Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- Äx*»»5a1Sä zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei MuInO^l Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ’
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für den Kreis Hersfeld
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holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Wervag nachmittags.
Nr. 136.
Sonntag, den 11. Juni
1916
Amtlicher Stil
Hersfeld, den 7. Juni 1916.
Der Schöffe Peter Hahn zu Wüstfeld ist zum ^ Bürgermeister dieser Gemeinde von mir bestätigt und am 6. Juni 1916 verpflichtet worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. A. No. 6673. J. V.:
v. HedeMann, Reg.-Assessor.
Zweite Kriegspfingsten.
Pfingsten! Die Glocken läuten! Aber das klingt so anders! Der glückliche, freie Ton ungetrübter Freude fehlt tmZfestlichen Geläute! Ein Ton vom Tode, von harter Not schwingt mit. Und die Menschen, die in der Heimat durch die Frühlingspracht schreiten, haben nicht die hellen Gesichter wie sonst. Kriegspfingsten In diesem Worte welche schroffen Gegensätze!
Aber doch — gerade aus ihm — Halleluja — klingt es wie selige Verheißung, wie brausende Siegeszuversicht! Der unvergängliche göttliche Geist lebt in dem Worte „Pfingsten".
Da schreibt einer aus dem Felde: „Es ist die Seele, die siegt!" — Ja, die vom Geiste Gottes erfüllte deutsche Seele! Wäre alle ungeheure, übermenschliche Kraftentfaltung und Entbehrung bet unseren Kriegern möglich, wenn nicht die heldenhafte Seele immer wieder ihr Ueberwinderwort: „Ich will!" spräche? Dieser Krieg lehrt uns: Das Volk, das vom besten Geiste beseelt ist, kann nicht bezwungen werden ! O, gesegnet sei der Geist, der im deutschen Volke lebt! Wie war er ein gewaltiger, wundervoller Sturm beim Beginn des heiligen Kampfes! Wie war er Heldenmut und Opfersinn im Feld und in der Heimat bis zu dieser Stunde!
Wir haben die Kraft und den Segen Gottes für diesen unfern Geist herabgebetet aus der Höhe in ja^B«» fest werden, daß Gott uns so herrlich mit seinem Geist begnadete,- aber es soll auch zu einer Feier der Seele werden, in der das Gelübde uns erfüllt, in diesem Geiste zu bleiben, besonders dann, wenn uns
»er Erneuerung, ieb Diese Kriegspfingst» en Segen feiern! A
der Sieg beschieden wird, immer und immer! Ja, der heilige Geist muß noch mehr unser ganzes Volk und sein tiefstes Sein durchdringen. Es muß neu werden, besser, reiner, von Grund auf! O, nicht müde werden in der Erneuerung, jeder an sich selbst!
Diese Kriegspftngsten müssen wir uns zum wahrhaften Segen feiern! Aus den Festglocken tont Gottes Mahnung, nun immer bei ihm zu bleiben, im Lichte seines heiligen Geistes, daß keine Macht der Erde uns
wieder von ihm löse!
Der Geist großer, heiliger Liebe, der Geist des Heldenmutes, der Treue, der Wahrhaftigkeitdes starken, unerschütterlichen Glaubens bleibe unter uns. Wirke bei allen, allen im deutschen Lande!
Ihr Helden, tragt einst den Geist, der euch zu großen Taten, zum unbezwinglichen Aushalten beseelte, heim zu Haus und Herd und in eures Lebens Gemeinschaft! Du tapfere Kriegerfrau, bewahre dir den neuen Geist deines Mutes, deiner schwertlosen Treue in den Zeiten des Friedens! Erfüllt, die Jugend damit, daß sie rein und stark werde! Du aber, durch deren Seele das Schwert des Schmerzes fuhr, du Trauervolle, die des Liebsten beraubt steht, richte dich auf, fühle den Geist der Pfingsten. Er will auch zu dir kommen. Schaue ihn, der den Heldentod starb, an als einen, der, vom Geiste getrieben, sich opferte und der nun im Lichte verklärt ist, im Lichte des ewigen Geistes.
So laßt uns Pfingsten feiern! Leutet, ihr Glocken, blühe, du leuchtende Natur! Wir Wissens: Es ist der Geist, der siegt.
