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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Melder

für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Telle 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 150.

Donnerstag, den 29. Jnni

1916

Kn unsere werten Beter 1

Wie wir bereits im (Bärz dieses Jahres mit- teilten, find wir durch die fortwährenden Preissteiger­ungen auf dem Papiermarkt sowie durch grobe Verteuerung der sonstigen (Baterialien gezwungen, uom 1. Juli ab den Bezugspreis des Bersfelder Tageblatts zu erhöhen.

Diese Erhöhung des Preises beträgt für den Monat nur 10 Pfg. und deckt bei weitem noch nicht die jetzigen (Behrausgaben für das Zeitungspapier, zumal dasselbe inzwischen abermals eine ganz er­hebliche Preiserhöhung erfahren hat.

Der Bezugspreis des ßersfelder Tageblatts be­trägt daher in Zukunft bei der Post sowie in unserer Geschäftsstelle abgeholt Mk. 1,80, für die Stadt bei freier Lieferung in das Baus 1,90 MK,

Wir hoffen gern, dab unsere werten Leser diese uorübergehende Erhöhung des Bezugspreises aner­kennen werden, zumal die gesamte deutsche Preise in diesen schwelen Zeiten grobe Opfer bringen mub.

Verlag des weider Tageblatts.

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Bus der Heimat.

* (Die Reichsabgabe für Post- und Tele­graphen gebühren.) Dem ^Vernehmen nach tritt das Gesetz betreffend die mit den Post- und Tele­graphengebühren zu erhebende außerordentliche Reichsabgabe mit dem 1. August 1916 in Kraft.

* Eine Mahnung zum Durchhalten ent­halten die folgenden Ausführungen derKöln. Ztg." die einen Artikel beschließen, der die englische Speku­lation auf die schwachen Gemüter bei uns daheim be­leuchtet: Wir dürfen wohl hoffen, daß man aus den Erfahrungen in der Ernährungsfrage gelernt hat, und unermüdlich zu bessern bestrebt ist. Aber wir können nicht erwarten, daß das Schwere, das die Zeit uns auferlegt, ganz von uns genommen werden kann, auch wenn alle Kritiken wirken, alle guten Ratschläge be­folgt werden. Wir zuhause müssen unsere Last tragen, und sie wird immer leichter sein als das, was unsere Helden draußen durchwachen. Es ist auch nicht zu ändern, daß das Geld manche Erleichterung schaffen kann, und daß die Armen in der kurzen Spanne, die uns noch von der glücklicherweise sich überaus günstig vorbereitenden neuen Ernte trennt, am schwersten zu tragen haben. Aber was will das alles besagen, wenn wir uns nur einen Augenblick vergegenwärtigen, wie es uns allen ergehen würde, wenn das uns glück­licherweise ersparte Schicksal unsern Feinden den Ein­marsch in Deutschland ermöglichte! Daß wir davor sicher sind, daß wir als Sieger in Feindesland stehen, und daß es über allem Zweifel feststeht, daß wir an den notwendigen Nahrungsmitteln genug haben, um durchzuhalten, das ist die Hauptsache! Und das ist nicht nur die heilige Gewißheit der verantwortlichen Behörden, das ist auch die Ueberzeugung aller derer, die im Aerger über wirkliche und vermeintliche Fehler und im Uebereifer, zu bessern, wider Willen der Spekulation der Feinde Material liefern. Es gibt Leute, die jammern, wenn ihnen von den gewohnten Annehmlichkeiten des Lebens auch nur etwas fehlt, es gibt manchen unter uns, der gewiß keine Zierde einer um ihre Existenz und ihre Zukunftsarbeit sümpfenden Nation ist, aber es gibt keinen Menschen in Deutschland, der den Zinnen eines Deutschen ver­dient, bet dem die feindliche Spekulation auf die schwachen Gemüter Erfolg haben könnte. Wir streiten uns, ein bißchen reichlich und ein bißchen unvorsichtig oft, wir klagen unsere Behörden an, manchmal mit Recht und manchmal mit Unrecht, aber wir sind in dreiundzwanzig harten Monaten nicht niedergeschlagen und nicht so friedensbedürftig geworden wie die Eng­länder uns haben möchten. Wahrend neue schwere Kämpfe sich vorbereiten und siegreich eingeleitet sind, und im strahlenden Sonnenschein eine gute Ernte reift, werden wir den Beweis liefern, daß von allen verfehlten Spekulationen der Feinde diejenige auf die Erschlaffung des Siegeswillens derer zuhause die ver­fehlteste ist.

