Bom Gesichtspunkt der Gesamtheit gesehen, liegt hierin eine große Gefahr. Man hat dem durch Aufhebung des Hausschlachtver­botes Rechnung getragen und gleichzeitig von leiten der zuständigen Behörden alles getan, was die Auf­zucht fördern kann. Neuerdings wird trotzdem aus verschiedenen Gegenden gemeldet, daß die kleinen Züchter aus Besorgnis, das gemästete Vieh würde ihnen nicht verbleiben, die Aufzucht aufgegeben haben, und zwar aus irriger Auffassung einer Erhebung, bet der die Zahl der Haushaltungsangehörigen und des ungefähren Gewichts der aufgezogenen Schweine an- zugeben war. Demgegenüber sei daraufhingewiesen, daß diese Erhebung keinesfalls irgend wie Anlaß sein kann, von der Aufzucht abzustehen; das Fleisch aus den Hausschlachtungen wird den Eigentümern belassen werden, die Erhebung über die Zahl der Hattvhalts- angehörigen und das ungefähre Gewicht der ge­schlachteten Schweine dient nicht als Grundlage für eine Beschlagnahme, sondern nur für die Anrechnung des hauSgeschlachteten Fleisches auf die Fleisch- rationierung.

§ Hersfeld, 8. Juli. DieErnteaussichten in unserer Heimatprovinz und den benachbarten Landes­teilen sind nach wie vor als überaus günstig zu be­zeichnen. Das Treibhauswetter in der letzten Zeit hat eine wunderbare Fruchtbarkeit auf Feldern und Wiesen gezeitigt und die Landleute reiben sich zu­frieden die Hände, trotz der jetzigen Regentage, die dem Korn immer noch nicht geschadet haben, den Hack­früchten, dem Gemüse und Klee aber sehr dienlich sind. Das Heu von bester Beschaffenheit und hoch im Wuchs, ist im großen unt) ganzen trocken eingebracht, soweit man mit dem Schnitt nicht noch gewartet hat. Alle Erwartungen übertrifft der Klee und verheißt einen guten zweiten Schnitt. Die in unserm Lande nur ver­einzelt (z. B. Südhannover, Main-Wesexbahn-Gegend) angebaute Wintergerste hat reiche Erträge gebracht. Zum Teil ist man noch bei er Erntearbeit. Halm­früchte stehen sehr gut, der Hafer prachtvoll. Hoffent­lich taucht im Straßenbilde bald der Sonnenschein auf; dann gibts in den Hundstagen frohe Schnitter­arbeit. Schädlinge treten natürlich auch in diesem Jahre auf, aber wir sind auf alles gefaßt: Feinde ringsum! Hat der Regen auch die Erdflöhe ersäuft, so sieht man mit scheelen Augen das starke Auftreten von Schnecken. Auch vom Weizen ist nur Gutes zu melden, ebenso steht die Gerste ausgezeichnet. Die diesjährige Kartoffelernte wird gewaltig fein; die Landwirte sprechen nur noch vonBombenkartoffeln". Zucker- und Futterrüben eifern im Wachstum mit der Kartoffel um die Wette. Bon den Bahndämmen herunter, auf Schulhöfen und an alten Mauern nicken schwerhäuptig hochstielige Sonnenblumen. So wird auch die weise Schulverteilung von Sonnenblumen- kernen unsere Oelgewinnung erleichtern. Schon ein Blick auf den Wochenmarkt beweist unsere reiche Beeren- und Keruobsternte. Im trockenen Vorjahre kamen bekanntlich fast durchweg geplatzte Kirschen, kümmerliche Beeren znm M^kanf. Pflaumen- und Zwetschenbäume biegen sich s eon setzt unter der Last MMWWMWMWWMMM droben vertrauen und hoffen, daß unsere feldgrauen Brüder den Erntesegen daheim verzehren werden.

):( Hersfeld, 8. Juli. Durch Verfügung des Herrn Königl. Oberstaatsanwalt in Cassel vom 4. d. Mts. ist Polizeiassistent I. Stelzn er dahier zum stellvertretenden Amtsanwalt bei dem hiesigen Amts­gericht ernannt worden.

