Einen wie großen Wert das gegenseitige Sichver- stehenlerne» zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung namentlich in der Kriegszeit hat, ist wiederholt betont und darauf hingewiesen worden, wie gefährlich das Ansspielen der städtischen Bevölkerung gegen die ländliche und umgekehrt in der gegenwärtigen Zeit ist. Verallgemeinerte Borwürfe gegen einzelne Berufsstände und gegen die Wahrheit verstoßende Uebertreibungen während des Krieges dienen nur unseren Feinden und müssen sie in ihrem Widerstände gegen uns bestärken. Diesen Gegenstand behandelte auch der kürzlich in der „Germania" erschienene Artikel des Geh. Regierungs- rats Prof. Dr. Martin Fatzbender „Durch Kenntnis zum Verständnis unserer Landbevölkerung." Der Verfasser weist darin nach, wie unberechtigt die gegen die Landwirtschaft erhobenen Vorwürse sind, daß sie ihre Stellung als Erzeugerin von Nahrungsmitteln im Kriege mißbrauche, indem sie die Zwangslage der Verbraucher zu unberechtigter Bereicherung durch Forderung unverhältnismäßig hoher Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse ausnutze. Mit Recht betont der Verfasser, wie bei manchen Großstädtern alles kaufmännische Denken aufhört, wenn es sich um ein Urteil über die Landwirtschaft handelt. Bei jedem anderen Gewerbe halte man die Forderungen bezüglich der Leistungsfähigkeit innerhalb der Grenzen der Rentabilität, von dem Landwirte aber verlange man nicht selten eine Festsetzung der Preise für seine Erzeugnisse ohne Kenntnis der Ezeugungsbedin- gungen einseitig nach eigenen Wünschen.
Der Verfasser fordert, daß sich der Städter von der Vorstellung freimachen soll, daß der Landwirt ganz un= bekümmert um die Notlage weiter Volkskreise nur seinen eigenen Vorteil in der Kriegszeit erstrebt habe, wie auch der Landwirt sich davor hüten müsse, den klagenden und wirklich in schwieriger Lage sich befindenden Städter für seinen geborenen Widersacher und Feind zu halten. Die Mahnungen des großen Lehrmeisters Krieg zur Eintracht des deutschen Volkes dürften nicht vergessen und das schwer errungene Gut der Eintracht aller Voltskreise nicht dadurch auf die Probe gestellt werden, daß wir einen Sündcubock für die Teuerung, die jeder größere Krieg mit Naturnotwendigkeit im Gefolge hat. Zur staatsbürgerlichen Erziehung, die uns so außerordentlich nottut, gehöre vor allem auch gegenseitige Kentnis der einzelnen Stäube untereinander nach ihrer Eigenart, Lage, Psychologie und Anschauung, nicht zuletzt auch eine Kenntnis der Schwierigkeiten ihres Betriebes. Durch Kenntnis allein zum Verständnis!
Wie schwer das Leben auf dem Lande ist, wie mancherlei Entbehrungen der Landmann im Vergleich zu dem Städter auf sich zu nehmen hat, schildert der Verfasser und fährt dann fort: „Wer mit klaren und unbefangenen Augen um sich schaut, wird es nicht verkennen können, mit wieviel Mühen und Sorgen unser Landvolk in dieser Kriegszeit, unb zwar mehr als jeder andere Stand zu kämpfen gehabt hat. Es hat seine ganze Jungmann- schast bis auf den letzten Sohn des Hofes und den jüngsten Knecht dem Baterlande geweiht. Es hat seine Gespanne zum Kriegsdienst hergegeben, hat seinen Viehstand verringern, nicht selten aüigeben müssen. Oft schien bei dem Mangel an Arbeitskräften, bei den tausendfältig aufstei- genden Schwierigkeiten des Betriebes die Möglichkeit zu schwinden, die heimatliche Scholle, die über alles geliebte, zu behaupten. Nur dem Heroismus unserer Landfrauen ist es in unzähligen Fällen zu danken, daß der Betrieb aufrecht erhalten wurde. Ob wohl eine im städtischen Berufsleben tätige Frau sich auch nur eine annähernde Vorstellung davon machen kann, welche Sorgen, welche
Kraft von ihrer Mitschwester auf dem ande »erlang wird, wenn diese neben der Versorgung ihrer meist zahlreichen Kinderschar Haus und Hof, Viehstall und Acker instandhalten muß und zu der ermüdenden körperlichen Arbeit auch noch die organisatorische Leitung des Ganzen an Stelle des Mannes zu übernehmen gezwungen ist? Und wer seine Blicke wandern läßt in dre Zukunft unseres deutsches Volkes nach dem Kriege, dem wird nicht verborgen bleiben können, welche gewaltige Bedeutung dem Lande in dieser Zukunft zukommt. Nicht soll sich der Großstädter beikommen lassen, geringschätzig auf das Land Herabzusehen."