Reinhold Braun.
Hus der Heimat«
* Der Kriegsausschuß für Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel G. m. b. H. hat vor einigen Wochen einen Aufsatz durch die Zeitungen verbreitet, in dem auf den Wert der früher in Deutschland allgemein üblich ge- wesenen Morgensuppe aus Roggen- oder Weizenmehl mit etwas Fettzusatz hingewiesen und die Rückkehr zu der alten guten Gepflogenheit empfohlen wurde. Der erwähnte Aufsatz ist vielfach abgedruckt worden) in einigen Fällen wurde aber im Anschlüsse daran die Frage aufgeworfen, wo denn das erfordersiche Roggen- unb Weizenmehl herkommen würde. Darauf kann nun erfreulicherweise eine bestimmte Antwort erfolgen. Unter Mitwirkung der Reichsgetreidestelle werden in Kürze durch die in erster Linie dazu berufenen deutschen Großgewerbebetriebe neue Suppenwürfel in Vertrieb gebracht werden, die einen Fettzusatz von4 v. H. haben. Ein solcher Suppenwürfel wird 10 Pfg. kosten und die Herstellung von 8 reichlichen Tellern gute Suppe ermöglichen. Man darf erwarten, daß dieses neue Hilfsmittel zur Ueberwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten auf dem Gebiete der VolkSernährung bet tragen wird.
(Für Pfingstausflügler!) Das Kriegsernährungsamt weist auf folgendes hin: Die Pfingst- lage werden bei günstiger Witterung in diesem Jahre einen besonders großen Ausflugsverkehr bringen. Den Ausflüglern ist die Pfingsterholung und den Gastwirten die Einnahmen in dieser schweren Zeit wohl zu gönnen. Erstere müssen aber ernstlich darauf hingewiesen werden, daß bei den bestehenden Grundsätzen für die Verteilung der Lebensmittel auf die Versorgung größerer Ausflüglermengen aus den am Orte vorhandenen Lebensmitteln nicht zu rechnen ist. Den Kurorten werden zwar zur Versorgung von Kurbedürftigen die nötigen Lebens- mittel besonders Angewiesen werden, auf den Masfen- ausflugsverkehr kann diese Maßregel aber ohne die ansässige Bevölkerung, insbesondere die schwerarbeitenden Personen zu schädigen, unmöglich ausgedehnt werden. Jeder Ausflügler wird deshalb gut tun, sich die Nahrungsmittel aus dem Hetmatsorte mitzubringen. Die Gastwirte werden sich darauf einrichten müssen, gegen Ablieferung der entsprechenden Mengen die Speisen herzustellen und zu liefern. Die Regelung der Bezahlung wird bei beiderseitigem gutem Willen keine Schwierigkeit bieten. Der altbewährte Brauch „Familien dürfen ihren Kaffee kochen muß in jetziger Zeit auch auf andere Lebensmittel sinngemäß ausgedehnt werden.
* Keine Postsendungen mit leichtschmelzenden Stoffen insFeld. Seit dem Einsetzen der wärmeren Jahreszeit mehren sich wieder die Klagen der Truppenteile, daß Päckchen mit leicht schmelzbaren Stoffen, wie Butter, Fetten, Honig usw. infolge mangelhafter Verpackung beschädigt eingehen. Solche Sendungen sind für den Empfänger nicht nur meist wertlos, sondern sie beschmutzen auch viele andere Päckchen, Briefe und Zeitungen sowie die zur Versendung der Feldpostsendungen dienenden Beutel. Es wird daher erneut darauf hingewiesen, daß Lebensmittel aus leicht schmelzbaren Stoffen während der I ■ijjjji^
Sendungen solchen Inhalts, wenn sie nur in Papp- kästen oder dergleichen perpackt sind, von den Postanstalten unbedingt znrückgewiesen werden müssen. Von der Versendung von Butter und Fett ins Feld während der Sommermonate kann, wegen der leichten Verderblichkeit dieser Stoffe selbst bei ausreichender Verpackung, nicht dringend genug abgeraten werden.
