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Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für sie Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Rr. 137.

für den Kreis Hersfeld

Wfott

Mittwoch, den 14. Juni

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im ' amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Psg. Bei Wieder- t holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. j --------------------------------------_«'

1916

Amtlicher Teil

Deutsche Schafschur.

Stellv. Genkdo. 11. A.-K. - Cassel, den 16. 5. 1916.

Hle Nr. 4227.

Es liegt Veranlassung vor, auf die geltenden Be­stimmungen über die Beschlagnahme der deutschen Schafschur erneut hinzuweisen, wie sie in der Bekannt­machung des Kommandierenden Generals vom 11. 9. 15. Nr. W. I. 3808. 8. 15 K.-R.-A. festgelegt worden sind.

Die Bekanntmachung bezieht sich auf den Woller- trag der deutschen Schafschur 1914/15 einschließlich Gerberwolle und auf den Wollertrag der deutschen Schafschur 1915/16, gleichfalls einschließlich Gerberwolle, ohne Rücksicht auf die vorhandene Menge.

Die Wolle muß spätestens 12 Wochen nach dem Scheeren oder Fallen in eine der in der Bekannt­machung namentlich aufgeführten zugelassenen Woll­wäschereien zum Waschen eingeliefert werden. Die Firma H. Katz Sohn in Cassel ist jedoch inzwischen aus der Liste gestrichen worden, also zur Annahme von Wolle zum Waschen nicht mehr berechtigt. Das Bcrkämmen der Wolle ist gänzlich verboten, soweit nicht durch eine ausdrückliche Verfügung des Kriegs­ministeriums hierzu Erlaubnis erteilt worden ist. Die Veräußerung der Wolle ist nur gestattet:

a) entweder unmittelbar an die Kriegswollbedarf Akt. Ges. in Berlin SW 48, Verlängerte Heöe- mannsträße 3, die allerdings von Schafhaltern in der Regel nur Mengen von mindestens 1000 kg abnimmt, oder

b) an Personen, die die Wolle ihrerseits unmittel­bar oder mittelbar an die Kriegswollbedarf Akt. Ges. verkaufen.

Die Wolle muß also letzten Endes unbedingt der Kriegswollbedarf Akt. Ges. zugesührt werden. Woll- besitzer, die nicht unmitelbar dorthin verkaufen sondern ^^^-^^^^^ ......^csbrrmn ren,, müssen sich Gewißheit verschaffen, daß ihre Wolle demnächst der Kriegswollbedarf Akt. Ges. zugeleitet wird. Das geschieht z. B. dadurch, daß sie sich von ihrem Abnehmer eine dahingehende schriftliche Ver­sicherung geben lassen.

Schafhalter können einmalig die Freigabe von bis zu 5 kg Schmutzwolle bei der Kriegsrohstoffabteilung des Kriegsministeriums, Sektion W i. in Berlin be­antragen, wenn diese Wolle im eigenen Haushalt ver­sponnen und verwendet werden soll. Die Anträge müssen die UeberschriftWollbeschlagnahme" tragen.

Das Scheeren der Schafe zu einer früheren als der in anderen Jahren üblichen Zeit ist verboten.

Die beteiligten bürgerlichen Behörden werden er­sucht, für Bekanntgabe in den in Frage kommenden Bevölkerungskreisen zu sorgen.

Bon feiten des stellv. Generalkommandos Der Chef des Stabes Frhr. von Tettau, Oberst.

* * *

Hersfeld, den 8. Juni 1916.

Wird veröffentlicht.

Die Bekanntmachung vom 11. September 1915

«ichllinien für die Erhaltung der diesjährigen Obsternte.

Die preußischen Ressortminister haben vor einigen Tagen folgende Richtlinien für die Erhaltung der dies­jährigen Obsternte bekannt gegeben.

Die in diesem Jahre der Bevölkerung zur Verfü- gung stehenden geringen Zuckermengen zwingen nnbe- dingt dazu, die Obsternte in weitestgehendem Umfange ohne Zucker zu erhalten, da im Interesse der Volkser­nährung ein Verlust an Obst aller Art soweit als nur eben möglich vermieden werden muß. .

Da Zucker eingemachtes Obst einerseits nicht nur süßt, sondern auch haltbar macht, und da andererseits zuckerarmes, eingemachtes, aber nicht sterilisiertes Obst leicht verdirbt (gärt, essigstichig wird usw.) ist in den Fällen, wo Zucker angewende wird nicht etwa an Zucker zu sparen, sondern nach bewahrten bisherigen Vorschnf- ten zu verfahren. . .. . ...