Zum Schluß weist der Verfasser darauf hin, wie aufwendig es ist, daß unsere gesamte Kultur, wenn sie gesunden soll, einen ländlich-bäuerlichen Einschlag be-
WMlMlt muß TU WtK^UUa, LöSenZME, EWWMK und Abhärtung, Freude an körperlicher Arbeit. Eins müsse man sich aber vor allem einprügen: wie sehr die Erneuerung unserer Bolkskraft selbst von dem Lande abhänge: »Von je hat sich die ländliche Bevölkerung vor der städtischen durch eine größere Geburtenziffer ausgezeichnet,' sicherlich wird nach dem Kriege das Land der Stadt erst recht das Beispiel einer erhöhten Geburtenfreudigkeit geben, von der geradezu unsere völkische Zukunft abhängt. Auf dem Lande endlich hoffen wir nach dem Kriege die große Masse unserer Kriegsinvaliden mit ihren Angehörigen wie die Hinterbliebenen unserer gefallenen Brüder anzusiedeln. Als die Heimat unserer Helden, denen wir so unendlichen Dank schulden, wird das Land, so hoffen wir, auch dem Städter, der ihm ferne stand, teuer werden. Und so taugt vor unseren Augen eine Zukunft auf, wo Stadt und Land, des alten Haders vergessend, der nur durch Mangel an Verständnis so um sich greifen konnte, der gegenseitigen Bedeutung voll bewußt, durch neue herzliche Bande noch enger geeint in Eintracht zusammenzustehen, um unser aller tiefsten Wunsch, das Glück und die Größe unseres Vaterlandes, wahrzumachen."
Mögen die trefflichen Ausführungen und Mahnungen, wie sie von dem den politisch agrarische:! Kreisen fernstehenden Verfasser gemacht worden sind, überall da auf fruchtbaren Boden fallen, wo das richtige Verständnis von der Notwendigkeit gegenseitigen Kennenlernens und gegenseitiger Verständigung zwischen Stadt und Land noch nicht vorhanden ist, und dazu beitragen, daß die Brücke zwischen Stadt und Land immer fester gefügt und breiter ausgestaltet und das gegenseitige Verstehen und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land immer mehr gefördert und gefestigt werde.
Der Zustand der englische» Ilolle.
Ein neutraler Berichterstatter, der bei der Rückkehr der englischen Flotte nach der Seeschlacht in der Nordsee in England weilte, stellte, wie uns geschrieben wird, fest, daß die Verluste der englischen Flotte nicht die gesummte Schädigung umfassen, welche diese Flotte durch ihre Niederlage in der Seeschlacht bei dem Skagerrak erlitten hat. Auch der Zustand eines großen Teiles der zurückgekehrten Schiffe soll furchtbar sein. Trotz der Geheimhaltung, welche die englische Admiralität beobachtet, sind doch im Publikum Englands einige Einzelheiten durchgesickert, welche diesen „Sieg" der englischen Marine seltsam beleuchten. Die deutschen Granaten sollen nach diesen Mitteilungen auch auf den nicht gesunkenen Schiffen furchtbare Verheerungen angerichtet haben, durch die viele Schiffe kampfunfähig geworden sind, und erst eine lange Reparaturzeit werden durchmachen müssen, ehe sie aufs neue für die See tauglich sein werden. Schornsteine, Maschinenräume, Decks, und Panzerungen weisen große Verletzungen auf einer großen Anzahl von Schiffen auf. In diesem Zustande der englischen Flotte bei Abbruch der Schlacht wird man den Grund dafür sehen müssen, daß der Kampf beendet wurde, aber nicht in der angeblichen „Flucht" der deutschen Kriegsschiffe.
Die Seeschlacht dauerte fast ohne Unterbrechung viele Stundu, in denen, die englischen Linienschiffe vei ihrer größeren Schnelligkeit die Verfolgung hätten sehr wohl aufnehmen können, wenn sie dazu imstande gewesen wären. Wenn die Darstellung der Engländer richtig wäre, dann hätte es sich nur um ein kurzes Vorpostengefecht gehandelt, in das wegen der Kürze der Zeit die großen englischen Schlachtschiffe nicht eingreifen konnten. Aber tatsächlich dauerte die Schlacht so lange, gen englischen Einheiten Gelegenheit gegeben wor
davon, daß für ein Vorposteugesecht die von der eng- lischen Admiralität selbst zugegebenen Verluste der englischen Flotte doch etwas zu ungeheuerlich gewesen wären. Diese englische Darstellung, welche nur die englische Niederlage beschönigen soll, wird durch die Tatsachen selbst widerlegt, ebenso wie die von England verbreitete Feststellung, daß die Schlacht beinahe an der deutschen Küste stattgefunden hätte, während sie doch in Wirklichkeit bei Skagerrak stattfand.
