Limes" selbst macht darauf aufmerksam, daß Ypern selbst auf etwa 15 Meter Meereshöüc liegt, sodatz Höhe 80, die sich in unserem Besitz befindet, eine bedeutsame Erhebung öarstellt. Das Becken von Bpern wird durch einen Rucken von der Niederung des Lys geschieden, der mit Rücken von Messines im Süden in Verbindung steht. Im Norden läuft die Straße von Ypern nach Me- nin, deren doppelte Baumreihe jetzt von Geschossen an der Strecke von der Bahn Ypern—Roulers bis Schloß Hooge weggemüht ist. Bellewarde nördlich von Hooge ist nur noch ein Trümmerhaufen und bildet mit südlich anschließenden Drahtverhauen einten deutschen Stütz- Punkt. Der Wald um Schloß, Teich und Dorf von Hooge ist verschwunden, ebenso stehen von dem südlich anschließenden Zuavenwäldchen nur noch einige Stämme. Daran schließt sich das sogenannte Heiligtumswälö- chen. Südwestlich davon ist der Rücken und das vorliegende Tal mit Waldstücken besetzt, während die südlich liegende Höhe 60 keinen Baumwuchs zeigt und sich kahl von der Umgebung abhebt. Nördlich der Höhe bifindet sich das Dorf Zillebeke mit dem baumumstandenen Teich, der sich nach Bpern hinzieht. Der Raum zwischen Zillebeke und dem Rücken ist wellig und voller Hecken und Bäume.
Es ist sehr bezeichnend, daß in der „Times" die Ansicht ausgesprochen wird, die englische Stellung bei Ypern müsse bei weiteren deutschen Erfolgen gradlinig gemacht, der Bogen nach Osten also geräumt werden. Vielfach habe man schon vor Jahresfrist diese Anschauung vertreten, als der Bogen unbequem eng geworden sei. Ypern bleibe dabei unverletzt, was vielleicht nur einen „Affektionswert" ausmache, aber doch für das englische Heer dasselbe bedeute, wie die Fahne für ein Regiment. Der Räumungsgedanke ist, wie aus einem Schlachbericht der „Times" hervorgeht, wesentlich dadurch hervorgerufen, daß der ausspringende Bogen, den die englischen Gräben beschrieben, ein vereinigtes, umfassendes Feuer der deutschen Artillerie zuließe.
Von der Wucht des Feuerüberfalls der schweren deutschen Mörser und Kanonen entrollt der Bericht ein grell gemaltes Bild. Vier Stunden lang habe sich der Bleihagel über die englischen Linien ergossen und sie zu einer wahren Hölle auf Erden gemacht, zumal südlich des Heiligtumswäldchens der Boden einen so hohen Grundwasserstand habe, daß die Gräben nur in geringe Tiefe geführt werden könnten. Ein ununterbrochener Hagel von Zeppelinbomben, deren Wirkung in England viele Leute könnten, entspräche dem Regen von Geschossen einigermaßen. Zum Trost für englische Gemüter wird die Tapferkeit der Kanadier in hohen Tönen gepredigt, der Verfasser kann aber nicht umhin, darauf zu verweisen, daß eine derartige Artillerieverwendung künftig die Regel sein werde, und wiederholt den Ruf nach Geschützen und abermals Geschützen.
Wid können mit dieser Anerkennung der Leistung unserer schweren Artillerie zufrieden sein. Wie seinerzeit im Bewegungskrieg die bespannten Batterien der schweren Artillerie des Feldheeres sich jeder Aufgabe gewachsen zeigten und von der Infanterie als getreuer Genosse mit zuversichtlicher Freude überall begrüßt wurden, während man im Frieden sie vielfach nur als .Jmpedimentum" betrachtet hatte, so auch bei den furchtbaren Stellungskümpfen der späteren Zeit. Man wird heute auf Unglauben stoßen, wenn man hört, daß die Bewegung für die Einführung der schweren Artillerie des Feldheeres ihre schlimmsten Feinde und erbittertsten Gegner in der damaligen Fußartillerie selbst an sehr hohen Stellen fand. Es ist ein unvergängliches Verdienst des Chefs des Generalstabes der Armee, Grafen Schliessen, daß er, obgleich vom Hause aus Kavallerist, mit klarem Blick die Notwendigkeit der Förderung ÄÄlM^
sich im Kriege dann alle Waffen von der erforderlichen gemeinsamen und verständnisvollen Arbeit durchdringen ließen, desto glänzender wurde die Rolle der Futzariille- rie, die vor dem Feinde erntete, was sie im Frieden gelernt und vorbereitet hatte. („Köln. Zig.")