Aepfel und Birnen werden, soweit sie tm natür­lichen Zustande längere Zeit ha tbar stnd, ziveckmama in dieser Form in geeignetes! Räumen aufbewahrt und allmählich unmittelbar verarbeitet oder verzehrt.

Im übrigen empfiehlt es sich, Aepfel, Birnen und Pflaumen in möglichst großem Umfange zu trocknen (in Backöfen, Bratösen usw.), da getrocknetes Obst im Laufe des Jahres nach verschiedenen Richtungen hin Verwen- dnng finden kann. .. ,

Unreife Stachelbeeren, reife (aber Nicht Überreste) saure Kirschen (mit einem Tuch sauber abgewlscht) und Rbarbarberstengel (in kleine Stückchen zerschnitten) lasten sich in gut verschlossenen Flaschen ohne zuvorige Er­hitzung längere Zeit in sehr kühlen Räumen aufvewah- ren (die fest eingefüllien Rhabarbers ckchen und unrei­fen Stachelbeeren können auchzunächst mit abgekochtem und dann erkaltetem Wasser übergossen werden.)

In den sonstigen Füllen kommt Erhitzung und, so­weit Sterilisierung nicht durchführbar ist, Anwendung eines chemischen Konservierungsmittels in Betracht, um eine haltbare Dauerware zu bekommen.

Nr. IV I 3808 8 15 K. R. A. betreffend Beschlagnahme der deutschen Schafschur ist im Kreisblatt Nr. 22415 abgedruckt. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die in Betracht kommenden Ortsbewohner entsprechend zu verständigen.

Tgb. No. 1. 5900. Der Landrat.

Funke, Kreissekretär.

Bus der Heimat«

* Das Aehrenlesen durch Schulkinder hat soweit Feststellungen erfolgt find, im Vorjahre eine Viertelmillion Mark erbracht, die wohltätigen Zwecken zugeführt wurde. Eine Wiederholung dieser Kriegs­hilfe in diesem Jahre ist durchaus zeitgemäß.

*(WarnungvordemGenusseunreifen

O 6 st e s.) Zurzeit kann man häufig die Beobachtung machen, daß Kinder, die im Freien sich selbst überlassen sind, bereits jetzt beginnen, unreifes Obst, namentlich Stachelbeeren, zu essen. Cs empfiehlt sich daher für Eltern und Erzieher dringend, die Kinder auf die schweren gesundheitlichen Folgen des Genuffes von unreifem Obst aufmerksam zu machen.

§ Hersfeld, 13. Juni. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, hat Herr Bürgermeister Strauß dem Magistrat in der zweiten Hälfte des Monats Mai mitgeteilt, daß feine Wahlperiode am 15. No­vember d. Js. ablaufe und daß seinerseits eine Wiederbewerbung um die erledigte Stelle nicht er­folge. Ob und welche Beschlußfassung darauf seitens des Magistrats erfolgt ist, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis. Herr Bürgermeister Strauß, der im Falle der Wiederwahl entweder die Wahl an­nehmen oder auf seine Pension von jährlich 5250 Mark verzichten muß, hat in einer Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung sein Gesuch um

wiehern!?

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Berufungen in leitende Stellungen bei hervorragenden Unternehmungen des industriellen und kommerziellen Lebens ablehnte, weil er nicht auf seine Pension ver­zichten wollte, hat, wie wir hören, neuerdings wieder eine Berufung zu einer angesehenen Stellung bei einem großen auswärtigen Unternehmen erhalten. Er wird aber trotz Annahme der auswärtigen Stell­ung wahrscheinlich in Hersfeld wohnen bleiben und bestimmt seine Aemter in der Kreis- und Provinzial- verwaltung beibehalten. Zu seinem Nachfolger soll, wie man sagt, ein hiesiger Herr berufen werden.

Cassel, 11. Juni. (Plötzlicher Tod.) Ein 24 Jahre alter Feldgrauer hatte mit seiner Schwester eine Wirtschaft in der Oberstadt besucht. Beim Abschied­nehmen zum dritten Male wollte er ins Feld brach er von einem Herzschlag getroffen, tot zusammen.

Cassel, 13. Juni. In verschiedenen Schlächtereien hat man nach Feststellung der Preisprüfungsstelle den Höchstpreis umgangen, indem mangemischtes Ge­hacktes" (Rind-, Kalb- und Schweinefleisch) verkaufte. Derartige Verstöße werden künftig rücksichtslos geahndet werden.