* (Geldsendungen an Kriegsgefangene in Rußland). Zu der vor einigen Tagen halbamtlich verbreiteten Notiz über Geldsendungen an Gefangene durch den Christlichen Verein junger Männer in Berlin macht der Hamburgische Landesverein vom Roten Kreuz im Auftrage des genannten Vereins, um Mißverständnissen vorzubeugen, darauf aufmerksam, daß Gedsendungen durch den Christlichen Verein junger Männer seitens der Angehörigen Gefangener vorläufig noch nicht gemacht werden können. Die für diesen Ueberweisungsweg notwendige Organisation ist noch nicht vollkommen durchgeführt. Eine weitere Bekanntmachung wird erfolgen, fobald der Weg für das Publikum offen ist.
* (Trinkerfürsorge.) Die 8. Konferenz für Trinkerfürsorge findet am 13. und 14. d. Mts. in Berlin statt. Anläßlich derselben werden im Landes- Hause zu Berlin wissenschaftliche Vorlesungen zum Studium des Alkoholismus abgehalten, und sind Behörden, Anstalten und Vereine wie auch Männer und Frauen, die in dieser Arbeit stehen oder ihr näherzu- treten gedenken, zur Teilnahme an dieser Konferenz eingeladen.
* Für eine Volksspende für deutsche Kriegsund Zivilgefangene im Auslande wird in den Tagen vom 1. bis 7. Juli in ganz Preußen gesammelt werden. Der Schwerpunkt der Organisation wird dabei in den Zweigvereinen vom Roten Kreuz liegen.
):( HerSfeld, 10. Juni. Das Kriegsministerium teilt mit, daß in der letzten Zeit die Fälle häufiger geworden sind, in denen die Vorschriften über die Meldepflicht neutraler und verbündeter Ausländer nicht beobachtet worden sind. In dieser Hinsicht wurden mehrfach durch die mit der Ausführung von Eisenbahnüberwachungsretsen betrauten Beamten Verfehlungen festgestellt; aber auch von den Grenz- schutzbehörden sind Klagen hierüber laut geworden. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß Angehörige verbündeter und neutraler Staaten beim Wechsel ihres Aufenthaltsorts sich sowohl bei ihrer Abreise wie bei ihrer Ankunft bet der Polizeibehörde zu melden haben, und diese An- und Abmeldung auf den Pässen vermerkt sein muß. Jedermann, der einen über 15 Jahre alten Ausländer in seiner Behausung oder in seinen gewerblichen und dergl. Räumen (Gasthäusern, Fremdenheimen usw.) aufnimmt, ist verpflichtet, sich über die Erfüllung der Melde-Vorschriften innerhalb 24 Stunden nach der Aufnahme des Ausländers zu vergewissern und im Falle der Ntchter- füllung der Ortspolizeibehörde sofort Mitteilung zu machen. Zuwiderhandlungen werden nach der bereits erlassenen Verordnung vom 80. August 1915 mit Haft
bis zu sechs Wochen oder Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft.
):( Hersfeld, 9. Juni. (Anmeldung neuer Fern- sprechanschlüsse. Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit von August bis Oktober gewünscht wird, spätestens bis zum 1. August bei der Fernsprech-Vermittelungsanstalt angemeldet sein müssen, an welche die Sprechstelle angeschlossen werden soll.
Gaffel, 9. Juni. An den Folgen schwerer Brandwunden starb gestern im Krankenhause zum Roten Kreuz das 10 Jahre alte Töchterchen des Schreinermeisters Heinrich Tr. zu Wenigenhasungen. Das Kind war vorgestern allein zu Hause geblieben, um auf das Essen zu achten, während die erwachsenen Angehörigen auf das Feld gegangen waren. Hierbei gerieten die Kleider des Mädchens in Brand) es lief, da keine Hilfe im Hause war, aus der Küche hinaus auf die Straße, wodurch die Flammen erst recht empor- loderten, so daß das Kind am ganzen Körper schwere Brandwunden erlitt.