* (Sammelt Brennesseln.) Einer deutschen Firma ist es gelungen, mittels eines einfachen Ver­fahren, dessen Einzelheiten zur Zeit noch geheimge­

halten werden, die Brennesselfasern von den Stengeln zu lösen und in verspinnbaren Zustand zn versetzen. Die spinnbaren Fasern und die daraus hergestellten Gewebe haben den vollen Beifall Sachverständiger ge­funden.

*Wenn die siebzehn Millionen Menschen, die-in Städten mit mehr als 40000 Einwohnern leben, täglich nur je 60 Gramm Tisch- und Küchenabfälle sammeln, so ergibt das jährlich 300 Millionen kg. Hieraus können 75 Millionen kg. erprobtes' MilchkraftfutterMelkogen" gewonnen werden. Dies Kraftfutter wieder gibt täglich nahe­zu 1^2 Millionen Liter Milch. So können die Städte ihren Milchbedarf durch Abfallsammlung beschaffen. Eine Verordnung des Bundesrates bestimmt deshalb, daß in den Gemeinden mit mehr als 40 000 Einwohnern die Haushaltungen zur Abfallsammlung verpflichtet werden können.

* (Die strohlosen Strohsäcke). Laut Anordnung des Kriegsministeriums darf seitens der Garnison- verwaltungen) kein Stroh zur Füllung der Strosäcke verwendet werden. Daher auch die Altpapier­sammlungen.

* (Raiffeifentag.) Der diesjährige Ver­bandstag der Raiffeisenvereine des Regierungsbezirks Cassel findet am 12. Juli in Cassel statt.

* Eine von den deutschen Vereinen vom Roten Kreuz ausgegebeneDeutsche Kriegs­karte", die den Freimarkenstempel von 5 Pfg. ein- gedrukt trägt, wird an den Postschaltern für 10 Pfg. verkauft. Den Ueberschuß von 5 Pfg. für jede abge­setzte Karte erhält das Rote Kreuz zur Förderung seiner segensreichen Aufgaben.

):( Hersfeld, 28. Juni. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wnrde Gefreiter Konrad Sauer, Jäger-Batt. Nr. 11. medaille 3. Klasse wurde Herrn Zeichenlehrer Willi Brandau von hier verliehen.

):( Hersfeld, 28. Juni. Die Handwerkskammer Cassel errichtete für das Damenschneiderhand­werk in Stadt und Kreis Hersfeld mit dem Sitz in Hersfeld einen Prüfungsausschuß: derselbe besteht aus den Damenschneidermetsterinen Antonie Huth sowie Kathrina Kurz, hierselbst. Als Vorsitzender wurde Schneiderobermeister Wilhelm Hild bestellt, an welchen Anmeldungen und diesbezügliche Anfragen zu richten sind.