Die Sterilisierung bezweckt die Vernichtung der vor­handenen Zersetzungserreger (Hefen und Bakterien) so­wie Kleinlebewesen. Infolgedessen kommen mr die Sterilisierung im Haushalte Gefäße mit entsprechendem Verschluß (Weckgläser, Glasflaschen mit gut schließenden verlockten oder »erpichten Korken sowie mit Gumunver- schlüssen sogen. Patentflaschen) in Betracht. Als Korke können auch alte, zunächst in kaltem Wasser einge­weichte und alsdann kurze Zeit (eventuell unter Zusatz von etwas Salzsäure) gekochte Korke Verwendung fin­den: lange Korke z. B. von Weinflaschen können in mehrere dicke Scheiben zerlegt werden und so zum gleich­zeitigen Verschließen mehrerer Flaschen dienen. Zum Verlocken ist nicht nur Flaschenlack, sondern auch Pech und Harz geeignet.

Als chemische Konservierungsmittel stimmen nur solche in Betracht, deren Genuß in den zur Haltbar­machung erforderlichen Mengen die menschliche Gesund­heit zu gefährden nicht geeignet ist. Es sind dies Benzoe- säure und auch Ameisensäure. Benzoesäure wird am zweckmäßigsten als Benzoesaures Natron benutzt, ein weißes Pulver, das sich leicht dosieren läßt, und von dem 1 Gramm auf 1 Kilogramm Fruchtmus, cinge- zuckerten Fruchtsaft u. dgl. zur Haltbarmachung genügt. Mehr als 1,5 Gramm auf 1 Kilogramm Mus mw. soll teil jedenfalls vermieten werben. Es ist zweckmäßig, sich die wn Fall zu Fall t erforderlichen Mengen an Benzoesonrem Natron in der Apotheke beim Einkauf abwiegen zu lassen, weil hierfür im allgemeinen nn Haushalt geeignete Wagen nicht 511 r Verfügung stehen.

An Ameisensäure ist mehr erforderlich als an ; Benzoesäure und zwar etwa 0,25 Prozent. Hierbei ist zu beachten, daß die Ameisensäure des Handels eine wässerige Lösung von Ameisensäure barste!?. Die m Apotheken erhältliche SlrAcneibndnvare ist Löprozentig. Von dieser ist demnach l Prozent erforderlich. Es kom­men mithin auf 1 Pfund Mus, nngezuckerten FrnÄt- faft usw. 5 Gramm, auf 1 Kilogramm 10 Gramm der Arzeueibuchwore. Auch bei diesem Mittel ist es das Zweckmäßigste, sich die von Fall zn Fall erforderliche Menge in der Apotheke genau abwiegen zu lassen. v

Die chemische Haltbarmachung ist allerdings nur da

Cassel, 13. Juni. (Die Fleischkarte ist da!) vermehrte Anlieferung von Schlachtvieh hat Einführung ab 19. Juni ermöglicht, zunächst zwei Wochen. Die Bezugsmenge wird jeweilig Magistrat bekannt gemacht werden und bis

Die ihre auf vom auf

weiteres 150 gr. fettes oder 200 gr. mageres Fleisch oder 400 gr. frische Leber- oder Blutwurst wöchentlich auf den Kops. Als fettes Fleisch gelten frische und gesalzene Schweinelappen, frischer und gesalzener Speck und frisches rohes Schmalz (Flomen). Alles andere gilt als mageres Fleisch. Eine Zweiteilung des Wochenabschnittes ermöglicht den Bezug beider Fleischarten zur Hälfte. Unter die Fleischkarte fallen Frisch- und Gefrierfleisch. Für die städtischen Dauerwaren (Fett, Speck und Konserven) werden be­sondere Karten ausgegeben.

Bad Wildungen, 13. Juni. Die geistesschwache Elisabeth Christ, ein schlankes dunkelblondes Mädchen von 14 Jahren, ist vor einigen Tagen aus dem Hause ihrer Pflegeeltern spurlos verschwunden. Die Vermißte geht in hessischer Tracht. Sachdienliche Mitteilungen werden an das Bürgermeisteramt er­beten.

Holzhausen bei Homberg, 8. Juni. Hier ertränkte sich in letzter Nacht ein 17jähriges Mädchen in der Hochwasser führenden Esze. Der Grund zu der un­seligen Tat ist unbekannt.

