Geilen die Höhe 310.
Nach der Erstürmung der Linie Haucourt -Esnes.
Während in Tirol behutsame und erfreuliche Ereignisse zu verzeichnen sind, haben unsere Truppen vor Berdun weitere Fortschritte gemacht, aus denen sich ergibt, wie unwiderstehlich hier der Druck unserer Truppen ist. An den letzten Tagen waren hauptsächlich französische Gegenstöße gegen unsere neu gewonnenen Stellungen auf Höhe 804 zu verzeichnen. Noch am 1«. Mai meldete unser Generalstab, daß ein Angriff der Franzosen gegen den Südhang der Höhe 304 in unserem Sperrfeuer zusammeubracb. Aus diesem Bericht konnten wir zum ersten Male die höchst bedeutsame Tatsache feststellen, daß sich unsere Truppen bereits tu den Besitz auch des Südabhanges der Höhe 304 setzen konnten, den wir behututlidi am 7. Mai, als die Pom- uiern sich des Nordabhanges der Höhe bemächtigten, noch nicht im Besitz hatten. Die Abdrängung der Franzosen von dem Sitdrand war in unserem Generalstabsbericht nicht besonders erwähnt worden. Aber wenn die Franzosen gegen diesen Lndabüang bereits vergebliche Angriffe machten, so muh er sich in den Händen unserer Truppen besinden. Der Angriff vor Berdun ist aber bereits weiter fortgeschritten, und auch diese neue Tatsache bestätigt uns den Besitz des Südabhanges der Höhe 304. Am 18. Mai meldete unser Geucralstab, daß die Franzosen nach drei weiteren vergeblichen Angriffen gegen unsere Stellungen auf Höhe 304 über Esnes zurückfliehen mußten und dabei schwere Verluste erlitten. Diese Nachricht ist darum besonders bemerkenswert, weil daraus hervorgeht, daß der Kampf bereits bis an der neuen Hauptsteilung ^er Franzosen bei Es- nes-Höhe 310 vorgeschritten ist. Esnes lieqt unmittelbar der Höhe 310 gegen Norden vorgelagert. Das Gelände zwischen Höhe 304 und Esnes war für den Rückzug der Franzosen sehr wenig günstig, da es nur geringe Deckung infolge seiner Uebersichtlichkeit von der beherrschenden Höhenftcllung unserer Truppen bietet. Aus diesem Grunde sind auch die großen Verluste verständlich, welche die Franzosen bei der Flucht gegen Esnes erlitten hatten, und die einer frischen afrikanischen Division. Nun wurde dieser Erfolg nach dem letzten Generalstabsbericht beträchtlich ausgebaut. Die Gräben an der Linie Haucourt-Esnes wurden erstürmt und eine beträchtliche Anzahl von Gefangenen wurde gemacht. Diese Linie schließt sich eng an die weiter nach Süden liegende Linie Hesse-Wald—Höhe 310-Fort Marre. Durch den neuesten Erfolg unserer Truppen Est hier nun auch die letzte französische Verteidigungsstellung westlich von Berdun gestoßen. Die französische Presse hat vor mehreren Tagen und Wochen, als der Sumpf noch nördlich der Höhe 304 tobte, mehrfach betont, daß hier die stärkste Stellung der französischen Truppen vor Berdun zu finden sei, hat aber dabei dem festen Vertrauen Ausdruck gegeben, daß die Höhe 304 von unseren Truppen nicht werde genommen werden können. Nun, nachdem diese Hoffnung der Franzosen zuschanden ist, bildet jetzt die Linie hinter Esnes den letzten Pfeiler des französischen Vertrauens.
(OKM.)
Unsichere Stimmung in Rußland.
„Rutzkoje Slowo" schreibt in einem bemerkenswerten Artikel am 9. Mai: Vor einigen Jahren fuhr ich in der Eisenbahn mit einem Teutschen,' er war ein Typ seines Volkes, das die auf armen, harten Boden erzogene Energie und Selbstbeherrschung darstellt. Ob uns diese Energie angenehm oder unangenehm ist, ist 'MWWW^^AWWM^^^s^m^Megenoer Russe. Bei ihm ist von Energie keine Rede, er begnügt sich mit feinen Gedanken. Er spricht von unseren Niederlagen — den gewesenen und denen, die noch kommen können. „Ich habe alles so kommen sehen, heißt es, und ich kann nur wiederholen: Es wird uns noch schlechter gehen!" — „Die Deutschen sind Ueber- menschen, wir sollten gar nicht daran denken, mit ihnen zu kämpfen." Solchen Leuten müßte man antworten: Die Deutschen sind durchaus keine Uebermenschen, aber wir Russen sind UeberWlafmützen. Bis heute haben wir noch nicht die in uns schlummernden Möglichkeiten entdeckt. Man muß uns immer und immer wieder vor den Bauch treten, um uns zu überzeugen, daß wir ; keine Kälber- oder Hammelherde sind, sondern ein ungeheures mächtiges Volk. Wir sind dreimal so begabt und reich als Deutschland. Doch das Schlimmste ist: Wir haben keine Achtung vor uns selbst.
