Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Nr. 139.
Freitag, den 16. Juni
1916
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 9. Juni 1916.
In dem Gehöft des Landwirts Adam Most I in Neukirchen Kreis Hünseld ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Tgb. No. 1. 6275. Der Landrat.
J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Mit Wirkung von Montag den 12. d. M. ab, sind die Stallhöchstpreise für Kälber anderweit wie folgt festgesetzt worden:
Für Kälber bis zu 100 Pfund Lebendgewicht
60 Mark für 50 kg.
Für Kälber von 100 bis 150 Pfund Lebendgewicht 80 Mark für 50 kg.
Für Kälber von 150 bis 200 Pfund Lebendgewicht 100 Mark für 50 kg.
Für Kälber von über 200 Pfund Lebendgewicht (Mastkälber und Doppellender) 120 Mark für 50 kg.
Die Preise der höheren Gewichtsklasse dürfen nur dann gezahlt werden, wenn die Tiere die Gewichtsgrenze der vorigen Klasse um mindestens 1 Pfund überschreiten.
Hersfeld, den 15. Juni 1916.
A. 6932. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Beschaffung von Kleesaat und von Saat anderer Futterpflanzen im Erntejahr 1916. Veröffentlichung des Preußischen Landwirtschafts- ministeriums.
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Anbau von Futterpflanzen ist in Friedenszeiten in beträchlichem Umfange vom Ausland gedeckt worden. Während des Krieges fehlt diese Einfuhr zum größten Teile, zumal auch die neutralen Staaten, die mit uns noch im Verkehr stehen, nicht in der Lage sind, von ihren Beständen namhafte Mengen abzu- geben. Die einheimischen Landwirte sollten daher, soweit die örtlichen Verhälnisse dies irgend zulassen, ihren Bedarf selbst erzeugen und Wirtschaften in denen die Verhältnisse besonders günstig für die Samengewinnung liegen, sollten durch umfangreiche Samenwerbung zur Deckung des Gesamtbedarfs soviel als irgend möglich beitragen. Die damit für die Wirtschaft verbundenen Unbequemlichkeiten und die erforderlichen Aufwendungen werden durch die gegen Friedenszeit wesentlich erhöhten Preise ausgewogen.
Der Umfang, in dem der Bedarf bei den einzelnen Samenarten durch die Erzeugung und die noch mögliche Eiufuhr gedeckt wird, läßt sich aus Mangel an sicheren Unterlagen schwer ermitteln. Immerhin können nach den Erfahrungen der Kriegsjahre und nach sonstigen Feststellungen einige Anhaltspunkte nach dieser Richtung hin gegeben werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß neben dem inländischen Bedarf auch die sehr erheblichen Anforderungen der besetzten Gebiete befriedigt werden müssen.
Die Nachfrage nach brauchbarem Rotkleesamen ist im letzten Jahr außerordentlich groß gewesen. Auch bei voller Ausnutzung der Einfuhrmöglichkeiten nnd günstiger Erntewitterung wird die normale inländische Erzeugung bei weitem nicht hinreichen, um den Bedarf zu decken. Eine Steigerung der Erzeugung ist daher dringend geboten, und alle Wirtschaften, in denen die Möglichkeit vorliegt, guten Rotkleesamen zu werben, sollten davon Gebrauch machen.
Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse beim Schweden- klee (Bastardklee, Alsike), auch hier wird der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden können, wenn nicht eine wesentliche Steigerung der Erzeugung eintritt.
Weißklee und Gelbklee (Hopfenklee) sind im letzten Jahre nicht so knapp gewesen, wie die beiden erstgenannten Arten. Eine angemessene Erweiterung der Samenwerbung wird aber auch hier erfolgen müssen, wenn der Bedarf ganz gedeckt werden soll. Der letztere ist gegenwärtig größer als zu normalen Zeiten, ein- inal deshalb, weil die in beträchtlichem Umfange aus- geführten Moor- und Oedlandskulturen weitere Mengen in Anspruch nehmen und weil außerdem infolge des Mangels an Serradellasamen die beiden Kleearten vielfach als Ersatz für diese herangezogen werden mußten.
An Wundklee, der bekanntlich für die leichten sonst nicht kleefähigen Böden von besonderer Bedeutung ist, konnte der Bedarf nicht voll gedeckt werben, so daß eine Steigerung der Samenerzeugung dringend erwünscht erscheint.
Von den ausdauernden Futterpflanzen verdienen die Luzerne und die Esparsette in erster Linie Beachtung. Die Luzernesamen wurden zu normalen Zeiten in besonders reichlichem Maße vom Ausland, namentlich von Frankreich bezogen. Da in Deutsch
land die Samengewinnung nur unter günstigen klimatischen und Bodenverhältnissen möglich ist, sollten sich die Wirtschaften, die diese Vorteile genießen, die Werbung des Samens besonders angelegen sein lassen. Dasselbe gilt für die Esparsette.