Die Haltung deutscher und französischer
Verwundeter.
Die Beobachtung von Kriegsteilnehmern auf den Schlachtfeldern, die sich auf die Haltung der deutschen und französischen Verwundeten beziehen, lassen interessante psychologische Schlüsse über die Eigenschaften des beiderseitigen Menschenmaterials zu.
Im allgemeinen wird in diesem Kriege die Wahrnehmung gemacht, daß die französischen Verwundeten eine wewntlich andere und aufgeregtere Haltung einnehmen als die deutschen. Man kann getrost sagen, daß wir die stärkeren Nerven haben, was ia bereits im letzten deutsch-französischen Kriege festgestellt wurde. Eine interessante Illustration zu diesen Beobachtungen gibt die Schilderung eines Stabsarztes, der auf verschiedenen Schlachtfeldern unmittelbar nach der Entscheidung das Verhalten der beiderseitigen Verwundeten beobachten konnte. Er konstatierte einen auffallenden Kontrast zwischen deutschen und französischen Verwundeten, obwohl hinsichtlich der Art der Verletzungen keine wesentlichen Unterschiede zu bemerken waren. U. a. berichtet er folgendes :
„Ein preußischer Jäger, der mit gräßlich zerrissener Hand ruhig dasaß, murmelte, als ich vorbeiging: „Sind das elende Kerls, die Franzosen, schreien da wie die Weiber, und unsere Kugeln tun doch nicht mehr weh als die ihrigen!" Der brave Junge hatte recht. Beinahe keiner der Unseren klagte und jammerte,- höchstens ein Seufzer oder ein schmerzliches Stöhnen entrang sich den Lippen. Die Franzosen dagegen machten ihren Schmerzen durch Schreien, Weinen und laute Klagen Lnft. Ein wimmernder Franzose erregte meine Aufmerksamkeit. Ich kniete neben ihn hin und fragte ihn in seiner Sprache, ob er trinken wolle. Sobald der arme Teufel entdeckte, daß ich französisch sprach, entlud er seinen Jam- mer in einen Strom von Klagen. Dabei hielt er meine Hand krampfhaft fest und weinte wie ein Kind. Ich winkte den Trägern, behutsam wurde er aufgehoben und auf einen Strohwagen gelegt. Dabei schrie er entsetzlich und hielt sich immer fest an mich. Ich mußte endlich mit Gewalt meine Hand losmachen, um wieder anderswo helfen zu können. Die Franzosen hatten aber bet- merkt, daß ich ihre Sprache spreche, und von allen Seiten schrien sie laut nach mir und jammerten mit entgegen."
Selbst im gleiclmi Stande der Hilflosigkeit und des Elends erweist sich so der Unterschied zwischen der germanischen und romanischen Rasse.
WMMeriel,
Greys Rolle in der bosnischen Krisis.
Die ungarischen Blätter besprechen die Erklärung des Ministers des Aeußern Baron von Burian über die serbische Politik in den letzten Jahren und den Einfluß Englands und heben hervor, daß das Beweismate- rial, das dort vorgebracht wird, die Behauptung des Reichskanzlers, daß Grey unter der Maske der Friedensliebe einer der gefährlichsten Kriegötreiber gewesen sei, auf das wirksamste unterstützt.
Eine französische Lebensmi ielzentrale.
„Central News" meldet aus Paris: Die französische Regierung wird wahrscheinlich demnächst eine große Anzahl Verwaltungsstellen unter Leitung einer Lebens- Mittelzentrale nach deutschem Muster ins Leben rufen.