Vor kurzem sprach ich im Ural mit einem Politiker. Er sagte: „Wir können nichts machen — wir sind müde. Man muß den Krieg beenden, wir brauchen den Frieden." Aus meine Frage, wie er sich den Frieden vor- stellt: „Sehr einfach. Die Teutschen haben 16 Gouvernements besetzt, nun, geben wir sie ihnen. Wenn sie
„Ja, es gibt sogar Leute, die einverstanden sind, daß Rußland wieder die Milchkuh für Deutschland wird. Es gibt Sklavensrelen, mit so wenig persönlichem und nationalem Volksbewußtsein, daß sie einverstanden sind, auch „unter dem Deutschen" zu leben, wenn nur Friede wird. Zum Glück ist dies nicht die Stimmung der großen Masse. Wir müssen mit der deutschen Räuberei
Schluß «rächen, welche bitteren Möglichkeiten uns auch noch bevorstehen. An einem nächsten Artikel werde ich zeigen, wieviel schlechter es in Deutschland aussieht als in Rußland.
Was hat die Türkei für Schläge bekommen, und doch legt sie die Waffen nicht aus der Hand und werden wir noch sehr mit ihr zu rechnen haben. Freilich wird das Leben bei uns von Tag zu Tag schwerer, wir haben schwere Niederlagen erlitten, und vielleicht stehen uns noch schwerere bevor. Leider ist bei uns alles möglich. Der schlimmste Feind Rußlands ist nicht die Energie der Deutschen, sondern unsere eigene Lethargie selbst während des Weltkrieges. Die großen Möglichkeiten Rußlands müssen aufhören, nur Möglichkeiten zu fein, sondern müssen Wirklichkeiten werden, sonst werden allerdings so furchtbare Möglichkeiten über uns hercinbrechen, wie wir uns überhaupt nicht vor- stellen können. Und weinen möchte ich, wie tot die gewaltigen Kräfte des Landes schlafen. -
* * *
Neue russische Eisenbahumaterialbestellungen in Amerika.
Die „Nationalztg." berichtet von der russischen Grenze: „Rjetsch" meldet, daß die russische Regierung in den Vereinigten Staaten wiederum 1000 Lokomotiven und 32,000 Eisenbahnwagen bestellt hat. Die Lieferungen sollen über Wladiwostok transportiert werden.
Ein Btief von der Ostfront
Man schreibt der „Köln. Ztg." aus dem Felde: Wir wissen ganz genau, daß den Russen bei den riesigen Menschenmassen, die sie meist zu Angriffen verwenden, kein Drahtverhau zu breit, keine Deckung zu fest ist. Und so schafften wir Tag und Nacht, holten zur Unterstützung sogar Arbeiterkompagnien herbei, die uns tüchtig unterstützten, und die besonders zur Beerdigung der vielen, vielen Russenleichen, die noch immer vor der Stellung und in den Drahtverhauen moderten und erst nach und nach geborgen werden konnten, verwandt wurden. Denn wie furchtbar die Russen bei ihren wahmviyigcn Stürmen gelitten hatten, sahen wir erst jetzt, konnten es auch erst jetzt sehen, da sehr viele Tote vom Graben aus unsichtbar in Wasserrinnen und Grauatlöchern lagen, und jetzt erst gefunden wurden. Und wieber wunderten wir uns, wie schon so oft, wenige Offiziere waren unter den Toten, sehr wenige, so daß es uns unbedingt auffällen mußte, und wenn wir wirklich welche fanden, waren's blutjunge Bürsch- chen, halbe Kinder noch, die in keckem Wagemut mit ihren Leuten vorgestürmt waren, dem sichern Tod entgegen. Was ich sonst noch sah, möchte ich verschweigen, nur daß wir genug sichtbare Merkmale fanden, die uns aufs neue bestätigen, daß die russische Heeresleitung kein Mittel scheut, um die Massen, und sei es mit brutalster Gewalt, vorzutreiben, hier wie dort dem gewissen Tode entgegen.
