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gelaufenen neuesten Mch-rMen zufolge hat sich Die günstig entwickelte Lage noch mehr gebessert.

Ueber die Kämpfe im Raume von Lnck meldet der Kriegsberichterstatter Rolf Brandt den Blät­tern unterm 16. Juni: Am 29. Mai begannen die Russen mit stärkerem Artillerieeinsatz die Fenervorbe- reitung auf der ganzen Front vom Styr-Abschnitt bis zur rumänischen Grenze. Am 3. Juni steigerte sich die Är- tilleriewtrkung im Raume von Luck und Olyka zu un­erhörter Heftigkeit, wobei ein Frontstück von 25 Kilo­meter betroffen wurde. Am 4. Juni folgte der Jn- fanterisangriff mit rücksichtslosem Masseneinsatz. Unter Sem Andrang der russischen Massen wurde auch Luck aufgegeben. Danach mußten auch selbstverständlich die nördlich und südlich anschließenden Truppen zurückge- nommen werden. Die Styr-Stellung wurde auf der Linie Czartorysk-Sokal eingebogen. Deutsche Truppen wurden eingesetzt. Gegen die neue Linie Czartorysk- Sokal setzten die Russen sofort heftige Angriffe an, die blutig zusammeubrachen. Einzelne Regimenter wur­den vollständig aufgerieben, 2000 Gefangene gemacht. Westlich Luck in Richtung Wladimir-Wolynsk gingen die Russen nur zögernd und vorsichtig weiter, ihre Artillerie kam durch das schwierige Gelände nur sehr langsam vorwärts. Nach dem Einsatz deutscher Trup­pen war jede Bedrohung Kowels, des wichtigen Bahn- knotenpunktes, den die Russen als nächstes Ziel ihrer Offensive im Raume Luck sich gesetzt hatten, aufgehoben. Der Bormarsch steht. Es ist überflüssig, die russischen Erfolge abzustreiten, nicht überflüssig, ihre außerordent­liche Uebertreibung festzustellen. Luck war von den Russen nicht als Festung im modernen Sinne ausge- baut. Die Oesterreicher fanden alte, verfallene Erd- werke vor und legten ihrerseits Feldstellungen an, das war der Wert der Festung Luck. Ebenso übertrieben sind die russischen Gefangenenmeldungen.

Die Kämpfe an der rumänischen Grenze.

DieB. Z." meldet aus Bukarest: Der Ausschutz der rumänischen Regierung, der nach Marmornitza fuhr, um den von den Russen bei ihrem Einfall verursachten Schaden festzustellen, kam zurück, da die Kämpfe an der ganzen Grenze entlang heftig fortdauern und dadurch die Tätigkeit der Kommission unmöglich machen. Die Geschosse fliegen 2W Meter weit auf rumänischen Boden, sodaß man nicht nahekommen kann.

Die Mexikossrgen Amerikas.

Reuter meldet aus Washington: General Funston, Kommandant der amerikanischen Truppen in Mexiko, meldet, daß General Trevino, Kommandant der mexi­kanischem Truppen zu Chihuahua, ihm gesagt habe, daß jede Bewegung von amerikKNischen Truppen nach dem Süden, Westen oder Osten hin einen Angriff der mexi­kanischen Truppen nach sich ziehen wurde.

Morningpost" meldet aus Washington vom 16. ö. Die Zustände in Mexiko sind so gefährlich gewor­den, daß die amerikanische Regierung nicht viel länger an der Voraussetzung festhalten kann, daß zwischen ihr und der amerikanischen Regierung ein volles Einver­nehmen bestehe. Mexikanische ueberfälle auf amerikani­sches Gebiet kommen täglich vor, und es ist kein bloßer Verdacht, daß die Banden, die diese Ueberfälle aus­führen, von Carranza und seinen Leuten geduldet wer­den, wenn diese nicht unmittelbar daran teilnehmen. Der Berichterstatter derMorningpost" bemerkt zum Schluß, ein Krieg zwischen Amerika und Mexiko wäre gerade jetzt sehr unangenehm für England, weil die englische Flotte dann ihren Bedarf an Heizöl nicht mehr in Mexiko würde decken^ können.