Auf die Notwendigkeit der Werbung von Grassamen aller Art ist schon vielfach hingewiesen worden. Dies gilt sowohl für die der Anlage von dauerndem Grünland als für die dem feldmäßigen Futterbau dienenden Grassamenarten. Besondere Beachtung verdienen das Timothegras und das italienische Rai- gras, die in erster Linie für den feldmäßigen Futter- bau in Betracht kommen. Der Samen beider Grasarten wird in beträchtlichem Umfange vom Ausland bezogen, namentlich sind die Einfuhren von Thimothe- samen aus Amerika sehr umfangreich. Beide Samenarten können aber auch im Inland von den Futterschlägen gewonnen werden. Die Werbung sollte daher in möglichst großem Umfange bewirkt werden. Bemerkt sei übrigens, daß bei mehrjährigen Kleegrasschlägen beide Grasarten bis zu einem gewissen Umfange durch Knaulgras und Wiesenschwingel ersetzt werden können, deren Samen im Inland in beträchtlichen Mengen gewonnen werden.
Das überaus trockene Jahr 1915 hat einen höchst empfindlichen Mangel an Serradellasamen zur Folge gehabt. Die Zufuhren vom Ausland waren ganz unbedeutend. Da in diesem Jahre bessere Erträge in Aussicht stehen, sollte die Samengewinnung nirgends versäumt werden, wo sich die Möglichkeit dazu bietet. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Lupine, auch bei ihr ist eine außerordentliche Knappheit an Saatgut im nächsten Jahr zu erwarten.
Die Gewinnung hinreichenden Samens für die Futterschläge ist von besonderer Bedeutung, weil wegen der fehlenden Kraftfuttereinfuhr dem einheimischen Futterbau die größte Beachtung zu schenken ist.
Berlin, den 31. Mai 1916.
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Bus der Heimat.
* (Aufhebung aller Ausfuhrverbote für Wild.) Der Minister des Innern hat folgende Verfügung erlassen: Sämtliche von Kommunalverbänden erlassenen und etwa noch bestehenden Ausfuhrverbote für Wild sind sofort außer Kraft zu setzen.
* Der Verbleib des Nachlasses von G e - f a l l e n e n ist häufig nicht festzustellen. Den Truppenteilen, die Schlachtfelder aufräumen, ist deshalb durch eine im Armeeverordnungsblatt veröffentlichte Verfügung zur Pflicht gemacht worden, über die von ihnen geborgenen Nachlaßgegenstände Aufzeichnungen zu machen und, soweit es sich um Angehörige anderer Truppenteile handelt, diesen von dem Inhalt der Aufzeichnungen Mitteilung zu machen. Falls sich bei einem Toten kein Nachlaß findet, ist hierüber ein Vermerk aufzunehmen.
* (Die Einschränkung des Stoffverbrauchs.) Im Anschluß an die Bundesratsverordnung über die Einschränkung des Stoffverbrauchs erläßt der Reichskanzler, wie das „B. T." erfährt, eine Bekanntmachung, in der diejenigen Waren anf- geführt werden, die von der Bestimmung der Bundes- ratsverordnung, also auch von d.er Verkaufsbeschränkung und von dem Jnventurzwang nicht betroffen werden. Es handelt sich hierbei hauptsächlich außer den Seidenstoffen auch um Besatzartikel, Spitzen, Hüte, Schirme, Teppiche, Vorhänge, konfektionierte, genähte Weißwaren, Korsetts, Taschentücher, Schuhe und Pelzwaren. Fertige Hcrrengarderoben werden von der Verkaufsbeschränkung nicht betroffen, wenn es sich um hochwertige Produkte handelt, also z. B. Rock- und Gehrockanzüge über 75 Mark, Saceo- und Sportanzüge über 60 Mark und Beinkleider über 18 Mark. Alle Artikel der fertigen Frauenmäntel-, Kleider- und Blusenkonfektion, sofern sie am 6. Juni fertiggestellt waren und sich im Besitz der Kletder- Händler befinden, bleiben auch fernerhin vom Verkauf frei. Damenmäntel über 60 Mark, Jackenkleider über 80 und Waschkleider über 40, Damenhemden über 6,50 und Herrenhemden über 7 Mark können auch weiterhin dem Konsum ungehindert zugeführt werden. Für andere Textilprodukte sind ähnliche, verhältnismäßig niedrige Preisgrenzen festgesetzt.
*(DeutscherLehrerkriegerdank.) Die Vertreterversammlung des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins in Eisenach beschloß die Gründung eines allgemeinen deutschen LehrerkriegerdankS.