):( Hersfeld, 27. Juni. Mit froher und stolzer Genugtuung können wir feststellen, daß der Aufruf zurVolksspendefürdiedeutschenKriegs- und Zivilgefangenen" in ganz Deutschland tiefes Verständnis gefunden hat. Angesichts der Bedeutsamkeit und Dringlichkeit dieser Sammlung hat, wie schon mitgeteilt wurde, Ihre Majestät die Kaiserin selbst das Protektorat über die neue Volks­spende übernommen, .während für die einzelnen Bundesstaaten jeweils ein Mitglied des regierenden Hauses, für die Hansastädte die regierenden Bürger­meister und für Elsaß-Lothringen der Herr Statt­halter die Spende in gleicher Weise unter ihren Schutz gestellt haben. Im Anschluß daran haben sich überall im Deuschen Reich lokale Ausschüsse gebildet, welche sich den notwendigen Vorarbeiten energisch und umsichtig widmen. Jeder Deutsche, der sich des sicheren Schutzes in der Heimat erfreuen darf ist sich bewußt geworden, daß es eine seiner vornehmsten Pflichten ist, auch für unsere in der Fremde weilenden Gefangenen Sorge zu tragen. Für die Tausende, die mit stürmischen und todesmutigem Willen dem Feinde die Stirn boten und ihre Tapferkeit mit dem schweren Opfer ihrer Freiheit büßen mnßten, als sie in feindliche Gefangenschaft gerieten. Und nicht minder gilt das für die anderen Tausende, die bei Ausbruch des Krieges noch im Feindesland lebten und nicht mehr in die Heimat eilen konnten, um für ihr Vater­land zu sümpfen; sie teilen nun das harte Schicksal der Uebrigen. Eine beträchtliche Zahl dieser Aermsten lebt nun schon seit über zwanzig Monaten fern von der Heimat, losgelöst von Frau und Kind und Eltern, von Haus und Hof, vielfach von jeder Nachricht über das Schicksal des Vaterlandes, und oft genug wird ihnen ihr schweres Leid durch harte Arbeit, mangel­hafte Ernährung und Bekleidung und durch rücksichts­lose ja grausame Behandlung noch furchtbarer gemacht. Man werde sich nur klar darüber, unter wie entsetz­licher körperlicher und seelischer Not die deutsche» Ge­fangene» in den Eisfeldern Sibiriens oder in den Sandwüsten Nordafrikas zu leiden haben. Aber auch da, wo sie verhältnismäßig besser behandelt oder er­nährt werden, haben sie schwer an Leid und Sorge zu tragen. Der Hauptausschuß der Volksspende wird vor allem dafür sorgen, daß die Liebesgaben, die aus den ihm zufließenden Geldspenden angeschafft werden, anet) tatsächlich in den Besitz der Gefangenen gelangen. Der Versand dieser Gabe» wird auf sicherem Wege unter Beihilfe und Aufsicht von Vertrauensmännern aus neutralen Staaten erfolgen, so daß zuversichtlich da­mit gerechnet werden darf, daß die Liebesgaben zum

Besten unserer notleidenden Volksgenossen auch wirk­lich ihrer richtigen Bestimmung zugeführt werden. Zur Lösung aller dieser Aufgaben sind natürlich außer­ordentlich große Summen erforderlich, man denke neben anderem vornehmlich an die Versorgung der in Rußland befindlichen Gefangenen mit warmer Winterkleidung und an die notwendige Zusatznahrung und die Medikamente für unsere durch den langen Aufenthalt in Afrika geschwächten deutschen Brüder. Jeder einzelne möge sich das vor Augen halten, wenn er erwägt, wie hoch er seine Spende bemessen will. Und er möge dabei auch nie vergessen, wie wenig, wie unendlich wenig die kleinen Unbequemlichkeiten und Sorgen, die der Krieg uns, die wir auf heimatlicher Scholle sitzen, bringt, angesichts der Leiden jener opferfreudigen und unglücklichen Gefangenen zu be­deuten haben. Jeder Deutsche betrachte es daher als seine Ehrenpflicht, zu dieser Volksspende das' Seine beizutragen. Keiner sage: Es ist zu viel, denn keine Gabe ist groß genug. Und keiner sage: Was ich geben kann, ist zu wenig auch das kleinste Scherslein ist willkommen, und viele Wenig machen ein Viel! So möge denn die deutsche Volksspende den reichsten Erfolg bringen, damit die Gefangenen sich auch in der Ferne bewußt bleiben, wie man im Vaterlande in Treue ihrer gedenkt, und daß sie, wenn sie einst die Heimat Wiedersehen, allen danken dürfen, die in Liebe für sie sorgten. Da unter den Gefangenen jeder Not­leidende bedacht wird, der ein Deutscher ist, so werden auch die aus unserem Bezirk stammenden Gefangenen unter den Beschenkten sein.