Wilsous W ht ssicht

Der Korrespondent desManchester Guardian" in St. Louis meldet: Es sei ausfällig, daß in beiden Pro­grammen, sowohl in dem der Republikaner wie in dem der Demokraten, die Forderung nach höheren Einfuhr­zöllen zu finden sei. Präsident Wilson sei bei seinem Regierungsantritt ein Anhänger niedriger Zölle gewe­sen. Er sei jetzt aber ein Freund von vorübergehender Zollerhöhung, um zu verhindern, daß Amerika nach dem Kriege mit ausländischen Erzeugnissen überschwemmt werde.

SriegMletlel

Wrackstücke aus der Nordseeschlacht.

Nach Kopenhagener Mättermeldungen sind wäh­rend des letzten Nordseesturmes an verschiedenen Stellen der Westküste Jütlands zahlreiche Wrackstticke, aus der Nordseeschlacht herrührend, angespült worden, darunter eine Munitionskiste, die eine Metallplatte mit der Be­zeichnungQueen Mary" trügt, ferner Teppiche, We­sten und zahlreiches Schiffsgerät.

Ein radikales Mittel gegen Verwahrlosung.

Der Polizeipräsident von Lodz erließ eine Verord­nung, wonach alle in den Straßen der Stadt angetrof­fenen Personen, die so schmutzig, zerlumpt und verlaust sind, daß sie öffentliches Aergernis erregen, unverzüg- lich verhaftet, geschoren und solange zuruckbehalten werden, bis Körper und Kleidung gereinigt und die Sachen ausgebessert sind. Etwa entstehende Kosten werden durch Zwangsarbeit gedeckt.

England fabriziert fieberhaft Munition.

Tausende von Fronen werden nach demDaily Expreß" vom 8. Juni sofort in Munitionsfabriken be­nötigt. Der Munittonsminister hat 64 Jnstrnktions- gitleu im ganzen Lande errichtet, in denen Frauen in r MunitionsyerstelluM unterwiesen werden sollen.

Hauptmauu Boelcke.

DerMatin" will wissen, daß Fliegerhauptmann Boelcke mit seinem Flugzeug vom französischen Flieger- adjutant Ribidre abgeschossen Ki. Wie dieFrkf. Ztg." erfährt, trifft diese Meldung nicht zu. Haupt wann Boelcke besindet sich wohl. ________

Politische Rundschau.

Der Deutsche Flottenvereiu hielt Sonntag vormittag im Sitzuugssaale des Herrenhauses seine15. ordentliche Hauptversammlung unter dem Borsitze des Großadmi­rals v. Koester ab. Zunächst gedachte der Vorsitzende des Großadmirals v. Tirpitz, der sich um die Entwickelung der Marine mit so gläuzeudeniErfolge unablässig be- müht Habe, und sagte, daß Tirivtz Geist in der Marine moWerieÄu werde. Ueber die Seeschlacht am Skager- rak sagte der Redner: Hier wurden der ersten See- macht der Welt, dank der Entichlossenheit der Führer, der glänzenden Tapferkeit der Besatzrutgen, und der Bvrzüglichkeii des Swisssmaterials, so empfindliche Ver­luste zuaefügt, daß sie trotz der zahlenmäßigen Ueber« macht eine empfindliche Schwächung des Feindes be­deuten. Bei der Besprechung des U - B o o t s k r i e g e s erinnerte Admiral v. Koester daran, welche völkerrechts­widrigen Maßnahmen England gegen die U-Bootsge- sahr getroffen habe. Wenn eine Einschränkung im Ge­brauch des U-Bootes als notwendig erachtet wird, so liegen dafür sicherlich schroertviegende politische, viel­

leicht auch wirtschaftliche Gründe vor, die sich unserer Beurteilung entziehen. Wir fügen uns, tun es aber in bem Bewußtsein, daß die Marine damit ein großes Opfer bringt. Die Luftschiffe haben sich als beson­ders erfolgreiches Mittel zur Schädigung unserer Feinde erwiesen. Admiral v. Koester gedachte hier in ehrenden Worten des Grafen Zeppelin und der Mann­schaften der Luftschifflotte. Er erwähnte schließlich die Leistungen des flandrischen Marinelorps unter Füh­rung des Admirals Schroeder. An Großadmiral von Tirpitz wurde ein Begrützungstelegramm abgesandt und ihm gleichzeitig die Ernennung zum Ehrenmitglieds des Vereins mitgeteilt.