* Es finden sich vielfach Ankündigungen privater Handelsschulen und ähnlicher Unternehmungen, die für wenig Geld und in kurzer Zeit Unterricht an Kriegsbeschädigte für irgendeinen Beruf erteilen wollen. Zum Teil können solche Anerbietungen wohl als Ausdruck einer besonderen wohlgemeinten Fürsorge angesehen werden. Andererseits ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, daß diese Ankündigungen oft von Stellen auSgehen, denen die Fähigkeit zur Vermittelung einer geeigneten und gründlichen Be- rufsausbildung fehlt, daß sie vielleicht sogar nur er
folgen, um auf Kosten der Kriegsbeschädigten einem Unternehmen neue Mittel zuzuführen. Den Kriegsbeschädigten kann daher nur dringend geraten werden, ehe sie auf solche und ähnliche Angebote eingehen, sich über den Ruf und die Fähigkeiten des Unternehmens genau zu unterrichten. Das Gleiche gilt von ähnlichen Anerbietungen, z. B. sogenannte Agenturen zu übernehmen, dem Erwerb dienende Geräte, wie Musikinstrumente u. a. auf Abschlagszahlung zu erwerben usw. Als völlig sachgemäß und zweckmäßig haben natürlich diejenigen Unternehmungen zu gelten, die von den zuständigen Kriegsbeschädigten-Fürsorge- ausschüssen anerkannt und empfohlen sind.
Philippsthal, 12. Jnni. Unter den von Kamerun auf spanisches Gebiet übergetretenen und jetzt nach Spanien überführten Deutschen befindet sich auch der von hier stammende Stabsarzt a. D. Dr. Armin,Heßler mit Frau.
Lispenhausen, 13. Juni. Gestern ist die Dampfziegelei, Getreide-, Kohlen- und Kokshandlung von J. H. Wassermann niedergebrannt. Da das Werk der seit zwei Jahren außer Betrieb stehenden Dampfziegelei die Gemeinde mit Elektrizität versorgte, ist diese ohne Licht. Die Feuerwehren aus Rotenburg, Bebra, Schwarzenhasel und Erkshausen waren zur Hilfeleistung erschienen. Der angerichlete Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt.
Gaffel, 14. Juni. Ein eigenartiger Unfall traf den Kraftwagenführer J. von hier. In Hombressen wollte er sich rasieren und befestigte den Streichriemen an den Hacken eines mit Töpfen besetzten Wandbrettes. Diese Last stürzte ab und schlug I. das Rasiermesser »derart gegen die Hand, daß die Pulsader durchschnitten wurde. Ein Arzt leistete dem Verletzten, der schweren Blutverlust hatte, die erste Hilfe, worauf dieser nach Cassel gebracht wurde.
Gaffel, 14. Juni. Aus dem Zuge gestürzt ist auf tag vormittags bei Station Großenritte ein 12jähriger Schüler aus Rothenditmold. Dem Jungen wurden die Zehen eines Fußes abgefahren.
Gaffel, 14. Juni. Selbstmord durch Vergiftung versuchte gestern abend eine in der Blücherstraße wohnende 35jährige Haushälterin. Hausbewohner, die durch den scharfen Gasgeruch aufmerksam wurden, fanden nach gewaltsamer Oeffnung der Wohnung alle Gashähne offen. Die Frau wurde in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus zum Roten Kreuze gebracht.
Hann. Münden, 14. Juni. Der hiesige Lehrer Heinrich Bruns, der aus dem Felde kommend seine Angehörigen besuchen wollte, wurde auf dem Koblenzer Bahnhof vom Zuge überfahren und getötet.
Hameln, 14. Juni. Der Holzarbeiter Gustav Grünewald geriet mit der linken Hand in die Holzschneidemaschine. Die Säge verstümmelte ihm die Hand schwer.
Eisenach, 13. Juni. Hier spielten mehrere Kinder mit einer Jagdpatrone. Der Sohn der Witwe Schneider bohrte mit einem Nagelbohrer eine Jagd- patrone an, um sie zu entladen. Seine Absicht wurde aber nicht erreicht, vielmehr entzündete sich die Patrone und explodierte mit einem lautem Krach. Dabei drangen einem Spielgesährten etwa 30 Schrot- körner in den linken Oberschenkel, die herausgeschnitten werden müssen. Schneider selbst erhielt mehrere Schroten in beide Waden,- außerdem erhielten noch ein Mädchen Verletzungen an der Hand und ein anderes an der Wade.
Nidda, 13. Juni. Der Gemeinderechner Dietz aus Büdesheim nahm sich den Tod feiner Frau und die Verwundung seines einzigen Sohnes aus dem Schlachtfelde so zu Herzen, daß er sich in seiner Verzweiflung in die Nidda stürzte und ertrank.
Verzeichnis der bei L. Pfeiffer Depositenkasse Hersfeld zu Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das „Rote Kreuz:"
1. Mai-Rate der Hersfelder Volksspende Mk. 292.50 2. „ „ „ , , 895.60 Zahlung von Ungenannt „ 5.— -M7Q93.K) bisheriger Bestand „ 1.951.73 ^7314183 davon weiter verausgabt „ 1.990.40 heutiger Bestand „ 1.154.48
Für die Krieger im Felde: liebertrag vorn Conto „Rotes Kreuz" Mk. 1.250.— bisheriger Bestand „ 853.88
davon weiter verausgabt „ 1.327.54 heutiger Bestand Äk. 7^6.34
Für de« Frauendauk:
Zahlung von Frau Paul, hier Wtf. 20.—