Hersteller Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^ersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 145.
Freitag, den 23 Juni
1916
AntkAr Teil.
Hersfeld, den 17. Juni 1916.
DieHerren Bürgermeister und Gutsvorsteher weise ich erneut auf die Verfügung vom 22. Februar 1916 — I. 2131 Kreisblatt No. 48 — hin, mit welcher ich die Bestimmungen über die Benutzung der Königlichen Be- fchäler auf der Gestütstation Niederaula bekannt gegeben habe und erinnere ausdrücklich an die pünktliche Einsendung der Listen über die Abfohlungser- gcbnisse an die Stationswärter sowie auch an die Bezahlung der fälligen Deck- und Füllengelder seitens der Züchter.
Tgb. No. I. 6199. Der Landrat.
I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 19. Juni 1916.
Bon verschiedenen Seiten ist bei mir darüber Beschwerde geführt, daß Kaffee-Ersatzmittel in hiesigen Geschäften nur abgegeben würden, wenn die betreffenden Kunden gleichzeitig eine entsprechende Menge Kaffee kauften. Dieses Verfahren widerspricht der Bekanntmachung des Kriegsausschusses für Kaffee und Tee vom 22. Mai d. I., wonach gerade umgekehrt derjenige, welcher Kaffee einzukaufen beabsichtigt, gleichzeitig Kaffee-Ersatzmittel in entsprechender Menge mit kaufen muß, dagegen kann natürlich jedermann Kaffee-Ersatzmittel auch allein in beliebiger Menge kaufen.
Der Preis für ^ Pfund gerösteten Kaffee und ^ Pfund Kaffee-Ersatzmittel zusammen darf 2,20 Mark nicht übersteigen.
Tgb. No. I. 5926. Der Landrat.
I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
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Druksachen Anpreisungen
Etellv. Genköo. XI. A.-K.
1 b. Nr. 10 33316. Cassel, den 30. 5. 1916.
In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Firmen Drucksachen mit Anpreisungen und Angeboten und selbst Gegenstände in Feldpostbriefen an willkürlich gewählte Truppenteile versenden und diesen Angeboten manchmal noch Erinnerungsschreiben folgen lassen.
Sollte sich die Zahl dieser Sendungen, die eine ganz erhebliche Belastung der Feldpost darstellen, in Zukunft nicht vermindern, so werde ich genötigt sein, auf Grund des § 9 b des Gesetzes vom 4. Juni 1851, G. S. Seite 451, in Verbindung mit Artikel 68 der Reichsverfassung, Versendung von Anpreisungen an Truppenteile oder Angehörige des Feldheeres überhaupt zu verbieten. —
Die Kommando-Behörden und Truppen im Felde sind zu ihrer und der Feldpost Entlastung angewiesen, Antworten auf derartige Angebote nicht zu erteilen.
Der Kommandierende General von Haugwitz, General der Infanterie.
* * * Hersfeld, den 19. Juni 1916. Wird veröffentlicht.
J. Nr. I. 6792. Der Landrat.
F. B.:
v. Hede wann, Rcg.-Affcssor.
Hersfcld, den 17. Juni 1916.
Der Wäscher Jacob Heyer in Hersfeld ist durch Verfügung der hiesigen Polizei-Verwaltung als Trunkenbold erklärt worden.
Heyer ist der Aufenthalt in Lokalen, in denen geistige Getränke zum Ausschank kommen, verboten. Die Abgabe von geistigen Getränken an Heyer ist nach der Regierungs-Polizeiverordnung vom 9. Dezember 1902 strafbar und hat in wiederholten Zu- widerhandlungsfällen Konzessionsentziehung im Gc-
Tgü'No. I. 6672. Der Landrat.
3. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 9. Juni 1916.
Die Bekanntmachung im Kreisblatt No. 139, wonach die Maul- und Klauenseuche in dem Gehöft des Landwirts Adam Most 1 in Neukirchen Kreis Hünfeld ausgebrochen ist, beruht auf Irrtum. Die Seuche ist erlösche«.