):( Hersfeld, 8. Juli Mehrere Personen, die in der Fulda unberechtigt die Fischerei ausübten, sind in letzter Zeit dabei erwischt und zur Anzeige gebracht worden.

):( Hersfeld, 8. Juli. Gestern gegen abend ist im Hause Untergeis 10 hier der 5jährige Ewald Manns in einem größeren Wassertopse e r t r u n k e n. Das Kind hat anscheinend von dem im Topfe befindlichen Wasser trinken wollen, ist mit dem Kopfe hineinge­rutscht und erstickt. Das Kind hätte vielleicht noch ge- rettetwerdenkönnen, wenn es vonderhinzukommenden Mutter sofort herausgezogen worden wäre. Letztere hat aber erst eine andere Frau hinzugerufen, die dieses tun mußte. Obgleich das Kind noch Lebens­zeichen von sich gab, starb es kurz darauf, wohl weil auch nicht die richtigen Wiederbelebungsversuche an­gewandt worden sind.

Kirchhain 7. Juli. Mehrere juuge Burschen von hier wurden überführt, Kleingeld nachgemacht zu haben. Man ersieht daraus, daß vielen Leuten noch immerdas nötige Kleingeld" fehlt.

Brilon, 7. Juli. Im nahen Wülste wollte der Maschinenbesitzer Bamenberg auf einem eigens dazu eingerichteten dünnen Schleifstein ein Kreissägenblatt ausschleifen. Dabei zersprang der Schleifstein und ein Stück spaltete dem Unglücklichen den Kopf. Die Frau und acht Kinder beklagen den Tod.

Nordheim, (Hann.), ». Juli. In Fredelsloh ist der sechsjährige Schüler Wille nach dem gleichzeitigen Genuß unreifer Stachelbeeren und Wasser unter großen Qualen in wenigen Stunden verstorben.

Weilbnrg, 7. Juli. Gestern stahlen zwei Frauen aus Riedershausen in einem hiesigen Goldwarenge- schüft ein Paar Ohrringe und eine Damenuhrkette. Als die eine Diebin am Bahnhof untersucht werden sollte, verschluckte sie kurzerhand die Kette. Der Be­amte hatte den Vorgang jedoch bemerkt und |o mußte sich die diebische Frau, nachdem ein Arzt hmzugezogen war, einer unfreiwilligen Kur unterziehen.

Kahla, 5. Juli. Der achtjährige Sohn einer bei der Lehrersfamilie in Drößnitz tn der Sommerfrische weilenden Familie hatte unauffälligerweise, während der Lehrer anderweit beschäftigt war, ein geladenes Tesching von der Wand genommen, auf das Töchter- chen des Lehrers angelegt und es durch einen Kopschuß so schwer verletzt, daß es wenige Stunden darauf starb.

Fulda, 6. Juli. Die Stadtverordneten stimmten einer Neufestsetzung der erhöhten Hundesteuer zu, wonach 20 Mk. für den ersten und 30 Mk. für jeden weiteren erhoben werden sollen. Die frühere Vor­lage war vorn Bezirksausschuß nicht genehmigt worden.

Hana», 5. Juli. In Bergen (Kreis Hanau) hatten zwei Frauen mit in der Nähe arbeitenden französischen Kriegsgefangenen gescherzt und ge­lacht, ihnen auch Zigaretten, Brot und Branntwein zugesteckt. Das Schöffengericht Bergen verurteilte beide Frauen zu je drei Tagen Haft, ihre Reue, ihre Unbescholtenheit und ihr Geständnis strafmildernd be­rücksichtigend.

Vorschläge zur Seisenersparnis, bei Körper- reinigung, Heil- und ähnlichen Zwecken.

Seit Februar 1915 wird mit Rücksicht aus das Knappwerden der Seife in unserer Kinderklinik (4046 Betten) und in der Krippe (2040 Kinder) die Seife zur Reinigung der Kinder nicht mehr benutzt. Einzige Ausnahme bildet die Montags-Kopfwäsche in der Krippe. In der Klinik wird auch hierfür Seife nicht verwendet. Händewaschen mit Seife nur bei älteren, im Garten spielenden Kindern. Dagegen wird den Bädern hypermangansaures Kali zugesetzt.