Die Hauptanfgaben der japanischen Politik. Die Nowoje Wremja" meldet lautFrkf. Ztg." aus Tokio: Die Leiter der drei größten politischen Parteien Japans stellten in einer gemeinsamen Konferenz die Hauptaur- gaben der japanischen Politik fest: Annäherung an China, Erweiterung der dortigen japanischen Interessen, sowie Stärkung von Armee und Flotte. Die Parteien schlössen sich zu einem Block zusammen, um die Durch- führung des Programms zu erzwingen.

Ein Seegefecht M Lende.

Was ein Kriegsteilnehmer berichtet.

Wochen sind vergangen seit dem letzten großen An­griff der Russen. Wochen, in denen sie sich merkwürdig ruhig verhielten, und die von uns zum Weiterausbau der Stellungen benutzt wurden. In diesen Wochen, in denen selten tagsüber die Geschütze krachten, selten ein kleinerer Angriff erfolgte, spielte die Nacht mehr eine Rolle, die Nacht mit ihren zahllosen Patrouillenkämpfen. Sobald die Dämmerung herabsinkt, beginnt in den Stellungen hüben und drüben ein reges Leben. Die Schanzlommandos treten an, Hacken und Spaten regen sich, und hüben wie drüben hört man das Arbeiten der Leute. Dann beginnt auch die Zeit der nächtlichen Patrouillengänge, die oft von ihren lebensgefährlichen Wegen wichtige Erkundungen mit bringen. Dabei kommt es dann zu heftigen Kämpfen, in denen Hand­granaten die Hauptrolle spielen, besonders wenn zwei Patrouillen in dem schwer übersichtlichen Gelände auf­einanderstoßen. Da wird dann mit äußerster Wut und Erbitterung gekämpft, denn nicht immer entscheiden List und Geistesgegenwart. Die beiderseitigen Patrouillen- kommandos, die den Befehl Haben, die Schanzarbeiten des Gegners nach Möglichkeit zu stören, gehen, da die Führer und Mannschaften ausgesuchte Leute sind, mit aller Vorsicht, doch auch wieder mit größter Verwegen­heit vor, und geraten oft in die schwierigsten Lagen, in benen nur die größte Kaltblütigkeit zur Rettung wird. Und doch drängen sich die Mannschaften förmlich zu den Patrouillengängen, und für die Führer ist es oft schwer, jedem gerecht zu werden und niemand zurückzusetzen.