Rotenburg, 27. Juni. Der Kirchenälteste Peter Knöpfe! und dessen Ehefrau Anna Elisabeth geb. Hardt- mann in Erkshausen feierten am Sonnabend das Fest der goldenen Hochzeit in körperlicher Frische, wobei ihnen die Ehejubiläumsmedaille überreicht wurde.

Casse!, 26. Juni. Die Werbungen des hiesigen Lehrervereins für Ferienpaten haben ein über Er- Är&ik^

ktnder werden während der bevorstehenden Ferien unentgeltliche Aufnahme bei Landbewohnern Kurhessens finden. Die Stadt Cassel überweist den betreffenden Gemeinden das auf die Kinder entfallende Brot oder Mehl.

Cassel, 27. Juni. (Ein vierzehnjähriger Lebens­retter.) Gestern mittag stürzte das 5jährige Töchter- chen des Arbeiters K. beim Spielen vor der Schlagd in die Fulda. Der Schüler Adolf Notnagel sprang sofort in den Flntz und rettete das Kind vor dem sichern Tode des Ertrinkens.

Hofgeismar, 27. Juni. DerKreis Hofgeismar muß in der Zeit vom 1. Juni bis 15. Juli 1916 276 Rinder 222 Kälber, 516 Schweine und 528 Schafe zum Schlachten für den Viehandelsverband und für den Kreis auf­bringen. Da die Beschaffung auf Schwierigkeit stößt, gibt der Landrat der Bevölkerung den dringenden Rat, die sonst notwentig werdende Enteignung durch freiwillige Lieferung zu umgehen.

Hann.-Mnnden, 27. Juni. Die goldene Hochzeit beging hier der Lehrer und Kantor a. D. Ruhl und Ehefrau.

Hedemünden, 27. Juni. Beim Erdbeerpflücken stürzte der 10jährige Sohn der Witwe Ströver an den steilen Abhängen des Kalkberges 25 Meter tief ab. Vorübergehende Verwundete brachten das schwerver­letzte Kind in bewußtlosem Zustande in die elterliche Wohnung.

Dillenburg, 27. Juni. Der hiesige weitbekannte Otternjäger Wissenbach brächte jetzt in der Lahn den 222. Fischotter zur Strecke.

Kirchhaiu, 27. Juni. Daß- die Gänsezucht noch etwas cinbringt, beweisen die Preise, welche gezahlt wurde». Für junge, etliche Tage alte Gänschen wur­den im Frühjahr 23 Mark, für habwüchsige 8-9 Mark und für ganz ausgewachsene junge Gänse zahlte der Händler 13 Mark.

Eschwege, 27. Juni. Der Landrat gibt bekannt: Aus verschiedenen Gemeinden wird mir berichtet, daß die zur Biehfütterung zurückbehaltenen Kartoffeln sich im aus wesentlichen kleineren Knollen Zusammensetzen. Soweit diese Knollen für menschlichen Genuß noch ver­wendbar sind müssen dieselben gemäß Bestimmung der Provinzialkartvffelstelle jetzt mit zur Ablieferung kommen.

Eisenach, 26. Juni. Eine große Freude in der Familie des Obersten a. T. Werner Ehrense»cht (bis 1913 Bezirkskommandeur in Eisenach). zurzeit in Mus- kau, zuteil geworden. Seit der Bekämpfung des rus­sischen Vorstoßes gegen Schlesien und Poren, den Schlachttagen bei Lowitsch gegen Mitte Dezember 1914, wurde der Vizefeldwebel Eberhardt Werner-Ehreu- feucht verunßt. Er war zuletzt verwundet auf dem Schlachtfelde gesehen worden. Jetzt nach 18 Monaten banger Ungewißbett traf die Nachricht ein, daß der Vermißte sich im Gefangenlager Bresowka in ^rano- baikalie», dicht an der chinesischen Grenze befindet und gesund ist.