Cassel, 9. Juni. Die vom Magistrat von Caffel aufgerufene Sammlung von,Tee-Ersatzkräutern durch hessische Schulkinder hatte bisher nur mäßigen Erfolg. Jetzt wird das Augenmerk der hessischen Schullehrer auf den Wert der Kerne der Aepfel und Birnen, Pflaumen und Kirschen und der Früchte der Linden für die Oelgewinnung gelenkt. In Kürze wird ein entsprechender Aufruf des Magistrats wieder eine Firma nennen, die die Kerne und Früchte sammelt und auspreßt. Der Erlös soll dem Roten Kreuz zugute kommen.
Arolsen, 8. Juni. Hier ist die Hundesteuer ab 1. Juli erhöht auf 15 Mark für den ersten, 24 Mark für den zweiten, 32 Mark für den dritten und jeden weiteren Hund. Bisher wurden für jeden Hund 12 Mark erhoben.
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Genesung weilender Jäger nach einer Eifersuchtsszene eine junge Frau durch einen Messerstich in die Brust lebensgefährlich verletzt und sich dann erschossen.
Göttingen, 9. Juni. Im laufenden Monat Juni ist ein halbes Jahrhundert ins Land gegangen, seitdem das ehemalige Königreich Hannover preußische Provinz geworden ist. Am 16. Juni 1866 traf der König von Hannover Georg V. mit dem Kronprinzen Ernst Augnst, jetzigem Herzog von Cumberland, in Göttingen ein, nahm im Hotel „Zur Krone" Wohnung und zog seine Truppen zusammen. Am 21. Juni verließ er Göttingen an der Spitze seines Heeres und zog über Heiligenstadt nach Süden. Hier wollte er sich mit dem bayerischen Heere vereinigen, woran er aber verhindert wurde. Am 27. Juni kam es zur Schlacht bei Langensalza zwischen Preußen und Hannoveranern, die mit der Kapitulation des hannoverschen Heeres endete.
Göttingen, 8. Juni. Der Magistrat hat von heute ab die Höchstbezugsmengen an Butter und Margarine auf wöchentlich 80 Gramm Butter und 30 Gramm Marg'arine festgesetzt. Kinder unter fünf Jahren steht nur die Hälfte zu.
Großtöbnitz, 8. Juni. Hier stürzte das siebenjährige Töchterchen des Gutbesitzers Fischer vom Scheunenboden anf die Tenne. Das Kind trug so schwere Verletzungen davon, daß es alsbald starb.
Jena, 8. Juni. Die Brauereien und Wirte von Jena und Umgegend richten an das Publikum die Bitte, den Einfachbieren mehr Beachtung zu schenken. Um der Gefahr zu begegnen, daß im Spätsommer überhaupt kein Bier mehr vorhanden ist wollen die Brauereien vom 8. Juni d. J. an die Bierabgabe zur Hälfte in Lagerbier und zu anderen Hälfte in Weißbier ausführen.
Fnlda, 9. Juni. (Eigenartiger Patriotismus.) Zu einem Landwirt in einem Nachbardorfe kam kürzlich ein Händler und fragte nach schlachtreifem Rindvieh bezw. Schweinen. Der Landwirt gab zur Antwort, daß alle seine Schweine trächtig seien. Nunmehr begab sich der Bürgermeister des Ortes, der Vertrauensmann des Viebhändlerverbandes, und der betreffende Händler in die Ställe unseres Landwirtes und stellten fest, daß dessen Angaben unrichtig seien: es befanden sich nämlich unter den Schweinen zwei erstklassige fette männliche Tiere.
Gelnhausen, 8. Juni. Auf der Königsbrücke wurden die Pferde des Fuhrunternehmers Merz plötzlich scheu und sprangen über das Geländer in den Fluß. ' Eins der Tiere spießte sich dabei in den Eisen- stangen auf und mußte sofort abgeschlachtet werden.
Hana«, 9. Juni. Die Gemahlin des Flottenchefs Admirals Scheer ist, wie der „Anz." mitteilt, eine Schwester der Gemahlin des k. u. k. Kontreadmirals Anton Edlen von Triulzi. BeHerkenswerr ist, daß in dem Kampfe am Skagerrak auch ein Bruder der Frau Admiral v. Triulzi, einer geborener Kielerin, als Seeoffizier teilnahm und hierbei den Heldentod fand. Kontreadmiral v. Triulzi ist derzeit Kommandant der k. u. t Marineakademie.