Lloyd George der Nachfolger Kitcheners?
Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Alle politischen Korrespondenten nehmen jetzt an, daß das Kriegsamt Lloyd George angeboten wurde,- es sei aber'noch unbestimmt, ob er es annehmen werde.
Englische Truppensendnuge» nach Frankreich.
Die „Basier Nachrichten" melden: Wie der „Daily Expreß" veröffentlichen darf, haben in der letzten Woche auf 80 bis 90 Dampfern Truppentransporte aus England nach Frankreich stattgefunden.
£<?!!$ MÄ dem Stiege.
Ein pessimistischer Ausblick.
Zwei harte Prüfungen hat England noch vor sich, meint Dr. Arthur Shadwell in der Mai-Nummer des "Nineteenth Century" (neunzehntes Jahrhundert): die Fortführung des Krieges bis zu einem befriedigenden Abschluß und die Wiederaufnahme des bürgerlichen Lebens danach. Endigt der Krieg ungünstig, so könnte;: sich die inneren Schwierigkeiten als zu stark erweisen und Englands Niedergang zur Folge haben. Noch hat der Krieg keine entscheidende Wendung genommen, jedenfalls noch keine für England ausgesprochen günstige; auch der Fehlschlag der gigantischen deutschen Ansiren- gungen vor Verdun ändern daran nichts. Ohne Zweifel wird der Krieg auch weiterhin „ein sehr langsames und sehr kostspieliges Geschäft" sein. Einen großen und plötzlichen Erfolg auf feiten der Bundesgenossen zu erwarten, wäre Torheit. Allerdings scheint das englische Publikum noch immer daran zu glauben: man sieht dem „Zusammenbruch" des Feindes entgegen, aber wie, wo und wann er erfolgen soll, überlegt man sich nicht. Diese Hoffnung auf den Zusammenbruch Deutschlands nennt Shadwell eine völlige Täuschung. „Es wird keinen Zummmenbruch geben", sagt er. „Die Deutschen haben nicht die geringste Absicht dazu,- sie haben sogar ganz entschieden die Absicht, nicht zusaunnenzubrechen."
Die schwerste Prüfung wird die nach dem Kriege sein. Schwere Steuern, eine desorganisierte Industrie, Rückgang des Handels sind schon da; aber ue machen nicht die Hauptschwierigkeit aus, ebensowenig wie das Aushören der Kriegsindustrie, die Entlassung der Soldaten und anderes, die Rückkehr der Fabriken zu friedlicher Arbeit. Nicht die Rückkehr zu den alten Verhältnissen, sondern die Nichtrückkehr zu ihnen ist die wirkliche Gefahr. Die Handelbeziehungen zu anderen Ländern können nicht wieder dieselben werden. Andererseits aber ist auch unsere Abhängigkeit von anderen Ländern klar geworden bezüglich wichtiger Artikel, die wir nicht herstellen können. Wir haben angemugen, sie zu erzeugen, aber das wird ohne Schutzzoll nicht weiter möglich sein. Schützt man diese jungen Industrien nicht, so werden sie im Augenblick, wo Frieden ekrlärt ist, von deutschen Waren fortgeschwemmt werden. Die deutsche Einfuhr hindern, würde ihr nur den Weg durch neutrale Länder öffnen,- außerdem wäre das eine Kriegsmatzregel,- sie würde die Feindschaft lebendig erhalten. Ausnahmetarife würden besser zum Ziele führen. Auch die Beziehungen zu den Kolonien und den Bundesgenossen verdienen Beachtung. Gemeinsames Handeln tut hier not.