Tgb. No. 1. 6275. Der Landrat.
J. V.:
Funke, Kreissekretär
Bus der Heimat«
* Der erste der längsten Tage des Jahres ist der 21. Juni. Wir haben nämlich nicht einen längsten Tag, sondern vier längste Tage, bemt sowohl am 21.
wie am 22., 23. und 24. geht die Sonne 3 Uhr 39 Minuten (nach mitteleuropäischer Zeit, während nach nach Sommerzeit eine Verschiebung um eine Stunde eintritt) auf und 8 Uhr 24 Minuten unter. Wenn wir aber auf eine Minute keinen Wert legen, so haben wir sogar sieben längste Tage, denn am 25. 26. und 27. Juni geht die Sonne auch erst 8 Uhr 24 Minuten unter und nur eine Minute später, 3 Uhr 40 Minuten, auf. Der Sommeranfang bringt hoffentlich auch beständige warme Witterung.
Erfurt, 21. Juni. Der 14jährige Arbeitsbursche Erich Rothe in Weißenfels fand in der Wohnung seiner Eltern eine Messinghülse, ähnlich der einer Jn- fanteriepatrone, mit der er im Hofe spielend hantierte. Plötzlich explodierte die Hülse und riß ihm vier Finger der linken Hand weg. Angeblich hat der 12= jährige Bruder des Verletzten die wahrscheinlich von einem Verwundeten herrührende Sprengkapsel in der Nähe eines Reservelazarettes gefunden.
Greiz, 18. Juni. Im großen Krümmerteich an der Waldhausstraße ertränkte sich die in Greiz geborene Ehefrau des Arbeiters Arnold Früh mit ihren beiden Kindern, zwei Mädchen im Alter von 2 und 6 Jahren. Der Ehemann ist zum Heeresdienst eingezogen und während dessen war die Frau ein neues Verhälnis eingegangen.
Hanau, 21. Juni. Am Sonntag nachmittag spielten in Bischofsheim einige junge Burschen in Gegenwart des Kriegsinvaliden Krostewitz mit einem geladenen Terzerol. Auf unaufgeklärte Weise entlud sich plötzlich die Waffe. Die Kugel drang dem Krostewitz in die Brust, der sich noch einige Schritte fortschleppte und dann tot zusammenstürzte.
Frankfurt a. M., 19. Juni Im Hause Neuheimer- stratze 21 stürzte der 11jährige Richard Diehl, als er von einem Fenster ins andere klettern wollte, vom ersten Stock in den Hof. Der Knabe erlitt einen schweren Schädelbruch und wurde iv fast Hoffnung?-
Richtlinien für die Erhaltung der diesjährigen Obsternte.
Die in diesem Jahre der Bevölkerung zur Verfügung stehenden geringen Zuckermengen zwingen unbedingt dazu, die Obsternte in weitestgehendem Umfange ohne Zucker zu erhalten, da im Interesse der Bolksernährung ein Verlust an Obst aller Art soweit als nur eben möglich vermieden werden muß.
Da Zucker eingemachtes Obst einerseits nicht nur süßt, sondern auch haltbar macht, und da andererseits zuckerarmes, eingemachtes, aber nicht sterilisiertes Obst leicht verdirbt (gärt, essigstichig wird usw.), ist in den Fällen, wo Zucker angewendet wird, nicht etwa an Zucker zu sparen, sondern nach bewährten bisherigen Vorschriften zu verfahren.
Aepfel und Birnen werden, soweit sie im natürlichen Zustande längere Zeit haltbar sind, zweckmäßig in dieser Form in geeigneten Räumen aufbewahrt und erst allmählich unmittelbar oder verarbeitet verzehrt.
Im übrigen empfiehlt es sich, Aepfel, Birnen und Pflaumen in möglichst großem Umfange zu trocknen (in Backöfen, Bratöfen usw.), da getrocknetes Obst im Laufe des Jahres nach verschiedenen Richtungen hin Verwendung finden kann.