Die Berichte über den Zustand der englischen Flotte nach der Seeschlacht sind geeignet, die englische Darstellung noch mehr in das rechte Licht zu rücken. Denn bei diesem Zustande der englischen Flotte ist es durchaus erklärlich, daß der englische Oberbefehlshaber es ange-
Mks der beiseits feWMMst W« MNuste M «KW zeigt hielt, das Tressen abzubrechen und m ben schützenden Hafen abzudampfeu. Der normative Lotse, der den sich nach Westen entfernenden Kanonendvnner gehört hat, hat schon am ersten Tage nach der Schlacht, deren Ausgang er noch gar nicht kennen konnte, diese Wahrnehmung der Oeffentlichkeit nntgeteilt. Auch daraus kann man erkennen, daß sich die englische Flotte kanrp- send gegen die englische Küste zu entfernt hat. Das steht nicht grade nach Verfolgung aus. Es wird übrigens schon jetzt berichtet, daß alle englischen Werften Mit Reparaturen der Kriegsschiffe überlastet seien. Diese Tatsache spricht auch dafür, daß der Zustand der englischen Kriegsschiffe nach der Seeschlacht nicht gerade beneidenswert gewesen sein muß. (Z.)
Zlaiien iM weifet lämpfex.
Nur ein oberflächlicher Beobachter konnte meinen, der Sturz des Kabinetts Salandra sei der Beginn einer inneren Umwälzung in Italien, bei der die in fast allen Parteien vorhandenen Neutralisten, die Gegner des Krieges, obenauf kommen würden. Italien muß weiter kttmpfeu. Das eben ist der Fluch der bösen Tat vom Mai 1915. Die Träume von der Eroberung der Ostkuste der Adria und dern Spaziergang nach Triest sind zerronnen, aber die Bande, in denen sich das italienische Volk in dem Taumel gefangen gab, sind geblieben: Ein großer Teil der Presse im Solde der verbündeten Regierungen, noch rührig, die Drohung mit der Straße, das heißt, der Revolution in alter Wirksamkeit, der König infolgedessen ganz unfrei und fast alle Parteien in sich selber gespalten, die Mehrzahl der Männer, die sich widerwillig in den „heiligen Egoismus" hatten hinreißen lassen, Niedergedrückt und zum geduldigen Ausharren verdammt, weil sie sich sagen müssen, daß ein Bruch mit den Kriegsgenossen das Elend des Landes noch vergrößern würde. Das Abschwenken vorn Dreibund zum Dreiverband war ein Gang in die Knechtschaft, zumal bamt, wenn den italienischen Waffen rasche und große militärische Erfolge versagt blieben. Insbesondere England gegenüber ist Italien heute machtlos. Ohne englische Zufuhren von Geld, Kohlen, Lebensmitteln, kann das Volk nicht leben, und England würde die Hungermetho- Mt, die es gegen Neutrale anwendet, um sie gefügig zu machen, gegenüber einem treulosen Verbündeten erst recht zur Anwendung bringen.
Von manchen Seiten ist es getadelt worden, daß sich die deutsche Diplomatie zu Anfang des Jahres 1915 so große Mühe gegeben hat, den Uebertrilt Italiens ins Lager unserer Feinde, wenn nicht zu verhindern, so doch wenigstens zu verzögern. Wer sich die damalige Kriegslage vergegenwärtigt — die Russen standen an den Karpathen —, der muß begreifen, wie wichtig es im Interesse unserer Kriegführung war, Italien solange als möglich von seinem Abfall zurückzuhalten. Wäre Salandra schon im Winter 1914/15 abgeschwenkt, so hätte Cadorna am Jsonzo und im Trentino viel geringeren Widerstand gefunden, und die Entwickelung der Dinge auf dem Balkan hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen. Zu Pfingsten 1915 war die mafuritoe Win- terfchlacht geschlagen und nach dem Durchbruch bei Gor- lice das russische Heer in unaufhaltsamem Rückzug. Der von Salandra und Sonnino mit Sicherheit erwartete Anschluß Rumäniens blieb aus, und der Illusion eines neuen Balkanbundes unter italienischer Führung machte der Feldzug in Serbien mit Hilfe des neuen bulgarischen Bundesgenossen der Zentralmächte, der an Italiens Stelle getreten war, ein grausames Ende.
lett «m^. «VWWWWM tung seinen eigenen Sturz herbeiführte, lag in der Furcht, noch länger - für das Unheil verantwortlich zu sein, das er selbst über sein Land gebracht hat. Daß sein Mitschuldiger Sonnino nicht das Gleiche tat, sondern in dem neuen Konzentrationsministerium seinen Posten behält, ist begreiflich und folgerichtig, da er der Schützling Englands ist und England nicht verstimmt werden darf. Sein Verbleiben auf englischen Wunsch darf als deutliches Zeichen dafür gelten, daß der große Vorteil, den der Dreibund für Italien nach dem Willen seines Mitbegründers Crispi bot, nämlich die Behauptung der Grotzmachtstellung des Königreichs, bereits verloren gegangen ist.
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