Weit bedrohlicher aber als alle diese Aenderungen in den internationalen Beziehungen wird die industrielle Lage im Lande selber sein. Hier sieht Shadwell seinen MWDM- MMMWMMsM M<WbMWWWMZ»MU im -Frieden war schon unheilvoll genug; ohne den Krieg wäre sicherlich ein industrieller Konflikt in weit größerem Maßstabe und Heftiger als je einer zuvor ausgebrochen. Die Bedingungen dazu sind noch in voller Kraft, ja, sie sind durch den Krieg noch verstärkt worden. Die Gewerkschaften haben in beträchtlichem Umfange ihre Satzungen und Gebräuche aufgegeben und damit ein großes Opfer gebracht, das volle Anerkennung verdient. Ungelernte Arbeiter haben den gelernten Arbeiter ersetzt und haben bisweilen dovpelt und dreifach so viel verdient wie dieser. Unerhörter Verdienst hat eine neue Lebensführung geschaffen, auf die man nicht leicht wieder verzichten wird. So wird man mit der Aussicht auf einen nie zuvor erlebten Aufruhr und Kannst in der Industrie den Frieden einleiten, und da- j zu kommt noch der politische Streit, Home Rule und anderes nrehr. Das bedeutet den Bürgerkrieg uach I dem wirklichen Krieg. Beendigung und Ausgang des letzteren wird das Entscheidende sein. Wird Deutschland durch den Sieg der Bundesgenossen umgestaltet und gezüchtigt, weniger angrifislustig, weniger ehrgeizig, mehr beschästtgt mit der Ordnung im eigenen Hause als mit Plänen zur Beherrschung der Nachbarn dastehen — dann kommen wir durch alle diese Unruhen hindurch. Endigt aber der Krieg unentschieden, oder geht aus ihm gar das alte militärische Regime Deutschlands unverletzt, beseelt von denselben ehrgeizigen Zielen hervor, die sich auf die Beherrschung der See und den Sturz des britischen Reiches richten, dann gehen wir sicherlich unter, wofern wir nicht von Grund auf unser Wesen ändern. Wir werden nicht in der Lage sein, in den Handelswettbewerb mit Deutschland einzu- treten, mit dem es auf Grund sorgfältig vorbereiteter und methodischer Pläne an die Untergrabung unserer Kraft sofort Herangehen wird. Das ist die Absicht der Deutschen, darum wollen sie Frieden, um diesen neuen Kampf sogleich zu beginnen. Unser Jndustriesystem nach dem Kriege wird ein Chaos sein infolge des wahn- sinnigen Streites zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, und wenn wir das überwunden haben, wird es zu spät sein." — „Ich meine," schließt der Verfasser, „der Krieg wird mit einer industriellen Revolution enden. Die einzige Aussicht für uns ist, dafür zu sorgen, daß er auch mit einer moralischen und politischen Revo- luKon in Deutschland endet." ___________
Vermischtes.
Die Kaiserin und der Verwundete. „Sei beruhigt, mein Sohn, für deine arme Mutter ist gesorgt!" Mit diesen Worten tröstete die Kaiserin bei ihrem Besuch eines Marinelazaretts in Potsdam einen schwer verwundeten Matrosen, der in der Seeschlacht am Skagerrak verwundet worden war. Die Kaiserin hatte sich nach dem Befinden des braven Seemanns erkundigt und seine Bitte vernommen: „Majestät, daß ich sterben muß, weiß ich, aber kann wohl für meine arme Mutter gesorgt werden? Mein Bruder steht an der flandrischen Front, aber ob er heimkeyren wird, weiß ich nicht." Die hohe Frau schrieb den Namen des Matrosen auf und sprach dann die obigen herzlichen Worte zu ihm Die Umstehenden sahen, daß die Kaiserin von dem Msprüch mit dem ivacke- ren blauen Jungen tief ergriffen und zu Tränen ge- rithrt war.
Beerdigung deutscher Matrosen in Ikagen. Nach Kopenhagener Blättermeldungm fand in Skagen unter- großer Beteiltgttng der Behörden und der Bevölkenura
die feierliche Beerdigung von sieben deutschen Matrosei statt, deren Leichen nach der Nordseeschlacht von Fischerr eingebracht worden waren. Die Schiffe im Hafen und die ganze Stadt hatten Trauerschmuck angelegt. Alle Glocken läuteten. Die sieben Särge, die mit Blumenspenden vollkommen bedeckt waren, wurde» auf dem Friedhofe in einem gemeinsamen Grabe beigesetzt,- dabei bildeten Kriegervereme und Soldaten des dänischen Torpedobootes „Söulven" die Ehrenwache. Darauf dankte der deutsche Konsul in Frederikshaven den Behörden und der Bevölkerung namens des deutschen Volkes für die Teilnahme. Der Kommandaut des Torpedobootes „Söulveu" legte eine prachtvolle Blumenspende auf dem Grabe nieder. Unter den gleichen Ehenbezeugungen wurden auch zwei englische Matrosen bestattet.