Treysa, 10. Juni. Der 26jährige Bahnarbeiter Keller von hier fand beim Ausladen eines Waggons Steinkohlen einen bleistiftartigen Gegenstand, der beim Hinfallen explodierte. Dadurch wurden dem K. die vorderen Glieder zweier Finger abgerissen. Nach­dem der hiesige Arzt einen Notverband angelegt hatte, wurde der Verletzte in die chirurgische Universitäts­klinik nach Ntarburg gebracht. Vielleicht handelt es sich um ein Stück einer Sprengpatrone, wie sie in Gruben verwandt werden.

Halle, 11. Juni. Der von der hiesigen Kgl. Staats­anwaltschaft fteckbriefli^Werfolate. von derLeivitlaer

flüchtige Füsilier Schumacher Otto Winkler hat nach seiner Einlieferung hier ein volles Geständnis seiner Tat abgelegt. Er hat den Trödler Christian Hadicke am Morgen des 14. Mai um Geldes willen ermordet. Bekanntlich war er auch mit dem wenige Tage darauf in Altenburg an einer Trödlerin begangenen Mord in Verbindung gebracht. Ob er auch dort schuldig ist, wird die weitere Untersuchung ergeben.

Grotz-Geran, 10. Juni. Während im hiesigen Kreise für das Pfund Schinken ein Höchstpreis von 3 Mark 50 Pfennig festgesetzt ist, muß man im gegen­überliegenden Mainz für das Pfund 7 Mark bezahlen. Ein netter Unterschied.

Wiesbaden, 9. Juni. Auf das von dem Ober­bürgermeister von Wisbaden an den Kaiser gerichtete Telegramm anläßlich des Unterganges des Kreuzers Wiesbaden" ist folgende Antwort eingegangen: Herz­lichen Dank für das Beileidstelegramm meiner Resi­denzstadt Wiesbaden anläßlich des betrübenden und doch so heldenhaften Unterganges meines Kreuzers Wiesbaden". Eine neueWiesbaden" wird erstehen zum Ruhme der deutschen Marine und zur Ehre meiner Residenzstadt Wiesbaden.

zu empfehlen, wo die üvrkgen Verfahren aus Mangel an geeigneten Gefäßen oder aus anderen Gründen nickst anwendbar sind, weil es erstrebenswert ist, Obstdauer­waren möglichst naturrein herzustellen.

Zum Sterilisieren dürfen nur sehr sorgfältig ge­reinigte Flaschen und Flaschenverschlüsse Verwendung finden. Die Korke werden wie bei Weißbierflaschen fest verschnürt, und das Erhitzen der Flaschen mit In­halt erfolgt in einem Wasservade. Zu dem Zwecke wer­den die Flaschen mit Papier, etwas Holzwolle oder Stroh umwickelt, fest nebeneinander in einen Mwbtom gestellt, der soviel Wasser enthält, daß die Flaschen etwa zn X im Wasser stehen und dann der Topf zugedeckt und auf Fener gebracht. Sobald das Wasser kocht und auch der FlascheninHalt entsprechend erhitzt ist, läßt man noch etwa 10 Minuten kochen, stellt alsdann den ^ ops bei­seite, bis Abkühlung erfolgt ist. Bei murearmen Früch­ten (z. B. Himbeeren) ist es zweckmäßig, die angegebene Erhitzung nach 2 Tagen nochmals für kurze Zeit zu wiederholen. Unmittelbar nach der endgültigen Lrerü!- siernna werden die Flaschenköpfe sorgfältig getrocknet und verlockt.

In der angegebenen Weise lassen sich verschiedene Früchte, Fruchnnnse, Fruchtsäfte, Rbabarber und bergt, haltbar machen. Die Flaschen müssen demnächst mög­lichst kühl, also tunlichst in einem Keller oder in einem anderen kühlen Raum anf bewahrt werden.

Pflaumeninuv Birnermmo und Apfrunns aus reifem Obst läßt sich 3. B. kurz einkochen Ho fest, bis es sich fdmerben läßt) und in gut mit dichtem Papier über- bundenen Tontöpfen anftiewahren, wenn diese numuiel- bar nach dem Einfüllen des Deinen Muses kurze Zeit in einen Bratofen gestellt werden, bis siw auf der Oberfläcire burd) Eintrocknung eine Kruste gebührt hat. Zweckmäßig ist es allerdings, diese Kruste imt einer dünnen Harzschicht zu Oberst eben. . s

Bemerkt wird noch, daß die Bevölkerung rn der Lage ist, sich unaesutferte Obstkonserven demnächst betm Genuß nach Belieben mit den ihr regetmafHg mr Ver­fügung stehenden Znckerinengen naMzun-ucn. und da« siw insbeionder gemiidtte Konserve« ohne Mkichen Zuckererfätz recht schmachtest herstellen fassen.