Auch vor unserer Stellung sind die Patrouillen­gänge gang und gäbe, nur ist es bei uns schwieriger, denn ein weites, mit Buchten und Inseln, von Schilf und Wasserlinsen durchsetztes Seengelände zieht sich vor un­sern Stellungen hin. Unserer Leitung lag daran, zu er­fahren, ob eine größere Insel fast in der Mitte des Sees wieder vom Feinde besetzt sei, nachdem er erst vor kurzem durch Artilleriefeuer von dort vertrieben wor- ben war. Wir selbst hatten schon oft Boote dort herum fahren sehen, und es war gar nicht ausgeschlossen, daß die Kerle sich von neuem dort festgesetzt hatten. Auf meine Anfrage melde reu sich genug Leute, so daß ich mir die geeignetsten heraussuchen konnte. Wir machten un­ser Schlachtschiff, dem wir den Namen Germania gegeben hatten, einen großen, breiten, hochbordigen Fischerkahn, fuhren wir am Tage fort, denn wir wußten bestimmt, daß die Russen auf jedes sich nähernde Fahrzeug sofort Feuer gaben. Auf diese Art konnten wir am besten fest­stellen, ob die Insel besetzt sei. Ich hatte mir 6 Leute aus­gesucht. Leute, die schon oft auf Kundschaft waren, die am Wasser groß geworden und sich darauf verstanden. Zwei Mann ruderten, die andern beobachteten. Wir kamen der Insel näher, immer näher, nichts regte sich auf derselben. Kein Schutz fiel. Wir ruderten noch näher, kamen bis auf 30 Meter heran, alle Sinne bis zum Aeutzersten angespannt, befürchteten wir jeden Augen­blick eine todbringende Salve, doch nichts geschah, still und ruhig lag die Insel da. Sie schien also nicht besetzt zu sein, denn es war ganz ausgeschlossen,-daß die Russen ihrem Jagdeifer solange Zügel angelegt hätten, wo wir doch ein so nahes sicheres Ziel boten, zumal es, wie wir wußten, Asiaten waren, die uns noch immer gegen- überlagen. Doch Vorsicht, äußerste Vorsicht war am Platze, deshalb ließen wir uns Zeit imb ruderten, immer dicht am Ufer uns haltend, rund um die Insel herum, scharf spähend, auch das geringfügigste nicht außer acht lassend. Wieder am Ausgangspunkt angekommen, waren wir überzeugt, daß die Insel unbesetzt war, ein paar kräftige Ruderschläge, und knirschend fuhr das Boot auf ben Grund. Wie der Blitz waren wir auf dem Lande und warfen uns sofort Deckung suchend ins hohe Schilf. Doch alles blieb still, kein Feind war zu sehen.

Kurze Zeit noch blieben wir liegen, dann ging ich mit vier Mann vor, zwei blieben als Wache bei dem Boot zurück. Vorsichtig durchstreiften wir nun das Unterholz, kamen an die Befestigungen der Russen, die sie quer die Insel durchschneidend angelegt hatten. Sie waren durch unser Artilleriefeuer sehr mitgcnom- men, und wie es schien, in größter Eile verlassen wor­den, wie die überall noch Hern inliegenden unvestatteten Leichen bewiesen. Auch Waffen und Ausrustungs- gegenstände fanden sich genug vor, doch fehlte es uns an Zeit, alles zu sammeln und uritzunehmen. Wir nah­men das Nächstliegende und wollten soeben fchwcrbe- packt zum Boot zurück, als von dorther schnell hinter­einander mehrere Schüsse krachten.

Was, zum Teufel war dort los?" In größter Hast strebten wir vorwärts, keuchend brachen wir uns durch das Gestrüpp, durch das den Blick verdeckende Unterholz Bahn, noch zehn, zwanzig hastige Sprünge, wir waren am Strande und sahen gleich die ganze Be­scherung. Drei dicht mit Russen besetzte Kähne, zwar kleiner wie der mistige, doch bedeutend flinker, hatten uns überrascht und versuchten, unser Boot abzufangen, indem sie uns im Halbkreis umstellt hatten. Als wir am Strande erschienen, erhoben die Kerle ein höllisches Gebrüll und sprangen alle zu gleicher Zeit in den Käh­nen hoch, so daß dieselben ganz bedenklich schaukelten, wodurch uns Gelegenheit wurde, mit Hinterlassung der erbeuteten Waffen in unser Boot zu springen und das­selbe vom Ufer abzustoßen.

So, jetzt konnte die Seeschlacht beginnen. Ganz wohl war es uns nicht, denn die Russen waren in be- denlender Ueberzahl, doch war unser Boot stärker, und hinter unsern Schutzschildern fühlten wir uns verhält­nismäßig sicher. ES galt jetzt vor allen Dingen durch- zubrechen, um ins offene Wafser zu kommen, denn in dem Merschilf konnten unsere Studerer nicht manövvie- rem Die Russen merkten unsere Absicht und feuerten wie toll, was jedoch unsere beidert Ruderer nicht ab- hielt, langsam und sicher aus dem Bereich des Ufers sich M emfermerl. Tief geblickt, um nW <MUM rar