Unsauberkeit ut der Backstube. Vor dem Schöffengericht in Leipzig hatte sich der Bäckermeister Ernst Au- guft Rabitz in Leipzig-Möckern wegen Nahrungsmittel- verfälschung und Verstoßes gegen die Verordnung in dem Backbetriebe zu verantworten. Es wurde festgestellt, daß er Maden in den Kuchen hineingebacken hatte. Als sein Geselle die Maden herauslesen wollte, sagte er, das solle er nur ruhig lassen, die Kunden essen auch den Kuchen mit Maden. Außerdem hatte er für seinen Teig Kehrmehl und Holzmehl verwandt. In der Backstube herrschte die größte Unfaubcrfeit. Gereinigt wurde nur gaus selten. Rabitz wurde zu fünf Monaten Gefängnis und 630 Mark Geldstrafe verurteilt.
Die Zeitungsverteuerung in Holland. Die Teuerung der Rohstoffe im Zeitnngsgewerbe veranlaßt die Niederländische Prefsevereiniguug zu folgender amtlichen Erklärung: 1. Alle Blätter, auch die kleineren Umfanges, sind gezrmmgen, ihre Bezugspreise um mindestens 50 Cts. für das Quartal zu erhöhet!. 2. Auf alle Anzeigen wird ein Kriegszu'chlag von 10 Cts. erhoben. — 3. Auf alle nicht sofort beglichene Rechnungen wird eine Jilkafso- kriegsgebühr von 5 Cts. erhoben. „Wir sind," so schreibt die Niederländische Pressevereinigung, „zu dieser Maßnahme gezwungen, da die Papierpreise um 250 Proz. gestiegen und die Preise für andere Rohstoffe fast unerschwingliche sind."
Nachfrage nach Saatkrähen. Die Anregung, in diesem Jahre auch junge Krähen der menschlichen Ernäh- gung dienstbar zu machen, veranlaßte die Fleischversor- gungsftelle der Stadt Breslau, einen solchen Bermch zu machen. Sie bestellte 50Cr Jungkrähen und ließ sie auf dem Markt durch die Wildbrethändler verkaufen. Der Preis für das Stück betrug 50 Pfg, und der Liebhaber für diese neue Speise fanden sich so viele ein, daß der ganze Vorrat verkauft wurde.
Leulnünl Vescgssee als Knegsgesanaener.