Unreife Stachelbeeren, reife (aber nicht überreife) saure Kirschen (mit einem Tuch sauber abgewischt) und Rhabarberstengel (in kleine Stückchen zerschnitten) lassen sich in gut verschlossenen Flaschen ohne zuvorige Erhitzung längere Zeit in sehr kühlen Räumen auf- bewahren (die fest eingefüHten Rhabarberstückchen und unreifen Stachelbeeren können auch zunächst mit abgekochtem und dann erkaltetem Wasser übergossen werden).
In den sonstigen Fällen kommt Erhitzung und, soweit Sterilisierung nicht durchführbar ist, Anwendung eines chemischen Konservierungsmittels in Betracht, um eine haltbare Dauerware zu bekommen.
Die Sterilisierung bezweckt die Vernichtung der vorhandenen Zersetzungserreger (Hefen und Bakterien) sowie die Verhinderung des Eindringens weiterer derartiger Kleinlebcwescn. Infolgedessen kommen für die Sterilisierung im Haushalte Gefäße mit entsprechendem Verschluß (Weckgläser, Glasflaschen mit gut schließenden verlachen oder verpichten Korken sowie mit Gnmmiverschlüsscn — sogen. Patentflaschen) in Betracht. Als Korke können auch alte, zunächst in kaltem Wasser eingeweicht und alsdann kurze Zeit (eventuell unter Zusatz von etwas Salzsäure) gekochte Korke Verwendung finden,' lange Korke — z. B. von Weinflaschen — sännen in mehrere dicke Scheiben zerlegt werdennndsozum gleichzeitigen Verschließen mehrerer Flaschen dienen. Zum Berlacken ist nicht nur Flaschen- lack, sondern auch Pech und Harz geeignet.
Als chemische Konservierungsmittel kommen nur solche in Betracht, deren Genuß in den zur Haltbarmachung erforderlichen Mengen die menschliche Gesundheit zu gefährden nicht geeignet ist.
Es sind dies Benzoesäure und auch Ameisensäure.
Benzoesäure wird am zweckmäßigsten als benzoesaures Natron benutzt, ein weißes Pulver, das sich leicht dosieren läßt, und von dem 1 Gramm auf 1 Kilogramm Fruchtmus, ungezuckerten Fruchtsaft und dergleichen zur Haltbarmachung genügt. Mehr als 1.5 Gramm aufl Kilogramm Mus usw. sollten jedenfals vermieden werden. Es ist zweckmäßig, sich die von Fall zu Fall erforderlichen Mengen an benzoesaurem Natron in der Apotheke beim Einkauf abwiegen zu lassen, weil hierfür im allgemeinen im Haushalte geeignete Wagen nicht zur Verfügung stehen.
An Ameisensäure ist mehr erforderlich als an Benzoesäure und zwar etwa 0,25°«. Hierbei ist zu beachten, daß die Ameisensäure des Handels eine wäßrige Lösung von Ameisensäure darstellt. Die in den Apotheken erhältliche Arzneibuchware ist 25prozentig. Von dieser ist demnach !'« erforderlich. Es kommen demnach auf 1 Pfund Mus, ungezuckerten Fruchtsaft usw. 5 Gramm, auf 1 Kilogramm 10 Gramm der Arzneibuchware. Auch bei diesem Mittel ist es das Zweckmäßigste, sich die von Fall zu Fall erforderliche Menge in der Apotheke genau abwiegen zu lassen.
Die chemische Haltbarmachung ist allerdings nur da zu empfehlen, wo die übrigen Verfahren aus Mangel an geeigneten Gefäßen oder aus anderen Gründen nicht anwendbar sind, weil es erstrebenswert ist, Obstdauerwaren möglichst naturrein herzustellen.