In Erwartung eines neuen Massenangriffs harrten wir gefechtsbereit in unsern Unterständen, die, Gott sei Dank, auch diesmal wieder ausgehalten hatten, und sprangen als das Feuer nachließ, sogleich in die Gräben hinaus, um den Sturm mit der Knarre in der Faust abzuwehren. Doch wir harrten vergebens, kein Russe zeigte sich, das Gelände blieb frei vom Feinde, und mit dem Aufhören des feindlichen Artilleriefeuers herrschte wieder Ruhe an der ganzen Frorst. Wir waren zu probieren, der trotz des wütenden Artilleriefeuers nur wenig gelitten hatte. Na, wenn's heute nicht war, dann ein anderes Mal, Gelegenheit würoen wir rwon noch bekommen. Und die Gelegenheit kam schneller als wir gedacht hatten und auch anders, denn diesmal waren wir die Angreifer, diesmal wollten wir den Filchs in seinem Bau aufstöbern. Gleich nach dem letzten großen Artillerieüberfall, dem noch verschiedene kleinere folgten, die uns jedoch wenig genierten, begannen bei uns die Vorbereitungen.
Nach acht Tagen sorgloser Ruhe, in einem größer» Ort, rückten wir abends in die Stellungen ein, machten uns so gut wie möglich in den Unterständen bequem, was bei der Uebersüllung nicht gerade leicht war, und trösteten uns gegenseitig mit der Versicherung, daß wir morgen abend mehr Platz in der feindlichen Stellung finden würden. Früh am Morgen fing dann das Konzert unserer Artillerie an. Zuerst noch ziemlich piano, doch gegen Mittag sich zum stärksten Fortissimv steigernd, so daß uns vom bloßen Zuhörer: schon fast Hören und Sehen verging. Wir lagen am äußersten rechten Flügel des Abschnitts. Unsere Stellung gleichsam nach Süden sichernd zog sich ein ziemlich breiter Wasserarm, der früher wohl mit dem nahen N.-See in Verbindung gestanden hatte, hin. Jetzt war derselbe teilweise ausgetrocknet, nur in der Nähe unserer Stellung hatte sich das Wasser infolge des Tauwetters und Regens angescmrmelt und bot einen vorzüglichen Flan- kenschutz. Nördlich, nicht weit von dem Wasser, in höchstens ein Silometer Entfernung lag ein größerer Gutshof, den die Russen stark befestigt hatten, und in dessen Kellergebäuden, wie wir vermuteten, ihre Re
serven lagen. Unser Artilleriefeuer richtete sich dernge? mäß auch außer auf die Gräben und Stellungen des Feindes auf den Gutshof, und wir konnten anfangs deutlich beobachten, wie die Geschosse unserer schweren Kaliber in die Gebäude einschlugen. Nachher freilich deckte eine graugelbe Wolkenwand das ganze (belaube wie mit einem schweren Vorhang zu, und nur die hin und her fahrenden grell aufzuckenden Blitze, die auf Bruchteile von Sekunden den Vorhang zerrissen, zeigten den Einschlag unserer Geschosse. Doch war es unmöglich, den einzelnen Einschlag festzustellen, zu Hunderten und aber Hunderten platzten sie in jeder Minute, und furchtbar dröhnten die Detonationen herüber. Unsere Artillerie schoß wieder einmal ganz wunderbar, und trotzdem die Russen mit wütendstem Feuer antworteten, vermochten sie nicht unsere braven Schwarzkrage« in ihrer Arbeit aufzuhalten. (
Auch wir hatten unter dem feindlichen Artillerie- feuer zu leiden, denn es waren keine angenehmen Stunden, die wir in den überfüllten, pou Rauch- und Pulverdämpfen durchschwängerten Unterständen, die zudem nicht alle ganz bombensicher waren, auszuhalten hatten. Wir dankten unserm Schöpfer, als endlich die Zeit herankam, die ziyn Sturm bestimmt war. Langsam, schneckengleich krochen die letzten Minuten, jede Minute, jede Sekunde eine Ewigkeit. Und als dann endlich der Zeiger genau die Zeit wies, und wir die Kameraden, die um Sekunden zu früh aufgebrochen waren, durch die Laufgräben hasten hörten, da gab es and) für uns kein Halten mehr. In wenigen schnellen Sprüngen waren die Gräben durchmessen, die Brüstungen überklettert und wie ein Bergstrom furchtbar reißend ergoß sich auf der ganzen Linie die feldgraue Woge aus den Schützengräben. Noch sahen die Russen uns nicht, noch nahm der riesige gelbgraue Vorhang jede Fernsicht. Doch sie mußten uns wohl gehört haben, denn ein regelloses Geknatter setzte ein, die Gewehrkugeln fegten hoch über unsere Köpfe weg, ohne uns den geringsten Schaden zu tun. Wir in weiten schnellen Sprüngen vor, immer vor, bis wir an- den zerrissenen und zerfetzten Drahtverhauen waren, tn die unsere Geschosse breite Gassen gerissen hatten. Durch mtb in die fast eben gemachten Schützengräben springen war eins.