werden, arbeiteten die braven Leute mit NtesenkrM und brachten den Kahn nach kurzer Zett ins offene Waf- fer. Wir lagen auf dem Boden des Kahns, den Finger am Abzug der Gewehre und paßten auf den Moment, der uns erlaubte, dem Feind die erste Salve zu geben. Die Puffen heulten wie besessen, als unsere Bemühun­gen, vom Ufer fortzukommen, von Erfolg gekrönt wa­ren, und alle drei Boote schössen in großer Eile auf uns zu. Das vorderste war vielleicht noch 80 Meter von uns entfernt, als tch das Kommando zum Feuern gab. Die ersten Schlisse krachten, und Gott Lob hatten sie Er- solg, denn wir sahen einige Russen, die nicht so gut ge­deckt waren, aufspringen und zusammensinken, sie waren getroffen. Einer stiirzte mit gellendem Schrei ins Wasfer. Einen Angenblick wurde es jetzt ruhig, unh ich dachte schon, die Russen würden jetzt verschwinden. Doch wurde mir bald klar, daß sie alles andere als das beabsichtigten. Unter fortwährendem heftigem Feuern teilten sie sich wieder und griffen nun von drei Seiten an. Ein erschreckter Ausruf des vordersten meiner Ruderer ließ mich rückwärts sehen!Verdammt, da tauchte ja noch ein Boot auf!" Na, jetzt konnte die Ge­schichte gut werden. Vier gegen Einen! Das wütende Feuer der Ruffeu hinderte uns sehr, Steurer wie Ru­derer mußten tief gebückt bleiben, und auch wir audern vermochten . kaum zu schießen, denn hageldicht mit gellem, ohrenzerreißendem Ton prasselten die Geschosie gegen unsere Schntzschilde, zischten dicht über unsere Köpfe weg. Doch hielten wir immer Kurs auf das Ufer zu, wo unsere Stellungen lagen, langsam, ganz langsam ging's, doch es ging.

Wenn doch die Bande nur näher käm', daß man ihr einige Handgranaten an die dicken Schädel werfen könnte!" knurrte einer meiner Leute. Denselben Ge­danken hatte ich auch, denn unsere Lage wurde nach­gerade mehr als ungemütlich, zwei von uns waren schon verwundet. Schueckengleich. wie es mir schien, kroch unser Boot fort, schon kam die Dämmerung, noch eine halbe Stunde, dann war's Nacht, und dann mochte der Himmel wissen, wie die Geschichte auslief. Doch, als ob die Russen meinen heißen Wunsch geahnt hätten, fuhren plötzlich die beiden nächsten Kähne mit großer Schnelligkeit auf uns zu. Wir konnten die Köpfe der Ruderer, die mit aller Macht die Riemen führten, gut > sehen, warteten aber mit dem Schießen, bis sie näher heran waren. Neben uns lagen griffberest die Hand­granaten. Jetzt waren sie noch 40 Meter von uns ent­fernt, jetzt nur noch 30, noch 25, noch 20 Meter, nun war's Zeit. Unsere Büchsen krachten, drüben wilde Schreie, treibende Ruder im Wasser. Noch schössen die Boote vorwärts, doch der Führung beraubt, kamen sie aus dem Kurs, kamen sie uns gerade recht, gerade wurf» gerecht. Die Büchsen hinlegen, aufspringen, ein, zwei, drei Handgranaten hinüberschleuöern, und wieder hin- schmeitzen war das Werk von Angenblicken. Heftig schaukelte unser Kahn, doch dank seiner Breite kippte er nicht. Drüben öonnetnöeh Krachen, lautes Heule» imd Brülleir, heftiges Plätschern im Wasser. So, die wären abgetan, und wie abgetan! Das eine Boot ver­sank sofort, das andere trieb zerrissen und zerfetzt da­von. Von den Russen waren wohl die meisten umge- kommen, nur wenige plätscherten noch im Wasser her» um, die dann nachher von den beiden andern Booten, denen die Lust zum Weiterkämpfeu vergaugeu war, auf­gefischt wurden. (Köln. Ztg.)