Die einfachste Vorschrift lautet folgendermaßen: Für 10 Pfg. Kalium hypermanganicum wird in einer Liter­flasche gelöst. (Die Flasche soll, um Irrtümer zu ver­meiden, mit der AufschriftAeußerlich" bezeichnet werden.) Bon dieser Lösung wird soviel zum fertigen Bade zugesetzt, daß das Wasser aussieht wie Kirsch­limonade. Hat man es ein wenig zu stark gemacht, so wird die Haut des Badenden, soweit sie längere Zeit damit in Berührung geblieben ist, leicht bräun­lich gefärbt, während das Gesicht, das bloß kurze Zeit der Lösung ausgesetzt war, diese Veränderung nicht zeigt. Nach wenigen StundenAst nichts mehr davon zu merken. Bei Personen mit leicht übelriechendem Schweiß ist diese Stärkekonzentration geradezu zu wünschen.

Die genauere Verordnung lautet: Man laste sich 25 Gramm des Mittels abwteüLlQ tu einer

Kindes 23 solche und dem eines Erwachsenen einen reichlichen Eßlöffel zu.

Es ist selbstverständlich, daß ein in solchen Spuren reinigend wirkendes Mittel in konzentrierter Lösung nicht getrunken werden darf. Es darf daher den Kindern nicht zugänglich sein. Dagegen ist es völlig unschädlich, wenn das Kind im Badewasser et­was schluckt. Reibeflecke und Schwämme färben sich nach einiger Zeit bräunlich, sind aber im ärztlichen Sinne sehr viel appetitlicher und sanitärer als sonst, da sie durch dieses Mittel von allen Schmutzstopen be­freit werden.

Unangenehmer ist, daß die Badewannen eine leicht bräunliche Färbung annehmen, die aus einer Mangan- Verbindung besteht. Dadurch, daß man die Flüssigkeit in das fertige Bad hineingießt, vermeidet man stärkere Färbung. Bei Blechwannen ist dieser Niederschlag ganz gleichgültig. Dort läßt er sich durch einfaches Scheuern oder mit ein wenig Kleesalz entfernen. Bei Porzellan- bezw. Terracotta-Wannen ist der' Be­schlag gleichfalls leicht abzuwischen. Nur bei Emaille- Wannen achte man genau auf die vorgeschriebene An­wendungsweise, wasche etwa alle Vierteljahre schnell mit etwas Kleesalz ab und spüle sofort nach. Mit demselben Mittel kann man auch Schwämme und Reibeflecke in wenigen Augenblicken weiß bekommen.

Durch diesen außerordentlich billigen Seifenersatz kann man in Kliniken und Krippen enorme Mengen Seife ersparen, aber auch im Haushalt wird manchem damit geholfen sein.

(Aus einer Universitätskinderklinik).

(Schluß folgt.)

Berreichoi;

der bei L. Pfeiffer Depositenkasse Hersfeld zu Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Krenz:

2. Juni-Rate der Hersfelder Volksspende

(Teil) Mk. 830

Sühnegeld von Herrn Schiedsmann

Schneider, Schenklengsseld , 20.

2. Juni-Rate (Rest) der HcrSftldcr

Volks spende , 109.40

Zins. v. L. Pfeiffer Depositenkasse Hersfeld 16.30 3. u. 4. Juni Rate der Hersfelder-VolkS- spende 397.95 Zahlgvc Herrn Loßdörfer, Hillartshausen ,. 50.- Mk. 1.428.65 bisheriger Bestand 906.78

......SM 2.330'43

davon weiter verausgabt 1.035. heutiger Bestand Mk. 1.295.48

Für die erblindeten Krieger: ZahlungvonHerrn Bürgermeister Lchuch Hard, Mederaula (für gefangene Füchse) Mk. . x Zahlung von Herrn Heinrich Beriet. Neu

kirchen bei Hersfeld ., 10.

Mk. ~