Zum Sterilisieren dürfen nur sehr sorgfältig gereinigte Flaschen undFlaschenverschlüsse Verwendung finden. Die Korke werden wie bei Weißbierflaschen fest verschnürt, und das Erhitzen der Flaschen mit Inhalt erfolgt in einem Wasserbade. Zu dem Zweck werden die Flaschen mit Papier, etwas Holzwolle oder Stroh umwickelt, fest neben einander in einen Kochtopf gestellt, der so viel Wasser enthält, daß die Flaschen etwa zu y im Wasser stehen, und dann der Topf zugedeckt aufs Feuer gebracht. Sobald das Waffer kocht und auch der Flascheninhaltientsprechend erhitzt ist, läßt man noch etwa zehn Minuten kochen, stellt alsdann
Bet fäurearmen Früchten (3. B. Himmbeeren) ist es zweckmäßig, die angegebene Erhitzung nach zwei Tagen nochmals für kurze Zeit zu wiederholen. Unmittelbar nach der endgültigen Sterilisierung werden die Flaschenköpfe sorgfältig getrocknet und verlockt.
In der angegebenen Weise lassen sich verschiedene Früchte, Fruchtmuse, Fruchtsäfte, Rhabarber und dergl. haltbar machen. Die Flaschen müssen demnächst möglichst kühl, also tunlichst in einem Keller oder in einem anderen kühlen Raum aufbewahrt werden.
Pflaumenmus, Birnenmus und Apfelmus aus reifem Obst läßt sich z. B. kurz einkochen (so fest, bis es sich schneiden läßt) und in gut mit dichtem Papier überbundenen Tontöpfen aufbewahren, wenn diese unmittelbar nach dem Einfüllen des heißen Muses kurze Zeit in einen Bratofen gestellt werden, bis sich auf der Oberfläche durch Eintrocknung eine Kruste gebildet hat. Zweckmäßig ist es allerdings, diese Kruste mit einer dünnen Harzschicht zu überziehen.
Bemerkt wird noch, daß die Bevölkerung in der Lage ist, ffich ungezuckerte Obstdauerwaren demnächst beim Genuß nach Belieben mit den ihr regelmäßig zur Verfügung stehende Zuckermcngcn nachzusüßen, und daß sich insbesonodere auch gemischte Konserven ohne jeglichen Zuckerzusatz recht schmackhaft herstellen lassen.
Durch die Lupe.
Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.
Mag uns auch im fernen Osten — hier und da für kurze Zeiten — dieses KriegeS Wechsellaune — mal ein Mißgeschick bereiten, — mag sich auch vorübergehend — dort der Russe wieder zeigen, — nicht vermag des Krieges Wage — deshalb sich für ihn zu neigen, — über kleine Teilerfolge — kommt er nimmermehr hinaus, — fest und sicher schirmt auch künftig — unser Heer uns Hof und Haus. — Besseres auf andren Fronten — interessiert uns vorderhand, — Oesterreichs Soldaten stehen — tief im Italiener- land, — um Verdun die Eisenringe — schließen fester sich als je — und in Flandern spürt der Brite — täglich härter unsre Nah'. — Die Neutralen in der Runde — haben ebenfalls begriffen, — daß der Brite mehr verloren — jüngst in feinen Panzerschiffen — als Kanonen nur und Eisen, — wenn er diese auch ersetzte, — bleibt fein Weltruhm doch beschädigt, — den ihm Deutschland arg verletzte. — Manche, die seit langen Zeiten — zweifelnd hin und her geschwankt — und vor deren offner Feindschaft — vielen wohl bei uns gebangt, — scheinen selbst in diesen Tagen — keine Lust mehr zw verspüren..— für die Mächte der Entente - einen Finger nur zu rühren, — seit sich durch die Mecresschlacht — England um den Ruf gebracht. — Sicher wird im fernen Osten, - wie schon zu so vielen Malen, - bald für uns und unsre Freunde — neu der Stern des Sieges strahlen, — wir daheim in sichrer Obhut sollten's nur nicht unterlassen — stolze Zuversicht zu hegen — und uns in Geduld zu faßen. Walter-Walter.