Vermischtes.

MünchenerGaudi". In einem von der Polizei- direktion München ausgegebenen amtlichen Bericht über Anfammlunaen .....

...... ,

Rathaus-Torwart einige Frauen an, die auf dem Markte nichts Befommen hatten. Insbesondere ver­langten sie Brotkarten. Sie würben an die Brotkarten-

verteilungssteller. in den SchulhäuserN verwiesen. Die zum Teil erregte Unterhaltung ließ Neugierige sich an­sammeln, die sich aber gegen Abend auf persönliches Eingreisen des Polizeipräsidenten wieder zerstreuten. Mit Einbruch der Tuukelheit kam weiteres Publikum, insbesondere Männer, leider auch verschiedene Solda­ten, in der Hauptsache jedoch halbwüchsige Burschen. Angeblich weil aus beuachbarteu Häuser» Wasser her- abgegossen worden war, wurden Steiue gegen das Kaffee Rathaus geworfen. Die Menschenansammlun­gen wurden größer, bis schließlich die Schntzmmmschaft mit Militär den Platz säuberte. Ein Teil der j»gend- lichen Deuronstrauten wurde festgeuommcu und sieht seiner Bestrafung entgegen. Die gesamte vaterländisch gesinnte Bevölkerung und nrsbesondere die vernünf­tigen erwachsenen verurteilen, wie man heute von allen Seite» hören konnte, diese Sorte von Leuten, die um leben Preis ihreGaudi" haben möchten.

Einer der Gewaltigsten im Reiche Deutscher In­dustrie ist in Düsseldorf dahingegangen. Franz Haniel, einer der reichsten Männer Deutschlands er ver­steuerte im Jahre 1912 ein Vermögen von 65 Millionen und ein Einkommen von annähernd 3st Millionen, liebte es nicht, in der Lesfentlichkeit eine Rolle zu spie­len. Während seine Brüder sich hatten adeln lassen, begnügte er sich mit dem schlichten bürgerlichen Namen, den ihm seine Vorväter lsinterlanen hatten, und erst verhältnismäßig spät erhielt er die IlnSzeichurrug als Geheimer Kommerzienrat. Er verdankt sein großes Vermögen in der Hauptsache der Kohle unb dem Eisen nud war das reichste Mitglied der Familie, deren Ge- famtvermögen ungefähr eine halbe Milliarde Mark be­trägt. Der größte Teil der Unternehmungen, an denen die Familie beteiligt ist iiiW denen sie ihr Vermögen verdankt, gehört ausschließlich ihren eigenen Familien- Mitgliedern

Zu 6000 Mark Geldstrafe war erst vor kurzem der Viehhändler Max Otto fHwntg in Wahlen vom Land­gericht in Leipzig wegen, PreiSüberschreitung beim Han­del mit Schweinen bestraft Korden. Diese Strafe scheint ihm noch zu gering gewesen zu sein, denn jetzt hatte er sich neuerdings vor demselben Gericht wegen zu hoher PreiSforderlmgerl beim Kälberbaudel zu verantworten Diesmal ließ das Gericht eS nicht bei einer Geldstrafe bewenben, sondern verurteilte ihn zu 1 Monat Gefäng- uis und 1500 Mark Geldstrafe, außerdem soll bös Ur­teil in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht werben.

Weitere Drahtnachrichten.

Der Druck auf Griechenland.

»*> Bern, 18. Juni. (WTB.) Einer Meldung des Corriere belle Sera" zufolge wird die roUifdiafutche Blockade der grieckicksen Küste immer strenger. Für Griecheuland bestimmte Meireideladungcn wurden zu­rückgehalten. Der griechische in Rodos ve'chiagnahmte DarnpserKönig Konstantin" wird trotz der Vornelluvg auf der französischen GesandtMrst nicht freigegeben.

Der krauke Roosevelt.

r^ Amsterdam, 19. Juni. (B. T.) Roosevelt zog sich bei einem Sturze schwere innere Verletzungen und einen SchlüsselBinbruch zw Er soll heute operiert wer*