Zu der Verurteilung des Leutnant Delcaffö, die bekanntlich zu ungerechtfertigten „Vergeltungsmaßnahmen" der französischen Regierung gegen deutsche ge- faugetle Offiziere geführt hat, wird der „Ins." geschrieben: Leutnant Delcasss, betanntlich ein Sohn des ehemaligen französischen Minfters Delcassy, der zu dem Ausbruch des Krieges viel beitrttg, hat schon kurz nach feiner Etulieferung in die deutsche Gefangenschaft in der unangeueßmfteii Weise die französische „Kultur?" offenbart und schon damals dasselbe widersetzliche und an- maßende Wesen zur Schau getragen, der ihn auch jetzt wieder zu Gehorsamsverweiaeruug und tätlichem Widerstand gegen seine Vorgestmen verführte und ihm 114 Jahre Festungsgefängnisstrase durch kriegsgerichtliches Urteil eingebracht hat. Delca'm kam fchou in den ersten Kriegswochen, nämlich im Oktober 1914, nach Dentsch- lanb in KrieySgetangenscbasi, wo er in Meriebnrg neben j a?c rc ir tm „( w stfhiit^' ■ Mkk Resource" untergebracht worden war. Dieses Gasthaus war nämlich damals zu einem Lazarett umgewandelt worden, in dem die französischen Offiziere, welche verwundet gefangen genommen wurden, untergebracht waren. Nun hatte auch der Leutnant Delcaffe zwei leichte Schutzverletzungen aufzuweisen, sodatz anch er im Lazarett Aufnahme finden mußte. Er benahm sich hier aber so unleidlich, daß sogar die französischen Offiziere baten, von seiner Anwesenheit befreit zu werden. Er mußte darum in ein besonderes Zimmer gebracht werden. Aber auch hier hatte er sein Wesen noch nicht abgelegt. Er prahlte in geradezu unerträglicher Weise mit der großen Bedeutung seines Herrn Pava, der angeblich damals nach der Meinung feines Sohnes in der Welt der bedeutendste Mann war. Er hatte ar^ch bereits mehrfach seiner Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß cr als Sohn eines so großen Mannes nicht in einem Gasthaus unter- gebracht werden dürfte. Er hätte bestimmt erwartet, daß man für ihn ein Schloß bereit stellen würde, und war darum sehr erstaunt, daß er nicht mit der Bedeutung ausgenommen wurde, die ihm gebührte. Das Beste kommt aber noch. Delcans jr. hat nämlich sich es auch nicht nehmen lassen, selbst in der Gefangenschaft von „Revanche" zu sprechen. Jedes zweite Wort ßteß bei ihm „Revanche". Die Aufsichtsbeamten ließen sich diese Redereien des großmanussuchtigen Leutnarfts ruhig gefallen, da sie keinem schadeten. Aber schließlich verbaten anch sie sich diese albernen Redensarten des gefangenen „Helden". Jedenfalls sind alle diese kleinen Züge für den Cbarakter des Leutnants Telcasfö recht bezeichnend und lassen erkennen, daß es sich um einen Mann handelt, der zu Widersetzlichkeiten in seiner überheblichen Art, die sich nicht in unabänderliche Tatsachen schicken kann, neigt. Der Sohn des berüchtigten Kriegshetzers und mehrfachen französischen Ministers Delcasss, der auch zu den näheren Freunden des verstorbenen Königs Eduard gehörte, wird in Deutschland nach allen diesen Vorfällen nicht die beste Erinnerung zurücklaisen._____________________
Sandes und Verkeim
Berliner Getreide- und Proönktenmarkt.
Die Geschäftsstille hielt am Produklenncarkt in der mit dem 14. Juni abgelaufenen Berichtswoche im allgemeinen an. Neben der Aussicht auf eine gute Ernte, io> wie das immer reichlicher werdende Angebot von Grün- fntter, war es auch die Befürchtung, daß Maßnahmen des Kriegsernährungsamts die Geschäftstätigkeit stören konnten, was die Häudler zu iveitgehender Zurückbal- hntg veranlaßte. Bei Beginn der Woche machte sich noch regerer Begehr nach Spelzspreumehl geltend, zuletzt jedoch fehlte es an Käufern für die an den Markt gebrachte Ware. Dagegen waren namentlich in den letzten Tagen seitens der Städte getrocknete Rübemchnitzel gefragt, die bei recht fester Tendenz um etwa 2 .ä im Preise sich höher stellten und zu 36 bis 37 JL ab Station gehandelt wurden. In Hafer nahmen die Umsätze allmählich ab, die Nährmittelfabrikeu sind weniger eifrige Käufer dafür, aber auch das Angebot hat nachgelassen. Im Großhandel wurden am letzten Tage der BerichtS- woche nachstehende Preise beraunt: KpelzsprcumcH! 25—34 .4 für 100 Kick je nach Qualität ab Starten. Runkelrüben 2,40—2,50 JL für den Zentner ht Wtaasns ab Station. Saativicken 80—65 X Saatlupiuen W W 95 X Saatpferbevobnen 95—100 X Saflipelnichken 80-90 JL. SaudwicJn 70-86 X alles für 100 Äa. ab Station, blauer Buchweizen zur Saat 78 -79 X AKgel