Furchtbar sah es hier aus, unsere Geschosse hatten wieder einmal ganze Arbeit gemacht. In den vordersten Gräben lebte nicht mehr viel, nur in einzelnen Unterständen hockten mehr tot wie lebend die vom Tode verschonten Feinde und gaben sich widerstandslos gefangen. Aus der zweiten Linie, die weniger vorn Feuer mit= genommen war, und auf die wir in breiter Front nun unaufhaltsam vorstürmten, knatterte scharfes Gewehr- feuer uns entgegen, auch Maschinengewehre rasten dazwischen. Doch den Russen war der Schreck wohl in die Glieder gefahren, sie schössen heute nicht so gut wie früher, und wir kamen fast ohne Verluste in die Gräben, wo allerdings nun ein wilder Kampf Mann gegen Mann entbrannte, aus denen trotz fortwährender Verstärkungen die Russen uns nicht vertreiben konnten.
Unterdessen hatte unser zweites Bataillon nebst Tei- len anderer Regimenter die Russen in der rechten Flanke gepackt, die südlich liegenden Stellungen erstürmt und drangen nun durch den ausgetrockneten Wasserarm gegen den Gutshof vor. Wir besamen durch den Flankenstotz auch mehr Luft, drückten mit voller Wucht vor und fchmifsen die letzten Russen aus den Gräben hinaus. Der Kampf hatte länger gebattert, der Widerstand in der gutbefestigten Stellung war stärker gewesen wie an andern Punkten, denn als wir ben flüchtenden Russen in der Richtung auf den Gutshof nachsetzten, war derselbe bereits von pen genommen, die vor uns weichenden Russen in der Falle drinnen, die benn auch famos ihre Schuldigkeit tat. Die Kerle gaben sich schleunigst gefangen. Links von dem Gutshof tobte noch immer ein wilder Kampf, der besonders in der Nähe einiger Tagelöhnerhäuser, um die erbittert gestritten wurde, zu einem furchtbaren Gemetzel ausartete. Die Russen benahmen sich wie die Wahnsinnigen, schrien und tobten, und nur die sehr eindringliche Srpache unserer Maschinengewehre, die schleunigst nach vorn gebracht worden waren, brachten den Rest der Halbwilden endlich zur Besinnung. Sie streckten die Waffen, und nun ergab sich, daß die Kerle alle mehr oder weniger betrunken waren. Der Keller des Gutshofes hatte herhalten müssen, dort hatten sie die Fässer und Flaschen zerschlagen, die der russische Stab wahrscheinlich für sich dort reserviert hatte. Und mit solchem Halbwilden, betrunkenen Pack Hatten wir uns herumschlagen müssen. Wir fanden noch viel Berauschte in tiefem Schlaf liegend, als wir nachher die Keller und Gebäulichkeiten durchsuchten.
Unser Vorstoß war aufs beste gelungen, unsere seitherige Stellung war um vieles verbessert werben, der Zweck war erreicht, und ohne große Verluste, was ja die Hauptsache ist. Die Russen dagegen hatten schwer gelitten. Wir hatten wieder einmal in kühnem Ansturm gesiegt, hatten den Feinden gezeigt, daß wir noch fechten konnten und uns gar nicht scheuten, wenn's nottat. anzugreifen. Das machte uns stolz und froh, und hilft uns auch über die Zeit rastloser Arbeit bei Tag und Nacht, die jetzt für uns kommt, hinweg. Denn die neue Stellung muß so befestigt werden, daß die Herren Russen sich bei nächster Gelegenheit ihre Köpfe einrenuen wie bei dem ersten Versuch, dieselbe zurückzuaewtnnen.
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